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Full text of "Jahrbuch der Kais. Kön. Geologischen Reichs-Anstalt"

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JAHRBUCH 


DER 


KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 


E 


L.  BAND  1900. 


Mit  27  Tafeln  uud  einem  Bildnis. 


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Wien,  1901. 

Verlag  der  k.  k.  Geologischen  Reichsanstalt. 


In  Commission  bei  R.  Lechner  (Wilh.  MUller),  k.  u.  k.  Hofbuchhandlun^, 

I.,  Graben  31. 


Die  Autoren  allein  sind  für  den  Inhalt  ihrer  Mittheilungen  verantwortlich. 


Inhalt. 


Seite 

Personalstand  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  (1.  April  1901)  ....  V 

Correspondenten  der  k.  k    geologischen  Reichsanstalt      ...        VIII 

Heft  1 . 

Seite 

Die  Beziehung  des  Erdbebens  von  Sinj  am  2.  Juli  1898  zur  Tektonik  seines 
pleistoseisten  Gebietes.  Von  Dr.  Fritz  von  Kerner.  Mit  einer  geo- 
logischen Karte  (Taf.  Nr.  I) 1 

Skizze  eines  geologischen  Profils  durch  den  steirischen  Erzberg.  Von 
M.  Vacek.  Mit  einer  lithographirten  Tafel  (Nr.  II)  ui.d  einer  Zinko- 
typie  im  Text 23 

Geognostisch-palaeontologis^che  Beschreibung  der  Insel  Lesina.  Von  U.  Sohle. 

Mit  einer  lithographirten  Tafel  (Nr.  III) 33 

Fossilreste    aus    dem    südmährischen    Braunkohlenbecken    bei    Gaya.    Von  A. 

Hof  manu.  Mit  2  Lichtdruck-Tafeln  (Nr.  IV  und  V) 47 

Die  Grenze    zwischen    der    Flyschzone    und  den    Kalkalpen    bei   Wien.     Von 

A.  Bittner 51 

Ueber  die  triadische  Lamellibranchiaten-Gattung  Mi/sidioptera  Sal  und  deren 
Beziehungen  zu  palaeozoischeu  Gattungen.  Von  A.  Bittner.  Mit  einer 
lithographirten  Tafel  (Nr.   VI) 59 

Ueber  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation.    Von  ö.  Z  a- 

hälka.  Mit  vier  Tabellen 67 

Ueber   Säugethierreste   der   Pikermifauna   vom  Eichkogel   bei  Mödling.    Von 

M.  Vacek.  Mit  zwei  lithographirten  Tafeln  (Nr.  VII  und  VIII)     .    .      169 


Heft  2. 

Seite 
Cvelacatithus  Lunzensis  Teller.    Von  Dr.  Otto  M    Reis.    Mit  2  Liciitdruck- 

tafeln  (Nr.  IX  und  X) 187 

Die  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  Von  Dr.  Franz  E.  Suess. 
Mit  8  Lichtdruck-Tafeln  (Nr.  XI  [I]— XVIII  [VIII])  und  60  Zinko- 
typieu  im  Text    ... 193 


Heft  3. 

Seite 
Einige    Bemerkungen     über    die     stratigraphische     Stellung     der     Krimmler 
Schichten    und   über   den   Tauerngiaben   im    Oberpinzgau.     Von  Prof 

Dr.  C.  Diener.  Mit  einem  Profil  im  Text 383 

Beitrag   zu   einer    geologischen  Karte  des  Fleimser  Eruptivgebietes.     Von  0. 

v.  Huber.  Mit  einer  Farbendrucktafel  (Nr.  XIX) 395 

Das  Alter  der  Kohlenablagerungen  östlich  und  westlich  von  Rötschach  in 
Südsteiermark.  Von  Dr.  Karl  A.  Redlich  in  Leoben.  Mit  einem 
Profil  im  Text 409 


IV 

Seite 
Untersuchuug  der  Aufschlüsse  der    Bahnstrecke   Karlsbad — Marienbad   sowie 
der   angrenzenden    Gebiete.     Von  Fr.  Martin.    Mit  einer  Lichtdruck- 
tafel (Nr.   XX)  und  8  Zinkoty2)ien  im  Text 419 

Ueber  Basaltgesteine   aus  Ostböhmen.    Von  Dr.  Karl  Hin  te  rl  ech  iier.   Mit 

einer  Lichtdrucktafel  (Nr.  XXI)  und    10  Textfiguren 469 

Zur  Erinnerung   an   Carl   Maria   Paul.     Von  Dr.  E.  Tietze.     Mit  einem 

Bildnis 527 


Heft  4. 

Ueber  Pseudomofiotis  Telleri   und  verwandte  Arten  der   unteren  Trias.     Von 

A.  Bittner.  Mit  3  Tafeln  (Nr.  XXII— XXIV) 559 

Beiträge  zur  Kenntnis  der  geologischen  Verhältnisse  Ostböhmens.  I.  Theil. 
(Der  Gneissgranit  und  die  Dislocation  von  Pottenstein  a.  d.  Adler.) 
Von  Dr.  Karl  H  in  ter  1  echn  e  r.  Mit  2  Zinkotypieu  im  Texte.    .    .     593 

Der  Granulitzug   von   Borry   in   Mähren.     Von    Dr.    Franz  E.  Suess.     Mit 

einer  Lichtdrucktafel  (Nr.  XXV)  und  einer  Zinkotypie  im  Text  .    .    .     615 

Bemerkungen  über  einige  Foraminiferen  der  ostgalizischen  Oherkreide.  Von 
R.  J.  Schubert.  Mit  einer  Lichtdrucktafel  (Nr.  XXVI)  und  drei 
Zinkotypien  im  Text 649 

Arbeiten  aus  dem  chemischen  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt, ausgeführt  in  den  Jahren  1898  —  1900  von  C.  v.  John  und 
C.  F.  Eichleiter 663 

Geognostische  Schilderung  der  Lagerstättenverhältnisse  von  Dobschau  in 
Ungarn.  Von  Friedrich  W.  Veit.  Mit  einer  Tafel  in  Farbendruck 
(XXVII)  und  zwei  Zinkotypien  im  Text 695 


Verzeichnis  der  Tafeln: 

I  zu:  Dr.  F.  v.  Kerner.   Die  Beziehung  des  Erdbebens  von  Sinj 

zur  Tektonik  seines   pleistoseisten  Gebietes     .....         1 
II  zu:  M.  Vacek.    Skizze   eines   geologischen  Profiles  durch  den 

steirischen  Erzberg 23 

in  zu:  U.   Sohle.    Geognostisch  -  palaeontologische   Beschreibung 

der  Insel  Lesina 33 

IV — V  zu:  A.  Hofmfiiin.  Fossilreste  aus  dem  sUdraährischen  Brauu- 

kohlenbecken  bei  Gaya 47 

Vi  zu:  A.    Bittner.    Ueber   die    triadische    Lamellibranchiaten- 

Gattuug  Mysidioptera  Sal 51 

VII— VIII  zu:  M.  Vacek.    Säugethierreste    der    Pikermifanna  vom  Eich 

kogel  bei  Mödling 169 

]X — X  zu:  Dr.  Otto  M.  Reis.   Coelacanthus  Lunzensis   Teller     .    .    .      187 
XI— XVIII  zu:  Dr.  Franz    E.  Suess.   Die    Herkunft   der    Moldavite  und 

verwandter  Gläser 193 

XIX  zu:  0.  v,  Hub  er.    Geologische    Karte   des    Fleimser    Eruptiv- 
gebietes          395 

XX  -m:  Fr.  Martin.     Aufschlüsse    der    Bahnstrecke    Karlsbad — 

Marienbad 419 

XXI  zu:  Dr.  K.  Hinterlechner.    Ueber   Basaltgesteine   aus    Ost- 
böhmen       469 

XXIT— XXIV  zu:  A.  Bittner.   Ueber  Pseudoinonotis   Telleri   und  verwandte 

Arten  der  unteren  Trias 559 

XXV  zu:  Dr.   F'ranz   E.    Suess.     Der    Granulitzug    von    Borry    in 

Mähren 615 

XXVI  zu:  R.  J.  Schubert.  Bemerkungen  über  einige  Foraminiferen 

der  ostgalizischen  Oberkreide 649 

XXVII  zu:  Friedrich    W.    V  o  i  t.     Geognostische    Schilderung    der 

Lagerstättenverhältnisse  von  Dobschau  in  Ungarn     .        .     695 


Personalstand 

der 

k.  k.  geologischen    Reichsanstalt. 


Director : 

Staclie  Guido,  Ritter  des  österr.  kaiserl.  Ordens  der  eisernen  Krone 
III.  Gl.,  Besitzer  des  Comthurkreuzes  IL  Gl.  des  königl.  säch- 
sischen Albrechtsordens  und  des  kaiserl.  russischen  Set.  Stanislaus- 
ordens  II.  Gl.,  Gommandeur  des  tunes.  Niscian-Iftkliarordens, 
Phil.  Dr..  k.  k.  Hofrath,  Adjunct  der  kais.  Leop.  Carol.  Deutschen 
Akademie  der  Naturforscher  in  Halle,  Ehrenmitglied  der  ungar. 
geolog.  Gesellschaft  in  Budapest,  des  Museumsvereines  Francisco- 
Carolinum  in  Linz,  der  Societä  adriatica  di  scienze  naturali  in 
Triest,  der  naturforsch.  Gesellschaft  „Isis"  in  Dresden  und  des 
Vereines  der  Freunde  der  Naturgeschichte  in  Mecklenburg  etc., 
III.,  Oetzeltgasse  Nr.  10. 


Vice-Director : 

Tietze  Emil,  Ritter  des  österr.  kaiserl.  Ordens  der  eisernen  Krone 
III.  GL,  Besitzer  des  kaiserl.  russischen  Set.  Stanislausordens 
IL  Gl,  Ritter  des  königl.  portugiesischen  Set.  Jacobsordens  und 
des  montenegrinischen  Daniloordens,  Phil.  Dr.,  k.  k.  Oberberg- 
rath,  Mitglied  der  kaiserl.  Leop.  Garol.  Deutschen  Akademie 
der  Naturforscher  in  Halle,  Prcäsident  der  k.  k.  geographischen 
Gesellschaft  in  Wien,  Ehrenmitglied  der  Societe  geologique  de 
Belgique  in  Lüttich ,  der  königl.  serbischen  Akademie  der 
Wissenschaften  in  Belgrad  und  der  uralischen  Gesellschaft  von 
Freunden  der  Naturwissenschaften  in  Jekaterinenburg,  corre- 
spondirendes  Mitglied  der  Societe  Beige  de  Geologie,  de 
Paleontologie  et  d'Hydrologie  in  Brüssel ,  der  geographischen 
Gesellschaften  in  Berlin  und  Leipzig,  der  schlesischen  Gesell- 
schaft für  vaterländische  Gultur  in  Breslau  etc.,  III.,  Haupt- 
strasse Nr.  90. 


VI 

Ohefgeologen : 

Vacek  Michael,  III.,  ErdbergerLände  Nr.  4. 
Bit  tu  er  Alexander,  Phil.  Dr..  III.,  Thoiigasse  Nr.  11. 
Teller  Friedrich,  k.  k.  Bergrath,  III.,  Kollergasse  Nr.  6. 
Geyer  Georg,  III.,  Kübeckgasse  Nr.  9. 

Vorstand  des  cheniischen  Laboratoriums : 

John  von  J  o  h  n  e  s  b  e  r  g  Conrad,  k.  k.  Regieruugsrath,  IL,  Paffrath- 
gasse  Nr.  6. 

Geologen : 

Biikowski  Gejza  v.,  III.,  Marxergasse  Nr.  27. 
Rosiwal  August,  Privatdocent  au  der  k.  k.  technischen  Hochschule, 
III.,  Bechardgasse  Nr.   10. 

iVdjuncten : 

Dreger  Julius,  Phil.   Dr.,  III..  Ungargasse  Nr.  63. 

Eichleiter  Friedrich,  III.,  Seidigasse  Nr.  37. 

Kern  er  von  Marilaun  Fritz,  Med.  U.  Dr.,  III.,  Ungargasse  Nr.  6. 

Suess  Franz  Eduard,  Phil.  Dr.,  Privatdocent  an  der  k.  k.  Universität, 

IL,  Afrikanergasse  Nr.  9. 
Kossraat  Franz,    Phil.   Dr.,    Privatdocent   an  der   k.  k.   Universität, 

V.,  Wildemanngasse  Nr.  4. 

Bibliothekar : 

Matosch  Anton,  Phil.  Dr.,  III.,  Hauptstrasse  Nr.  33. 

Assistenten: 

Abel  Othenio,  Phil.  Dr.,  XIIL,  Jenuligasse  Nr.  2. 
Hinterlechner  Karl,  Phil.   Dr.,  IIL,  Geologengasse  Nr.  1. 

Für  die  Kartensamnilung: 

Zeichner: 
Jahn  Eduard,  Besitzer  des  goldenen  Verdienstkreuzes  mit  der  Krone, 

IIL,  Messenhausergasse  Nr.  8. 
Skala  Guido,  IIL,  Hauptstrasse  Nr.  81. 
Lauf  Oscar,  VII.,  Kaiserstrasse  Nr.  8. 

Für  die  Kanzlei : 

Girardi  Ernst,  k.  k.  Rechnungsrath,  IIL,  Marxergasse  Nr.  23. 


VII 


Hilfsbeamte : 

Wlassics  Johannes,    k.  k.  Ingenieur  i.  R., 
Zellzko  Johann,  III.,  Blattgasse  Nr,  8. 


III.,  Mohsgasse   Nr.   13. 


Diener : 

Erster   Amtsdiener:    S  ch  re  i  ner  Rudolf, 

Besitzer  des  silbernen  Verdienstkreuzes  mit 

der  Krone. 
Laborant:  Kalander  Franz 
Zweiter  A  m  t  s  fl  i  e  n  e  r :  Palme  Franz 
Dritter  A  m  t  s  d  i  e  n  e  r :   LI  1  b  i  n  g  Johann 
Am  ts  dienergehi  If  e  für  das  Laboratorium: 

Felix  Johann 
Amtsdienergehilfen  für  das  Museum: 

Spatnj  Franz 

Kreyca  Alois 
Heizer:  Rausch  Josef. 


Schmid  Josef,  k.  u.  k 


Portier : 

Invaliden-Feldwebel 


III.,  Rasumoffsky- 
gasse  Nr.  23  u.  25. 


III.,  Hauptstrasse  Nr.  1. 


VIII 


Correspondenten 

der 

k.  k.  geologischen   Reichsanstalt 

1900. 

Dr.  F.  J.  B  e  c  k  e ,  o  ö.  Professor  der  Mineralogie  an  der  Wiener 
Universität. 

Dr.  F.  Berwerth,  a.  o.  Professor  der  Petrograpliie  an  der  Wiener 
Universität  und  Leiter  der  mineral.-petrograph.  Abtheilung  des 
k.  k.  naturhistorischen  Museums. 

Adolf  Ilofniann,  Professor  der  Mineralogie  und  Lagerstättenlehre 
an  der  k.  k.  Bergakademie  in  Prlbram. 

Ad  albert  Holy.  Bergingenieur  in  Vejvanov  bei  Radnitz  in  Böhmen. 

Josef  Eduard  Kny  in  Häjek  bei  Brandeis  a.  d.  Adler  in  Böhmen. 

Ferdinand  Seidl.  Professor  an  der  k  k.  Oberrealschule  in  Görz. 

Dr.  Karl  Vrba,  o.  ö.  Professor  der  Mineralogie  an  der  k.  k.  böhmi- 
schen Universität  in  Prag. 

Wilhelm  Winkler,  Director  der  k.  k.  Realschule  im  XVI.  Bezirke 
in  Wien. 


Ausg:«geb«n  lim  1(i."^irlt'  1909'.'^ 


JAHRBUCH 


DER 


KAISERLICH-KÖNIGLTCHEN 


JAHRGANG   1900.  L.  BAND. 

1.  Med. 

Mit  Tafel  I-VIII  und  vi.       ,  -n. 


Wien,   1900. 

Verlag-  der  k.  k,  '  ^  Reichsanstalt. 

In   CommiasioD  bei   R.   Lechner  (Wilh.   Müller),   k.  u.  k.   Uofbuchhandlong, 


Die   Beziehung   des   Erdbebens  von  Sinj  am 
2.  Juli  1898  zur  Tektonik  seines  pleistoseisten 

Gebietes. 

Von  Dr.  Fritz  von  Kerner. 

Mit   einer   geologischen   Karte    (Taf.   Nr.  I). 

Am  Morien  des  2.  Juli  1898  wurde  die  südliche  Umrandung 
der  grossen  Cetinaebene  bei  Sinj  von  einem  verheerenden  Erdbeben 
heimgesucht  Das  Auftreten  einer  heftigen,  von  zahllosen  Nachbeben 
gefolgten  Erschütterung  am  Rande  eines  der  grossen  innerdalmatischen 
Einbruchsgebiete  rief  sofort  den  Gedanken  wach,  dass  es  sich  hier 
um  ein  neues  Glied  in  der  langen  Kette  jener  Vorgänge  handle,  die 
mit  dem  genannten  Einbrüche  in  genetischer  Beziehung  stehen  und 
eine  Theilerscheinung  jener  Krustenbewegungen  bilden,  die  man  in 
ihrer  Gesammtheit  als  periadriatischen  Senkungsprocess  bezeichnet. 
Der  Umstand,  dass  das  Beben  in  ein  Gebiet  fiel,  das  sich  zufolge 
seiner  grossen  Aufgeschlossenheit  für  tektonische  Studien  verhältnis- 
mässig günstig  erweist,  liess  die  Hoffnung  begründet  erscheinen,  dass 
sich  bestimmte  Beziehungen  zwischen  dem  Gebirgsbaue  und  den 
seismischen  Erscheinungen  feststellen  lassen.  Es  wurde  mir  die  Auf- 
gabe zutheil,  eine  diesbezügliche  Untersuchung  durchzuführen  ^),  und 
ich  habe  die  Ergebnisse  derselben  in  einem  vorläufigen  Berichte  über 
das  Erdbeben  von  Sinj  mitgetheilt.  (Verh.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1898, 
Nr.  11/12.)  Die  folgenden  Zeilen  enthalten  eine  genauere  Darstellung 
meiner  im  Schüttergebiete  gemachten  geologischen  Beobachtungen  und 
eine  Erörterung  der  aus  denselben  abzuleitenden  Schlüsse  bezüglich 
der  nächsten  Ursachen  des  stattgehabten  Bebens. 

Geologische    Beschreibnng    der    südlichen    Umrandung    des 

Sinjsko  Polje. 

Die  südliche  Umrandung  des  Sinjsko  Polje  wird  durch  die  Cetina 
in  einen  westlichen  und  östlichen  Theil  geschieden.  Der  westliche  Theil 
ist  ein  ziemlich  flacher,  etwa  2  km  breiter  Gebietsstreifen,  welcher  sich 
längs  der  Nordostseite  des  Bergrückens  Cemernica  (Traposnik  666  m) 
bis  zum  Südfusse  des  Berges  Visoka  (>9l  m)  erstreckt.  Der  an  diesen 


^)  Mit  der  physikalischen  Untersuchung  des  Bebens  wurde  Herr  Ingenieur 
A.  Faidiga,  Adjunct  am  astronomisch-meteorologischen  Observatorium  in  Triest, 
betraut. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  «eol.  Reichsanstalt,  1900,  50.  Band,  1.  Heft.  (F.  v.  Kerner.)  1 


Dr.  Fritz  v.  Keriier. 


[2] 


Berg  zunächst  anstossende  nördliche  Theil  des  Terrains,  die  Gegend 
Podovi,  ist  eine  völlig  horizontale,  steinige  Ebene,  deren  Ostrand 
gegen  das  Sinjsko  Polje  ziemlich  steil  abfällt.  Weiter  südwärts  wölbt 
sich  der  Ostrand  dieser  Ebene  zu  einem  Hügelzuge  auf,  welcher  sich 
alsbald  in  zwei  divergirende  Züge  spaltet.  Der  eine  derselben  (Gomila 
434  m)  verläuft  in  der  Richtung  des  Ostrandes  der  Podoviebene  gegen 
SO  weiter  und  flacht  sich  schon  2  km  westlich  von  der  Cetina  ab. 
Der  andere  Zug  (Vojnicki  Brig  440  m)  wendet  sich  zunächst  gegen  S 
und  alsdann  in  flachem  Bogen  gegen  OSO,  um  erst  an  der  Cetina 
mit  steilen  Felsabhängen  zu  enden.  Die  zwischen  diesen  beiden  Höhen- 
zügen gelegene  Vertiefung  wird  durch  einen  bei  Klapeza  Staja  die 
beiden  Züge  verbindenden  Querriegel  in  eine  längliche  Mulde  und  in 
ein  gegen  SO  sich  öffnendes  kurzes  Thälchen  geschieden.  Die  Ebene 
Podovi  erfährt  durch  die  südwestliche  Ausbauchung  des  inneren  Höhen- 
zuges eine  bedeutende  Verschmälerung ;  gleichzeitig  vollzieht  sich  eine 
geringe  Senkung  ihres  Niveaus,  so  dass  sich  das  in  ihrer  Fortsetzung 
gelegene  Terrain  von  Vojnic  zu  einer  flachen,  zwischen  dem  Vojnicki 
Brig  und  dem  Rücken  des  Traposnik  gelegenen  Mulde  gestaltet,  von 
welcher  ein  Graben  zur  Cetinaschlucht  hinabführt. 

Zwischen  den  Kuppen  Kukusovac  und  Radasusa  trifft  man  am 
steilen  Westabhange  des  Sinjsko  Polje  vorzugsweise  losen  Schutt  und 
recente  Gehängebreccien,  aus  denen  da  und  dort  Felsen  von  Rudisten- 
kalk  aufragen.  Oben  am  Plateau  zeigen  sich  viele  dem  Plateaurande 
parallele  Riffe  dieses  Kalkes,  die  als  Schichtköpfe  von  steil  aufge- 
richteten Bänken  zu  betrachten  sind.  Zwischen  diesen  Riffen  liegt  viel 
loses  Trümmerwerk,  vorwiegend  Stücke  von  Kreidekalk,  zum  Theil 
auch  Fragmente  von  alten  Breccien  aus  eocänen  Kalken.  Jenseits  der 
kleinen,  auf  der  Südseite  der  Radasusa  befindlichen  Mulde,  zu  deren 
beiden  Seiten  die  verticale  Stellung  der  Schichten  ziemlich  deutlich 
erkennbar  ist,  trifft  man  unfern  des  Plateaurandes  inmitten  eines 
wüsten  Kreidekalkterrains  eine  ziemlich  ausgedehnte  Linse  von  dunkel- 
rothen  bis  braunen,  zum  Theil  auch  lichten  Cosinaschichten  in  Ver- 
bindung mit  kleinen  Lagern  von  Eisenthon. 

Nähere  Aufschlüsse  über  die  Art  der  Störung,  mit  der  dieses 
Vorkommnis  in  Zusammenhang  steht,  lassen  sich  wegen  der  Undeut- 
lichkeit  der  Lagerungsverhältnisse  in  dieser  Region  nicht  gewinnen. 

Nordostwärts  von  dieser  Protocänlinse  treten  auch  am  Plateau- 
rande und  am  steilen  Abhänge  des  Sinjsko  Polje  Gesteine  auf,  die  in 
das  tiefere  Eocän  zu  stellen  sind :  sehr  fossilarme,  hellgraue  Kalke, 
welche  stellenweise  Milioliten  und  vereinzelte  Alveolinen  enthalten. 
Weiter  südostwärts  trifft  man  am  Abhänge  zunächst  wieder  Rudisten- 
kalk;  eine  Strecke  weit  vor  der  Stelle,  wo  der  von  Turjake  nach 
Vojnic  hinaufführende  Weg  beginnt,  tritt  aber  am  Plateauabfalle 
Alveolinenkalk  zu  Tage.  Die  durch  eine  Zone  von  Bi-eccien  bezeichnete 
Grenze  zwischen  beiden  Kalken  zieht  in  südlicher  Richtung  schief 
über  das  Gehänge  zum  Plateau  hinauf  und  durchquert  alsdann  die 
Kuppe  des  kleinen  Felshügels,  um  dessen  Ost-  und  Südseite  sich  der 
genannte  Weg  herumbiegt.  An  der  Umbiegung  dieses  Weges  gegen 
SSO  stehen  cretacische  Breccienkalke  und  Netzkalke  an ;  westwärts 
vom    Anfangsstücke    der    gegen    SO    gerichteten    Strecke    des   Weges 


[3]  Die  Beziehung  des  Erdbebens  von  Sinj  am  2.  Juli  1898  etc.  3 

lagern  fossilarme  Kalke  des  Untereocäns,  deren  Schichtmasse  gegen  W 
längs  einer  NO— SVV  streichenden  Querverwerfung  scharf  gegen  den 
Rudistenkalk  abbricht.  Ostwärts  vom  Wege  trifft  man  hier  bis  zur 
Ebene  hinab  ziemlich  fossilreichen,  blassröthlichen  Alveolinenkalk. 
Weiter  gegen  SO  nimmt  derselbe  nur  die  Kammregion  des  längs  der 
Ebene  verlaufenden  Höhenzuges  ein.  Der  dem  Polje  zugekehrte  Ab- 
hang besteht  von  den  südlichsten  Hütten  von  Turjake  an  aus  Rudisten- 
kalk, das  der  Mulde  von  Pistetak  zugewendete  Westgehänge  des  Rückens 
aus  Nummuliten  fiiiirenden  Schichten.  Besonders  deutlich  lässt  sich 
dieser  Aufbau  des  Rückens  aus  drei  verschiedenen  Kalkzonen  in  der 
kleinen  Schlucht  erkennen,  die  ihn  gegenüber  von  Zabljak  durchbricht. 

Die  die  innere  Zone  bildenden  Nummulitenschichten  beginnen 
schon  am  Ostrande  der  Podoviebene  südostwärts  von  dem  vorhin  er- 
wähnten untereocänen  Kalken  und  ziehen  von  da  schief  über  das 
Terrain,  in  welchem  sich  der  die  Einsenkung  von  Pistetak  von  West 
her  umgreifende  Höhenzug  vom  vorerwähnten  Zuge  abgliedert,  in  diese 
Senkung  hinüber. 

Am  VVestabhange  derselben  verlieren  sie  sich  schon  da,  wo  die- 
selbe aus  einem  flachen  Graben  in  eine  weite,  mit  Eluvien  erfüllte 
Mulde  übergeht.  Am  ziemlich  steilen  Ostabhange  der  Mulde  lassen 
sie  sich  bis  zu  dem  flachen  Querriegel  von  Klapeza  Staja  verfolgen, 
welcher  die  Mulde  gegen  SO  abschliesst. 

Am  Ostrande  der  Podoviebene  und  auf  dem  Rücken  zwischen 
dieser  Ebene  und  dem  flachen  Graben,  welcher  zur  eben  genannten 
Mulde  hinabführt,  erscheinen  vorzugsweise  rothgefärbte,  zum  Theil 
schiefrige  Kalke  mit  kleinen  Nummulinen.  Am  Westabhange  des 
grabenförmigen  Anfangsstückes  der  Mulde  von  Pistetak  beobachtet  man 
einige  Rifl'e  von  typischem  Hauptnummulitenkalk  mit  dem  diesem  Kalke 
eigenthümlichen  Relief,  dann  Scherbenfelder  von  dichten  bis  körnigen, 
zum  Theil  plattig  entwickelten  blassen  Kalken,  die  meist  fossilleer  sind, 
da  und  dort  jedoch  vereinzelte  Nummuliten  enthalten,  ferner  lose 
Stücke  von  Congloraeraten  und  Breccien  aus  grauen  und  weissen 
Fragmenten.  Das  Einfallen  der  stellenweise  aus  dem  losen  Trümmer- 
werk vortretenden  anstehenden  Kalkvorkommnisse  ist,  soweit  es  sich 
erkennen  lässt,  ein  massig  steil  nach  Ost  gerichtetes. 

Die  Nummulitenkalke  auf  der  Ostseite  der  Mulde  von  Pistetak 
zeigen  gleichfalls  verschiedenen  petrographischen  Habitus ;  am  oberen, 
sich  abflachenden  Tlieile  des  Gehänges  sieht  man  lange  Riffe  von 
rothen,  dünnpkttigen  bis  schiefrigen  und  von  weissen  körnigen  Kalken, 
dann  Bänke  von  mehr  mergeligem  Aussehen.  Die  Schichten  fallen  hier 
steil  gegen  WSW.  Es  liegt  somit  in  der  Mulde  von  Pistetak  Synklinale 
Schichtstellung  vor ;  doch  liandelt  es  sich  nicht  um  zwei  durch  ein 
Bogenstück  verbundene,  sondern  um  zwei  unter  einem  Winkel  zu- 
sammentretende Schichtflügel. 

Auf  dem  Rücken  westwärts  vom  oberen  Theile  der  Mulde  von 
PiStetak  trifft  man  ausgedehnte  Scherbenfelder  von  blassröthlichem, 
nicht  sehr  fossilreichem  Alveolinenkalk.  In  der  Gegend  von  Punkt  424 
der  Specialkarte  bestehen  auch  noch  die  Felsen  an  dem  der  Podovi- 
ebene zugekehrten  Westabhange  des  Bergrückens  aus  Alveolinenkalk. 
Nordwärts  von  da  reicht  der  Rudistenkalk  weiter  gegen  Ost  bis  in  die 


Dr.  Fritz  v.  Kerner. 


[4] 


Nähe  der  vorerwähnten  Nummuliten  führenden  Schichten.  Der  Alveo- 
linenkalk  schneidet  hier  längs  einer  SSW— NNO  streichenden  Störungs- 
linie ab.  Südwärts  von  Punkt  424  der  Specialkarte  bestehen  die  Felsen 
am  Abhänge  auf  der  Ostseite  der  Podoviebene  aus  Rudistenkalk. 
Die  Grenze  zwischen  Kreide  und  Tertiär  verläuft  hier  in  flachem, 
gegen  SW  convexera  Bogen  schief  über  die  Rückenfläche  des  Höhen- 
zuges in  die  Mulde  von  Pistetak  hinüber.  Sie  erscheint  durch  einen 
Zug  von  protocänen  Kalken  bezeichnet,  die  ziemlich  fossilarm  sind, 
indess  sich  die  Randzone  des  Kreidekalkes  als  reich  an  Rudisten  er- 
weist. Die  Zone  des  Alveolinenkalkes  auf  der  Westseite  der  Mulde 
von  Piätetak  nimmt  dem  eben  erwähnten  Verlaufe  der  Formations- 
grenze entsprechend  gegen  SO  hin  rasch  an  Breite  ab,  um  etwas  süd- 
wärts vom  Punkt  399  der  Specialkarte  auszukeilen,  so  dass  am  Süd- 
rande der  Mulde  (zwischen  Punkt  399  und  Klapeza  Staja)  schon 
Rudistenkalk  ansteht. 

Südostwärts  von  Klapeza  Staja,  woselbst  der  Nummulitenkalk 
endet,  reicht  dieser  Rudistenkalk,  welcher  das  Liegende  des  Eocäns 
auf  der  Westseite  der  Mulde  von  Pistetak  bildet,  bis  an  den  Zug 
des  Alveolinenkalkes  auf  der  Ostseite  der  Mulde  heran.  In  seinem 
östlichen  Theile  besteht  demzufolge  der  Höhenzug  von  Gomila  aus 
einer  mittleren  Zone  von  Alveolinenkalk  und  zweien  seitlichen  Rudisten- 
kalkzonen.  In  der  äusseren  Rudistenkalkzone,  welche  den  der  Ebene 
zugekehrten  Steiiabfall  des  Höhenzuges  bildet,  treten  oberhalb  Docic 
wilde  Felsriffe  auf,  welche  auf  Steilstellung  der  Schichten  hinweisen. 
An  der  Grenze  gegen  den  über  die  Rückenfläche  des  Höhenzuges  ver- 
laufenden Alveolinenkalk,  welcher  wahrscheinlich  gleichfalls  steil  auf- 
gerichtet ist,  treten  fossilleere  Kalkgesteine  von  unregelmässigem,  zum 
Theile  breccienartigem  Gefüge  auf.  Cosinaschichten  fehlen,  ebenso 
obere  Foraminiferenschichten  von  charakteristischem  Habitus.  Am 
ehesten  könnte  man  nahe  bei  Kosute  von  einer  Vertretung  des  oberen 
Foraminiferenkalkes  durch  feinkörnige  grauliche  Kalke  sprechen.  Die 
Grenze  des  Alveolinenkalkes  gegen  den  Innern  Rudistenkalkzug,  welcher 
die  Nordostabhänge  des  Thälchens  bei  Koäute  bildet,  ist  ziemlich  scharf 
und  jedenfalls  einer  Störungslinie  entsprechend. 

In  dem  eben  genannten  Thälchen  sind  mächtige  Anhäufungen 
von  Terra  rossa  vorhanden.  Das  Südostende  des  Rückens  Gomila  ist 
mit  vielem  Schutt  und  Trümmerwerk  bedeckt  Längs  des  Nordost- 
fusses  des  Rückens  ziehen  sich  flach  gelagerte  neogene  Mergel  hin, 
welche  in  bald  grösserer,  bald  geringerer  p]ntfernung  vom  Gebirgsrande 
unter  den  quartäien  Bildungen  des  Sinjsko  Polje  verschwinden. 

Bei  Bucanj  endet  die  steinige  Ebene  Podovi  und  es  schliesst 
sich  an  dieselbe  zunächst  die  Finsenkung  von  Pistak,  welche  weiterhin 
in  die  Mulde  von  Vojnic  übergeht.  Am  Gehänge,  welches  die  Ein- 
senkung  in  Osten  begleitet,  trifft  man  viel  Gehängeschutt,  auch  grössere 
Blöcke,  Anhäufungen  von  Terra  rossa  und  einzelne  Felsen  von  Rudisten- 
kalk, welcher  massig  steil  gegen  NO  bis  NNO  einfällt. 

Auch  an  der  zur  Mulde  von  Vojnic  abdachenden  südöstlichen 
Fortsetzung  dieses  Gehänges  ist  neben  anstehendem  Fels  sehr  viel  Ge- 
birgsschutt  vorhanden.  Auf  dem  breiten  Rücken,  welcher  die  Ein- 
Senkung Pistak   von  der  Mulde  von  Pistetak  scheidet,    trifft   man  vor- 


[5]  Die  Beziehung  des  Erdbebens  von  Sinj  am    2.  Juli  1898  etc.  5 

zugsweise  anstehenden  Rudistenkalk ;  auf  der  zunächst  anstossenden, 
gegen  OSO  umbiegenden,  schmäleren  Fortsetzung  des  liückens,  dem 
Vojnicki  Brig,  breiten  sich  dagegen  grosse,  durch  Zerfall  der  Felsmassen 
gebildete  Trümmerfelder  aus.  Auf  der  weiteren  östlichen  Fortsetzung 
des  Kückens,  dem  Gardunski  Brig,  ist  gleichfalls  viel  loses,  mehr  oder 
minder  scharfkantiges  Gesteinsmaterial  vorhanden.  Im  nordöstlichen 
Tiieile  dieses  Terrains  (nordwärts  von  Punkt  434  der  Specialkarte) 
tritt  dagegen  in  grösserer  Ausdehnung  Rudistenkalkfels  zutage,  welcher 
ein  nordnordöstliches  Einfallen  zeigt.  Am  Nordrande  des  Vojnicki  Brig 
sind  lockere  und  mehr  oder  minder  festgefügte  Gehängebreccien  zu 
constatiren. 

Das  hügelige  Terrain,  welches  sich  zwischen  dem  Ostfusse  des 
Bergrückens  Gomila  und  der  Cetina  auf  der  Nordseite  des  Vojnicki- 
und  Gardunski  Brig  ausbreitet,  besteht  aus  flach  gelagerten  neogenen 
Süsswasserschichten.  Man  beobachtet  hier  vorzugsweise  Mergel  mit 
vereinzelten  Lignitschmitzen  und  Bänke  von  lockeren  Sandsteinen  und 
Congiomeraten.  Es  tritt  dieses  Terrain  in  autfälligen,  durch  die  Ver- 
schiedenheit in  Farbe  und  Relief  bedingten  landschaftlichen  Contrast 
gegen  seine  felsige  Umrandung.  Das  morphologische  Charakteristikon 
dieser  Mergelterrains,  welches  in  der  Durchfurchung  von  vielen  tiefen 
und  vielverzweigten  Erosionsrinnen  besteht,  zeigt  sich  besonders  schön 
an  der  Stasina  Glavica  (450  m)  entwickelt,  welche  einem  von  zahl- 
reichen Barancos  durchschnittenen,  oben  abgeflachten  Kegelberge  gleicht. 
Auf  der  Nordseite  des  Vojnicki  Brig  reichen  diese  Mergel  nicht  bis 
zur  Höhe  des  Kalkrückens  hinan ;  weiter  ostwärts  steigen  sie  jedoch 
bis  in  das  Niveau  desselben  hinauf.  Das  Plateau  von  Gardun  ist  mit 
Maisfeldern  bepflanzt  und  es  ist  hier,  soweit  nicht  die  Farbe  der  Acker- 
erde einen  Hinweis  liefert,  schwer  entscheidbar,  ob  der  unter  derselben 
zunächst  gelegene  Boden  aus  Eluvien  des  Kreidekalkes  oder  aus  Um- 
schwemmungsproducten  von  neogenen  Mergeln  besteht. 

In  der  westlichen  Ausbuchtung  der  Mulde  von  Pistak,  welche 
dem  unteren  Ende  des  Grabens  entspricht,  der  von  der  Einsattlung 
zwischen  den  Kuppen  Bracic  und  Traposnik  herabkommt,  tritt  inmitten 
grosser  Anhäufungen  von  Terra  rossa  cretacischer  Dolomit  zutage. 
Das  Muldengebiet  selbst  ist  von  vielen,  weithin  verfolgbaren,  nord-süd- 
streichenden  Felsriffen  durchzogen,  welclie  den  Schichtköpfen  massig 
steil  ONO-fallender  Bänke  von  Rudistenkalk  entsprechen.  Weiter 
gegen  Südost  sind  längs  des  Nordostfusses  des  Traposnik  {()6Ö  m)  mehr 
oder  minder  breite  Züge  von  Dolomit  verfolgbar.  Gegenüber  von 
Vojnic  tritt  am  Nordostfusse  des  Jedinidrinak  (544  m)  Dolomit  in 
grösserer  Ausdehnung  zutage,  dessen  Schichtmasse  in  nordöstlicher 
Richtung  nach  abwärts  gekrümmt  erscheint.  Am  Rande  der  Mulde 
sind  die  Dolomitbänke  schwach  gegen  NO  geneigt;  an  der  Grenze  gegen 
den  das  Gehänge    aufbauenden  Kreidekalk    liegen  sie  ganz    horizontal. 

Der  anstossende  Rudistenkalk  fällt  steil  gegen  SW  bis  SSW  ein 
und  bildet  die  Basis  einer  mächtigen  Folge  von  Kalkbänken,  deren 
Schichtköpfe  als  langgestreckte,  an  den  Abhängen  des  Traposnik  und 
Jedinidrinak  sicli  hinziehende  Felsbänder  erscheinen.  Es  liegt  somit 
auf  der  Südseite  der  Mulde  von  Vojnic  antiklinale  Schichtstellung  vor, 
doch  handelt  es  sich  nicht  um  zwei  einander  correspondirende  Falten- 


6  Dr.  Fritz  v.  Kerner.  [6] 

flügel,  sondern  um  zwei  längs  einer  Störungslinie  aneinandertretende 
Schollen,  welche  nach  entoegengesetzten  Richtungen  geneigt  sind. 
Weiter  südostwärts  ist  am  Fusse  des  südlichen  Berghanges  ein  grösseres 
Lager  von  Terra  rossa  vorhanden.  In  sehr  bedeutender  Anhäufung 
findet  sich  die  rothe  Erde  in  der  Einbuchtung  des  Gehänges  hinter 
Raviciö.  Die  Kalke  fallen  am  Ostfusse  des  Jedinidrinak  massig  steil 
gegen  S  bis  SSW.  Weiter  hinauf  am  Gehänge  sind  die  Lagerungs- 
verhältnisse unklar.  Bei  Ravicic  selbst  beobachtet  man  mauerähnliche 
Felszüge,  welche  als  Schichtköpfe  sehr  steil  gegen  SSW  fallender 
Kalkbänke  anzusehen  sind ;  auch  weiter  südostwärts  ist  mehr  oder 
minder  steiles  Einfallen  gegen  SSW  deutlich  erkennbar. 

Der  unterhalb  der  Kirche  Sv.  Jurai  gelegene  Theil  der  Mulde  von 
Vojnic  ist  fast  ganz  mit  Feldern  und  Weingärten  bedeckt.  An  einigen 
Stellen  tritt  sandiger  grauer  und  körniger  weisser  Dolomit  zutage. 
Die  kleine  Terrainstufe  südöstlich  von  der  Kirche  wird  durch  Breccien- 
kalke  gebildet,  die'  östliche  Fortsetzung  dieser  Stufe  aus  Felsmassen 
von  Rudistenkalk,  dessen  Lagerung  nicht  erkennbar  ist.  In  der  Gegend, 
in  welcher  die  Mulde  von  Vojnic  in  den  zur  Cetinaschlucht  hinab- 
führenden Graben  übergeht,  tritt  ein  ziemlich  breiter  Zug  von  Dolomit 
hervor,  welcher  weiterhin  dem  Graben  bis  zum  Cetina  hinab  folgt. 

Die  den  Zug  im  Südwesten  begleitenden  Rudistenkalke  sind  am 
Waldrande  vor  Ravicic  25 — 30°  gegen  S  bis  SSW  geneigt;  die  längs 
der  Nordseite  des  Zuges  verlaufenden  Kalkbänke  lassen  ein  40°  steiles 
Einfallen  gegen  NO  erkennen.  Die  Lagerungsverhältnisse  des  Dolomites 
sind  hier  minder  deutlich ;  in  dem  zur  Cetina  hinabführenden  Graben 
fällt  er  unter  den  dort  steil  gegen  SSW  geneigten  südlichen  Flügel  der 
Antiklinale  ein.  Ein  Faltenaufbruch  mit  einander  genau  entsprechenden 
Schenkelstücken  ist  jedenfalls  auch  hier  nicht  vorhanden. 

An  der  Ostwand  der  Cetinaschlucht  ist  das  südliche  Einfallen 
der  Kalkmassen,  welche  sich  südwärts  von  der  Einmündung  des  vor- 
erwähnten Grabens  befinden,  deutlich  sichtbar;  minder  deutlich  an 
den  von  einer  kleinen  Ruine  gekrönten  Felsen  am  westlichen  Steilufer. 
Der  erste,  auf  der  Südseite  des  Grabens  am  westlichen  Cetinaufer  auf- 
ragende Felsriff  fällt  noch  55°  NNO.  Thalabwärts  von  der  Ruine 
sind  die  Lagerungsverhältnisse  an  beiden  Schluchtwänden  ziemlich  un- 
klar, doch  dürfte  noch  eine  Strecke  weit  südliches  Einiallen  andauern. 
Weiter  südwärts  sind  dann  wieder  östliche  bis  nordöstliche  Fall- 
richtungen zu  constatiren,  welche  zunächst  local,  auf  der  Südostseite 
des  Konacnik  (464  m)  aber  regional  zu  sein  scheinen. 

Die  Cetina  ist  auf  dieser  Thalstrecke  von  circa  .ö  m  hohen,  aus 
Lehm,  Sand  und  Schotter  gebildeten  Terrassen  theils  einseitig,  theils 
beiderseitig  begleitet. 

Am  steilen,  felsigen  Nordgehänge  des  zur  Mulde  von  Vojnic  hin- 
aufziehenden Grabens  fallen  die  zum  Theile  breccienartigen  Kalke 
40°  N.  Die  Grenze  gegen  den  in  der  Tiefe  des  Grabens  zu  Tage 
tretenden  Dolomit  ist  durch  Felsschutt  und  Gehängebreccien  verdeckt. 
In  der  Cetinaschlucht  sind  thalaufwärts  von  der  Mündung  dieses  Grabens 
die  Lagerungsveriiältnisse  nur  theilweise  feststellbar.  Die  steilen  Felsen 
an  der  westlichen  Schluchtwand  unterhalb  Punkt  407  der  Specialkarte 
zeigen  keine  deutliche  Schichtung      Die  unter  einem   mit  rother  Erde 


[7]  Die  Beziehung  tles  Erdbebens  von  Sinj  am  2.  Juli  1898  etc.  7 

bedeckten  Gehänge  vortretenden  Felsriife  schief  gegenüber  von  der 
Mühle  unter  Svaline  lassen  ein  nnässig  steiles  Einfallen  gegen  NO  er- 
kennen Minder  bestimmt  lässt  sich  diese  Fallrichtung  für  die  weiter 
nordwärts  unter  den  neogenen  Mergeln  auf  der  Ostseite  der  Cetina 
anstehenden  Kalkfelsen  behaupten. 

An  den  weiter  thalaufwärts  folgenden  Westabhängen  des  Cetina- 
thales  ist  die  Lagerung  sehr  unklar;  die  aus  umfangreichen  Schutt- 
massen aufragenden  Felsriff'e  unterhalb  der  Kirche  Sv.  Petar  weisen 
auf  Steilstellung  der  Schichten  am  Rande  des  Gebirges  hin. 

Nordwärts  von  diesen  Riffen,  welche  auf  der  Ostseite  der  Cetina 
keine  Fortsetzung  finden,  wird  auch  das  Westgehänge  des  Cetinathales 
von  jungtertiären  Ablagerungen  gebildet,  deren  Grenze  gegen  das 
cretacische  Gebirgsgerüste  durch  recente  Schuttmassen  völlig  verdeckt 
ist.  Man  beobachtet  hier  zunächst  eine  mächtige  Folge  von  gelblichen 
Mergelschichten,  darüber  groben  Sand  mit  eingelagerten  Schotterbänken, 
dann  eine  dicke  Bank  von  lockerem  Congloraerat  und  über  dieser  wieder 
mergelige  Schichten,  sowie  gröberes  und  feineres  Geschiebe.  Die  Con- 
glomeratbank  lässt  eine  schwache  Neigung  gegen  die  Ebene  hin  er- 
kennen. 

Auf  der  Ostseite  des  Cetinathales  unterhalb  Tiilj  breitet  sich 
eine  umfangreiche  Hügelmasse  aus.  welche  gegen  NO  und  SO  durch 
Thalfurchen  von  den  umgebenden  Bergzügen  getrennt  ist  und  nur  an 
ihrer  SW-Seite  mit  dem  Nachbarterrain  zusammenhängt.  Sie  ist  durch 
einen  grösseren  und  mehrere  kleinere  Gräben  in  eine  Anzahl  von 
Rücken  gegliedert,  deren  Abhänge  von  zahlreichen  vielverzweigten 
Erosionsrinnen  durchfurcht  sind.  Diese  ganze,  im  Golo  Brdo  bis  zu 
463  m  anschwellende  Hügelmasse  besteht  aus  flach  gelagerten  Mergeln 
und  eingeschalteten  Bänken  von  Sauden,  Schottern  und  lockeren  Con- 
glomeraten.  An  der  am  Ostabhange  des  Cetinathales  von  Trilj  nach 
Caporice  hinaufführenden  Strasse  stehen  mächtige,  ganz  horizontal 
gelagerte  Bänke  von  Conglomeraten  an.  Eine  reiche  Entwicklung  von 
conglomeratischen  Einschaltungen  ist  auch  in  dem  Graben  östlich  von 
Caporice  zu  beobachten. 

Südwestlich  vom  Golo  Brdo  liegt  ein  wüstes  Rudistenkalkterrain, 
das  in  seiner  Mitte  von  NW — SO  streichendem  Dolomit  durchzogen 
ist.  welcher  sich  als  die  jenseits  der  Cetina  gelegene  Fortsetzung  des 
Dolomitzuges  von  Vojnic  erweist.  Auf  der  Nordseite  der  Runjik  Gla- 
vica  (431  w),  woselbst  OSO-  bis  SO-Fallen  der  Kalke  zur  Beobachtung 
kommt,  ist  ein  grosses  Terra  rossa-Lager  vorhanden.  Auf  dem  schmalen 
Rücken,  welcher  nordostwärts  von  der  Runjik  Glavica  verläuft,  trifft 
man  ein  wüstes  Felsgewirre  von  Rudistenkalk,  in  welchem  sich  die 
Lagerungsverhältnisse  völlig  der  Beobachtung  entziehen.  Dasselbe  ist 
auf  dem  nordostwärts  benachbarten  Rücken  der  Fall,  welcher  bei  den 
Hütten  von  Briskilje  endet.  Die  mehrfach  zu  beobachtenden  steilen 
Felsriffe  lassen  mit  einiger  Wahrscheinlichkeit  auf  saigere  Stellung  der 
Kalkbänke  schliessen. 

Im  unteren  Theile  und  an  der  Mündung  des  zwischen  diesen 
beiden  Felsrücken  gelegenen  Grabens  sind  sehr  umfangreiche  An- 
häufungen von  rother  Erde  vorhanden.  Auch  ein  kleines,  vom  gegen- 
überliegenden,  der  Masse  des  Golo  Brdo  zugehörigen  Gehänge   durch 


8  Dr.  Fritz  v.  Kerner.  [g] 

Eluvien  getrenntes  Vorkommnis  von  neogenen  Mergeln  ist  liier  zu  con- 
statiren. 

Ein  grösseres  Lager  von  solchen  Mergeln  breitet  sich  nordwärts 
von  dem  vorgenannten  Kalkrücken  zwischen  Biskilje  und  Strmen 
Dolac  aus.  Die  Felsen  südwestlich  von  Strmen  Dolac  bestehen 
aus  NW  —  SO  streichenden,  steil  aufgerichteten  Kalkbänken.  Am 
Gehänge,  längs  dessen  Fuss  sich  das  eben  genannte  Dörfchen 
hinzieht,  nimmt  die  Neigung  der  Schichten  in  der  Richtung  gegen 
N  allmälig  ab.  Bei  den  gegen  Süden  zu  gelegenen  Hütten  constatirt 
man  60^,  weiterhin  40 — 45'^  und  schief  gegenüber  von  der  Kirche 
Sv.  Nicola  300  nq  bis  NNO  fallenden  Rudistenkalk. 

Auf  der  Ostseite  der  nördlichen  Ausbuchtung  der  Mulde  von 
Strmen  Dolac  tritt  40~-50o  WSW  fallender  Alveolinenkalk  zutage. 
Derselbe  ist  zum  Theile  rein  weiss  und  in  seinem  petrographischen 
Habitus  dem  typischen  Rudistenkalke  sehr  ähnlich,  zum  Theile  blass- 
röthlich  bis  rosenroth  und  stellenweise  breccienartig  entwickelt.  Auch 
die  bei  meinen  Detailaufnahmen  in  der  Zagorje  als  ein  ziemlich  con- 
stanter  Horizont  des  tieferen  Eocäns  erkannten,  schiefrigen,  geibgrauen 
Kalke  mit  kleinen  Nummulinen  kamen  hier  zur  Beobachtung.  An  der 
Grenze  gegen  den  die  höheren  Theile  des  Thalgehänges  bildenden 
Rudistenkalk  erscheint  ein  schmaler  Zug  von  kieseligen,  graurothen 
bis  lilafarbigen  Kalken,  welche  vereinzelte  Durchschnitte  von  Hydrobien 
enthalten.  Eine  Zone  von  oberem  Foraminiferenkalk  ist  hier  nicht  zu 
constatiren. 

Eine  Strecke  weit  vor  den  Hütten  von  Krolina  verschwindet 
dieser  Zug  von  Alveolinenkalk  unter  einem  Schuttkegel,  dessen  Material 
von  den  höher  oben  anstehenden  Rudistenkalkfelsen  stammt.  Weiterhin 
treten  unter  diesem  Kalkschutte  neogene  Mergel  zutage,  welche  einen 
kleinen,  in  die  Mulde  von  Strmen  Dolac  ausladenden  Gehängevorsprung 
bilden.  Bei  den  Hütten  von  Krolina  erscheint  wieder  als  Fortsetzung 
des  vorerwähnten  Zuges  ein  schmaler,  zwischen  Rudistenkalk  eingekeilter 
Zug  von  Alveolinenkalk.  Der  Felsriff  ober  dem  dort  befindlichen  ge- 
mauerten Punar  (Brunnen)  besteht  aus  einem  Kalk,  welcher  vollkommen 
den  Habitus  gewisser  Kreidekalke  besitzt  und  auf  Rudisten  zu  be- 
ziehende Schalensplitter  enthält 

Die  Felsen  am  Pfade  unterhalb  des  Punars  bestehen  aus  einem 
rein  weissen  Kalk  mit  schlecht  erhaltenen,  aber  doch  sichei-en  Längs- 
und Querschnitten  von  Rudisten.  Die  anstehenden  Partien  und  losen 
Kalktrümmer  in  der  schmalen,  dazwischen  liegenden  Gehängezone  ent- 
halten dagegen  Alveolinen.  Die  Lagerungsverhältnisse  sind  hier  nicht 
zu  erkennen.  Bei  dem  grossen  Eichenbaume  vor  den  Hütten  von 
Krolina  trifft  man  unmittelbar  unter  einem  Riff  von  Rudistenkalk  einen 
mürben,  schmutzig  graugelben  Kalk,  welcher  zahlreiche  Nummuliten  in 
sich  schliesst.  Dieser  schmale  Zug  von  eocänen  Kalken  lässt  sich 
jenseits  der  vorerwähnten  Hütten  am  Abhänge  eine  Strecke  weit  süd- 
ostwärts  verfolgen.  Man  beobachtet  da  ausser  Alveolinen  führenden, 
mehr  homogenen  Kalken  vorzugsweise  Breccienkalke  und  fossilleere 
röthliche  Breccien.  Das  Einfallen  dieser  Schichten  ist  40— 50°  NO. 
Cosinaschichten  sind  hier  am  Nordostrande  des  eocänen  Kalkzuges 
fehlend ;  dagegen  treten  auf  der  Südwestseite  des  Zuges  an  der  Grenze 


[9]  Die  Beziehung  des  Erdbebens  von  Sinj  am  2.  Juli  1898  etc.  9 

gegen  den  Rudistenkalk  Gesteine  auf,  welche  in  ihrem  Habitus  gewissen 
Kalken  der  Protocänstufe  gleichen. 

Der  östlich  von  der  Cetina  gelegene  Theil  der  südlichen  Um- 
randung des  Sinjsko  Polje  besteht  aus  vier  einander  parallellen,  NW 
— SO  streichenden  Höhenzügen,  welche  ebensoviele  Felssporne  in  die 
Ebene  vorschieben  und  deren  südöstliches,  jenseits  des  Ruda  Potok 
gelegenes  Randstück  in  mehrere  Buchten  zertheilen.  Der  Südostrand 
des  Sinjsko  Polje  beschreibt  demzufolge  eine  Zickzacklinie  und  tritt 
so  in  scharfen  morphologischen  Gegensatz  zu  dem  südwestlichen  Rande, 
welcher  geradlinig  verläuft.  Der  südlichste  und  breiteste  dieser  Höhen- 
züge schiebt  sich^ —  sich  allmälig  gegen  N  hin  verjüngend  —  aus 
der  Gegend  von  Cacvina  bis  zu  der  Stelle  vor,  wo  der  Ruda  Potok 
kurz  vor  seiner  Einmündung  in  die  Cetina  aus  seiner  südsüdwestlichen 
Richtung  nach  W  umbiegt. 

Hinter  den  Hütten  von  Susnjara  tritt  dieser  Rücken  bis  dicht 
an  die  Hügelmasse  des  Golo  Brdo  heran,  so  dass  das  von  einem  theil- 
weise  trocken  liegenden  Flussbette  durchzogene  Thal,  welches  diese 
Hügelmasse  von  0  her  umgreift,  in  zwei  Theile  zerfällt;  in  einen 
inneren,  welcher  eine  von  SW  gegen  NO  in  die  Länge  gezogene 
Mulde  ist  (Mulde  von  Strmen  Dolac),  und  in  einen  äusseren,  welcher 
die  südlichste  der  vorerwähnten  Ausbuchtungen  des  Sinjsko  Polje  dar- 
stellt (Bucht  von  Vedrine).  In  dem  nordwärts  vom  Felssporne  von 
Vedrine  zur  Linken  des  Ruda  Potok  gelegenen  Randtheile  des  Sinjsko 
Polje  schiebt  sich  der  dritte  der  vorerwähnten  Höhenrücken  bis  un- 
mittelbar an  den  Fluss  vor  und  theilt  so  jenes  Randstück  in  zwei 
Buchten  (Bucht  von  Jabuka  und  Grab),  von  denen  die  erstere  durch 
das  Ende  des  schmalen  zweiten  Rückens,  die  letztere  durch  das  End- 
stück des  vierten  Rückens  in  zwei  Zipfel^  zerfällt. 

Der  breite,  aus  der  Gegend  von  Cacvina  zum  Ufer  des  Ruda 
Potok  verlaufende  Höhenzug  setzt  sich  aus  einer  schmalen  mittleren 
Zone  von  Dolomit  und  zweien  seitlichen  Rudistenkalkzonen  zusammen. 
Westlich  von  Kovic  bildet  der  Dolomit  eine  Zone,  welche  sich  im 
Relief  als  seichter  Graben  bemerkbar  macht  und  durch  die  reichere 
Rasenbedeckung  und  den  röthlichbraunen  Ton  der  von  Vegetation  ent- 
blössten  Stellen  gegen  die  hellgrauen  Felsgewirre  des  Rudistenkalkes 
lebhaft  contrastirt.  Bei  den  Dolomitbänken  lässt  sich  ein  massig  steiles 
(35 — 400)  Fallen  gegen  NNO  bis  NO  mit  ziemlicher  Deutlichkeit  er- 
kennen ;  in  den  begleitenden  Rudistenkalkterrains  sind  die  Lagerungs- 
verhältnisse sehr  unklar.  Die  Rudistenkalke  auf  der  SW-Seite  des 
Dolomitzuges  dürften  gegen  SW  einfallen ;  für  die  an  den  Dolomit 
zunächst  aiistossenden  Bänke  dürfte  saigere  Stellung,  eventuell  sogar 
locale  Ueberkippung  gegen  SW  (steiles  NO-Fallen)  anzunehmen  sein. 
Die  Grenze  zwischen  Dolomit  und  Kalk  ist  auf  dieser  Seite  sehr  scharf 
und  jedenfalls  einer  Störungslinie  entsprechend.  Auf  der  NO- Seite 
treten  auch  noch  in  dem  der  Dolomitzone  benachbarten  Kalkterrain 
dolomitische  Einschaltungen  auf,  welche  gleich  den  Schichten  in  der 
dolomitischen  Hauptzone  gegen  NO  einzufallen  scheinen.  Es  lässt  dies 
darauf  schliessen,  dass  der  auf  der  NO-Seite  an  den  Dolomit  anstossende 
Kalkcomplex  das  Hangende  des  Dolomites  ist.  An  den  Kalken  selbst 
ist    nur  stellenweise    nordöstliches  Einfallen    zu   constatiren    und    eine 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1900,  50.  Band,  1.  Heft.  (F.  v.  Kerner.)        2 


10  Dr.  Fritz  v.  Kerner.  MQ] 

deutliche  concordante  Auflagerung  der  untersten  Kalkbänke  auf  den 
benachbarten  Dolomit  nicht  erkennbar.  Weiter  gegen  0  hin  ist  dann 
massig  steiles  bis  steiles  NNO-  bis  N-Fallen  der  an  Rudistenresten 
ziemlich  reichen  Kalke  zu  beobachten.  Bei  der  östlichen  Hüttengruppe 
von  Cacvina  (südlich  von  der  Kota  Glavica,  584  m)  trifft  man  mauer- 
ähnliche Felsriffe,  welche  den  Schiehtköpfen  steil  (60—650)  gegen 
SW  fallender  Kalkbänke  entsprechen.  Weiterhin  folgen  Einschaltungen 
von  Dolomit  und  dann  wieder  bei  Bilaniö  massig  steil^  NNO  fallende 
Kalke.  Der  Felsgrat  (703  m)  zwischen  Bandovo  und  Cacvina  scheint 
aus  steil  aufgerichteten   Kalkbänken  zu  bestehen. 

Bei  Sivalica  ist  die  in  der  Mitte  des  Bergrückens  verlaufende 
Zone  von  Dolomit  ziemlich  schmal.  Die  Kalkbänke  fallen  in  dieser 
Region  im  südwestlichen  Kalkzuge  30°  SW  bis  SSW,  im  nordöstlichen 
Zuge  ungefähr  ebenso  steil  gegen  ONO.  In  dem  dolinenreichen  Terrain 
nordöstlich  von  Sivalica  trifft  man  ausser  homogenen  Kalken  auch 
Breccien  und  Conglomerate  aus  weissen  und  grauen  Fragmenten  mit 
gelblicher  Kittmasse,  welche  sich  in  ihrem  Habitus  von  den  klastischen 
Gesteinen  der  Prominaschichten  einigermassen  unterscheiden. 

Solche  Breccien  sind  auch  weiter  westwärts,  oberhalb  Vedrine, 
in  grösserer  Verbreitung  zu  beobachten.  Man  trifft  indessen  an  ver- 
schiedenen Stollen  des  in  Rede  stehenden  Gebietes  auch  räumlich  be- 
schränkte Vorkommnisse  von  Gesteinen,  welche  das  Aussehen  der  in 
den  untersten  Prominaschichten  auftretenden  Breccien  und  Conglo- 
merate besitzen.  In  grösserer  Ausdehnung  finden  sich  solche  Conglo- 
merate am  Nordabhange  des  Thälchens  von  Grab.  Sie  bestehen  dort 
aus  runden,  durch  spärliche  Kittmasse  verbundenen  Stücken  von  weissem 
und  grauem  Kalk,  von  denen  die  ersteren  zum  Theile  Rudistenreste 
enthalten,  die  letzteren  das  Aussehen  des  die  südlich  benachbarte  Re- 
gion aufbauenden  Muschelkalkes  haben.  Aus  ebensolchen  Conglomeraten 
besteht  auch  der  Felssporn  nördlich  von  Vedrine,  welcher  das  nord- 
westliche Endstück  des  Bergrückens  von  Cacvina  bildet.  Am  Fusse 
des  Abhanges  bei  Vedrine  finden  sich  Breccien  und  Conglomerate, 
welche  aus  weissen  und  rosenrothen  Kalkstücken  bestehen,  die  durch 
reichliche  rothe  Kittmasse  zusammengefügt  sind. 

Der  kleine  Hügel,  welcher  die  mittlere  (ier  drei  früher  erwähnten 
südöstlichen  Ausbuchtungen  des  Sinjsko  Polje  in  zwei  Tiieile  scheidet, 
besteht  aus  Gesteinen  der  untersten  Trias.  Auf  dem  Südabhange  des 
Hügels  beobachtet  man  dunkelrothe  Sandsteine,  mehr  gegen  die  Nord- 
seite des  Hügels  zu  dunkle  Kalke,  Rauhwacken  und  Dolomite.  Auf 
dem  Rücken,  dessen  Endstück  die  eben  erwähnte  Bodenerhebung  bildet, 
trifft  man  südlich  von  Jabuka  lose  Stücke  und  aus  dem  Humus  vor- 
tretende Trümmer  von  schmutzig-braunrothen  sandigen  und  gelbgrauen 
kalkigen  Werfener  Schichten,  jedoch  keine  Züge  von  anstehendem  Ge- 
stein. Weiter  südwärts  sind  am  Nordabhange  dieses  Rückens  40^  SSW 
fallende,  dünnplattige  grünliche  Schiefer  in  Wechsellagerung  mit 
Bänkchen  von  Kalkschiefern  zu  constatiren.  Besonders  mannigfaltig  in 
petrographischer  Beziehung  erweist  sich  diese  schmale  Zone  von  Wer- 
fener Schichten  am  Ostfusse  des  von  der  Öacvina-Ruine  gekrönten 
Felsgrates.  Es  finden  sich  dort  schmutzig- braunrothe  Sandsteine, 
typische    graugelbe    löchrige    Rauhwacken,    schwarze,    weiss    geäderte 


[ll]  Die  Beziehimg  des  Erdbebens  von  Sinj  am  2.  Juli  1898  etc.  H 

Kalke  und  dunkelrothe  Conglomerate.  Das  Einfallen  dieses  Zuges  von 
Werfener  Schichten  ist  40o  SW. 

Das  nordwärts  von  diesem  Zuge  zwischen  den  Buchten  von  Ja- 
buka  und  Grab  gelegene  Terrain  besteht  aus  Muschelkalk  mit  Ein- 
lagerungen von  Dolomiten,  welche  sich  durch  gröberes  Korn  und  eine 
mehr  ins  Silbergraue  spielende  und  dunklere  Farbe  von  den  bräunlich- 
grauen cretacischen  Dolomiten  unterscheiden.  Der  Rücken  (458  w),  an 
dessen  Südfuss  die  Hütten  von  Jabuka  liegen,  baut  sich  aus  vertical 
gestellten,  WNW — OSO  streichenden  grauen  Kalken  auf;  bei  den 
hinteren  Hütten  des  eben  genannten  Dörfchens  treten  dolomitische 
Einschaltungen  auf.  Auf  dem  diesem  Rücken  benachbarten  Höhen- 
zuge (432  m),  an  dessen  Nordfuss  das  Dorf  Grab  liegt,  ist  kein 
deutliches  regionales  Fallen  zu  constatiren.  Die  verschiedenorts  mess- 
baren Fallrichtungen  und  Pallwinkel  machen  den  Eindruck  localer 
Befunde. 

In  der  Einsenkung  zwischen  beiden  Rücken  befinden  sich  die 
steil  aufgerichteten  Muschelkalkbänke  in  Wechsellagerung  mit  dolo- 
mitischen Schichten.  Der  Umstand,  dass  die  letzteren  weniger  wider- 
standsfähig sind,  bringt  es  mit  sich,  dass  die  Schichtköpfe  der  Kalk- 
bänke als  mauerähnliche  Gesteinsriffe  vorragen,  eine  Erscheinung, 
die,  wo  viele  solcher  Riffe  in  paralleler  Anordnung  und  in  grösserer 
Längserstreckung  sich  hinziehen,  einen  sehr  eigenthümlichen  Anblick 
gewährt. 

In  der  Gegend  zwischen  der  nordwestlichen  Hüttengruppe  von 
Velic  und  dem  Felskessel,  in  welchem  der  Grab  Potok  hervorbricht, 
bedingt  die  Steilstellung  der  Muschelkalkbänke  das  Auftreten  höchst 
pittoresker  und  bizarrer  Felsformationen,  als  Mauern,  Thürmchen, 
Zinnen  und  Ruinen.  Weiter  nordwärts  ist  das  Felsterrain  völlig  ein- 
geebnet; kurz  vor  Bugarin  ragt  aber  nochmals  ein  breiter  Felsriff 
auf,  ein  Zeichen,  dass  die  steile  Stellung  der  Schichten  auch  noch  in 
dieser  Gegend  herrscht.  Auf  dem  Felsgrat  südlich  von  Velic  stehen 
die  Kalkbänke  gleichfalls  steil ;  weiter  gegen  die  Mulde  von  Velic 
hinab  trifft  man  ziemlich  sanft  gegen  NO  geneigte  Felsflächen.  Da 
hier  eine  regionale  Abnahme  der  Fallwinkel  unwahrscheinlich  ist, 
dürfte  es  sich  um  Schichtflächen  einer  grösseren  umgestürzten  Fels- 
masse oder  um  Klüftungsflächen  steil  gegen  SW  geneigter  Schichten 
handeln. 

Der  im  Bereiche  des  Muschelkalkes  auftretende  Dolomit  er- 
scheint zum  Theile  auch  in  breiteren,  nicht  von  Kalkbänken  durch- 
setzten Zonen,  so  insbesondere  in  der  Mulde  von  Velic  und  in  der 
Gegend  von  Raduna  am  Nordostfusse  des  Berges  Jelinak  (824  m). 

In  den  beiden  Buchten,  zwischen  welchen  das  Endstück  des 
Muschelkalkzuges  gegen  die  Ebene  vortritt,  finden  sich  Denudations- 
reste von  neogenen  Schichten.  In  der  Bucht  von  Jabuka  bilden  sie 
die  kleine  nordwärts  vom  Triashügel  gelegene  Bodenanschwellung  und 
dringen  noch  eine  Strecke  weit  in  den  in  der  östlichen  Verlängerung 
dieser  Bucht  gelegenen  Graben  hinein.  In  der  Bucht  von  Grab  bilden 
sie  einen  gro:^sen  Theil  des  nordöstlichen  Gehänges  bei  Cosic  und 
reichen  im  Thale  des  Grab  Potok  bis  zur  Mündung  des  engen  Thäl- 
chens,   welches   aus   der   Gegend    von    Bugarin   herabkommt.     In    der 

2* 


12  Dr.  Fritz  v.  Kerner.  ri2] 

Bucht  von  Vedrine  ist  ein  von  der  Masse  des  Golo  Brdo  durch  AUuvien 
getrenntes  kleines  Vorkommnis  von  neogenen  Mergeln  am  Fusse  des 
östlichen  Gehänges  zu  erwähnen. 


Tektonisehe  Uebersicht. 

Aus  den  im  vorigen  beschriebenen  geologischen  Verhältnissen 
ergibt  sich  das  Vorhandensein  mehrerer  Längs-  und  Querbrüche  in 
der  südlichen  Umrandung  des  Beckens  von  Sinj.  Ein  Längsbruch  ver- 
läuft in  der  Achse  der  Mulde  von  Pistetak  und  weiterhin  über  den 
südöstlichen  Theil  des  Rückens  Gomila.  Eine  zweite  Dislocation  be- 
gleitet den  Nordostfuss  des  Traposnik,  eine  dritte  den  Südwestfuss 
des  Bergrückens  von  Gacvina  bei  Susnjara.  Zwei  kurze  Transversal- 
brüche sind  —  wie  erwähnt  —  am  Ostrande  der  Podoviebene  zu  con- 
statiren.  Eine  weitere,  quer  zum  Streichen  verlaufende  Störung  kreuzt, 
dem  an  früherer  Stelle  Gesagten  zufolge,  bei  Krolina  den  Längsbruch 
unterhalb  Öacvina. 

Der  geologische  Nachweis  einer  Anzahl  von  Längs-  und  Quer- 
brüchen gestattet  die  Annahme,  dass  auch  manche  im  Streichen  liegende 
oder  dasselbe  verquerende  Relief linien  als  Bruchlinien  aufzufassen  sind." 
Es  gilt  dies  zunächst  bezüglich  des  geradlinigen  Nordostabsturzes  der 
Gomila  und  in  Betreff  des  Steilgehänges  auf  der  Ostseite  der  Mulde 
von  Pistak,  ferner  hinsichtlich  der  beiden  einander  parallelen  Steil- 
ränder des  Vojnicki  Brig.  Diese  vier  im  Streichen  verlaufenden  Terrain- 
stufen weisen  auf  Longitudinalbrüche  hin.  Die  zum  Streichen  senk- 
rechte Linie,  längs  welcher  der  Gomilarücken  bei  Unter-Kosute  ab- 
geschnitten ist,  bezeichnet  allem  Anscheine  nach  den  Verlauf  eines 
Querbruches.  Die  Annahme,  dass  die  Spalte  der  Cetina  unterhalb  Trilj 
einer  grossen  Querverwerfung  entspricht,  wird  besonders  dadurch  ge- 
stützt, dass  die  Felsmassen  bei  Sv.  Petar  am  Ostufer  des  Flusses  keine 
Fortsetzung  finden.  Des  weiteren  ist  es  zulässig,  die  Thalfurche  von 
Briskilje  als  südwestliche  Fortsetzung  der  bei  Krolina  vorhandenen 
transversalen  Störung  zu  betrachten.  In  ähnlicher  Weise  könnte  der 
Südostrand  der  Podoviebene  (bei  Bucanj)  als  eine  Dislocationslinie 
gedeutet  werden,  welche  in  der  südwestlichen  Fortsetzung  des  süd- 
lichen der  beiden  an  ihrem  Ostrande  constatiiten  Querbrüche  läge. 

Die  im  vorigen  aufgezählten,  theils  aus  Störungen  im  Schicht- 
verbande, theils  aus  den  Reliefverhältnissen  erschlossenen  Dislocationen 
combiniren  sich  zwar  nicht  zu  einem  vollständigen  Sprungnetze,  sie 
gestatten  aber  doch  die  theilweise  Umgrenzung  einer  Anzahl  von 
Schollen  im  Bereiche  der  südlichen  Umrandung  des  Beckens  von  Sinj. 
Der  Rücken  des  Vojnicki  Brig  repräsentirt  einen  schmalen  Horst  zwi- 
schen zwei  Schollen,  von  denen  die  an  seinem  Nordrande  abgesunkene 
die  tiefer  gelegene  ist.  Die  westliche  Fortsetzung  des  Vojniciii  Brig 
ist  als  ein  Schichtklotz  zu  betrachten,  welcher  in  Bezug  auf  den 
Rücken  Gomila  und  das  Terrain  von  Pistak  die  Rolle  eines  Horstes 
spielt,    gegen    die   nördlich  sich  anschliessende  Podovi  aber  selbst  ge- 


[13]  Die  Beziehung  des  Erdbebens  von  Sinj  am  2.  Juli  1898  etc.  13 

senkt  ist.  Das  vom  Golo  Brdo  eingenommene  Gebiet  muss  als  eine 
Scholle  angesehen  werden,  die  gegen  das  westliche  und  östliche  Nach- 
barland tief  hinabgebrochen  ist. 

Dieses  Gebiet  stellt  eine  nischenartige  Erweiterung  des  grossen 
Senkungsfeldes  von  Sinj  dar  und  ist  mit  neogenen  Süsswasserschichten 
erfüllt,  welche  mit  jenen  ganz  übereinstimmen,  die  sich  als  Reste  einer 
ehemaligen  Ausfüllung  des  Hauptbeckens  an  den  Rändern  desselben 
erhalten  haben  und  gleich  diesen  letzteren  eine  ursprüngliche  Lage- 
rung zeigen.  Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  dass  jene  Nische  schon  in 
der  Pliocänzeit  bestand,  und  eine  tiefe  Bucht  jenes  Sees  in  sich  auf- 
nahm, welcher  das  Becken  von  Sinj  erfüllte.  Die  Hügel,  welche  die 
in  jener  Nische  abgesetzten  und  die  weiter  westlich  abgelagerten  Neo-' 
genschichten  bilden  (Golo  Brdo  463  m,  Stasina  Glavica  450  m),  er- 
reichen eine  etwas  grössere  Höhe  als  die  Kuppen  in  dem  westlich 
und  südlich  benachbarten  Terrain  des  Rudistenkalkes  (Vojnicki  Brig 
440  m,  Runjik  Glavica  431  m).  Es  liegen  jedoch  keine  Anzeichen 
(Uferlinien)  vor,  dass  sieh  der  jungtertiäre  See  des  Sinjsko  Polje  über 
das  letztgenannte  Terrain  ausgebreitet  hat,  und  dass  das  Fehlen  von 
Neogenschichten  auf  diesem  Terrain  durch  Denudation  zu  erklären 
ist,  (Eine  Ablagerung  von  gelbem  Lehm  bei  Ober-Kosute  ist  das  Pro- 
duct  einer  jüngeren  Umschwemmung  der  Mergel  in  der  Gegend  der 
Stasina  Glavica  und  nicht  das  Verwitterungsproduct  einer  an  Ort  und 
Stelle  gebildeten  Mergelmasse).  Da  man  auch  nicht  annehmen  kann, 
dass  die  Kalkterrains  rascher  abgetragen  wurden  als  die  benachbarten 
Sand-  und  Mergelhügel,  so  ergibt  sich  der  Schluss,  dass  jene  Terrains 
in  der  Pleistöcänzeit  in  ein  tieferes  Niveau  gekommen  sind,  wogegen 
die  schon  in  der  Pliocänzeit  tief  gelegenen  Schollen  keine  nennens- 
werte weitere  Senkung  erfahren  haben.  Man  gewinnt  den  Eindruck, 
dass  sich  der  Senkungsprocess  im  Gebiete  von  Sinj  während  der  Quar- 
tärzeit zunächst  mehr  in  einer  Erweiterung  als  in  einer  Tieferlegung 
des  jungtertiären  Einbruchsfeldes  zu  äussern  trachtet,  und  dass  das 
Gebiet  zwischen  der  Podoviebene  und  dem  Cetinathale"  jener  Theil 
der  Beckenumrandüng  ist,  in  welchem  sich  diese  Erweiterung  vor- 
bereitet. 

Betrachtet  man  den  Verlauf  der  Isoseismen  des  Bebens  vom 
2.  Juli  1898,  so  ergibt  sich,  dass  die  pleistoseiste  Region  in  den  Be- 
reich des"  eben  genannten  Gebietes  fällt,  und  zwar  in  den  südöstlichen 
Theil  desselben.  Man  hat  es  darum  bei  diesem  Beben  mit  einem  tek- 
tonischen  Vorgange  zu  thun,  welcher  mit  der  sich  langsam  vollziehen- 
den Erweiterung  des  Einbruchsfeldes  von  Sinj  zusammenhängt.  Die 
stärkste  Zerstörung  wiesen  die  am  Südabhange  und  die  am  Nordfusse 
des  Vojnicki  Brig  und  die  auf  dem  Gardunski  Brig  befindlichen  Hütten- 
griippen  auf.  Die  Hütten  von  Bucani  und  Vudriga  Stan,  sowie  jene 
von  Jerkovic  und  Ravicic  zeigten  einen  minder  hohen  Grad  der  Be- 
schädigung. Der  üebergang  zwischen  diesem  und  dem  maximalen 
Grade  der  Zerstörung  wird  durch  jene  Schäden  repräsentirt,  welche 
die  westlichsten  Hütten  von  Vojnic,  die  Hütten  zwischen  Ober-Kosute 
und  Jerkovic  und  jene  westlich  von  Sv.  Petar  erlitten.  Auf  Grund 
dieser  Verhältnisse  ist  anzunehmen,  dass  das  Beben  vom  2.  Juli  1898 
der  .Ausdruck   von  tektonischen  Vorgängen   war,    welche   sich   an   den 


14  Dr.  Fritz  v.  Kerner.  [141 

Bruchlinien    zu    beiden    Seiten    des    Horstes    des    Vojnicki    Brig    ab- 
gespielt haben. 

Um  des  näheren  festzustellen,  von  welcher  Art  die  Vorgänge 
gewesen  sind,  welche  sich  an  diesen  Bruchlinien  ereigneten,  müssen 
die  Schilderungen  der  seismischen  Katastrophe  durch  Augenzeugen 
und  die  Beobachtungen  über  die  Wirkungen  des  Bebens  herangezogen 
werden. 


Form  und  Richtung   der  Bodenbewegung   im  pleistoseisten 

Gebiete. 

Ueber  die  Art  und  Weise,  wie  die  Haupterschütterung  am  Morgen 
des  2.  Juli  im  pleistoseisten  Gebiete  verspürt  wurde,  kam  mir  eine 
grosse  Zahl  von  Angaben  zu.  Die  Herren  Bezirksingenieur  Achille 
Savo  und  Bezirkscommissär  Nicolo  Giuppanovich  hatten  die  grosse 
Liebenswürdigkeit,  bei  der  commissionellen  Erhebung  der  durch  das 
Beben  verursachten  Schäden,  bei  welcher  ich  mich  den  genannten 
Herren  anschliessen  konnte,  in  allen  Hüttengruppen  der  Gegend  von 
Vojnic  und  Kosute  darüber  Nachfrage  zu  halten,  wie  das  seismische 
Phänomen  verspürt  wurde  und  mir  die  ihnen  diesbezüglich  gemachten 
Angaben  zu  verdolmetschen. 

I.  In  Bucani,  im  nördlichsten  Theile  der  Mulde  von  Vojnic,  wurde 
Folgendes  erzählt:  1.  Ein  Bauer  vernahm  das  Getöse  eines  starken 
Windstosses  und  verspürte  dann  ein  Erzittern  des  Bodens,  das  er 
durch  sehr  rasches  horizontales  Hin-  und  Herbewegen  der  Faust  de- 
monstrirt;  er  konnte  sich  kaum  aufrecht  erhalten,  fühlte  sich  ge- 
stossen  und  gerüttelt  und  es  schien  ihm,  als  ob  die  Erscheinung  vor- 
beigezogen wäre.  2.  Es  wurde  ein  Geräusch  gehört,  dann  eine  Be- 
wegung des  Bodens  wahrgenommen,  welche  durch  Worte  bezeichnet 
wird,  die  mit  Hin-  und  Herwackeln  oder  mit  Hin-  und  Herdrehen  zu 
übersetzen  sind.  3.  Man  vernahm  ein  Geräusch  wie  von  einem  Sturm- 
wind, dann  ein  Zittern  und  Schütteln  des  Bodens,  welches  von  Norden 
zu  kommen  schien;  zwei  Personen,  welche  am  Boden  sassen,  wurden 
hin-  und  hergeworten.  4.  Ein  Bauer  von  Vudriga  Stan,  welcher  im 
Felde  arbeitete,  hatte  den  Eindruck,  als  wenn  der  Erdboden  gebeutelt 
würde  und  er  sah,  dass  Steine  aufgelupft  wurden.  Ein  Windstoss  und 
ein  Getöse  gingen  der  Erscheinung  unmittelbar  voraus. 

II.  Aus  der  Gegend  von  Vojnic  liegen  folgende  Daten  vor: 
1.  Die  Bodenerschütterung  wird  durch  sehr  schnelles  Hin-  und  Her- 
bewegen der  Faust  veranschaulicht;  in  den  Hütten  wurden  die  Ein- 
richtungsgegenstände durcheinander  geworfen.  2.  Ein  Bauer  hatte  das 
Gefühl,  als  wenn  er  sich  im  Wellenmeere  befände;  ein  anderer  be- 
wegt zur  Demonstration  der  stattgehabten  Bodenbewegung  die  Fäuste 
auf  und  ab.  3.  Man  vernahm  einen  Borastoss  und  ein  Getöse  und 
verspürte  dann  eine  Bewegung,  die  durch  ein  Wort  charakterisirt 
wird,  das  mit  „Umdrehen"   wiederzugeben  ist.  4.  In  einem  Stalle  soll 


[151  ^'^  Beziehung  des  Erdbebens  von  Sinj  am  2.  Juli   1898  etc.  15 

sich  der  Boden  20  cm  emporgehoben  haben;  ein  Borastoss  und  ein 
Getö&e  gingen  der  Erscheinung  voraus.  5.  Man  sah  im  Erdboden 
Risse  und  Klüfte  entstehen,  welche  sich  sofort  mit  Staub  und  Erde 
füllten,  die  gleichzeitig  aufgewirbelt  wurden.  6.  Ein  Bauer,  welcher 
in  einem  Acker  stand,  hatte  das  Gefühl,  als  wenn  er  sich  im 
wogenden  Meere  befände;  er  glaubte  zu  sehen,  dass  sich  Risse  und 
Klüfte  bildeten  und  allsogleich  wieder  schlössen.  7.  Ein  Mann  sagt, 
er  hatte  das  Gefühl,  dass  eine  Welle  unter  seinen  Füssen  durchzog; 
er  konnte  sich  kaum  aufrecht  erhalten.  Die  Welle  kam  von  NNO 
und  zog  gegen  SSW  weiter.  8.  Ein  Mann,  welcher  sich  in  den  Aeckern 
südöstlich  von  der  Vojnicer  Kirche  befand,  hörte  ein  Getöse  und 
dann  schien  es  ihm,  dass  der  Boden  der  ganzen  Umgebung  in  Wellen- 
bewegung war ;  zugleich  sah  er  eine  Hütte  in  einer  Staubwolke  zu- 
sammenfallen. 9.  In  Ravicic  fühlte  sich  ein  Mann  dreimal  hin-  und 
hergeschuplt ;  die  Bewohner  der  südöstlichen  Hütten  von  Ravicic  be- 
richten dagegen  von  einer  sussultorischen  Bewegung. 

HI.  In  Kosute  wurden  nachstehende  Angaben  gemacht:  1.  Das 
Getöse  kam  von  Nord;  eine  Frau  wurde  in  ungefähr  nordsüdlicher 
Richtung  hin-  und  hergeworfen ;  mehrere  Leute  hatten  das  Gefühl, 
als  wenn  der  Boden  an  verschiedenen  Stellen  aufbrechen  wollte. 
2.  Man  vernahm  ein  kanonenschussähnliches  Geräusch  und  verspürte 
dann  einen  Stoss  nach  aufwärts ;  nach  einer  anderen  Mittheilung  war 
das  Geräusch  so,  als  wenn  ein  Eisenbahnzug  nahe  unter  der  Erde 
vorbeifahren  würde.  3.  Es  wurde  zuerst  ein  Stoss  nach  aufwärts,  dann 
ein  Ruck  nach  abwärts  wahrgenommen.  Das  vorausgegangene  Geräusch 
schien  diesem  Gewährsmann  so,  wie  wenn  eine  Schlange  durch  dürres 
Laub  raschelt. 

IV.  Aus  der  Gegend  von  Gardun  liegen  nachstehende  Schilde- 
rungen vor:  1.  Ein  Bauer  hatte  das  Gefühl,  als  wenn  er  zuerst  ge- 
hoben, dann  umgeworfen  und  dann  in  die  Tiefe  gezogen  würde.  2.  Man 
vernahm  zuerst  einen  Windstoss  und  ein  Geräusch  wie  von  einem 
Eisenbahnzuge,  dann  ein  Zittern  und  Beuteln  und  dann  zog  die  Er- 
scheinung gegen  Süden  weiter.  3.  Man  beobachtete  eine  in  der  Rich- 
tung von  Nord  nach  Süd  durch  die  Ortschaft  gegangene  Welle.  Ein 
Bauer,  welcher  einem  andern  in  einer  zusammenstürzenden  Hütte  Be- 
findlichen zu  Hilfe  eilen  wollte,  konnte  dies  nicht,  da  er  auf  dem 
hin-  und  herschwankenden  Boden  nicht  zu  gehen  vermochte.  4.  Ein 
Bauer  spricht  von  einer  von  Nord  gekommenen  und  gegen  Süd  durch- 
gezogenen Welle;  ein  anderer  verspürte  dagegen  drei  Stösse  von 
unten.  6.  Es  wurde  eine  Wellenbewegung  des  Bodens  beobachtet,  bei 
welcher  sich  derselbe  scheinbar  bis  zur  Gesichtslinie  hob,  so  dass 
man  im  Wellenthaie  nicht  über  die  Wellenberge  hinaussehen  konnte. 
7,  ;p]s  wird  von  einem  Stoss  und  einem  Schaukeln  des  Bodens  be- 
richtet. 8.  Ein  Bauer  demonstrirt  die  Erscheinung  wieder  so,  dass 
auf  eine  wellenförmige  Bewegung  des  Erdbodens  zu  schliessen  ist. 
9.  Bei  den  Hütten  in  dem  Graben,  welcher  zur  Cetina  hinabführt 
(unter  Punkt  407  der  Specialkarte),  haben  die  Leute  zuerst  einen 
Stoss  und  dann  eine  Wellenbewegung  wahrgenommen.   In  der  Gegend 


16  Dr.  Fritz  v.  Kerner.  [Ißj 

von  Turjake,  nordwestlich  von  der  epicentralen  Region,  ist  nach  Er- 
kundigungen, welche  Bezirkscommissär  Baron  Sternbach  einzuziehen 
die  Güte  hatte,  gleichfalls  zuerst  ein  Stoss  von  unten  und  dann  eine 
Wellenbewegung  verspürt  worden. 

Aus  den  vorstehenden  Berichten  ist  zu  ersehen,  dass  sich  der 
Erdboden  in  der  pleistoseisten  Region  in  transversaler  Schwingung 
befand.  Die  Heranziehung  des  wogenden  Meeres  zum  Vergleiche  lässt 
kaum  einen  Zweifel  darüber  bestehen.  Die  Angaben  über  succussorische 
Bewegung  sind  auf  die  südöstliche  Randzone  jener  Region  beschränkt 
und  auch  dort  mit  Beobachtungen  von  undulatorischer  Bewegung  ver- 
mischt. Bezüglich  der  Schwingungsrichtung  stimmen  die  Angaben 
darin  überein ,  dass  dieselbe  eine  ungefähr  meridionale  war.  Die 
Zahl  der  Berichte,  welche  der  Oscillationsrichtung  Erwähnung  thun, 
ist  jedoch  sehr  gering,  so  dass  es  wünschenswert  erscheint,  sich  über 
diesen  Punkt  noch  anderweitig  Gewissheit  zu  verschaffen. 

.  Eine  Erscheinung,  welche  fürs  eine  meridionale  oder  genauer  für 
eine  NNO — SSW-Richtung  der  Wellenbewegung  spricht,  war  das  Auf- 
treten von  Rissen  und  kleinen  Spalten  entlang  dem  WNW— OSO 
streichenden  Nordrande  des  Vojnicki  Brig.  Ich  verdanke  die  Mitthei- 
lung von  der  Bildung  solcher  Erdrisse  Herrn  Giuppanovich.  Zur  Zeit 
meiner  Ankunft  waren  dieselben  infolge  der  Durchweichung  des  Erd- 
reiches, welche  ein  vorausgegangenes  Regenwetter  verursacht  hatte, 
bereits  verschwunden.  Ein  weiteres  Anzeichen  dafür,  dass  die  Boden- 
bewegung in  der  vorhin  genannten  Richtung  stattfand,  ist  in  einer 
Erscheinung  zu  erblicken,  welche  zu  den  interessantesten  der  im  ganzen 
Schüttergebiete  zur  Beobachtung  gelangten  Phänomene  gezählt  hat. 
Auf  dem  Rücken  des  Vojnicki  Brig,  insbesondere  in  der  Umgebung 
der  flachen  Mulde  Rudanov  Dolac,  waren  grosse  Mengen  von  Steinen, 
welche  in  seichten  Vertiefungen  des  rothbraunen  Eluviums  lagen,  aus 
ihren  Lagerstätten  herausgeschleudert  worden  und  in  nächster  Nähe 
wieder  niedergefallen,  und  zwar  meist  mit  nach  aussen  gekehrter 
Unterseite,  so  dass  die  Trümmerfelder  auf  weite  Strecken  hin  nicht 
grau,  sondern  rostfarbig  erschienen.  Man  konnte  in  den  meisten  Fällen 
aus  den  Formverhältnissen  erkennen,  welche  Steine  und  Eluvialgrübchen 
zusammengehörten  und  da  zeigte  es  sich  nun,  dass  in  der  Gegend  von 
Rudanov  Dolac  sehr  viele  Steine  südwärts  bis  südwestwärts  von  ihren 
Betten  lagen,  und  dass  weiter  im  Westen,  wo  das  Phänomen  der 
Herausschleuderung  weniger  allgemein  auftrat,  die  Steine  entweder 
gegen  S  bis  SW  oder  gegen  N  bis  NO  dislocirt  waren.  Ein  Bericht 
eines  Augenzeugen  liegt  mir  über  das  am  Vojnicki  Brig  stattgehabte 
Phänomen  nicht  vor.  Dagegen  enthält  der  Bericht  des  Gewährsmannes 
von  Vudriga  Stan  die  Angabe,  dass  Steine  aufgelupft  wurden,  Dort- 
selbst wurde  auch  erzählt,  dass  auf  der  Weide  befindliche  Schafe 
emporgeschupft  worden  seien.  Aus  dem  nördlichsten  Theile  von  Vojni6 
liegt  gleichfalls  eine  Angabe  vor,  dass  etwa  zwei  Schotterfuhren  Steine 
emporgeschupft  wurden. 

Was  die  Beschädigungen  der  Gebäude  betrifft,  so  ist  man  zwar 
bekanntlich  längst  von  der  Ansicht  abgekommen,  dass  dieselben  zu 
näheren   Schlüssen    über    die    Art    der    stattgehabten   Bewegung    ver- 


[17]  Die  Beziehung  des  Erdbebens  von  Sinj  am  2.  Juli  1898  etc.  17 

wertbar  seien ;  einen  Anhaltspunkt  in  Betreff  der  Hauptrichtung  der 
Bewegung  können  sie  aber  möglicherweise  doch  bieten.  Ho  er  n  es  meint 
wenigstens  (Erdbebenkunde,  pag.  172):  „Dem  ungeachtet  werden  wir 
gewisse  Beschädigungen,  wie  abgeschleuderte  Mauerecken,  nach  be- 
stimmten Richtungen  umgeworfene  Gebäudetheile  etc.  mit  Vortheil 
benützen  können,  um  die  Richtung  der  heftigsten  Oscillationen  des 
Bodens  bestimmen  zu  können."  Es  mögen  deshalb  im  folgenden  jene 
Beobachtungen  mitgetheilt  werden,  die  ich  im  pleistoseisten  Gebiete 
über  Beschädigungen  von  Baulichkeiten  zu  machen  Gelegenheit  hatte. 
Der  Umstand,  dass  sich  in  diesem  Gebiete  nur  Dörfer  befinden,  brachte 
es  mit  sich,  dass  die  Mannigfaltigkeit  der  Erscheinungen  eine  ver- 
hältnismässig geringe  war. 

I.  Biicani.  Bei  den  schlechter  gebauten  Hütten  war  das  Mauer- 
werk gelockert,  eine  Hütte  war  stark  zerstört,  das  Dach  zusammen- 
gebrochen, die  Seitenmauern  eingestürzt,  die  Giebelwände  dagegen 
noch  erhalten.  Die  besser  construirten  Häuschen  zeigten  Sprünge  und 
Risse  in  den  Mauern.  Die  nwdlichsten  Hütten  zeigten  ausser  einer 
starken  Beschädigung  der  Steinplattendächer  nur  wenige  Spuren  der 
stattgehabten  Erschütterung.  In  der  unteren  Hüttengruppe  von  Bucani 
war  bei  einer  Hütte  der  grösste  Theil  der  gegen  NO  gerichteten 
Giebelwand  eingestürzt,  bei  einer  andern  die  NO-Giebelwand  ganz  ein- 
gefallen ;  von  einer  Hütte  waren  die  Giebelwände  stehen  geblieben, 
aber  der  Dachstuhl  ganz  zu  Boden  gebrochen.  Bei  den  Häusern  von 
Vudriga  Stan  waren  Continuitätstrennungen  in  den  Quadermauern  zu 
beobachten,  eine  gegen  SW  gerichtete  Giebelmauer  war  vom  übrigen 
Gemäuer  abgetrennt. 

II.  Vojnic,  westlicher  Theil.  Bei  der  westlichsten  Hütte  war 
die  NO-Giebelwand  eingestürzt,  bei  der  zweiten  zeigte  die  gegen  NO  ge- 
richtete Giebelwand  einige  Sprünge.  Ein  massig  gut  gebautes  Häuschen 
hatte  einen  grossen  Riss  nahe  der  Ostecke,  bei  einem  andern  war  die 
Ostgiebelwand  eingestürzt,  bei  einem  dritten  die  Südecke  herausgebro- 
ciien.  Die  Dächer  waren  überall  sehr  stark  beschädigt.  Das  Schulhaus 
von  Vojnic  hatte  viele  diagonale  Sprünge  an  den  Wänden  und  N — S 
verlaufende  Sprünge  in  der  Decke  der  Hausflur;  in  den  Zimmern  des 
ersten  Stockes  waren  der  Mörtel  der  Decke  und  der  Seitenwände  zum 
grossen  Theile  abgelöst.  Die  Häuser  in  der  Umgebung  der  Schule 
waren  gleich  dieser  äusserlich  nicht  viel  beschädigt.  An  einem  Hause 
östlich  von  der  Schule  waren  die  Süd-  und  Ostecke  stark  heraus- 
getrieben, die  Quadern  bis  zu  8  cm  voneinander  getrennt.  Ein  anderes 
der  Schule  benachbartes  Haus  zeigte  Trennungen  der  Quadern  in  der 
OSO-Wand.  Bei  einem  Hause  war  die  Südwand  herausgebrochen,  bei 
einem  zweiten  die  Ostwand  vorgebaucht. 

Bei  einer  von  den  weiter  ostwärts  gelegenen  Hütten  war  die 
NW-Ecke  ganz  herausgebrochen,  neben  der  SW-Ecke  ein  grosser 
Sprung  und  die  Ostwand  um  8  cm  hinausgedrückt.  In  der  Nachbar- 
hütte verlief  ein  grosser,  schief  aufsteigender  Riss  von  der  Süd-  auf 
die  Ostmauer  hinüber;  die  Nordmauer  war  theilweise  vorgewölbt. 
Bei   einer   weiteren   Hütte    waren   die   West-   und   Ostwand   ganz   zu- 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Ueichsanstalr,  1890,  50.  Uaiid,  1.  Heft.  (F.  v.  Kerner.)  3 


18  Dr.  Fritz  v.  Kerner.  [ig] 

sammengestürzt  und  die  Südwand  neben  der  SO-Ecke  geborsten.  Bei 
einer  Hütte  daneben  war  der  Nordgiebel  herausgebrochen,  bei  einer 
andern  die  Südwand  und  SW-Ecke  vom  übrigen  Gemäuer  losgetrennt. 
In  einer  etwas  höher  gelegenen  Hüttengruppe  war  bei  einer  Hütte 
der  Einsturz  des  Südgiebels  und  eines  Stückes  der  Ostwand,  bei  zwei 
andern  der  Zusammenbruch  der  ganzen  Südwand  und  bei  einer  weiteren 
eine  Vorwölbung  der  Südmauer  zu  constatiren. 

III.  Vojnic,  mittlerer  Theil.  Die  Häusergruppe  gleich  west- 
lich vom  Pfarrhause  war  vielleicht  die  am  stärksten  zerstörte.  Von 
einer  Hütte  standen  nur  mehr  Reste  der  Mauern,  der  Dachstuhl  war 
ganz  zusammengebrochen.  Bei  einer  Hütte  daneben  waren  der  Nord- 
giebel und  die  Südwand  total  eingestürzt,  eine  etwas  tiefer  gelegene 
Hütte  war  gleichfalls  fast  ganz  zusammengefallen.  Bei  einer  weiter 
ostwärts  gelegenen  Hütte  war  die  Südwand  theilweise,  bei  einem  etwas 
oberhalb  dieser  Hütte  gelegenen  Häuschen  die  SSW-Wand  total  zu- 
sammengestürzt. In  der  nächsten  Häuser^^ruppe  war  bei  einem  besseren, 
aus  Quadern  ausgeführten  Baue  ein  Theil  der  Südwand  und  die  SW- 
Ecke  eingefallen,  bei  einem  andern  Bau  auch  die  gegen  S  gerichtete 
W'and  zerstört.  Bei  einer  kleinen,  etwas  tiefer  gelegenen  Hütte  war 
die  südliche  Giebelwand  fast  ganz,  die  nördliche  zum  grossen  Theile 
zusammengefallen :  bei  zwei  folgenden  Hütten  war  aus  der  Nordwand 
ein  grosses  Stück  herausgebrochen.  Bei  einer  westöstlich  orientirten 
Hütte  war  die  nördliche  Längswand  theilweise  zerstört.  Zwei  massiver 
gebaute  Häuser  liessen  Ausbauchungen  der  gegen  Süd  gekehrten  Wände 
erkennen.  Das  Pfarrhaus  von  Vojnic  zählte  zu  den  am  stärksten  zer- 
störten Gebäuden  des  ganzen  Schüttergebietes.  Die  steinernen  Thür- 
und  Fensterstöcke  waren  vom  Mauerwerk  losgelöst  und  zum  Theile 
verschoben  und  nach  aussen  geneigt.  Die  Decken  und  Wände  der 
Zimmer  des  ersten  Stockes  waren  von  vielen  Sprüngen  durchsetzt  und 
durch  breite,  den  Ziramerecken  folgende  Spalten  voneinander  getrennt. 

IV.  Vojnic,  östlicher  Theil.  Bei  zweien  der  zunächst  östlich 
vom  Pfarrhause  gelegenen  Hütten  waren  die  oberen  Theile  der  gegen 
Süd  gekehrten  Wände  herausgebrochen.  Von  einer  Hütte  waren  di- 
südliche  Längsmauer  ganz  zusammengestürzt,  die  Ostseite  stark  bee 
schädigt.  Einige  weitere  Hütten  von  mangelhafter  Bauart  hatten  gleich- 
falls sehr  gelitten.  Bei  einem  Hause  von  soliderer  Construction  war 
die  Südwand  vom  übrigen  Gemäuer  abgelöst  und  etwas  vorgeneigt 
von  der  Hütte  daneben  war  die  Südgiehelwand  zusammengefallen,  von 
einer  andern  dagegen  die  West-  und  Ostmauer  zerstört.  Zwei  weitere 
Hütten  zeigten  wieder  eine  partielle  Zerstörung  der  gegen  Süd  ge- 
kehrten Wände.  Die  weiter  ostwärts  gelegene  Hüttengruppe  wies 
minder  grosse  Beschädigungen  auf.  Nur  die  Dächer  waren  auch  hier 
zum  grossen  Theile  zerstört.  Eine  kleine,  zwischen  Vojnic  und  Ober- 
Kosute  gelegene  Hütte  war  bis  auf  die  Ostmauer  ganz  zusammen- 
gefallen. 

V.  Kosute.  Die  grosse  Häusergruppe  von  Ober-Ko§ute  Hess 
minder  grosse  Folgen  der  stattgehabten  Erschütterung  erkennen.    Die 


[19]  Die  Beziehung  des  Erdbebens  von  Rinj  am  2.  Juli  l'^OS  etc.  19 

Schäden  beschränkten  sich  hier  auf  das  Auseinanderweichen  der  Mauer- 
quadern, besonders  an  den  SW-Ecken  der  Häuser.  In  Jerkovic  waren 
zwei  sehr  elende  Hütten  ganz  zusammengestürzt.  Zwei  andere,  mehr 
gegen  die  Mulde  von  Vojnic  zu  gelegene,  gleichfalls  mangelhaft  con- 
struirte  Hütten  zeigten  dagegen  keine  bedeutenden  Schäden. 

Die  aus  Quadern  solid  aufgebauten  Häuser  von  Ravicic  zeigten 
geringe  Beschädigung.  Bei  einem  alleinstehenden  Hause  war  die  NW- 
Ecke  eingestürzt,  bei  einem  andern  das  Mauerwerk  an  verschiedenen 
Stellen  ausgebaucht.  Die  südöstliche  Häusergruppe  von  Ravicic  hatte 
in  den  Mauern  wenig  gelitten,  nur  die  Dächer  waren  auch  hier  stark 
beschädigt. 

Von  den  Hütten  in  dem  zur  Cetina  hinabführenden  Graben 
zeigten  die  besser  gebauten  nur  einige  Sprünge,  bei  den  untersten, 
schlecht  gebauten  war  die  Nord-  und  Südgiebelwand  ganz  eingestürzt, 
bei  einer  andern  die  Ostwand  theilweise  zusammengefallen. 

VI.  (irardim.  Bei  einer  schlechter  gebauten  Hütte  war  der  Süd- 
giebel herausgefallen,  die  Nordseite  eingestürzt  und  auch  ein  Theil 
der  Westwand  zerstört.  Eine  zweite  Hütte  hatte  grosse  Sprünge  auf 
der  Westseite  und  Ausbauchungen  in  der  gegen  N  gekehrten  Mauer. 
Ein  grosser  benachbarter  Hüttenbau  zeigte  besonders  in  seinem  öst- 
lichen Theile  grosse  Sprünge.  Zwei  aus  Quadern  solid  construirte 
Häuschen  hatten  wenig  gelitten ;  bei  einer  mangelhaft  gebauten  Hütte 
waren  der  SSW-  und  NNO-Giebel,  bei  einer  andern  die  Ecken  heraus- 
gebrochen. Von  einer  Kapelle  war  die  NNO-Wand  herausgebrochen, 
in  der  SSW-Wand  beobachtete  man  Trennungen  der  Quadern.  Bei 
einem  grösseren  Hause  daneben  waren  die  nördliche  und  südliche 
Längsmauer  durch  breite,  die  Randtheile  der  West-  und  Ostmauer 
durchsetzende  Klüfte  losgetrennt,  die  Deckenwände  von  weit  klaffenden 
Sprüngen  durchsetzt,  die  steinernen  Fensterstöcke  hinausgedrückt. 

Von  einem  benachbarten  Hüttchen  waren  die  Nord-  und  Süd- 
giebelseite stark  zerstört,  von  einem  andern  die  Südwand  ganz  hr raus- 
gefallen, von  einem  dritten  die  gegen  NNO  und  SSW  gerichteten 
Giebelwände  ganz  zusammengefallen.  Eine  benachbarte  Hütte  zeigte 
eine  theilweise  Zerstörung  der  Ost-  und  Nordmauer,  Risse  in  der 
Südwand  und  Ausbauchungen  in  der  Westwand.  Eine  schlechter  ge- 
baute Hütte  war  bis  auf  die  Grundmauern  zusammengebrochen,  der 
Dachstuhl  eingestürzt.  Bei  einer  andern  Hütte  war  die  Östwand  ein- 
gefallen. Bei  zwei  Häusern  waren  die  Nordgiebel  herabgestürzt,  bei 
zwei  weiteren  die  Nordgiebelwand  ganz  herausgebrochen,  die  Süd- 
giebelwand bei  der  einen  zerstört,  bei  der  andern  losgetrennt.  Bei 
einer  folgenden,  westöstlich  orientirten  Hütte  war  die  nördliche  Längs- 
mauer überhängend,  die  südliche  losgetrennt.  Li  der  Hüttengruppe 
nahe  der  Kirche  waren  bei  einer  mit  der  Längsachse  von  N  nach  S 
gerichteten  Hütte  die  beiden  Giebelwände,  bei  einer  westöstlich  orien- 
tirten Hütte  die  nördliche  und  südliche  Lingswand  durch  breite  Klüfte 
losgetrennt.  Bei  einer  andern  Hütte  war  die  nördliche  Längswand 
zum  Theile  weggebrochen,  bei  einer  weiteren  der  Südgiebel  heraus- 
gefallen. 


20  Dr.  Fritz  v.  Kerner.  [20] 

Aus  den  vorstehenden  Angaben  lässt  sich  erkennen,  dass  die  in 
westöstlicher  Richtung  sich  erstreckenden  Hüttenmauern  viel  häufiger 
zerstört  wurden  als  die  meridional  verlaufenden  Mauern.  Es  war  dies 
zum  Theile  darin  begründet,  dass  die  ersteren  in  sehr  vielen  Fällen 
die  Giebelmauern  waren,  deren  oberer  Theil  mehr  zum  Einstürze  neigt 
als  das  übrige  Mauerwerk,  eine  Erscheinung,  die  F.  E.  Suess  als  eine 
beim  Laibacher  Beben  sehr  oft  beobachtete  erwähnt  und  hinsichtlich 
ihrer  Ursache  erörtert  hat.  Es  kam  aber,  wie  aus  der  vorigen  Auf- 
zählung erhellt,  auch  wiederholt  vor,  dass  die  gegen  Nord  und  Süd 
gekehrten  Wände  auch  dann  die  allein  oder  die  stärker  beschädigten 
waren,  wenn  sie  die  Längswände  der  betreffenden  Hütte  bildeten. 
Andererseits  gab  es  freilich  auch  vereinzelte  Fälle,  in  denen  die 
westlichen  und  östlichen  Mauern  einstürzten,  auch  wenn  sie  die  Längs- 
mauern der  Hütten  waren.  Das  eine  kann  aber  immerhin  behauptet 
werden,  dass  die  Beschädigungen  der  Baulichkeiten  in  Vojnic,  Kosute 
und  Gardun  eher  für  eine  ungefähr  meridionale  Richtung  als  für  eine 
von  dieser  sehr  abweichende  Richtung  der  stattgehabten  Bodenschwin- 
gung sprechen.  Es  bedeutet  diese  Behauptung  wohl  nur  ein  sehr  be- 
schränktes Zugeständnis  der  Möglichkeit,  dass  die  Beschädigungen  der 
Gebäude  und  die  Bodenbewegung  in  Beziehung  zu  einander  stehen. 
Die  absolute  Negirung  einer  solchen  Beziehung  wird  aber  auch  von 
modernen  Erdbebenforschern  nicht  gefordert.  F.  E.  Suess  meint  (Lai- 
bach, pag.  110):  „Theoretisch  würde  nichts  dagegen  sprechen,  dass 
in  einzelnen  Gegenden  die  Bewegung  in  einer  oder  der  andern  Rich- 
tung besonders  überwiegt,  und  dass  sich  das  in  erkennbarer  Weise  an 
der  Art  der  Gebäudebeschädigungen  äussert." 

Eine  merkliche  regionale  Terrainsenkung  hat  im  Bereiche  der 
pleistoseisten  Region  (und  des  Schüttergebietes  überhaupt)  nicht  statt- 
gefunden. Eine  geringfügige  partielle  Absenkung  des  Terrains  auf 
einer  der  beiden  Seiten  oder  auf  beiden  Seiten  des  Vojnicki  Brig  ist 
dessenungeachtet  nicht  ausgeschlossen.  Der  grösste  Theil  der  beiden 
Abhänge  des  eben  genannten  Rückens  ist  mit  jüngeren,  mehr  oder 
minder  plastischen  Bildungen,  als  Eluvien,  lockeren  Breccien,  Mergeln 
und  deren  Umschwemmungsproducten,  bedeckt.  Es  könnte  darum  eine 
im  felsigen  Untergrunde  dieser  Schichten  entstandene  Stufe  von 
geringer  Höhe  gegen  die  Bodenoberfläche  hin  wieder  ausgeglichen 
worden  sein. 


Ergebnisse. 

Es  Hess  sich  bezüglich  der  tektonischen  Beziehungen  des  Erd- 
bebens von  Sinj  am  Morgen  des  2.  Juli  1898  Folgendes  fest- 
stellen : 

1.  Dass  sich  die  pleistoseiste  Region  im  Bereiche  der  südlichen 
Randzone  des  Senkungsfeldes  von  Sinj  über  einen  schmalen  Horst 
zweiter  Ordnung,  den  Vojnicki  Brig,  und  die  angrenzenden  Theile  der 
demselben  benachbarten  Schollen  erstreckte. 


[211  Die  Beziehung  des  Erdbebens  von  Sinj  am  2.  Juli  1898  etc.  21 

2.  Dass  das  seismische  Phänomen  im  pleistoseisten  Gebiete  in 
einer  quer  zur  Streichungsrichtung  der  Schichten  erfolgten  Oscillation 
des  Bodens  bestand. 

3.  Dass  eine  merkliche  regionale  Terrainsenkung  nicht   erfolgte. 

Es  ergibt  sich  hieraus,  dass  die  seismische  Katastrophe  am  Morgen 
des  2.  Juli  in  der  Auslösung  einer  tangentialen  Spannung  bestand, 
welche  zwischen  den  Schollen  am  Südrande  des  Siiijsko  Polje  vor- 
handen war.  Das  Gebiet  auf  der  Ostseite  der  Adria  zählt  nicht  zu 
jenen  Theilen  der  Erdkruste,  von  welchen  man  annehmen  kann,  dass 
in  ihnen  ausscliliesslich  nur  die  verticale  Componente  der  tellurischen 
Spannungen  in  Wirksamkeit  tritt.  Es  muss  darum  in  diesem  Gebiete 
jeder  verticalen  Verschiebung  zweier  Schollen  eine  Lostrennung  dieser 
Schollen  vorausgehen.  Es  wird  sich  ferner  nach  einer  erfolgten  Sen- 
kung im  Laufe  der  Zeit  wieder  eine  tangentiale  Spannung  einstellen, 
so  dass  das  weitere  Absinken  einer  Scholle  entlang  einer  schon  vor- 
gezeichneten Linie  wiederum  die  Auslösung  einer  solchen  Spannung 
zur  Voraussetzung  hat.  Man  hat  sich  demnach  vorzustellen,  dass  die 
Gebirgsmasse  am  Südrande  der  Cetinaebene  längs  einer  der  beiden 
dort  verlaufenden  alten  Störungslinien  einen  neuen  plötzlichen  Riss 
bekam,  und  dass  die  in  diesem  Momente  aus  ihrer  Ruhelage  gebrachten 
Gebirgstheile  zu  beiden  Seiten  des  Risses  in  elastische  Schwingung 
geriethen.  An  der  freien  Oberfläche  gestaltete  sich  die  Bewegung  zu 
einer  transversalen  Undulation. 

An  welcher  von  den  beiden  Seiten  des  Vojnicki  Brig  der  Riss 
erfolgte,  ist  kaum  zu  entscheiden.  Der  Umstand,  dass  auf  dem  eben 
genannten  Rücken  die  Steine  gegen  S  und  SW  dislocirt  waren,  könnte 
dahin  gedeutet  werden,  dass  dort  der  erste  und  heftigste  Ruck  in  der 
Richtung  gegen  NNO  erfolgte  und  somit  der  Südrand  des  Vojnicki 
Brig  der  Schauplatz  der  Katastrophe  war.  Jedenfalls  hatte  die  in 
weitem  Umfange  erfolgte  plötzliche  Lostrennung  zweier  Schollen  mehr 
oder  minder  grosse  Störungen  im  gegenseitigen  Verbände  aller  um- 
gebenden Schollen  zur  Folge.  Die  starken  Zerstörungen,  welche  die 
Hütten  von  Unter-Kosute  und  die  Häuser  von  Trilj  erlitten,  sind  ein 
Beweis,  dass  die  tiefgelegene  Scholle  im  Norden  des  Vojnicki  Brig 
sehr  heftig  erbebte.  Unterhalb  Trilj  sollen  die  gebildeten  Erdspalten 
parallel  zur  Strasse,  d.  i.  von  NNO  gegen  SSW  gerichtet  gewesen  sein, 
was  dem  Umstände  entspricht,  dass  dort  der  Ostrand  der  eben  ge- 
nannten Scholle  verläuft. 

In  hohem  Masse  wurden  die  nordwestlich  benachbarten  Schollen 
erregt,  da  das  an  der  Grenze  von  zweien  dieser  Schollen  sich  hin- 
ziehende Dorf  Turjake  sehr  stark  gelitten  hat.  Die  Schäden,  welche 
das  Dorf  Caporice  aufwies,  lassen  erkennen,  dass  auch  die  ostwärts 
der  Cetina  gelegenen  Schollen  in  Bewegung  geriethen. 

Die  zahllosen  Nachbeben  der  Haupterschütterung  sind  als  der 
Ausdruck  jener  Vorgänge  anzusehen,  welche  nach  der  plötzlichen  Ver- 
änderung der  gegenseitigen  Lagebeziehungen  der  Schollen  zur  Her- 
stellung eines  neuen  Gleichgewichtszustandes  der  Gebirgsmassen  er- 
forderlieh waren.  Da  sich  diese  Vorgänge  nicht  auf  den  Schauplatz 
der  Hauptkatastrophe  beschränkt  haben  können  und  sich  zum  Theile 


22  Dr.  Flitz  V.  Kerner.  [22] 

an  den  Grenzen  der  benachbarten  Schollen  abspielen  mussten,  ist  es 
begreiflich,  dass  manche  der  Nacli beben  ausserhalb  des  Epicentrums 
der  llaupterschütterung  am  stärksten  verspürt  wurden. 

Es  liegt  die  Vermuthung  nahe,  dass  diese  Vorgänge  wenigstens 
zum  Theile  in  Schollensenkungen  bestanden  haben.  Die  Möglichkeit, 
dass  solche  in  sehr  beschränktem  Ausmasse  stattfanden,  ist,  wie  vor- 
hin erwähnt  wurde,  niclit  vollkommen  ausgeschlossen.  Ein  merkbarer 
Fortschritt  in  der  Erweiterung  des  grossen  Seiikungsfeldes  von  Sinj 
wurde  jedoch  durcli  jene  Vorgänge  nicht  erzie-lt. 


F.  V.  Kerner:  Geognostische  Übersichtskarte  der  südlichen  Umrandung  des  Sinjsko  Polje. 


Taf.   I. 


Buea 


Traposnik 


S/^rmen  dolcco 


Werfener  Schichten. 
Muschelkalk. 

Dolomit  des  Muschelkalkes. 
Rudistenkalk. 
lüiJlilU  Dolomit  des  Rudistenkalkes. 
<-'  retaclsche  ?  Breccienkalke 
(Josinaschichten  u.  Miliolitenkalk. 
Alveolinenkalk. 


|t>pOoo°oo°o° 

I  o    o  o  o  o  o"o 


Nummulitenkalk . 
Mitteltertiäre  Breccien. 
Neogene  Mergel. 
Neogene  Conglomerate. 


iJ  Schutt  u.  jüngere  Breccien. 
Eluvium . 

Grössere  Terra  rossa-Lager. 
Alluvium. 


Jahrbuch  der  k.  k.  Geologischen  Reichsanstalt.  Band  L  1900. 

Verlag  der  k.  k.  Geologischen  Iteichsanstalt,  Wien,  III.   Rasumoffskygasse  23. 


Skizze  eines  geologischen  Profils  durch  den 
steierischen  Erzberg. 

Von  M.  Vacek. 

Mit  einer  lithographirten  Tafel  (Nr.  II)  und  einer  Zinkotypie  im  Text. 

Die  Anregung  zu  den  folgenden  Zeilen  gab  ein  Brief  des  Herrn 
Prof.  Beck  in  Freiberg,  in  welchem  er  den  Verfasser  um  ein  dem 
derzeitigen  Stande  der  geologischen  Kenntnisse  entsprechendes  Profil 
durch  den  Erzberg  ersucht,  zu  dem  Zwecke,  dasselbe  in  der 
Neuauflage  eines  Lehrbuches  der  Lagerstättenlehre  verwenden  zu 
können.  Die  Auffassung  der  Lagerungsverhältnisse  am  Erzberge,  wie 
sie  der  Verfasser  auf  Grund  eigener  Studien  seinerzeit  gewonnen, 
zeigt  aber  in  vielen  Punkten  wesentliche  Abweichungen  von  den  bis- 
her gangbaren  Darstellungen  und  Begriffen  über  den  Gegenstand,  so 
dass  eine  ohne  nähere  Erläuterung  gegebene  Profilzeichnung  kaum 
verständlich  wäre.  Um  dem  thatsächlich  vorliegenden  Bedürfnisse  ent- 
gegenzukommen, musste  sich  demnach  der  Verfasser  entschliessen,  zu 
einem  1886  entworfenen,  Taf.  II  beifolgenden  Erzberg-Profile 
den  folgenden  kurzen  Commentar  zu  schreiben,  welcher  durchaus  nicht 
etwa  eine  erschöpfende  Darstellung  der  geologischen  Verhältnisse  im 
Erzberggebiete  sein  will,  sondern  nur  eine  knappe  Skizze,  die  den 
Zweck  hat,  einen  bestimmten,  über  die  Lagerungsverhältnisse  orienti- 
renden  Schnitt  durch  den  am  besten  aufgeschlossenen  Theil  des  Erz- 
berges einem  weiteren  Leserkreise  verständlich  zu  machen,  von  dem 
allerdings  vorausgesetzt  wird,  dass  ihm  die  ältere  Literatur  über  den 
Erzberg  nicht  unbekannt  ist. 

Die  Schwierigkeiten  in  der  Geologie  fangen  gewöhnlich  erst  da  an, 
wo  man  im  Detail  exact  zu  sein  versucht.  In  diesem  Sinne  gehört  auch  eine 
richtige  Auffassung  und  Deutung  der  geologischen  Lagerungsdetails  in 
der  Gegend  von  Eisenerz,  und  insbesondere  am  Erzberge  selbst, 
zu  den  nicht  gerade  leichten  geologischen  Aufgaben.  Eine  rein  locali- 
sirte  Studie  allein  würde  hier  kaum  jemals  zum  Ziele  geführt  haben, 
wie  man  dies  deutlich  genug  an  den  älteren  Arbeiten  und  Mitthei- 
lungen über  den  Erzberg  sieht,  die  über  den  engeren  Rahmen  des 
Eisenerzer  Bezirkes  kaum  hinausgiengen  ^). 


^)  F.  Ritt.  V.  Ferro,  Innerberger  Hauptgewerkschaft.  Tiinners  mont. 
Jahrbuch  Bd.  III,  pag.  197,  1845.  —  A.  v.  Schouppe,  Erzberg  bei  Eisenerz. 
Jahrb.  der  k.  k.  geoi.  R.-A,  Jahrg.  1854,  pag.  396  mit  Profiltafel.  —  A.  Miller 
V.  Ilauenfels,  Die  steiermärkischen  Bergbaue.  Sep.  aus:  Ein  treues  Bild  des 
Herz.  Steiermark.  Wien  1859,  pag.  14.  —  D.  Stur,  Vorkommen  obersilurischer 
Petrefacte   am  Erzberg.  Jahrb.  der  k.  k.  geol.  R.-A.  Jahrg.  1865,  pag.  267 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Iteichsaustalt,  1900,  50.  Band,  1.  Heft.  (AI.  Vacek.) 


Skizze  eines  geologischen  Profils  durch  den 
steierischen  Erzberg. 

Von  M.  Vacek. 

Mit  einer  lithographirten  Tafel  (Nr.  II)  und  einer  Zinkotypie  im  Text. 

Die  Anregung  zu  den  folgenden  Zeilen  gab  ein  Brief  des  Herrn 
Prof.  Beck  in  Freiberg,  in  welchena  er  den  Verfasser  um  ein  dem 
derzeitigen  Stande  der  geologischen  Kenntnisse  entsprechendes  Profil 
durch  den  Erzberg  ersucht,  zu  dem  Zwecke,  dasselbe  in  der 
Neuautlage  eines  Lehrbuches  der  Lagerstättenlehre  verwenden  zu 
können.  Die  Auflassung  der  Lagerungsverhältnisse  am  Erzberge,  wie 
sie  der  Verfasser  auf  Grund  eigener  Studien  seinerzeit  gewonnen, 
zeigt  aber  in  vielen  Punkten  wesentliche  Abweichungen  von  den  bis- 
her gangbaren  Darstellungen  und  Begriffen  über  den  Gegenstand,  so 
dass  eine  ohne  nähere  Erläuterung  gegebene  Profilzeichnung  kaum 
verständlich  wäre.  Um  dem  thatsächlich  vorliegenden  Bedürfnisse  ent- 
gegenzukommen, musste  sich  demnach  der  Verfasser  entschliessen,  zu 
einem  1886  entworfenen,  Taf.  II  beifolgenden  Erzberg -Profile 
den  folgenden  kurzen  Commentar  zu  schreiben,  welcher  durchaus  nicht 
etwa  eine  erschöpfende  Darstellung  der  geologischen  Verhältnisse  im 
Erzberggebiete  sein  will,  sondern  nur  eine  knappe  Skizze,  die  den 
Zweck  hat,  einen  bestimmten,  über  die  Lagerungsverhältnisse  orienti- 
renden  Schnitt  durch  den  am  besten  aufgeschlossenen  Theil  des  Erz- 
berges einem  weiteren  Leserkreise  verständlich  zu  machen,  von  dem 
allerdings  vorausgesetzt  wird,  dass  ihm  die  ältere  Literatur  über  den 
Erzberg  nicht  unbekannt  ist. 

Die  Schwierigkeiten  in  der  Geologie  fangen  gewöhnlich  erst  da  an, 
wo  man  im  Detail  exact  zu  sein  versucht.  In  diesem  Sinne  gehört  auch  eine 
richtige  Auffassung  und  Deutung  der  geologischen  Lagerungsdetails  in 
der  Gegend  von  Eisenerz,  und  insbesondere  am  Erzberge  selbst, 
zu  den  nicht  gerade  leichten  geologischen' Aufgaben.  Eine  rein  locali- 
sirte  Studie  allein  würde  hier  kaum  jemals  zum  Ziele  geführt  haben, 
wie  man  dies  deutlich  genug  an  den  älteren  Arbeiten  und  Mitthei- 
lungen über  den  Erzberg  sieht,  die  über  den  engeren  Rahmen  des 
Eisenerzer  Bezirkes  kaum  hinausgiengen  i). 


^)  F.  Ritt.  V.  Ferro,  Tnnerlierger  Hauptgewerkschaft.  Tunners  mont. 
Jahrbuch  Bd.  III,  pag.  197,  1845.  —  A.  v.  Schouppe,  Erzberg  bei  Eisenerz. 
Jahrb.  der  k.  k.  geol.  R.-A,  Jahrg.  1854,  pag.  396  mit  Profiltafel,  —  A.  Miller 
V.  Hauenfels,  Die  steiermärkischen  Bergbaue.  Sep.  aus:  Ein  treues  Bild  des 
Herz.  Steiermark.  Wien  1859,  pag.  14.  —  D.  Stur,  Vorkommen  obersilurischer 
Fetrefacte   am  Erzberg.  Jahrb.  der  k.  k.  geol.  R.-A.  Jahrg.  1865,  pag.  267 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Iteiehsaiistalt,  1900,  50.  Band,  1.  Heft.  (AI.  Vacek.) 


24 


M.  Vacek. 


[2] 


Der  steierische  Erzberg  bildet  nicht  nur  eines  der  wichtig- 
sten bergbaulichen  Objecte,  sondern  auch  einen  interessanten  geo- 
logischen Knotenpunkt.  Er  ist  sozusagen  eine  geologische  Gleichung 
mit  mehreren  Unbekannten,  deren  Lösung  bekanntlich  nur  auf  Um- 
wegen möglich  ist.  Im  vorliegenden  Falle  liegt  der  Umweg  darin, 
dass  man  einzelne  Formationsglieder  des  Bezirkes  schon  von  weiter 
her  verfolgt  und  ihrer  geologischen  Stellung  nach  erkannt  und  fixirt 
haben  rauss,  bevor  man  an  die  Lösung  des  localen  Problems  geht. 
So  verhält  es  sich  in  erster  Linie  mit  jenem  Gebirgsgliede,  welches 
man  immer  als  die  „körnige  Grauwacke  von  Eisenerz" 
bezeichnete.  Nach  seiner  Rolle  als  Grundgebirge  und  weitaus  älteste 
Bildung  des  ganzen  geologischen  Bezirkes,  musste  dieses  Glied  zunächst 
bathrologisch  klargestellt  werden.  Verfolgt  man  diese  charakteristische 
Bildung,  welche  in  den  nördlichen  Ostalpen  eine  weite  Verbreitung 
hat,  im  Streichen  bis  an  einen  Punkt,  wo  dieselbe  im  normalen 
stratigraphischen  Verbände  auftritt,  wie  z.  B.  in  der  Veit  seh,  dann 
wird    man    darüber   belehrt,    dass    es   sich   hier   nicht   um   irgend   ein 


Fig.  1. 


uhüJoenalc 


I  S6S 


Gzzbc/i 


viaWipohiun, 


Zeichenerklärung: 
Gn  =  Blasseneckgneiss.    —    Q.  Ph.  —  Quarz-Phyllit.  —    Ob.  Sil.  =  Ober-Silur.  — 
U.  D.  =  Unter-Devon.  —  E.  =  Eisensteinformation    —  W.  S.  =  Werfener  Scliiefer. 
—  U.  M.  K.  =  Unterer  Muschelkalk.  —  Tr.  D.  =-  Trias-Dolomit.  —  Dil.  =  Diluvium. 


untergeordnetes  Lager  einer  klastischen  Ablagerung  handelt,  sondern 
um  einen  integrirenden  Tlieil  des  Gneiss-Profiles,  und  zwar  um 
dessen  oberstes  Glied.  Hat  man  dieses  stratigraphische  Verhältnis 
festgestellt,  dann  ist  es  schon  weniger  schwierig,  sich  darüber  klar  zu 
werden,  dass  die  dunklen  'kieseligen  Schiefer  im  Hintergrunde  des 
Erzgrabens,  in  denen  Fossilreste  des  Ober-Silur  gefunden  wurden, 
nicht  so,  wie  die  älteren  Autoren  annehmen,  das  sogenannte  „Grau- 
wackenlager"  unterteufen,  sondern  vielmehr ,  dass  dieselben 
discordant  über  diesem,  in  neuerer  Zeit  als  „Blasseneckgneiss"  be- 
zeichneten alten  Untergrundgliede  liegen  und  ihrerseits  die  normale 
Basis  des  Kalkcomplexes  bilden,  aus  welchem  sich  die  Rei  chenstein- 
gruppe  aufbaut  (vergl.  Profil  Fig.  1). 

Die  Kalke  des  Reichen  st  ein  wurden  sclion  von  Schouppe 
in  seinen  Profilen  (1.  c.  Prof.  V)  als  „Uebergangskalk"  be- 
zeichnet und  von  dem    „erzfülirenden  Giauwackenkalk"  unterschieden, 


[3]  Skizze  eines  geologischen  Profils  durch  den  steierischen  Erzherg.  25 

welch  letzterer  auf  dem  Erzberge  eine  so  wichtige  Kolle  spielt, 
während  der  erstere  (vergl.  1.  c.  Prof.  III)  daselbst  fehlt.  Leider  ist 
V.  Schouppe  im  Texte  auf  diesen  Unterschied  nicht  näher  ein- 
gegangen, sondern  spricht  nur  von  „Grauwackenkalkstein"  schlechtweg. 
Und  doch  ist  die  Unterscheidung  zwisclien  den  Kalken  des  Reichen- 
stein und  den  sogenannten  Sau  berger  Kalken  des  Erzberges 
für  stratigraphische  Zwecke  eine  sehr  wichtige,  wie  nicht  minder  auch 
die  geologische  Scheidung  der  jüngeren  Erze  (Flinze)  des  Haupterz- 
lagers von  den  Erzen  des  älteren  Schichtsystems,  welches  durch  die 
Sauberger  Kalke  charakterisirt   wird. 

Während  so  die  Entzifferung  der  geologischen  Verhältnisse  in 
den  Bergen  südlich  vom  Erzberge  und  diesem  selbst,  oder,  was 
gleichbedeutend  ist,  die  stratigraphische  Analyse  des  sehr  complexen 
Begriffes  der  „Grauwackenzone",  immer  viel  Schwierigkeiten 
gemacht  hat,  Schwierigkeiten,  die  hauptsächlich  auf  complicirte  Lage- 
rungsverhältnisse vor  Allem  aber  auf  grossen  Fossilienmangel  zurück- 
zuführen sind,  war  man  sich  andererseits  über  das  geologische  Alter 
und  die  bathrologische  Stellung  der  nördlich  vom  Erzberge  mächtig 
entwickelten  Triasbildungen  viel  früher  klar,  da  hier  sowohl 
Fossilreichtum  als  auch  der  unmittelbare  Zusammenhang  mit  dem 
übrigen  Schichtenkopfe  der  Trias  die  Aufgabe  wesentlich  erleich- 
terten. 

Besser  und  übersichtlicher  als  viele  Worte  dürfte  der  vorstehende 
Profilschnitt  Fig.  1  die  Position  des  Erzberges,  an  der  Grenze  zwischen 
Trias  einerseits  und  den,  ehemals  in  Summe  als  „Grauwacken- 
bildungen"  aufgefassten,  paläozoischen  und  krystallinen  Ablagerungen 
andererseits,  erläutern  und  so  für  die  folgende  Darstellung  der  geo- 
logischen Verhältnisse  des  Erzberges  selbst  (Profil  Taf.  II)  einen 
zweckentsprechenden  Rahmen  bilden. 


Mitten  in  einem  Kranze  von  steilen  Höhen  (Reichenstein, 
Griesmauer,  Pf  äff  en  stei  n,  Kaiserschild),  durch  die  tief- 
gehenden Einschnitte  des  Erzbaches  und  Trofengbaches  von 
drei  Seiten  scharf  isolirt  und  nur  im  südöstlichsten  Theile,  durch  den 
sogenannten  Platten  hals,  mit  der  Reichensteingruppe  theilweise 
zusammenhängend,  erhebt  sich  der  Erzberg  als  ein  nahezu  frei- 
stehender, 1537  m  hoher  Kegel,  von  dessen  Spitze  man  einen  pracht- 
vollen Rundblick  geniesst. 

An  der  geologischen  Zusammensetzung  dieses  Kegels  sind  nicht 
weniger  als  vier  von  einander  stratigraphisch  unabhängige  Schicht- 
folgen oder  Formationen  betheiligt  (vergl.  Profil  Taf.  II). 

1.  Blasseneck gn  eis s.  Den  Sockel  des  Erzberges,  zugleich 
den  grössten  Theil  seiner  Masse,  bildet  das  älteste  Formationsglied 
der  ganzen  Gegend  die  ehemals  sogenannte  „körnige  oder  Eisenerzer 
Grauwacke".  Es  sind  dies  graugrüne,  bräunlich  anwitternde,  wohl- 
geschichtete,  jedoch  im  Handstücke   körnig   aussehende   Gesteine,    die 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsaustalt,  1900,  50.  Band,    1.  Hett.  (M.  Vacek.)  4 


26  M.  Vacek.  [4] 

besonders  weiter  östlich  vom  Erzberge,  z.  B.  schon  jenseits  des 
Gerichtsgrabens  im  Polsterberge,  mächtig  entwickelt  sind  und 
sich  von  hier  continuirlich  über  Tragöss  ins  Aflenzer  Becken, 
und  mit  kurzen  Unterbrechungen  weiter  in  die  Veitsch  th  äl  e  r, 
und  schliesslich  in  immer  mehr  aufgelösten  Kuppen  bis  nach  Nieder- 
österreich in  die  Prein,  ja  selbst  bis  in  die  Semmering- 
gegend  verfolgen  lassen.  In  der  Veitsch  kann  man  die  strati- 
graphische  Zugehörigkeit  dieses  Schichtcomplexes  zur  Gneissfor- 
raation  feststellen,  deren  oberstes  Glied  er  bildet.  Die  Gesteine 
dieser  Schichtgruppe  entsprechen  auch  petrographisch  dem  G  n  e  i  s  s- 
Begriffe,  indem  sie  nach  Baron  F  o  u  1 1  o  n's  Untersuchungen  (Ver- 
handl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.,  pag.  112)  aus  hanfgrossen  Quarzkörnern  und 
Feldspathkrystallen  bestehen,  die  in  einer  graugrünen  Grundmasse 
liegen.  Diese  Grundmasse  erscheint  unter  dem  Mikroskope  als  ein 
dichtverfilztes  Gewebe  von  Kaliglimmerblättchen  oder  Schuppen,  nebst 
wenig  Quarz,  Baron  F  o  u  1 1  o  n  bezeichnet  demgemäss  diese,  aller- 
dings durch  einen  merkwürdigen  klastischen  Habitus  auffallende 
Gneissart  als  „Blasseneckg  neiss",  nach  einer  Localität  im 
P  al  ten  th  ale. 

2,  Unter- Devon.  Discordant  über  diesem  ältesten  Grundgliede 
liegt  auf  dem  Erz  berge  eine  Schichtreihe,  die  aus  einem  Wechsel 
von  Kalken,  Roh  wänden  und  Erzen  besteht  in  vielfachen  Ueber- 
gängen.  Das  geologisch  auffallendste  und  auch  für  die  stratigraphische 
Bestimmung  der  ganzen  Schichtreihe  wichtigste  Element  bilden  die 
Kalke,  welche  von  den  älteren  Autoren  als  ..erzführende"  oder  „Sau- 
berger Kalke"  bezeichnet  werden.  Es  sind  dies  lichte,  zumeist  röth- 
lich  oder  gelblich  geflammte,  stellenweise  durch  feine  Glimmerbelege 
flaserige,  äusserst  feinkörnige  oder  dichte  Kalke  von  gut  ausge- 
sprochener Schichtung,  die  in  mehreren  leicht  zu  verfolgenden  Lagern 
der  in  Rede  befindlichen  Serie  eingeschaltet  sind. 

Da  und  dort  (z.  B.  im  So  b  berhaggen)  treten  schon  in  den 
Kalklagern  selbst  rohwändige,  ja  theilweise  bis  zur  Vererzung  gediehene 
Partieen  auf.  In  der  Hauptmasse  aber  treten  die  unreinen,  roh- 
wändigen  oder  ankeritischen  Mittel  als  selbständige,  mächtige  Lager 
auf,  die  mit  den  Kalklagern  mehrfach  wechseln  und,  wie  es  scheint, 
ohne  bestimmte  Regel  vielfacii  in  reine  Erze  (sauere  Erze  von 
Söbberhaggen  etc.)  übergehen.  Im  allgemeinen  scheint  der  Erzreich- 
thum  gegen  das  Hangende  des  Schichtsystems  zuzunehmen. 

Die  Bestimmung  des  geologischen  Alters  dieses  Schichtsystems 
basirt  auf  einigen  Petrefactenfuiiden,  die  zumeist  aus  den  Kalken 
stammen,  zuerst  von  E.  Suess  bestimmt  und  von  D.  Stur  (Ver- 
handl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1865,  pag.  267)  beschrieben  wurden.  Die 
ursprünglichen  Bestimmungen  wurden  später  von  G.  Stäche  (Ver- 
handl.  d.  k.  k.  geol.  R  -A.  1879,  pag.  217)  revidirt  und  auf  Grund 
des  Vorkommens  von  Jironteus  palifer  Beyr.,  Bronteus  cognatus  Barr., 
Cijrtoceras  sp.,  Calamopora  Forbesi  liöm.  der  sogenannte  „Sau- 
berger Kalk"  als  gleichalterig  mit  Konieprus,  sonach  als  Aequi- 
valent  des  böhmischen  Silur  /'''  und  G  oder,  nach  dem  neuesten  Stande 
der  Frage,  als  Unter  de  von  bestimmt. 


[5]  Skizze  eines  geologischen   Profils  diircli  den  steierisclieri   Krzberg.  27 

Ganz  verschieden  von  dieser  u  n  ter  d  e  vo  n  i  scli  en,  erzführen- 
den Schichtreihe,  und  auf  dem  Krzberge  selbst  nicht  vertreten,  ist 
jenes  mächtige  Schichtsystem,  welches  den  Reichen  stein  und 
Reiting  südlich  vom  Erzberge  aufbaut  (vergl.  Prof.  Fig.  1)  und  in  der 
Hauptmasse  aus  halbkrystallinen  Kalken  besteht,  an  deren  Basis,  als 
charakteristische  Grenzzone  gegen  die  alte  Unterlage,  ein  je  nach 
localen  Umständen  verschieden  stark  entwickelter  Complex  von 
dunklen,  kieselreichen,  vielfach  von  Pyritnestern  durchsetzten  Schiefern 
liegt.  Dieses  mächtige  Schichtsystem  ist,  nach  den  wenigen  Fossil- 
funden, die  man  theils  in  den  schwarzen  Schiefern  (im  Hintergrunde 
des  Erzgrabens),  theils  innerhalb  der  Kalkfolge  selbst  (am 
Kr  um  pal  bei  bei  Vordernberg)  gemacht  hat,  ein  Aequivalent  des 
Obers ilur  oder  der  Etage  E  des  böhmischen  Silur. 

Dass  die  beiden  Schichtsysteme  des  Unterdevon  und  Obersilur 
in  unmittelbarster  Nachbarschaft  über  der  gleichen  Unterlage  von 
Blasseneckgneiss  liegen,  ist  ein  nach  den  heute  gangbaren  geologischen 
Begriffen  nicht  leicht  aufzufassender  Umstand,  auf  den  hier  näher  ein- 
zugehen jedoch  zu  weitläufig  wäre.  Die  discordante  Lagerung 
einzelner  Schichtsysteme  spielt  in  den  Alpen  eine  viel  wichtigere 
Rolle,  als  man  heute  anzunehmen  geneigt  ist.  Den  älteren  Autoren 
zumal  war  der  Begriff  der  discordanten  Lagerung  nahezu  ganz  fremd, 
und  daraus  erklärt  es  sich,  dass  sie  alle  übereinstimmend  die  schwarzen 
Schiefer,  welche  die  Basis  des  Obersilur  bilden,  missverständlich  unter 
die  Grauwacken  verlegen  und  dieselben  als  ältestes  Formationsglied 
am  Erzberge  aufgefasst  haben.  Auch  an  eine  strengere  stratigraphische 
Scheidung  der  beiden  in  Rede  befindlichen  Schichtsysteme  wurde  um- 
soweniger  gedacht,  als  man  ja  seinerzeit  bekanntlich  alle  unter  der 
Trias  liegenden  älteren  Bildungen  des  Eisenerzer  Bezirkes  insgesammt 
einer  weit  gefassten  „Grauwackenformation"  zurechnete,  für  welche 
man,  nach  den  Fossilfunden  von  Dienten^),  ein  allgemein  silurisches 
Alter  annahm.  Selbstverständlich  zählte  man  dieser  Cumulativformation 
auch  das  nächstfolgende,  für  den  Bergbau  weitaus  wichtigste,  Eisen- 
stein führende  Schichtsystem  zu,  welches  jedoch  abermals  eine  von  dem 
tieferen  Unterdevon  unabhängige,  stratigraphisch  selbständige  Lage- 
rung zeigt. 

3.  Eisensteinformation.  Dieses  Schichtsystem,  welches  in 
den  älteren  Arbeiten  als  das  „Haupterzlager"  oder,  nach  den 
Verhältnissen  im  oberen  Theile  des  Berges,  als  „Weingartner 
Lager"  bezeichnet  wird,  besteht  in  seiner  Hauptmasse  aus  einer 
mächtigen  Folge  von  gutgeschichteten,  im  frischen  Bruche  lichtgrau 
oder  gelblich  gefärbten,  reinen,  kleinkörnigen  Spatheisensteinen  oder 
„Flinzen",  zwischen  welche  sich  nur  spärlich  und  untergeordnet 
schwache  Lager  eines  unreinen,  röthlichen  Flaserkalkes  einschieben. 
Die  normale  Basis  der  Eisensteinablagerung  bildet  eine,  über  die 
sämmtlichen  Etagen   im  Westen    des  Reviers  gut  zu  verfolgende  Zone 


^)  Vergl.  M.  Lipoid,   Grauwackenformation    und  Eisensteinvorkommen  im 
Kronlande  Salzburg.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.   1854,  pag.  371. 

4* 


28  M.  Vacek.  [6] 

von  theilweise  liebten,  meist  aber  dunklen  oder  bunten  Thonscbiefern, 
die  sich  infolge  von  feinen  zersetzten  Glimmerbelegen  meist  seifig 
anfühlen.  Local  verschieden,  jedoch  an  keiner  Stelle  besonders  mächtig, 
schmiegt  sich  diese  charakteristische  Grenzbildung  einer  unebenen 
Corrosionstläche  des  tieferen  Unterdevonsystems  an,  liegt  daher,  je 
nach  Umständen,  theils  über  dem  Sauberger  Kalke,  theils  über  den 
Rohwänden  und  Erzen  dieses  älteren  Systems.  Das  hängendste 
Glied  der  Eisensteinformation  bildet  andererseits  ein  dickbankiges 
Rohwandlager,  das  jedoch  nur  im  östlichen  Theile  des  Reviers  (z.  B. 
bei  den  Baracken  N  vom  ehemaligen  Vordernberger  Herrenhause)  theil- 
weise noch  erhalten  ist,  in  dem  beiliegenden  Profilschnitte  Taf.  II, 
welcher  durch  den  westlichen  Theil  des  Bergreviers  gelegt  ist,  dagegen 
infolge  von  Erosion  fehlt. 

Das  geologische  Alter  dieser  Eisenstein formation  ist  nach 
dem  heutigen  Stande  der  Dinge  nicht  mit  Sicherheit  zu  bestimmen.  Die 
einzigen  aus  einem  Erzmittel  stammenden,  von' E.  Suess  (in  Stur, 
Jahrb.  1865,  pag.  173)  als  Spirifer  sp.  und  BhijnclioneUa  cf.  princeps  be- 
stimmten Fossilstücke,  die  für  ein  höheres  Alter  ihres  Lagers  sprechen 
würden,  fanden  sich  in  der  Gegend  des  Gloriettes.  Dieses  steht  aber, 
wie  Profil  Taf.  II  zeigt,  auf  einem  Vorsprunge  der  unterdevonischen  Serie, 
die  hier  auch  zum  Theile  erzführend  ist  (Fortsetzung  von  Söbber- 
h  a  g  g  e  n),  und  es  fragt  sich  daher,  ob  die  genannten  Fossilfunde 
nicht  aus  den  älteren  Erzen  stammen,  umsomehr,  als  D.  Stur 
(1.  c.  pag.  271)  ausdrücklich  angibt,  dass  der  Fundpunkt  in  verwitterter 
Roh  wand  lag.  Solche  braun  verwitternde,  vielfach  in  Erz  übergehende 
Rohwände  charakterisiren  die  ältere  unterdevonische  Serie  und  nicht 
die  Eisensteinformation,  wie  sie  eben  dargestellt  wurde.  Diese  ist, 
ihrer  discordanten  Lagerung  nach,  sicher  jünger  als  Unterdevon, 
andererseits  aber  sicher  älter  als  die  tiefste  Trias,  welche  auf  dem 
Erzberge  vertreten  ist,  und  von  der  noch  die  Rede  sein  soll. 

Verfolgt  man  den  Zug  der  Eisensteinformation  weiter  nach  Osten 
und  bis  nach  Niederösterreich,  so  fällt  es  sehr  auf,  dass  derselbe  con- 
sequent  an  der  Basis  der  Trias  auftritt,  mit  dieser  also  trotz  der 
Discordanz,  die  zwischen  beiden  besteht,  eine  weitgehende  Ueberein- 
stimmung  in  der  Verbreitung  zeigt,  wogegen  die  ältere  Unterlage  im 
Liegenden  des  Eisensteinzuges  von  Stelle  zu  Stelle  den  auffallendsten 
Wechsel  bietet.  Nach  diesem  Verhältnisse  muss  man  geneigt  sein,  anzu- 
nehmen, dass  das  Alter  der  Eisensteinformation  von  jenem  der  untersten 
Trias  nicht  allzusehr  abweiche  und  vielleicht  dem  auch  anderwärts 
durch  reiche  Erzvorkommen  charakterisirten  Perm  entsprechen  könnte. 
Diese  Annahme  empfiehlt  sich  umsomehr,  als  die  aus  dem  Bereiche 
der  Ostalpen  bisher  bekannten  Bildungen  des  Mitteldevon  und 
Oberdevon  sowohl  wie  die  des  Carbon,  die  hier  noch  in  Frage 
kommen  könnten,  nicht  die  geringste  xVehnlichkeit  in  der  petro- 
graphischen  Entwicklung  mit  dem  Spatheisensteinzuge  zeigen.  In  der 
Radmer  und  Veitsch,  sowie  in  Gollr  ad,  Niederalpel,  Feister- 
eck, Debrin,  Retten  bach,  Bohnkogel,  Altenberg,  Knappen- 
berg, Grillenberg  besteht  die  Eisensteinformation  der  Hauptmasse 
nach  aus  jenen  Schieferarten,  die  am  Erzberge  nur  untergeordnet 
auftreten  und    vorwiegend  die  Basis   der  Spatheisensteinmasse   bilden. 


r71  Skizze  eines  geologischen  Profils  durch  den  steierischen  Erzbcsrg.  29 

Diesen  Schiefern  erscheinen  in  allen  den  oben  genannten  Bergrevieren, 
also  in  dem  grössten  Theile  des  Zuges,  die  einzelnen  Eisenspathlager 
untergeordnet  eingeschaltet,  während  am  Erzberge,  oft'enbar  infolge 
localer  Bildungsverhältnisse,  ausnahmsweise  die  Flinzbildung  weitaus 
überwiegt  und  die  tauben  Mittel  stark  zurücktreten.  Es  stimmt  dies 
mit  der  reichen  Eisensteinführung,  welche  am  Erzberge  local  und  aus- 
nahmsweise auch  das  Unterdevon  zeigt,  welches  anderwärts,  wie  z.  B. 
im  Grazer  Becken  (Breitenau),  nur  untergeordnete  Linsen  und  Lager 
von  minderen  Erzen  und  Ankeriten   führt, 

4.  Werfener  Schiefer.  Das  jüngste  am  Erzberge  entwickelte 
Schichtsystem  bilden  rothe  oder  grüngraue,  sandige  Schiefer  von 
bedeutender  Mächtigkeit,  an  deren  Basis  vielfach  Breccien  und  con- 
glomeratische  Bildungen'  auftreten,  deren  Materiale  theils  aus  den 
Erzen  der  Eisensteinformation,  theils  aus  dem  tieferen  Unterdevonsysteme 
stammt.  Dieses  Schichtsystem  gehört,  nach  seiner  stellenweise  reichen 
Fossilführung  der  typischen  Fauna  des  Werfener  Schiefers,  schon  an 
die  Basis  der  Trias,  welche  nördlich  vom  Erzberge  in  mächtiger  Ent- 
wicklung im  Pfaffenstein,  Kaiserschild  etc.  ihren  steilen 
Schichtenkopf  dem  Eisenerzer  Kessel  zukehrt  (vergl.  Prof.  Fig.  1).  Das 
Auftreten  der  basalen  Breccien  (besonders  schön  aufgeschlossen  z.  B. 
im  Peter  Tunn  er -Stollen),  noch  mehr  aber  das  durch  die  vielen 
Tagarbeiten  auf  dem  Erzberge  gut  aufgeschlossene  unregelmässige  Ein- 
greifen dieser  Buntsandsteinbildung  in  eine  Menge  von  Unebenheiten 
und  Vertiefungen  der  älteren  Unterlage,  zeigt  klar,  dass  zwischen 
diesem  tiefsten  Triasgliede  und  der  tieferen  Eisensteinformation  eine 
ausgesprochene  Discordanz  der  Lagerung  besteht. 

Die  Verbreitung  des  Werfener  Schiefers  auf  dem  Erzberge  ist 
nur  auf  den  östlichen  Theil  des  Reviers  beschränkt  (Umgebung  der 
Barbara-Kapelle  bis  hinauf  in  die  Gegend  des  neuen  Herrenhauses). 
Im  westlichen  Theile  des  Revieres  sind  die  Werfener  Schiefer  abge- 
tragen und  denudirt,  so  dass  hier  das  mächtige  Erzlager  frei  zutage 
Hegt.  Auf  diesem  äusserst  günstigen  Umstände  beruht  die  Möglich- 
keit der  leichten,  tagbaumässigen  Gewinnung  der  Erzmassen,  welche, 
durch  mustergiltige  Abbau-  und  Förder- Anlagen  gesteigert,  den  Erzberg 
zu  dem  macht,    was   er   ist,   einem  Glanzpunkte   der  Montanindustrie. 


Nachdem  wir  uns  im  Vorstehenden  über  die  petrographische 
Entwicklung  der  verschiedenen  Schichtsysteme,  welche  den  Erzberg 
aufbauen,  deren  relative  Folge  und  ihr  geologisches  Alter,  soweit  sich 
dieses  nach  der  heutigen  Lage  der  Dinge  beurtheilen  lässt,  orientirt 
haben,  erübrigen  noch  einige  W^orte  über  die  tektonischen  Ver- 
hältnisse des  Erzberges. 

Die  Tektonik  eines  bestimmten  Bezirkes  wird  nur  dann  verständlich, 
wenn  ihr  die  stratigraphische  Analyse  in  entsprechender  Art  vorgear- 
beitet hat;  denn  streng  genommen,  kann  man  von  einer  einheitlichen 
Tektonik  einer  mehrfach  unterbrochenen  Folge  von  Ablagerungen  ver- 


30  M.  Vacek.  |^8] 

schjedenen  geologischen  Alters,  oder  mit  anderen  Worten,  von  einer 
congruenten  Bewegung  melirerer  disparater  Scliiehtsysteme,  die  zu- 
fällig übereinander  liegen,  gar  nicht  reden.  Vielmehr  zeigt  jedes  dieser 
Systeme  seine  eigene,  von  der  Gestaltung  des  Ablagerungsraumes 
vielfach  beeinflusste  Tektonik,  welche  allerdings  in  letzter  Folge  mit 
den  tektonischen  Bewegungen  des  Untergrundes  ursächlich  zusammen- 
hängt, sich  jedoch  keineswegs  mit  diesen  vollkommen  übereinstimmend 
oder  congruent  zeigt.  Um  sich  über  den  tektonisciien  Mechanismus 
eines  solchen  complexen  Schichtsystem- Verbands  einigerraassen  klar  zu 
werden,  ist  es  sonach  nothwendig,  zunächst  zu  individualisiren,  Ursache 
und  Folge  zu  scheiden,  und  dann  erst  jene  Momente  zu  suchen,  welche 
gegebenenfalls  eine  Verknüpfung  der  tektonischen  Daten  zu  einem 
harmonischen  Ganzen  erlauben.  Versuchen  wir  die  angedeutete  Methode 
am  vorliegenden  Falle.  ' 

Am  folgewichtigsten  für  die  ganze  tektonische  Erscheinungsreihe 
am  Erz  berge  ist  der  locale  Bau  der  alten  Unterlage,  welche  hier 
der  „Blasseneckgneiss",  resp.  die  „körnige  Grauwacke"  bildet.  Das 
allgemeine  Streichen  dieser  Grundmassen  ist  für  den  ganzen  Bezirk 
WSW^ONO.  Das  locale  Einfallen  in  des  Gegend  des  Platten- 
kreuzes, südlich  von  der  Erzbergspitze,  ist  ziemlich  steil  in  WNW, 
dagegen  an  der  Nordgrenze  des  Reviers,  in  der  Gegend  der  Röst- 
öfen im  Krump  enthale,  gerade  entgegengesetzt  in  OSO  unter 
geringeren  Winkeln  Hiernach  bilden  also  die  Gneissmassen,  welche 
den  Sockel  des  Erzberges  darstellen,  im  Allgemeinen  eine  etwas  gegen 
N  geneigte  Faltenmulde,  deren  Wesen  kaum  alterirt  wird  durch  einige 
kleinere,  secundäre  Bewegungen,  wie  sie  in  Profil  Taf.  II  angedeutet, 
in  Wirklichkeit  vielleicht  intensiver  und  zahlreicher  sind. 

Unmittelbar  über  dem  so  gebauten  Grundgliede  liegt  die  Schieb  t- 
folge  des  ünterdevon  auf,  und  zwar  so,  dass  die  tieferen  Lager 
des  Systems,  welche  die  Erzbergspitze  bilden,  den  Nordrand  des  Reviers 
nicht  erreichen,  sondern  sich  succe&sive  an  dem  alten  Untergrunde 
todtlaufen.  Denken  wir  uns  das  Unterdevon,  von  welchem  am  Erz- 
berge nur  noch  ein  Rest  erhalten  ist,  in  seiner  ehemaligen  Vollstän- 
digkeit in  einer  alten  Terrainvertiefung  abgelagert,  deren  Thalpunkt 
südlich  vom  Erzberge  lag,  dann  wird  die  nach  Nord  hin  übergreifende 
Lagerung  der  Schichtfolge  dieses  Systems  leicht  verständlich.  Die  Lage 
der  Terrainmulde,  welche  den  Ablagerungsraum  für  das  Unterdevon- 
system gebildet  hat,  ist  sonach  ganz  verschieden  und  unabhängig  von 
der  tektonischen  jNIulde  des  Erzbergsockels.  Dagegen  stimmen  aber 
wohl  die  tektonischen  Bewegungen  des  erhaltenen  Torso  von  Unter- 
devon, wie  sie  das  Profil  Taf.  II  zeigt,  im  Allgemeinen  sehr  gut  mit 
der  tektonischen  Faltenmulde  des  alten  Untergrundes,  wenn  sie  auch  im 
Detail  vielfache  Abweichungen  zeigen.  Besonders  fällt  die  Schicht- 
stellung an  der  Bergspitze  auf,  indem  hier  die  tieferen  Lager  des 
Unterdevonsystems  senkrecht  aufgerichtet,  ja  selbst  etwas  überkippt 
sind.  Sie  bilden  den  Rest  des  steilen  Mittelschenkels  einer  nord- 
blickenden Falte,  deren  Hangendschenkel  durch  Erosion  abgetragen 
ist.  Diese  Faltenbildung  zeigt  klar,  dass  die  heute  grösstentheils  zer- 
störte Schichtmasse  des  Unterdevon  viel  weiter  nach  Süden  fortgesetzt 
haben    und    von    dieser   Seite    her   einem    starken    Drucke    ausgesetzt 


("9]  Skizze  eines  geologischen  Profils  durch  den  steierischen  Erzberg.  31 

gewesen  sein  muss.  Die  tiefer  folgenden  kleinen,  secundären  Palten- 
bewegungen  des  Unterdevon,  deren  erste  Erreger  wohl  in  den  Un- 
ebenheiten des  alten  Untergruncies  zu  erblicken  sind,  correspondiren 
in  ihrer  Gesammtanordnung  sehr  gut  mit  der  tektonischen  Mulde  im 
Untergrunde. 

Eine  Wiederholung  ganz  analoger  Lagerungsverhältnisse  bietet 
das  nächsthöhere  Schichtsystem  der  Eisensteinformation. 
Ja,  die  tektonischen  Beziehungen  sind  hier  wegen  der  Kleinheit  des 
Objectes  nur  noch  übersichtlicher  und  bei  der  grösseren  Vollständig- 
keit desselben  klarei'.  Wie  der  Profilschnitt  Taf.  II  zeigt,  schmiegt  sich 
dieses  Ablagerungssystem  den  unebenen  Reliefconturen  der  unter- 
devonischen Unterlage  an  und  füllt  eine  Art  Doppelmulde  auf,  deren 
grössere  Partie  unter,  die  kleinere  oberhalb  der  Ebenhöhe  liegt. 
Die  tektonischen  Bewegungen  der  Füllmassen  aber,  welche  durch  die 
Form  des  alten  Reliefs  allerdings  auch  beeinflusst  erscheinen,  entsprechen 
sehr  gut  dem  allgemeinen  Muldenbaue  des  Erzberges.  Im  oberen 
Theile,  etwa  dem  ehemals  Vordernberger  Abschnitte  entsprechend,  ist 
das  Spatheisensteinlager  steil  aufgestellt,  jedoch  unter  einem  etwas  ge- 
ringeren Winkel  als  die  anstossenden  senkrechten  bis  überkippten  Lager 
der  älteren  Unterdevonserie  am  Berggipfel.  Unterhalb  der  Ebenhöhe  setzt 
diese  Steilstellung  des  Haupterzlagers  eine  Strecke  weit  fort,  geht  aber 
sodann  in  eine  im  Allgemeinen  flache,  wenn  auch  durch  eine  Reihe 
von  untergeordneten  kleinen  Stauchungen  und  Spaltverschiebungen 
stark  gestörte  Lagerung  über,  die  gegen  den  Nordrand  des  Reviers, 
speciell  in  der  Gegend  des  Gloriettes,  sogar  wieder  etwas  aufbiegt. 

Das  jüngste  Schichtsystem  des  Erzberges,  der  Werfener 
Schiefer,  liegt  ausserhalb  des  Profilschnittes  Taf.  II.  Doch  deutet  das 
Profil  Fig.  1  klar  an,  dass  dieses  tiefste  Triasglied  discordant  quer  über 
den  Schichten  köpf  der  drei  älteren  Systeme  übergreifend  und  bis 
nahe  an  das  oberste  Drittel  der  Berghöhe  hinaufreichend,  erst  weiter 
nördlich  vom  Erz  berge,  in  der  unteren  Trofeng  und  beim  Orte 
Eisenerz  selbst,  den  tiefsten  tektonischen  Punkt  erreicht  und  hier 
daher  auch  die  stärkste  Verknitterung  der  Schiefer  eintritt,  wie  man 
sie  z.  B.  in  der  Gegend  des  Bahn-Tunnels  unter  dem  alten  Schicht- 
thurme  gut  aufgeschlossen  beobachten  kann. 

Fassen  wir  das  im  vorstehenden  kurz  skizzirte  Bild  der  Lager- 
ungsverhältnisse am  Erzberge  zusammen,  so  wie  es  das  Profil  Taf.  II 
übersichtlich  darstellt,  dann  ist  es  klar,  dass  die  Bewegung  der  Massen, 
welche  den  Erzberg  aufbauen,  eine  im  hohen  Grade  einheitliche  ist. 
Man  braucht  sich  nur  die  ursprünglich  viel  flachere  Faltenmulde  des 
krystallinischen  Untergrundes  in  ihrer  Bildung  fortschreitend  zu  denken, 
wobei  die  Endpunkte  der  beiden  Muldenschenkel  einander  näher  gerückt 
und  die  eingelagerten  Sedimentmassen  des  Unterdevon  und  der  Eisen- 
steinformation naturgemäss  gepresst,  auf  kleineren  Raum  zusammen- 
geschoben oder  gestaut  werden  mussten.  Dass  hiebei  das  Detail  dieser 
Stauungen  nicht  congruent  ist,  sondern  dass  vielmehr  jedes  der  beiden 
disparaten  Schichtsysteme  eine  Reihe  ihm  eigenthümlicher  localer  Ab- 
weichungen zeigt,  erscheint  als  natürliche  Folge  der  discordanten  Lagerung 
über  einem  unebenen  Untergrunde  leicht  verständlich.  Diese  nur  auf  den 
ersten  Blick   scheinbar   regellosen  Abweichungen    sind    aber,    wie  man 


("3]  Geognostisch-palaeontologische  Beschreibung  der  Insel  Lesina.  35 

Süden  des  Profiles  der  überkippte  und  nach  Süden  geneigte,  hier 
der  nach  Norden  geneigte  Sattel.  Gleich  dem  Profile  VI  ist  aber 
auch  Profil  VII,  welches  noch  weiter  östlich  durch  die  Insel  durch- 
gelegt ist,  aufgebaut,  und  findet  nicht  weniger  seinen  Ausdruck  bei 
Querschnitten,  in  denen,  gleich  denen  der  Westseite  der  Insel,  im 
()sten  nur  noch  ein  Sattel  wiederum  das  Ganze  beherrscht.  Dieser 
durchgreifende  Unterschied,  von  dem  soeben  die  Rede  war,  hat  nun 
darin  seinen  guten  Grund,  dass  eine  grosse  Querverwerfung  von 
Verbanjo  aus  südlich  nach  Ivandolac  das  Gebirge  durchsetzt,  eine 
Verwerfung,  die  sich  auch  schon  auf  der  Aufnahmskarte  im  Maß- 
stabe angedeutet  findet,  da  sonst  unmöglich  z.  B.  bei  Sfirze  die  jung- 
tertiären bis  quart.ären  S  a  n  d  e  so  zwickeiförmig  in  den  Stink- 
dolomit eingreifen  könnten,  ebensowenig  wie  sonst  unmöglich  weiter 
südlich  nördlich  des  Mt.  Nahum,  plötzlich  der  Stinkdolomit 
am  Rudistenkalk  absetzen  würde.  Diese  Querspalte 
trennt  den  östlichen  Theil  der  Insel  von  dem  westlichen. 

Aber  noch  von  anderer  Bedeutung  ist  diese,  soeben  genannte 
Querverwerfung  geworden,  insoferne  sie  von  grösster  Wichtigkeit  für 
die  Deutung  des  nun  zu  besprechenden,  am  26.  Juni  1899  zuerst 
stattgehabten  und  sich  3  Monate  hindurch  bald  öfter,  bald  seltener 
wiederholenden  Erdbebens  geworden  ist. 

Zur  Zeit  des  Bebens  befand  ich  mich  gerade  an  dem  Orte,  wo 
es  die  ganze  Zeit  hindurch  am  stärksten  weit  in  der  ganzen  Runde 
aufgetreten  ist,  zu  Cittavecchia.  Es  war  den  26.  Juni  über  sehr 
regnerisch  gewesen,  von  Morgens  ab  bis  gegen  Abend  ging  ein  feiner 
Sprühregen  herunter  und  liess  nur  damit  die  neuerliche  Nachricht 
von  der  Ankunft  des  Scirocco  zur  Gewissheit  werden.  Falb  hatte 
allerdings  für  diesen  Tag,  als  Tag  erster  Ordnung,  Gewitter  und 
vielleicht  auch  seismologische  Erscheinungen  angekündigt,  doch 
waren  seit  8  Jahren  keine  Beben  verspürt  worden,  so  dass  man  auf 
Lesina  hinsichtlich  dieses  guten  Muthes  war.  Es  war  9  Uhr  5  Min. 
abends,  als  plötzlich,  während  ich  mit  der  Familie,  bei  welcher  ich 
wohnte,  beim  Abendessen  sass,  ein  heftiger  Stoss  ohne  vorhergehendes 
Geräusch  die  Gläser  auf  dem  Tische  erklirren  und  die  Teller  sich 
bewegen  machte.  Meine  Tischgenossen  stürzten  vom  Tische  weg  zu 
Boden  in  dem  festen  Glauben,  der  letzte  Tag  wäre  gekommen.  Mein 
Bemühen  war,  schleunigst  das  Freie  zu  erreichen,  da  es  nichts  weniger 
als  gewiss  war,  ob  das  Haus,  in  dem  ich  logirte,  schon  seiner  mise- 
rablen Bauart  wegen,  einen  zweiten  Stoss  aushalten  würde.  Kaum 
hatte  ich  die  Strasse  erreicht,  also  ^j^  Minuten  später,  so  erfolgte 
schon  der  zweite,  aber  bedeutend  schwächere  Stoss,  dem  ein  donner- 
ähnliches Geräusch  nachfolgte.  Diese  Stösse  wiederholten  sich  bis 
Mitternacht  dreimal  und  nach  Mitternacht  bis  gegen  8  Uhr  früh  noch 
viermal  in  Pausen  von  2  Stunden.  Interessant  war  die  spätere 
Beobachtung,  d.  h.  im  Monat  August,  als  sich  beinahe  12  Tage  hin- 
durch Tag  für  Tag  des  Morgens  um  6  Uhr,  des  Vormittags  um 
11  Uhr  und  des  Abends  um  10^2  Uhr  jedesmal  die  Erde  rührte 
und  bei  vorausgehendem  und  nachfolgendem  Geräusche  sich  ein  bald 
schwächerer,  bald  stärkerer  Stoss  bemerkbar  machte.  Später  im 
September    und  October    hörten    die  Stösse    ganz  auf,    und    nur    ein 

5* 


36  U.  Sohle.  [4] 

dumpfes  Rollen  ward  bisweilen  beobachtet,  doch  nirgends  so  gut  wie 
gerade  in  Cittavecchia. 

Dass  in  Lesina-Ort  nur  die  stärksten  Stösse  verspürt  wurden  und 
in  Gelsa  desgleichen,  während  die  Orte  östlich  letzteren  Ortes,  also  Pol- 
jica,  Zastrasicze  und  Odjin  nichts  in  dieser  Hinsicht  zu  melden  hatten, 
während  das  Erdbeben  die  ganze  Zeit  hindurch  zu  Verbanjo,  Sfirze 
und  Ivandolac  umso  stärker  war,  scheint  mir  zu  beweisen,  dass  obiger 
Bruch  —  Querspalte  —  mit  Verbindung  über  Dol  nach  Cittavecchia 
und  höchst  wahrscheinlich  entlang  der  Südküste  der  Halbinsel  Kabal 
in  engster  Beziehung  zum  Beben  steht,  da  alles  Gefasel  hinsichtlich 
eines  Ausbruches  des  Vesuvs  und  somit  dessen  Einwirkung  auf  dieses 
Beben  sich  später  als  irrig  herausstellte  Merkwürdigerweise  ist  zu 
Sinj  um  diese  Zeit  kein  Beben  gewesen,  wohl  aber  schwach  zu  Spa- 
lato  und  stark  zu  Almissa,  so  dass  vielleicht  die  Erdbebenlinie  über 
Brazza,  von  wo  stellenweise  gleichfalls  starkes  Beben  gemeldet  ward, 
nach  Almissa  fortsetzt.  Es  wäre  demnach  das  Beben  ein  rein 
tektonisches  gewesen,  vornehmlich,  wenn  man  bedenkt,  dass  fast 
immer  nach  einem  stärkeren  Regengusse  die  Erdbebenerscheinungen 
eintraten,  was  sich  wohl  damit  erklären  lässt,  dass  der  Mergel  vor 
allem,  der  sich  in  Fugen  und  Spalten  neben  der  Querspalte  und 
in  derselben  befand,  ausgewaschen  wurde  und  damit  die  festeren 
Gesteinspartien  ihres  Haltes  und  ihrer  Stütze  beraubt,  gegeneinander 
in  Bewegung  geriethen.  Ueber  die  Ansichten  des  dortigen  Volkes  könnte 
man  eigentlich  zur  Tagesordnung  übergehen;  die  Leute  wollten 
Flämmchen  auf  dem  Meere  spielen  gesehen  haben,  elektrische  Ent- 
ladungen seien  vorgekommen  -  Dinge,  die  allerdings  möglich  wären, 
doch  ziemlich  unwahrscheinlich  sind  —  Asphalt  sollte  sich  in  grösseren 
Partien  auf  dem  Meere  im  Golf  Maslinica  bei  Cittavecchia  schwimmend 
gefunden  haben,  auch  FLsche  hätten  todt  in  grosser  Anzahl  den  See 
bedeckt. 

Ich  möchte  nun  daxu  übergehen  die  einzelnen  Gesteinschichten, 
soweit  sie  was  Neues  bieten,  sammt  den  zugehörigen  Versteine- 
rungen dem  Alter  nach  zu  besprechen,  indem  ich  mit  dem  unter- 
er e  t  a  c  i  s  c  h  e  n  S  t  i  n  k  d  o  l  o  m  i  t  e  anfange  und  dann  zu  dem  nächst 
jüngeren   Rudistenkalke   und    Rudistendolomite    übergehe. 

Der  Stinkdolomit,  ein  dem  Hauptdolomite  Ober- 
bayerns nahestehender  Dolomit  von  bituminösem  Gerüche,  wie  das 
Wort  schon  sagt,  führt  gleich  diesem  keine  Versteinerungen  und 
zeichnet  sich  gegenüber  dem  weiter  unten  zu  besprechenden  Rudisten- 
kalke dadurch  aus,  dass  alle  aus  ihm  bestehenden  Höhen  und 
Berge  mehr  einen  schroffen,  eckigen  Habitus  gegenüber  dem  ge- 
rundeten dieses  Gesteines  besitzen,  so  dass  es  schon  bei  einiger 
Uebung  leicht  wird,  selbst  aus  der  Entfernung  zu  sagen,  ob  diese 
oder  jene  Anhöhe  aus  diesem  oder  jenem  Gesteine  besteht.  Oefters 
hält  es  allerdings  schwer  zu  sagen,  welchem  der  beiden  Horizonte 
eine  Gebirgsscholle  zuzurechnen  sei,  da  selbst  beim  Rudistenkalke 
dolomitische  Partien  zwischen  durch  auftreten,  die  dem  Stink- 
dolomite zum  Verwechseln  ähnlich  sind.  Selbst  ein  quellen-, 
resp.  wasserführender  Horizont  ist  der  Stinkdolomit 
nicht,  da  ich  nur  an  vereinzelten  Stellen,    so  auf  dem  Fussteige  von 


[5]  Geognostisch-palaeontologische  Beschreibung  der  Insel  Lesina.  37 

Cittavecchia  nach  Grabje  grande,  denselben  infolge  Wasseraustrittes 
selbst  bei  grosser  Trockenheit  feucht  gesehen  habe.  Dabei  nimmt 
die  Quelle  bei  Vrisnik  eine  Ausnahmestellung  ein,  wiewohl  sie  im 
S  t  i  n  k  d  0 1 0  m  i  t  e  aufsetzt,  da  sie  auf  obiger  Bruchspalte  Verbagno  — 
Sfirze— Ivandolac  liegt,  so  dass  es  zweifellos  ist,  dass  die  hierzutage 
tretenden,  wegen  ihrer  Reinheit  und  Oüte  auf  der  gesammten  Insel 
höchlichst  gerühmten  oder  berühmten  Wasser,  welche  sich  in  einer 
Cisterne,  resp.  Brunnen  an  Ort  und  Stelle  sammein,  aus  dem  geo- 
logisch und  orographisch  höher  gelegenen  Horizonte,  dem  des 
Rudisten kalke s,  stammen, 

Wohl  in  den  meisten  Fällen  steht  der  Stinkdolomit  in 
engster  Beziehung  zum  Rudiste  n  kalk,  sei  es,  dass  er  diesen 
conform  unterlagert,  sei  es,  dass  er  infolge  überkippter  Verhältnisse 
über  demselben  zu  liegen  kommt.  In  den  meisten  Fällen  kann  man 
daher  sagen,  dass,  wenn  einmal  der  Rudisten  kalk  fortgeführt 
oder  abgetragen  ist,  der  Stinkdolomit  unter  ihm  zum  Vorschein 
kommt.  Ja,  dieses  Abhängigkeitsverhältnis  geht  so  weit,  dass  man 
von  erhabenen  Punkten,  so  von  der  Passhöhe  Borovic  -  St.  Domenica 
leicht  die  Beobachtung  machen  kann,  wie  blos  lappenförmig  der  Kalk 
dem  Dolomite  auflagert,  während  in  den  Thälern  und  Schluchten 
als  den  tiefer  gelegenen  Partien  der  reine  Stink  dolomit  ansteht. 
Das  beste  Beispiel  für  eben  genannten  Fall  bietet  der  Mt.  Bendezica, 
NNW  des  Mt.  St.  Nicolo,  an  dem  die  Kuppe  aus  Rudistenkalk, 
der  Sockel  aber  aus  S  t  i  n  k  d  o  1  o  m  i  t  besteht.  Somit  dürfen  wir  wohl 
annehmen,  dass  der  Rudistenkalk,  zu  dessen  Besprechung  wir 
jetzt  übergehen  wollen,  einstmals  ^/e  der  Gesammtinsel  bedeckt  hat, 
und  dass  das,  was  wir  heutzutage  als  Dolomit  sehen,  sein  Z  u- 
ta getreten  einzig  der  Erosion  verdankt. 

Der  petro  graphische  Habitus  des  Rudisteukalkes  und 
Rudis  t endo lomites  ist  sattsam  genug  bekannt,  um  näher  darauf 
einzugehen ;  kam  es  doch  vor  allem  bei  der  geognostisch-palaeonto- 
logischen  Untersuchung  des  Eilandes  darauf  an,  wenn  möglich  eine 
Gliederung  in  der  sich  im  Grossen  und  Ganzen  sehr  ähnelnden 
Masse  des  Gesammtcomplexes  dieses  Kalkes  auf  Grund  palaeonto- 
logischer  Funde  vorzunehmen.  Die  Ausbeute  an  Fossilien  ißt 
leider  trotz  intensiven  Suchens  nach  denselben  verhältnismässig 
gering;  dazu  kommt,  dass  alle  Versteinerungen,  welche  ich  im 
Kalke  gesammelt  habe,  mehr  oder  weniger  stark  lädirt  sind,  kein 
Wunder,  wenn  man  die  Grösse  der  Formen  einerseits  und  die 
Splittrigkeit  des  sie  umgebenden  Gesteines  andererseits  bedenkt.  Mit 
wenigen  Ausnaliraen,  so  im  äussersten  Westen  in  der  Nähe  des  Golfes 
Paria  und  im  Norden  von  Cittavecchia  bei  Maslinovic,  an  welch 
letzterem  Punkte  Korallen  neben  R  u  d  i  s  t e  n  f  r  a  g  m  e  n  t  e  n  vor- 
kommen, ist  die  gesammte  Fauna  des  Rudisten  horiz<jn  t  es 
auf  die  Südseite  der  Insel,  speciell  auf  die  Gegend  zwischen 
St.  Domenica  und  Ivandolac,  beschränkt. 

Als  Versteinerungen  kommen  in  Betracht: 

tiippurltes  infriraki  Lama,  vom  Autor  im  „Bulletin  de  la  So- 
ciete  geologique  de  France  185^3,  pag.  133,  beschrieben  und  PI.  8, 
Fig.  8    abgebildet,    stammt   nach  Lanza   aus    einem  gramen  Kreide- 


38  U.  Sohle.  [6] 

kalk  der  Umgebung  von  Zava:  diese  Hiypuritenspecies  tritt  gewöhn- 
lich in  Gruppen  von  mehreren  Individuen  auf,  welch  letztere  aber 
meistens  so  unter  sich  verkettet  —  entrelaces,  wie  Lanza  schreibt 
—  sind,  dass  man  kein  Exemplar  vollständig  iierausprapariren, 
resp.  herauszieiien  kann.  Längsstreifen  sollen  nach  Lanza  mit 
Querstreifen  oder  Anwachsstreifen  wechseln,  doch  sind  erstere  zweifels- 
ohne die  bei  den  Hippuriten  vom  Oberrand  der  Unterschale  zur 
Spitze  verlaufenden  Längsfurchen. 

Auch  vom  Mt.  Prolog,  der  an  der  Grenze  zwischen  Dalmatien 
und  Bosnien  gelegen  ist,  führt  Lanza  diese  Species  als  in  einem 
mergeligen  rothen  Kalk  vorkommend,  an.  Ich  kann  wohl  sagen,  dass 
Hippnrites  intncnfa  Lanza  am  häufigsten  vertreten  ist;  so  tritt 
er  massenhaft  in  oben  beschriebenem  Zustande  10  m  oberhalb  Sanct 
Domenica  resp.  40  m  über  dem  Meeere  auf,  bei  einer  Horizontalent- 
fernung von  oO  m  von  letztgenanntem  Orte,  desgleichen  an  der 
Strasse  etwas  oberhalb  der  Marina  zwischen  St.  Domenica  im  Westen 
und  Jagodna  im  Osten,  ferner  circa  200  und  220  m  oberhalb  Jagodna, 
ausserdem  auf  dem  Scoglio  Goika,  südwestlich  von  Lesina-Ort  in 
geradezu  erstaunlicher  Menge ;  leider  sind  hier  die  Fossilien  so  eng 
mit  dem  Nebengestein  verwachsen,  dass  eine  einigermassen  erträg- 
liche Ausbeute  unmöglich  wird,  doch  macht  es  einen  interessanien 
Eindruck,  zu  sehen,  wie  bei  einer  geringen  verticalen  Verbreitung, 
resp.  bei  einer  geringen  Mächtigkeit  der  einzelnen  Hipp.  Infricafa 
führenden  Gesteinslagen  die  Horizontalerstreckung  eine  recht  be- 
deutende ist  insofern  die  einzelnen,  dieses  Fossil  in  sich  schliessenden 
Zonen  die  Längserstreckung  der  Insel  mitmachen. 

Ich  habe  wohl  15  bis  20  solcher  Zonen  jede  von  circa  ^4  '^' 
Mächtigkeit  und  durch  fossilleere  Lagen  von  einander  getrennt  auf 
Goika  gezählt.  Auch  die  Ostinsel  der  Scogli  Bazili  oder  Knoblauch- 
inseln,  so  benannt,  weil  das  l'aio,  slovenisch  Luc,  zu  deutsch  Knob- 
lauch, neben  verschiedenen  FettpÜanzen  {;mntar)  in  grosser  Menge 
vorkommt,  weswegen  die  Inselgruppe  im  slavischen  auch  Lucosci 
gemannt  wird,  ist  reich  an  Hi^ip.  infricaftf,  der  sich  gleichfalls  in 
einzelnen  Zonen,  wie  auf  der  Insel  Goika  anordnet,  wobei  man  nur 
das  in  Rücksicht  zu  ziehen  braucht,  dass  diese  Ostinsel  etwa  8  m 
über  dem  Meeresspiegel  emporragt  und  in  etwa  fünf  Minuten  in  seiner 
•Längsausdehnung  zu  durchwandern  ist  Die  zweite  oder  Westinsel 
unter  den  Scogli  Bazili  ergab  nichts,  was  die  Mitnahme  verlohnte, 
ebensowenig  wie  die  gesammte  Inselgruppe  der  Isole  di  spalmadori, 
auf  welche  ich  unten  bei  Besprechung  der  Knochenbreccien  zurück- 
kommen werde,  und  die  Insel  Torcola,  welche  ganz  und  gar  aus 
Kudistenkalk  besteht.  Sofern  die  Annahme  von  Zittel  richtig 
ist,  dass  Hipp,  iritricata  Lanza  mit  dem  Hipp,  comu-vaccinnm  Bionn 
zu  indentificiren  wäre,  was  wohl  noch  der  näheren  Bestätigung  bedarf, 
da  typisch  ausgebildete  Hipp.  cornu-  raccinwn-¥  ormen  total 
verschieden  von  typisch  ausgebildeten  Hipp.  Intricatit- 
Formen  aussehen,  so  hätten  wir  hier  gemäss  Zittel  das  P  r  o  v  e  n  c  i  e  n, 
d.  h.  die  Gosauschichten,  d.  i.  oberes  Turonien,  resp.  unteres  Senonien 
vor  uns ;•  inzwischen  hat  aber  Douville  in  seinen  „ßtudes  sur  lös 
Rudistes"  1890,  pag.  8,  die  Ansicht  Zittel's  hinsichtlich  der  Identi- 


r71  Geognostisch-palaeontologische  Bescfireibung  der  Insel  Lesina.  39 

ticirung  des  llifp.  cornu-oaccinnm  Bronti  mit  anderen  Species,  sowie 
dessen  weite  geograpliiscl)e  Verbreitung  sehr  beschränkt  und  Hipp. 
coVnu-ccuxinuni,  Bronn  blos  für  Bruchstücke  vom  Untersberg  bei 
Salzburg  bestehen  lassen.  Ob  Hipp.  intrivaUi,  Latiza  mit  Hipp,  arbofca 
Lanza  identisch  ist,  bedarf  einer  eingehenden  Prüfung,  da  Lanza 
allein  auf  äussere  Merkmale  hin  seine  Species  aufgestellt  hat,  was 
bei  Hippuriten  aber  unzulänglich  ist.  Douville  schreibt  hin- 
sichtlich Hipp,  ai-hoi-ea  Lanza  1.  c.  pag.  30,  er  könne  es  nicht  genau 
sagen,  wo  beide,  auch  intncata  mit  eingeschlossen,  hingehören;  betreffs 
des  inneren  Baues  hätte  Hipp,  arhovea  denselben  Charakter  wie 
Hipp,  yosaoiensis  Douo.,  welch'  letzterer  aus  den  untersten  Lagen 
der  Gosauschichten,  also  aus  dem  oberen  Turon  von  Piesting, 
der  Umgegend  der  Gosau,  der  Traunwand  und  dem  NefgTaben  bekannt 
ist,  während  er  in  Frankreich  fehlt. 

Als  zweite  Species  unter  den  bei  St.  Domenica  gesammelten 
kommt  liadioUtes  sodalis  D'Orb  ,  in  45  m  über  dem  Meere  oberhalb 
St.  Domenica  gesammelt,  in  Betracht;  er  ist  nach  D'Orbigny  im 
Turonien  der  Umgebungen  von  Angouleme,  Dep.  Charente ,  ge- 
sammelt und  wird  gleichfalls  von  Lanza  1.  c.  aus  den  Kreidekalken 
der  Umgebung  von  Zara  angeführt.  Eine  der  in  Colonien  auftretenden 
Formen  ist  noch  mit  Deckel  versehen.  Zu  dritt  sind  zwei  Formen, 
welche  aus  einer  Höhe  von  400  m  NW  von  St.  Domenica  in  nächster 
Nähe  von  einander  am  Wege  oberhalb  der  Grande  spelunca  Eremo 
St.  Domenico  anstehend  angetroffen  sind  und  zur  Hippurifes  ra- 
(liosu.^  /-»es/n.  -  S  i  p  p  e  gehören,  anzuführen.  Leider  sind  beide  vor- 
liegenden Exemplare  nicht  vollständig  erhalten,  besonders 
fehlt  jeglicher  Anhaltspunkt  hinsichtlich  des  inneren  Aufbaues, 
wiewohl  bei  dem  einen  der  Deckel  erhalten  ist.  Die  D  esmoul  in'sche 
Species  ist  nach  Douville  1.  c.  aus  dem  Dordonien,  d.  i.  dem 
oberen  Senon  des  südöstlichen  Frankreichs,  nach  Grossouvre 
auch  aus  den  Pyrenäen  bekannt.  Nicht  unerwähnt  soll  bleiben  das 
reichlichere  Vorkommen  von  Turon  -  Radioliten  im  Valle  Pokon- 
jidol.  so  von  Lesina-Ort,  wo  sie  am  Abhang  eines  Hügels  in  den 
Weinbergen  und  in  Gesteinen,  welche  sich  in  den  dortigen  Höhlungen 
vorfinden,  massenhaft  zu  sammeln  sind.  Als  Species  sind  aus  diesem 
mit  braunem  Ueberzuge  versehenen,  gelblichen  Kalke  anzuführen: 

Radiolites  irreyulaiis  D'Orb.  in  zahlreichen  Exemplaren. 

.  „  quadrata  D'Orb.  gleichfalls  zahlreich. 

„  radiosa  D'Orb.  tritt  sehr  oft  auf. 

„  angulosa  D'Orb.  seltener. 

„  Fonsiana  D'Orb.  sehr  zahlreich. 

Mit  diesem  gelblichen  Kalke  ist  ein  schneeweisser, 
kreide  artiger  Kalk,  welcher  die  südlicheren  aber  höheren,  d.  h. 
topographisch  höheren  Gesteinslagen  einnimmt,  vergesellsc  haftet. 
Seine  Versteinerungen  sind  ausser  unbestimmbaren  Ostreen 
und  Pedines  folgende: 

Sphaerulites  angeoides  Lmk.  oft ;  derselbe  ist  nach  Z  i  1 1  e  1  der 
beständige   Begleiter  von  Hippürites  cornu-vaccinum  und  Hipp,  orga- 


40  tJ.  Sohle.  [8] 

Ulsans,  gehört  also  wahrscheinlich  dem  Santonien,  d.  i.  dem  mitt- 
leren Senonien  an. 

Ostrea  diluviana  Linne,  bekannt  aus  dem  unteren  Turon,  tritt 
hier  selten  auf. 

Cnprotina  cenomanensis  D'Orh.  h<äufig,  ist  aus  dem  Cenoman 
von  le  Mans  bekannt. 

Caprotina  laevlgata  D'Orb.,  im  Valle  Pokonjidol  seltener,  ist  eine 
untercenomane  Form. 

Desgleichen  Caprotina  semlstnatu  D'ürh.  und  Radiolites  acuti- 
costata  D'Orh. ;  selten  im  Valle  Pokonjidol,  stammt  letztere  Spe':ies 
ursprünglich  aus  dem  Turonien  von  le  Beauset  und  Martigues. 
Darnach  möchten  diese  weissen  Kalke  des  Valle  Pokonjidol, 
welche  ich  bisher  an  keiner  zweiten  Stelle  der  Insel  wieder  an- 
getroffen habe,  älter  sein  als  die  vorhin  besprochenen  gelblichen 
Kalke,  u.  zw.  dem  Alter  nach  an  die  Grenze  des  Cenoman  und 
Turon  gestellt  werden. 

Was  sonst  den  Rudistenhorizont  auf  der  Insel  angeht,  so 
ist  eine  Trennung  zwischen  der  unteren,  Ostreen  führenden 
Abtheilung  des  bräunlichen  bituminösen  Kalkes,  wie  er  typisch 
bei  Vrata,  südlich  von  Pitve,  in  1  m  Mä.chtigkeit  und  ferner  unfern 
der  Bucht  von  Prapatna  an  der  marina  zwischen  Gelsa  und  dem  Orte 
Prapatna  entwickelt  ist,  und  der  oberen,  aus  w  e  i  s  s  e  m,  g  e  1  b  1  i  c  h  e  m 
Kalke  bestehenden,  Hippuriten  führenden,  leicht  vorzunehmen. 
Hornsteinausscheidungen  fehlen  aber  in  der  Regel  diesem 
Horizonte,  selbst  die  unteren  Lagen  sind  davon  frei.  Ob  auf  der 
Südseite  der  Insel  NW  von  St  Domenica  in  noch  höheren  Lagen 
als  die  sind,  in  welchen  Hippiirifes  riuHosus  Desm.  oder  eine  dem 
ähnliche  Species vorkommt,  Hippuritf'S intricata Lanza  nahestehende 
Formen  vertreten  sind,  lässt  sich  bei  dem  schlechten  Erhaltungszustand 
der  Fossilien  schwerlich  sagen.  In  jedem  Falle  ist  anzunehmen,  dass 
diese  schmalen,  Versteinerungen  bergenden  Bänder  nach  Osten,  süd- 
lich des  Mt.  Nahum  und  des  Mt.  Ohm,  fortsetzen.  Auch  die  mehr 
san  dige  Ausbildung  scheint  dem  Rud  isten  kal  ke  nicht  fremd  zu 
sein;  auf  der  Halbinsel  Kabal  lagert  so  eine  schmale  Zunge  sandiger 
Gebilde  zwischen  Rudistenkalk,  desgleichen  sind  solche  Sande 
mit  Ostreenresten  westlich  von  Odjin,  im  Osten  der  Insel  und 
auf  der  Insel  Dobriotok,  südlich  von  Isola  St.  demente,  anzutreffen. 

Von  Interesse  für  die  stark  erodirende  Thätigkeit  des  Wassers 
im  Rudis  tenkalk  e  ist  die  grande  spelunca  Eremo  St.  Domenico 
und  die  etwa  zwei  Minuten  weiter  östlich  von  ihr  gelegene  piccola 
spelunca  Eremo  St.  Domenico.  Jene  Höhle  fasste  seinerzeit  ein  ganzes 
Kloster  in  sich,  das  neben  der  schönen  Aussicht  auf  das  Meer  noch 
den  Vortheil  hatte,  dass  es  an  einer  verhältnismässig  wasserreichen 
Stelle  angelegt  war,  denn  es  ziehen  durch  die  Firste  der  etwa  20  m 
hohen  und  vielleicht  ebenso  tiefen  Höhle  massenhaft  Klüfte  und 
Spalten,  durch  die  das  Wasser  hindurchsickert  und  zu  Boden  fällt. 
Da  diese  Wasserzufuhr  eine  verhältnismässig  schnelle  und  reichliche 
ist,  so  haben  die  Mönche  eine  Cisterne  zum  Auttangen  des  Wassers 
angelegt.  Unter  Napoleon  I.  wurde  das  Kloster  aufgehoben  und  heut- 
zutage   sprechen    nur  noch  die   traurigen  Ueberbleibsel    von  der  da- 


[9]  Geogiiostisch-palaeontologißcho  Heschreibiing  der  Insel  Lesina.  41 

maligen  Tracht.  Bedeutend  kleiner  aber  mehr  gerundet  und  nicht 
so  langgestreckt  oval  ist  die  piccola  spelunca.  Beide,  speciell  aber 
erstere,  gelten  heutzutage  als  Walfahrtsort.  Eine  ähnliche  Höhle 
findet  sich  auf  der  Insel  Dobriotok,  wo  kurz  vor  meiner  Anwesenheit 
ein  Einsturz  infolge  der  Gesteinslockerung  durch  Erosion  stattgehabt 
haben  muss,  da  die  Bäume  vor  dem  Eingange  in  dieselbe  infolge  der 
herniedergegangenen  Felsmassen  vollkommen  zur  Seite  geworfen 
waren.  Auch  sie  zeigte  in  ihrem  Innern  zahlreiche  Klüfte  und  Sprünge, 
auf  denen  Wasser  circulirte.  Eine  Höhle  eigener  Art  liegt  oben  auf 
dem  Kamme  zwischen  Mt.  St.  Nicolo  und  Mt.  Skarbina;  bei  einer 
Tiefe  von  sicher  20  m  und  einer  Breite  von  6  m  steht  sie  gänzlich 
isolirt  da;  sie  verjüngt  sich  stark  nach  unten  und  ist  reichlich  mit 
Pflanzenwuchs  in  ihrem  Innern  versehen;  ohne  Zweifel  hat  sie  sich 
auch  auf  dem  Wege  der  Erosion  gebildet,  wozu  noch  das  kommt, 
dass  die  Kalke,  welche  sie  zusammensetzen,  stark  zerklüftet  sind  und 
bald  nach  Nord,  bald  nach  Süd,  einfallen.  Mit  diesen  Klüftungs- 
verhältnissen  im  Rudistenkalke  hängen  ja  auch  die  Wasser- 
verhältnisse und  somit  die  Wasserfrage  zusammen,  welch' 
letztere  für  keinen  Ort  wichtiger  geworden  ist  als  gerade  für  Lesina 
selbst.  Wenn  man  bedenkt,  dass  Lesina  auf  der  Grenze  zwischen 
R u  d  i  s  t  e  n  k  a  1  k  und  dem  jüngeren,  tertiären  N  u  m  m  u  1  i  t  e  n  m  e  r  g  e  1 
gelegen  ist,  so  lag  es  bei  der  Wasserundurchlässigkeit  des  letzteren 
auf  der  Hand,  dass  bis  auf  sie  niedergeteuft  und  in  ihnen  als  Basis 
eine  Cisterne  angelegt  werden  musste.  Leider  ist  das  bisher  nicht 
geschehen,  da  alle  Versuche  im  Kreidekalk  stecken  geblieben  sind; 
es  wäre  demnach  rathsam,  gemäss  der  überkippten  Lagerung  der 
Schichten,  wie  es  Profil  II  auf  Taf.  III  deutlich  macht,  östlich  von 
Lesina-Ort  und  südlich  des  Forts  St.  Nicolo  bei  Lesina,  möglichst 
nahe  dem  Muldenkerne,  d.  h.  möglichst  senkrecht  über  demselben 
ein  Bohrloch  anzusetzen  und  in  die  Mergel  hinab  abzuteufen,  wo 
man  sicher  auf  Wasser  stossen  würde ;  allerdings  ist  die  Gefahr  vor- 
handen, dass  dasselbe  infolge  der  Nähe  des  Meeres  ein  wenig  gesalzen 
wäre,  was  auch  bei  den  beiden  jetzigen  schlecht  functionirenden 
Cisternen  nicht  zu  umgehen  war. 

Wie  anderswo,  an  der  Karst-  und  dalmatinischen  Küste,  so  konnte 
ieh  auch  hier  zum  öfteren  die  Beobachtung  machen,  dass,  speciell 
zur  Zeit  des  tieferen  Wasserstandes,  die  Süsswasser  dem  Golfe  von 
Cittavecchia  durch  den  liudistenkalk  hindurch  zuströmten,  dass  somit 
gleichsam  eine  unterirdische  Verbindung  mit  dem  Meere  statthatte; 
anders  verhält  es  sich  mit  den  Süsswasserquellen  von  St.  Vincent 
bei  Cittavecchia  und  der  Quelle  bei  Gelsa  auch  nicht,  hier  nimmt 
das  Wasser  sicher  seinen  Ursprung  aus  den  Kreidekalken  der  Valle 
Ptudina,  dort  oberhalb  Gelsa  im  Valle  Duboka,  nur  dass  im  letzteren 
Falle  dasselbe  i¥r/-reicher  ist,  infolgedessen  einen  frischeren  und 
erquickenderen  Geschmack  hat.  Sonderbar  ist  das  Antreffen  von 
Wasser  hoch  oben  auf  der  Caserma,  westlich  von  Lesina-Ort,  in  der 
Nähe  des  Smokovnik  in  einer  Höhe  von  144  ?w;  stets,  selbst  bei 
grösserer  Trockenheit,  ist  das  Wasser  in  der  dortigen  Cisterne  von 
angenehmer  Kühle;  ich  kann  es  mir  nicht  anders  erklären,  als  dass 
wir   es   hier    mit   Erscheinungen    artesischer    Brunnen,    indem    das 

.Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Ueichsauatalt,  1900.  50.  Band,  1.  Heft.  (U.  Sohle.)  ß 


42  U.  Sohle.  [10] 

Wasser  sich  hier  von  den  ringsumgebenden  höheren  Bergen  sammelt 
zu  thun  haben. 

Im  Anschlüsse  an  den  R  u  d  i  s  t  e  n  k  a  1  k  möchte  ich  den  geologisch 
allerdings  älteren,  doch  mit  dem  Kalke  stratigraphisch  eng  zusammen- 
hängenden Fischsc'hief  er,  wie  er  zwischen  Cittavecchia  und  Ver- 
bosca  entwickeltist,  behandeln.  Früher,  zur  Zeit  Haue r's,  wie  auch, 
auf  der  Uebersichtskarte  der  österreichisch-ungarischen  Monarchie 
zur  Darstellung  gebracht,  war  die  Ansicht  vertreten,  dass  die  Schiefer, 
als  dem  lithographischen  Schiefer  Baierns,  dem  Solenhofener-Schiefer 
nicht  blos  stratigraphisch,  sondern  auch  fauuistisch  gleich,  dem 
oberen  Jura  zuzurechnen  wären  i),  eine  Anschauung,  die  sich  auch 
mir  regelmässig  bei  einem  Besuche  der  zahlreichen  über  die  Ebene 
von  Cittavecchia  verbreiteten  Höhlen  oder  Cave,  welche  zum  Theile 
schon  halb  eingestürzt,  zum  Theile  noch  in  Betrieb  sind,  aufdrängte, 
insbesondere,  wenn  man  bedenkt,  dass  die  beiden  Saurierfunde,  auf 
welche  gleich  zu  kommen  sein  wird,  sowie  die  Eeste  einer  Libellen- 
Art  eher  auf  eine  Litoralfauna,  gleich  der  von  Solenhofen,  hin- 
weisen. Leider  sind  die  beiden  mir  aus  einer  der  Cave,  die  nörd- 
lich vom  Mt.  Hum  bei  Verbosca  und  zugleich  westlich  vom  Golf 
Maslinica  gelegen  ist,  zugestellten  Stücke  mit  den  Neuropteren-Resten 
auf  dem  Transporte  zerbrochen,  doch  ist  das  Geäder  der  Flügel  noch 
deutlich  zu  erkennen.  Auch  einen  schlecht  erhaltenen  Belemniten, 
sowie  Zähne  von  Fischen  lieferte  die  eben  erwähnte  Höhle.  Seit  etwa 
200  Jahren  werden  hier,  in  der  Rudine  di  Verbagno,  wie  es  allgemein 
genannt  wird,  —  Rudein-Cava  nebenbei  bemerkt  —  die  Schiefer, 
welche  sich  zum  Dachdecken  der  Häuser  ausgezeichnet  eignen,  ge- 
wonnen und  in  der  Umgegend  verwendet.  Schwierig  ist  allerdings  zu 
sagen,  wo  der  F  i  s  c  h  s  c  h  i  e  f  e  r  aufhört  und  wo  der  R  u  d  i  s  t  e  n- 
kalk,  welcher  sicherlich  der  nächst  höhere  Horizont  ist  und  (ver- 
gleiche das  Terrain  westlich  der  Valle  Maslinica)  jenen  unter-  und 
überlagert,  anfängt,  da  der  Kalk  in  der  Nähe  des  Schiefers  gleich- 
falls gut  geschiefert  ist.  Was  die  Fischfauna  angeht,  so  möchte  ich 
zu  dem  Zwecke  auf  die  Arbeit  von  Fr.  Bassani  „Descrizione 
dei  P  esci  fossili  di  Lesina",  Denksehr.  d.  kais.  Akad.  d. 
Wissens  eh.  Wien,  Bd.  45,  1882,  in  der  der  Autor  alle  bis  dahin 
bekannten  Fische  aus  diesem  Horizonte  beschreibt,  verweisen.  Autor 
kommt  zu  dem  Schlüsse,  dass  vornehmlich  mit  Comen  in  Istrien  eine 
nahe  Verwandtschaft  hinsichtlich  der  Fauna  existirt,  und  dass  die 
Fauna  von  Comen,  Lesina,  sowie  von  Hakel,  Tolfa,  Crespano  und 
Groditsch  gleichaltrig  sein  müsse  und  ins  Aptien,  d.  h.  in  den 
Gault  zu  stellen  wäre.  Die  Formen  gehören  nach  Bassani  zu  den 
Ganoiden,  und  zwar  zu  den  Familien  der  Lepidostei  und  der 
Pycnodonten,  sowie  zu  den  Teleostiern  mit  den  Familien  der 
Scopeliden  und  der  Clupeiden  und  zwar  den  Gattungen  Leptolepls 
und  Thrissops.  Elf  Jahre  früher,  im  Jahre  1871,  beschrieb  Korn- 
hub e  r  in  den  Verhandlungen  der  k.  k.  ge  o  1.  II  e  i  c  h  s  a  n  s  t  a  1 1 


^)  Vergl.  über  die  Richtif^stoilliing  dieser  älteren  Ansiclit  das  einsclilägige 
Kapitel  in  G.  Stach  e's  Uobersiclit  der  geologischen  Verhältnisse  der  Küsten- 
länder von  Oesterreich-Ungarn".  Abhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.,  Band  XIII,  pag.  34, 
Wien  1889. 


[131  Geognostisch-palaeontologische  Beschreibung  der  Insel  Lesina.  45 

Regel  intensiv  rother  Lehm,  der  sich  in  den  Höhlungen  und  auf  den 
Spalten  und  Klüften  des  Rudistenkalkes  findet  und  stellenweise 
reichlich  Knochenreste  von  Pflanzenfressern,  so  auf  den 
Inseln  Goika  und  Borovac,  führt.  Die  meisten  der  hieher  gehörigen 
Versteinerungsreste  gehören  zur  Gattung  Cerous  und  sind  neogene 
Formen.  Da  dieselben  mit  anderen  Resten  aber  auch  auf  der  Insel 
Lesina,  so  in  der  spelunca  di  Gradac  bei  Humazzo,  in  grösserer 
Anzahl  aufzulesen  sind,  so  ist  es  zweifellos,  dass  gegen  Ende  des 
Tertiär  noch  die  Insel  Lesina  mit  den  isole  di  spalmadori  und 
dem  Festlande  von  heute  zusammengehangen  hat,  da  auch  von  hier 
solche  Vorkommnisse  vorliegen.  Erst  zur  Pleistocänzeit  trat  die 
Trennung  der  einzelnen  Inselgruppen  vom  Festlande  nach  dem  in- 
zwischen erfolgten  Einbrüche  der  Adria  ein.  Dass,  nebenbei  bemerkt, 
auch  die  einzelnen  Inseln  der  Spalmadori  miteinander  zusammen- 
gehangen haben,  beweisen  am  besten  die  Erosionserscheinungen  an 
der  Hauptinsel  St.  demente,  die  merkmürdig  buchtenartige  Ausbildung 
der  Insel  Marinkovac,  sowie  die  Möglichkeit  des  Verfolgens  des 
Rudistenkalkes  der  Insel  Stambedar  unter  dem  Meere,  wenigstens 
nach  dem  Scoglio  Plocica  hin.  Stambedar  ist  ausserdem  noch  dadurch 
interessant,  dass  der  Kappernstrauch,  sowie  Salbei  hier  in  grossen 
Mengen  wild  wachsend  auftritt,  während  sie  den  umliegenden  Inseln 
fehlen.  Auch  der  steile  Südabsturz  dieses  Eilandes  in  einer  Höhe  von 
circa  100  m  bei  einer  allmäligen  Nordabdachung  gegen  das  Meer  hin, 
spricht  für  einen  Einbruch  früherer  Eilandsmassen  in  die  See.  Ebenso 
interessant ,  wie  das  soeben  erwähnte  vereinzelte  Vorkommen  des 
Kappernstrauches  auf  Stambedar,  ist  das  völlige  Fehlen  der  Gift- 
schlangen, vor  allem  der  Vipera  berlui^,  auf  den  isole  di  spalmadori, 
während  Lesina  reichlich  damit  gesegnet  ist.  Im  letzeren  Falle  wird 
wohl  darin  die  Erklärung  zu  suclien  sein,  dass  die  Insel  Lesina  schon 
von  den  umliegenden  Inseln  abgetrennt  war,  als  die  giftigen  Schlangen 
dort  aufkamen,  in  jenem  Falle  muss  aber  an  eine  Uebertragung  des 
Pflanzensamens  gedacht  werden. 

Dass  die  Terra  rossa  wegen  ihrer  lehmigen  Beschaffenheit 
dem  Landwirte  einen  trefflichen  Boden  liefert,  ist  klar ;  gedeiht  doch 
auch  der  Weinstock  nirgendswo  auf  Lesina  so  gut  wie  auf  der  rothen 
Erde  und  auf  dem  N  u  m  m  u  1  i  t  e  n  m  e  r  g  e  1.  Nicht  vergessen  möchte 
ich  zu  erwähnen,  dass  in  der  terra  rossa  unmittelbar  SO  von  Lesina- 
Ort  eckige  Knollen  in  einer  Tiefe  von  circa  1  m  im  Erdboden  ver- 
steckt lagen  und  beim  Durchpflügen  desselben  zum  Vorschein  kamen. 
Oberflächlich  sind  sie  mit  terra  rossa  überzogen,  sie  selbst  bestehen 
aber  nach  der  gütigen  Untersuchung  des  Herrn  Adjuncten  F.  Eich- 
leiter aus  Manganeisen,  Thonerde  und  Kieselsäure.  Wie  dieselben 
hieher  gekommen  sind,  ist  mir  bis  heute  nicht  klar,  da  ein  Anstehen 
von  manganartigen  Erzen  auf  Lesina  bisher  nicht  nachzuweisen  war, 
vielleicht  dass  sie  a\is  der  Gegend  von  Spalato  aus  den  triadischen 
Schichten  zur  Zeit  der  Terra  rosssa- Bildung  durch  die  Wasser 
mitgeführt  und  hier  abgesetzt  sind. 

Betreifs  der  Breccien  und  Gong  lomerate  des  Rudisten- 
kalkes verweise  ich  auf  die  Abhandlung  von  Oberberg rath 
Tietze  im  Jahrbuch  der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  1873 : 


46  U.  Sohle.  [14] 

„Geologische  Darstellung  der  Gegend  zwischen  Karl- 
stadt in  C r 0 a t i e n  und  dem  nördlichen  T h e i  1  e  des  C a- 
nales  der  Morlacca",  wo  der  Autor  für  die  Conglomerate 
und  Breccien  Croatiens  anführt,  dass  sie  grösstentheils  den  Kalken 
und  Dolomiten  der  Kreide  und  Trias  entnommen  sind.  Da  die 
Trias  auf  Lesina  n  i  c  h  t  in  Frage  kommt,  so  bleiben  nur  die  Kreide- 
kalke und  speciell  die  Rudi  sten kalke,  deren  einzelne  Bruch- 
stücke durch  eisenschüssigen  Lehm  mit  einander  verbunden  sind, 
übrig,  um  die  Erklärung  für  Obiges  zu  liefern.  Gleicli  wie  an  der 
croatischen  Küste  stehen  die  Conglomerate  und  Brecien  an 
minder  steilen  Stellen  der  Meeresküste  zwischen  St.  Domenica  im 
Westen  und  Radonic  im  Osten  an.  Auch  ist  es  nicht  ausgeschlossen, 
dass  sie  unter  dem  Meeresspiegel  in  grosser  Ausdehnung  und  Mäch- 
tigkeit hinziehen.  An  den  eben  genannten  Punkten  erreichen  sie  eine 
Höhe  von  circa  50  m  über  dem  Meere  und  fallen  selbst  mehr  oder 
weniger  schroff  ins  Meer  ab.  Oberbergrath  Tietze  stellt  die 
analogen  Bildungen  Croatiens  ins  Jungtertiär  und  Diluvium. 

Offenbar  das  wichtigste  von  allem,  was  durch  die  neuere  Unter- 
suchung auf  Lesina  constatirt  werden  konnte,  ist,  dass  wir  es  gleich  wie 
auf  Bua,  Solta  und  Brazza  mit  Ueberkippungen,  die  je  weiter  südlich, 
umso  schwächer  entwickelt  sind,  zu  thun  haben,  im  Gegensatz  zu  den 
durch  V.  Kern  er  zwischen  Spalato  und  Sebenico  nachgewiesenen 
Ueberschiebungen,  welche  aber  auch  ihrerseits  südöstlich  von  Spalato 
nach  Makarska  zu  in  Ueberkippungen  überzugehen  scheinen. 


48  A.  Hofmann.  [2] 

eines  Cerviden,  und  zwar  dem  unteren  Ende  eines  Humerus  und 
einem  Phalanx,  und  schliesslich  aus  einem  Rippenfragmente  von 
Ualitherlum  np. 

Reste  aus  der  Kohle  selbst: 


Steneofiber  (Chalicomys)  minutiis   H.  v.   Meyer. 

Tafel  IV,  Fig.  1—3. 

In  einem  brüchigen,  lederbraunen  Lignit  waren  zwei  Iiicisive, 
von  den  Backenzähnen  der  Prämolar,  ferner  der  erste  und  zweite 
Molar  eingebettet  (s.  Taf.  IV,  Fig.   1). 

Die  Backenzähne  sassen  noch  im  rechtseitigen  Unterkieferaste, 
der  leider  schon  stark  zerklüftet  war  und  zum  grossen  Theile  sich 
nicht  mehr  retten  liess;  auch  die  Nagezähne  waren  durch  den  Ver- 
lust der  Grubenfeuchtigkeit  so  mürbe  geworden,  dass  selbst  durch 
die  sorgfältigste  Präparation  nur  mehr  Fragmente  gerettet  werden 
konnten. 

Nach  Erhalt  der  Sendung  wurde  dieses  Stück  vor  der  Präpa- 
ration photographirt,  so  dass  die  natürliche  Lage  und  der  Erhaltungs- 
zustand der  Reste  durch  Figur  1,  Tafel  IV,  wiedergegeben  werden 
konnte. 

Die  Form  und  die  Grössenverhältnisse  der  Molare  (Taf.  IV, 
Fig.  1 — 3)  wie  auch  der  Verlauf  der  Schmelzfalten  an  den  unbe- 
deutend abgenützten  Kauflächen  (Taf.  IV,  Fig.  2  und  3)  unterscheiden 
sich  nicht  von  jenen  gleichartiger  Reste  anderer  Fundpunkte,  nur  der 
Prämolar  ist  bedeutend  stärker  als  alle  mir  zum  Vergleiche  dienenden 
Zähne  von  Göriach  und  auch  anderen  Orten. 


Piuus  sp. 

Tafel  V,    Fig.  2. 

Im  Hugoschachte  I  wurde  in  dem  das  Kohlenflötz  überlagern- 
den grauen  Sande  der  hier  abgebildete  Zapfen  vorgefunden ;  dieser 
ist  stark  abgerieben,  abgerollt  und  gleicht  in  der  Grösse  etwa  dem 
Pinus  (Pinrnter)  aequimontana  (Uwj.)  von  Gleichenberg  (Unger,  Cldoris 
protoyaeM  Taf.  XX,  Fig.  4). 

Die  Samen  sind  zum  grössten  Theile  ausgefallen  und  lässt  sich 
eine  Art-Bestimmung  nach  diesem  Funde  einstweilen  nicht  vornehmen. 


Carpites  Kaltemwrdheme.nsis  Zenk.  sp. 

Zwei  Lignitstücke  sind  mit  fossilen  Früchten  ganz  übersäet; 
diese  zeigen  theils  die  äussere  Hülle,  theils  die  halbirte  Testa  von 
innen  oder  auch  noch  den  Samen  enthaltend. 

Diese  Fossilien  lassen  sich  sehr  gut  in  Einklang  bringen  mit 
Zenker's  FoUiculües  KaUennordJiemcmis   (Neues  Jahrb.  für   Minera- 


[3]  Fossilreste  aus  dem  südmährisclien  Braunkohlenbecken  l)ei  Gaya.  49 

logie  etc.  1833)  und  mit  jenen  Heer's  Flora  tertiana  helvetiae,  Tafel 
141,  Fig.  68  und  69. 

Reste  aus  dem  „Hangendsande"   des  Flötzes: 


Aceratherium  incisivum  Kaup. 

Tafel  V,  Fig.  1. 

Nach  Riedel  wird  stellenweise  die  Kohle  direct  vom  „scharfen 
Sand"  überlagert,  in  welchem  der  vorliegende  Zahn  vorgefunden  wurde. 

Derselbe  stammt  aus  dem  rechtseitigen  Unterkieferaste,  und 
zwar  ist  derselbe  als  der  dritte  Prämolar  anzusehen,  der,  weil  eine 
stark  abgenützte  Kaufläche  zeigend,  von  einem  völlig  erwachsenen 
Individuum  herrührt. 

Die  Form  dieses  Zahnes  entspricht  vollkommen  dem  gleich- 
artigen Zahne  von  Göriach  (Autor,  Die  Fauna  von  Göriach,  Taf.  X, 
Fig.  6)  und  sind  selbst  die  Basalwülste  hier  vorzufinden  wie  beim 
Erwähnten. 

Die  Grössenverhältnisse  stimmen,  wie  aus  der  nachfolgenden 
Zusammenstellung  erhellt,  gut  überein: 

von  Gaya  von  Göriacli  von  Sansan 

Pmg  Länge       .     .     .     0  032               0-031  0029  m 

„     Breite  (vorne)  .     0-022               0-022  0023  m 

(hinten).     0-023               0-024  0023  m 

Ausser  dem  hier  abgebildeten  Zahne  sollen,  nach  freundlicher 
Mittheilung  des  Herrn  Prof.  A.  Makowsky,  in  der  Sammlung  der 
k.  k.  technischen  Hochschule  in  Brunn  „einige  kaum  bestimmbare 
Zähne  eines  Aceratherium  (?)  aus  der  Braunkohle  von  Gaya"  aufbe- 
wahrt werden. 


Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichaanstalt,  1900,  50.  Band,  1.  Heft.  (A.  Uofmaiin.) 


A.   Hofmann  :   Fossilreste  aus  Gaya. 


Tafel  V 


la 


Autor  photograph,  Lichtdruck  von  Max  Jaffe,  Wien 

Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  Band  L  1900. 

Verlag  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  Wien,  III.,  RasumoHskygasse  23. 


Die  Grenze  zwischen  der  Flyschzone  und  den 
Kalkalpen  bei  Wien. 

Von  A.  Bittiier. 

Soeben  ist  unter  dem  Titel  „Der  Giesshübler  Sandstein  and 
die  Flyschgrenze  bei  Wien"  in  den  Sitzgsber.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss., 
math.-nat.  Gl.,  Bd.  CVIII,  Abth.  I,  Oct.  1^>99,  eine  Arbeit  von  Th. 
Fuchs  erschienen,  die  aus  einer  vereinzelten  Beobachtung  Folgerungen 
von  —  wie  der  Autor  selbst  glaubt  —  grosser  principieller  Bedeutung 
abzuleiten  sucht. 

Wie  vielen  Fachgenossen  noch  in  Erinnerung  sein  wird,  hat 
Th.  Fuchs  schon  früher  einmal  in  bemerkenswerter  Weise  in  die 
Flysch-Literatur  eingegriffen.  Im  Jahre  1877  nämlicli  veröffentlichte 
derselbe  im  LXXV.  Bande  der  Sitzgsber.  d.  kais.  Akad.  d.  Wlss. 
eine  Abhandlung,  in  welcher  er  (S.  2)  den  gesammten  Flysch 
für  das  Product  eruptiver  Vorgänge  erklärt,  deren  bei- 
läufiges Analogon  in  der  Jetztzeit  die  sogenannten 
Schlammvulkane  darstellen,  und  es  u.  a.  als  ein  Factum 
von  geradezu  maassgebender  Bedeutung  hervorhebt  (S.  18,  19),  dass 
man  allenthalben  in  den  Nordalpen  in  unmittelbarer  Nähe  des  Flysches 
etwas  weiter  gebirgseinwärts  „Kreide-  und  Eocänbildungen  jeglichen 
Alters"  in  vollkommen  normaler  Ausbildung  und  mit  grossem 
Fossilreichthum  antreffe,  ohne  dass  man  irgendwo  Uebe r- 
gänge  oder  Zwischenformen  zwischen  diesen  beiden 
Arten  des  Auftretens  bemerken  könne. 

In  unseren  Verhandl.  1878,  Nr.  7,  S.  135  ff.  wird  diese  Idee 
von  der  eruptiven  Natur  des  Flysches  von  Fuchs  noch  weiter  aus- 
geführt und  betont,  dass  er  den  ganz  bestimmten  und  con- 
creten  Nachweis  liefern  zu  können  glaube,  dass  wir  im  Flysch 
thatsächlich  gar  nichts  anderes  als  ein  System  von 
eruptiven  Effusivdecken  einer  wirklichen  und  wahr- 
haftigen „Kothlava"  vor  uns  haben,  da  in  der  That  die  Spuren 
des  „Geflossenseins"  an  den  Flyschbänken  so  allgemein  ver- 
breitet, so  augenscheinlich,  ja  sozusagen  handgreif- 
lich seien,  dass  sich  gewiss  niemand  bei  unbefangener  Betrachtung 
des  Gegenstandes  der  zwingenden  Gewalt  dieser  That- 
sachen  wird  entziehen  können.  Fuchs  verspricht  hier  auch 
(S.  136)  eine  grössere,  von  mehreren  Tafeln  begleitete  Abhandlung 
„Ueber  die  Fluidalstructur  des  Flysches"  zu  liefern,  in  welcher  er 
seine  Behauptung,  dass  die  scheinbare  Schichtung  des  Flysches  nicht 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reich sanstalt,  1900    50    Kand,  l    lieft  (A.  Bittner.)  ^* 


54  A.  Bittner.  [4J 

Altenmarkt  ist  die  obere  oder  alpine  Gosaukreide  genau  in  derselben 
Weise  transgredirend  und  von  Conglomeratbildungen  begleitet  tief 
eingedrungen,  wie  weiter  im  Süden  in  die  grosse  Aufbruchslinie  von 
Buchberg— Admont.  Die  Analogie  ist  in  jeder  Hinsicht  eine  voll- 
ständige bis  auf  das  mehr  tlyschartige  Aussehen  der  Gesteine  des 
nördlichen  Zuges  und  die  offenbar  damit  im  Zusammenhang  stehende 
geringere  Petrefactenführung  derselben. 

Hat  die  Aufbruchlinie  von  Brühl- -Altenmarkt  von  Enzersdorf 
a.  G.  bis  zum  Triestingthale  einen  südwestlichen  Verlauf,  so  ändert  sich 
diese  Richtung  von  da  bis  Ramsau  bei  Hainfeld  in  eine  rein  westliche, 
während  sie  von  Ramsau  an  wieder  in  südwestlicher  Richtung  tiefer 
in  die  Kalkalpen  eindringt  und  dementsprechend  einen  rasch  sich 
verbreiternden  Abschnitt  derselben  nach  aussen  abtrennt.  In  ihrem 
ganzen  Verlaufe,  auch  weiter  ins  Gebirge  hinein,  ist  diese  Tiefen-, 
resp.  Aufbruchslinie  von  Gosauablagerungen  begleitet,  die  speciell 
wieder  südöstlich  bei  Lilienfeld  zum  Theile  tiyschartig  entwickelt  sind. 

Schon  unmittelbar  westlich  von  Hainfeld,  im  Gebiete  von  St.  Veit 
a.  d.  Traisen,  erweitert  sich  der  äussere  Kalkalpenzug  auf  eine  Breite 
von  7  hm  in  der  Luftlinie  und  mehr,  und  setzt  sich  in  com- 
plicirter  Weise  aus  einer  ganzen  Anzahl  von  Einzelzügen  zusammen, 
deren  exacte  oro  graphische,  tek  tonische  und  s  t  r  a  t  i- 
graphische  Fortsetzung  nach  Osten  eben  jener,  stellenweise 
wirklich  überaus  reducirte  äusserste  Kalkalpenzug  ist,  welcher  sich 
von  Hainfeld  bis  Kalksburg — Rodaun  als  Aussenzone  der  Kalkalpen 
hinzieht  und  welcher  trotz  seiner  geringen  Breite  und  Erhebung 
fast  allenthalben  sich  noch  als  aus  zwei  in  gleichem  Sinne  gebauten 
Einzelzügen  bestehend  erweist. 

Bei  Altenniarkt  a.  d.  Tr.  gabelt  sich  bekanntlich  die  Aufschluss- 
linie des  Werfener  Schiefers  und  sendet  einen  Seitenast,  die  so- 
genannte P'urther  Aufschlussliiiie,  nach  SW  ins  Gebirge,  bis  in  die 
Gegend  von  Gutensteiii,  hinein.  Auch  in  diesen  Auf brudi  dringt  die 
Gosaukreide  in  mächtigen  Massen  und  ist  auch  hier  noch,  so  bei 
Ebersbach — Aggsbach,  theilweise  in  Gestalt  flyschähnlicher  Sandsteine 
und  Mergel  vertreten.  Der  in  die  Gabelung  sich  vorschiebende  Kalk- 
sporn des  Hochecks  ist  sowohl  im  Norden  von  Gosauablagerungen 
begrenzt,  als  auch  im  Süden  und  Südosten  bis  hoch  hinauf  von  den- 
selben übermantelt  und  trotzdem  wird  es  niemand  einfallen,  ihn  für 
eine  Klippe  in  der  Kreide  zu  erklären.  Die  geringere  Höhe  und 
Breite,  sowie  die  beträchtlichere  Längserstrecknng  des  nördlichsten 
Kalkalpenzuges  können  keinen  Grund  abgeben,  denselben  für  einen 
Klippenzug  zu  halten,  selbst  wenn  man  seinen  Anschluss  im  Westen 
nicht  kennt. 

Es  ist  wichtig,  zu  wissen,  dass  die  Hauptmasse  der  flyschartigen 
Gosaubildungen  dieses  Zuges  mit  den  Flyschbildungen  der  benach- 
barten Fiyschzone  durchaus  nicht  in  directem  Zusammenhange  steht  \). 
Die  eigentliche  Flysehgrenze  unserer  Karten,    die  natürliche  Flysch- 

*)  Man  wolle  hier  sowie  für  die  übrigen  topographischen  Angaben  die 
kürzlich  von  C.  M.  Paul  veiöftentliclite  Uebersi  c  h  tslcar  te  des  W^iener- 
waldes  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol.   H.A.   1^9^,  Taf.   II)  verghiichen. 


r51         I)ie  (irenze  zwischen  der  Flysch/one  und  den  Kalkalpen  bei  Wien.         55 

grenze,  wie  sie  heute  existirt,  ist  nämlich  für  die  meisten  Stellen 
nachweisbar  eine  Längsstörung,  oft  sogar  eine  Ueberschiebung,  und 
es  ist  seit  lange  bekannt,  dass  der  Flysch  an  vielen  Orten  noch 
ganz  nahe  der  Kalkgrenze  unter  den  Kalk  einfällt,  wodurch  seiner- 
zeit die  Ansicht  hervorgerufen  wurde,  der  gesammte  Flysch  sei  älter 
als  das  Kalkgebirge  (vergl.  „Hernstein",  S.  227).  In  dieser  That- 
sache  liegt  auch  die  einfache  Erklärung  für  das  P'ehlen  der  von 
Fuchs  an  der  Flyschgrenze  vermissten  Conglomerate  des  Flysches. 
Diese  Grenze  ist  eben  keine  Anlagerungsgrenze  oder  Küsten- 
linie des  Kalkgebirges,  sondern  eine  tektonische  Linie,  resp.  eine 
Combination  tektonischer  Linien  von  verhältnismässig  geringem  Alter, 
wahrscheinlich  jünger  als  die  jüngsten,  an  dem  Aufbaue  der  Flysch- 
zone  betheiligten  Sedimente.  Wenn  man  daher  Conglomerate  u.  dgl.  an 
dieser  Flyschgrenze  gesucht  hat,  so  ist  man  von  einer  ganz  falschen 
Voraussetzung  ausgegangen.  Andererseits  erklärt  sich  das  Auftreten 
von  Conglomeraten  in  der  Kreide  des  Giesshübler  Zuges,  ohne  dass 
man  in  ihnen  die  Strandbildungen  einer  „südlicheren  Flyschgrenze"  zu 
suchen  braucht,  ganz  ebenso  ungezwungen  durch  das  Eindringen  der 
oberen  Kreide  in  eine  schmale  und  seichte  Bucht  oder  einen  Fjord 
des  Kalkgebirges,  wie  in  dem  Falle  der  Gosauablagerungen  der 
Neuen  Welt  weiter  im  Süden.  Freilich  so  absolut  scharf  darf  man 
sich  die  Flyschgrenze  wieder  nicht  vorstellen,  dass  nicht  in  der 
Flyschregion  selbst  jüngere  mesozoische  (jurassische)  Vorkommnisse 
der  Kalkalpen  ebenfalls  noch  hie  und  da  auftauchen,  und  dass  anderer- 
seits nicht  flyschartige  Gesteine  in  den  Kreideablagerungen  des  Kalk- 
alpengebietes vorkommen  dürften.  Die  Conglomerate  und  Breccien 
nächst  Weissenbach  aber,  die  Fuchs  so  lebhaft  an  Beschreibungen 
karpathischer  Klippenhüllen  erinnerten,  haben  höchst  wahrscheinlich 
mit  der  flyschartigen  Gosaukreide  überhaupt  nichts  zu  thun,  sondern 
dürften  viel  jünger  sein;  die  Hauptmasse  derselben  wurde  von  Stur 
als  miocän  colorirt. 

Auch  die  Fossilführung  ist  noch  in  Betracht  zu  ziehen.  So 
spärlich  die  Fossilien  in  dem  Giesshübler  Gosaukreidezuge  auftreten, 
so  sind  deren  dennoch  vorhanden  und  Fuchs  gibt  sich  in  seiner 
neuesten  Schrift  vergebens  Mühe,  die  Funde  derselben  als  zweifel- 
haft hinzustellen.  Insbesondere  muss  ganz  entschieden  Verwahrung 
eingelegt  werden  dagegen,  dass  Fuchs  eine  in  den  Erläuterungen 
zur  geologischen  Specialkarte  der  Umgebung  von  Wien,  1894,  S.  40, 
mitgetheilte  positive  Angabe  durch  die  Bemerkung  wiedergibt,  „es 
sollen  bei  Altenmarkt  Inoceramen  und  Brachiopoden  vorkommen". 
Man  sieht  übrigens  gar  nicht  recht  ein,  weshalb  Herr  Fuchs  in 
diesem  Punkte  Bedenken  haben  sollte,  denn  diese  Ablagerungen 
gehören  ja  unbestreitbar  zu  jenen  „Kreide-  und  Eocänbildungen"  in 
der  Nachbarschaft  der  Flyschgrenze,  die  nach  dem  oben  citirten,  ganz 
bestimmt  lautenden  Ausspruche  des  Fuchs  in  Sitzungsber.  der 
kais.  Akad.  der  Wissensch.  vom  Jahre  1877,  S.  19,  allenthalben 
einen  grossen  Fossilienreichthum  enthalten  sollen! 
Was  speciell  die  Actaeonellen  von  Perchtoldsdorf  betrifft,  so  scheint 
es  schon  nach  den  Angaben  von  Paul  (Jahrb.  1860,  S.  16),  als  ob 
solche   dort  auch   in   anstehendem   Gosaugestein    gesammelt   worden 


56  A.  Bittner.  [6] 

seien  und  auch  Kittl  erwähnt  (in  Verli.  1893,  S.  379)  neben  den 
Actaeonellen  aus  dem  Tertiärconglomerate  auch  solche  vom  Paraplui- 
berg  bei  Perchtoldsdorf ;  derselbe  führt  übrigens  ebenda  vom  Gold- 
bühel bei  Perchtoldsdorf  u.  a.  Inoceramen,  RJu/nchonella  diformls, 
Terehratulina  Defrancei  an  2). 

Es  gibt  aber  auch  noch  eine  directe  Probe  auf  die  Haltbarkeit 
der  neuen,  von  Fuchs  vorgeschlagenen  Flyschgrenze,  und  zwar  in 
zweierlei  Hinsicht,  in  stratigraphisch-petrographischer  und  in  tekto- 
nisch-topographischer.  In  der  ersteren  Hinsicht  muss  man  sich  die 
Frage  vorlegen,  wo  bleibt  die  neue  Flyschgrenze  weiter  im  Westen 
und  im  Südwesten  innerhalb  der  Kreide  selbst,  da,  wo  die  flysch- 
artigen  Gesteine  des  Gosauzuges  mehr  und  mehr  zurücktreten  und 
der  Typus  der  vielgestaltigen  Gosaukreidegesteine  der  südlicheren 
Districte  vorzuherrschen  beginnt? 

Noch  wichtiger  ist  das  zweite  Moment.  Gesetzt  den  Fall,  man 
würde  allen  Ernstes  die  neue  Anschauung  vom  Verlaufe  der  Flysch- 
grenze im  Norden  des  Aninger  acceptiren  wollen,  so  müsste  diese 
Flyschgrenze  in  ihrem  Verlaufe  gegen  Westen  nicht  nur  eine  ganz 
sonderbare  Ausstülpung  in  die  Further  Aufschlusslinie  hineinsenden, 
sondern  sie  müsste  auch,  da  man  sie  von  Ramsau  aus  nicht  willkür- 
lich mitten  durch  den  Kreidezug  nnd  quer  durchs  Streichen  des  Kalk- 
gebirges nach  Hainfeld  hinaus  ziehen  kann,  von  Ramsau  nach  Südwest 
in  die  Kalkalpen  hinein  verlaufen  und  die  ganze  Breite  des  nach 
aussen  von  der  Brühl  —  Altenmarkter  Linie  liegenden  Kalkalpen- 
Gebietes  müsste  der  Flyschregion  zugewiesen  werden. 

Das  sind  die  nothwendigen  Consequenzen  des  von  Fuchs  ge- 
thanen  Schrittes  und  dieselben  würden  allerdings,  wie  sich  nunmehr 
herausstellt,  „von  grosser  pri  ncipiell  er  Bedeutung"  sein,  da 
dadurch  ein  sehr  beträchtlicher  Theil  der  nordöstlichen  Kalkalpen  der 
Flyschzone  einverleibt  und  „im  Grunde  genommen"  Klip  pen- 
gebiet der  Flyschzone  würde,  welches  dann  allerdings  einigermaassen 
schwierig  —  wenigstens  für  den  Feldgeologen !  —  von  dem  restirenden 
echten  Kalkalpengebiete  abzutrennen  wäre.  Für  den  Theoretiker 
indessen  dürften  auch  diese  Schwierigkeiten  mit  Hilfe  der  neuesten 
Anschauungen  über  den  Bau  gewisser  „Voralpen "-Districte  der  Schweiz 
ziemlich  leicht  zu  bewältigen  sein,  worauf  hier  im  Interesse  der  Ob- 
jectivität  hingewiesen  sein  möge. 

Für  Leute  von  „veralteten"  Anschauungen  kann,  wenn  von  einer 
Flyschgrenze,  d.  h.  von  der  Grenze  eines  einheitlichen,  zusammen- 
hängenden Flyschterrains  oder  einer  Flyschzone  gesprochen  wird, 
das  nur  in  dem  Sinne  der  Fall  sein,  dass  man  dabei  an  jene  natür- 
liche Abgrenzung  der  Flyschzone  gegen  die  Kalkalpen  denkt,  wie  sie 
unsere  heute  existirenden  geologischen  Karten  zum  Ausdruck  bringen. 
Der  Versuch  einer  „Verlegung"  der  Flyschzone  nach  Süden  in  die 
Kalkalpen  hinein  ist  auch  schon  deshalb  gänzlich  unberechtigt,  weil 
bei  diesem  Versuche  nicht  die  Spur  eines  Nachweises  geführt  werden 


*)  Hier  sei  angemerkt,  dai^s  meine  in  der  Nachschrift  bei  P''uchs  citirte 
Mittheilun^;  in  Verhandl.  1899  bereits  im  Juni,  vor  den  öommeraufnahmen, 
gedruckt  war. 


[7J         I>ie  Grenze  zwischeu  der  Flyschzniie  und  den  Kalkalpen  bei  Wien.         57 

kann,  dass  die  gesammten  in  der  Flyschzone  vertretenen 
Niveaus  über  unsere  bislierige  Flyschgrenze  weiter  nach  Süden 
reichen,  sondern  weil  es  sich  hiebei  evident  nur  um  das  Eindringen 
ge  wi  sser  Theile  der  auch  in  der  Fly  schzon  e  vertretenen 
Kr eideabla gerungen,  speciell  oberer  Kreidebildungen,  in  den 
Bereich  der  Kalkalpen  handelt.  Dass  in  diesen  im  Innern  der  Kalk- 
alpen liegenden  oberen  Kreidebildungen,  insbesondere  zunächst  der 
Flyschregion,  auch  noch  flyschartige  Gesteine  auftreten,  ist  eine  Er- 
scheinung, die,  einmal  erkannt  und  nachgewiesen,  für  den  erfahrenen 
Alpengeologen  nicht  sonderlich  auffallender  sein  kann,  als  dass  die 
in  der  Flyschregion  so  verbreiteten  neocomen  Aptychengesteine  und 
andere  Neocomgebilde  in  identischer  Ausbildung,  oft  transgredirend 
wie  die  Gosaukreide,  in  die  Kalkalpen  eindringen  und  an  deren  Zu- 
sammensetzung theilnehmen.  Schliesslich  könnte  man  auch  die  Ross- 
feldschichten als  Flysch  ansprechen  und  dementsprechend  die  „Flysch- 
grenze" tief  in  den  Kalkalpen  drin  festzulegen  suchen,  man  könnte 
den  die  Kirchberger  Neocomniederung  nach  aussen  begrenzenden 
Kalkalpentheil  als  Klippenterrain  ansehen  u.  s.  w.  Es  wird  auch  gut 
sein,  hier  daran  zu  erinnern,  dass  selbst  der  Lunzer  Sandstein  früher 
einmal  (vergl.  F.  v.  Hauer  im  Jahrb.  1850,  S.  48)  dem  Wiener  Sand- 
stein zugezählt  worden  ist,  und  dass  man  damals  sogar  (ebenda  S.  49) 
umgekehrt  auch  nach  Aequivalenten  des  Lunzer  Sandsteines,  nach- 
dem er  als  Keuper  erkannt  worden  war,  im  eigentlichen  Flyschterrain 
gesucht  hat. 

Ein  Eingreifen  cretacischer  Ablagerungen  in  die  Kalkalpen 
findet  ja,  wie  längst  bekannt,  thatsächlich  in  äusserst  mannigfaltiger 
Weise  statt,  dessenungeachtet  bleibt  die  Flyschgrenze,  d.  h.  die 
Grenze  der  Flyschregion  genau  in  der  Position,  in  der  wir  sie  längst 
kennen  und  auf  unseren  Karten  verzeichnet  haben,  weil  sie,  als  einer 
der  schärfsten  Charakterzüge  im  Baue  der  Nordostalpen  und  wohl 
der  Nordalpen  überhaupt,  in  jeder  Hinsicht,  sowohl  orographisch  als 
stratigraphisch  -  tektonisch,  sich  in  der  Natur  ausprägt,  somit  gar 
nicht  verkannt,  am  allerwenigsten  aber  durch  eine  vereinzelte  Beob- 
achtung verschoben  werden  kann. 

An  derartigen,  durch  gemeinsame  Arbeit  aller  Alpengeologen 
wohlbegründeten,  nach  jeder  Richtung  hin  vollkommen  sichergestellten, 
geradezu  fundamentalen  Erfahrungen  und  Kenntnissen  sollte  doch  nicht 
unnöthigerweise  und  so  ganz  ohne  jede  zureichende  Begründung  ge- 
rüttelt werden.  Jeder  derartig  ausgesprochene  Zweifel,  jede  solche, 
ohne  genügende  Motivirung  hingestellte  Meinung  und  Behauptung 
findet  bekanntlich  immer  ihre  Anhänger  i)    und  es   muss  dann  längst 


^)  Es  ist  staunenswert,  mit  welcher  Findigkeit  gerade  die  am  wenigsten 
haltbaren  Anschauungen  herausgegrift'en  und  verbreitet  zu  werden  pflegen.  Als 
Beispiel  möge  dienen  die  absolut  willkürliche  Deutung  der  sogen.  Starhemberger 
Sihichten  durch  Th.  Fuchs,  die  nichtsdestoweniger  von  J.  Walther  sofort 
wieder  zur  Stütze  anderer  theoretischer  Ansichten  herangezogen  worden  ist  (Verh. 
1885,  S  289).  Nicht  weniger  bezeichnend  ist  der  von  Paul  (Verh.  1878,  S.  185) 
angeführte  Umstand,  dass  kurz  nach  dem  Erscheinen  der  Eruptivtheorie  des 
Flysches  von  Fuchs  an  anderer  Stelle  bereits  von  Fumarolen  in  den  Karpathen 
gesprochen  worden  ist ! 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanatalt,  1900,  50.  Band,  1.  Heft.  (A.  Bittner.)  8 


58  A.  Bittner.  [8] 

Bekanntes  von  neuem  erörtert,  zu  den  elementarsten  Erfahrungen 
Gehöriges  abermals  dargestellt  werden,  um  nur  jenen  Standpunkt 
festhalten  zu  können,  der  Längst  als  vollkommen  gesichert  zu  gelten 
das  Recht  hat.  Das  ist  eine  Arbeit,  die  ernste  Forscher  ihren  Fach- 
genossen doch  ersparen  sollten. 

Es  sei  zum  Schlüsse  dieser  Auseinandersetzungen  nochmals 
hervorgehoben:  Die  Südgrenze  der  Flyschzone  liegt  da,  wo  sie  seit 
jeher  lag,  wo  sie  unsere  bisherigen  Karten  angeben,  weil  wir  sie 
in  der  Natur  wirklich  so  liegen  sehen.  Die  Südgrenze  einzelner  in 
die  Kalkalpen  eindringender  flyschartiger  Bildungen  ist  überhaupt 
nicht  scharf  zu  fixiren,  weder  stratigraphisch  noch  tektonisch,  auch 
liegt  sie  gewiss  nicht  dort,  wohin  sie  Fuchs  verschieben  möchte, 
es  führt  mindestens  zu  den  misslichsten  Consequenzen,  sie  in  dieser 
Art  verlegen  zu  wollen.  Der  äusserste  Kalkalpenzug  aber,  der  sich 
von  Westen  her  über  Hainfeld  bis  nach  Kalksburg  erstreckt,  besitzt 
„im  Grunde  genommen"  gar  nichts  Klippenartiges,  sondern  ist,  wenn 
man  ihn  gründlich  in  der  Natur  und  nicht  nur  durch  Betrachtung 
der  Stur'schen  Karte  kennen  gelernt  hat,  für  nichts  anderes  zu  er- 
klären, als  für  das,  was  er  bisher  für  alle  Feldgeologen  war,  nämlich 
für  einen  integrirenden  Theil  der  Kalkalpen. 


Ueber  die  triadische  Lamellibranchiaten-Gattung 

Mysidioptera  Sal.  und  deren  Beziehungen  zu 

palaeozoischen  Gattungen. 

Mit  einer  lithographirten  Tafel  (Nr.  VI). 

Von  A.  Bittner. 

Im  Jahrbuche  der  geolog.  Reichsanstalt  1891.  S.  113,  Tal  II, 
Fig.  10,  sowie  im  Jahrbuche  1892,  S.  85,  Taf.  V,  Fig.  4,  5  habe  ich 
unter  dem  Namen  Mi/sidia  nov.  gen.  Orientalin  nov.  spec.  eine  merk- 
würdige Bivalve  aus  der  oberen  Trias  von  Balia  Maaden  in  Klein- 
asien (Mysien)  beschrieben,  die  ihrer  Gestalt  nach  zunächst  an 
Ämhom/chia  Hall  erinnert.  Bis  dahin  war  nichts  sicher  Vergleichbares 
aus  der  alpinen  Trias  bekannt. 

W.  Salomon  (in  seiner  Arbeit  über  die  Marmolata,  1895) 
stellte  S.  117  eine  verwandte  Gattung  Mi/sidioptera  auf,  die  sich  bald 
als  in  der  alpinen  Trias  sehr  verbreitet  erwies,  wie  ich  in  „Lamelli- 
branchiaten  der  alpinen  Trias  I.",  Abhandl.  d.  geol.  R.-A.  XVIII. 
1895,  S.  177—200  zeigen  konnte.  Hier  werden  bereits  mehr  als  16 
Arten  von  Mysidioptera  namhaft  gemacht,  von  tieferen  Muschelkalk- 
ablagerungen an  bis  in  die  Cardita-  und  Schiernplateau-Schichten 
hinauf,  Formen,  die  in  Umrissen  und  Sculptur  recht  mannigfaltig 
sind  und  theilweise  bereits  früher  als  L/'m«-Arten  beschrieben  worden 
waren.  Die  Tafeln  XX,  XXI  und  XXII  der  cit.  Arbeit  geben  eine 
Vorstellung  von  den  bisher  bekannten  Formen  der  Gattung  Mijsidi- 
optera  ^).  Es  sind  meist  glatte  oder  schwachberippte  Formen,  Arten 
mit  starker  Berippung  sind  bis  daliin  spärlich  vertreten  gewesen.  Von 
solclien  wären  insbesondere  namhaft  zu  machen  Mysidioptera  spiniqera 
Taf.  XX,  Fig.  32  und  Mysidioptera  (^)  dubiosa  Tab.  XXII,  Fig.  19,  20, 
beide  von  St.  Cassian.  Gerade  diese  stark  berippten  Typen  sind  in 
neuerer  Zeit  häufiger  vorgekommen  und  es  scheint,  als  ob  dieselben 
im  Gegensatze  zu  den  schwächer  berippten,  die  besonders  in  den 
ladinischen  Niveaus  dominiren,  von  den  Raibler  Schichten  nach  auf- 
wärts in  grösserer  Zahl  vertreten  seien ;  und  zwar  gilt  das  für  beide 
Gruppen  dieser  berippten  Formen,  sowohl  für  diejenige,  welche  durch 
M.  spiniyera,  als  für  jene,  die  durch  M.  duhiosa  repräsentirt  wird. 
Diese  beiden  Arten  hatte  ich  zuerst   mit   einigem   Zweifel   zu   Mysi- 


1)  Einige  Arten  beschreibt  auch    A.  Tornquist   in    Zeitschr.    d.    D.    geol. 
Ges.  Bd.  L,  1898,  Taf.  XXI. 

Jahibiicb  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1900,  50.  Baiul,  1.  Heft.  (A.  Bittner.)  8* 


60  A.  Bittner.  [2] 

dioptera  gebracht,  da  sie  von  der  Hauptmasse  der  mir  bekannt  ge- 
wordenen Arten  sich  am  weitesten  entfernten;  neuere  Funde  zeigen, 
dass  aucli  sie  dahingestellt  werden  können,  wobei  von  der  Möglichkeit 
weiterer  Unterabtheilungen  vorerst  abgesehen  werden  soll.  Am  zweifel- 
haftesten erschien  mir  bezüglich  ihrer  generischen  Zugehörigkeit 
Mißidiopteya  d^dnosa,  von  der  mir  nur  einige,  nicht  vollständig  erhal- 
tene Stücke  bekannt  waren,  eine  Form,  die  übrigens  schon  Laube 
(unter  einem  anderen  Namen)  besclirieben  hat. 

Nahe  verwandte  Formen  liegen  mir  heute  in  besonders  schöner 
Erhaltung  aus  den  Tuffen  des  Frombachs  der  Seisseralpe  vor  und 
sollen  zunächst  beschrieben  werden: 

Mysidioptera  Emiliae  nov.  spec. 

Taf.  VI,  Fig.  1-7. 

Sie  lässt  sich  kurz  charakterisiren  als  eine  vollberippte  Art  aus 
der  Verwandschaft  der  AI.  didnosa  von  St.  Cassian,  welche  letztere 
aber  von  ihr  weitaus  an  Grösse  übertrotfen  wird  und  von  der  sie  sich 
auch  durch  das  Fehlen  der  kielförmigen  Mittel-  oder  Diagonalerhebung 
der  Schale  unterscheidet.  Kleinere  Exemplare,  wie  das  Fig.  1  abge- 
bildete, sehen  der  Cassianer  Art  recht  ähnlich  und  würden  wohl  nur 
schwer  von  derselben  scharf  zu  trennen  sein,  obschon  auch  ihnen  der 
Diagonalkiel  fehlt.  Dieses  Fig.  1  abgebildete  Exemplar  besitzt  auf 
der  Mitte  der  Schale  ca.  10  stärkere  Rippen,  denen  sich  beiderseits, 
nach  rückwärts  und  vorwärts,  eine  grössere  Anzahl  schwächerer  und 
graduell  an  Stärke  abnehmender  Rippen  anschliessen ;  nach  rückwärts 
mögen  deren  auch  noch  10  vorhanden  sein,  gegen  vorn  ist  der 
Raum  schmäler  und  bietet  nicht  mehr  für  so  viele  Platz.  Der  obere 
Rand  des  vorderen  Lunular-Ausschnittes  ist  ein  wenig  wulstig  gerandet, 
vorn  stumpfeckig  vorgezogen.  Der  Lunular-Ausschnitt  selbst  ist  auf- 
fallend tief,  offenbar  für  den  Austritt  eines  Byssus  gebaut,  die  Ligament- 
Area  ist  schmal,  mit  einer  wenig  scharfen,  sehr  schiefen  Ligamentgrube 
versehen.  Die  Gesammtform  der  Schale  ist  eine  beträchtlich  schiefe. 

Es  liegt  mir  nur  ein  Exemplar  von  diesen  geringen  Dimen- 
sionen vor,  dagegen  7  Stücke  Einzelklappen  von  beträchtlicherer 
Grösse,  und  zwar  3  linke  und  4  rechte,  von  denen  einige  sehr  schön 
erhalten  sind.  An  der  kleinsten  der  linken  Klappen  ist  nur  das 
Ligamentfeld  gut  erhalten  und  zeigt  (Fig.  2)  in  besonderer  Deutlichkeit 
die  Bandgrube  desselben.  Ein  zweites  Exemplar  einer  linken  Klappe 
besitzt  ungefähr  25  Aussenrippen  von  gerundete]'  Gestalt,  die  mit  den 
Zwischenräumen  eine  gleichmässig  gebaute  Wellenlinie  im  Durch- 
schnitte bilden  (Fig.  3)  und  sowohl  gegen  die  hintere  SchlossHnie 
als  gegen  den  Lunular-Rand  beträchtlich  an  Stärke  abnehmen  oder 
nahezu  ganz  verlöschen.  Alle  Rippen  beginnen  am  Wirbel.  Der 
Lunular-Rand  ist  fast  in  Form  eines  vorderen  Flügels  entwickelt  und 
auch  der  hintere  oder  eigentliche  Schlossrand  resp.  obere  Arealrand 
erscheint  ein  wenig  gehoben.  Die  Rippen  sind  fast  glatt,  nur  von 
sehr  feiner,  dichter  Anwachsstreifung  gekreuzt.  Der  Wirbel  ist 
schwach  entwickelt.  Die  Ligament-Area  ist  schmal,  ihr  oberer  Rand 
hängt  schwach  über,  der  untere    Rand   ist   in   der   Mitte    der   Länge 


[3]       Ueber  die  triadische  Lamellibranchiaten-Gattung  Mysidioptera  Sal.  etc.       Gl 

sehr  flach  ausgeschnitten  für  die  undeutliche,  sehr  schiefe  Ligament- 
grube, unter  dem  Wirbel  springt  er  ein  wenig,  fast  zahnartig,  vor. 
Der  Lunular-Ausschnitt  ist  nächst  dem  Wirbel  sehr  tief  ausgehöhlt, 
sein  Innenrand  tief  ausgerandet,  offenbar  für  den  Austritt  des  Byssus. 

f]ine  dritte  linke  Klappe  (Fig.  7)  ist  Steinkern  und  lüsst  als 
solcher  nahe  dem  oberen  und  hinteren  Schaleneck  einen  grossen, 
aber  sehr  undeutlich  begrenzten,  runden  Schliessmuskeleindruck 
wahrnehmen.  Vor  dem  Wirbel,  hart  am  Lunular-liand,  erscheint  ein 
unregelmässig  begrenzter,  auffallend  rauher  Raum,  der  vielleicht  einem 
vorderen  Muskeleindrucke  entsprechen  mag.  Diese  rauhe  Stelle  fällt 
umsomehr  auf,  als  der  übrige  Steinkern,  abgesehen  von  den  Rippen, 
glatt  ist. 

Von  den  rechten  Klappen  lassen  jene  mit  besser  erhaltener 
Aussenseite  erkennen,  dass  die  Berippung,  insbesondere  vorn,  nahezu 
bis  an  die  Schlossränder  reicht;  es  sind  an  30  Rippen  vorhanden, 
von  denen  freilich  nur  etwa  die  15  mittleren  kräftiger  entwickelt 
sind.  In  der  Entwicklung  der  Ligament-Area  entspricht  das  Fig.  4 
abgebildete  Exemplar  recht  gut  der  linken  Klappe  Fig.  3.  Die  Area 
ist  schmal,  die  flache  Ligamentgrube  sehr  schief  gestellt,  der  Unter- 
rand der  Area  unter  dem  Wirbel  nach  innen  zähnchenartig  vorgezogen  ; 
der  Lunular-Ausschnitt  ebenfalls  ganz  wie  bei  der  linken  Klappe 
gebaut.  Die  Fig.  5  abgebildete  rechte  Klapi)e  besitzt  eine  beträchtlich 
breitere  Ligament-Area  und  vermittelt  in  vollkommener  Weise  gegen 
die  Klappe  Fig.  6  mit  ihrer  auffallend  breiten  Ligament-Area,  die 
trotzdem  specifisch  nicht  von  den  übrigen  Stücken  getrennt  werden 
kann.  Auch  diese  Klappe  besitzt  an  30  Rippen,  ihre  Schlossränder 
sind  beiderseits  erhöht  resp.  aufgebogen  oder  wulstig,  was  besonders 
den  Lunular-Rand  betrifft;  ausserdem  existiren  beiderseits  nächst 
den  Ecken  dieser  Ränder  deutliche  Ausschnitte  am  Anschlüsse  der 
Seiten-,  resp.  Pallealränder.  Die  breite  Area  ist  mit  horizontaler 
Anwachsstreifung  versehen,  in  ähnlicher  Weise  macht  sich  Anwachs- 
streifung  auch  im  tiefen  Lunular- Ausschnitte  bemerkbar;  die  JByssus- 
ausrandung  an  dem  Innenrande  des  Lunular-Auschnittes  ist  sehr  deutlich 
entwickelt,  die  Ligamentgrube  der  Area  dagegen  flach,  schmal  und 
wenig  deutlich,  im  Bogen  gekrümmt. 

Die  sämmtliclien  hier  beschriebenen  und  abgebildeten  Exemplare 
dieser  interessanten  Art  gehören  der  Sammlung  des  kais.  naturh. 
Hofmuseums.  Zahlreiche  ganz  ähnliche,  zum  Theil  gewiss  auch  speci- 
fisch identische  Formen  erhielt  ich  durch  die  Herren  Professor 
L  V.  L  0  c  z  y  und  Professor  P.  Desiderius  L  a  c  z  k  o  aus  den  sogen. 
Veszpremer  Mergeln  der  oberen  Trias  des  Bakonyerwaldes  zur  Be- 
schreibung, die  in  kürzester  Zeit  beendigt  und  publicirt  werden  soll. 

Hier  möge  zunächst  nur  der  muthmaasslichen  verwandtschaftlichen 
Beziehungen  dieser  triadischen  Mijsidioptera-kvt  und  der  triadischen 
Mysidiopteren  überhaupt  gedacht  werden,  da  über  diese  Beziehungen 
bisher  nur  wenig  Anhaltspunkte  vorlagen. 

Die  hier  beschriebene  neue  Art  von  Mijsidioptera  besitzt  eine 
so  grosse  Aehnlichkeit  mit  einer  Reihe  von  palaeozoischen  Bivalven, 
dass  man  sehr  geneigt  wird,  dieselbe  nicht  als  eine  zufällige  Er- 
scheinung, sondern  als  den  Ausdruck   wirklicher  Verwandtschaft  auf- 


62  A.  ßittner.  [4] 

zufassen.  Vor  allem  ist  mir  aufgefallen  die  überraschende  Formen- 
ähnliclikeit  mit  zahlreichen,  insbesondere  devonischen  Arten,  die  zur 
Gattung  Piiella  Barr.^)  gestellt  zu  werden  pflegen. 

Insbesondere  ist  hier  zu  nennen  Puella  hellistriata  Kays,  (vergl. 
Beushausen  Lamellibr.  desrhein.  Devons,  1895,  S.  312,  Taf.  XXXII, 
Fig.  5).  Diese  devonische  Art  ^)  besitzt  aber  ausser  einer  äusserlichen 
Formen-  und  Sculpturilbnlichkeit  auch  eine  in  ähnlicher  Weise  wie 
bei  Mijsidiopfera  gestaltete  Area  hinter  dem  Wirbel  und  wenn  auch 
eine  Ligamentrinne,  wie  sie  bei  Mijsidiopfera  vorkommt,  bei  ilir  bisher 
nicht  nachgewiesen  ist,  so  dürfte  dieser  Umstand  bei  der  schwachen 
Ausprägung  dieser  Ligamentrinne  oder  -furche  bei  Mi/sidioptera  selbst 
nicht  allzuschwer  in's  Gewicht  fallen.  Auch  das  Fehlen  eines  präg- 
nanten Lunular-Ausschnittes  bei  PueUa  hellistriata  und  Verwandten  be- 
deutet nicht  allzuviel,  denn  erstens  schwankt  die  Stärke  desselben 
auch  bei  den  triadischen  Mysidiopteren  in  sehr  beträchtlichen 
Grenzen  bis  zum  fast  völligen  oder  selbst  gänzlichen  Zurücktreten 
dieses  Ausschnittes  und  zweitens  ist  derselbe  bei  anderen  nahe- 
stehenden palaeozoischen  Gattungen  recht  wohl  entwickelt.  Die  Ab- 
bildung öa  der  Area  bei  Puella  hellistriata  (in  Beushausen's 
Abhandlung)  erinnert  so  stark  an  die  Bildung  der  betreffenden  Partien 
bei  Mi/sidioptera,  dass  man  eine  solche  Form,  stammte  sie  aus  der 
Trias,  ohne  Bedenken  zu  Mysidioptera  stellen  oder  zunächst  an  die- 
selbe anschliessen  dürfte. 

Nun  gehört  zu  Puella  Barr,  (vorausgesetzt,  dass  die  Einreihung 
richtig  ist)  eine  sehr  grosse  Anzahl  jener  formenreichen  Gruppe 
palaeozoischer  Bivalven,  die  Beushausen  als  „Cardioconchen"  zu- 
sammenfasst  und  deren  systematische  Stellung  heute  noch  als  eine 
ziemlich  zweifelhafte  gilt  (vergl.  Beushausen  1.  c.  S.  440).  Beus- 
hausen theilt  seine  Cardioconchen  wieder  in  drei  Unterabtheilungen 
ein,  Cardioliden,  Lunulicardiiden  und  Conocardiiden.  Zur  ersteren 
Gruppe  gehört  die  Hauptmasse  der  ehemaligen  „Palaeoconchen" 
Neumayr's,  zu  den  beiden  anderen  geringere  Theile  derselben. 

Puella  und  eine  Anzahl  verwandter  Gattungen  (wie  Begina, 
Praelima  etc.)  werden  von  Beushausen  zu  den  Cardioliden  gestellt. 
Aber  auch  an  seine  zweite  Gruppe,  die  Lunulicardiiden,  sind  unter 
den  triadischen  Mysidiopteren  nicht  wenige  Anklänge  zu  finden.  Bei 
Zittel  „Grundzüge  der  Palaeontologie"  1895,  S.  293  ff.  stehen  alle 
diese  palaeozoischen  Typen,  in  drei  Familien:  Lunulicardiidae,  Conocar- 

')  Zittel  hat  in  seinen  „Grundzügen"  von  1^95  noch  deu  Namen  l'anenJca 
Barr,  (derselbe  müsste  aber  „I'anenca'  geschrieben  werden)  neben  Regina  u.  s.  f., 
obwohl  bereits  Neumayr,  Frech,  Koken,  Traut  sc  hold  u.  a.  sich  gegen 
die  Anwendung  dieser  eigenthümlichen  Nomenclatur  Barrande's  ausgesprochen 
haben.  Im  übrigen  dürfte  eine  der  ältesten  ^Einsprachen  gegen  Barrande's  Nomen- 
clatur, wenn  nicht  die  älteste,  jene  sein,  die  sich  in  unseren  Verhandlungen  vom 
Jahre  1882,  S.  146  iindet.  Die  „treffende  Bemerkung'  Frech's  beispielsweise,  die 
Koken  in  „Die  Vorwelt  etc."  1893,  S.  130  citirt,  ist  viel  jünger,  sie  datirt  vom 
Jahre  1891,  ebenso  wie  jene  von  Neumayr. 

')  Von  den  von  Barrande  beschriebenen  Arten  wäre  beispielsweise  P. 
opportuna  zu  vergleichen;  ferner  Arten  von  Praelima  Barr.,  vr'ie  infansta  Taf.  99 
und  proava  Taf.  108.  Bekanntlich  sind  auch  die  triadischen  Mysidiopteren  theil- 
weise  zu  Lima  gestellt  worden,  so  insbesonders  von  Stopp  an  i. 


[51        Ueber  die  triadische  LainolIibraucliiateii-CTattiiiig  Mi/sidio^Hera  Sal.  etc.       63 

diidae  und  Praecardiidae  eingetbeilt,  zwischen  den  Luciniden  und  den 
Cardiiden  mitten  inne. 

Die  Praecardiiden  Zittel's  entsprechen  so  ziemlich  den  Car- 
dioliiden  Bens  hause  n's,  allein  der  letztere  weist  seinen  Cardioconchen 
nicht  einen  bestimmten  Platz  unter  den  übrigen  „normalen"  Lamelli- 
branchiaten  an,  sondern  hält  sie  getrennt  von  diesen  als  eine 
Art  Anhang. 

Es  wurde  soeben  bemerkt,  dass  auch  unter  den,  zu  den  Lunuli- 
cardiiden  gestellten  Formen  sich  auffallende  Anklänge  an  Mi/si- 
diopfera  finden.  Das  gilt  vor  allen  von  der  Gattung  Chaenocardla  Meeh 
mAWoyfhen,  deren  Typus  Ch.  ovata  (von  Bens  hausen  1.  c.  S.  364  in 
einer  Copie  dargestellt)  äusserlich  von  triadischen  Mysidiopteren  nicht 
unterschieden  werden  kann  (vergi.  beispielsweise  in  meiner  cit.  Arbeit 
Taf.  XX,  Fig.  16;  Taf.  XXII.  Fig.  14).  Zittel  ist  geneigt ^),  eine 
Anzahl  der  M  ü  n  s  t  e  r'schen  Lunulicardium-Arten  zu  Chaenocardia  zu 
bringen,  deren  Mehrzahl  Beushausen  zu  seiner  neuen  Gattung 
Prosochasma  zieht.  Von  diesen  Arten  ist  besonders  Lumdicardium 
ovatum  Münst.  hervorzuheben,  eine  von  Münster  in  seinen  Beiträgen 
III.,  Taf.  XII,  Fig.  18  abgebildete,  ziemlich  grosse  Art.  Die  Münster- 
sche  Abbildung  ist  wohl  eine  überaus  rohe  und  ungenaue,  aber  es 
liegt  in  der  Sammlung  der  geolog.  Reichsanstält  ein  Exemplar  von 
derselben  Fundstelle  (Schübelhammer),  als  L.  ovatum  Münst.  bestimmt, 
und  dieses  Exemplar  besitzt  eine  geradezu  überraschende  Formen- 
ähnlichkeit mit  der  oben  beschriebenen  Mysidioptem  Emiliae  n.  sp. 
der  alpinen  Trias.  Würde  dieses  Stück,  dass  ich  zum  Vergleiche  auf 
Taf.  VI,  Fig.  8  abgebildet  habe,  aus  der  alpinen  Trias  stammen, 
so  dürfte  man  es  unbedingt  zur  Gattung  Mi/sidioptera  stellen.  Sein 
hinterer  Schlossrand  ist  flügelartig  ausgebreitet  wie  bei  Mysidioptera, 
allerdings  beträchtlich  kürzer  als  bei  der  diesmal  abgebildeten 
alpinen  Art,  was  aber  nicht  in's  Gewicht  fällt,  da  viele  ändere 
Mysidiopteren  einen  weit  kürzeren  hinteren  Schlossrand  besitzen. 
Die  Berippung  reicht  bis  zu  diesem  Schlossrande.  Der  Lunular-Rand 
ist  genau  so  gebildet  (äusserlich)  wie  bei  Mysid.  Emiliae,  wulstig 
vortretend  und  tief  ausgerandet  für  den  Austritt  des  Byssus.  Von 
der  Hauptwölbung  der  Schale  ist  dieser  Lunularrand  aber  schärfer 
abgesetzt  als  bei  Mysidioptera.  Zwischen  der  vortretenden  Vorderecke 
des  Lunularrandes  und  dem  Pallealrande  ist  die  Schale  merklich  ein- 
gezogen, ganz  wie  bei  Mysidioptera  Emiliae.  Trotzdem  die  Schloss- 
region nicht  blossgelegt  werden  kann,  erweist  sich  die  beiderseitige 
Uebereinstimmung  dieser  an  und  für  sich  ziemlich  ungewöhnlich  ge- 
stalteten Bivalven  als  eine  so  grosse,  dass  wohl  wirklich  an  eine 
nähere  Verwandtschaft  beider  gedacht  werden  muss.  Eine  ebene 
Area  des  hinteren  Schlossrandes  ist  ja  überdiess  bei  Lumdicardium 
und  verwandten  Gattungen  bekannt,  so  dass  auch  in  dieser  Hinsicht 
kein  Grund  gegen  die  Annahme  einer  wirklichen  Verwandtschaft 
zwischen  den  triadischen  und  den  palaeozoischen  Formen  angeführt 
werden  kann. 


*)  In  seinem  Handbuche  II.  S.  aG,  wo  er  Lmuilicardium  zu  den  Aviculiden 
rechnet. 


ß4  A.  Bittner  [6] 

Als  weitere  an  My^klioptera  niahiieiide  palaeozoisclie  Lamelli- 
branchiateu  wären  Eiithijdesma  Hall,  und  Opisthocoelus  Beush.  anzu- 
führen, von  letzterer  Gattung  speciell  die  Art  Opisthoc.  concentricus 
Beush.  Taf.  XXXVIII,  Fig.  9—11. 

Ich  bin  aus  den  zuvor  angegebenen  Gründen  sehr  geneigt,  in 
den  triadischen  Mt/sidioptera-kTten  wirklich  mesozoische  Nachkommen 
der  Cardioconchen  B e u s h au s e n's  zu  erblicken.  Da  nun  Mijsidioptera 
unbedingt  zu  den  Mono-  oder  Heteromyariern,  wahrscheinlicher  zu 
den  letzteren  gehört  so  würde,  vorausgesetzt,  dass  meine  Ansicht 
sich  als  richtig  erwiese,  ein  Rückschluss  auf  die  systematische  Stellung 
der  palaeozoischen  Cardioconchen,  die  bisher  als  völlig  zweifelhaft 
gilt,  zulässig  sein  und  diese  Cardioconchen  müssten  dann  ebenfalls 
definitiv  zu  den  Heteromyariern,  etwa  in  die  Nähe  der  Aviculiden 
(oder  zu  den  Monomyariern  in  die  Nähe  der  Limiden)  oder  zwischen 
beide  Gruppen  eingereiht  wären,  wodurch  ein  wichtiger  Schritt  in  der 
Richtung,  den  grössten  Theil  der  palaeozoischen  Lamellibranchiaten- 
Genera  incertae  sedis  —  der  ehemaligen  „Palaeoconchen"  Neumayr's 
—  endlich  einmal  systematisch  richtig  zu  definiren,  gethan  wäre. 

Man  wird  vielleicht  meiner  Ansicht  die  hie  und  da  in  ziemlich 
summarischer  Weise  ausgesprochene  Angabe,  dass  die  „Palaeoconchen" 
zwei  gleiche  Muskeleindrücke  besitzen,  entgegenstellen.  Dem  gegen- 
über ist  hervorzuheben,  dass  gerade  die  hier  zum  Vergleiche  herbei- 
gezogenen palaeozoischen  Gattungen  in  dieser  Hinsicht  entweder 
völlig  unbekannt  sind,  oder  dass  sie  sogar,  wie  einzelne  der  von 
B  e  u  s  h  a  u  s  e  n  beschriebenen  Formen  (Prosoclia^ma,  S.  44(3)  nur 
einen  M  u  s  k  e  1  e  i  n  d  r  u  c  k  besitzen,  weshalb  aucli  schon  B  e  u  s- 
hausen  bemerkt,  es  scheine  fast,  als  seien  diese  Formen  zu  den 
Heteromyariern  (im  Sinne  Free  h's  =  Monomymarier  und  Hetero- 
myarier  aut.)  zu  rechnen.  Die  Berufung  auf  die  angeblich  beiden 
gleichen  Muskeleindrücke  dieser  palaeozoischen  Formen  hat  also  bei 
dem  heutigen  Stande  unserer  Kenntnis  über  dieselben  nur  geringes 
Gewicht.  Es  handelt  sich  ja  hier  in  erster  Linie  um  die  Cardioconchen 
Beushausen's  und  da  beziehe  ich  mich  denn  wieder  auf  die  Diagnose 
der  Cardioliden  bei  Bens  hausen,  S.  444,  wo  es  heisst:  „Inneres 
unbekannt",  was  sich  S.  445  für  die  Lunulicardiiden  wiederholt. 

Die  als  palaeozoisch  zu  bezeichnenden  Typen  unter  den  Lamelli- 
branchiern  der  alpinen  Trias  werden  durch  Mißidiopteya  um  ein 
wesentliches  Element  vermehrt.  Auf  das  palaeozoische  Gepräge  der 
Gattung  hat  übrigens  schon  Salomon  1  c.  S.  117  hingewiesen  und 
auch  ich  habe  Abb.  XVIII,  S.  191,  198  auf  gewisse  Aehnlichkeiten 
mit  Mi/alina  und  MytUarca  aufmerksam  gemacht.  Die  palaeozoischen 
Anklänge  innerhalb  der  Trias-Lamellibranchiaten  sind  ja  überhaupt 
etwas  recht  allgemeines.  Das  gilt  bekanntlich  für  die  Myophorien  und 
Megalodonten,  für  die  Aviculopectines  und  Streblopterien,  für  die 
Fseudomonotis  und  Myalinen  *). 

^)  Erst  neuestens  wieder  beschreil)t  E.  Philippi  in  Zeitschr.  d.  D.  g.  ü. 
LI.  Bd.,  Juni  1899,  S.  63  aus  deutschem  Muschelkalke  eine  neue  Mi/a/ina  und 
einen  neuen  Streblopteria-arügcn  Pecten.  Hier  sei  auch  der  von  mir  beschriebenen 
Mijalina  Schamarae  aus  dem  Hüd-Ussuri-Gebiete  der  ost-sibirischen  Jiüstenprovinz 
gedacht.  (Mem.  du  Com.  geol.  vol.  VII.  Nr.  4,  St.  Petersburg  1H99.) 


[7]        Ueber  die  tritidisclio  Lamellibranehiaton-Gaftung  Mysidioptera  Sah  etc.        65 

Was  speciell  Fsewiomonofii^  anbelangt,  so  möchte  ich  mich  auf 
die  Hinweise  im  Jahrbuclie  der  geolog.  Reichsanstalt  Bd.  48,  1899, 
S.  714,  716  und  Mem.  du  Com.  geol.  St.  Petersburg,  vol.  VII.  Nr.  4 
S.  10  beziehen. 

Eine  zahlreiche  Vertretung  von  Palaeone/Jo  {Cfenodonfa)  in  der 
alpinen  Trias  ist  durch  die  Abhandlungen  der  geolog.  Reichsanstalt 
XVIII,  S.  133  ff.  bekannt  geworden. 

Die  von  mir  im  Jahrbuche  der  geolog.  Reichsanstalt  1891  S.  103 
und  1892,  S.  85  (neben  M;/sidia)  beschriebene  Gattung  Pergamidia 
erinnert  so  auffallend  sii\Avlci(la  hians  WahhchinUlt  aus  dem  rheinischen 
Devon  (Z.  d.  D.  g,  G.  1885,  Taf.  XL,  Fig.  4),  dass  man  an  eine 
wirkliche  generische  Uebereinstimmung  beider  denken  möchte.  Ävicula 
liidtis  ist  von  Neueren  zu  Posidono7n!/a  gestellt  worden.  Die  triadische 
Pergamidia  erreicht  eine  viel  bedeutende  Grösse  als  die  devonische  Art. 

Die  von  Frech  aufgestellte  Gattung  Kochia  der  Aviculiden, 
die  Frech  selbst  mit  Hoernesia  Joannis  Anstriae  vergleicht,  mahnt 
in  ihrer  typischen  Art  {K.  capidiformis)  noch  viel  mehr  an  gewisse 
Cassianellen,  vor  allem  an  Cassianella  avictdaris  Münst.  und  C'a.s.s. 
anqusta  ni.  (Abhandlungen  der  geolog.  Reichsanstalt  XVIII,  Taf.  V. 
und  VI.). 

Und  wenn  man  die  neuen  Abbildungen  bei  Beus hausen 
Taf.  XVIII.  Fig.  5,  6  von  Sohnopsis  pelagica  GoJdf.  mit  den  in  Ab- 
handlungen der  geolog.  Reichsanstalt  XVIII.  Taf.  I,  Fig.  11,  12,  13 
gegebenen  Abbildungen  von  Cnspidavia  gladius  Lhe  {Sohn  caudaf,us 
Hauer)  vergleicht,  so  wird  man  kaum  an  eine  specifische,  geschweige 
denn  an  eine  generische  Verschiedenheit  beider  Arten  denken  wollen. 

Das  wären  so  einige  auffallende  Beispiele  grosser  Ueberein- 
stimmung zwischen  palaeozoischen  und  triadischen  Lamellibranchiaten, 
deren  Mehrzahl  wohl  kaum  auf  eine  zufällige  Formenähnlichkeit, 
sondern  vielmehr  auf  wirkliche  enge  Verwandtschaft  begründet  zu 
sein  scheint. 


Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsaustalt,  1900,  50.  Band,  1.  Heft.  (A.  Bittner.) 


6G  A.  Bittner.  [8] 


Erklärung  zu  Tafel  VI. 

Fig.  1 — 7.  Mysidioptera  Emiliae   nov.   spec.    aus    den    Tuifen    des    Frombachs    der 

Seisseralpe. 
Fig.  1.     Linke  Klappe  eines  kleinen  Exemplars   von  der   Innen-  und  Aussenseite, 

sowie  vergr.  Ansicht  der  Ligament-Area. 
Fig.  2.     Ligament-Area  einer  etwas  grösseren  linken  Klappe,  vergr. 
Fig.  3.     Linke  Klappe   eines  grösseren  Exemplars   in  5  Ansichten  in  nat.  Grösse. 
Fig.  4.     Ligament-Area  einer  rechten  Klappe  in  3  Ansichten. 
Fig.  5.     Rechte  Klappe  mit  breiterer  Ligament-Area,  als  die  der  Klappe  Fig.  4  ist. 
Fig.  6.     Rechte  Klappe  mit  sehr  breiter  Ligament-Area  in  5  Ansichten. 
Fig.  7.     Steinkern   einer  linken   Klappe   in    natürl.    Grösse    und   Partie    vor    dem 

Wirbel  desselben  vergr. 

(Die    sämmtlichen    hier    abgebildeten   Stücke    in    der   Sammlung    des    kais. 
naturhist.  Hofmuseums  in  Wien.) 

Fig.  8.  LunuJicardinni    ovatuni  Miinst.    von  Schübelhammer.    Eine    rechte    Klappe, 
z.  gr.  Theile  Steinkern.  Sammlung  der  geologischen  Reichsanstalt. 


A.Bittiier.ÜberMysidioptcMa 

7. 


T:ir.VI. 


'/J^ß- 


A.SwoTjod.a  n  iNat  öezu-lith 


Litli/Viist  v-Tli  BannwarthWicn 

Jahrbuch  der  k.k. Geologischen  Reichsanslah.  Band  L.1900. 

Verlag  der  kk.GeologischenReichsanstalt.Wien.Ill.Rasumoffskygasse  23. 


Lieber  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen 
Kreideformation. 

Vou  C.  Zahalka. 

Mit  vier  Tabellen. 

Wie  aus  meinen  früheren  Arbeiten  ^)  bekannt  ist,  habe  ich  die 
Kreideformation  Westböhmens  in  zehn  Zonen  gegliedert  und  dieselben 
von  unten  nach  oben,  also  von  der  ältesten  Zone  zur  jüngsten  fort- 
schreitend, mit  den  römischen  Zahlen  I — X  bezeichnet. 

^)  Bericht  über  die  Resultate  der  stratigraphischen  Arbeiten  in  der  west- 
bölimischen  Kreideformation.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  Wien  1899.  Bd.  49,  H.  3. 

Die  stratigraphische  Bedeutung  der  Bischitzer  Uebergangsschichten  in 
Böhmen.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  Wien  1895.  Bd.  45,  H.  1. 

Päsmo  X.  kfidoveho  ütvaru  v  Poohfi.  S  obr.  70—85.  (Zone  X  der  Kreide- 
formation im  Egergebiete.  Mit  Fig.  70—85.)  Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d. 
Wissensch.  Prag  1899. 

Päsmo  IX.  kfidoveho  ütvaru  v  Poohfi.  S  obr.  56—69.  (Zone  IX  der  Kreide- 
formation im  Egergebiete.  Mit  Fig.  56--69.)  Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d. 
Wissensch.  Prag  1899. 

Päsmo  VIII.  kfidoveho  ütvaru  v  Poohfi.  S  obr.  55.  (Zone  VIII  der  Kreide- 
formation im  Egergebiete.  Mit  Fig.  55.)  Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d. 
Wissensch.  Prag  1898. 

Päsmo  V.,  päsmo  VI.  a  päsmo  VII.  ütvaru  kfidoveho  v  Poohfi.  S  obr.  51 — 54. 
(Zone  V,  Zone  VI  und  Zone  VII  der  Kreideformation  im  Egergebiete.  Mit  Fig.  51 — 54.) 
Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch.  Prag  1898. 

Päsmo  IV.  ütvaru  kfidoveho  v  Poohfi.  S  obr.  28—50.  (Zone  IV  der  Kreide- 
formation im  Egergebiete.  Mit  Fig.  28—50.)  Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d. 
Wissensch.  Prag  1897. 

Päsmo  in.  ütvaru  kfidoveho  v  Poohfi.  S  obr.  16 — 27.  (Zone  III  der  Kreide- 
formation im  Egergebiete.  Mit  Fig.  16 — 27.)  Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d. 
Wissensch.  Prag  1897. 

Päsmo  II.  ütvaru  kfidoveho  v  Poohfi.  S  obr.  12^15.  (Zone  II  der  Kreide- 
formation im  Egergebiete.  Mit  Fig.  12 — 15.)  Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d. 
Wissensch.  Prag   1897. 

Päsmo  I.  ütvaru  kfidoveho  v  Poohfi.  S  obr.  1 — 11.  (Zone  I  der  Kreideformation 
im  Egergebiete.  Mit  Fig.  1  —  11.)  Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch. 
Prag  1897. 

Geotektonika  kfidoveho  ütvaru  v  Poohfi.  (Geotektonik  der  Kreideformation 
im  Egergebiete.)  Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch.  Prag  1899. 

Palaeontologie  ütvaru  kfidoveho  ve  Vysocine  Ripske  a  v  Polomenych  Horäch. 
(Palaeontologie  der  Kreideformation  im  Ripplateau  und  im  Daubaer  Gebirge.) 
Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch.  Prag  1896. 

Stratigraphie  kfidoveho  ütvaru  Ripsk6  Vysociny  a  Polomenych  Hör.  Strati- 
graphie  der  Kreidefonmation  im  Ripplateau  und  im  Daubaer  Gebirge.)  Sitzungsb. 
d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch.  Prag  1896. 

Päsmo  IX  kfidoveho  ütvaru  v  okoli  Ripu  s  poznämkou  o  geologickych  näiysech. 
Kokofinske  podoli  mezi  Lhotkou  a  Kokofinem.  S  obr.  52 — 57.  (Zone  IX  der  Kreide- 
formation in  der  Umgebung  von  Rip  mit  einer  Notiz  über  die  geologischen  Auf- 
Jahrbuch d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  1900,  50.  Band,  1.  Heft.  (C.  Zahälka.)  9* 


68  C.  Zahälka.  [2] 

Die  Mehrzahl  dieser  Zonen  sind  nicht  in  allen  Bezirken  der 
westböhmischen  Kreideformation  von  derselben  ])etrographischen  Be- 
schaffenheit, sondern,  wenn  man  dieselben  zum  Beispiel  aus  der  Um- 
gebung von  Raudnitz  nach  NO  und  0  in  das  Daubaer  Gebirge  (Polo- 
mene  Hory)  verfolgt,  so  verändern  sie  sich  in  ganz  andere  Facies. 
Kleinere  Faciesveränderungen  findet  man  in  unseren  Zonen,  wenn 
man  dieselben  in  entgegengesetzter  Richtung  von  Raudnitz  nach  Westen 
durch  das  Egergebiet  bis  nach  Laun  und  Postelberg  verfolgt.  Die 
allmäligen  Uebergänge  einer  Facies  in  die  andere  bei  einer  und  der- 
selben Zone  wurden  von  meinen  Vorgängern  übersehen.  Diese  Facies- 
veränderungen kann  man  nur  dann  feststellen,  wenn  man  jede  ein- 
zelne Zone  Schritt  für  Schritt  zwischen  ihrer  hangenden  und  liegenden 
Zone  verfolgt,  wenn  man  detaillirte  Profile  der  Schichtencomplexe  in 
ganz  kurzer  Entfernung  darstellt,  dabei  überall  die  petrographisch- 
petrologischen,  physikalischen,    palaeontologischen    und    Mächtigkeits- 


risse. Das  Kokofiner  Thalgebiet  zwischen  Lhotka  und  Kokofin.  Mit  Fig.  52 — 57.) 
Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch.  Prag  1895. 

Päsmo  IX.  ütvaru  kfidoveho  mezi  Chocebuzy  a  Vidimi  v  Polonienych  Horäch. 

5  obr.  58,  59  a  3  obr.  v  textu.  (Zone  IX  der  Kreideformation  zwischen  Zebus  und 
Vidini  im  Daubaer  Gebirge.  Mit  Fig.  58,  59  und  3  Fig.  im  Text.)  Sitzungsb.  d. 
k.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch.  Prag   1896. 

Päsmo  IX.  ütvaru  kfidoveho  v  okoli  Ripu.    Nebuzelske  podoli.    S  obr.  51   a 

6  obr.  V  textu.  (Zone  IX  der  Kreideformation  in  der  Umgebung  von  Rip.  Nebuzeler 
Thalgebiet.  Mit  Fig.  51  und  6  Fig.  im  Text.)  Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch. 
d.  Wissensch.  Prag  1895. 

Pasmo  IX.  ütvaru  kfidoveho  v  okoli  Ripu.  Jenichovsk6  podoli.  S  obr.  50. 
(Zone  IX  der  Kreideformation  in  der  Umgebung  von  Rip.  Jenichower  Thalgebiet. 
Mit  Fig.  50.)  Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch.  Prag   1895. 

Pasmo  IX.  ütvaru  kfidoveho  v  okoli  Ripu.  Repinske  podoli.  S  obr.  44 — 49 
na  5  ,tab.  a  3  obr.  v  textu.  (Zone  IX  der  Kreideformation  in  der  Umgebung  von 
Rip.  Repiner  Thalgebiet.  Mit  Fig.  44  —  49  auf  5  Taf.  und  3  Fig.  im  Text.)  Sitzungsb. 
d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch.  Prag  1895. 

Geologickö  mapy  Podfipska:  Vysocina  Klapska  [barvotisk].  (Geologische 
Karten  der  Umgebung  von  Rip:  Rijjplateau  [Farbendruck].)  Raudnitz  1895. 

Geologick6  profily  Podfipska.  S  obr.  ;i7 — 41.  (Geologische  Profile  der  Um- 
gebung von  Rip.  Mit  Fig.  37—41.   [Farbend/iick.])  Raudnitz  1894. 

Päsmo  X.  ütvaru  kfidoveho  v  okoli  Ripu.  S  obr.  42,  43  a  1  tab.  (Zone  X 
der  Kreideformation  in  der  Umgebung  von  Rip.  Mit  Fig.  42,  43  und  1  Tab.) 
Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch.  Prag  1894. 

Päsmo  IX.  kfidoyöho  ütvaru  v  okoli  Rijju.  (Zone  IX  der  Kreideformation 
in  der  Umgebung  von  Rip.)  .Tahresb.  d.  landw.  ^Mittelsch.  Raudnitz  1894. 

Päsmo  Vlll.  kfidoveho  ütvaru  v  okoli  Ripu.  S  obr.  3{).  (Zone  VIII  der 
Kreidefornuition  in  der  Umgebung  von  Rij^  Mit  Fig.  36.)  Sitzungsb.  d.  k.  böhm. 
Gesellsch.  d.  Wissensch.  Prag  1894. 

Päsmo  Vi  1.  kfidov(5ho  ütvaru  v  okoli  Ripu.  (Zone  VII  der  Kreidefornuition  in 
der  Umgebung  von  Rip.)  Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  (Jesellsch.  d.  Wissensch.  Prag  1893. 

Päsmo  VI.  kfidoveho  ütvaru  v  okoli  Ripu.  (Zone  VI  der  Kreideformation  in 
der  Umgebung  von  Rip.)  Sitzungsb.  d.  k.  l)öhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch.  Prag  1893. 

Stratigrafie  ütvaru  kfidoveho  v  okoli  Ripu.  Päsmo  IV.,  i)äsmo  V.  S  35 
profily  a  profilometrem  na  36  tabulkäch  (Stratigrajihie  d(!r  Kreideformation  in 
der  Unige])ung  von  Rip.  Zone  I V,  Zone  V.  Mit  35  Profilen  und  Profilometer  auf 
36  Tab.)  Jahresb.  d.  landw.  Mittelsch.  Raudnitz   1893. 

Petrografickä  studia  v  kfidovöm  ütvaru  okoli  Ripu.  (Petrographische  Studien 
in  der  Kreideformation  der  Umgebung  von  Ri]).)  Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  («escllsch. 
d.  Wissensch.  Prag  1893. 

0  tfech  nejstarsich  j^äsmech  kfidoveho  ütvaru  v  okolf  Ripu.  Päsmo  1., 
päsmo  II,,  päsmo  III.    (Ueber  die  drei  ältesten  Zonen  der  Kreideformation  in    der 


[3]  lieber  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation.  69 

Verhältnisse ,  aiu'h  ihre  Meeresliöhe,  Streichen  und  Fallen  studirt  und 
gleichzeitig  die  geologischen  Karten  in  grösserem  Maßstabe  (z.  B. 
1:25.000)  ausarbeitet.  Durch  solches  20jahriges  Studium  bin  ich  zu 
überraschenden  Resultaten  gekommen.  Zum  Beispiel: 

Die  typischen  W  eissenb  erger  Schichten  (unsere 
Zone  III)  am  Weissenberge  bei  Prag  sind  aequivalent  nur  den 
Semitzer  Mergeln  (III)  bei  Melnik  und  Vsetat,  so  dass  die  Dfinovver 
Knollen  (IV) ,  Raudnitzer  Schichten  Z  a  h  A  1  k  a's  (V)  und  die 
Wehlowitzer  Pläner  (VI)  in  der  Umgebung  von  Melnik  und  Raud- 
nitz  jünger  sind  als  die  typischen  Weissenberger  Schichten  (III) 
bei  Prag. 

Der  Malnitzer  Grün  Sandstein  {IV  r)  bei  Malnitz  und 
Laun  ist  aequivalent  den  höchsten  Schichten  der  Zone  IV  der  west- 
böhmischen Kreideformation,  also  den  höclisten  Schichten  der  Dfinower 
Knollen  (IV)  bei  Melnik  uud  Raudnitz. 


Umgebung  von  Rip.  Zone  I,  Zone  11,  Zone  III.)  Sitzungsb.  d.  k.  l)öhm.  Dcsellscli. 
d.  Wissensch.  Prag  1893. 

Geotektonika  kfidoveho  ütvaru  v  okoli  Ripu.  Se  4  obr.  (Geotekt-onik  der 
Kreideformation  in  der  Umgebung  von  Rip.  Mit  4  Fig.)  Sitzungsb.  d.  k.  böhin. 
Gesellscb.  d.  Wissensch.  Prag  1893. 

0  souvrstvi  glaukonitickeho  väpniteho  slinu  v  Polabi  Litomeficko-melnickem. 
S  2  obr.  (Ueber  die  Schichten  des  glaukonitischen  kalkigen  Mergels  in  dem 
Leitmeritz-Melniker  Elbethale.  Mit  2  Fig.)  Sitzungsb.  d.  k,  böhm.  Gesellsch.  d. 
Wissensch.  Prag  1891. 

0  nove  füssilni  spongii  SoUdinodiis  Poctai.  S  1  tab.  (Ueber  eine  neue  fossile 
Spongie  Solidinodiis  Poctai.  Mit  1  Taf.)  Sitzungsb.  d.  k.  l)öhm.  Gesellsch.  d. 
Wissensch.  Prag  1889. 

Canierospongia  monostonm  z  ceskeho  ütvaru  kfidoveho.  S  1  tab.  (Caniero- 
spoiigia  moiiostoma  aus  der  böhmischen  Kreideformation.  Mit  1  Taf.)  Sitzungsb. 
d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch.  Prag  1889. 

Prvni  zpräva  o  geolog.  pomerech  vysiny  Brozanske.  S  1  tab.  (Erster  Bericht 
über  die  geologischen  Verhältnisse  der  Brozaner  Anhöhe.  Mit  1  Taf.)  Sitzungsb. 
d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch.  Prag  18S4. 

Druhä  zprava  o  geolog.  pomerech  vysiny  Brozanske.  S  1  tab.  a  2  obr.  v 
textu.  (Zweiter  Bericht  über  die  geologischen  Verhältnisse  der  Brozaner  Anhöhe. 
Mit  1  Taf.  und  2  Fig.  im  Texte.)  Sitzungsb. d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch. 
Prag  1887. 

Thecosiphonia  craniata  Zah.  S  1  tab.  Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d. 
Wissensch.  Prag  1887. 

Beitrag  zur  Kenntnis  der  Phymatellen  der  böhmischen  Kreideformation. 
Melanges  phys.  et  chim.  tires  du  Bulletin  de  TAcadömie  imper.  des  sciences  de 
St.  Petersbourg.  Tome  XII.  1886. 

VerrucocoeUa  vectenaU  Hm.  S  \  tab.  Sitzungsb.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d. 
Wissensch.  Prag  1F8G. 

Ueber  zwei  Spongien  aus  der  Kreideformation  von  Raudnitz.  Beiträge  zur 
Palaeontologie  Oesterreich-Ungarns  und  des  Orients,  Bd.  V,  H.  2.  Wien  1885. 
Mit  2  Taf. 

Scytalia  pertusa  z  pyrop.  sterku  u  Chodoulic  a  z  Bfezenskeho  päsma  ütvaru 
kfidoveho  u  Brozan.  [Scytalia  pertusa  aus  dem  Pyropengerölle  l)ei  Chodoulic  und 
aus  den  Priesener  Schichten  der  Kreideformation  bei  Brozan.)  Zeitsehr.  d.  geol. 
Vereins.  Prag  1885. 

Ueber  Isoraphinia  texta  und  Scytalia  pertusa  aus  der  Umgebung  von 
Raudnitz.  Mit   1   Tab.   Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  d.  Wissensch.  Wien   1885. 

Geologie  vysiny  Rohatecke  u  Roudnice.  S  2  tab.  (Geologie  der  Rohatezer 
Anhöhe  bei  Raudnitz.  Mit  2  Taf.)  Sitzungsb.  d,  k.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch. 
Prag  1885. 


70  C-  Zahälka.  [4] 

Die  Launer  Knollen  Fric's  bei  Laun  und  überall  in  der 
westböhmiseben  Kreideformation  sind  kein  selbständiger  Horizont  der 
böbmiscben  Kreide.  Sie  gehören  zu  verschiedenen  Zonen,  bei  Laun 
besonders  zu  den  Horizonten  IV /•  und  V«. 

Die  Angabe  von  Reuss,  der  Exogy rensandstein  (IV e)  von 
Malnitz  liege  unter  dem  dortigen  Grünsandsteine  (IV r)  ist  richtig; 
nicht  die  spätere  Angabe  beim  Krejcf  und  Fric,  dass  der  Exogyren- 
sandstein  (IV  ^0  über  dem  Grünsandsteine  (IVr)  liegt. 

Die  M  a  1  n  i  t  z  e  r  A  v  e  1 1  a  n  e  n  s  c  h  i  c  h  t  e  F  r  i  c's  bei  Malnitz  ist 
die  unterste  Bank  des  Horizontes  V  a. 

Die  Z  0  n  e  V  wurde  entweder  übersehen  (Umgebung  von  Raud- 
nitz)  oder  zu  verschiedenen  Zonen  gezählt,  im  Egergebiete  besonders 
zu  den  Teplitzer  Schichten  (X), 

Die  13ischitzer  Uebergan  gss  chicht  en  sind  auch  kein 
selbständiger  Horizont  der  böhmischen  Kreide.  Die  typischen  Bischitzer 
Schichten  in  Bischitz  und  Oecelic  gehören  zu  den  höchsten  Schichten 
(r)  der  Zone  IV,  gerade  so,  wie  der  Grünsandstein  von  Malnitz  (IV /•). 
Die  Bischitzer  Schichten  in  anderen  Gegenden  gehören  zu  ver- 
schiedenen Zonen  unserer  Kreide. 

Der  grösste  Theil  der  I  s  e  r  s  c  h  i  c  h  t  e  n,  und  zwar :  der  Hledseber 
Zwischenpläner,  der  zweite  Kokoriner  Quader,  die  Chorousker  Trigonia- 
schichten  und  die  Kaniner  Bryozoenschichten,  die  zusammen  unserer 
Zone  IX  entsprechen,  sind  aequivalent  den  Priesener  Schichten  (IX) 
in  der  Umgebung  von  Laun  (Priesen,  Leneschitz  etc.). 

Die  P  r  i  e  s  e  n  e  r  S  c  h  i  c  h  t  e  n  i  n  P  r  i  e  s  e  n  sind  nur  der  obere 
Theil  der  Priesener  Schichten  (IX)  des  Egerthales.  Bei  der  Lene- 
schitzer  Ziegelhütte  und  am  Velky  vrch  bei  Vrsovic  ist  auch  der 
untere  Theil  der  Priesener  Schichten  (IX)  zugänglich. 

Die  Teplitzer  Schichten  (X)  sind  n  i  c  h  t  älter  als  die 
Priesener  S  ch  ich  ten  (IX),  sondern  umgekehrt.  Ueberall,  wo  man 
die  Teplitzer  (X)  und  Priesener  Schichten  (IX)  übereinander  auf- 
gedeckt findet,  werden  die  Priesener  Schichten  (IX)  durch  die  Tep- 
litzer Schichten  (X)  bedeckt.  Als  Liegendes  der  Priesener  Schichten 
findet  man  überall  in  unserer  Kreideformation  die  Zone  VIII  und  nie 
die  Zone  X. 

Die  Zone  VIII  wurde  von  den  Geologen  im  Egergebiete  ent- 
weder als  Weissenberger  Schichten,  oder  als  Malnitzer  oder  als 
Teplitzer  Schichten  erklärt. 

Der  klingende  Ino  ceram  enplä  n  er  (X^^),  der  in  der 
westböhmischen  Kreide  die  höchste  Lage  der  Teplitzer  Schichten  ein- 
nimmt, ist  nicht  aequivalent  den  Priesener  Schichten  (IX)  bei  Lene- 
schitz und  Priesen. 

Sehr  viele  andere  Beispiele  findet  der  Leser  in  den  nach- 
stehenden Zeilen  dieses  Artikels. 

Ich  habe  schon  erwähnt,  dass  durch  die  Faciesveränderungen 
in  unserer  Kreideformation  eine  und  dieselbe  Zone  in  verschiedenen 
Gegenden  petrographisch  verschieden  sein  kann.  Mit  der  Facies- 
veränderung  ändert  sich  aber  auch  die  Vergesellschaftung  der  Versteine- 
rungen, wie  ich  oft  bewiesen  habe.  Es  kann  also  in  einer  mergeligen 
Zone   eine    ganz    andere    Gesellschaft   charakteristischer    Petrefacten 


[^] 


Ueber  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation. 


71 


herrschen  als  innerhalb  derselben  Zone,  wenn  sie  in  einer  sandigen 
Facies  entwickelt  ist.  Da  den  Geologen  diese  Umstände  in  unserer 
Kreideformation  nicht  bekannt  waren,  da  sie  die  stratigraphischen  Ver- 
hältnisse nicht  ins  Detail  studirten,  so  ist  klar,  dass  die  Erklärung 
der  geologischen  Profile  oft  in  kurzen  Distanzen  nicht  befriedigend 
ausgefallen  ist.  Eine  und  dieselbe  Zone  in  ganz  kleinen  Entfernungen 
wurde  anders  bestimmt.  So  wurde  z  B.  die  Zone  VIII  von  Fric, 
Krejcl  und  Gümbel  in  folgender  Weise  bestimmt  (siehe  Tab.  II): 


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Nach  dieser  Tabelle  wurde  also  unsere  Zone  VIII  nur  von  den 
drei  genannten  Geologen  an  verschiedenen  Orten  der  westböhmischen 
Kreide  für  die  Zone  III,  IV,  V  (unterste  Schichte),  VI,  VIII,  IX  und 
X  gehalten ! 

Mehrere  ähnliche  Beispiele  findet  man  in  diesem  Artikel  und 
übersichtlich  auf  der  Tab.  II. 

Wie  die  Geologen  verschiedene  Horizonte  für  eine  und  dieselbe 
Zone  gehalten  haben,  geht  aus  nachfolgendem  Beispiel  hervor.  Fric 
erklärte  als  W^ehlowitzer  Pläner  (VI)  folgende  Zonen  Z  a  h  ä  1  k  a's  : 


f.  Zabiilkn:  üeber  ilk-  Sclmlil,.nrolf,'.>  ,l,i   w.sll 


Zahälka's  Zonen  der  westböhmischen  Kreideformation  im  Vergleiche  zu  älteren  Gliederungsversuchen. 


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1807-1802 

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1869—1877 

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Grauer 
Kalkstein 
Exogyren- 
sandstein 

Exogj'ren- 
Sandstein 

j 

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- 

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Sautktein 

Priesenei-,                   2 
Hundorfer,                  'S 

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Malnit/.er 
Libocher, 
Melniker 
Sihichton 

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u 

Julirbucli  d.  k.  k.  geol.  Beichsaiistalt.  lOOO.  50.  Bund.  l.  Helt.  (C.  Ziiluilkfi.) 


C.  ZahAlka:  üeber  die  SeUchtenfolge  da-  westböhmischen  Kreideformation. 


Friö's  Schichten  der  westböhmischen  Kreideformation  gehören  zu  nachfolgenden  Zonen  Zahällca's: 


N 

Fric 



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1     k 

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IX 

Priesenei-  Scliichten 

- 

- 

- 

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- 

- 

- 

- 

- 

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- 

- 



- 

- 

- 

IX 

- 

V 

- 

- 

- 

- 

V 

- 

- 

- 

- 

IX 

IXunt. 
VIII 

IX 
ober. 

X 

Teplitzei-  Schichten 

- 

- 

- 

Xbca 

- 

- 

- 

- 

IX  rf 

- 

- 

X 

Xdcb 

Xah 

mm. 

X6 

IX  näh. 

_ 

- 

- 

V 

V 

V 

- 

- 

IX  rf 

1 

i 

Biyozoen-Schichten 



~ 

- 

- 

- 

- 

— 

- 

- 

- 

IXrf 

- 

- 

IX  rf 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

IX  c 

Trigonia-Schicliten 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

Yd 

IXdc 

IX  c 

IX  c 
1X6 

- 

Yd 

IX  c 

- 

- 

- 

- 

_ 

- 

- 

- 

- 

— 

- 

- 

IX  J 

Zweiter  Koiofmer  Quader 

- 

- 

- 

IX 

- 

- 

- 

- 

- 

Yd 

1X6 

1X4 

- 

Yd 

1X6 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

IX  a 

Hledseber  Schichten 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

IX  r. 

IXa 

IX  o 

IX» 

Yd 

IX  0 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

_ 

- 

- 

VIII Ä 

Erster  Kokofiner  Quader 

VIII 

- 

- 

IX 

VIII 

- 

VIII 

- 

- 

Yd 

VIII 
bis 
IV 

VIIU 

VIII/i 

villi 

Yd 

VlIIA 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

IV /• 

Bysitzer  Uebergangsschichten 

- 

- 

- 

VIII 

- 

- 

- 

- 

- 

IV,- 

- 

- 

VII 

lYf 

— 

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- 

- 

- 

- 

- 

- 

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- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

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1 

1 
1 
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Malnitzer  Avellauenschichte 

VIII 

VIII 

VI 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

IV 

- 

- 

- 

IV 

- 

- 

Va 

- 

- 

- 

- 

Vn 

- 

Vn 

- 

- 

- 

- 

Va 

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Launer  Knollen 

VII 

VIII 
VII 

VI 

VII 
VI 

VI 

- 

VIII 

- 

- 

- 

- 

— 

IV 
IV 

- 

- 

- 

- 

- 

~ 

- 

- 

- 

IV  e 

IV  e 

III 

- 

IV»-- 

Malnitzer  Gi-iinsand 

VII 

VII 

VI 

V 

VI 

- 

- 

villi 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

IV 

- 

- 

- 

IV.- 

IV  ,-■ 

IV,-- 

IV  f 

- 

- 

- 

VI 

ll 

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Wehlowitzer  Planer 

VI 

III 

VI 

VI 

V 
IV 

VI 

VI 

VI 

VIII 

- 

IV 

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- 



- 

IV 

- 

- 

- 

- 

- 

III 

III 

III 
III 

VIII 

- 

- 

IV  c 

IV..-,. 
III 

III 

III 

- 

IV 

Dfinower  Knollen 

Yd 
IV 

V 
IV 

V 
IV 

- 

V 

v;^ 

V 

VIII 
VII 

V,  VI 

IV 
unt. 

IV 

- 

- 

IV 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

III 

- 

- 

- 

- 

III 

_ 

- 

III 

Semitzer  Mergel 

III 

- 

IV 

- 

IV 

Vd 

IV 

IV 

III 

III 

- 

- 

- 

III 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

III 

III 
II 

- 

- 

- 

II 
I 

III 

- 

II 

Korycaner  Schicliten 

II 

- 

- 

-    - 

- 

- 

- 

II 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

— 

- 



II 

- 

- 

- 

- 

- 



- 

I 

Perutzer  Schichten 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

I 

1 

- 

- 

- 

- 

- 

KrejCi's  Schichten  der 

westböhmischen  Kreideformation  gehören  zu 

nachfolgenden 

Zonen  Zahälka's: 

GUmbers  Schichtender  westböhm.  Kreideformation  gehören  zu 

nachfolgenden  Zonen  Zahälka's: 

Z  a  h  Ä  1  k  a 

Z  a  h  a  1  k  A 

Krejii 

i 

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1 

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13 

ZahiUka 

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IX 

Pi-iesener  Schichten 

V 

V 

- 

IX 

IX 

IX 

- 

- 

Xd 

- 

- 

Xrf 

Xrf 

Xrf 

- 

Xrf 

Xrf 

- 

IX 

Priesenei-  Schichten 

III 

- 

- 

IX  etc. 
3 

V 

V 

- 

IX 

- 

- 

x\ 

- 

X 

Teplitzei-  Schichten 

V 

V 

- 

X 

IX  tocli. 

IX? 

IX  ob. 
V 

(III) 

III 

^ 

V,  IX 

- 

X6 

X6 

X6 

Yd 

X6 

X6 

- 

X 

Hnndoi-fev  Schichten 

III 

- 

- 

1X1,2 
VIII 
2.3,4 

V 

V 

V 

V 

VI! 
VI 

IX* 

- 

IX 

VIII 

Iserachichten 

IV  e 

IV  e 

- 

- 

VIII 

(iimöcn.) 

IV'; 

- 

III 

~ 

Yd 

IX 
bis 
V 

IX 

viii;. 

VIII 

IX 

bis 
V 

IX 

VIII 

IX 

VIII 

IV,^e 

Malnitzer  Schichten 

III 

- 

- 

Villi 

TV 

Vf. 

IV 

IV  r 

< 

- 

IX» 

- 

IV /■ 

Malnicer  Schichten 

IV  c 

IVj- 

III 

- 

- 

ffll) 

III 

- 

- 

VIII  ml. 
Vir 

4,3,  2 

VI 

- 

IV 
III 

VI 
V 

VIII 
VII 

IV 

Libocher  Schichten 

III 

ll 

- 

IV 

_ 

- 

- 

l„, 

IV 

- 

VIII 
ober. 

- 

in 

Weissenberger  Schichten 

III 

III 

III 

VIII 

III 

- 

III 

III 

~ 

Ui 
bis 
X 

IV 
III 

IV 
III 

VIII 
bis 

III 

V 

IV 
III 

VIII 
bis 
IV 

III  obere 

III  unterste 
II 

Melniker  Schichten 

III 

in 

III 

- 

- 

III  ob 

- 



11 

Koi^conei-  Schichten 

Irfll 

II 
Irf 

III  Th. 
II 

- 

- 

- 

II 

II 

- 

II 

II 

- 

IV.- 

II 

- 

- 

- 

Tuchomeritz-Panki-atzer 
Schichten 

II 

I! 

II 

- 

- 

- 

- 

II 

- 

- 

- 

i 

Pei-ucei-  Schichten 

K 

n 

- 

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I 

I 

- 

I 

~ 

~ 

~ 

~ 

~ 

~ 

" 

II 

Rudistenschichten  etc. 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

II 

I 

Perutzer  Schichten 

I 

I 

1 

- 

- 

- 

- 

I 

- 

- 

- 

- 

Jahrbuch  d-  k.  k. 


Beidiaaiiatalt,  lOOO,  50.  Band,  i.  Heft.  (U.  ZahAlka.) 


74 


C.  Zahsilka. 


[8] 


Profil  bei  Pfestavlk. 

Krejcl:  Studien,  Fig.  18  rechts. 

Zahälka:  Zone  I,  II  und  III  der  Kreideformation  in  der  Umgebung 
von  fop.  S.  7-9,  11—12,  19-22.  Fig.  3.  Geotektonik.  S.  2—4. 
Fig.  2. 


Z  a  li  jI  1  k  a 

Krejcl 

Z  all  iUka 

III 

t 

Teplitzer  Schichten 

X 

m  j 

Malnitzer  Schichten  und  Iserschichten 

IV  r;  VIII,  IX 

0 

Weissenberger  Schichten 

III 

II 

k 

Korycaner  Schichten 

II 

I 

P 

Perutzer  Schichten 

1 

In  der  linken  Randcolonne  sind  meine  Zonen  in  Pi'estavlk  an- 
gegeben, zu  denen  Krejcfs  Schichten  ;>  bis  t  gehören;  z.  B.  die 
Schichten  o,  w,  j  und  t  gehören  zu  unserer  Zone  III,  die  Schichten 
k  zur  Zone  II  etc.  In  der  rechten  Randcolonne  ist  wieder  angegeben, 
welchen  unserer  Zonen  die  typischen  Schichten  K  r  e  j  c  fs  —  mit 
denen  er  die  Scliichten  bei  Pfestavlk  parallelisirt  hat  —  angehören. 
Also:  die  Teplitzer  Schichten  Kr ejcfs  in  Teplitz  zur  Zone  X,  die 
Malnitzer  Schichten  Krejcl's  in  Malnitz  zum  Horizonte  r  der  Zone 
IV  etc.  Daraus  geht  aber  hervor,  dass  Krejcf  unsere  Zone  III  (die 
wahren  Weissenberger  Schichten  am  Weissenberge)  bei  Pfestavlk  für 
die  Zonen  III  +  IVr  +  VIII  +  IX  +  X  gehalten  hat  (das  heisst : 
für  seine  Weissenberger  Schichten  am  Weissenberge  +  Malnitzer 
Grünsand  bei  Malnitz  +  Iserschichten  im  Isergebiete  +  Teplitzer 
Schichten  bei  Teplitz).  Diese  tabellarische  Vergleichung  genügt  aber, 
wie  wir  sehen  werden,  nicht  immer,  und  es  zeigte  sich  oft  noth- 
wendig,  Bemerkungen  beizufügen. 

Die  Profile,  die  wir  jetzt  durchgehen  werden,  sind  zuerst  jene 
des  ersten  Stratigraphen  unserer  westböhmischen  Kreide,  Peuss; 
dann  folgen  die  Profile  U  o  m  i  n  g  e  r's,  J  o  k  e  1  y's,  L  i  p  o  1  d's,  G  ü  m- 
bel's,  S  eil  lön  bach's,  Krejcfs  und  Fric's. 


[^ 


Uebcr  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation. 


75 


Schichtenfolge  der  Kreidefornintioii  in  Westböhnien. 

Reuss:  Die  Kreidegebilde  des  westl.  Böhmens,  S.  5  etc.  Prag  1844. 
Zahälka:  Zone  I,  II  etc.  bis  X  des  Egergebietes. 


Z  a  li  ä  1  k  a 

Reuss 

— 

Oberer  Quadersandstein 

X 

X 

Oberer  Plänerkalk 

Plänerkalk 

Plänerschichten 

V 

Unterer  Plänerkalk 

IX 

Plänermergel 

III 

Plänersandstein 

IV 

lYr 

Grünsandstein  von  Malnitz 

Unterer 
Quadersand- 
stein 

IV  e 

Grauer  Kalkstein  von  Cencic 
Exogyrensandstein  von  Malnitz 

IV  c 

Grauer  Sandstein  von  Lippenz 

I,  II 

Th( 

und  unt 
;n  von 

erster 
[11 

Unterster  Quader 

Bemerkungen. 

1.  Den  Reuss'sehen  oberen  Quadersandstein  lassen  wir  ausser- 
acht,  da  ich  zum  Studium  desselben  erst  in  nächster  Zeit  gelange. 

"2.  Reuss  hat  gewöhnlich  unsere  Zone  X  als  Plänerkalk,  und 
zwar  oberen  Plänerkalk,  unsere  Zone  V  als  unteren  Plänerkalk  bestimmt. 
Im  nachstehenden  werden  wir  aber  sehen,  dass  Reuss  manchmal 
auch  die  Zone  V  für  den  oberen  Plänerkalk  und  manche  Schichten 
der  Zone  X  für  unteren  Plänerkalk  gehalten  hat. 

3.  Den  grauen  Kalkstein  von  Cencic  kann  man  als  Aequivalent 
des  Exogyrensandsteines  (IV  e)  von  Malnitz  betrachten. 

Schichtenfolge  bei  Wolenic  und  Kostic. 

Reuss:    Die  Kreidegebilde    des  westl.    Böhmens,   S.  20,  38,  40,  53, 
54,  55. 

Zahälka:   Zone    IX   des   Egergebietes,    S.    15 — 25;   Zone  X,    S.  7, 
15—18;  Zone  V,  S.  27—31,  Fig.  56—58. 


Zahälka 

Reuss 

X 

b 

Oberer  Plänerkalk 

a 

Unterer  Plänerkalk 

IX  Ol 
Schi( 

jerstö 
jhten 

Obere  Schichten  des  Plänermergels 

10* 


76 


Ö.  Zahälka. 


[10] 


Bemerk  u  n  g. 

Reu  SS  glaubte,  dass  die  Coprolithschichte  unseres  Horizontes 
Xa  in  Kostic  äquivalent  ist  den  Schichten  unserer  Zone  V  (unterer 
Plänerkalk)  am  Egerufer  in  Laun,  was  unrichtig  ist.  (Siehe  Zone  V 
des  Egergebietes,  S.  27 — 31.) 


Schichteiifolge  in  Ceiicic. 

Reu  SS :  Die  Kreidegebilde  des  westl.  Böhmens,  S.  96. 
Zahälka:  Zone  IV  des  Egergebietes,  S.  25—30,  Fig.  30;  Zone  V, 
S.  20—23. 


Zahälka 

Reuss 

V 

Plänerkalk     mit     Terebratula    octoplicata     Soiv.  '),      Terebrafula 

pisum     Sow.  ^),     Terehratula     Mantellinna     Soio.  * ),      Terebrafula 

semiglobosa    v.  Buch    und    Terebratula    carnea    Soiv.'^)    an    dem 

Hügel,  der  die  Kirche  trägt. 

IV 

obere 

Abtheilung 

f 

Grünsandstein,    ein    sehr  fester,   grünlichgrauer, 
körniger  Sandstein. 

ziemlich   fein- 

e 

Fester  grauer  Kalkstein. 

Bemerk  u  n  g. 

In  den  Schichten  der  Zone  V  in  Cencic  befindet  sich  keine 
Terebratula  semiglobosa  und  auch  keine  andere  für  den  R  e  u  s  s'schen 
Plänerkalk  (oberer  Plänerkalk  —  Zone  X)  charakteristische  Ver- 
steinerung. Vielleicht  wollte  Reuss  mit  dem  Satze:  „Plänerkalk  mit 
Terebratula  semujlobosa  etc."  sagen,  dass  diese  Schichten  äquivalent 
sind  dem  Plänerkalke  mit  Terebratula  semiglobosa  etc.  —  was  nicht 
richtig  ist.  Es  ist  sonderbar,  dass  denselben  Irrthum  auch  G  ü  m  b  e  1 
und  Krejcf  wiederholt  haben.  (Siehe  weiter.) 


Schichtenfolge  bei  Kj  stra. 

Reuss:    Die  Kreidegebilde   des   westl.  Böhmens,  S.  24,  51,  55,  42. 
Zahälka:  Zone  IX  des  Egergebietes,  S   36-44;  Zone  X,  S.  19-20, 
Fig.  60. 


Zahälka 


Reuss 


X 

untere 
Abtheilung 


Plänerkalk.    Gelblich-     und     graulichweisser,     milder,     kalkig- 
thoniger,  ziemlich  dünnschiefrigcir  Mergel  mit  vielen  Petrefacten. 


IX 

obere 

Abtheilung 


Obere  Schichten  des  Plilnermergels.    Mehr  oder  weniger  dünn- 

schiefriger,    sehr    thonigcr,    milder    Mergel    mit    einzelnen    sehr 

kleinen  Glimmerschüppchen  von  lichtaschgrauer,  selten  gelblich- 

srrauer  Farbe. 


')   Jihynchonella  plicatilis. 
*)   Terebratula  semif/hbosa. 


[11] 


lieber  die  Schichtenfolge  der  westböbmischen  Kreideformation. 


77 


Unterer  Pläiierkalk  von  Laun  und  Malnitz. 

Reuss:    Die  Kreidegebilde  des  westl.  Böhmens,   S.  37,  23—24,  39. 
Zahälka:  Zone  V  des  Egergebietes,  S.  27  etc.,   Fig.  51. 

Die  Schichten  unserer  Zone  V  am  rechten  Egerufer  in  Laun 
hat  Reu  SS  als  die  tiefsten  Schichten  des  Plänerkalkes  (X)  betrachtet 
und  glaubte,  dass  sie  dem  Plänermergel  (IX)  aufgelagert  sind.  Reuss 
stellte  sich  also  die  stratigraphische  Ordnung  der  Zonen  V,  IX  und  X 
in  folgender  Weise  vor: 

Zone    X     .     .     .     Oberer  PLänerkalk. 

Zone    V     .     .     .     Unterer  Plänerkalk. 

Zone  IX     .     .     .     Plänermergel. 
Später  (siehe  weiter)  ist  Reuss  zu  anderen  Ansichten  über  die 
Lage  dieser  Zonen  gekommen  und  stellte  sich  folgende  Ordnung  vor: 

Zone  IX     .     .     .     Plänermergel 

Zone    X     .     .     .     Oberer  Plänerkalk. 

Zone    V     .     .     .     Unterer  Plänerkalk. 
Auch  die  Zone  V  in   der  Umgebung   von  Malnitz  hielt  Reuss 
für  den  unteren  Plänerkalk.  (Kreidegebilde,  S.  24,  39.) 


Schichtenreihe  von  Webersclian. 

Reuss:   Die  Kreidegebilde  des  westl.  Böhmens,    S.  86  —  88,  Taf.  I, 

Fig.  8. 
Zahälka:    Zone  III  des  Egergebietes,    S.  53—62.  Fig.  27,  26,  15: 

Zone  IV,  S.  76;  Zone  II,  S.  8. 


Zahälka 

Reuss 

Zahälka 

6.  Plänersandstein. 

3.  Fester    Grünsandstein 
mit  zahlreichen  grünen 

5.  Grauer  Thon  wie    1 .       „       Körnern. 

4.  Sandiger  Thon.              ^ 

3.  Von    Eisenoxyd   ganz  'S 

III 

durchdrungener     und  °g    2.  Ein     gelblicher,    sehr 

IV 

untere 

von      Brauneisenstein  a        feinkörniger,  fast  zer- 

obere 

Abtheilung 

durchzogener   feinkör-  ^        reiblicher  Sandstein. 
niger  Sandstein.             i 
2.  Sandiger     Thon     mit  ^    1 .  Sehr  feinkörniger 
vielen  grünen  Körnern.   ,        Sandstein   mit  silber- 

Abtheilung 

1 .  Glimmerreicher 

weissen  Glimmerblät- 

Thon. 

chen. 

Bemerkungen: 

1.  Reuss  zählt  die  Schichten  1^ — 5  noch  zum  unteren  Quader- 
sandstein, das  heisst  zu  unseren  Zonen  I  +  IL 

2.  Bei  dem  Dorfe  Weberschan  führt  Reuss  unter  den  thonigen 
Schichten  der  unteren  Zone  III  auch  den  Quadersandstein  (unteren) 
[Zone  IIJ  auf. 


78 


Ö,  Zahälka. 


[12] 


Schichteiireihe  von  Perutz. 

Keuss:  Die  Kreidegebilde  des  westl.  Böhmens,  S 
Zaiialka:    Zone  I    des   Egergebietes,   S.    17^ — 26, 
S.  5;  Zone  III,  S.  28—33. 


91-95. 

Fig.  7;    Zone  H, 


Zahälka                                          Reuss 

III2                                                     Plänersandstein. 

III,+II  +  I 

Unterer  Quadersandstein. 

Perm 

Rothes  Todtliegendes. 

In  seinem  Vortrage  im  naturwissenschaftlichen  Verein  „Lotos" 

im  Jahre  1853  hat  Reuss   seinem  Plänermergel  (IX),    den   er  auch 

Bakulitenthon  nennt,  eine  andere  Stellung  gegen  den  Plänerkalk  (X) 

gegeben.    Er  stellt  den  PLänermergel  über  den  PLänerkalk.  Also  so: 

Plänermergel     .     .     .     Zone  IX. 

PLänerkalk         .     .     .     Zone    X. 

Ich  glaube,  dass  auf  diesen  Vortrag  die  Studien  Rominger's 
Einfluss  gehabt  haben.  (1847.  Siehe  weiter.) 

Ein  Irrthum  ist  es  auch,  wenn  Reuss  schreibt  (in  demselben 
Vortrag,  S.  75),  dass  der  Bakulitenthon  (Plilnermergel)  theils  den 
Plänersandstein  überlagert,  also  von  oben  nach  unten: 

Plänermergel         .     .     .     Zone  IX. 
Plänersandstein     .     .     .     Zone  III. 

Auch  in  der  Arbeit:  „Die  Gegend  zwischen  Komotau,  Saaz, 
Raudnitz  und  Tetschen",  1867,  S.  25,  stellt  Reuss  den  Plänermergel 
(Bakulitenthon)  über  den  Plänerkalk. 

C.  Rominger  hat  sich  auch  mit  der  Gliederung  der  böhmischen 
Kreideformation  beschäftigt.  In  seiner  Abhandlung:  „Beiträge  zur 
Kenntnis  der  böhmischen  Kreide"  von  Dr.  Carl  Rominger  in  Waib- 
lingen. Neues  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geognosie  etc.  Stuttgart  1847, 
S.  641 — 644,  entwickelt  er  nachstehendes  Schema  für  die  Kreide  in  der 


Uingebuiig^  von  Postelberg. 

(Siehe  auch  unsere  Abhandlungen  über  die  zehn  Zonen  des  Egergebietes.) 


Zahälka 

Rominger 

Zahälka 
bei  Leneschitz 

IX 

6.  Baculiten-Thone  =  Plänermergel  von  Reuss. 

IX 

X 

5.  Oberer  Pläner. 

X 

V 

Unterer  Pläner. 

Vlll-flXunterste 

IV  f 

4.  Grünsandstein. 

— 

IV  e 

3.  Exogyrensandstein. 

— 

III  +  IVc 

2.  Gelber  Baustein  —  Plänersandstein  u.  grauer 
Sandstein  von  Lippenz  bei  Reuss. 

III 

I+II 

1.  Unterer  Quader. 

— 

[13]  Ueber  ilie  Scliichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation.  79 

Bemerkung. 

Rominger  hielt  unsere  Zone  V  am  Weissenberge  bei  Laun  für 
ein  Aequivalent  der  Zone  VIII  und  der  untersten  Schichten  1  +  2 
der  Zone  IX  bei  der  Leneschitzer  Ziegeliiütte. 

Profil  bei  der  Leiiescliitzer  Ziegelhütte. 

Rominger:  Beiträge,  S.  651. 

Zahälka:    Zone  VIII   des  Egergebietes,   S.  12,    Fig.  55;   Zone  IX, 
S.  49-63,  Fig.  64-66;  Zone  X,  S.  7,  22,  Fig.  54. 


Zahälka 
Fisf.  55 


Rominger 


X 


Oberer  Pläner   mit  Terebratula  carnea  (unsere  semiglohosa)  etc. 


VIII,  IX,,, 


Unterer  Pläner  mit  Ostrea  sulcata  und  Scyphia  suhseriata. 


III 


Plänersandstein. 


B  e  m  e  r  k  u  n  g  e  n. 


1.  Rominger  hat  die  zwei  Verwerfungen  (siehe  unsere  Fig.  55) 
bei  der  Leneschitzer  Ziegelhütte  übersehen.  Er  hat  geglaubt,  dass 
die  Schichten  unserer  Zone  VIII  und  die  untersten  Schichten  der 
Zone  IX  (1  +  2)  unter  die  Zone  X  fallen,  und  die  Schichten  der 
Zone  III  unter  die  Zone  VIII. 

2.-  Bei  dieser  Beobachtung  der  Aufeinanderfolge  der  Schichten 
vom  Bache  bis  über  die  Ziegelhütte  (unsere  Fig.  55)  hat  Rominger 
die  Zone  IX3  ober  der  Ziegelhütte,  das  heisst  die  Baculitent  hone, 
ausgelassen ;  ähnlich  die  höchsten  Schichten  der  Zone  IX  beim  Bache 
(Poustka). 

3.  Dass  die  Schichten  VIII  +  IXi-|_2  kein  unterer  Pläner  sind, 
das  heisst,  dass  sie  nicht  äquivalent  sind  der  Zone  V  am  Weissenberge 
bei  Laun,  die  Rominger  unteren  Pläner  nannte,  haben  wir  schon 
erwähnt. 

Pläner  bei  Koschtitz. 

Rominger:  Beiträge,  S.  653. 
Zahälka:  Zone  IX,  S.  20—23. 

Rominger  hielt  den  Reuss'schen  Plänermergei  von  Koschtitz 
(unsere  oberste  Zone  IX)  für  den  Pläner  (X).  Alle  Schichten  am 
Egerufer  bei  Koschtitz  sind  also  nach  Rominger  Plänerschichten  (X). 
Dies  ist  unrichtig.  Schade ,  dass  Rominger  den  R  e  u  s  s'schen 
Plänermergei  (IX)  unter  der  ZoneX  nicht  weiter  gegen  Volenitz 
verfolgt  hat,  dort  steigt  die  Zone  IX  sofort  in  grosser  Mächtigkeit 
zu  Tage  (infolge  der  aufsteigenden  Schichten  —  siehe  unsere  Fig.  5(5) ; 
hier  bei  Volenitz  konnte  Rominger  nicht  nur  die  petrographische 
Uebereinstimmung  des    Plänermergels    (IX)   bei    Volenitz  (Koschtitz) 


80 


Ö.  Zabälka. 


[14] 


mit  dem  Plänermergel  (IX)  in  der  Umgebung  von  Postelberg,  sondern 
auch  deren  gleichartige  palaeontologische  Entwicklung  (siehe  unsere 
Zone  IX,  S.  31,  32  etc.)  constatiren. 


Johann  J  o  k  e  1  y  untersuchte  die  Kreideformation  im  östlichen 
Theile  des  Leitmeritzer  Kreises  und  gibt  eine  allgemeine  Uebersicht 
über  dieselbe  im  Jahrbuche  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  1857,  S.  776, 
Verhandlungen  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  1858,  S.  72. 

Seine  Gliederung  der  Kreideformation  ist  beinahe  in  völliger 
Uebereinstimmung  mit  den  früheren  Arbeiten  von  Reuss. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


J  0  k  e  1  y 


IX 


Baculitenmergel. 


Mittlere  Plänermergel  (Plänerkalk     p,.. 
von  Reuss).  ^^'^"^'' 


IX 


Unterer  Plänermergel. 


III  +  IV  +V  -i- VI  +VII  +VIII 


Plänersandstein. 


I  +  II  u.  A. 


Unterer  Quader. 


In  seiner  Arbeit:  „Die  Quader-  und  Plänerablagerung  des 
Bunzlauer  Kreises  in  Böhmen",  Jahrbucli  der  k.  k.  geol.  Reichs- 
anstalt 1862,  S.  367 — 378,  unterscheidet  Jokely  in  unserer  Kreide - 
formation  nachstehende  Glieder: 


Z  a  h  ä  1  k  a 


IX 

Mertreliffthonisre  Facies 


X,  IX 

Mergeligthonige  Facies 

I,  II,  III,  IV,  V,  VI,  VII,  VIII,  IX 
.Sandige  Facies 


Jokely 


Baculiten-iSchichten   (Tiiron  ?  Senon?). 


Pläner  (Turon) 


Quader  (Cenoman) :    Quadersiindstein    und 
Quadermergel. 


Rem  erkungen. 

1.  Da  die  Faciesveränderungen  der  Kreidezonen  aus  dem  Eger- 
gebiete  über  das  ftijjplateau  in  (las  Daubaer  (Jehirge  und  Isergebiet 
nicht  bekannt  waren,  so  wurden  alle  Quaderlioiizoute  mit  den  ver- 
schiedenen Quadermergel- Einlagerungen  zusammen  als  Quader  auf- 
gefasst. 

2.  Die  mergelthonige  Facies  unserer  Zone  IX  zwischen  Ober- 
Befkowitz  und  Öernousek  wurde  hier  zum  Pläner  gerechnet,  und 
dieselbe  Facies  im  p]gergebiete  wurde  als  jüngere  Schichte,  die  auf 
dem  Pläner  liegt,  erklärt. 


[1^ 


Ueber  die  Schichtenfolge  der  westhöhmischen  Kreideformation. 


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k.  k.  geol.  Reiclisanstalr,  1900    50.  Band,  1.  Heft.  (C.  Zahälka.) 


11 


82 


C.  Zahälka. 


[16] 


M.  V,  Lipoid  unterscheidet  im  nordwestlichen  Theile  des 
Prager  Kreises  (Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  1862)  von 
oben  nach  unten  (z.  B.  bei  Di'fnov) : 


Zahälka 


Lipoid 


III 


Quadermergel 
Blauer  Thon  (Letten). 


I  +  II 


Quadersandstein  (iiiit  Kohlenflötz). 


Dr.  C.  W.  Gümbel  unterscheidet  in  seiner  Arbeit:  „Skizze 
der  Gliederung  der  oberen  Schichten  der  Kreideformation  (Pläner) 
in  Böhmen"  (Neues  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Palaeon- 
tologie,  Jahrgang  1867,  Stuttgart,  S.  797  und  798)  nachstehende  Zonen 
in  der  westböhmischen  Kreideformation : 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Gümbel 


IX 


Oberpläner-(Quader-)Sandstein : 

Schneeberg-Schichten  (Chlomeker-  n. 

Quadersandstein     von    Grosskai     der 

Prager  Geologen). 


Oberplänermergel : 
Priesener  Schichten,  Baculitenmergel. 


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VI    X    III 


Mittelpläneriaergel  und  Kalk: 

Hundorf-  Strehlener   Schichten,    Tep- 

litzer  Pläner    (der   Prager  Geologen), 

Weissenberger  Pläner  zum  Theil. 


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V^IVf  III 


Mittelpläner-Grünsandstein : 

Malnitzer    Schichten,     Grünsandstein 

von    Malnic    (der   Prager    Geologen), 

Weissenberjjfer  Pläner  zum  Theil. 


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Mittelpläner-(Quader-)Sandstein; 
'   Tyssawandschichten. 


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IV 


«)  Knollensandstein : 
Libocher  Schichten. 


III 


h)  Wohlgeschichteter  Mergel 
Melniker  Schichten. 


17] 


Uebor  die  Schichtenfolge  der  westbölimischeu  Kreideformation. 


83 


Z  a  h  Ä  l  k  a 


III  unterste 
II 


II 


G  ü  m  b  e 


Unterplänermergol   und  Hiuii)ti,Tnu- 

sandstein  : 

Tuchomefitz  -  Pankratzer     Schichten, 

Weissenberger  Pläner  zum  Theil  (der 

Prager  Geologen). 


Rudistenschichten    von   Koritzan    und 

Unterquadersandstein    mit    Rudisten, 

Trig.  stilc.  etc.,    Korycaner  Schichten 

(der  Prager  Geologen). 


Pflanzenführende  Schichten : 

Perutzer  Schichten,  Perucer  Schichten 

(der  Prager  Geologen). 


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1.  Gü  mb  e  1  hat  den  Unterpläner-Grünsandstein  (z.  B.  in  Perutz), 
d.  h.  unsere  Zone  II  für  eine  jüngere  Schichte  gehalten  als  die 
Korycaner  Schichten  in  Korycan  (unsere  Zone  II).  obwohl  es  Schichten 
gleichen  Alters  sind. 

2.  Wir  sehen  schon  bei  G  um  bei  die  Absicht,  die  Mergel  der 
Zone  III  oder  dieMelniker  Schichten  von  den  Knollenschichten 
der  Zone  IV  oder  Libocher  Schichten  abzutrennen. 

Später  hat  Fric  diese  Trennung  durchgeführt,  indem  er  die 
Schichten  der  Zone  III.  das  heisst  die  Melniker  mit  dem  Namen: 
S  e  m  i  t  z  e  r  Mergel ,  die  Schichten  der  Zone  IV,  das  heisst  die 
Libocher  Schichten  mit  dem  Namen:  Dflnower  Knollen  bezeich- 
nete. Es  ist  zu  bedauern,  dass  beide  Geologen  diese  Horizonte  nicht 
Schritt  für  Schritt  aus  einem  Bezirke  in  den  anderen  verfolgen 
konnten,  sondern  weit  von  einander  gelegene  Profile  verglichen  haben 
und  dadurch  zu  Irrthümern  geführt  wurden.  So  wurden  von  Gümbel 
nachfolgende  Horizonte  als  Aequivalent  betrachtet  (siehe  auch  weiter)  • 

M  d  in  Liboch  =  IV /•  in  Malnitz  =  III  z.  Th.  am  Weissenberg 
und  VI  +  VII  in  Wehlowitz  =  X  in  Hundorf,  Teplitz,  Strehlen  = 
III  z.  Th.  am  Weissenberg. 
Eine  Reihe  von  Profilen  gibt  Gümbel  in  seiner  Arbeit:  „Bei- 
träge zur  Kenntnis  der  Procän-  oder  Kreideformation  im  nordwest- 
lichen Böhmen  in  Vergleichung  mit  den  gleichzeitigen  Ablagerungen 
in  Bayern  und  Sachsen".  (Abhandl.  d.  mathem.-physik.  Classe  d.  k. 
bayer.  Akademie  d.  W.,  X.  Bd.,  IL  Abth.,  München  1868.) 

11* 


84 


(5.  Zahälka. 


[18] 


Weisser  Berg  bei  Prag. 

Gümbel:  Beiträge,  S.  509—511. 


Zahälka 


Gümbel 


Z  a  li  a  1  k  a 


1.  Oben  als  Ueberdeckung :  brauner, 
lössähnlicher  Lehm,  unten  mit 
Schutt  und  Geröll 18' 


III 


2.  Weiche,  lehmartige,  gelbe  Lagen 
als  Zersetzung  von  weichen ,  mer- 
geligen Schichten 5' 

3.  Weiche,  weisse,  erdige  Lagen  mit 
oft  zerrissenen  kalkigen  Concre- 
tionen,  unten  erfüllt  von  unzähligen 
Foraminiferen,  welche  Species  für 
Species  mit  den  Arten  der  Prie- 
sener  und  Hundorfer  Schichten 
übereinstimmen 10' 


Dünngeschichtete,  nicht  sehr  feste, 
kalkige  Mergel  mit  Fischschuppen 
—  ob  Fischlager?  —  Nautilus  sp., 
üstrea  vesieidaris ,  TerebratuUna 
chrysalis 11' 


O   r^ 


Ziemlich  dünnbankige,  harte,  kie- 
selige Lagen  mit  harten  Concre- 
tionen  und  sehr  zerdrückten  Petre- 
facten,  namentlich  bestimmt  er- 
kennbar und  von  mir  selbst  aus  dem 
anstehenden  Gestein  geschlagen : 
Ammonites  Woolgari  und  Magas 
Geinitzi 16' 


6.  Dickbankigeßausteinschichten,  fast 
ohne  Versteinerungen,  oder  nur  als 
schwierig  zu  bestimmende,  stark 
verdrückte  Steinkerne ;  nur  Inoce- 
ramus  lahiatus  fand  ich  in  deut- 
lichen Exemplaren 24' 

7.  Dünngeschichtete,  kieselreiche  La- 
gen       15' 

8.  Dünngeschichtete  Lagen  mit  Thon- 
geoden,  welche  auswitternd  dem 
Gestein  eine  grossluckige  Beschaf- 
fenheit ertheilen,  ausserdem  mit 
harten  Kalkconcretionen,  die  nach 
aussen  allmälig  in  das  Gestein 
übergehen  und  mit  senkrechten 
Streifen  von  Brauneisenstein  ver- 
sehen. Die  ziemlich  zahlreichen  or- 


IX 


X 


IV  r 


IV 


[19]  Ueber  die  Schichtenfolge  der  wesiböhmischen  Kreideformation. 


85 


Z  a  li  ä  l  k  a 


G  ü  m  b  e  1 


Z  a  h  ä  1  k  a 


III 


II 


ganischen  Einschlüsse  sind  meist 
bis  zum  Unkenntlichen  verdrückt; 
nur  zahlreiche  Serpula  machen  sich 
sehr  bemerkbar.  Die  tief  ei-en  Schich- 
ten sind  ohne  Ausscheidungen     9' 

9.  Ziemlich  weicher,  grauer,  fleckiger, 
durch  Verwitterung  gelblicher, 
bröcklich  zerfallender  Mergel,  nach 
unten  mit  einer  Brauneisenstein- 
schwarte abgegrenzt     .    .    i    .    2' 


10.  Hauptgrünsandstein,  oben  dünn- 
schichtig, mergelig,  unten  dick- 
bankig,  sandig,  mit  unebenen,  auf- 
und  niedersteigenden  Schichten- 
flachen  gegen  die  Unterlage  ab- 
gegrenzt   11' 


11.  Weisslichei*,  oben  feinkörniger, 
nach  unten  grobkörniger,  zerreib- 
licher  Sand  und  Sandstein  mit 
kohligen  Putzen  und  weissen 
Thonstreifen  (hier  Sandgrube)  40' 

12.  Eisenschüssiger,  grobkörniger 
Sandstein  mit  Geröll  und  Gesteins- 
trümmern     5' 


o  cß 


CLi- 


Ph 


III 


III 

unterste 
II 


Unterlage :  Silurschichten. 


Profil  hinter  dem  Strahower  Thor  in  Prag. 

Gümbel:  Beiträge,  S.  507. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Gümb  el 


III 

unterste 


II 


Brüchiger ,  dünn  geschichteter , 

grauer ,  dunkelgefleckter ,  durch 
Verwitterung  hellgelblich  gefärbter 
Mergel  mit  nicht  näher  bestimm- 
baren Inoceramen-  und  Ostreen- 
Steinkernen  und  zahlreichen  Exem- 
plaren von  Flabellaria  cordata     3' 


2.  Weicher,  thoniger,  dünngeschich- 
teter Grünsand 1^  2' 

3.  Löcherig-poröser  Grünsandstein,  in 
dickeren  Lagen  stark  verwitternd, 
mit  algenartigen  weissen  Streifen  3' 

4.  Fester,  in  Bänken  geschichteter, 
normaler  Grünsandstein     ...    5' 


Mittelpläner- 
Sandstein  und  Merkel 


Unterpläner- 
Grünsandstein 


86 


ö.  Zahälka. 


m 


Zahälka 


G  ü  m  b  e  1 


Weicher,  weisslicher,  gelbstreifiger, 
kaolinhaltiger ,  ziemlich  grobkör- 
niger Sandstein,  welcher  nach  unten 
in  grobkörnigere  und  Rollstücke  auf- 
nehmende Lagen  mit  ausgezeich- 
neten, zu  Schichten  stark  geneigten 
Anwachsstreifen  übergeht     .    .  15' 


Unterpläner-Sandstein 


Unterlage :    Silurschichten.     (Die   un- 
mittelbare Grenze  zwischen  der  Unter- 
lage   und   dem    erwähnten    Sandstein 
ist  hier  nicht  deutlich  entblösst.) 


Profil  in  Peruc. 

Gümbel:  Beiträge,  S.  532 — 533. 

Zahälka:  Zone  I,  II  und  III    des  Egergebietes   mit   dazugehörigen 


Profilen  und  Figuren. 


Zahälka 


Gümbe 


III 


II 


1.  Wechselnde  Lagen  von  weichem, 
gelbem  Schwamiiiflintstein  (Plä- 
nersandstein)  und  Mergelkalk  mit 
seltenen  Versteinerungen  i  Inoce- 
ranms  labiatus),  in  Brauneisen  um- 
gewandelte Holztheile  in  einem 
grossen  Steinbruche      ....  60' 

2.  Gelber,  thoniger  Mergel  in  dünnen 
Schichten,  zum  Mittelpläner  ge- 
hörend   3' 


6. 


Eisenschüssiger,  thoniger  Sand- 
stein voll  Cardium  hillauum  ';,' 
Bröckliger ,  dünngeschichteter 
Grünsandstein  mit  groben  t^narz- 
körnchen  und  mit  zahlreichen 
Exemplaren    von    Cardium    hilla- 

num      .        .    .     1 ' 

Dünngeschichteter  Grünsand- 
stein     .     • 2' 

-  Weisslicher  Sandstein,  fest, 
zu  Baustein  ...... 5' 

Thoniger  Sandsteinschiefer.  Hie- 
mit  beginnt  der  Complex  der  Pe- 

rutzer  Schichten        3' 

Grobkörniger ,  weisser ,  ziemlich 
fester  Sandstein  ohne  Glaukonit  15' 


Mittelpläner  Sand- 
stein. 

Melniker  Schichten 


Unterpläner-Grün- 
sandstein. 

Tuchoniefitz- 
Pankracer 
Schichten 


Mittelpläner  Sand- 
stein. 

Perutzer  Schichten, 


:2i] 


lieber  die  Scliichtenfolse  der  westböhmischen  Kreideformation. 


87 


Zahälka 


Gümbel 


Perm  1—6 


9.  Feiner,  grauer,  durch  Pflanzen- 
reste schwärzlich  gefärbter  Schie- 
ferthon  mit  sehr  zahlreichen, 
schön  erhaltenen  Blättern  — 
Hauptpflanzenlager  von  Perutz     5' 


10.  Gelbkörniger,  weisser  Sand- 
stein       25' 

11.  Dünnes  Lager  von  Pflanzen- 
schiefer   ^  / 

12.  Grobkörniger,  weisser,  z.  Th. 
eisenschüssiger  Sandstein  mit  un- 
regelmässigen Thonputzen,  welche 
Pflanzenreste  enthalten    .    .    .17' 

13.  Quarzconglomerat  und  grober 
Sandstein,  tiefste  Lage  des  Pläners 
mit  wenigen  Graden  in  St.  4.  NO 
einfallend 


14.  Unterlage:     Rothliegendes    in 
in    St.  3   mit    10°  SW    einfallend. 


Unterpläner-Sand- 
stein. 

Perutzer  Schichten. 


Profil  bei  Weberschan. 

Gümbel:  Beiträge,  S.  529—530. 

Zahälka:    Zone   III    des   Egergebietes,    S.  55-57,   Profil   38,    39; 
Zone  IV,  S.  76,  Profil  77,  Fig.  15,  26,  27. 


Zahälka 


IV 


Gümbel 


10.  Weisslicher  Mergel 


9.  Dünnschiefriger  Sandstein 1\'2' 

8.  Dünnschiefriger  G  r  ü  n  s  a  n  d  s  t  e  i  n  mit  vielen  groben 
Quarzkörnchen  und  Rhynchonella  alata,  genau  wie  Schicht 
G  des  Profils  an  der  Leneschitzer  Ziegelei,  die  zur  Malnitzer 

Schicht  gehört 3 

7.  Weicher,  weisser  Sandstein 5 

6.  Grauer,  thoniger  Sandstein      .    . •    •    .    ■    3/ 

5.  Dichter,  weisslicher  Sandstein,  unten  feinkörnig,  massig, 
fast  ohne  Schichtungsstreifen,  von  vielen  unregelmässigen 
Höhlungen  erfüllt ^1 


Ö.  Zahälka. 


[22] 


Zahälka 


III 

untere 
Schichten 


Gümbel 


4.  Dünnbankiger  Sandstein,  welcher  in  ein  kalkig-mergeliges 
Gestein  übergeht 5' 

3.  Gelber,  eisenschüssiger  Sandstein      8' 

2.  Schwarzer  Sand  mit  kohligen  Theilchen 3' 

1.  In  der  tiefsten  Thalsohle  rechts  und  links  erscheinen 
mächtige  Lagen  von  dunkelgrauem,  selbst  schwärzlichem, 
schwefelkiesreichemThon,  aus  dem  Eisenvitriol  und  schwefel- 
saure Thonerde  auswittert.  Man  bemerkt  zahlreiche  kohlige 
Einschlüsse  und  verkohlte  Pflanzentheile ;  der  Schiefer, 
namentlich  wo  er  sandig  wird,  ist  so  bröcklig  und  mürbe, 
dass  es  mir  nicht  gelang,  irgend  bestimmbare  Fragmente 
zu  erhalten.  Von  Thierresten,  welche  R  e  u  s  s  in  seiner 
ausserordentlich  genauen  Beschreibung  aus  eben  diesen 
Bildungen  (geogn.  Sk.  a.  Böhmen  II.  S.  86)  anführt,  konnte 
ich  nichts  entdecken  (Mittel  plan  er) 7' 


Bemerk  u  n  gen. 

1.  Es  ist  wahrscheinlich,  dass  die  Schichten  1  bis  4  unseren 
Schichten  1  bis  11  der  Zone  III  und  des  Profils  38  entsprechen 
können,  lieber  diese  Schichten  stellt  Gümbel  gleich  die  Schichten 
5  bis  9,  das  heisst  unsere  Schichten  1  bis  4  der  Zone  IV  und  des 
Profils  39.  Dazu  muss  ich  bemerken,  dass  sich  in  Weberschan  nicht 
alle  Schichten  der  Zone  III  befinden,  sondern  nur  die  unteren.  Die 
höheren  Schichten  der  Zone  III  befinden  sich  weiter  bei  Hrädek. 
Man  kann  also  in  Weberschan  über  die  unteren  Schichten  der  Zone 
III  nicht  gleich  die  Schichten  der  Zone  IV  stellen.  Es  ist  bekannt, 
dass  sich  zwischen  dem  unteren  Profil  38  und  39  eine  Verwerfung 
befindet.  (Fig.  15.) 

2.  Ueber  die  höheren  Schichten  unserer  Zone  III  bei  Hrädek 
(siehe  Zone  III  des  Egergebietes,  S.  63,  Profil  40)  sagt  Gümbel 
(Beiträge,  S.  530):  „Das  Gestein  dieser  Steinbrüche  ist  jenes  licht- 
gelbe, kieselig- mergelige  Gebilde,  das  icl»  S'ch  wam  m  f  lintstein 
zu  nennen  vorgeschlagen  habe,  welches  Reuss  als  Plänersand- 
stein  bezeichnet  ....  Neben  Ostrea  coliimha  findet  sich  auch  Ino- 
ceramus  lahiahis.  Gesteinsbeschaffenheit  und  organische  Einschlüsse 
drücken  diesem  Hrädeker  Gestein  den  Stempel  eines  unteren 
Ct  1  i  e  (1  (!  s  d  OS  Mi  1 1  c  1  p  1  ii  n  e  r  s  auf  " 


123J 


Ueber  die  Schiclitenfolge  der  westböhmischen  Kreidefonnatioii. 


89 


Profil  an  der  Ziegelhütte  bei  Lenescliitz. 

Gümbel:  Beiträs^e,  S.  527,  528. 

Zaliillka:  Zone  V  und  VI  des  Egergebietes,  S.  77,  Prof.  85,  Fig.  54; 

Zone  VIII,  S.  7—13,  Fig.  55;  Zone  IV,  S.  73—75;  Zone  III,  S.  52 

bis  53;  Zone  IX,  S.  49—54,  Fig.  64 -6(). 


Z  a  b  ä  l  k  a 


Gümbel 


Zahälka 


IX 


a 


pq 


+ 
X! 


VIII 


1.  Priesener  Schichten  an  den  Ge- 
hängen und  in  zahlreichen  Wasser- 
oräben  reichlich  entblösst,  beste- 
hend aus  dunkelfarbigem,  leicht 
verwitterndem  Mergel,  mit  zahl- 
reichen, durch  Zersetzung  von 
f^chwefelkies  entstandenen  Braun- 
eisensteinkernen zahlreicher  orga- 
nischer Einschlüsse ,  nanientlich 
von  Gastropoden,  sehr  zahlreichen 
Baculiten,  Scaphiten  (Am- 
moniten)  neben  Gypskrystallen. 
Die  Schichten  entsprechen  in 
allem  genau  den  am  gegenüber- 
liegenden Egerufer  aufgeschlosse- 
nen Lasren  bei  Priesen     .        .  80' 


Unmittelbar  unter  dem  dunklen 
Mergel  folgt  eine  dünngeschich- 
tete Lage  von  Mergelkalk  mit 
Glaukonitkörnchen  und  Ostrea  se- 
miplana l^/j' 


3.  Darunter  weisslicher,  bröckliger, 
z.  Th.  fester  Mergel,  zuweilen  mit 
Ockerstreifen 15' 

4.  Fester,  schiefriger  Mergel    .    .10' 

5.  Weicher,  weisslicher  Mergel, 
wechsellagernd  mit  festen  Kalk- 
bänken       50' 

Die  Schichten  .H,  4  u.  5  enthalten 
die  Fauna  der  Hundorfer  Schichten; 
darunter  am  häufigsten :  Ostrea  >>emi- 
■plana,  liliynchonelta  plicatilis,  Rh.  Cu- 
vieri,  Terebratiila  semiglohosa,  Tere- 
hratuHna  chrysalis  u.  a. 


6.  Fester,  jedoch  dünngeschichter, 
deshalb  bröckliger,  weissgefleckter 
Grünsandstein  mit  Ana  cretaceu, 
Rhipichonella  alatn,  Pectuuculus  sp. 

Mit  diesen  Lagen  beginnt  wie  bei 
Malnitz  die  Reihe  der  Malnitzer 
Schichten l'/a' 

7.  Fester,  kalkiger  Grünsandstein  in 
dicken  Bänken,  mit  groben,  oft  IV 
grünen  Quarzkörnchen  und  zahl- 
reichen Versteinerungen,  nament- 
lich JAicina  lenticularis  in  Un- 
zahl      ...             .        ...         5' 

8.  Weicher,  grünlicher  Sand,  welcher 
hier  das  tiefste  aufgeschlossene 
Glied  zunächst  an  der  Ziegelhütte 
ausmacht ;  es  steht  3'  mächtig  an  3' 

Julirlmcli  (1.   k.  k.  geol.  UcicliSiuistalt,,  1900.  50.  U:ui(l.  1.  Heft.  (C.  Zahiilka.)  12 


IX 


.90 


Ö.  Zaliälka. 


[24] 


Z  a  li  ä  1  k  a 


IV 
III 


G  ü  m  b  e 


Dünngeschichtetes, 
ijeliores  Gesteiii  .    . 


kieselig  -  mer- 
...        .  10' 


Zahälka 


IV 
III 


den 
die 
die 
das 


10.  Knollige  ,     sandige ,     kieselreiche 
Lagen 15' 

11.  Wechselnd  festere   und  weichere, 
kieselig-sandige  Mergel    .    .      30' 

Die  Gesteinslagen  entsprechen  ge- 
nau den  Zwischenschichten  zwischen 
den  Pflanzenschichten  und  dem  Grün- 
sandstein bei  Lippenz  bis  zu  den 
Malnitzer  Schichten,  obwohl  es  mir 
nicht  glückte,  hier  charakteristische 
Versteineruno-en  aufzufinden. 


Bern  er  kungeii. 

1.  Die  Prieseiier  Schichten  Gümbel's  bei  der  Leneschitzer 
Ziegelhütte  sind  unsere  Schichten  IX  ;^,  Profil  85,  Fig.  54  und  die 
höheren  Schichten  der  Zone  IX  von  dem  Profil  85,  IX  3  gegen 
Gipfel  des  Berges  Chlum.  In  diesem  unserem  Profile  85  ruhen 
Priesener  Schichten  Gümbel's  auf  den  Schichten  IX  1  +  2, 
Gümbel  Nr.  2,  nennt  und  diese  wieder  auf  der  Zone  VIII, 
heisst  Gümbel's  Schichten  3  bis  8.  Seine  Schichten  2  bis  5  zählt 
Gümbel  mit  Unrecht  zu  seinen  Hundorfer  Schichten.  Erstens  können 
unter  den  Priesener  Schichten  (Zone  IX)  nicht  die  Hundorfer  Schichten 
(Zone  X)  liegen,  sondern  die  Zone  VIII,  was  auch  bei  der  Ziegel- 
hütte der  Fall  ist;  zweitens  befindet  sich  in  diesen  Schichten  (2  bis 
5  Gümbel's  =  VIII  2-1-3  +  4  + IX  1  +  2)  keine  charakteristische 
Fauna  der  Hundorfer  Schichten  {Terehrntula  scmiglobosa).  Wenn  sie 
aber  Gümbel  doch  citirt,  so  ist  es  ein  Irrthum  mit  den  Schichten  der 
Zone  X  (Hundorfer  Schichten),  die  in  der  Leneschitzer  Ziegelhütte 
—  aber  auf  einer  anderen  Seite,  gegen  den  Hrädeker  Bach  bei 
Poustka  —  durch  eine  Verwerfung  (siehe  unsere  Fig.  55)  unter  die 
Zone  IX  geworfen  wurden!  Wir  haben  schon  bemerkt,  dass  Romin g er 
der  erste  war,  der  diesen  Irrtiium  gemacht  hat,  dass  heisst,  der 
die  Priesener  Schichten  bei  der  Leneschitzer  Ziegelei  für  jünger 
als  die  Hundorfer  Schichten  erklärt;  nach  ihm  haben  denselben  Irr- 
thum alle  Geologen  wiederholt. 

2.  Die  Schichten  6  +  7  +  8  Gümbel's  sind  keine  Malnitzer 
Schichten  weder  petrographisch  noch  auch  palaeontologisch  und  stra- 
tigraphisch.  In  der  Scliichte  7  soll  sich  nach  Gümbel  die  Lueina 
lenticularis  in  Unzahl  befinden.  Kein  anderer  Geolog  hat  hier  diese 
Versteinerung  wieder  aufgefunden  und  ich  auch  nicht. 

:  3  Zwischen  den  Schichten  8  und  1>  befinden  sich  auch  Ver- 
werfungen, durch  welche  die  Schichtenfolge  einigemal  unterbrochen 
ist  und  die  einzelnen  Zonen  nicht  ganz  zugänglich  sind.  Bei  der 
Trinksmühle  habe  ich  auch  die  Zone  V  (unterste  Schichten)  entdeckt 
(fiiehe  Zone  IV,  S.  73,  74,   Fig.  50 ;  Zone  V,  S.  50,  57). 


Ueber  die  Schichtonfol^i!  der  w^stböhiniscln  n  Kreideformation. 


91 


Profil  in  Cencic. 

G  um  bei:  Beitrüge,  S.  21,  22. 

Ziihälka:    Zone    V    des    Egergebietes  ,    S.  20-22,    Trüfil   48.    41), 
Fig.  30. 


Z  a  li  ;'i  l  k  a 


G  ü  m  b  e  1 


Z  a  h  ä  1  k  a 


V 


4,  5 


IV 


5.  Oberhalb  der  Kirche  an  der  Strasse 
endlich  breiten  sich  darüber  auch 
noch  die  Priesener  Schichten 


Weicher,  weisser  Mergel  am  Ge- 
hänge mit  mehreren,  sehr  verstei- 
neriingsreichen  Kalkbänken  voll 
Rhynchonellen  und  Terebratulen  der 
Hundorfer  Schichten 


3.  Ein  dünnschiefriges ,  mergeliges, 
noch  Grlanconit  -  führendes  Ge- 
stein   1^  ,' 


Durch  schwache,  mehr  mergelige 
Zwischenmittel  getrennt,  breitet 
sich  über  die  Seh.  1  ein  sehr  harter, 
dichter,  glauconitreicher  Grünsand- 
stein mit  zahlreichen  groben  Quarz- 
körnchen aus;  er  umschliesst  zahl- 
reiche Versteinerungen,  namentlich 
Ammonifes  peramphis ,  Cardium 
hillanum,  Lucina  lenticularis,  Ana 
cretacea,  Perna  cretacea,  Lima  cana- 
lifera  u.  s.  w 14' 


Im  tiefsten  Niveau  erscheint  hier, 
wie  bei  Laun,  ein  sehr  dichtes, 
graues,  glauconitisches  und  kalk- 
reiches Gestein,  dessen  Quarztheil- 
chen  ausnehmend  fein  vertheiltsind 
und  dasselbe  kaum  als  eine  Sand- 
steinbildung erkennen  lassen.  Nur 
durch  Verwitterung  wird  seine 
sandsteinähnliche  Natur  deutlicher. 
Die  zahlreichen  Versteinerungen, 
die  es  umschliesst,  sind  meist  fest 
mit  dem  Gestein  verwachsen  und 
schwierig,  wenn  nicht  aus  zersetzten 
Partien,  in  gutem  Erhaltungszu- 
stande herauszuschlagen.  Unter 
den  Versteinerungen  dieses  in 
groben  Bänken  getheilten  Gesteins 
sind  besonders  als  die  häufigsten 
hervorzuheben:  Animaitites  per/rm- 
plus,  Woolijari,  l'leurutomaria  linea- 
ris, Lucina  lenticu'nris,  Area  cre- 
tacea, Perna  cretacea,  Lima  cannli- 
fera  u.  s.  w,  ...   von  3—5' 


Eser. 


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M 

IX 


X 


IV 


12* 


92 


U.  Zahälka, 


[26] 


Bemerk  u  ii  g. 

Dass  bei  Ceucie  keine  Hundorfer  Schichten  (Plänerkalk 
Reuss)  sind,  haben  wir  schon  bei  dem  Reuss'schen  Profile  in  Cencic 
erwälmt;  es  sind  dort  aucli  keine  Terebratulen  und  keine  anderen 
für  die  Hundorfer  Schichten  (Zone  X)  charakteristischen  Versteinerungen. 
Gümbel's  Schichten  4,  5  gehören  zu  den  oberen  Schichten  unserer 
Zone  V.  Darum  können  Gümbel's  Schichten  5  nicht  zu  den  Priesener 
Schichten  (IX)  gehören.  Die  Priesener  Schichten  (Zone  IX)  sind  viel 
jüngere  Schichten. 

Profil  iinterhall)  Laiin  um  Egerufer. 

G  ü  m  b  e  1 :  Beiträge,  S.  525,  526. 

Zahälka:  Zone  V  des  Egergebietes,  S.  23—38,  Profil  78  -  80,  Fig.  51. 


Zahälka 


G  ü  m  b  e  1 


Zahälka 


Dunkelgrauer  bis  schwärzlicher, 
weicher  Mergelschiefer,  wie  am 
Egerufer  bei  Priesen  mit  gleichen 
Petrefacten  (im  Wassergraben  ent- 
blösst,  nicht  ganze  Mächtigkeit)  15' 


00    05 

+1 


+ 


2.  Weicher,  hellfarbiger,  bröckliger 
Mergel  mit  spärlichen  organischen 
Einschlüssen .    .  30' 

3.  Sehr  feste  Mergelkalkbank   .    .     l' 


4.  Lichtgrauer  Mergel,  bröcklig  schie- 
frigbrechend  mit  nicht  zahlreichen 
Versteinerungen:  Terebratulina  r/- 
gida 15' 


5.  Sehr  fester,  glauconitreicher  Mer- 
gel, mit  weissen,  algenähnlichen 
Zeichnungen  und  einigen  schwer 
herauszuschlagenden  Versteinerun- 
gen,     darunter     Lima     canalifera 

G .  .   •   r/./ 


6.  Weicher,  grauer  Mergel,  dessen 
Versteinerungen  sehr  leieht  zer- 
bröckeln    ........    9' 


Lichtgrauer,  ziemlich  fester,  flecki- 
ger ,  glauconitischer  Mergel  mit 
vielen  Versteinerungen.  Beide 
Schichten  (i  und  7  bilden  ein 
Mittelglied  zwischen  den  eigent- 
lichen Hundorfer  und  Malnitzer 
Schichten.  Hier  fand  sich  Ammo- 
nites  Cunnigtonni  Sli 11' 


8.  Flusssohle  -^--  Malnitzer    Exogyren- 
sandstein. 

Die  Schichten  8  zeichnen  sich  durch 
die  mergelige  Beschaft'enheit  wie  die 
Schichte  "  aus. 


IV  r 


33| 


P^ä 


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Co  o  a 


IX 


X 


l\e 


[271 


Ucber  die  Schichtenfolge  der  westbölimischcn  Kreidoforniation. 


93 


B  e  11)  erk  Uli  gen. 

1.  I){i  sich  im  Flussbette  der  Eger  unterhalb  Laun  (unser 
Profil  78)  der  Malnitzer  Grinisandstein  (Fric)  befindet  (das  lieisst 
unser  Horizont  IV  >'•),  so  muss  der  Malnitzer  Kxogyreiisand.stein  (unser 
Horizont  IV p)  noch  tiefer  unter  dem  Flussbette  liegen;  denn  es  ist 
aus  unseren  Studien  über  die  Zone  IV  (auch  aus  den  Arbeiten  von 
Reuss  und  G um  bei)  bekannt,  dass  der  Exogyrensandstein  unter 
dem  Grünsandsteine  liegt.  Gümbel's  Schichte  8  gehört  mit  der 
Schichte  7  zu  den  untersten  Schichten  unserer  Zone  V,  und  zwar  zu 
dem  Horizont  Va. 

2.  Die  Schichten  7  bis  1  gehören  zu  unserer  Zone  V,  sind  viel 
älter  als  die  Hundorfer  und  Priesener  Schichten,  können  also  nicht 
zum  Mittelglied  zwischen  den  eigentliclien  Hundorfer  und  Malnitzer 
Schichten,  zu  den  Hundorfer  Schichten  und  Priesener  Schichten  ge- 
hören. 

3.  In  den  Schichten  1  von  G  ü  m  b  e  1  befinden  sich  keine  Petre- 
facten  der  Priesener  Schichten.  Aus  unseren  Studien  über  die  Zone 
V  ist  bekannt,  dass  sich  in  ihr  keine  charakteristischen  Petrefacten 
der  Zone  IX  (Priesener  Schichten)  befinden. 

Profil  im  alten  Steinbruche  bei  Laun 

am  westlichen  Ende  der  Stadt  zwischen  der  Strasse  nach  Postelberg 

und  der  Eger. 
G  ü  m  b  e  1 :  Beiträge,  S.  526. 

Zahälka:  Profil  54,  Zone  IV  des  Egergebietes,  S.  ol — 4ü;  Zone  V, 
S.  41,  Profil  81,  Fig.  41   links. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


G  ü  111  b  e 


Zah  äl  ka 


V 


IV 


1.  Weicher,  weisser,  kalkiger  Mergel 
mit  'rerehfiitiilinarigida,  nach  unten 
übergehend  in  brockligknolligen 
Mergel 19' 

2.  Feste,  lichtfarbige  Kalkbank  im 
Mergel.  Beide  gehören  den  Hun- 
dorfer Schichten  .  .        .    .     1' 


3.  Schalige,  knollige,  plattigbrechende 
Grün  Sandstein  schichten 
mit  grossen  grünen  Körnchen  und 
zahlreichenVersteinerungen :  Östren 
chinilxi  (gross)  und  den  übrigen 
Versteinerungen  der  Malnitzer 
Schichten;  (mit  1  und  2)  den  Ab- 
raum des  Steinbruches  bildend    3' 


4.  Sehr  fester,  kalkiger  Sandstein 
(Baustein  von  Laun)  in  grossen 
Bänken  geschichtet,  mit  zahlreichen 
Versteinerungen:  hioceramus  Bron- 
gniarti,  OaUianasa  speci'S,  Magas 
Geinitzi  Schlönb |4' 


X 


IV 


94 


Ö.  Zahälka. 


[28] 


B  e  111  e  r  Ic  u  n  g. 
Ich    habe    den     weichen,     weissen,    kalkigen     Mergel     (unsere 
Zqne  V  =  Günibers  Schiclite  1  und  2)  im  Abraum  des  Steinbruches 
nicht   gefunden    sondern    höher,   hinter   der  Strasse    nach  Postelberg 
(siehe  Fig.  41,  V). 


Profil  von  Lipenc  über  Maliiic  iiacli  Priesen. 

Gümbel:  Beiträge,  S.  516 — 519 — 523. 

Zah  dlka:  Zone  I  des  Egergebietes,  S.  34—37.  Prof.  24,  25, 
Zone  II,  S.  7—8,  Fig.  12,  13,  1 -I ;  Zone  III,  S.  46—52, 
33,  34,  35,  Fig.  25;  Zone  IV.  S.  46—72.  Prof.  60,  61,  62 
65,  66,  67.  68.  69,  70,  71,  72,  73,  Fig.  34,  35.  36.  :'.7. 
49,  48,  47,  46,  45,  44,  43;  Zone  V.  S.  42— 55,  Prof.  82, 
Zone  IX,  S.  65—82,  Prof.  107.  Fig.  63. 


Fig. 

11; 

Prof. 

32, 

,63, 

64, 

.  38, 

39. 

56, 

83; 

Z  a  h  ä  1  k  a 


Gümbel 


Z  a  h  ä  1  k  a 


IX. 


IV 


21.  Priesener  Schichten  (Fundort  bei 
Postelberg),  dunkelfarbige,  meist 
dünngeschichtete ,  Schwefelkies- 
führende Mergel,  erfüllt  von  ebenso 
zahlreichen,  wie  charakteristischen 
Versteinerungen  (BacnJites  anceps, 
Inocerainus  Cuvie^i  u.  v.  a.)     .  75' 


20.  Härtere,  kalkige  Lagen  mit  den 
charakteristischen  Versteinerun- 
gen der  Hundorfer  Schichten, 
wechselnd  mit  hellfarbigem  Mer- 
gel      :.0' 

Auch  diese  Schichtenreihe  senkt  sich 
allmälig  unter  die  Thalsohle  ein,  aus 
der  erst  bei  Priesen  selbst  wieder 
anstehendes  Gestein  zutage  tritt. 
Zwischen  der  zuletzt  beobachteten 
Schicht  20  und  dem  Mergel  bei 
Priesen  ist  eine  nicht  sehr  mächtige 
Schichtenreihe  nicht  entblösst    .     ?' 

19.  Lichtgrauer,  thoniger  Mergel,  der 
in  bröckligen  Schutt  zerfällt  und 
ausser  Foraminiferen  wenige  Ver- 
steinerungen enthält:  Östren  se- 
ntipl'iin  Sow. ;  TerebratuUnn  rigi- 
da,   (  idaris  subvesiculosa  d'Orh.  b' 


18.  Weicher,     sandiger,     glauconiti- 
scher  Mergel V;,^' 


17.  Dünne  Bänke  eines  grünlichen, 
fleckig  weissgestreiften  (durch  Al- 
gen)   glauconitreichen  Grünsand- 


Sc» 


IX 


X 


IVr  +  e 


[29] 


Ueber  die  Scliirhtonfolge  der  westböbmischen  Kroideformation. 


95 


Z  a  li  ä  1  k  a 


G  ü  m  b  e  1 


Z  a  li  d  1  k  a 


IV 


el 

+ 
m 


Sandsteins  mit  zahlreichen  Ver- 
steinerungen, wie  die  vorherge- 
henden Schichten,  und  ausserdem 
mit  Aitiutonites  Woolgari  (=  A.  ro- 
tomagensis  Kss.),  den  ich  selbst 
aus  dem  anstehenden  Gestein  er- 
halten habe.  —  Es  ist  dies  der 
Grünsandstein  v.  Malnitz  (R  e  u  s  s' 

Verst.  S.  117) 5' 

Die  festen,  der  Verwitterung  trotzen- 
den Gesteinsbänke  dieses  Grünsand- 
steines senken  sich  einerseits  rasch  in 
die  Thalsohle,  die  sie  nahezu  an  der 
Hasinamühle  erreichen,  während  sie 
andererseits  in  ihrer  streichenden  Aus- 
dehnung durch  die  Felder  südlich 
von  Malnitz  fortziehen  und  hier  in 
sehr  zahlreichen  kleinen  Steinbrüchen, 
ist  augenscheinlich.  An  der  Hasina- 
mühle setzt  das  Profil  über  dem  Mal- 
nitzer  Grünsandsteinlager  in  folgender 
Weise  weiter  fort  (18  etc.). 


III 


16.  Sandigmergelige,  glauconitische 
Bänke  mit  kalkigen  Geoden  und 
sehr  zahlreichen,  sehr  grossen 
Exemplaren  von  Ostrea  columb'i, 
dann  mit  F  i  s  c  h  z  ä  h  n  e  n,  7'm  rritella 
muHistriata,  T.aff.granulata  Sow.  ; 
Natica  vulgaris  Rss.;  Fleurotoma- 
ria  linearis,  PL  gigantea  Sotv.  ; 
Rostellaria  Reiissi  Gein.,  Teilina 
Reichi,  Area  crelacea  d'Orb.,  Pecfen 
quadricostattis,  Lima  conalifera, 
Rhynchonella  jilicatilis,  Magas  Gei- 
nitzi  U.S.W,  umschliessen    .    .15' 


15.  Feste,  kalkige  Sandsteinbank  voll 
Versteinerungen:  Ostrea  columba, 
Inoceramus  Brongniarti,  Rhyncho- 
nella  alala,  Magas  Geinitzi.  Es  ist 
dies  der  sog.  Exogy ren Sand- 
stein (Reuss'  Verst.  S.  1 1 7)  5  '/a' 


14.  Sandige  und  kieselige,  leicht  ver- 
witternde Lagen 20' 


13.  In  dünnen  Bänken  geschichtete 
Lagen  von  sandigkieseligem,  licht- 
gelbem Gestein,  welches  leicht  in 
knollige  Stücke  mit  zerfressener, 
löcherigerOberfläche  und  in  sandig- 


2  ä 


bß 


■Sco 


'■TS  <q 


IV  r  +  e 


IV 


96 


Ö.  Zaliälka. 


[30] 


Z  a  h  tl  1  k  a 


Gümb  e 


Z  a  li  ä  1  k  a 


III 


II 

(siehe  Bemer- 
kunffen) 


thonigen  Schutt  zerfällt,  genau, 
wie  der  sogenannte  Knollentripel 
bei  Regensburg  und  der  blasige 
Plilnersandstein  in  Sachsen.  Die 
wenigen  gut  erhaltenen  Verstei- 
nerungen sind:  Inoceramun  lahia- 
tus,  Östren  cohitnba,  0.  canalicu- 
lata{?)d'Orb.,  O.vesicufaris  Lm.  15' 

Die  Schichten    12  und  13    sind  die 
obersten    im   Steinbruche,   sie    neigen 
sich  ziemlich  stark  unter  10 — 15"  nach 
Norden    und     streichen    jenseits    des 
Steinbruches     an     dem    steilen     und 
kahlen    Gehänge    gegen    die    Hasina- 
mühle fort,  so  dass  man  hier  die  un- 
mittelbar     aufgelagerten      Schichten 
Schritt    für    Schritt    verfolgen    kann. 
Zunächst  darüber  kommen   14,   15  etc. 
1 2.   Seh wammflintsteinschichten, licht- 
gelb, porös,  in  dicken  Bänken  ge- 
schichtet   (Baustein)     mit     Horn- 
steinconcretionen    und    Ausschei- 
dungen   von    Cacholong    auf  den 
Kluftflächen.  Versteinerungen 

spärlich:       Inoceranius      lahiatus, 

Austern \T 

Die  Schichten  2  —  11  setzen  das  Steil- 
gehänge von  der  Bachsohle  bis  zu 
einem  grossen  Steinbruch  am  oberen 
Rande  des  Glehänges  zusammen.  In 
letzterem  selbst  sind  weiter  aufge- 
schlossen Schichten  12,  13. 
11,  Dünnschiefriger ,  gelber,  etwas 
glimmerigerSchwammflintstein  1 5' 

10.  Weicher,    mergeliger,    gefleckter 
Thon 20' 


9.  Fester,  hellfarbiger  Grünsand- 
stein              .    ,    .    ,       15' 

8.  Lichtfarbiger,  weicher  Grünsand, 
arm  an  Versteinerungen  {Osfrea 
columba,  Curdiuni,  j)roductuiii)    10' 

7.  Grauer,  thoniger  Mergel     .    .     3' 


6.  Weicher,  weisser,  glimmerreicher 
und  Kaolinführender  Sandstein 
(Fegsand) 15' 


Grauer,  sandiger  Pflanzenschiefer 
mit  meist  undeutliclicn,  schlecht 
erhaltenen  Pflanzen  in  wechselnder 
Mächtigkeit  bis 5' 


O) 


(V 


Ö    CO 


^6 


rs   CO 

"So! 

0 


111 


II 


[31]  Ueber  die  Schicbtenfolge  der  westböbmischcn  Kreideformation.  97 


Z  a  h  ä  1  k  a 


G  um  b  e ' 


Z  a  h  d,  1  k  a 


4.  Sandsteinschichten  wie  2    .    .    3' 

3.  Zweites,  oberes,  mehr  sandiges 
Lager  von  Pflanzenschiefer     .  ^  .,' 

2.  Glinimerreicher,  weisslicher,  strei- 
fenweise durch  kohlige  Beimen- 
gungen grauer  Sandstein  mit 
sehr  zahlreichen  kleinen  Kohlen- 
theilchen .    3' 

1.  Grauer,  sehr  feiner,  dünngeschich- 
teter Schieferthon,  erfüllt  von 
kohligen  Streifchen  und  zahl- 
reichen sehr  deutlichen  Pflanzen- 
theilchen.  Ihre  Mächtigkeit  ist 
wechselnd,  durchschnittlich    .    2' 


Bemerkungen. 

1.  In  dem  Profil  Gümbel's  zwischen  Lipenc  und  Priesen  sind 
auch  Verwerfungen,  auf  welche  Gümbel  keine  Rücksicht  genommen 
hat.  Es  werden  in  diesem  Profile  Schichten  verzeichnet,  die  hinter- 
einander in  der  Natur  nicht  vorkommen. 

2.  In  der  Stelle,  wo  Gümbel  seine  Schichte  7  angibt,  befindet 
sich  kein  thoniger  Mergel.  Der  Grünsandstein  der  Schichten  8  und  9 
soll  eine  Mächtigkeit  von  25'  haben.  Diese  Mächtigkeit  stimmt  nicht 
mit  der  Natur  überein.  Die  Wörter  Grüns  and  und  Grün  Sand- 
stein darf  man  bei  Gümbel  nicht  im  petrographischen  Sinne 
nehmen,  sondern  nur  im  stratigraphischen  Sinne.  Es  sind  hier  keine 
Grünsandsteine  und  keine  Grüusande. 

3.  Unsere  ZoneV  wurde  hier  von  Gümbel  den  Hund  orfer 
Schichten  parallelisirt.  Gümbel  sagt,  dass  sie  charakteristische 
Versteinerungen  der  Hundorfer  Schichten  enthalten.  Das  ist  ein  Irr- 
thum.  Die  Versteinerungen  der  Zone  V  sind  keine  charakteristischen 
Versteinerungen  der  Hundorfer  Schichten  in  Hundorf  (X).  Die  Tere- 
bmtulina  rigida,  die  Gümbel  aus  der  Zone  V  bei  Laun  angibt, 
findet  sich  nicht  nur  in  der  Zone  X  (Hundorfer  Schichten),  sondern 
auch  in  der  Zone  V  und  auch  in  anderen  Zonen. 

4.  Auf  der  Zone  V  (fälschlich  Hundorfer  Schichten  bei  Gümbel) 
ruht  nicht  gleich  die  Zone  IX,  das  heisst  die  Priesener  Schichten, 
sondern  die  Zonen  VI,  VII  und  VIII  und  dann  kommt  erst  die 
Zone  IX. 

5.  Bei  Priesen  treten  unter  den  Priesener  Schichten  keine 
Hundorfer  Schichten  (Zone  Xj  zu  Tage.  Denn  die  Priesener  Scliichten 
(Zone  IX)  in  Priesen  gehören  zu  der  oberen  Abtheilung  der  Zone  IX, 
unter  ihnen  kann  sich  nur  die  untere  Abtheiluug  der  Zone  IX  befinden. 

6.  Die  wahren  Hundorfer  Schichten  (Zone  X)  liegen  nicht  unter 
den  Priesener  Schichten  (Zone  IX),  sondern  über  denselben. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Keichsanstalt,  1000,  50.  Band,  1.  Heft.  (0.  Zahälka.)  13 


98 


C.  Zaliälka. 


[32] 


Profil  am  Elbeufer  bei  Meliiik  bis  in  die  Schlucht  bei  Liboch. 

Gümbel:  Beiträge,  S.  535,  536. 

Zahälka:  Zone  III  der  Umgebung  des  Berges  fop,  S.  25,  27;  Zone 
IV,   S.  25;  Zone  V,  S.  59;  Zone  VI,  S.   16,  Fig.   11. 


Zahälka 


Gümbel 


Z  a  h  ä  1  k  a 


VIII 


Zu  oberst  in  der  Schlucht  von 
Liboch,  wo  das  Plateau  beginnt, 
steht  ziemlich  lockerer,  weisslicher 
Sand ,  nach  unten  grobkörnig 
werdend,  an 60' 


VI  +  YII 


2.  Es  folgt  dai-unter :  mergeliger  Sand 
und  Sandschiefer  und  sandiger 
Mergelschiefer 15' 


IV 


IV? 


III 


3.  Quarziger,  fester  Sandstein  mit 
groben  Quarzkörncheii  voll  Rhyn- 
choiieUa  vesj^ertilio  (Rhynchonellen- 
hornsteinbank) 3' 

4.  Knollig-sandiger  Mergel  und  mer- 
gelig-kieseliger Sandstein,  z.  Th. 
in  Kieselknollen  zerfallend,  mit 
blaugrauen,  thonigen  Zwischen- 
lagen, angefüllt  von  Kohlentheil- 
chen  und  Pflanzenresten.  Diese 
Schichten  reichen  vom  Ausge- 
henden der  Libocher  Schlucht  bis 
nahe  oberhalb  des  Dorfes  und 
werden  als  sogenannte  Libocher 
Schichten  ausgeschieden.  Die 
Pflanzenlager  erinnern  an  die 
ähnlichen  Zwischenschichten  bei 
Weberschan 12' 

Unter  denselben  beginnen  die  spe- 
ciell  sog.  Melniker  Schichten, 
und  zwar: 

5.  Sandigkalkige  Schicht  mit  Rhyn- 
chonella  Cuvieri,  Pecten  virgatus, 
Ostrea  äff.  canalicnlata  d'Orh., 
Oslrea  coluniba 5' 

6.  Gelber  Mergel  mit  kalkigen  Zwi- 
schenlagen, in  diesen  kommt  ein- 
zeln In  ocerannis  lahiatus  vor  .     3' 

7.  Wechselnd  mehr  hellgelbe  und 
grauliche  Lagen  von  leicht  zer- 
setztem Mergel 12' 

8.  Feste,  harte,  gelblich  gefärbte 
Kalkbank  mit  Inoceramus  la- 
hiatus     2' 

9.  Gelber  Mergel 3' 

10.  Grauer,  fleckiger  Mergel  mit  zahl- 
reichen, meist  sehr  zerstückelten 
Pflanzenresten 2' 

Elbe  unterhalb  Melnik. 


IV  r  +  ß 


IV 


IV? 


III 


[33]  Ueber  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation. 


99 


Bemerkungen. 

1.  Das  Alter  der  Schichten  1  und  2  wird  von  Giimbel  nicht 
näher  angegeben. 

2.  G  um  bei  waren  nicht  alle  Schichten  des  Elbethalabhanges 
zugänglich,  wie  es  die  Mächtigkeit  einzelner  Schichten  beweist.  So 
gibt  z.  B.  Gümbel  an,  dass  die  Schichte  3,  das  heisst  der  quarzige, 
feste  Saudstein  mit  groben  Quarzkörnchen  drei  Fuss  Mächtigkeit  hat. 
Die  wahre  Mächtigkeit  derselben  ist  aber  (siehe  Zone  V  der  Um- 
gebung von  Rip,  S.  55,  Schichte  V  f/  3  +  4  +  5)  lim!  Die  Libocher 
Schichten  sind  nach  Gümbel  12'  mächtig,  aber  wir  haben  in  Liboch 
und  Melnik  die  Mächtigkeit  dieser  Schichten  (Zone  IV  der  Umgebung 
von  fiip,  S.  23  und  25)  32*7  m  und  29  m !  gefunden. 

3.  Aus  diesem  Profile  ist  zu  sehen,  dass  Gümbel  oft  nur 
kleinere  Partien  von  den  verschiedenen  Zonen  in  seine  Profile  auf- 
genommen hat,  solche  Partien,  die  ihm  gerade  an  der  Stelle,  wo  er 
studirte,  zugänglich  waren. 

4.  Ich  habe  in  den  Schichten  der  Zone  IV,  das  heisst  in  den 
Libocher  Schichten  GümbeTs,  sowohl  bei  Liboch  als  auch  an  anderen 
Fundorten  nie  ein  Pflanzenlager  gefunden.  Ueberhaupt  sind  Pflanze ii- 
reste  in  der  Zone  IV  überall  in  der  westböhmischen  Kreideformation 
sehr  selten.  Von  einer  Parallele  des  sogenannten  Pflanzenlagers  der 
Libocher  Schichten  in  Liboch  mit  dem  Pflanzenlager  von  Weberschan 
kann  wohl  keine  Rede  sein,  denn  dieses  gehört  zu  der  untersten 
Schichte  der  Zone  III. 

5.  Ob  die  Schichte  5  Gümbel's  zur  Zone  IV  gehört,  kann  ich 
nicht  mit  Sicherheit  constatiren. 


Grosser  Steinbruch  von  Wehlowitz. 

Gümbel:  Beiträge,  S.  536-538. 

Zahälka:  Zone  IV  der  Umgebung  von  Rip,  S.  24.  Fig30;  Zone  V, 
S.  56;   Zone  VI,    S.  13-15;   Zone  VII,  S.  9;   Zone  VIII,  S.  25. 


Zahälka 


Gümbel 


Zahälka 


VII 
VI 


Grünlichgrauer,  flasei-iger,  kalkiger 
Sandstein  mit  zahlreichen  Fanopaea 
ffurgitis  (Brongn.  sp.)    d'Orb.,    Trigo- 

nia  limhata  u.  s.  w. 
Sehr  feine,  kalkige  Schwammfiint- 
steinschichten,  ähnlich  den  Lagen  am 
Weissen  Berg  bei  Prag  gewonnen 
werden.  Nach  den  Mittheilungen  von 
Prof.  K r e j  c  1  sind  hier  schöne  Fisch- 
abdrücke und  Klytia  Leachi  ge- 
funden worden. 


X 


B  e  m  e  r  k  u  n  g  e  n. 

1.  Trigonia  limhata  findet  sich  nicht  in  den  Wehlowitzer  Stein- 
brüchen. Das  ist  offenbar  eine  Verwechslung  mit  einer  anderen  Muschel. 

2.  Die  Schichte,    in  der  Gümbel   zahlreiche  Panopaea  gurgitis 
angibt,  gehört  zu  unserer  Zone  VII,  Schichte  3. 

13* 


100 


Ö.  Zahälka. 


[34] 


3.  Die  Schwammflintsteine  G  ü  m  b  e  l's    liegen   in  der  Zone  VI, 
Schichte  1,  2,  3,  5  und  in  der  Zone  VII,  Schichte  1. 

4.  Gümbel    sagt,    dass    seine    Schwammflintsteinschicliten    in 
Wehlowitz  ähnlich  sind  den  Lagen  am  Weissen  Berg  bei  Prag. 

Aufscliluss  im  Wrutitzer  Tluale  ^)  bei  Staiubachmühle. 

Gümbel:  Beitrage,  S.  536  -  537. 

Zahälka:  Päsmo  IX.,  Kokoffnske  podolf  (Zone  IX,  Kokoflner  Thal- 
gebiet), Fig.  52. 


Zahälka 

Gümbel 

IX  rt 

Mergelig-kalkige,  dünnscliiclitige,  graugelbe,  gefleckte  Sand- 
steinbildung voll  CaUianassa  antiqua,  welche  unzweideutig 
auf  dem  Sandstein  aufliegt 15—20' 

VIII 

obere 
tScliichten 

Fast  bindemittelleerer,  daher  ziemlich  mürber,  in  grossen 
Bänken  geschichteter  hellfarbiger  bis  weisslicher  Sand- 
stein, dessen  Felsmassen  im  Grossen  durch  die  ziemlich 
leichte  Verwitterung  jene  pittoresken  Formen  annehmen, 
welche  den  oft  schluchtenartig  engen  Thillern  einen  so 
autt'allenden  Charakter  wie  in  der  sächsischen  Schweiz 
verleiht.  In  den  höchsten  Schichten  grobkörnig. 

Bemerkungen. 

Am  besten  sindGümbel's  mergelig-kalkige  etc.  Schichten,  das 
heisst  unsere  Zone  IX«,  oberhalb  der  Stambachmühle  am  Wege 
nach  Wysokä  zugänglich.  (Siehe  unsere  Fig.  54.)  In  diesen  Schichten  IX  a 
findet  sich  nirgends  CaUianassa  antiqua,  obwohl  Gümbel  erwähnt, 
dass  sie  voll  von  CaUianassa  antiqua  sind. 

2.  Die  Mächtigkeit  des  untersten  Horizontes  a  der  Zone  IX 
beträgt  bei  der  Stambacher  Mühle  185  m. 

3.  Gümbel  glaubt,  dass  der  Sandstein  unserer  Zone  VIII  im 
Wrutitzer  Thale  (Kokorfner  Thale)  eine  Sandsteinfacies  der  Libocher 
Schichten  (Zone  IV)  ist.  Nach  Gümbel  wäre  also  Zone  IV  =  VIII, 
was  mit  der  Natur  nicht  übereinstimmt.  Hätte  Gümbel  die  Schichten 
unserer  Kreideformation  von  dem  Wehlowitzer  Steinbruche  weiter 
hinauf  auf  die  Anhöhe  „Kalsky"  verfolgt,  so  hätte  er  dort  (also 
über  der  Zone  VI  und  VII)  auch  die  Quadersandsteine  der  Zone  VIII 
(auch  die  Zone  IX)  gesehen.  Noch  besser  ist  der  Quadersandstein 
der  Zone  VIII  mit  der  unteren  Abtheilung  der.  Zone  VIII  über  der 
Zone  VII  in  einem  Profil  von  Mlazic  über  Räj  auf  Sträsensko 
entblösst  (siehe  unser  Profil  Fig.  32  und  die  Beschreibungen  einzelner 
Zonen  der  Umgebung  von  liip,  besonders  Stratigraphie  S.  28,  Schichten- 
folge Nr.  XIII),  wo  auch  auf  der  Zone  VIII  noch  die  Zone  IX  ruht. 


1)  Kokofiner  Thal. 


[35]  Ueber  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation.  101 


Proiil  im   Seitenthale ')   von   der  Krouzeker  Mühle   bis    nach 

Dorf  Nebuzel. 

Gümbel:  Beiträge,  S.  537;  Skizze  der  Gliederiing,  S.  801. 
Zaliiilka:  Päsmo  IX,  Nebu^elske  podoU  (Zone  IX,  Nebuzeler  Thal- 
gebiet), mit  Fig.  51. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Gümbel 


Z  a  h  a  1  k  a 


Weisse,  leicht  verwitternde 
Mergel,  die  grosse  Aehnlich- 
keit  mit  den  Priesener 
Schichten  besitzen,  jedoch 
hellfarbiger  sind  und  leider 
keine  Versteinerungen  auf- 
finden Hessen,  um  die  Pa- 
rallelstellung auch  palaeon- 
tologisch  zu  begründen. 


IX 


2.  Ziemlich  kalkreiche_,  gelb- 
lichgraue Schichtenreihe  mit 
Uebergängen  nach  oben  in 
einen  dünngeschichteten , 
knolligbröckligen,  kalkigen 
Sand,  voll  Callianassen 
von  Mächtigkeit  .  10—15' 
Diese  Lage  entspricht  genau 
jener  am  gegenüber  liegenden 
Plateau  bei  Wehlow^itz. 


3.  Sandsteinbänke ,  hellfarbig, 
dem  unteren  Sandstein  ähn- 
Hch. 


4.  Kalkigsandige  Lage  mit  spär- 
lichen Glauconitkörnchen  u. 
zahlreichen ,  sehr  grossen 
Exemplaren  von  Ostrea  co- 
Itimba,  von  Ammonitrs  per- 
amplus  und  sonstigen  Ver- 
steinerungen der  Malnitzer 
Schichten. 


VIII 

obere 


5.  Unterer  Sandstein. 


Priesener 
Schichten 


o  o 

O)  I— i 

o   ca 

ü  PI 


Libocher 
Schichten 


IX 


VII 
VI 


X 


lYr  +  eYd 


IV 


Bemerkungen. 

1.  Gümbel  schreibt,  dass  seine  Schichten  1  keine  Versteine- 
rungen auffinden  Hessen.  Ich  habe  in  diesen  Schichten  eine  Menge 
von  Versteinerungen  gefunden  (siehe  Nebuzeler  Thalgebiet,  S.  12 
und  13),  und  diese  Petrefacten  beweisen,  dass  Gümbel's  Schichten  1 
nicht  zu  den  Priesener  (IX),  sondern  zu  seinen  Hundorfer  Schichten  (X) 
gehören,  was  ich  übrigens  auch  stratigraphisch  festgestellt  habe.  Unsere 
ganze  Zone  IX  im  Isergebiete  ist  die  Facies  der  Priesener  Schichten 
im  Egergebiete. 


')  Nebuzeler  Thal  (Zahalka). 


102 


C.  Zahälka. 


[36] 


2.  G  ü  m  b  e  1  sagt,  dass  die  Schichten  2  voll  von  C  a  1 1  i  a  n  a  s  s  e  n 
sind.  Ich  habe  in  diesen  Schichten  (gerade  so  wie  in  IX  a  des  vorher- 
gehenden Profils)  keine  Callianassen  gefunden.  Auch  Fric, 
der  sich  mit  der  palaeontologischen  Durchforschung  der  Iserschichten 
beschäftigt  hat,  fand  in  der  Umgebung  des  Kokorlner  Thaies  keine 
Callianassen  bis  im  Iserthale  und  constatirt  dies  ausdrücklich 
(Iserschichten,  S.  127,  128):  „Diese  Crustacee  .  .  .  wurde  bisher  in  der 
Gegend  von  Chorousek  nicht  nachgewiesen  und  es  ist  daher  noch 
ungewiss,  in  welcher  Lage  des  Profils  sie  hauptsächlich  auftritt.  Man 
trifft  sie  zuerst  in  einem  Steinbruche  südlich  von  Kuttenthal  und  dann 
überall  im  Iserthale  ..." 

3.  Wie  Gümbel  ganz  verschiedene  Horizonte  parallelisirt  hat, 
ist  aus  unserer  Tabelle  zu  ersehen: 

Zone  IXc  +  (/   bei   Nebuzel  =  IXa   bei   Stambachmühle  =  VI  +  VII 

bei  Wehlowitz  =  X  bei  Teplitz-Hundorf. 
Zone  IX  a  von  Nebuzel  =N  d  in  der  Schlucht  bei  Liboch  -=  IVr  +  e 

bei  Mallnitz  etc. 

4.  Die  Mächtigkeit  der  SchiclTten  2  soll  nach  Gümbel  10  bis 
15  Fuss  betragen.  Ich  habe  aber  die  Mächtigkeit  dieses  Schichten- 
complexes  19-48  m  gefunden. 

5.  Gümbel  erwähnt,  dass  die  Mächtigkeit  des  Schichten- 
complexes  3  -f-  4  (soll  dazu  auch  Schichte  T)  gerechnet  werden?)  30 
bis  35  Fuss  beträgt.  Ich  habe  die  Mächtigkeit  desselben  Schichten- 
complexes  37*42  m  (eventuell  mit  der  Schichte  5  beinahe  Gl  m)  ge- 
funden. 

Dr.  U.  S  c  h  1  ö  n  b  a  c  h  unterscheidet  in  seiner  Arbeit :  Die 
Brachiopoden  der  böhmischen  Kreide  (Stratigraphische  Einleitung. 
Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  in  Wien  1868,  S.  139—147) 
nachfolgende  Zonen  in  der  westböhmischen  Kreideformation: 


Zahälka 

S  c  h  1  ö  n  b  a  c  h 

IX 

obere 

Baculitenmergel  von  Priesen 

5.   Zone  des  Inocer. 

Ciivieri  u.  Micraster 

cor  testudinarium . 

VIII  +  IX 
VII  obere 

d 

^'  V  X 

h   ' 

a 

Isersandst. 

d 

VIII  +  IX     c 

VII  obere     b 

\  a 

GrössterThei] 
d.  ob.  Pläner- 
mergelsd.  Ge- 
gend V.  Laun 
(IX  obere) 

Oberer 

Plänerkalk  v. 

Teplitz  (X)  u. 

Laun  (V) 

4.  Zone  des  Scaphites 

(leinitzivi.  Spondyliis 

spinosus. 

l\>\e  Ya 

Grünsandstein  (IV r)  Unterer  Plänerkalk 

u.  Exogyrensand-       des  Egerufers  in 

stein  (IV  e)                  Laun  (Va) 

3.  Zone d.Ammonites 
Woulgari  und  Inoce- 
ramus  Brongniarti. 

III,  IV  c 

Grauer  Sand- 
stein von  Lip- 
penz  (IV  c)  u. 
Plänersand- 
stein  (III) 

Pläner  des 

Weissen 
Perges  bei 
Prag  (m) 

Melniker 
Schichten 
(111  obere) 

2.  Zone  des  Inocera- 
mus  labiatus. 

I,  I 

1 

Sandstein  von 
und  Msen^ 

Peruc   SiJäth 
'  (I)             Ko 

iger  Kalk  in 
rycan  (II) 

l.  Zone  der  Trigonia 

sidcataria  und  des 
Catopygus  carinatus. 

[37] 


Ueber  die  Sclüchtenfolgc  der  westböhmischen  Kreideformation. 


103 


Be  m  e  rk  u  n  gen. 

1.  Aus  dieser  Tabelle  ist  zu  ersehen,  welche  Schichten  Schlön- 
bach  in  unserer  Kreideformation  als  äquivalente  Zonen  betrachtet 
hat,  und  wie  er  sich  die  Schichtenfolge  vorgestellt  hat.  Schlön- 
bach  nahm  als  Grundlage  die  Schichtenreihe  der  Kreideformation 
in  Norddeutschland  und  Frankreich  und  untersuchte,  inwiefern  die 
böhmischen  Schichten   damit  in  Einklang   gebracht   werden  könnten. 

2.  In  Betretf  der  Iserschichten  hat  Schlönbach  die  Hypothese 
aufgestellt,  dass  diese  Schichten  iuiuivalent  sind  dem  oberen  Plänerkalk 
von  Teplitz  und  sagt  (Die  Brachiopoden,  S.  147),  dass  diese  Hypothese 
durch  den  Umstand  einigermassen  unterstützt  wird,  dass  der  an  vielen 
Localitäten  direct  vom  Plänerkalk  überlagerte  Grün  Sand- 
stein an  anderen  Orten,  wo  kein  Plänerkalk  vorkommt,  die  Basis 
des  concordant  daraufliegendcu  Isersandsteins  bildet. 

In  seiner  Arbeit :  Die  Kreideformation  im  Isergebiete  in  Böhmen. 
Verhandlungen  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  1868,  S.  250 — 256,  ist 
Schlönbach  zu  einer  anderen  Ansicht  über  das  Alter  der  Iser- 
schichten gekommen.  Er  schreibt  (S.  255 — 256):  „Da  nun  die 
Thone  mit  Ostrea  sulcafa,  welche  hier  nächst  der  Grenze  des  Unter- 
quaders gegen  die  jüngeren  Schichten  entschieden  die  schärfste  Be- 
grenzung nach  unten  aufzuweisen  haben  und  meistens  die  Plateaus 
auf  dem  Isersandstein  einnehmen,  ziemlich  sicher  dem  Complex  der 
Hundorfer  oder  Teplitzer  Schichten  des  Scaphites  Geinitzl  zugerechnet 
werden  müssen,  so  würde  sich  aus  obigem  in  Betreff  der  Frage  nach 
dem  Alter  der  I  s  e  r  s  a  n  d  s  t  e  i  n  e  als  sehr  wahrscheinlich 
das  Resultat  ergeben,  dass  dieselben  älter  sind  als  die 
Hundorfer  Scaphiten schichten  und  der  oberen  Abthei- 
lung des  PI  an  er -Bausand  stein  es,  dem  Exogyrensand- 
stein    und   Grünsandstein    der    Gegend    im    Norden    der 

des    Inoceramus   Brongniarti    e  n  t- 


Eger,    d.  h. 
sprechen." 
Nach  dem 


also    der    Zone 


wäre  also 


Zone  IX 


(^ 


h  )  im  Isergebiete  =  Zone  IVr  +  e  bei  Malnitz. 


Zone  Vni 
In    derselben   Arbeit    theilt 
Cenoman  folgendermassen  ein : 


Schlönbach    das    westböhmische 


Z  a  h  ä  1  k  a 

Schlönbach 

II 

Marine    versteinerungsreiche    Quader    von    Zlosejn 

und  Rudistenkalk  und  Conglomerat  von  Grossdorf 

und  Korycan. 

a 
S 

O 

ö 
O 

I 

Land-  und  Süsswasserbildung  vi^estlich  der  Elbe. 

104 


6.  Zahälka. 


[38] 


In  dem  Artikel :  Die  Kreideformation  itn  nördlichen  Iser- 
gebiete  etc.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1868,  S.  289-294,  gibt 
Schlönbach  nachstehende  Schichteufolge. 


Schichtellfolge  von  Meliiik  und  Liboch  über  Wehlowitz  und 
Krouzeker  Mühle  nach  Nebiizel. 

Siehe  Zahälka:  Zone  III  bis  X  der  Umgebung  von  ßip,  besonders 
Nebuzeler  Thalgebiet. 


Zahälka 


Schlönbach 


X 


IX 


VIII 


Echte  bläuliche,  schiefrigeBaculiten- 
mergel  (etwas  veränderte  Facies), 
welche  nach  oben  immer  mergelig- 
kalkiger werden,  so  dass  daraus  zu- 
letzt fast  schneeweisser,  schriefriger 
Kalk  entsteht,  welcher  nicht  selten 
dieselben  Scaphiten  enthält  wie 
die  Baculitenmergel ;  ausserdem  sehr 
häufig  Inoceramus  ßrongniarti,  Mi- 
craster  cor  testudinariuin  etc.  Selbst 
die  B  a  c  u  1  i  t e n  fehlen  nicht.  (Siehe 
Bemerkung  ].) 


7.  Plastische  Thone. 


Zwei  weitere  Hauptpartien  von 
Sandsteinen,  welche  durch  mer- 
gelig -  kalkige  Zwischenmittel  von 
einander  (und  von  dem  unteren 
VIII  Zahälka)  getrennt  werden. 


Eine  Bank  grobkörnigen,  versteine- 
rungsarmen Quadersandsteins  von 
zunehmender  Mächtigkeit ,  welche 
eine  neue  Terrasse  bildet  und  sich 
weithin  verfolgen  lässt.  Es  ist  dies 
jener  Sandstein,  welchen  Gümbel 
nur  als  eine  sandige  Facies  seiner 
Libocher  Schichten  (siehe  Be- 
merkung 3,  Zahälka)  betrachtet 
und  als  Krouzeker  Sandstein  be- 
zeichnet. 


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Zone 

des 

Scaph 

ites 

6 

ein. 

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IX 


X 


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Sud'«  S 

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•3  an    . 

eil    (!>  >!h    p-i 

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■?^  B 


[39] 


Ueber  die  Schiclitt-nfulgc  der  westböhniischeii  Kreidefoniiutioii. 


10;") 


Zaliälka 


Schlönbach 


VIII 


VII 


VI 


IV 


III 

obere 

Abthei- 

lunor 


4.  Sandige  Kalk- 
niergel  mit 
festeren     kiese- 
ligen,   ebenfalls 
Glauconitkömer 

in  geringer 
Menge  und  da- 
neben zahl- 
reiche feine 
Quarzkörner 
enthaltenden 
Knollenbänken 
wechsellagern ; 
von  letzteren 
zeichnen  sich 
besonders     drei 
Laser  aus. 


Diese  Schichten  .  .  . 
stimmen  sowohl  pe- 
trographiscli  als  pa- 
laeontologisch    ge- 
nau mit  jenen  Mer- 
geln u.  Kalken  über- 
ein,   welche    ich    in 
meinem  früheren  Be- 
richte von  Dfinov 
(111  +  IV   Zahälka) 
und  aus  der  Gegend 
von     Raudnitz    (So- 
witzberg),   wo   sie 
ebenfalls  deutlich 
das   Hangende 
(Vll+VlllZahälka) 
des  Plänerbausteins 
(VI  Zahalka)  bilden 
(d.  h.VlI  +  VIllZa- 
hälka),  als  die  Ver- 
treter der Iserschich- 
ten  oder  wenigstens 
des  unteren  Theiles 
derselben     gedeutet 
habe. 


Plänerbaustein  -  Schichten,  welche 
ganz  denen  des  Weissen  Berges 
(111  Zahälka)  entsprechen  und  wie 
dort  Inoceramus  lahiatus  (siehe  Be- 
merkung 2,  Zahälka),  schöne  F  i  s  c  h- 
reste  und  Krebse  (namentlich 
Klijtia  Leachi)  nebst  Ammonites  per- 
amplus  enthalten. 


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2.  Sandige  Mergel  mit  mehreren  je  etwa 
0'5  m  mächtigen  glauconitischen 
Sandsteinbänken ,  unter  welchen 
letzteren  namentlich  die  tiefste,  etwa 
-/a  ni  starke  und  sehr  feste  Bank  mit 
RhynchonellapUcatilis  in  sehr  grosser 
Anzahl  (siehe  Bemerkung 3,  Zahälka). 


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1.  Mächtiger  Complex  von  wechselnden 
grauen  u.  gelben  Mergeln  u.  festeren 
sandigen  Kalkschichten,  arm  an  Ver- 
steinerungen :  Janird,  Ost  reu  latera- 
lis, cf.  vesicularis,  columba,  die  keinen 
bestimmten  Schluss  auf  dass  genauere 
Alter  zulassen  (wenigstens  15  w  Mäch- 
tigkeit). 


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Zatiälka 


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13 


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Jahrbuch  d.  k.  k.  Keol.  Ileichaaiistalt,  1900,  50.  Band,  1.  Ilett.  (C.  Zahalka.)  14 


106 


Ö.  Zahälka. 


[40] 


B  e  m  e  r  k  u  ii  g  e  ii . 

1.  Die  Schichten  8  sind  keine  Baculitenmergel,  weil  die  Baculiten- 
niergel  der  Zone  IX  angehören.  Sie  haben  auch  keine  für  die  Baculiten- 
mergel charakteristischen  Versteinerungen.  Schlöiibach  schreibt,  dass 
er  diese  Schichten  westlich  von  der  Elbe,  zwischen  Raudnitz,  Libocho- 
witz  und  Tfiblitz,  im  Hangenden  der  Zone  des  Scaphites  Geinitzi 
(unsere  Xr//>6-)  wiederholt  begegnet  hat.  Es  ist  wahr,  dass  diese 
Schichten  über  Schlönbach's  Zone  des  Scapinfes  Ge'mitzi  liegen. 
Sie  haben  aber  eine  Fauna  wie  die  Scliichten  Xahc  und  die  echten 
Baculitenmergel  (IX)  liegen  unter  der  Zone  X  (Zone  des  Scapli.  Gem.). 

2.  Die  Schichten  3  im  Wehlowitzer  Steinbruche  und  bei  Liboch 
entsprechen  nicht  den  Weissenberger  Schichten  (Melniker  Schichten 
Gümbel).  Diese  gehören  der  Zone  III,  jene  der  Zone  VI  an. 
Inocennnus  lahiafits  habe  ich  in  ihnen  (in  Wehlowitz)  nie  gefunden, 
sondern  immer  Inoceramus  Bronf/niarti.  S  c  h  1  ö  n  b  a  c  h  corrigirt  darum 
unrecht  Gümbel's  Melniker  Schichten  (Plänerbaustein  des  Weissen 
Berges),  indem  er  schreibt,  dass  die  Wehlowitzer  Schichten  eigentlich 
die  wahren  Melniker  (Weissenberger)  Schichten  sein  sollen  (siehe 
Gümbel's  Profile  vorne).  Die  Melniker  Schichten  Gümbel's  am 
Elbe uf er  unterhalb  Melnik  gehören  zur  Zone  III  wie  die  Weissen- 
berger Schichten. 

3.  Schlönbach  schreibt,  dass  Gümbel  seine  Schichten  2 
„Libocher  Schichten"  nannte.  Das  ist  ein  Irrthum.  Gümbel  rechnete 
die  Schichten  —  reich  an  Rhynchonellen  —  zu  den  Malnitzer  Schichten 
(siehe  die  vorherbeschriebenen  Profile  Gümbel's,  sowie  Gümbel's 
Skizze  der  Gliederung  etc.  S.  801).  G  ümbe  l's  Libocher  Schichten 
sind  die  Utächst  älteren  Schichten  unser  Zone  IV,  die  Schlönbach 
mit  den  unter  ihnen  liegenden  Melniker  Schichten  Gümbel's 
(Zone  III)  als  Schichten  1  erwähnt  (mächtiger  Complex  etc.). 

Dr.  U.  Schlönbach  veröffentlichte  die  Schichtenfolge  der 
Umgebung  von  Laun  in  der  Notiz:  „Die  Kreidebildungen  der  Um- 
gebungen von  Teplitz  und  Laun  im  nördlichen  Böhmen".  Verhand- 
lungen der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  18G8.  S.  352 — 355. 

Schichtenfolge  bei  Laiin. 

Siehe  die  schon  erwähnten  Abhandlungen  Zahälka's  über  die 
zehn  Zonen  der  Kreideformation  im  Egergebiete. 


Zahälka 


Schlönbach 


IX 


8.  Graublaue  Schichten  von  etwas  mehr  thonig- 
schiefncr(;r  BeschafFenheit  mit  einer  sehr  reichen 
und  mannigfaltigen  Fauna.  Bei  letzterer  lassen 
sich  zweierlei  Erhaltungszustände  unterschei- 
den, indem  manchmal  inncn-halh  der  weissen 
Kalkschale  der  Kern  der  Petrefacten  verkiest 
ist,  manchmal  aus  Mergelthon  beSteht;  im  er- 
steren  Falle  bleiben  hei  der  Verwitterung  des 
Gesteins  die  verkiesten  Kerne  übrig  (Bannay- 
Berg-Leneschitz),  im  letzteren  Falle  ist  man 
darauf  angewiesen,  die  Petrefacten  in  frisch  aus- 
gegrabenen Gesteinsmassen  zu  suchen  (Priesen). 


m 


[41]  Ueber  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation.  107 


Z  a  h  ä  1  Iv  a 


S  c  h  1  ö  u  b  a  c  li 


X 


\a 


IV 


e 
m 


7.  Bei  Laim  graue  und  I  7.  Bei     Teplitz     graue 
gelbe   mergelige  Ge-         mergelige  Kalke 
bilde  I 

in  denen  zahlreiche  Spongitarien,  Mi- 
craster  breviporus  [MicheUni?),  TtvehratuUna 
rigida,  Terehraiida  suhrotunda,  Rhynchonella 
Cuvieri,  Ostrea  sulcata,  Spondylus  spinosita  etc. 
enthalten.  (Siehe  Bemerkung  3.) 


G.  Mit  Quarz  und  Glauconitkörnern  durch- 
streuter  Kalk,  mit  grauen  Mergeln  wechsel- 
lagernd. 


M 
?^   S   w 

<D      'r-l      Q 

f5  ^  w 

s 


5.  Grünsandstein  mit  einer  reichen,  aus  dem 
Reuss'schen  Werke  leicht  zu  entnehmenden 
Fauna. 


4.  Feiner  glauconitischer  Sandstein  mit  zahl- 
reichen Ostrea  coliimba,  dann  RhynchoneUa 
hohemica,  Magas  Geinitzi,  Pecten arten. 


TS 

So'«" 

eä   g    t» 


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tSl  r« 


C/3 


in 


II 


Graue,  bei  der  Verwitterung  gelb  werdende 
Sandsteine,  die  verhältnismässig  arm  an  Petre- 
facten,  vorzugsweise  durch  Inoceramus  labiaftis 
charakterisirt  werden,  welcher  in  den  sie  zu- 
nächst überla^rernden  Schichten  bereits  fehlt. 


^  1 

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Ö 

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fc-S 

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2.  Marine  Bildunaren  hier  weniarer  ausg-ezeichnet. 


1.  Sandsteine,     welche     mit    pflanzenführenden 
Letten  wechseil  affern. 


o 


Bern  erkungen. 

1.  Die  Baculitenmergel  von  Lenesic  gehören  zu  den  unteren 
Schichten  der  Zone  IX,  die  von  Priesen  zu  den  oberen  Schichten. 

2.  Die  Versteinerungen,  welche  Schi önba  ch  in  den  Schichten 
7  citirt,  bilden  eine  charakteristische  Gesellschaft  in  der  Zone  X  (auch 
in  Teplitz),  von  dieser  Gesellschaft  sind  für  die  Zone  V,  welche 
Schlönbach  mit  Unrecht  zur  Zone  X  rechnet,  nur  Ostrea  sulcata 
{semlplana  Zahälhi)  und  Terehratulina  rigida  {gracilis  Zahdlka)  charak- 
teristisch. 

3.  Wichtig  ist  folgender  Satz  Schlönbach's  (S.  354):  „Die 
Grenze  dieses  Horizontes  (Zone  des  Scaphites  Gein.  =  Zone  X)  gegen 

14* 


108 


Ö.  Zahälka. 


[42] 


Zone  IX)   ist  meistens 


oben   (d.  li.  gegen   den  Baculitenmergel 
schwer  zu  e r k e n n e  n. " 

Johann   Krejci   gibt   zum    erstenmale    die    Schichtenfolge    der 
böhmischen   Kreideformation   in   seiner   Abhandlung:   „0    litvaru    ki'i- 
dovem"  an.    Casopis   musea   Knllovstvf   Ceskeho,    Band   39,    Heft  3, 
S.  222—242.  Siehe  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1807,  S.  G7. 
8.  Chlomeker  Sandstein. 

7.  Mergelschiefer  von  Sobotka  (Bunzlau,  Laun). 

6.  Pläner  von  Teplitz  (Leitmeritz,  Wysokä). 

5.  Grossskaler  Sandstein  (Schneeberg). 

4.  Pläner  von  Bunzlau. 
3.  Kokorfner  Sandsteine. 
2.  Pläner  von  Baudnitz. 

1.  Sandstein  von  Zlosyn  (Perutz  u.  s.  w.). 
Zum  zweitenmale  führt  Krejcf  die  Schichtenfolge  der  böh- 
mischen Kreideformation  im  Berichte:  „Druhä  rocni  zi)räva  o  cinosti 
obou  komitetü  pro  ph'rodovedecky  vyzkum  Zemö  Ceske  roku  1865  a 
1806".  (Zweiter  Jahresbericht  des  Comites  für  die  Durchfoi'schung 
Böhmens.) 

8.  Chlomeker  Quadersandstein. 

7.  Teplitzer  und  Launer  Pläner, 

6.  Grossskaler  Quadersandstein. 

5.  Isersandstein. 

I  4.  Malnitzer  Grünsandstein  (fasäk). 

i  3.  Weissenberger  Pläner. 

I  2.  Zlosyner  Sandstein  und  Korycaner  Kalk. 

1.  Perutzer  Quadersandstein. 
In  diesem   Berichte  werden    die    Horizonte    schon   etwas    näher 
beschrieben,  so  dass  wir  sie  mit  unseren  Zonen  vergleichen  können. 
Nur  die  Grossskaler  und  Chlomeker  Schichten  lassen  wir  ausser  Acht. 


Zahälka 

K  r  e  j  c  1 

Zahälka 

— 

8.  Chlomeker  Quadersandstein. 

— 

X,  IX 

Q,     i-l^     >  n.  LaanerPliuier(Baculitonthon). 

— 

— 

6.  Grossskaler  Qnadersandstein. 

— 

vni,  IX 

5.  Isersandstein. 

Vielleicht  =  Teplitzer 
Pläner. 

X 

IV  >^ 

4.  Malnitzer   Grün-      Pläner   ober  dem  Pläner- 
sandstein.                      baustein  in  Wehlowitz. 

VHa,  3,  4 

VI,  vn, 

Vr/ 
HI,  IV 

III 

Obere  Abtheilung     j    ■ 
3.  Weissenberger         Schichte   mit  Ten-  \  -^  ^ 
Planer.                            bratn/n  plicutilis    l^'^ 
Untere  Abtheilung  '  -^ 

II 

2.  Zlosyner  Sandstein    und 
Korycaner  Kalk. 

Cenoman,  Tourtia. 

— 

I 

1.  Perutzer  Quadersj 

mdstein 

• 

— 

[43]  Ueber  die  Schichtenfolge  der  westböhmisclien  Kreideformation.  109 

Bemerkungen. 

1.  Krejcf  bemerkt,  dass  das  Alter  der  Teplitzer  Schichten 
fraglich  ist,  und  dass  sie  vielleicht  den  Iserschichten  entsprechen. 

2.  Der  Schichtencomplex  7  soll  nach  Krejcf  stellenweise  den 
Weissenberger  Planer,  stellenweise  den  Iser-  und  Grossskaler  Pläner 
überlagern. 

Zum  drittenmale  erwähnt  Krejcf  die  Schichtenfolge  der  böh- 
schen  Kreideformation  in  einem  Schreiben  an  den  Director  v.  Hauer: 
„Gliederung  der  böhmischen  Kreideformation".  Verhandl.  d.  k.  k. 
geol.  R.-A.  1867,  S.  207. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Krejcf 


13.  Sandstein  von  Chiomek  bei  Jungbunzlau 
mit  Osfrea  laciniata,  Baculiten  und  Belemnitella 
quadrata. 


IX 


12.  Priesen  er 
mersrel. 


Mergelschichten,    Baculiten- 


II.  Iser  Sandsteine,  das  mächtigste  Glied  unserer 
Kreideformation  (etwa  300  Fuss),  mit  kolossalen 
A  m  m  0  n  i  t  e  n  (ähnlich  dem  Ammonites  peram- 
plns),  Inoceramns  Cuvieri,  Cnlianassa  atitiqua, 
Irigonia  Umhata ;  analog  den  Kieslingswalder 
Schichten. 


^    CS 

o  ^ 


c? 


X 


10.  Pläner  von  Hundorf  bei  Te plitz;  bei 
Kostic  mit  einer  mergeligen  Facies  ;  ausgezeichnet 
durch  Spondylus  spinosus,  Terebrattilina  rigidu, 
Lima  Hoperi,  Scaphites  aequalis  etc. 


IV  >• 


9.  Grün  Sandstein  von  Malnitz. 


III.  VI 


8.  P 1  ä  n  e  r  mit  F  i  s  c  h  r  e  s  t  e  n,  Macropoma  spe- 
ciosunt,  Osmeroides  Lewesiensis,  Clytia  Leachi; 
der  gewöhnliche  Baustein  vom  Weissen  Berg 
bei  Prag  (III)  und  bei  Wegstädtl  (VI),  Liboch 
(VI)  etc. 


IV 


7.  Sandsteine  mitkalkigenConcretionen 
bei  Wehlowitz  unweit  Melnik. 


III,  IV,  V^/ 


0.  Sandige  Pläner  schichten  von  Melnik, 
abgeschlossen  durch  eine  Bank  voll  llhynchoiiella 
vespertilio  (plicatilis)  (V  d). 


11 


5.  Z 1 0  s  3^  n  e  r  S  a  n  d  s  t  e  i  n,  ganz  analog  den  Sand- 
steinen von  Tisa  mit  derselben  reichen  Fauna. 
4.  Hippuritenkalke  von  Korycan,  Kuttenberg  etc. 


3.  Pflanzenquader     mit    Palmenblättern, 

Coniferenzapfen,  CauJopt.puiictafn  etc. 
2.  Schieferthone     mit     kleinen     Kohlen- 

flötzen,  Pflanzenresten  und  Süsswasscr- 

muscheln  (Unio). 
1.  Eisenschüssiges      Conglomerat      ohne 

Petrefacten. 


<U    O)    y: 


^     S     -r  ^-' 


o-ji  ?; 


^H, 


110 


6.  Zahälka. 


[44] 


B  e  m  e  r  k  u  11  g. 

Siehe  Referat  Schlönbach's  über  Prof.  J.  Krejcl's  Bericht 
und  die  Arbeiten  der  Section  für  Geologie  des  Comites  für  die  natur- 
wissenschaftliche Durchforschung  Böhmens.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol. 
R.-A.  1867,  S.  224,  225,  251. 

Zum  viertenmale  beschreibt  Krejcl  die  Schichtenfolge  der 
böhmischen  Kreideformation  in  seinen :  Studien  im  Gebiete  der  böhmi- 
schen Kreideformation.  Archiv  für  die  naturwissenschaftliche  Landes - 
durchforschung  von  Böhmen,  I.  Bd.,  1869,  S.  46. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Krej  cf 


8.  Chlomeker  Schichten. 


IX 


7.  Priesener  Schichten. 


X 


6.  Teplitzer  Schichten. 


VIII,  IX 


5.  Iserschichten. 


IV  r 


4.  Malnicer  Schichten. 


III 


3.  Weissenberger  Schichten. 


II 


2.  Korycaner  Schichten. 


1.  Perucer  Schichten. 

B  e  m  e  r  k  u  11  g. 
Unsere  hier  beigelegten  Zonenziftern  beziehen  sich  n  u  r  auf  die 
typischen  Kreideschichten  Krejcl's,  also:  IX  =  Priesener  Schichten 
in  Priesen;  X  =  Teplitzer  Schichten  in  Teplitz  etc. 

Schichtenfolge  zwischen  Lipeuec  und  Hasinaniülile. 

Krejcl:  Studien,  S.  52—55,  60.  Böhm.  Aufl.  S.  47. 
Zahälka:   Fig.  11,  12,  13,  14,  49,  34  des  Egergebietes  und    dazu- 
gehöriger Abhandlungen. 


Z  a  h  a  1  k  a 


Krejcl 


Zah  i'ilka 


Weiche,  mergelige  Pläner. 


Teplitzer  u.  Prie- 
sener Schichten 


X,  IX 


IV  ^,  r,  m 


Exogyrensandstein. 


Iserschichten 


VIII,  IX 


IV  c 


Malnicer  Grünsandstein. 


Malnicer 
Schichten 


lYr 


III 

I'/,  II 1 


Pläner,    der  an  der  Basis    eine 
lettige  Schichte  führt. 

Weicher,  lichter  Sandstein. 


Ibc 


Sandsteine  mit  Schieferthon. 


Weissenberger 
Schichten 

Korycaner 
Schichten 

Perucer 
Schichten 


III 


II 
I 


[-1^ 


Ueber  die  öchiclitenfolgt!  der  westböliniischeii  Kreideformatioii. 


lU 


1^  e  merk  im  gen. 

1.  In  der  deutsclien  Anfinge  seiner  Studien  nennt  Krejcf 
unsere  Zone  V:  Baciilitentlione,  aber  in  der  böliniisclien  Auflage  (1870, 
Seite  47):  Teplitzer  und  Priesener  Scliichten. 

2.  Nach  Krejci  soll  der  Exogyrensandstein  den  Grünsandstein 
überlagern.  Ich  habe  immer  das  umgekehrte  gefunden  wie  R  e  u  s  s, 
R  0  m  i  n  g  e  r  und   G  ü  ni  b  e  1 : 


Grünsandstein. 
,y  ;    ..  Exogyrensandstein 


n 


Siehe  Bemerkuni 
bei  Malnic". 


I  in  Magasschichte. 

V   c  Callianassensandstein. 

6    beim   nächsten   Profile    und  „Iserschichten 


Schichteiifolge  von  Lipenc  über  Malnic  und  Laun  nach  Cencic. 

Krejci:  Studien,  S.  54;  böhm.  Ausgabe  S.  48, 
Zahälka:   Zone  I  bis  V  des    Egergebietes   mit  dazugehörigen  Pro- 
filen und  Figuren. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Krejci 


Zahälka 


Weiche,  mergelige  Pläner. 


IV  ni,  e,  r 


Exogyrensandstein. 


IV/-,  c 


Malnitzer  Grünsandstein. 


Teplitzer  u.  Prie- 
sener Schichten 


Iserschichten 


Malnitzer 
Schichten 


X,  IX 


VIII,  IX 


IV  r 


III 


Gelber  Pläner. 


Weissenberger 
Schichten 


III 


I^^,   II 1 


Quadersandsteine. 


Korycaner 
Schichten 


II 


U,  c 


Quadersandstein   mit  Schiefer- 
thonen. 


Perucer 
Schichten 


I 


Bemerkungen. 

1.  Wie  in  der  früheren,  so  auch  in  dieser  Schichtenfolge  sehen 
wir,  dass  Krejcf  unseren  Schichten-Complex  Id  zu  seinen  Korycaner 
Schichten  rechnet.  Das  ist  unrichtig,  da  dieser  Complex  noch  eine 
Süsswasserablagerung  ist. 

2.  Krejci  glaubte,  dass  sich  der  Reuss'sche  graue  Kalk- 
stein und  graue  Sandstein  aus  dem  Grünsandsteine  entwickelt 
(Steinbruch  des  Herrn  Kostka  südlich  von  Laun  und  am  Egerufer 
östlich  von  Launj.  Dazu  muss  ich  bemerken : 


112  Ö.  Zahalka. 


[46] 


a)  Die  Kalksteine  im  Steinbruche  des  Herrn  Kostka  und 
dessen  Umgebung  befinden  sich  theilweise  ober  dem  Griinsande,  also 
in  unserem  Horizonte  Va,  theilwe,ise  in  dem  Grünsande  (IVr),  theil- 
weise unter  dem  Grünsande  (in  IV  c); 

h)  der  Reuss'sche  graue  Kalkstein  am  rechten  Egerufer  öst- 
lich von  Laun  gehört  zu  unserer  Zone  V,  hauptsächlich  zum  untersten 
Horizonte  V  a  ; 

6')  mit  dem  Namen  grauer  Sandstein  (von  Lippenz)  meinte 
Reuss  den  unteren  Horizont  IV  c  —  den  Callianassensaudstein ; 

d)  auch  der  Reuss'sche  graue  Kalkstein  (von  Öencic) 
liegt  unter  dem  Grünsandsteine  und  kann  etwa  dem  Exogyrensand- 
stein  entsprechen. 

3.  Krejcf  schreibt  (S.  63):  „So  auffallend  sich  nun  der  Grün- 
sandstein von  den  anderen  Plänerbildungen  der  Umgebungen  von 
Laun  namentlich  in  petrographischer  Beziehung  unterscheidet,  so 
dass  er  für  diese  Gegend  mit  Recht  als  eine  eigene  Zone  ausge- 
schieden werden  kann,  so  schwierig  möchte  es  sein,  den  Grünsand- 
stein als  eine  selbständige  Zone  in  der  gesammten  böhmischen  Kreide- 
formation nachzuweisen. " 

Ich  habe,  wie  aus  meinen  Arbeiten  bekannt  ist,  überall  in  der 
westböhmischen  Kreideformation  das  Aequivalent  des  Malnitzer  Grün- 
sandes aufgefunden,  und  zwar  immer  in  der  höchsten  Lage  der  Zone 
IV,  als  sehr  glauconitische  Schichten,  wie  überall  bei  Laun.  Diese  Zone 
IV  lässt  sich  überall  in  der  genannten  Kreideformation  von  der  Zone 
III,  sowie  von  der  Zone  V  unterscheiden. 

4.  Krejcl  glaubt,  dass  die  Malnitzer  Schichten  nur  als  eine 
nicht  scharf  zu  umgrenzende  Zone  zwischen  den  Weissenberger  und 
Iserschichten  angesehen  werden.  Dazu  muss  ich  bemerken,  dass  über 
dem  Malnitzer  Grünsande  (höchste  Schichten  unserer  Zone  IV)  noch 
nicht  die  Iserschichten,  sondern  die  Zone  V  kommt,  denn  die  wahren 
Iserschichten  Krejcf's  fangen  mit  unserer  Zone  VIII  an. 

5.  Der  Exogyrensandstein  in  Malnitz  ist  kein  Aequivalent  der 
Iserschichten,  er  liegt  ja  unter  dem  Grünsande. 

6.  Die  Ursache  von  dem  Umstand,  dass  Krejci  den  Exogyren- 
sandstein (IV  e)  über  den  Malnitzer  Grünsand  (IV /•)  gestellt  hat,  liegt 
darin,  dass  Krejcf  irrthümlich  unseren  Callianassensaudstein  (IV c) 
mit  dem  Grünsandsteine  (IV r)  verwechselt  hat;  dann  muss  freilich 
der  Exogyrensandstein  IV ß  auf  IV c  liegen.  Dies  sah  Krejcf  in  der 
Schlucht  zwischen  Malnitz  und  Hasinamühle.  (Siehe  Zone  IV  des 
Pigergeb.,  Fig.  34 — 39,  und  Zone  III,  Fig.  23 — 25  und  dazu  gehörige 
Abhandlungen.)  Krejcf  schreibt  fS.  64):  „Auf  der  steileren  östlichen 
Wand  dieser  Schlucht  (Maruscher  Thal)  sielit  man  von  Malnitz  gegen 
Lipenec  (von  Nord  nach  Süd)  die  Schichten  in  folgender  Ordnung: 
Bei  Malnitz  selbst  stehen  weiche  graue  Mergel  (Teplitzer  Schichten) 
[nicht  Teplitzer  Schichten  (X),  sondern  Zone  V  Zahälka]  an,  die 
an  der  westlichen  Seite  des  Baches  bis  zur  Haninamühle  anhalten 
(Zone  IV,  Fig.  35  und  36  links).  Dann  folgen  an  der  östlichen  Seite 
Schichten  von  Exogyrensandstein  (IV e  in  den  Fig.  34,  35,  36,  23, 
24  Zahälka;  bei  Krejcl  Iserschichten),  welche  die  steinige  Lehne 
bis  zur  Ilasiiiamühle    bilden,    während    am    Bache    selbst    unter    den- 


[47] 


Ueber  die  Schichtcnfolgc  der  wcstböhmischeu  Kreideformation. 


113 


selben  der  eigentliche  Grünsandstein"  (uon  Grünsandstein,  sondern 
IV  c  Zahälka;  siehe  dieselben  Figuren).  Hätte  Krejcl  die  Schichten 
über  dem  Exogyrensandsteine  (IV e)  besser  durchstudirt,  so  hätte  er 
über  dem  Exogyrensandstein  überall  den  Grünsandstein  IV /•  gefunden 
(siehe  unsere  Zone  IV   in    der  Umgebung   von  Malnitz   und   Lipenc). 

7.  Denselben  Irrthum  sehen  wir  bei  Krejcf  in  seiner  Er- 
klärung der  Schichtenfolge  bei  Hasinamühle  und  von  da  nach  Lipenc 
(S.  (U),  sowie  in  dem  Steinbruche  der  Hügelkuppe  südlich  von 
Malnitz  (S.  62)  [Zone  III,  S.  46,  Protil  31  ;  Zone  IV,  S.  68—61), 
Fig.  45].  Auch  hier  hat  Krejci  die  Schichten  IV c  als  Grünsand- 
steinschichten erklärt. 

8.  Siehe  auch  unten  „Iserschichten  bei  Malnitz". 


Profil  bei  Weberschan  und  Hrädek. 

Krejcf:  Studien,  S.  53,  55,  61,  66. 

Zahälka:  Zone  II,  S.  8,  Fig.  15;  Zone  III,  S.  52—68,  Fig.  26,  27. 


Zahälka 


Krejci 


Z  a  h  ä  1  k  a 


III 


II,  III  Thone 


Mergel. 


Glauconitisclie  Plänerschichten, 
„ Winterstein "  genannt,  mit 
Rhynchonella  boheinica. 


Lichtgelber,  fester  Pläner  mit 
gi"auen,  kalkreichen  Ausschei- 
dungen, unten  mit  Letten. 


Sandsteine  in  kleiner  Partie  (II) 
und  glimmerige  Thone  (III 
Thone). 


Teplitzer 
Schichten 


Malnicer 
Schichten 


Weissenberger 
Schichten 


Korycaner 
Schichten 


X 


IV 


IH 


II 


Bemerkungen. 

1.  Krejci  rechnet  einmal  die  untersten  Thone  unserer  Zone  III 
zu  den  Korycaner  Schichten,  ein  anderes  Mal  zu  den  Weissenberger 
Schichten. 

2.  Hätte  Krejcf  das  Aequivalent  seiner  Malnicer  Schichten 
(IV  /')  bei  der  Trinksmühle  gesehen  (siehe  unsere  Zone  IV,  S.  73 — 75, 
Fig.  50),  so  hätte  er  gewiss  die  höchsten  ächten  Weissenberger  Pläner 
bei  Hradek  (III),  den  sogenannten  „Winterstein",  nicht  als  Malnitzer 
Grünsand  erklärt. 

3.  Da  der  „Winterstein"  zur  Zone  III  gehört,  so  kann  er  nicht 
mit  den  Mergeln  der  Teplitzer  Schichten  bedeckt  sein.  Das  Profil 
Fig.  11  auf  der  S.  65  ist  überhaupt  schlecht  gezeichnet,  wie  wir  noch 
einigemale  sehen  werden. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  I90ü,  50.  Band,  l.  Heft.  (Ö.  Zahälka.)  15 


114  ö.  Zahalka.  [4^] 

Iserschichtcii  bei  Maliiic  (und  Drnhoinysl). 

Krejcl:  Studien,  S.  66. 

Zaliälka:   Siehe   unsere   Zone   IV    d.    Egergeb.    Unigeb.  v.  Malnitz. 

Wie  wir  schon  in  den  vorhergehenden  Profilen  angedeutet  haben, 
hat  Krejcl  den  Reuss'schen  Exogyrensandsteiii  zu  seinen  Iser- 
schichten  gerechnet,  besonders  darum,  weil  sich  in  dem  Exogyren- 
sandstein  Lima  senmakata,  Casmlulus  Inpis  cancri  und  Catopi/gus 
carinatus  befindet.  Das  Unlialtbare  dieser  Theorie  hat  schon  Eric  vom 
palaeontologischen  Standpunkte  aus  bewiesen.  Der  Exogyrensandstein 
gehört  mit  dem  Grünsandsteine  zu  den  höchsten  Scliicliten  der  Zone 
IV,  aber  die  Iserschicliten  im  Isergebiete  zu  den  Zonen  VIII  und  IX. 
Also  auch  vom  stratigraphischen  Standpunkte  aus  kann  man  den  Exo- 
gyrensandstein (IV  e)  nicht  zu  den  Iserschicliten  rechnen. 

Krejci  schreibt  (S.  66):  „Der  Exogyrensandstein  tritt  an  den 
Hohlwegen  südlich  von  Malnic  und  an  der  östlichen  Seite  des  Thäl- 
chens  von  Malnic  (Zone  IV,  S,  51  —  68)  in  der  Mächtigkeit  von  3—4 
Klaftern  auf  etc."  Da  der  Exogyrensandstein  mit  der  Magasschichte 
eine  Mcächtigkeit  von  285  in  bis  3"9  m  besitzt  (Zone  IV,  S.  72),  so 
geht  daraus  hervor,  dass  Krejcf  zwischen  Malnic  und  Hasinamühle 
auch  noch  andere  Schichten  zugezählt  hat,  und  zwar  den  echten 
Malnicer  Grünsandstein  (IN r).  Die  Schichten:  Magasschichte  (IV w), 
Exogyrensandstein  (IV  e)  und  der  echte  Grünsandstein  (IV /)  haben 
zusammen  eine  Mächtigkeit  von  4"25  m  bis  5"9  m.  Diese  Mächtigkeit 
wäre  dann,  wie  Krejcl  angibt:  3  Klafter. 

Dass  Krejcl  den  wahren  Malnicer  Grünsandstein  —  aber  nur 
zwischen  Malnic  und  Ilasinamühle  —  dem  Exogyrensandstein  zu- 
gezählt hat,  gehtauch  daraus  hervor,  dass  Krejcl  —  wie  wir  schon 
oben  angegeben  haben  —  den  Grünsandstein  unter  dem  Exogyren- 
sandsteine  gesucht  hat.  Er  hat  unseren  Callianassensandstein  IV  c  im 
Malnicer  Steinbruche,  im  Maruscher  Thale  und  zwischen  Hasinamühle 
und  Lipenc  für  den  Malnicer  Grünsandstein  gehalten. 

Da  Krejcl  im  Exogyrensandsteine  die  oben  erwähnten  Echino- 
dermen  citirt  (die  sich  in  IV  m  befinden),  so  hat  er  auch  die  Magas- 
schichte (IV  m)  zum  Exogyrensandsteine  (IV  e)  gerechnet. 

Unsere  Schichtenfolge  der  Zone  IV  und  V  hat  also  Krejcl  bei 
Laun  auf  zweierlei  Weise  erklärt: 

<i)  Zwischen  Malnitz  und  Hasinamühle: 

V  Teplitzer  Schichten  (X). 

•jy   I  f?  >  Exogyrensandstein  =  Iserschichten  (VIII  -H  IX). 
jmj 
'  c      Malnicer  Grünsandstein. 

b)  Zwischen  Malnic   und  Laun: 

V  Teplitzer  Schichten  (X). 

if      (irünsandstein  von  Malnic. 
1 — 9  dem  Krej  cl  nicht  bekannter  Horizont  (siehe  Zone  IV, 
Profil  57). 


[49] 


Ueher  die  Schichtenfolge  der  westhöhniischen  Kreideformation. 


115 


B  e  m  e  r  k  u  n  g. 

Die  Theilung  der  Zone  IV  in  die  Horizonte  c,  w,  e,  r  kann 
man  nnr  bei  Mahne  durclifüliren ;  anderswo  kann  man  nur  den 
Horizont  r  in  den  höchsten  Schichten  der  Zone  IV  ausreihen.  Hier 
muss  man  den  Horizont  IV  y  und  vielleicht  auch  einige  Schichten  unter 
IV  r  als  Aequivalent  der  Horizonte  IV /'  +  ß  +  ni  von  Malnitz  be- 
trachten. (Siehe  Zone  IV,  S.  IG— 19.) 


Schichteiifolge  in  der  riugebung  von  Libocliovic,  Kystra  und 

Kostic. 

Krejci:  Studien,  S.  61,  68,  74.  Fig.  12  rechts. 
Zahälka:  Zone  VIII,  IX  und  X  des  Egergebietes. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Krejci 


Z  a  h  ä  1  k  a 


IX 


X 


IX  höchste 


VIII 


Weiche,  kalkig-thonige,  dünn- 
blätterige  Mergel ,  die  sich 
durch  Verwitterung  in  lettige 
Masse  auflösen. 


Gelblichgrauer  Pläner-     q, 
mergel.  ^ 


Feste,  kalkreiche,  graue 
Mergelbänke. 


Untere 


Gelber  Pläner  bei  Radovesic. 


Priesener 

Schichten 


IX 


Teplitzer 
Schichten 


Weissenberger 
Schichten 


HI 


Korycaner  Schichten. 


Bemerkungen. 


II 


1.  Ueber  die  unteren  Teplitzer  Schichten  (nicht  Teplitzer  [X], 
sondern  höchste  Schichten  der  Zone  IX)  sngt  Krejci,  dass  sie  im 
palaeontologischen  Charakter  mit  der  Bllä  Horka  (Zone  V)  über- 
einstimmen. Wir  haben  schon  bewiesen  (Zone  IX,  S.  39),  dass  schon 
nach  Krejci's  palaeontologischen  Studien  ein  grosser  Unterschied 
zwischen  den  Schichten  IX  in  Kystra  und  der  Zone  V  der  Bflä 
Horka  ist.  Nach  Krejci  wäre  also:  Zone  IX  (höchste)  in  Kystra  = 
Zone  V  der  Bllä  Horka  =  Zone  X  in  Teplitz. 

2.  Krejci  meint,  dass  seine  Weissenberger  Schichten  (nicht 
Weissenberger  [III],  sondern  Zone  VIII)  theilweise  von  grauen 
Teplitzer  Schichten  (Zone  X)  bedeckt  sind.  Das  ist  nicht  richtig. 
Nirgends  ist  die  Zone  VIII  mit  der  Zone  X  bedeckt.  Bei  der  Aus- 
mündung des  Ti-iblitzer  Baches  in  die  Eger  bei  Radovesic  SW  von 
Zabovfesk    sieht   man   zwischen    der  Zone  VIII    auf  einer  Seite  und 

15* 


116 


Ö.  Zahälka. 


[50] 


der  Zone  IX  und   X   auf   der   anderen  Seite  eine  Verwerfung  (siehe 
Zone  IX  des  Egergebietes,  S.  14,  15). 


Zone  VIII 


Zone    X. 


Zone  IX. 


Eger-Fluss. 

Der  von  K  r  e  j  c  f  citirte  riesige  Inoceramus  lahiafu^  wird  wohl 
ein  Inoceramus  Brongniaiii  sein  (siehe  Zone  VIII  d.  Egergeb.,  S,  6,  7). 

3.  Unter  den  angeblichen  Weissenberger  Schichten  (Zone  VIII) 
führt  Krejcf  seine  Korycaner  Schichten  (unsere  Zone  II)  an.  Wie 
bekannt,  kann  unter  der  Zone  VIII  nur  die  Zone  VII  sein.  Diese 
Schichten  kommen  aber  nirgends  zutage,  da  die  tiefsten  Schichten, 
die  bei  Libochowitz  zutage  treten,  der  Zone  VIII  angehören. 


Schichtenfolge  bei  der  Leneschitzer  Ziegelei  (Chliim  und 

Ranay  Berg). 

Krejcl:  Studien,  S.  66,  74,  Fig.   11  rechts. 
Zahalka:  Zone  III,  VIII  und  IX  des  Egergebietes. 


Zahälka 


Krejcl 


Zahillka 


1X3  etc. 


Baculitenmergel. 


Priesener 
Schichten 


IX 


IX,  und  1X2 


Weiche  Mersrel. 


Teplitzer 
Schichten 


X 


VIII 


III 

höchste 


Grünsandstein. 


Winterstein. 


Malnitzer 
Schichten 


IVr 


III 


Weissenberger  Pläner. 


III 


Bemerkungen. 

1.  Da  Krejcl  den  Winterstein  (höchste  Schichte  der  Zone  III) 
unserer  Zone  VIII  gleichgestellt  hat,  so  stellt  er  den  Weissenberger 
Plcäner  (bei  Hrädek— Zone  III)  unter  die  Zone  VIII.  Wie  bekannt,  ruht 
unter  der  Zone  VIII  bei  der  Leneschitzer  Ziegelei  der  Schichten- 
complex  der  Zonen  V  +  VI  -H  VII  und  nicht  III.  Sowohl  die  Zone  VIII 
(Grünsandstein,  Krejcf),  als  auch  die  höchste  Schichte  der  Zone  III 
(Winterstein,  Krejcf)  entsprechen  nicht  den  Malnicer  Schichten 
Krejcfs  bei  Laun  (IV  r). 

2.  Die  Scliichten  IX  ^  und  IX  2  haben  mit  den  wahren  Teplitzer 
Schichten  (X)  nichts  gemeinschaftliches,  weder  petrographisch  noch 
auch  palaeontologisch  und  stratigraphisch. 

3.  Von  der  Leneschitzer  Ziegelei  zur  Poustka  ruhen  die  wahren 
Teplitzer  Schichten  (X)  auf  den  Priesener  Schiciiten  (IXj. 


Ff)!" 


Ueber  die  Schichtenfolge  der  westböhniischen  Kreideformation.  117 


Profil  in  Priesen  (Krenzberg). 

Krejcl:   Studien,  S.  66,   67,    74,  Fig.  11  links;  Verhandl.    d.    k.    k. 
geol.  R.-A. 


Zahälka 


Krejcf 


Zahälka 


X 


1V«>,  / 


Baculitenmergel  am  Kreuzberg. 


Tiefere  Mergelbänke  dieses 
Hügels  (Kreuzberg),  da,  wo 
sie  von  der  Eger  entblösst 
sind  und  als  festere  graue 
Schichten  auftreten.  Hieher 
gehören  auch  die  Schichten 
der  Bilä  Horka. 


Exogyrensandstein  K  r  e j  c  i. 


Priesener 
Schichten 


IX 


Teplitzer 
Schichten 


Iserschichten 


VIII,  IX 


Schichtenfolge  aus  der  Umgebung  von  Peruc  bis  nach  Prag 

(Weissenberg). 

Krejcf:  Studien,  S.  79—85,  Fig.  14,  15,  17. 


Zahälka 


Krejcf 


Zahälka 


III 


Weissenberger,  Malnicer  und  Teplitzer 
Schichten. 


III,  IV /,  X 


II 


Korycaner  Schichten. 


II 


I 


V 


Perutzer  Schichten. 


I 


Bemerkung. 

Krejcl  schreibt  in  seinen  Studien  S.  85:  „Der  typische  Malnicer 
Grünsandstein  (IV r)  fehlt  dem  beschriebenen  Plateau;  da  dieser  Grün- 
sandstein aber  seinem  palaeontologischen  Charakter  nach  eigentlich 
nur  als  die  höhere  Zone  des  Weissenberger  Pläners  betrachtet  werden 
kann,  so  dürften  die  höheren  plattenförmigen  und  sandigen  Pläner- 
schichten,  wie  sie  am  weissen  Berg  auftreten,  als  ein  Repräsentant 
derselben  betrachtet  werden." 

Der  typische  Malnicer  Grünsandstein  gehört  zu  dem  höchsten 
Horizonte    r    unserer   Zone    IV.    Diese    Zone    IV    endet   bei    Peruc 


118 


Ö.  Zahdlka. 


[52] 


(in  Slavetin)  und  von  Periitz  gegen  Prag  (Weissenberg)  setzt  sie  nicht 
mehr  fort.  Die  höchsten  Pläner  des  Weissenberges  gehören  nur  der 
Zone  III  an.  So  auch  die  „weissgrauen  kalkig-  erdigen  Schichten  mit 
zahlreichen  Foraminiferen",  die  Krejci  (S.  86)  zu  den  Teplitzer 
Schichten  zählt. 

Profil  bei  Pfestavllv. 

K  r  e  j  c  f :  Studien,  Fig.  1 8  rechts. 

Zahälka:    Päs.  I,  II,   III  d.  Kreideformation  in  d.  Umgeh,  v.  ßip, 
S.  7—9,  11—12,  19-22.  Fig.  3,  Geotektonika  S.  2-4,  Fig.  2. 


Zahälka 


Krejcf 


Zahälka 


III 


m,j 


II 


P 


Teplitzer  Schichten. 


X 


Malnitzer  und  Iserschichten. 


IVr,  VIII,  IX 


Weissenberger  Schichten. 


III 


Korycaner  Schichten. 


II 


Perutzer  Schichten. 


d 


Pennische  Formation. 


B  e  m  e  r  k  u  n  g. 

Bei  Pfestavlk  ist  über  den  Korycaner  Schichten  nur  die  Zone  III 
entwickelt.  In  der  Thalsohle  desselben  Dorfes  ist  keine  Permfor- 
mation zu  beobachten.  Durch  das  Dorf  Pfestavlk  gehen  zwei  Ver- 
werfungsspalten, 


Profil  bei  Zidovec  (eigentlich  Zidovic). 

Krejcf:  Studien,  S.  87,  Fig.  18  links. 

Zahälka:  Zone  X  d.  Umgeh,  v.  Bip,  Fig.  43,  S.  11—21. 


Zahälka 


K  rej  Gl 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Priewener 


Weissgelbe,  feste,  plattenförmige  Kalk- 
mergel mit  charakteristischen  Ino- 
ceramjis  Ciivieri.   Zwischen  Chvalin    Schichten 
und  Zidovic. 


t,  C 


Bröcklige,  mergelige  Pläner  von  grauer 
oder  w eissgrauer  Farbe. 


IK 


Teplitzer 
Schichten 


X 


Malnicer  und  Iserschichten. 


IVV,VIILIX 


Weissenberger  Schichten. 


III 


[53] 


Ueber  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation.  119 


I>  (!  111  e  V  k  u  11  |A. 
Die  Schichten  X  d  sind  keine  l'riesener  Schichten  (IX),  sondern 
die  höchsten  Schichten  <l  der  Zone  X,  d.  h.  der  Teplitzer  Schiciiten. 
Unter  dem  Horizonte  \l>c  können  nidit  die  Malnicer  (IV/'-^  Iser- 
(VIII  +  IX)  und  Weissenberger  (III)  Schichten  liegen.  Diese  von 
Krejcf  angeführten  Schichten  existireu  nicht  an  der  Stelle,  wo  sie 
Krejcl  angibt,  sondern  an  ihrer  Stelle  befindet  sich  auch  der  Horizont 
Xbc  bis  nach  Zidovic.  Erst  unter  Zidovic  im  Elbeufer  habe  ich  bei 
den  Navigationsbauten  die  Spuren  der  höchsten  Schichten  der  Zone  IX 
(Priesener  Schichten)  gesehen  (siehe  Profil  Fig.  43,  Zone  X  d.  Umgeb. 
des  Berges  Eip). 

Teplitzer  Schichten  am  Ripplateau. 

Krejcf:  Studien,  S.  86. 

Krejcf  schreibt:  „Am  Üstrande  des  Kreideplateaus  kann  man 
sie  auf  den  Höhen  zwischen  Mühlhausen  und  Welwarn  bei  Ober- 
Berkovic  und  Citov  und  dann  über  Skuhrov,  Eecic  gegen  Kostomlat, 
Vesce,  sowie  über  Kiene,  Racinoves  bis  gegen  Charwatec  verfolgen." 

Diese  Schichten  gehören  nicht  zu  den  Teplitzer  Schichten  von 
Teplitz  (Zone  X),  sondern  zu  unserer  Zone  V  und  IX,  ^  (siehe  unsere 
Abhandlungen  über  diese  Zone  d.  Umgeb.  des  Berges  Eip). 


Schichtenfolge  vom  Cecemiii  zur  Elbe  bei  Lobkovic. 

Krejcf:  Studien,  S.  103,  Fig.  25. 
Zahälka:  Zone  V,  S.  64,  Fig.  14. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Krej  cf 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Yd 


III,  IV 


II 


k 


Iserschichten. 


"Weissenberger  Schichten, 


Korycaner  Schichten. 


vni,  IX 


in 


II 


Profil  von  Cecelic  nach  Slivno. 

Krejci:  Studien,  Fig.  25. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Krej  cf 


Zahälka 


Xd 


Priesener  Schichten. 


IX 


Xabc 


t        Teplitzer  Schichten. 


V,  VI,  VII,  VIII,  IX 


Iserschichten. 


X 


vni,  IX 


III,  IV 


Q        Weissenberger  Schichten. 


III 


120 


C.  Zabälka. 


[54] 


Profil  von  der  Elbe  bei  Meliiik  (und  Liboch)  über  Vehlovic 

nach  Vysokä. 

Krejci:  Studien,  Fig.  26. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Krejcf 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Xab 


VIII  obere,  IX 


VIl2_4,  VIII  unt. 


VI  +  VII  1 


V(/6-f  V/j(Fig.20) 


V  d  l  —5  (Fig.  20) 


IV 


III  obt 


Dünnplattige  Kalkmergel. 


Priesener 
Schichten 

Graue,   bröcklige   Mergel   oder  i  Teplitzer 
thonige  Schichten.  Schichten 


Quadersandstein. 


Sandige  Mergel. 


Typischer  Plänerbaustein. 


Weiche  Sandsteine  und  sandige 
Mergel. 


Feste  Bank  kieseligen  Sandsteines 
voll  einer  Rhynchonella. 


Sandigkalkige  Mergel  mit  kiesel- 
reichen Concretionen  und  un- 
deutlichen Pflanzenresten. 


Sandigthonige  Mergelschichten 
in  abwechselnd  festeren  und 
weicheren  Bänken  anstehend 
(Melnik,  Elbeufer). 


Iser- 
schichten 


Malnicer 
Schichten 


Weissen- 

b  erger 
Schichten 


IX 


X 


VIII,  IX 


IV  >• 


III 


Bemerkung. 
In   der   Gegend   zwischen  Vehlovic   und  Vysokä   sind  nicht  alle 
Schichten    des    Complexes    VIII    obere    +   IX    aus    Quadersandstein 
zusammengesetzt  (siehe  unsere  Arbeiten  über  die  Zone  VIII  und  IX 
der  Umgeb.  v.  fiip). 

Profil  des  Berges  Sovice  bei  Raudnitz. 

Krejöi:  Studien,  Fig.  27,  S.  106. 


Zahälka 


Krejci 


Zahälka 


\d 


Lichtgelber,  kalkiger  Plattenmergel. 


\ah  c 


Graue    Mergel    mit    Terehratula   sub- 
globosa  etc. 


VIII 


Kalkigsandige,    festere    Gesteine   mit 
Tunitellen  etc. 


VII 


VI 


Festere  Pläner. 


Mergelpartie. 


IV   obere 


Glauconitische  Sandmergel. 


Pnesener 
Schichten 


Teplitzer 
Schichten 


Iser- 
schichten 


Malnitzer 
Schichten 
Weissen- 
berg.  Seh. 


Kory- 
caner  Seh, 


IX 


X 


VIII,  IX 


IVr 


III 
II 


[55] 


Ueber  die  Scliicliteufolge  der  westböhmischeu  Kreideformatiou. 


121 


Bern  erk  uii  <i;e  ii. 

1.  Schichte  „y"  Üvrejcl's  Iserschichten)  sollen  auf  der  Fig.  27 
niedriger  gezeichnet  werden. 

2.  Schichte  „/."  (Krejci's  Korycaner  Schichten)  beziehen  sich 
wahrscheinlich  auf  unsere  höchsten  Schichten  der  Zone  IV  auf  einem 
Fusswege  zwischen  Kyskovic  und  Brozanek  (Zone  IV  d.  Umgeb.  v. 
Rip,  S.   18,   V,).  Fig.  9). 

3.  Das  Profil  des  Sovice-Berges  ist  nur  oberflächlich  gezeichnet 
und  beschrieben,  so  dass  es  schwer  ist,  dieses  Profil  mit  unserem  zu 
vergleichen. 


Prolil  von  dei'  Elbe  über  Zabof  nach  Hostinna. 

Krejcl:  Studien,  S.  102,  113,  Fig.  32  links. 
Zahälka:  Profil  39  b.,  41  der  Umgeb.  v.  Rip 

Hostinna 


CS 
S3 

Krejcl 

CS 
S3 

Z  ä  b  0  r 

X 

b 

Priesener  Schichten 

X 

l-H 

CS3 

Krejcl 

X 

t 

Teplitzer  Schichten 

X 

J 

Iserschichten 

X 
t—t 

l-H 
1— ( 

IX  a  h  c  d 

V,  VI,  VII,  VIII 

J 

Iserschichten 

X 

l-H 

1— r 

l-H 
l-H 

> 

(—1 

1— T 

0 

Weissenberger 
Schichten 

1— ( 
l-H 
►— ( 

> 

l-H 
-O 

o 

l-H 
1— ( 
l-H 

0 

Weissenberger 
Schichten 

l-H 
KH 
l-H 

1— 1 
t— ( 

k 

Korycaner  Schichten 

)—< 

Bemerkung. 
Unter  Hostinna  in  M^rutic   nennt  Krejcl   unsere   Zone  V,  aus 
der   einige   ungemein  starke  Quellen   aus   mergeligem  Plänergesteine 
(V  d)  hervorsprudeln,  Weissenberger  Schichten  (III). 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  1900,  50.  Baud,  1.  Jlelt.  (C.  Zahälka.)  16 


122 


C.  Zahälka. 


[56] 


Schichtenfolge  im  Kokofiner  Thale  von  Wrntie  nach  KokoiMn, 
Hradski),  Sedlec,  Kanina,  Stiem,  Nebnzel. 

Krejcf:  Studien,  S.  114,  126,   127. 

Zahälka:  Zone  IX,  Kokori'ner  Thalgebiet,  Fig.  52. 


Zahälka 


Krejcl 


Zahälka 


Xd 


Grauarelbe  Plattenmers-ol. 


Xabc 


Bröcklisje  Merkel. 


l\cd 


Kalkige    Sandsteine    mit   Exogijra 
coluniba  etc. 


IX /> 


Zweite  mächtige  Bank  von  Sand- 
steinen. 


IX  a 


Glauconitische,  sandige  Mergel. 


VIII 


Mächtige  Bank  von  Sandstein. 


V,  VI,  VII 


Plänermergel. 


Piiesener 
Schichten 


IX 


Teplitzer 
Schichten 


X 


Iserschichten 


VIII,  IX 


Weissen- 
berger  Seh. 


III 


Profil  von  Liboch  nach  A^idini. 

Krejci:  Studien,  S.   105—118,  Fig.  35  rechts. 

Zahälka:  Zone  IV,  S.  22—23;  Zone  V,  S.  55;  Zone  VI,  S.  12-13; 
Zone  VII,  S.  8;  Zone  VIII,  S.  24—25,  Fig.  29,  36;  Zone  IX 
zwischen  Zebus  mid  Vidim  S.  6-7,  10—11,  Fig.  59. 


Zahälka 


Krej  cf 


Z  a  h  ä  1  k  a 


VIII  obere,   IX 


VII  ob.,  VIII  unt. 


m 


IV,  V,  VI,  VII  I 


Iserschichten. 


Malnicer  Schichten. 


Weissenberger  Schichten. 


VIII,  IX 


IV  r 


III 


Krejcl  vergleicht  seine  Schichten  der  böhmischen  Kreide- 
formation in  seiner  Geologie,  Praha  1877,  S.  738 — 757,  mit  nach- 
stehenden Kreidestufen  Frankreichs : 


[57] 


lieber  die  Schiclitenfolffo  der  westbölimischen  Kreideformation. 


123 


Chlomecker  Schichten. 
Priesener  Schichten. 


\  Senon. 


Teplitzer  Schichten. 
Iserschichten. 
Malnicer  Schichten. 
Weissenberger  Schichte 

Korycaner  Schichten. 
Perucer  Schichten. 


J 


Tiiron. 


Cenoman. 


In    demselben  Werke    S.    778,    Fig.  654,  unterscheidet  Krejcf 
nachstehende  drei  Schichten  im  Ripplateau. 


Z  a  li  a  1  k  a 


IV  bis  X 


III 


K  r  e  j  c  1 


Weissenberger  Schichten  .o". 


II 


Korycaner  Schichten  „k 


Perucer  Schichten  „/>". 


Dabei  sagt  Krejcf  (ebenda  S.  779),  dass  über  dem  Weissen- 
berger Pläner  höhere  Lagen  um  den  Berg  Rip  herum  zu  dem  Malnitzer 
Grünsande,  zu  den  Iser-  und  Teplitzer  Schichten  gerechnet  werden 
können,  aber  dass  hier  alle  diese  höhere  Schichten  als  Pläner  ent- 
wickelt sind. 

Dass  Krejci  mit  dem  Namen  Teplitzer  Schichten  unsere  Zonen  V 
und  IX  gemeint  hat,  haben  wir  schon  früher  erwähnt.  Auf  welche 
Schichten  er  aber  mit  dem  Namen  Malnitzer  Giünsand  und  Iser- 
schichten hinweisen  wollte,  kann  ich  nicht  sicher  bestimmen,  da  er 
sie  nicht  näher  beschrieben  hat;  wahrscheinlich  die,  welche  unter  der 
Zone  V  und  llL  liegen. 

Dr.  Ant.  Fric  verölfentlichte  nachstehende  Arbeiten  aus  den 
Studien  im  Gebiete  der  böhmischen  Kreideformation  — Palaeontologische 
Untersuchungen  der  einzelnen  Schichten  —  im  Archiv  der  natur- 
wissenschaftlichen Landesdurchforschuno"  von  Böhmen : 


Perucer  Schichten.  1869. 
Korycaner  Schichten,  1869. 
Weissenberger  und  Malnitzer 
Iserschichten.  1888. 
Teplitzer  Schichten.  1889. 
Priesener  Schichten.   1893. 
Chlomeker  Schichten.  1897. 


Schichten.   1878. 


16^ 


124 


Ö.  Zahälka. 


[58] 


In  diesen  Arbeiten  unterscheidet  Fric  nachfolgende  Schichten- 
folge  der  westböhmischen  Kreideformation : 


Zahälka 


Fric 


IX 


X 


IX 


VIII  // 


IV /• 


V  a  untere 


Vrt,  IVr  etc 


IV 


VI 


IV 


III 


Priesener  Schichten. 


Teplitzer  Schichten. 


Kaniner  Bi-yozoenschichten. 


Chorousker  Trisfoniaschichten. 


Zweiter  Kokofiner  Quadei*. 


Hledseber  Zwischenpläner. 


Erster  Kokofiner  Quader. 


Bysicer  Uebergangsschichten. 


Malnitzer  Avellanenschichte. 


Launer  Knollen. 


Malnitzer  Grünsand. 


Wehlowitzer  Pläner. 


Dfinower  Knollen. 


Semitzer  Mersrel. 


Iser- 
schichten 


Malnitzer 
Schichten 


Weissen- 

berger 

Schichten 


]I 


Korycaner  Schichten. 


Perucer  Schichten. 


[50]  lieber  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation.  125 

Idealprofil  der  Weissenber<;er  und  Malnitzer  Schichten 

zusammengestellt   nach   den  Aufschlüssen  bei  Dilnov  und  Welilowitz. 
Friu  1878:  Die  Weissenberger  und  Malnitzer  Schichten,  S.  8. 


Zahälka 


Fric 


Z  a  h  ä  1  k  a 


VIII 


VII 

in  Wehlowitz^ 


l 


VI 


III 


Die  unterste 
Schichte  der  Zone 
>  d  l  bei  Raudnitz 


IV 


I   Vrf2 

I      bei 
Raudnitz 


III 


II 


13.  Iserschichten. 


12.  Gelbliche, 
sandig-plä- 
nerisfe 


11.  Graue,  kal- 
kige 


Malnitzer  Avel- 
lanenschiehte. 


Launer  Knollen. 


10.  Glauconitischer 
Pläner  od.  graue, 
klinorendePlatten 


Malnitzer 
Grünsand, 


9.  Höhere  Lage  od.  Fischlasre. 


8.  Tiefere     Lage     mit     Hohl- 
räumen nach  Scyphien. 


Ih.  Ostreen-Schichte. 


7  ((.   Höhere 
knollisfe 


oder   quadrige 
Lage. 


Va 


nicht 
selbständig 


r^    Ph 


6.  Tiefere ,    sandig  -  plänerige 
Laffe. 


(  ^ 


5.  Festere ,     kalkig  -  sandige 
Lasre. 


4.  Graue  obere  Lage. 


3.  Gelbliche  untere  Lage. 


2.  Schwärzliche  Schieferthone 
mit  Area  snb(/labra  (Hradek, 
Hledseb). 


bc 


IV  r 


VI 


1.  Korycaner  Schichten. 


IV 


}  "I 


III 


126  C.  Zahälka.  [60] 

Be  m  erkling  eii. 

1.  Das  Idealprofil  ist  nicht  nur  nach  den  Aufschlüssen  bei 
Drinow  und  Wehlowitz  zusammengestellt,  sondern  auch  nach  den  Auf- 
schlüssen am  Dzbanberge  bei  Rakonitz  (das  bezeugt  die  Schichte  8), 
und  nach  den  Aufschlüssen  am  Vrchlabec  bei  Raudnitz  (das  bezeugt 
die  Schichte  7  h). 

2.  Die  römischen  Ziffern  in  der  linken  Colonne  bedeuten,  zu 
welcher  meiner  Zonen    die   Fric'schen    Schichten  1  bis   13  gehören. 

3.  Die  römischen  Ziffern  in  der  rechten  Colonne  bedeuten  wieder, 
zu  welchen  meiner  Zonen  die  in  dem  Fric's  Idealprofile  rechts  an- 
gegebenen typischen  Schichten  gehören.  Zum  Beispiel: 

Die  Malnitzer  Avellanen-Schichte  in  Malnitz  gehört  zu  der 
untersten  Schichte  der  Zone  V,  Horizont  a. 

Die  Launer  Knollen  bei  Laun  sind  kein  selbständiges  Glied 
der  Kreideformation. 

Der  Malnitzer  Grünsand  in  Malnitz  gehört  zu  den  obersten 
Schichten  r  der  Zone  IV. 

Der  Wehlowitzer  Plan  er  in  Wehlowitz  gehört  zur  unserer 
Zone  VI  u.  s.  w. 

Die  Weissenberger  Schichten  am  Weissen  berge  bei  Prag 
gehören  blos  unserer  Zone  III  an. 

4.  Beim  ersten  Blick  auf  unsere  Colonnen  sieht  man,  wie  Fric 
ganz  verschiedene  Horizonte  unserer  Kreideformation  für  aequivalente 
Horizonte  gehalten  hat.  Zum  Beispiel : 

Die  untersten  Schichten  der  Zone  VIII  =  der  unteren  Schichte  von  V  (l 
Die  unteren  Schichten  der   Zone  VII  =  den  oberen    Schichten  /■  der 

Zone  IV  u.  s.  w. 

VI  ] 

Der  Schichtencomplex   IV       ^^^  Wehlowitz  ^  Zone  III  bei  Prag 
TTT  und  Drinov. 

5.  Fric  hat  die  mächtige  Zone  V  bei  Raudnitz  übersehen  und 
nur  die  unterste  Schichte  der  Zone  V  am  Vrchlabec  bei  Raudnitz 
als  Ostreenschichte  erwähnt.  Hätte  Fric  in  der  Umgebung  von 
Raudnitz  die  ganze  Zone  V  durchstudirt,  so  hätte  er  überall  in  ihrer 
unteren  Abtheilung  Yd  über  seiner  Ostreenschichte  den  Rhynclionellen- 
quader  gefunden  (V  d2  bei  Raudnitz).  In  dem  Idealprofile  der 
Weissenberger  und  Malnitzer  Schichten  stellt  aber  Fric  denselben 
Quader  unter  seine  Ostreenschichte. 

6.  Da  nun  der  Rhynchonellenquader  bei  Raudnitz  und  Wehlowitz 
jünger  ist  als  die  genannte  Ostreenschichte,  so  können  wir  diesen 
Quader  nicht,  wie  es  Fric  gethan  hat,  zu  den  Drinover  Knollen 
(unserer  Zone  IV)  rechnen.  Nach  Fric  sollte  man  also,  da  die 
Ostreenschichte  die  Drfnover  Knollen  nach  oben  hin  abgrenzt  ^),  den 
über  dieser  Ostreenschichte  folgenden  Quader  bei  Fric's  WelUowitzer 
Pläner  (meiner  Zone  VI)  einreihen;  aber  Fric's  Wehlowitzer  Phlner 
ist  vom  Rhynchonellenquader  noch  durch  einen  mächtigen  Schichten- 


')   Kriö,   VVoisseiihergpr  und   Malnit/er  Scliiclitoii,  Seile  13. 


[1)1]  Uebor  die  Scliichteiifolge  der  westböliniisclien  Kreideformation.  127 

complex  getrennt  (meine  höheren  Schichten  der  unteren  Zone  V  die 
über  den  Quader  liegen,  und  meine  obere  Zone  V;  daraus  folgt, 
dass  wir  den  Quader  auch  nicht  zu  dem  Wehlowitzer  Pläner  (Zone 
VI)  rechnen  können.  Es  ist  also  gerechtfertigt  —  abgesehen  -von 
anderen  Gründen  ^)  -  -  dass  ich  zwischen  den  Dfüiower  Knollen 
(Zone  IV)  und  dem  Wehlowitzer  Pläner  (Zone  VI)  eine  selbständige 
Zone  V  ausgeschieden  habe.  (Siehe  auchZahälka:  Die  stratigraph. 
Bedeutung  der  Bisch.  Ueberg.  Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  R.  -A.  1895, 
Bd.  45,  Hft.  1,  S.  94,  95.) 

7.  Fric  glaubt,  dass  in  dem  Wehlowitzer  Pläner  (Zone  VI) 
noch  eine  tiefere  Lage  mit  Hohlräumen  nach  Scyphien  sich  befindet 
(Schichte  8).  Diese  Schichte  8  hat  aber  Fric  in  den  Aufschlüssen 
bei  Wehlowitz  nicht  gefunden  (darum  hätte  sie  in  das  Idealprofil  nach 
den  Aufschlüssen  bei  Drfnov  und  Wehlowitz  nicht  aufgenommen  werden 
sollen),  sondern  am  Dzbanberge  bei  Rakonitz^).  Ich  habe  dieselben 
Schichten  in  der  Umgebung  von  Laun  constatirt^)  Dieser  Horizont 
(Schichte  8)  gehört  aber  nicht  zur  Zone  VI  (Wehlowitzer  Pläner  in 
Wehlowitz),  sondern  zu  den  oberen  Schichten  der  Zone  III  (=  Semitzer 
Mergel  bei  Melnik  =  Weissenberger  Schichten  bei  Prag)  und  liegt 
bei  Laun  unter  der  Zone  IV  (=  Dfinover  Knollen  bei  Raudnitz).  Die 
Schichte  8  bei  Rakonitz  und  Laun  ist  eine  sandige  Facies  der  Zone  III, 
die  sich  bei  Rakonitz  und  Laun  durch  eine  ungeheuere  Menge  von 
Spongiennadeln  auszeichnet. 

Wir  sehen  also,  dass  das  Idealprofil  mit  der  Natur  nicht  über- 
einstimmt. 


Profil  der  Weissenberger  und  Malnitzer  Scliichten  bei 
Wehlowitz  unweit  Melnik. 


Fric:    Weissenberger    und    Malnitzer   Schichten, 
schichten,  S.  22,  Fig.  9. 


S.    85—87;    Iser- 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Fric  1878:  Weissenb.  u.  Main.  Seh.,  S.  85—87 


Zah  älka 


VIII 


(  3 


VH    l  2 
1 
l 


Sandig-mergeliger  Pläner,  in  wel- 
chem .i  Reihen  (1,  2,  3)  von  grauen 
Kalkknollen,    welche    zum    Kalk- 
brennen verwendet  werden. 


Plattenförmiger,  klingender  Pläner  mit 
Areas  üb fflabra,  der,  trotzdem  er  nur  spar- 
same glauconitische  Körner  enthält,  den- 
noch ein  Aequivalent  des  tiefsten  Gliedes 
der  Malnitzer  Schichten  sein  dürfte. 


Va 


Launer 
Knollen 


nicht 
selbständ 


§6 


IV 


^)  Zahälka:   Päsmo  V.  ütvaru  kMd.  v  okoli  fi,ipu,  S.  32;  pasmo  V.  ütvaru 
kfidoveho  v  Poohi'i. 

^)  Friß:  Weissenberger  und  Malnitzer  Schichten,  S.   15,  65. 
^j  Zahälka:  Päsmo  III  kfidovöho  ütvaru  v  PooLfi.  6,  47,  48. 


128 


ö.  Zahälka. 


[62J 


Zahälka 


P'ric  1878:  Weissen!),  u.  Main.  Seh.,  S,  85—87 


Z  a  h  ä  1  k  a 


VI     { 


V 
IV 


Welliger,  quarziger  Planer,  auf  Avelclien 
eine  mächtige  Lage  gewöhnlichen  Bau- 
pläners  mit   zwei    Lagern    von  Quarz- 
knollen folert. 


Gelbliche 
oben. 

Graue 
unten. 


Schöne  Pläner  (Zloutky), 
welche  zu  den  Steinmetz- 
arbeiten verwendet  werden 
und  das  Lager  von  Macro- 
yoma  speciosiiin ,  Berijx 
Zippei  und  Enophclythia 
Leachii  sind. 


Erste   Bank   des   Pläners,    3'   mächtig, 
„Spodek"  genannt.  Enthält  graue  Par- 
tien, welche  zum  Kalkbrennen  und  zum 
Strassenbau  verwendet  werden. 


Knollenschichten,  welche  den  grössten 
Theil  der  ganzen  Berglehne  zwischen 
Melnik  und  Liboch  einnehmen  und  die 
berühmten  Weinberge  tragen,  enthalten 
etwa  in  der  Mitte  ihrer  Mächtigkeit  die 
Bank  des  Rhynchonellen-Quaders. 


VI 


IV 


Z  a  li  ä  1  k  a 


Fric   1883:  Die  Iserschichten,  S.  22,  Fig.  9 


Z  a  h  ä  1  k  a 


VII,  VIII 


VII 


VI 


Launer  Knollen  der  Malnitzer  Schichten. 


nicht 
selbständig 


Plattenpläner. 


Knollenlage  der  Fischpläner. 
Wehlowitzer  Fischpläner. 


Malnitzer 
Grünsand 


Wehlo- 
witzer 
Pläner 


IV /• 


VI 


V 


IV,  V 


Feste  ,  durch  Fucoiden  ver- 
filzte Schichte,  „Vecnost" 
genannt. 


Obere     Partie     der     Dfinover 
Knollen. 


Rhynchonellen-Quader. 


Pläner  vom  Alter  der  Dfinover 
Knollen. 


IV 


Bemerkungen. 

1.    Die   römischen  Ziffern    in    der    linken    und    rechten  Colonne 
haben  dieselbe   Bedeutung   wie   früher.    Man   sieht   wieder,    wie   bei 


[<5 


Ueber  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation. 


129 


Fric    verschiedene    Horizonte    als    äquivalente    Horizonte    betrachtet 
werden.  Zum  Beispiel: 

Zo  e  VIII  in  Welilowitz  =  Y  a  bei  Malnitz. 
Zone  Ml  in  Wehlowitz  =  IV  r  bei  iMalnitz. 
Zone  V  in  Welilowitz  =  IV  bei  Raudnitz  und  Drfnov. 

2.  Fric  gibt  in  den  vorhergehenden  Profilen  an,  dass  in  Wehlowitz 
der  Rhynchonellenquader  in  der  Mitte  der  Drfnover  Knollen  (Zone  IV) 
sich  befindet.  Das  stimmt  nicht  mit  der  Natur  überein.  Der  Rhyn- 
chonellenquader liegt  oberhalb  der  Fric'schen  DKnover  Knollen,  in 
der  unteren  Zone  V. 

3.  Fric  schreibt  (Weissenb.  Seh.,  S.  86):  „Die  Steinbrüche  (im 
Wehlowitzer  Pläner  bei  Wehlowitz)  sind  stellenweise  bis  auf  den 
Rhynchonellenquader  getieft,  der  aber  nicht  abgebaut  wird."  Das  ist 
ein  Irrthum.  In  den  Steinbrüchen  kommt  man  unter  dem  Wehlowitzer 
Pläner  nicht  auf  den  Rhynchonellenquader^),  sondern  auf  einen  grob- 
körnigen Sandmergel,  der  „Vecnost"  genannt  wird  (höhere  Zone  V) 
und  der  auch  Rhynchonellen  birgt.  Der  wahre  Rhynchonellenquader 
befindet  sich  um  18  ni  tiefer  unter  dem  Wehlowitzer  Pläner.  Diese 
Angabe  Fr ic's  stimmt  auch  mit  seiner  vorhergehenden  nicht  überein, 
dass  der  Rhynchonellenquader  in  der  Mitte  der  Dri'nover  Knollen  sich 
befinden  soll! 

4.  Fric  glaubt,  dass  die  Schichte  „Vecnost"  durch  Fucoiden 
verfilzt  ist.  Das  ist  nicht  richtig.  Erst  16  m  unter  dem  Wehlowitzer 
Pläner  in  Wehlowitz  befindet  sich  ein  glauconitischer  Quadersandstein 
(V(^5),  der  durch  Fucoiden  verfilzt  ist. 


Profil  bei  Libocli. 

Friö:  Weissenberger  Schichten,  S.  84,  85,  Fig.  31. 


Zahälka 


Fric  (Fig.  31] 


Zahälka 


VI 


IV 


m 


10 

d' 
r 


Malnitzer  Schichten. 


Wehlowitzer  Fischpläner. 


Dfinower  Knollen. 
Rhynchonellen-Quader. 


Dfinower  Knollen. 


Semitzer  Mergel. 


IV  r,  V« 


VI 


IV 


III 


P)  em  erkung  en. 

1.  Bei  Wehlowitz  führt  Fric  die  Knollenlage  des  Fischpläners 
an  (Iserschichten  S.  22,  Fig.  9);  es  ist  die  obere  Lage  des  Fisch- 
pläners  (unsere  obere  Abtheilung  der  Zone  VI).  Diesen  Horizont  hat 


>)  Dasselbe  führt  Friö  an  in  seinem  Idealprofile.  Weissenb.  Seh.,  S.  8. 
-lalubuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalr,  1900,  50.  Band,  1.  Heft.  (0.  Zahälka.)  17 


130 


ö.  Zahälka. 


[64] 


Fric  bei  der  oberen  Kirche  von  Libocli  (also  in  der  Nähe  von 
Wehlowitz)  nicht  als  seine  Knollenlage  des  Fischpliiners"  erkannt, 
sondern  als  Malnitzer  Schichten  in  Wehlowitz  erklärt,  das  heisst  als 
Aequivalent  der  Schichten  7  und  8  (Iserschichten,  S.  22,  Fig.  9),  die 
aber  wieder  den  Malnitzer  Schichten  in  Malnitz  nicht  äquivalent 
sind,  wie  aus  früheren  Profilen  bekannt  ist.  Friö  hat  also  nach- 
stehende falsche  Gleichung  gestellt: 

Obere  Zone  VI  in  Liboch  =-  YII  +  untere  Zone  VllI  in 
Wehlowitz  =  IV  /   -f   V  a  in  Malnitz. 

2.  Die  Drinover  Knollen  (Zone  IV)  gehen  in  Liboch  l)is  zur 
Elbe.  Es  sind  also  in  dem  Libocher  Profile  keine  Semitzer  Mergel 
(Zone  III). 

3.  Unsere  Zone  V  wurde  bei  Liboch  in  ähnlicher  Weise  erklärt 
wie  bei  Wehlowitz. 


Sclieiiiatisches  Profil   des   Sovice-Ber^es   bei  Bro/anek   nord- 
östlich von  Kaudnitz. 

Fric:  Teplitzer  Schichten,  S.  44,  45,  Fig.  15. 

Zahälka:    Fig.   1,  J-59  «.    Zone  IV,  V,  VI,  VII,  VIII,  IX  und  X  der 
Umgebung  von  Rip. 


Zahälka 


F  r  i  c 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Diluvialer. 


12.  Diluvialgerölle. 


11.  Klingende  Inoceramenpläner. 


IX 


VIII 


VI,  VII 


10. 


8. 


Höchste  Rhynchonellen  -  Lage  der 
Teplitzer  Schichten  (Abraumschich- 
ten  des  Profils  von  Settenz). 
Festere  Bänke  vom  Alter  des  Körjiers 
des  Settenzer  Profils. 
Graue  Mergel  vom  Alter  der  Pläner- 
mergel  von  Kystra  und  der  Kosch- 
titzer  Platten. 


7.  Sandige    Felder,     den    zerfallenen 
Kokofiner   Quadern    entsprechend. 


6.  Sandige 

Knolleni^läner 


der  Bischitzer  lieber- 
Efansjsschichten. 


A' 


IV 


t) 


Braune  Pläner  mit  Aixa 
suhfflabra 


Launer 
Knollen. 


3.  Festere,    glauconitische  ,  Malnitzer 
Bank  1  Grünsand. 


2-  I  Graue,  glai 
—  f  C(il/i<t>iass(i 


auconitische  Pläner  mit 
hohcmiai.  Wehlowitzer 
Pläner. 


Priesener 
Schichten 


Weissen - 
berger 
Schichten 


IX 


X 


IX /> 
VIII     IX 


IV /• 

\  a 
IV 

IV /• 


VIII 

Na 
IV  r 


VI    i    III 


Ux)]  Ucbcr  dit!  Scliiclitciifolge  clor  wcbllioliiiiisrhen   Krcidcfonnutioii,  13| 


Bern  erklingen. 

1.  Weil  die  Schichten  dieses  Proftles,  besonders  aber  die  1.  bis 
5.  sehr  oberflilchlicli  gezeichnet  und  besclirieben  wurden,  so  können 
wir  dieselben  nur  annähernd  mit  meinem  Profile  vergleichen. 

2.  Fric  schreibt  (Teplitzer  Schichten  S.  44),  dass  der  klingende 
Inoceramenpläner  „Liegendes"  der  Priesener  Schichten  ist.  Aber  in 
derselben  Arbeit  schreibt  er  (S.  12),  dass  er  die  Inoceramenpläner 
zu  den  Priesener  Schichten  rechnet. 

3.  Fric  rechnet  einmal  den  Inoceramenpläner  (X<;/)  zu  den 
Teplitzer  Schichten,  z.  B.  auf  der  Rohatetzer  Anhöhe  (siehe  dieselbe 
Arbeit:  Teplitzer  Schichten  S.  43,  Z.  11  bis  21),  weil  ich  aus  den- 
selben Tevehrahda  seniüjlohosa  anführe,  ein  anderesmal  (in  derselben 
Arbeit  S.  44  und  Priesener  Schichten  S.  32)  zu  den  Priesener 
Schichten  (IX),  z.  B.  am  Sowitzberge,  obwohl  sich  dort  auch  Terehra- 
tida  i^einkßohosa  vorfindet. 

4.  Fric  rechnet  den  Inoceramenpläner  (Xr/)  auf  der  Rohatetzer 
Anhöhe  (bei  Zidowic)  zu  den  Teplitzer  Schichten  (nach  der  vorher- 
gehenden Bemerkung  3)  aber  in  derselben  Arbeit  (Teplitzer  Schichten 
S.  12)  führt  er  dieselben  Inoceramenpläner  (X(/)  auf  derselben 
Rohatetzer  Anhöhe  (Zidowic  [nicht  Zidowec])  als  Priesener  Schichten 
(IX),  also  nicht  als  Teplitzer  Schichten  an. 

5.  Fric  beschreibt  seine  Schichte  7  folgendermassen  (Teplitzer 
Schichten  S.  45):  „Die  Kokonner  Quader  stehen  hier  zwar  nicht  als 
massige  Felsen  an,  sondern  verrathen  ihre  Gegenwart  in  zerfallenem 
Zustande  in  den  sandigen  Feldern  (Schichte  7),  welche  die  Anhöhe 
des  eigentlichen  Soviceberges  umgeben  und  den  Boden  der  armseligen 
Föhrenwäldchen  bilden,  welcher  am  Wege  von  Wettel  nach  Raudnitz 
den  Wanderer  ermüdet".  Ich  habe  schon  in  meinem  Artikel:  „Die 
stratigraphische  Bedeutung  etc."  S.  16  constatirt,  dass  Fric  seine 
Schichten  Nr.  7  am  Sowitzberge  nicht  gesehen  hat.  Den  diesen  Hori- 
zont 7  bilden  hier  keine  Sandsteine,  sondern  feuchte  Mergel  meiner 
Zone  IX  (mergeligthonige  Facies  der  Zone  IX).  Darum  sind  im  Um- 
fange der  Zone  IX  (Fric's  Schichte  7)  am  Sowitzberge  keine 
sandigen,  sondern  feuchte,  mergelige  Felder,  und  die  sandigen  Felder, 
von  denen  Fric  oben  spricht,  besonders  zwischen  Wettel  und  Raud- 
nitz, gehören  dem  hiesigen ,  weitverbreiteten  Diluvialsande  und 
Diluvialschotter  an !  (Siehe  meine  geologische  Karte  des  fop- 
plateaus.) 

6.  Fric  erklärte  seine  Schichten  6  so:  „Die  weiter  oben  an- 
stehenden mehr  sandigen  Pläner  führen  drei  Reihen  von  Knollenlagen 
(6),  die  sehr  reich  an  Turritellen  sind,  die  ich  früher  als  Turritella 
Jßttoniana  auffasste,  welche  aber  auch  zu  T.  Xoe(j(jei-athiana  {GoUf.) 
gehören  könnten.  Die  übrigen  darin  aufgefundenen  Arten  weisen 
darauf  hin,  dass  wir  es  hier  mit  den  tiefsten  Iserschichten,  mit  den 
Bise  hitzer  Ueb  e  rgan  gs  s  chicli  ten  zu  thun  haben". 


17^ 


132  <5.  Zahälka.  [m] 

(i)  Ich  habe  in  diesem  Horizonte  nicht  nur  drei  Reihen  von 
Knolleiihigen  (wie  Fric),  sondern  zwölf  Reihen  von  KiioUenkigen 
gefunden. 

h)  Dieser  Horizont  ist  nicht  äquivalent  den  Bischitzer  Ueber- 
gangsschichten  bei  Bischitz,  da  die  Bischitzer  Uebergangsschichten 
in  Bischitz 

a)  kein  selbständiger  Horizont  sind, 

[i)  zur  Zone  IV  (Dfinover  Knollen)  gehören. 

c)  Am  Sowitzberge  gehören  die  Fric'schen  Schichten  6  zu 
unserer  Zone  VIII.  Die  obere  Abtheilung  dieser  Zone  VIII  ist  äqui- 
valent dem  ersten  Kokori'ner  Quader  von  Fric  bei  Kokorni  (Siehe 
meinen  Artikel:  Die  stratigraphische  Bedeutung  der  Bischitzer  Ueber- 
gangsschichten, S.  9  bis  18,  besonders  S.  15  und  16.) 

7.  Die  Schichten  4  und  5  beschreibt  Fric  folgendermassen  (Tep- 
litzer  Schichten,  S.  45):  „Etwa  12  in  braune  Pläner,  wahrscheinlich 
vom  Alter  der  Launer  Knollen.'^  Das  sind  unsere  Zonen  VI  und  VII. 

a)  Diese  Zone  VI  —  nach  Fric  wahrscheinlich  Launer  Knollen 

—  ist  identisch  mit  den  etwa  2  km  entfernten  Steinbrüchen  der 
„Gastorfer  Platten",  von  denen  aber  Fric  sagt,  dass  sie  echte  Wehlo- 
witzer  Fischpläner  sind  (ganz  richtig.  Zone  VD,  in  denen  er  Ver- 
steinerungen nach  oft  wiederholten  Besuchen  im  Verlaufe  von  etwa 
15  Jahren  sammelte  etc.  (Weissenberger  Schichten,  S.  83).  Die  höhere 
Schichte  der  Zone  VI  (also  des  echten  Fric'schen  Wehlowitzer  Fisch- 
pläners,  unsere  Zone  VI  4,  siehe  Zone  VI  der  Umgebung  von  Rip, 
S.  7)  hat  aber  Fric  in  denselben  Steinbrüchen  als  Aequivalent  des 
Malnitzer  Grünsandes  betrachtet  (siehe  Weissenberger  Schichten, 
S.  83). 

h)  Die  genannte  Zone  VII  (bei  Fric  annähernd  die  Schichte  5 

—  wahrscheinlich  Launer  Knollen)  hat  Fric  im  Wehlowitzer  Stein- 
bruche als  Malnitzer  Grünsand  (theilweise  als  Launer  Knollen)  erklärt 
(siehe  vorne  das  Wehlowitzer  Profil). 

c)  Die  Launer  Knollen  in  Laun  gehören  entweder  zur  Zone  IV 
oder  zu  der  untersten  Schichte  der  Zone  V<^  (Avellanenschichte),  der 
Malnitzer  Grünsand  zur  Zone  IV  r. 

d)  Die  Zonen  VI  +  VII  am  Sowitzberge  wurden  also  von  Fric 
gleichgestellt  der  Zone  IV  +  Va  bei  Malnitz. 

8.  Friö's  Schichten  2  und  3,  die  Fric  als  Wehlowitzer  Pläner  (!) 
und  Malnitzer  Grünsand  (!),  d.  h.  als  Zone  VI  und  IV /■  bestimmte, 
gehören  zu  meiner  Zone  V,  die  unten  den  bekannten  Quadersandstein 
(Rhynchonellenquader  von  Wehlowitz)  birgt. 

9.  Die  unterste  Schichte  1,  die  Fric  auch  zu  seinem  Wehlo- 
witzer Pläner  (!)  zählt,  gehört  zu  meiner  Zone  IV  (Dffnower  Knollen), 
die  jetzt  mit  Schutt  bedeckt  und  besser  in  einem  Hohlwege  „v  Lopatech" 
entblösst  ist. 


1671 


Ueltcr  die  kScliichtenfolire  der  wcstljöhniischcn   Ivreidt'fornuition. 


ir,3 


l*r()fil  der  lUMglelino  iiiul  Hochebene  bei  Kochowitz  iiiid 
(ilastoi'f  obeihalb  der  Klbe. 

Fric:  Weissenberger  Scliicliten,  S.  82,  Z.  l,  2  v.  uiit.,  iiiul  S.  8;},  84. 
Zahälka:  Fig.  39  r/,  10,  27.  Zone  IV,  V,  VI,  VII  u.  VIII   d.  Ilingeb. 
von  Rip  in  Jezerka,  Lopaty,   Ulicka. 


Z  a  h  a  1 1<  a 

I''  r  1  c 

i  Zahälka 

Diluvium  und 
VIII 

Sparsame     Reste     der     zer- 
störten 

Isersandsteine 

VIII,  IX /> 

1 

Ca 

VI  . 

G 

Sind    hier    auch    angedeutet 
die 

Launer 
Knollen 

Ya 
IV 

IV /• 

V« 
IV 

5 

4 

3 

•_) 

1 

Kalkig-e,    klingende    Pliiner- 

platten,  welche  nur  spärliche 

Glauconitkörner  enthalten. 

Malnitzer 
Grünsand 

Lange     Reihe      von      Stein- 
brüchen,   in    denen    die    be- 
rühmten  „Gastorfer  Platten" 
und  andere  Steinmetzarbeiten 
verfertigt  werden. 

Wehlowitzer 
Fischpläner 

ö 

Ol 

ü 

IS 

o 

r-< 
<V 

<p 

00 

'S 

VI 

III 

o 

cS 

p 

■V  • 

Die     Knollenschichten     sind 
hier     mit     Weingärten     be- 
pflanzt und  stellenweise  durch 
den  Schutt   der   am  Plateau 
befindlichen  Steinbrüche  ver- 
deckt. (Siehe  Bemerkung  4.) 

Dnnower 
Knollen 

IV 

1 

1 

Steile,    an    3    Klafter    hohe 
Wand     des     Rhynchonellen- 
Quaders.  (Siehe  auch  Bemer- 
kung 3.) 

Im  Strombette  der  Elbe  liegen 
graue,    sandige,    in    unebene 
Platten   sich  lösende  Pläner, 
welche  sehr  sparsame  Petre- 
facten  enthalten    und    durch 
Kohlenbrocken  und  zahlreiche 
Fucoiden  sich  auszeichnen. 

'P 

( 

IV 

T 

Bemerku  nge  n. 

1.  Die  Schiclitenfolge  in  diesem  Profile  ist  von  Fric  sehr  ober- 
flächlich angegeben  (vergleiche  mit  unseren  Profilen  in  Ulicka,  Lopaty 
und  in  Jezerka  die  Zone  IV,  V,  VI,  VII  und  VIII  der  Umgebung  von  ßip). 

2.  Das  Alter  der  untersten  Schichten  (unsere  IV 1  bis  15) 
wurde  nicht  näher  bestimmt,  obwohl  es  die  echten,  charakteristischen 
Schichten  der  Dfinover  Knollen  Fric's  sind. 

3.  Die  Mächtigkeit  des  Rhynchonellenquaders  wurde  mit  3  Klafter 
angegeben.  Ich  habe  sie  nur  3'45  m  mächtig  gefunden.  Es  kann  also 


184 


C.  Zahälka. 


m 


sein,  dass  Fric  auch  die  unter  dem  Rhynchonellensandsteine  liegen- 
den Schichten  zum  Rhynchonellenquader  gerechnet  hat. 

4  Nach  Fric  sollten  über  dem  Rhynchonellenquader  die  Knollen- 
schichten kommen,  die  aber  verdeckt  sind.  Das  ist  nicht  der  Fall. 
Ueber  dem  Rhynchonellensandsteine  kommen  die  mittleren  und  oberen 
Schichten  der  Zone  V,  die  aus  Mergeln  und  Sandmergeln  zusammen- 
gesetzt sind  (siehe  Zone  V  in  Lopaty). 

5.  Die  unteren  Schichten  des  Wehlowitzer  Fischpläners  (Zone  VI) 
hat  Fric  bei  Gastorf  (in  den  Steinbrüchen)  als  Wehlowitzer  Fisch- 
pläner  erklcärt  (unsere  VI  1,  2,  3).  Die  nächsthöheren  Schichten  des- 
selben Wehlowitzer  FischpLäners  (VI  4,  5)  erklärte  Fric  als  Malnitzer 
Grünsand  (also  als  TV  r).  Die  höchsten  Schichten  des  Wehlowitzer 
Pläners  (VI  6,  7  in  Jezerka,  VI  2,  3,  4  in  Lopaty),  die  Fric  in 
Wehlowitz  „Knollenlage  der  Fischpläner"  nannte,  hat  Fric  hier  zu 
den  Launer  Knollen  (IV,  V  a)  gerechnet. 

6.  Auf  der  genannten  Hochebene  bei  Gastorf  und  Kochowitz 
oberhalb  der  Elbe  befindet  sich  auch  die  Zone  VII,  die  Fric  in 
Wehlowitz  zum  Malnitzer  Grünsand  (IV  r)  zählte  (siehe  Zone  VII  in 
Lopaty,  Lestlnek,  Jezerka,  Pod  Prosikem). 

7.  Oberhalb  der  Zone  VII  befindet  sich  im  höheren  Niveau 
dieser  Hochebene  auch  die  Zone  VIII  (siehe  Zone  VIII  in  Uvoz  v 
Lestinku,  V  Lopatech,  Na  Prosiku,  südöstlich  von  Host'ka  |Gastorf|), 
deren  obere  Abtheilung  äquivalent  ist  dem  ersten  Kokoriner  Quader 
bei  Kokorin.  Zu  dem  Satze  Fric's:  „Den  Schluss  der  Schichtenfolge 
bilden  hier  sparsame  Reste  der  zerstörten  Isersandsteine,  welche  auf 
dem  Plateau,  namentlich  gegen  Raudnitz  hin,  überall  den  Boden  der 
ärmlichen  Kieferwäldchen  bilden,"  muss  ich  hinzusetzen,  dass  dieser 
Boden  grösstentheils  zum  Diluvialsand  und  Schotter  gehört. 


Holilweg  an  der  westlichen  Seite  des  Soviceberges. 

Fric:  Weissenberger  Schichten,  S.  84;  Iserschichten,  S.  76,  77. 
Zah/ilka:  Zone  V,  VI,  VII,  VIII,  Fig.  26    der  Umgebung    von 
Uvoz  V  Brozänkäch. 


Rip. 


Zahälka 


Fric 


Z  a  h  j'i  1  k  a 


Diluvialsand 

und 

Schotter 


vni 


VII,  VI,  V 


Sandige   Felder.     Stellenweise    ent- 
stammt   der   Sand    augenscheinlich 
einem  Quadersand. 


Wahrschein- 
lich der  erste 
Kokofiner 
Quader 


Graue  Knollen])lilner,    welche  nach        Bysicer 
oben   hin    immer    mehr    und    mehr  i  Uebergangs- 
grobsandig  werden.  schichten 

Petrefactenleere  Planer,    deren   ge- 
naue   Deutung    gegenwärtig    noch 
unzulässig  ist. 


VIII 


IV  /■ 


[691 


Uober  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation. 


135 


Bern  e  rkun  gen. 

1.  Die  Zone  VII  ist  hier  reich  auf  Petrefacten.  Siehe  meine 
Zone  VII  der  Umgebung  von  Rip,  Seite  5.   Der  Hohlweg  nad  Brozanky. 

"2.  Die  Zone  VI  ist  liier  typisch  ansgebildet ;  es  ist  der  Wehlo- 
witzer  Fischpläner.  Ihre  untere  Abtheilung  hat  Fric  bei  Gastorf  (in 
den  Steinbrüchen,  2  Lm  nordöstlich  von  da)  erkannt  (siehe  :  Profil  der 
Berglehne  etc.  Bemerk.  5).  Die  obere  Abtheilung  der  Zone  VI  (VI  3, 
4,  5)  hat  hier  die  zwei  charakteristischen  Knollenbanke,  die  Fric  in 
AVehlowitz  die  Knollenlage  des  Wehlowitzer  Fischpläners  nennt.  Doch 
sagt  aber  Fric  über  diesen  seinen  charakteristischen  Horizont  (des 
Wehlowitzer  Fischpläners),  dass  seine  genaue  Deutung  gegenwärtig 
unzulässig  ist. 

3.  Die  geologischen  Verhältnisse  unserer  Zone  V  waren  Fric 
nicht  bekannt,  darum  sagt  er  auch  von  diesen  Schichten,  dass  ihre 
genaue  Deutung  gegenwärtig  unzulässig  sei. 

4.  Unsere  Zone  VII  ist  hier  eine  mergelige  Facies  der  sand- 
mergeligen Zone  VII  in  Wehlowitz,  die  Fric  in  Wehlowitz  als  Mal- 
nitzer  Grünsand  betrachtete  (das  heisst  als  die  Zone  lY  r). 


Eiseiibahiiprofil  bei  Scliwafeiiitz. 

Fric:  Weissenberger  Schichten,  S.  80,  81,  Fig.  28. 
Zahälka:  Zone  V,  VI,  VII,  VIII  der  Umgebung  von  Rip,  Sväfenice, 
Na  Bousce,  Fig.  18,  17. 


Z  a  h  ä  1  k  a 

Fric 

Zahälka 

VI 

w.  Fischpläner. 

Wehlowitzer 
Pläner 

ö 

ü 

'M 
ü 

<v 

ö 

(D 

CO 

x 

'S 

VI 

III 

V 

h 

3 

2 
1 

r.    In    den   höheren   Lagen    der 
Dfinower   Knollenschichten    be- 
merkt man  eine  schwache  Quader- 
sandschichte,   welche    die    erste 
Andeutung  des  an  Rhynchonellen 
reichen    Quaders    ist,    den    wir 
später   bei    Liboch   und  Wehlo- 
witz    unter     den     Fischplänern 
treffen  werden. 

Dfinower  Knollen 

IV 
HI 

k.  Gelbliche,  etwas  sandigkalkige 
Concretionen. 

d 

2 

s.    Schwärzlichgraue   Mergel,    3 
bis  4  Klafter. 

tSemitzer 
Pläner 

1 
i 

l 

- 

136  Ö.  Zabälka.  [70J 

Bemerkun  gen. 

1.  Fric  schreibt  über  die  Mächtigkeit  des  WelilowitTier  Fiscli- 
pläners  in  der  hiesigen  Gegend:  „lieber  den  Knollen  liegen  bei 
Webrutz  an  5  Klafter  mächtige  VVehlowitzer  Fischplilner."  Wie  aus 
unserer  Arbeit  über  die  Zone  VI  der  Umgebung  von  Rip  bekannt, 
ist  die  Mächtigkeit  der  ganzen  Zone  VI  in  Wehlowitz,  d.  h.  des 
Wehlowitzer  Pläners  (sammt  der  Knollenlage  des  Fischpläners)  31  in 
(Zone  VI,  S.  14);  wenn  wir  uns  von  Wehlowitz  gegen  Schwarenitz 
(Sväi'enic)  nähern,  so  steigt  die  Mächtigkeit  der  ganzen  Zone  VI 
(Wehlowitzer  Pläner)  folgendermassen :  in  Libocli  3'7  m,  bei  Poceplic 
und  Jesovic  5-1  m,  bei  Wegstädtl  4  9  m,  bei  Gastorf  5*2  w,  bei  Svärenic 
(oberhalb  des  Bahnhofes  Gastorf)  52  m.  Wenn  also  Fric  die  Mächtig- 
keit des  Wehlowitzer  Fischpläners  bei  Webrutz  mit  5  Klafter  angibt, 
so  ist  daraus  zu  sehen,  dass  er  zum  Fischpläner  auch  andere  Schichten 
zugerechnet  hat,  die  dem  Fischpläner  nicht  angehören. 

2.  Fric  hat  in  der  höheren  Lage  seiner  vermuthlichen  Dffnowor 
Knollen  eine  schwache  Quadersandsteinschichte  „r"  bemerkt  und 
glaubt,  dass  es  die  erste  Andeutung  des  Rhynchonellenquaders  von 
Liboch  und  Wehlowitz  ist.  Schade,  dass  Fric  die  Schichten  unter 
seinem  vermuthlichen  Semitzer  Pläner  (Mergel)  „s"  in  der  Umgebung 
von  Sväfenic  nicht  durchstudierte  (meine  V(/  1),  sonst  hätte  er  das 
Aequivalent  seines  Rhynchonellenquaders  von  Wehlowitz  unter  ihnen 
gefunden  (siehe  Zone  V  der  Umgebung  von  Rip,  S.  51,  Sväi'enice, 
V(/  1,  Fig.  18;  Zone  V,  S.  50,  Nädrazf  Host'ka  V(/  1  -4,  Fig.  17; 
Zone  V,  S.  50,  Host'ka  [Gastorf]  V(/  2). 

3.  In  Wehlowitz  stellt  Fric  seinen  Rhynchonellenquader  un- 
richtiger Weise  in  die  Mitte  der  Dflnower  Knollen,  hier  in  Schwarenitz 
wieder  in  die  höheren  Lagen  der  Drfnower  Knollen  (im  Texte  Seite 
82),  oder  in  die  höchste  Schichte  der  Drfnower  Knollen  (ebenda  Fig. 
18r,  Seite  81). 

4.  Ueber  die  unteren  Schichten  „.s"  sagt  Fric,  dass  sie  ganz 
den  Semitzer  Mergeln  entsprechen.  Das  sind  aber  die  Schichten 
unserer  unteren  Zone  V  (V^i  2),  unter  welchen  sich  zuerst  der 
Rhynchonellenquadersandstein  befindet,  der  auch  der  unteren  Zone  V 
angehört. 

5.  Aus  dem  Vorhergehenden  ist  auch  zu  ersehen,  dass  hier  keine 
Dflnower  Knollen  (Zone  IV)  sich  befinden,  da  ihre  wahre  Lage  unter 
der  Zone  V  ist. 

Darum  ist  der  folgende  Satz  Fric's  unrichtig:  „In  der  Gegend 
von  Gastorf  wurden  in  neuerer  Zeit  durch  Eisenbahneinschnitte  schöne 
Profile  entblösst,  welche  in  Beziehung  auf  die  Gliederung  der  Weissen- 
berger  Schichten  me  in  e  Ansi  ch  ten  glänzend  be  st  ätigt  haben" ; 
denn  in  den  Profilen,  von  welchen  hier  die  Rede  ist  (besonders  Fig.  28), 
befinden  sich  keine  Semitzer  Mergel  und  Drfnower  Knollen  (diese 
sind  tief  unter  der  Oberfläche),  so  dass  hier  die  Schichtenfolge : 
Semitzer  Mergel  (Zone  III),  Dflnower  Knollen  (Zone  IV),  Wehlowitzer 
Pläner  (Zone  VI)  nicht  bestätigt  werden  konnte. 


[71] 


lieber  die  Scliiclitenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation. 


137 


Profil  von  Gastorf  zur  Anhöhe  „Auf  dei'  Höre". 

Fric:  Weissenberger  Schichten,  S.  82,  Fig.  30, 
Zahillka:  Zone  VIII,  S.  20;  Zone  VII,  S.  G;  Zone  VI,  S.  9;  Zone  V, 
S.  50.  Host'ka    Uvoz  cesty  k  MaleSovu. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


entweder    oder 


Fric 


Z  a  li  a  1  k  a 


VIII 

VII 

VI2-4 


VIII 


m 


VIi 


VI 


Vrfg,/? 


VJh 


Vr/. 


\h  1—4 
V  d  1-3 


V^/i 


Eisenschüssige 

Schichte:  zollstarke 

Platten  von  sandigem 

Brauneisenstein. 


Echte  kalkige,  mit 

groben  Sandkörnern 

untermischte  Schichten, 


Lage  der  Kalkknollen. 


Lage  der  Kalkknollen. 


Fischpläner. 


Rhynchonellen-Quader 


Knollenschichte. 


Graue  Schichte  mit 
Ostraeen. 


Iserschichten 


Launer 
Knollen 


Wehlo- 
witzer 


Dfinower 
Knollen 


Knollenschichte. 


VIII,  IX 


IV,  Va 


IV /• 


VI 


IV 


IV 


Semitzer  Mergel  (in  Gastori). 


III 


IV 


III 


Bemerkungen. 
1.  Da  das  Profil  von  Gastorf  zur  Anhöhe  „Auf  der  Höre"  sehr 
oberflächlich  beschrieben  und  dargestellt  wurde,  so  ist  es  schwer, 
dasselbe  mit  unserem  Profil  zu  vergleichen.  Es  kann  sein,  dass  Fric 
mit  den  Schichten  m,  m',  i  und  /'  entweder  diejenigen  Schichten  ge- 
meint hat,  die  wir  mit  VI  2-4,  VII  und  VIII  bezeichnen,  oder  die  wir 
zur  Zone  VIII  rechnen.  Es  kann  sein,  dass  Fric  mit  dem  Fisch- 
pläner w  entweder  die  untere  Zone  VI  1  (Zone  VI,  S.  9)  gemeint  hat, 
oder  die  ganze  Zone  VI.  Auch  ist  nicht  sicher,  ob  Fric  mit  dem 
Rhynchonellenquader  r  unseren  Schichtencomplex  V/i  0  gemeint  hat 
(was  wahrscheinlicher  ist),  oder  unsere  Schichte  V  d  2.  So  ist  der 
für  die  erste  Colonne  gewählte  Titel  „entweder,  oder"  zu  verstehen. 

Jalubuch  d.  k.  k.  geol.  IJciclisaiistalt,  1900,  50.  Band,    1.  lieft.  (C.  Zah&Uta.)        18 


138 


C.  Zahälka. 


[72] 


2.  Mit  dem  Scliichtencomplexe  V(/l  (unteres  „Z^"  bei  Fric) 
enden  bei  Gastorf  die  untersten  Schichten  der  Zone  V,  so  dass 
unter  ihnen,  also  in  Gastorf  selbst,  keine  Semitzer  Mergel  mehr  vor- 
lianden  sein  können ,  sondern  die  echten  Schichten  der  Dfiuower 
Knollen,  d.  h.  unserer  Zone  IV. 

3.  Es  ist  wahrscheinlicher  (nach  der  Fric'schen  Fig.  30),  dass 
Fric  mit  dem  Rhynchonellenquader  „/•"  die  obersten  Schichten  unserer 
Zone  V  meinte  (V//o),  wie  bei  Schwarenitz  (in  diesem  Falle  wäre 
der  lihynchonellenquader  schlecht  gedeutet,  da  er  sich  in  der  unteren 
Zone  V  befindet).  Die  Schichten  gehen  bis  zur  Zone  VI  (Fischpläner). 
Demnach  hätte  Fric  den  Rhynchonellenquader  gleich  unter  den  Fisch- 
pläner  gesetzt   (in  Wehlowitz  aber  in  die  Mitte  der  Dffnower  Knollen). 

4.  Hätte  aber  Fric  mit  dem  Rhynchonellenquader  „r"  unsere 
Schichte  Vr/2  gemeint,  dann  wäre  der  Horizont  dieses  Quaders  gut 
erklärt,  aber  me  kommt  dann  die  Ostraeenschichte  „o"  in  die  Mitte 
der  Dffnower  Knollen  „Z/,  Z/"  ?  Denn  die  Ostraeenschichte  (und  die 
graue  Schichte  Fric's  „o"  mit  Ostraeen  ist  die  wahre  Ostraeenschichte 
von  Vrchläbec  bei  Raudnitz)  soll  nach  Fric  (Weissenberger  Schichten, 
S.  13)  die  Drlnower  Knollen  nach  oben  abgrenzen. 

Wir  sehen  wieder,  wie  durch  Unkenntnis  der  Zone  V  Fehler  in 
unserer  Stratigraphie  gemacht  wurden  und  dass  auch  bei  Gastorf  die 
Gliederung  der  Weissenberger  Schichten  keine  Bestätigung  gefunden 
hat  (siehe  Bemerkung  6  des  vorhergehenden  Profiles). 


Profil  der  Weissenberger  Schichten^  von  Raudnitz  gegen  den 

Georgsberg  (Rip). 

Fric:  Weissenberger  Schichten,  S    78,  79,  Fig.  26. 

Zahälka:  Zone  III,  S.  21— 28,  Fig.  5,  6;  Zone  IV,  S.  11— 15,  Fig.  7  ; 
Zone  V,  S.  39—43,  Fig.  22,  15,  16,  24,  23,  40a,  b,  c,  38;  Zone  VI, 
S.  4— 5;  Zone  VII,  S.  3—4;  Zone  VIII,  S.  8—10;  Zone  IX,  S.  6 ; 
Zone  X,  S.  21 — 22  der  Umgebung  von  &p. 


Zahälka 


Fric 


Zahälka 


VIII,  VII,  VI 


4—61) 


2-') 


IV 


in 


w.    Fischpläner    in    einer   iir  i  i      v 
Schlucht  bei  Bechlin  (Slä-  1  Weh  owitzer 
1    u   ■   r7    T_  '  1 1    \         I        1  Inner 
pek  bei  Zahälka).       i 


r.  Rhynchonellen-Quader. 

X.     Schichte    mit     Osfi-ca 
semdjjlatut. 

k.  Dfinower  Knollen. 


.s.    Sandige,  bröcklige, 
graue  od.  gebliche  Pläner. 


Dfinower 
Kiiolli'n 


Semitzer 
Mergel 


VI 


IV,  III 


III 


^  l'ig    24. 

'•')  Scliiclite  V (l  .>  in  der  Fig.  l.ö  u.  16  oder  Schichten  V  r/ 2,  3  in  der  Fig  24. 


L78] 


Uober  die  Schicliti'iif'olsfc  der  westböhniischou  Kruideformatiun. 


3i) 


Bemerk  unge  n. 

1.  Ueber  die  Ostreenschichte  „a?"  sagt  Fric,  dass  sie  die 
Dffnower  Knollen  nach  oben  hin  abgrenzt  (Weissenberger  Schichten, 
S.  13).  Da  nun  Fric  über  dieser  Schichte  in  Beclilin  den  Rhyncho- 
nellenquader  gefunden  hat,  so  sollte  er  nach  seiner  Theorie  diesen 
Rhynchonellenquader  überall  zu  seinem  Wehlowitzer  Pläner  stellen, 
aber  er  stellt  ihn  in  Wehlowitz  in  die  Mitte  der  Di'fnower  Knollen  (!)  und 
in  seinem  Idealprofile  gleich  unter  die  Ostreenschichte!  (Siehe  vorne.) 

2.  Alle  übrigen  Schichten,  die  sich  in  der  Schlucht  bei  Bechlin 
über  dem  Rhynchonellenquader  befinden,  und  zwar  die  Schichten  der 
Zone  Vr/4  bis  6,  dann  Yh,  der  Zonen  VI,  VII,  VIII,  hat  Fric  zu 
seinem  Wehlowitzer  Fischpläner  gerechnet  (siehe  unsere  Fig.  24). 
Das  ist  sehr  unrichtig.  Nur  die  Zone  VI  bei  Bechlin  ist  der  wahre 
Wehlowitzer  Fischpläner. 

3.  Unsere  Schichten  V(/4— 6,  dann  VA  (Fig.  24),  die  über  dem 
Rhynchonellenquader  liegen,  hat  Fric  in  Wehlowitz  zu  seinen  Dff- 
nower  Knollen  gerechnet,  hier  in  Bechlin  wieder  zu  dem  Wehlowitzer 
Fischpläner ! 

4.  Unsere  Zone  VII  in  Bechlin  (Fig.  24)  hat  Fric  zum  Wehlowitzer 
Fischpläner  gezählt,  aber  in  Wehlowitz  zu  seinem  Malnitzer  Grünsand. 

5.  Die  oberen  Schichten  der  Zone  VIII  in  der  Schlucht  „Släpek" 
(Bechlin)  übergehen  schon  in  einen  Sandstein,  doch  hat  in  ihnen 
Fric  seinen  „ersten  Kokofiner  Quader'  nicht  erkannt.  Diese  Zone 
ist  ganz  identisch  mit  der  Zone  VIII  am  Soviceberge,  die  Fric  als 
Bysitzer  Uebergangsschichten  erklärte ! 

6.  Fric  hat  die  Wehlowitzer  Schichten  „?r"  seines  Profiles 
Fig.  26  in  Bechlin  in  der  Schlucht  „Släpek"  studirt  (unsere  Fig.  24). 
Es  befindet  sich  aber  in  Bechlin  noch  eine  andere  Schlucht,  die 
„Slap"  heisst.  In  dieser  Schlucht  sind  auch  höhere  Zonen  entblösst, 
als  die  erwähnten  Zonen  V,  VI,  VII  und  A^III.  Es  sind  die  Zonen 
IX  und  X  (siehe  unsere  Fig.  23  und  die  Abhandlungen  über  die 
Zonen  VIII,  IX,  X). 


Profil  der  Weissenberger  Schichten  westlich  von 
Untei'-Befkowitz. 

Fric:  Weissenberger  Schichten,  S.  76,  77,  Fig.  25. 

Zahälka:  Fig.  40c,  37;  Zone  IV,  S.  17;  Zone  V,  S.  44;  Zone  VII, 
S.  4—5,  Fig.  25j  Zone  VIII,  S.  11  —  13;  Zone  IX,  S.  6-7  der 
Umgebung  von  Rip.     Geologische  Karte  des  Ripplateau. 


Zahälka 


Fric 


Zahälka 


IX 


f.  Bläuliche  Mergel. 


VIII 


t.  Bräunliche,  sandige  Mergel. 


m.  Graue,  sehr  feste,  kalkige 
Schichte. 


Malnitzer 
Schichten? 


IV,  Va 

18* 


140 


C.  Zahälka. 


[74] 


Zahälka 


VIII 


VII 
VI 
V 


IV 


Fric 

IV.    RegelinäsHigo  IJauplilner. 

Fischpläner  ^im    Steinbruche 

„na  Sibenym". 


d.  Schichten,  welche  hier  der 
grauen  und  sandigen  Be- 
schaffenheit wegen  niani'hen 
Partien  derLserschichten  .sehr 
ähnehi,  al)er  nach  den  Petre- 
facten  und  der  Lagerung 
(unter  den  Wehlowitzer  Plä- 
nern mit  Mdcropoma  spccio- 
sitm)  unstreitig  den  Dfinower 
Knollen  entsprechen. 


Gut  aufgeschlossen,  aber  arm 
an  Petrefacten  treffen  wir  die 
Semitzer  Mergel  im  Dorfe 
Citov,  und  zwar  in  der  festen 
Varietät,  welche  graue,  san- 
dige, bröcklige  Pläner  dar- 
stellt. (Weissenberger  Schich- 
ten, S.  76.) 


Wehlowitzer 
Plan er 


Dfinower 
Knollen 


Semitzer 
Mergel 


fec 


Zahälka 


VI 


IV 


III 


III 


B  e  111  erkuiigen. 

1.  Ganz  anders  als  in  Bechlin  hat  Fric  dieselben  Schichten  beim 
nahe  liegenden  Dorfe  Lipkowitz  erklärt.  In  Bechlin  hat  Fric  den 
grössten  Theil  der  Zone  V,  die  Zonen  VI,  VII  und  VIII  als  „Wehlo- 
witzer Pläner"  erklärt,  aber  dieselben  Schichten  der  Zonen  V.  VI, 
VII  und  VIII  bei  Lipkowitz  (3  bis  4  km  von  Bechlin)  als  Di'lnower 
Knollen,  Wehlowitzer  Planer  und  vielleicht  Malnitzer  Schichten! 

2.  Als  Wehlowitzer  Fischpläner  betrachtete  Fric  bei  Lipkowitz 
die  oberen  Schichten  unserer  Zone  Villa,  die  also  dem  ersten 
Kokofiner  Quader  entsprechen.  Viel  tiefer  befinden  sich  bei  Lipkowitz 
die  Schichten  der  Zone  VI,  d.  h.  des  wahren  Wehlowitzer  Fisch- 
plänerhorizontes,  die  aber  Fric  mit  anderen  Schichten  zu  den  Dfi- 
nower Knollen  rechnete. 


Dfinower  Berg. 

Fric:  Weissenberger  Schichten,  S.  25,  26. 

Zahälka:    Zone   II,    S.    14 --16;    Zone   III,    S.  28—29;    Zone   IV, 
S.  17 — 18,  Fig.  4  der  Umgebung  von  ftip. 


Zahälka 


Fric 


Zahälka 


IV 

unterste 
Schichten 


Sandige     Mergel      mit     drei 
Lagern  von  kalkigen  Knollen- 
schichten. 


Dfinower 
Knollen 


III 


II 


Feuchte  Mergel,  welche  hier       q      •<      . 
das  Material  zur  Ziegelf abri-  i      *iyr        ■, 
cation  liefern.  ° 


Ppa 


Korycaner  Schichten. 


IV 


III 


III 


II 


[75] 


Ueber  die  Scliichtenfolge  der  westböhmischen  Kleideformation. 


141 


B  e  in  e  r  k  u  ii  g. 
Die  sandigen  Mergel  mit  den  kalkigen  Knollenschichten  am 
Di'fnower  Berge,  nacli  denen  Fric  diese  Schichten  Dflnower 
Knollen  nannte,  gehören  zu  den  untersten  Schichten 
unserer  Zone  IV.  Sie  sind  7  m  mächtig.  In  der  Umgebung  des 
Üfinower  Berges  ist  die  ganze  Zone  IV  circa  30  m  mcächtig.  Die 
Dflnower  Knollen,  welche  Fric  am  Vrchlabec  bei  Raudnitz  beschrieben 
hat  (siehe  vorne),  sind  jünger  als  die  Dhnower  Knollen  am  Df'lnower 
Berge,  da  sie  der  oberen  Abtheilung  der  Zone  IV  angehören. 

V 

Profil  zwischen  Bysic  und  ('ecelic. 

P'ric:  Iserschichten,  S.  26—27. 

Zahälka:    Die    strat.   Bedeut.    d.    Bischitzer    Uebergangsschichten. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1895,  Bd.  45,  H.  1,  S.  95-99,  Fig.  1 ; 

Zone  IV,  S.  25-28,  Fig.   12;  Zone  V,  S.  61-63. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Fric 


Zahälka 


\d 


Den  Gipfel  des  Berges 
nehmen  graue,  an  der 
Oberfläche  weiss  verwit- 
terte Plattenkalke  mit  Ino- 
ceramus  Bronijniarti. 


ß.    Rostrothe  Sande. 


IV 


46 

bis 
40 


Grosse  Knollen  mit  Fisch- 
schuppen. 


Trigonia- 
Schichten 


IX  c 


Beide  Koko- 
nner Quader 


Bysicer 
Uebergangs- 
schichten 


Wh 
IX  a 
VIII /i 


Nicht 

selbst. 

IV  r 


IX 

VIII 


b9 

bis 
34 


4.    Malnitzer  Schichten. 


IV,  V 


33 
bis 
25 

"2r 

bis 
1 


8.    Fischpläner. 


2.    Etwa     fünf    Reihen     von 
Knollen  mit  Lima  elongata. 


III 


1.    Semitzer  Mergel. 


Wehlowitzer 


Dfinower 


Semitzer 


6d  j- 


VI 


<D 


OJ 


IV 


III 


III 


Bemerkung. 
Da  ich  über  das  Profil  zwischen  Bysic  und  Cecelic  an  anderer 
Stelle  ausführlicheres  mitgetheilt  habe  (Jahrb.  1895,  Bd.  45,  Hft.  1, 
S.  95 — 99,  Fig.  1),  so  kann  ich  mich  hier  mit  einem  Hinweise  darauf 
begnügen.  Di^e  Bysicer  Uebergangsschichten  Fric's  in 
Bysic  und  Cecelic  stellen  keinen  selbständigen  Hori- 
zont der  böhmischen  Kreideformation  vor,  sie  gehören  in 
Bysic  und  Cecelic  zu  den  höchsten  Schichten  der  Zone  IV  (IV  r),  wie 
der  Malnitzer  Grünsandstein  in  Malnitz. 


142 


Ö.  Zaliälka. 


[7Ü] 


Hügel  zwischen  Vsetat  und  J)ris  (Ceceniin). 

Fric:  Iserschichten,  S.  26. 

Zcahälka:  Fig.  14,  Zone  V,  S.  64.  Hügel  „Öecemfn".   D.  str.  B.  d. 
Bisdiitzer  Uebergangsscliichteii;  Jahrb.  1895,  Bd.  45,  H.  1,  S.  101, 


Z  a  h  t'i  1  k  a 


Fric 


Z  a  h  ä  1  k  a 


V(/ 


Auf  dem  Gipfel  des  langen 
Hügels  die  ersten  Andeutungen 
der  tiefsten  Trigoniascliichten. 


Müssen  hier  alle  eine  sehr  ge- 
ringe Mächtigkeit  haben. 


IV 


Reihen  von   festeren,   kalkigen 
Knollen. 


III 


Mergel    mit    zahlreichen    Ver- 
steinerungen. 


Iserschichten 


Bysicer  Ueber- 
gangsschichten 


Malnitzer 
Schichten 


Wehlowitzer 
Pläner 


Dfinower 
Knollen 


Semitzer 
Merg-el 


IX  c 


IV 


IV,  Va 
VI 


IV 


III 


B  e  m  e  r  k  u  n  g. 

Nach  der  Fric'schen  „Gliederung  der  Iserschichten"  soll  über 
den  Bysicer  Schichten  der  erste  Kokoi'lner  Quader  (Zone  VIII 
obere)  liegen,  aber  Fric  stellt  hieher  gleich  die  „tiefsten 
Trigoniaschi  chten"  (also  die  Zone  IX c)!  Da  hier  die  Wehlo- 
witzer Schichten  etc.  nicht  sein  können,  so  sagt  Fric:  „Müssen  liier 
alle   eine  sehr  geringe  Mächtigkeit  haben". 


Profil  in   der  Linie   von  Bysic,   Repin,  Chorusic,   Ohorou.sek 

nach  Kanina. 

Fric:  Iserschichten,  S.  27,  Fig.   15. 

Zahälka:  Zone  IV,  S.  25—29;  Zone  V,  61-62,  Fig.  14;  Zone  IX, 

Repfner  Thal,  Fig.  44—49;  Jenichovver  Thal,  Fig.  50;  Nebuzeler 

Thal,  Fig.  51;  Kokofiner  Thal,  Fig.  52-57. 

Dieses    Profil    (Fig.    15)    lässt    sich    auf    vier    Theile    theilen, 
und  zwar: 

A.  Hügel   Cecemin    (bei    Fric    der   lange    Hügel    zwischen 
Vsetat  und  Dffs,  zwischen  den  Buchstaben  1^  und  B). 

B.  Ilostina  Berg,  zwischen  den  Buchstaben   B  und   U. 

C.  fiepfner  Plateau,  bei  dem  Buchstaben  //. 

I).  Thal  ab  hang  bei  Kanina,  bei  dem  Buchstaben  K. 

Wir  wollen  jeden  Tlieil  für  sich  betrachten. 


[77] 


Uebor  die  Schichtenfolffe  der  westbölimischeii  Kreideformation. 


143 


A.  Profil  des  Hügels  Öecenini  (zwischen  Vsetat  und  Dffs). 

Wie  Fric  dieses  Profil  beschrieben  hat,  haben  wir  im  vorher- 
gelienden  i^  gesehen.  Seine  Zeichnung  stimmt  aber  mit  seiner  Be- 
schreibung nicht  überein,  denn  die  Semitzer  Mergel  sollen  selbst 
die  Basis  des  Hügels  bilden.  Aber  Fric  zeichnet  hier:  Weissen- 
berger  Schichten  (also  auch  Dfinower  und  Wehlowitzer  Schichten), 
üeber  den  Semitzer  Mergeln,  also  höher  als  die  Basis  des  Hügels, 
sollen  nach  Fric  die  Dfinower  Knollen  sich  befinden,  aber  an  dieser 
Stelle  zeichnet  Fric  die  Malnitzer  Schichten  und  die  Bysicer  Ueber- 
gangsschichten  ein.  Diese  zwei  angeblichen  Horizonte  Fric's  haben 
zusammen  in  der  Umgebung  von  Cecelitz  eine  Mächtigkeit  von  9-8  m, 
aber  auf  der  Fig.  15  nehmen  sie  die  ganze  Höhe  des  Hügels  bis  auf 
dessen  Gipfel  ein,  also  beinahe  50  m. 

Zwischen  der  Elbe  und  Bysitz  befindet  sich  noch  eine  Anhöhe: 
und  zwar  oberlialb  Cecelic  (zwischen  Cecelitz  und  Bysitz) ;  diese  wird 
in  der  Fig.  15  nicht  angegeben.  Oder  soll  das  der  gezeichnete  Hügel 


zwischen  den  Buchstaben  E  und  B  sein? 
Hügel  Cecemln  fehlen. 


Dann   möchte  wieder  der 


B.  Profil  des  Berges  Hostina. 
Siehe  auch  Fric:  Priesener  Schichten,  S.  32,  Fig.  19. 
Siehe  auch  Zahälka:  Zone  X,  S.  28—30. 


Zahalka 


Fric 


Zahälka 


X 


IX 


ahc 


cd 


IV— VIII 


III 


5.  Die  dünnsten  weissen  Platten- 
pläner. 

4.  Plattenpläner  „Kfidläk"  mit 
Inoceramen. 

3.  Feste  Bank  als  Baustein. 

2.  Bläuliche  Plattenpläner. 


3  m 


1.  Lettige    Mergel,    1   m,    mit    Haplo- 
phragmium  irreg. 


Chorousker  Trigoniaschichten. 


Zweiter  Kokofiner  Quader. 


Z  wisch  enpläner. 


Erster  Kokofiner  Quader. 


Bysicer  Uebergangsschichten. 


Malnitzer  Schichten. 


Weissenberger  Schichten. 


Priesener 
Schichten 


Teplitzer 
Schichten 


Iser- 
schichten 


IX 


IX  c 


VLh 


IX« 


VIII /« 


IV  f 


IV  r,  Va 


iii~-viin 


Bemerkungen. 

1.  Die  angeblichen  Teplitzer  und  Priesener  Schichten  Fric's, 
unsere  Zone  X,  sind  viel  mächtiger  als  4  m,  und  zwar  23  m  !  (Siehe 
unsere  Profile  und  Abhandlungen  über  die  Zone  X.) 


144 


ö.  Zahälka. 


[78] 


2.  Auf  der  Fig.  15  zeichnet  Fric  auf  dem  ganzen  Bergabhange 
von  Bysic  bis  zu  den  Priesener  Schichten  am  Hostinaberge  alle 
Schichten  von  den  Weisseuberger  Schichten  bis  zu  den  Chorouäker 
Trigoniaschichten,  aber  im  Texte  S.  27  und  Fig.  14  (Iserschichten) 
beschreibt  er  bei  Bischitz  und  Öecelitz  nur  die  untersten  Schichten 
dieses  Profiles  auch  als  Weisseuberger  etc,  bis  Chorousker  Trigonia- 
schichten ;  also  auf  diese  Weise : 


Zahälka 

Fig.  1 ») 

Fric 
Fig.  15 

X 

Priesener  Schichten. 

IX 

Trigoniaschichten. 

Zweiter  Kokofiner 

Quader. 

Zwischenpläner. 

VIII 

Erster  Kokofiner 

Quader. 

Bysicer  Schichten. 

Malnitzer  Schichten. 

VII 

VI 

V        :' 

IV 

III 

Wehlowitzer  )  ,,7-  • 
r^.,                1  Weissen- 
Urinower     >    , 

Semitzer     J     ^'''^^' 

Fric 

Fig.   14 


Zahälka 
Fig.  l>),  12, 13 


Trigoniaschichten. 
Beide  Kokofiner  Quader. 


Bysicer  Schichten 

Malnitzer  Schichten. 

Wehlowitzer  Schichten. 

Dfinower  Schichten. 


Semitzer  Schichten. 


Vr/1,2,  3 


IV 


III 


3.  Fric  schreibt  (Iserschichten,  S.  27):  „Die  Berglehne  nördlich 
von  By§ic  ist  eine  Wiederholung  des  ebengeschilderten  Profils"  (d.  h. 
der  Fig.  14,  Profil  zwischen  Bysic  und  Cecelic).  Nach  diesem  Fric- 
schen  Satze  sollten  also  seine  unrechten  (in  der  Fig.  14  angegebenen) 
Trigoniaschichten  in  den  höchsten  Schichten  des  oberen  Stein- 
bruches unter  der  BySicer  Kirche  zu  suchen  sein  (siehe  Zone  V, 
unterster  Theil,  Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  R.-A.,  Bd.  45,  H.  1,  S.  90, 
Fig.  1),  aber  er  giebt  als  Trigoniaschichten  um  35  m  höhere  Schichten 
bei  Harbasko:  „Weiter  gegen  Hostin  bei  Harbasko  findet  man  an 
Feldrainen  Stücke  der  Trigoniaschichten,  die  hier  nirgends  gut  ent- 
blösst  sind."  (Iserschichten,  S.  27  ) 

'j  Jahrhiicii   der  k.  k    geol.  R.-A.,  Bd.  45.  il.   1,  H    !)7. 


[791  lieber  die  Scliichteiifolgo  der  westböhmischen  Krcideformatioii. 

C.  Profil   der  A  n  li  ö  h  e  v  o  n  ß,  e  p  f  n. 
Siehe  auch  Fric:  Teplitzer  Schicliten,  S.  45—47,  Fig.  17. 
Zahdlka:  Zone  IX,  liepüier  Thal,  Fig.  46,  48. 


Uf) 


Zahälka 

Fric 

Zahdlka 

Xd 

P.  Priesener  Schichten. 

IX 

IX  c 

7.  Chorousker  Trigoniaschichten. 

IX  c 

IXh 

6.  Zweiter  Kokofiner  Qugtder. 

IX /> 

IX  a 

5.  Zwischenpläner. 

IX  a 

Vin  höhere 

4.  Erster  Kokofiner  Quader. 

VIII  höhere 

— 

3.  Bysicer  Uebergangsschichten. 

— 

— 

2.  Malnitzer  Schichten. 

— 

Bemerkungen. 

1.  Die  angeblichen  Bysicer  Uebergangsschichten  und  Malnitzer 
Schichten  Fric's  in  diesem  Profile  existiren  in  dem  Thalabhange 
unter  fiepfn  nicht,  da  das  Profil  unten  von  der  Thalsohle  mit  dem 
ersten  Kpkofüier  Quader  beginnt. 

2.  Zwischen  den  Trigoniaschichten  (7)  und  den  angeblichen 
Priesener  Schichten  (P)  befinden  sich  auch  die  Bryozoenschichten 
Fric's  (IX(/)  und  die  typischen  Teplitzer  Schichten  (Xahc).  Die 
angeblichen  Priesener  Schichten  (P)  Fric's  sind  auch  Teplitzer 
Schichten  (X(/). 

Dieses  Profil  wurde  schon  von  J.  Jansa,  derzeit  Lehrer  in 
feepin,  auf  folgende  Weise  verbessert  (siehe  Fric:  Teplitzer  Schichten, 
S.  47,  Fig.  17): 


Zahälka 

Jansa  -  Fric 

Z  a  h  ä  1  k  a 

X 

d 

7.  Weisse,    klingende    Inoceramen- 
pläner. 

Priesener 
Schichten 

IX 

bc 

6.  Gelber    Mergel    mit    Terehratula 
seni.  und  Haplophragmium  irreg. 

Teplitzer 
Schichten 

X 

a 

— 

- 

— 

IX 

d 
c 
h 
a 

5.  Rhynchonellenlage. 

4.  Trigoniaschichten. 

3.  Zweiter  Kokofiner  Quader. 

2.  Zwischenpläner. 

Iserschichten 

VIII //,  IX 

VII 

Ih 

1.  Erster  Kokofiner  Quader. 

.Jahrbuch  d.  k.  k.  gool.  IJeiclisaiistalt,  19üO,  50.  Hand,    I.  Ilctt.  (C.  ZahAlka.l 


19 


146 


Ö.  Zahalka. 


[80j 


Be  m erklinge  11. 

1.  Die  Rliynclionelleiilage  (5)  gehört  zu  den  Fric'schen  „Bryozoen- 
schichten"  (IX  ^0- 

2.  Unter  dem  gelben  Mergel  (^G)  ist  die  Fric'sche  „glauconitisclie 
Contactschichte"  {Xa). 

3.  Jansa's  Profil,  Fig.  17  (Fric:  TepHtzer  Schichten,  S.  47), 
geht  auch  durch  den  linken  Thalabhang  des  Repfner  Thaies  bis  zur 
Basaltkuppe  „Homole".  Zwischen  der  Thalsohle  und  Homole  sind 
nur  erster  Kokoffner  Quader  (VIII)  und  der  Zwischenpläner  (IXa) 
eingezeichnet.  Es  befinden  sich  dort  aber  auch  der  zweite  Kokofüier 
Quader  (IX Z>)  und  die  Trigoniaschichten  (IX  c).  (Siehe  unsere  Abhandl. 
über  d.  Z.  IX  im  Repfner  Thale,  die  Fig.  auf  d.  S.  5  im  Texte,  und 
Fig.  49.) 

D.  Profil   unterhalb  Kanina. 
Siehe  auch  Iserschichten,  S.  25,  Fig.  13  und  12. 

Zahälka:  Zone  IX  im  Kokorfner  Thale,  Fig.  57,  52. 


Z  a  h  il  1  k  a 


Fric 


IX 


8.  Kaniner  Bryozoenschichten. 


7.  Chorousker  Trisroniaschichten. 


6.  Zweiter  Kokofiner  Quader. 


5.  Zwixchenpläner. 


VIII  ]i  4.  Erster  Kokonner  Quader. 


Iserschichten 


Bem  erkungen. 

1.  In  dem  Fric'schen  Profil  Fig.  15  ist  von  Itepfn  nach  Kanina 
das  Fallen  der  Schichten  eingezeichnet.  Das  ist  unrichtig.  Denn  z.  B. 
in  Uepfu  beträgt  die  Meereshöiie  des  Gipfels  des  zweiten  Kokoffner 
Quaders  255"42  w,  in  Kanina  2üö  w. 

2.  In  demselben  Profil  ist  die  Mächtigkeit  der  Trigoniaschichten 
bei  Kanina  einigemal  grösser  als  in  llepfn.  In  der  Wirklichkeit  ist 
das  Verhältnis  der  beiden  Mächtigkeiten  circa  2:1.  Wenn  wir  aber 
die  Bryozoenschichten  zu  den  Trigoniaschichten  in  Kepfn  hinzu- 
zeichnen  möchten,  wie  das  Fric  in  der  Fig.  15  gemacht  hat,  dann 
wäre  das  Verhiiltiiis  viel  klciiKM'. 


181]  lieber  die  Schicbtenfolge  der  westböhmisclien  Kreideforniation. 


47 


Profil  bei  Kokorin. 

Fric:  Iserschicliten,  S.  24,  Fig.   11. 
Zahälka:  Zone  IX,  KokoHiier  Thal,  Fig.  53. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


IX 


VIII /i 


Fric 


6.  Bryozoenschichten  auf  der  Anhöhe,  welche 
das  Kokofiner  Thal  von  dem  Ziniof-Trus- 
kavnathale  trennt. 


5.  Trigoniaschichten. 


4.  Zweiter  Kokofiner  Quader  mit  dem  Dorfe 
Kokorin. 


3.  Zwischenpläner. 


2.  Erster   Kokofiner  Quader   mit   der  Burg 
Kokofin. 


Iserschichten 


1.  Bysicer  Uebergangsschichten  mit  Rhyn- 
chonellenquader,  meist  von  Schuttsand 
verdeckt. 

Bemerku  ngeii. 
In  diesem  Profile  erwähnt  Fric  „die  Bysicer  Uebergangs- 
schichten mit  Rhynchonellenquader,  meist  von  Schuttsand  verdeckt" 
(Schichte  1  unter  dem  ersten  Kokoriner  Quader).  Ich  habe  schon 
in  meinem  Artikel  über  die  Bischitzer  Uebergangsschichten  (S.  101) 
bemerkt,  dass  im  Kokofiner  Thale  bei  Kokorin  und  Kanina  gleich 
von  der  Tlialsohle  der  erste  Kokofiner  Quader  beginnt,  und  dass 
hier  also  keine  Bischitzer  Uebergangsschichten  mit  Rhynchonellen- 
quader existiren  können.  Die  vermuthlichen  Bischitzer  Uebergangs- 
schichten Fric's  in  Hledseb  fallen  schon  bei  Lhotka  (8  km  südlich 
von  Kokofin)  unter  die  Thalsohle. 

Profil  von  Hledseb. 

Friß:  Iserschichten,  S.  28,  29,  Fig.  16. 

Zahälka:  Zone  VII,  S.  12—13;  Zone  VIIL  S.  29,  Fig.  35,  52. 


Zahälka 


Fric 


Zahälka 


IX  a 


6.  Hledseber  Zwischenpläner. 


VIII 


VII 


5.  Erster  Kokofiner  Quader. 


4.  Feste  Fucoidenbank  (015  m). 


1,2,3 


3.  Rhynchonellenquader  {[•5  m). 


2.  Mürber  Sand  (1  m). 


1.  Bysicer  Uebergangsschichten  mit  mehreren 
Reihen  von  grossen  grauen  Knollen  (3  m). 


IV /• 


IX 
VIII /t 


19* 


148  ö.  Zahälka.  [82] 

Bemerkungen. 

1.  Fric  bezeichnet  nur  die  Schichte  1  in  der  Fig.  16  und  im  Texte 
S.  29  als  die  ßischitzer  Uebergangsschichten,  aber  in  denselben  Iser- 
schichten  S.  8  reclmet  er  auch  die  Schichten  2,  3  und  4  zu  den 
Bischitzer  Uebergangsschichten.  Frio's  Bysicer  Uebergangsschichten 
in  Hledseb  gehören  also  zu  unserer  Zone  VII,  eventuell  auch  zu 
den  unteren  Schichten  der  Zone  VIII.  Und  diese  Zone  VII  und  die 
unteren  Schichten  der  Zone  VIII  erklärte  Fric  als  Aequivalent  der 
Bysicer  Uebergangsschichten  in  Bysic  und  Cecelic,  d.  h.  als  Aequi- 
valent der  höchsten  Schichten  der  Zone  IV  (IV  r)! 

2.  Fric  führt  seine  Schichten  1,  2,  3  (in  der  Mächtigkeit  von 
5*5  m)  nur  aus  einem  kleinen  Steinbruche  im  Dorfe  Hledseb  an. 
Gleich  darauf  führt  er  die  Schichte  4  an.  Aber  der  Rhynchonellen- 
sandstein  (nicht  Quader  —  da  er  plattenförmig  ist)  geht  noch  hinter 
dem  Steinbruche  weiter  hinauf  (um  1-5  m),  höher  als  Fric  angibt? 
und  noch  höher  kommen  unsere  Schichten  1,  2,  3  der  Zone 
VIII  in  einer  Mächtigkeit  von  6  m,  ehe  die  Schichte  4  Fric's  (feste 
Fucoidenbank)  beginnt.  Es  ist  also  zwischen  der  Schichte  3  und  4 
Fric's  noch  ein  Schichtencomplex  von  Ib  m. 

Profil  vom  Elbeflusse  über  Liboch  etc.  bis  nach  Cliorousek. 

Fric:  Iserschichten,  S.  23,  Fig.   10. 

Zahälka:  Zone  IV,  V  etc.  bis  IX  der  Umgebung  von  fop.  Zone  IX, 
Kokoffner  Thal;  Zone  IX  zwischen  Zebus  und  Widim  mit  dazu- 
gehörigen Profilen. 

In  diesem  Profile  befinden  sich  auch  die  Hauptprofile  bei  Liboch, 
Kokoi'in  und  Kanina,  von  denen  wir  schon  im  Vorhergelienden  ge- 
sprochen haben.  Ich  will  nur  noch  auf  den  Umstand  aufmerksam 
machen,  dass  die  Schichten  von  Liboch  nach  Kokofin  und  Kanina 
nicht  fallen  (wie  es  im  Profile  gezeichnet  ist  und  im  Texte  be- 
schrieben:  Iserschichten  S.  21,  Weissenberger  Schichten  S.  85  und  87), 
sondern  dass  sie  steigen.  Denn  die  Meereshöhe  des  Gipfels  der  Zone 
Vin  bei  Liböchov  (in  Nouzov)  z.  B.  beträgt  230  w,  in  Tupadl  (hinter 
dem  Slavinj  dagegen  2ö65  m,  bei  Klein-Kokofin  24G'24  m,  bei  Kanina 
253-5  m. 


[83] 


Ueber  die  ychichtoiit'olgo  der  westböhtnischen  Kreideformatioii. 


149 


Ideales   Profil   der    Iseischicliten    luicli    den  Aufschlüssen    bei 
Bysie  und  Chorousek. 

Fric:  Iserschichten,  S.  7,  Fig.  3. 

Zahälka:   Zone   IV,    V  etc.   bis   IX   der   Umgebung    von    Iiip.    Mit 
zahlreichen  Profilen. 


Z  a  h  d  1  k  a 

Fric 

bei  Bysic 

bei  Chorousek 

— 

X 

Teplitzer  Schichten. 

— 

IX 

d 

Kaniner  Bryozoenschichten. 

Iserschichten 

V(/ 

3 

c 

Chorousker  Trigoniaschichten. 

2 

1 

b 

Zweiter  Kokofiner  Quader. 

a 

Plänerige  Zwischenschichte. 

VIII 

Erster  Kokofiner  Quader. 

— 

Fucoidenbank. 

IV 

40-46 

— 

Bysicer  Uebergangsschichten  mit 
Rhynchonellenquader. 

34—39 

Malnitzer  Schichten. 

25-33 

Wehlowitzer  Pläner. 

Weissen- 

berger 
Schichten 

1-24 

Dfinower  Knollen. 

B  e  m  e  r  k  u  n  g  e  n. 

1.  Aus  unseren  vorhergehenden  Tabellen  ist  bekannt,  dass 
Fric  mit  dem  Namen  „Iserschichten"  bei  Bysic  ganz  andere  Schichten 
benannt  hat  als  bei  Chorousek  etc.  Darum  haben  wir  die  zwei 
Colonnen  „bei  Bysic"  und  „bei  Chorousek"  getrennt  gehalten.  In  der 
ersten  ist  angedeutet,  welche  von  unseren  Scliichten  Fric  bei  Bysic 
als  Iserschichten,  Malnitzer  Schichten  und  Weissenberger  Schichten 
bezeichnet  hat,  und  in  der  zweiten,  welche  von  unseren  Schichten  bei 
Chorousek  (und  Kanina)  er  als  Iserschichten  erklärt  hat. 

2.  Der  erste  und  der  zweite  Kokofiner  Quader  keilt  sich  nicht 
aus,  wie  es  Fric  in  der  Fig.  3  zeichnet,  sondern  beide  Quader  ver- 
wandeln sich  aus  dem  Daubaer  Gebirge  in  die  Umgebung  von  Rip 
in  ganz  andere  Facies. 


150 


U.  Zahälka. 


[84J 


Teplitzer  Schichten  bei  Raudiiitz  iiiul  Biozaii. 

Friö:  Teplitzer  Schichten,  S.  40. 

Z  a  h  ä  1  k  a :    Geologie  der  Rohatetzer  Anhöhe     Zweiter  Bericht   über 

die  geologischen  Verhältnisse  der  Brozaner  Anhöhe.    Zone  X  der 

Umgebung  von  fop,  Fig.  43. 

In  meinen  Anfangsarbeiten  über  die  Kreideformation  bei  Raud- 
nitz  und  Brozan  habe  ich  die  klingenden  Iiioceramenpläner  (Zone  Xr/) 
als  Priesener  Schichten  betrachtet  (nach  Krejci  und  Friö).  Da  sie 
dieselben  palaeontologischen  Verhältnisse  haben,  wie  die  unter  ihnen 
liegenden  Teplitzer  Schichten  (unsere  Zone  Xbc),  hat  Fric  in  seiner 
Arbeit  „Teplitzer  Schichten"  die  Inoceramenpläner  (X  (/)  zu  den 
Teplitzer  Schichten  (X)  gerechnet.  Das  ist  ganz  richtig,  denn  aus 
meinen  späteren  Arbeiten  geht  hervor,  dass  die  Priesener  Schichten 
in  Priesen  (Zone  IX)  unter  den  Teplitzer  Schichten  (X)  liegen.  Von 
der  Zeit  an  rechne  ich  immer  die  Inoceramenpläner  zu  den  Teplitzer 
Schichten  (X),  und  zwar  zu  der  höchsten  Abtlieilung  (X(/). 

Obwohl  Fric  die  Inoceramenpläner  der  Rohatetzer  und  Bro- 
zaner Anhöhe  zu  den  Teplitzer  Schichten  zählt,  so  erwähnt  er  sie 
doch  in  derselben  Arbeit  (Teplitzer  Schichten,  S.  12)  als  Priesener 
Schichten,  und  dieselben  Inoceramenpläner  (Xd)  in  derselben  Um- 
gebung von  Raudnitz,  am  Sowicberge  oder  in  der  Umgebung  von 
Melnik  (Hostina  etc.),  rechnet  er  auch  zu  den  Priesener  Schichten 
(siehe  vorne). 


Profil  der  steilen  Berglehne  am  linken  Egernt'er  bei  Koschtitz. 

Fric:  Teplitzer  Schichten,  S.  35—37,  Fig.   13. 

Zahälka:   Zone  IX,    S.  15-25;    Zone  X,    S.    15-17,    besonders  6 
und  7,  Fig.  56,  57  des  Egergebietes. 


Zahälka 


Fric 


Zahälka 


X 


a 


IX 

höchste 
Schichte 


6.  Rhynchonellen-Schichten. 

5.  Schichten     mit     Terehratula    seini- 

glohosa. 
4.  Plänerkalk  mit  riesigen  Ammonites 

peramp/us. 


3.  Mächtige,    blos  FuCoiden  führende 

Bank. 
2.  Lage  der  Koschtitzer  Phitten. 


1.  Pliinermergel    (etwa  der  Nr.  6  des 
Profils  von  Podhraz  entsprechend). 


X 


Be  m  erkungen. 

1.  Die  Schichten  2  und  3  bei  Fric  gehören  zu  der  untersten 
Schichte  «  unserer  Zone  X,  die  Fric  westlich  vom  Egergebiete 
„glauconitische  Contactschichte"  nennt. 


[85]  Uober  ilio  Schichtonfolge  dor  wosthölimiscluMi   Ivreideformafion.  lf)l 

2.  Die  Scliiclite  1  bei  Fric  gehört  nicht  zu  den  Teplitzer 
Schichten  (X),  sondern  ist  die  höchste  Stufe  der  Priesener 
Schichten  (IX). 

3.  Die  Schichte  1  bei  Fric  ist  nicht  Aequivalent  der  Schiclite 
Nr.  G  des  Profils  Fric's  von  Podliraz,  da  die  Schichte  Nr.  G  von 
Podhraz  zur  Zone  V  gehört.  (Siehe  weiter  und  Zahcllka:  Zone  V 
des  Egergebietes,  S.  14.) 

Profil  an  der  Berglehne  von  Kystra. 

Fric:  Teplitzer  Schichten,  S.  33-35,  Fig.   12. 

ZaliJllka:  Zone  IX  des  Egergebietes,  S.  3G — 45,  Fig.  GO,  Gl;  Zone 
X  des  Egergebietes,  S.  19,  20. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Fric 


Z  a  h  ä  1  k  a 


X 

untei'ste 


IX 

höchste 


Existiren 

nicht  bei 

Kystra  unter 

den  Schichten 

6  u.  8  Fric's 


Schwächere  Plänerkalkschichte,  auf 
welche  weissliche,  mürbe  Schichten 
mit  Micraster  breriporus  folgen. 
Feste  Plänerkalkschichte  mit  riesi- 
gen Ammoniten  (Plänerkalk  von 
Kystra,  Reuss). 


6.  u.  7.  Schichten  mit  Terehrcdulina 
gracilis  (Plänermergel  von  Kystra, 
Reuss). 


Scharfe  Spongienschichte  miiAcMl- 
leum  hisquitiforine. 


4.  Petrefactenreiche  Avellanenschichte. 


Bemerkungen. 


Malnitzer 
Schichten 


X 


IV  r,  V« 


1.  Die  Fric'schen  Schichten  4  und  5  existiren  in  der  Natur 
nicht  unter  den  Schichten  G  und  7  (IX).  Unter  den  Schichten  G  und 
7  (IX)  ist  in  Kystra  derselbe  mergelige  Thon  wie  in  den  Scliichten 
6  und  7  (IX). 

2.  Fric  parallelisirt  die  Schichten  bei  Kystra  mit  den  Schichten 
bei  der  Podhrazmühle,  was  unrichtig  ist,  denn  die  Scliichten  4,  5,  G 
und  7  von  der  Podhrazmühle  gehören  zu  der  viel  älteren  Zone  V. 
(Siehe  nachstehendes  Profil  undZahälka:  Zone  V  des  Egergebietes, 
S.   13  bis   19.  und  Zone  IX,  S.  41  und  43.) 


152 


Ö.  Zahälka. 


[8G] 


Profil  bei  der  Podhrjizmühle  nöidlich  von  Slavetin. 

Friö:  Teplitzer  Schichten,  S.  ;U-33,  Fig.  11. 
Zahälka:  Zone  V  des  Egergebietes,  S.  13-19,  Fig.  29. 


Zahälka 


Fric 


Z  a  h  ä  1  k  a 


V 


IV 


12 


11 


1,  2 


7.  Bräunliclie,    plastische 
Schichten. 


6.  Festere  Schichte  in 
grauen,  mergeligen  Lagen 
mit  Terehratalina  gracilis. 


5.  Scharfe  Spongien- 
schichte. 


4.  Petrefactenreiche 

Plänerschichte  mit  grossen 

Rhynchonellen. 


2.  u.  3.    Festere    Pläner- 
schichte vom  Alter  der 


1.  Blockigrer  Grünsand  der 


Teplitzer 
Schichten 


Avel- 

lanen- 

schichte 


Launer 
Knollen 


Malnitzer 
Schichten 


X 


V« 


IV,  Vrt 


IV 


IV 


Profil    von  der  AnhiUie  bei  Poriic  über  Slavetin,  Kystra  nnd 
Koschtitz  nach  dem  Weinberge  bei  Wiinitz. 

Fric:  Teplitzer  Schichten,  S.  2G,  27,  Fig.  9. 

Zahälka:  Zone  I  des  Egergebietes,  S.  17—32,  Fig.  7  und  8;  Zone 

II,  S.  5;  Zone  III,  S.  28—33,  35-36,  38—40:  Zone  IV,  S.  20—24, 

Fig.  28;  Zone  V,  S.  13—19;  Zone  IX,  S.  15—29,  31—34,  35—45, 

Fig.  56—61;  Zone  X,  S.  15—20. 

Dieses   sehr   oberflächlich   gezeichnete  Profil   stimmt   nicht   mit 

der  Natur  überein ;  auf  die  geotektonischen  Verhältnisse  dieser  Gegend 

wurde  keine  Rücksicht  genommen.   Es  wurden  Schichten  übereinander 

gezeichnet,  die  in  der  Katur  nicht  übereinander  liegen. 

1.  lieber  die  Schichtenfolge  der  Kreideformation  bei  der  Podhraz- 
mühle,  Kystra  und  Koschtitz,  die  in  diesem  Profile  angedeutet  sind, 
haben  wir  schon  gesi)rochen.  Wir  wissen,  dass  in  Kystra  die  untersten 
zugänglichen  Schichten  zu  den  höheren  Schichten  der  Zone  IX  ge- 
hören (Schichten  mit  Terehratalina  f/racilis  Fric)  und  die  Schichten 
bei  der  Podhrazmühle  zu  den  Zonen  IV  und  V  (Schichten  1,  2,  3 
und  4  in  der  Fig.  9  von  Fric).  Aus  diesem  Grunde  können  also  die 
Schichten  von  der  Podhrazmühle  (IV  +  V)  nicht  unter  die  Schichten 
bei  Kystra  (IX)  gezeichnet  werden.  Zwischen  den  Schichten  bei  der 
Podhrazmüiile  und  denen    bei   Kystra    befindet  sich  eine  Verwerfung. 

2.  Das  i'rofil  des  llochj)lateaus  Bytiny  in  der  Fig.  9  (bei  Fric) 
hat  als  Unterlage  die  Permformation,  und  zwar  von  der  Meereshöhe 
circa    175  ni    l)is    zu  300  m.     Das   ist  unrichtig.     Die  Permformation 


[87] 


Ueber  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation. 


153 


bildet  zwar  die  Unterlage  der  Kreideformation,  aber  zwischen  Bytiny 
und  Podlirazmülile  (wie  auf  der  Fig.  9)  geht  sie  nicht  zu  Tage,  sondern 
liegt  tief  unter  der  Erdoberfläche,  also  nicht  zwischen  175  und  30Ü  w, 
sondern  jedenfalls  unter  175  m.  Bei  Slavetin  ist  das  Profil  durch 
Bytiny  verschieden,  je  nachdem  man  dasselbe  auf  der  Westseite  oder 
auf  der  Ostseite  des  genannten  Dorfes  construirt.  Denn  zwischen 
beiden  Profilen  befindet  sich  eine  Verwerfung,  deren  Verwerfungs- 
spalte quer  zu  der  Slavötiner  Terrasse  geht.  Das  Profil  durch 
Bytiny  auf  der  Westseite  haben  wir  in  der  Fig.  28  (Zone  IV  der 
Kreideformation  des  Egergebietes)  dargestellt.  Das  Profil  der  Kreide- 
formation durch  Bytiny  auf  der  Ostseite  ist  cähnlich  dem  auf  der 
Fig.  28,  nur  mit  dem  Unterschiede,  dass  auf  der  Slavetiner  Terrasse 
die  Zone  III  die  Oberfläche  bildet.  Diese  Zone  III  bildet  die  Anhöhe 
„V  Lomech"  und  „Na  Sibenici",  die  Fric  unrichtig  als  Wehlowitzer 
Pläner  (also  als  Zone  VI)  beschrieben  hat  (Weissenberger  Schichten, 
S.  G3:  „Zwischen  Slavetin  und  Patek  zieht  sich  ein  schmaler  Streifen 
von  Wehlowitzer  Planer").  Diese  Anholie  „V  Lomecii"  und  „Na 
Sibenici",  die  aus  der  Zone  III  zusammengesetzt  ist  und  als  Unter- 
lage die  Zone  II  und  I  hat  (siehe  Zone  III  des  Egergebietes,  S.  39), 
befindet  sich  infolge  der  Verwerfung  (Zahälka,  Bytiner  Verwerfung) 
in  einer  viel  niedrigeren  Lage  als  die  Aniiöhe  Bytiny  (mit  denselben 
Zonen  111,^11  und  I).  Fric  zeichnet  aber  diese  Anhöhe  „V  Lomech" 
und  „Na  Sibenici"  mit  der  Zone  III  auf  seiner  Figur  9  als  eine 
kleine  Scholle,  „die  sich  vor  Zeiten  von  dem  Plänerpiateau  oberhalb 
Peruc  abgetrennt  haben  mag  und  tiefer  ins  Thal  herabrutschte" 
(Weissenberger  Schichten,  S.  63 ;  Teplitzer  Schichten,  S.  26). 

3.  Fric  zeichnet  in  der  Figur  9  am  Weinberge  bei  Wunitz  die 
Baculitenthone  der  Priesener  Schichten  über  die  Teplitzer  Schichten, 
was  unrichtig  ist.  Schon  in  dem  linken  Egerufer  zwischen  Kostic  und 
Wolenic  befinden  sich  die  Priesener  Schicliten  (IX)  unter  den  Tep- 
litzer Schichten  (X).  Die  Teplitzer  Schichten  in  Kostic  (X)  sind  von 
den  Priesener  Schichten  am  Weinberge  bei  Wunitz  (IX)  durch  ein 
Thal  getrennt  (welches  in  der  Fig.  9  bei  Fric  nicht  eingezeichnet 
ist)  und  durch  dieses  Thal  geht  eine  Verwerfungsspalte,  der  zufolge 
die  Priesener  Schichten  (IX)  bei  Wunitz  in  höherem  Niveau  erscheinen. 
als  die  Teplitzer  Schichten  (X)  bei  Koschtitz.  (Siehe  unsere  Arbeiten 
über  die  Zone  IX  und  X  im  Egergebiete.) 


Weissenberger  Schichten  bei  Perutz  und  Prag. 

Fric:  Weissenberger  Schichten,  S.  64—69. 

Zahälka:   Zone  III    des  Egergebietes,    S.  28—35,    Profil  8,   9,   10, 
11  und  27,  Fig    7  und  8. 


Zahälka 

P'  r  i  c 

Zahälka 

III 

Wehlowitzex"  Planer. 

W  eissenberger 
Schichten 

VI 

III 

Dfinower  Knollen. 

IV 

Semitzer  Mergel. 

III 

■lahrbiicli  d.  k.  k.  geol.  Reiclisanstalt,  1000,  50.  Unnd,  1.  TIcf'f.  (Ö.  Zahälka.) 


20 


154 


0.  Zahälka. 


[88] 


Bemerkungen. 

1.  In  Perutz  befinden  sich  drei  Zonen  der  Kreideformation: 
Zone  I,  II  und  III.  Diese  Zone  III  nennt  Fric  im  Moldau-  und  Ellbe- 
tliale  bei  Melnik :  Semitzer  Mergel.  Dieselbe  Zone  III  in  Perutz  er- 
klärt aber  Fric  als  Welilowitzer  Pläner  (in  einem  kleinen  Stein- 
bruch) und  Semitzer  Mergel.  Ueber  den  Semitzer  Mergel  (unsere 
unterste  thonige  Schichte  der  Zone  III)  schreibt  Fric:  „Die  weichen 
Semitzer  Mergel  sind  in  Perutz  selbst  nicht  sichtbar,  aber  längs  des 
Weges  nach  Ceraditz".  Die  mittleren  Schichten  der  Zone  III  in  der 
hiesigen  Kreideformation  (Weissenberger  Schichten,  S.  64 — 73)  nennt 
Fric  auch  mit  Unrecht  Drfnover  Knollen, 

2.  Von  Perutz  kann  man  die  Zone  III  mit  den  beiden  unteren 
Zonen  I  und  II  über  Zlonitz,  Schlau  bis  auf  den  Weissen  Berg 
nach  Prag  verfolgen.  Keine  jüngere  Zone  mehr  deckt  diese  Zone  III. 
Doch  hat  Fric  am  Weissen  Berge  bei  Prag  dieselbe  Zone  IIP  wie  in 
Perutz  als  Semitzer  Mergel,  DKnower  Knollen  und  Wehlowitzer  Pläner 
bestimmt. 


Weissenberger  Scliicliteii  bei  Mseno  (eigeiitlicli  Msene)  unweit 

Bndin. 

Fric:  W^eissenberger  Schichten,  S.  64. 
Zahälka:    Zone  I,  S.  8— 10;   Zone  II,  S.   11 
bis  22  der  Umgebung  von  Kip. 


-14;    Zone  III,  S.   19 


Z  a  h  ä  I  k  a 


Fric 


Z  ä  h  a  1  k  a 


Wehlowitzer  Pläner. 


III 

untere 


Dfmower  Knollen. 


fSeiiiitzer  Mergel  ^).] 


VI 


Weissenberger 
Schichten 


IV 

III 


III 


Bemerk  ungen. 
1.  Fric  schreibt:  „In  der  Richtung,  welclie  wir  verfolgen, 
treffen  wir  die  Weissenberger  Schichten  nur  noch  bei  Mseno  auf  der 
Anhöhe  bei  Charwatetz  an.  Die  den  Wehlowitzer  Plänern  entspre- 
chenden, das  Plateau  bildenden  Schichten  sind  hier  ganz  petrefacten- 
leer.  Die  tieferen,  den  Drluowor  Knollen  äquivalenten  Schichten 
besitzen  auf  den  abgewaschenen  Flächen  viele  A'iHorplios/wfij/id, 
(Acliillewn)  riujosa  und  eben  auf  dieser  Localität  erkannte  ich  zum 
erstenmale,  dass  wir  dieses  Petrefact  nicht  als  für  die  Teplitzer 
Schichten  bezeichnend  ansehen  dürfen,  wie  wir  es  früher  thaten,  da 
dessen  Auftreten  in  eine  viel  frühere  Periode  fällt,  wie  wir  uns  seit- 
dem auch  an  anderen  Orten  bei  Dri'iiov  und  Semitz  überzeugt  haben." 


')  Die  untcrnte  thonig(!  Scliichte  unserer  Zone  III,  die  Fric  /wisclien  B/ban- 
berge  und  i'ernt/  iils  „Semitzer  Mergel"  betriichtet  luit,  liiit  derselbe  Autor  bei  Msene 
übersehen.  ol)\volil   sie  liiei'  im   einigen   Sfcllcn   zu,'4iingli(li  ist. 


[89]  Ueber  die  Schiclitenfolge  der  westbölimischon  Kreideformation.  155 

2.  Den  ciiigeblichen  Wehlowitzer  Pläiier  Fric'.s  (unsere  untere 
Zone  III)  treffen  wir  in  der  Uiclitun^  von  Perutz  nach  Mseno  niclit 
nur  bei  Mseno,  wie  Fric  an^;ibt,  sondern  auf  vielen  anderen -Orten, 
z.   B.  bei  Wraiiy,  Jecovic,  KedhoSt'  etc. 

o.  Der  Wehlowitzer  Tlaner  Fric's  bei  Mseno  entspriciit  also 
niclit  dem  wahren  Wehlowitzer  Pläner  (Zone  VI)  von  Wehlowitz, 
sondern  —  sammt  den  angeblichen  Drfnower  Knollen  und  den 
übersehenen  „Semitzer  Mergel  Fric"  (vom  Perutzplateau  etc.) 
—  der  unteren  Abtheilung  unserer  Zone  III,  d.  h.  der  unteren  Ab- 
theilung der  Fric'schen  Semitzer  Mergel  (aus  der  Umgebung  von 
Melnik). 

4.  Wie  bekannt,  haben  wir  die  Amorijhosponijia  rtK/osa  auch 
schon  in  der  Zone  II  (Korytzaner  Schichten)  gefunden  (siehe  Zone  II 
der  Umgebung  von  Rip,  S.   13). 

Wehlowitzer  Pläner  bei  Libochowitz. 

Fric:  Weissenberger  Schichten,  S.  52. 
Zahälka:  Zone  VIII  des  F'gergebietes,  S.  4 — 7. 

Unsere  Zone  VIII  bei  Libochowitz,  zu  welcher  Zone  der  Erste 
Kokoriner  Quader  bei  Kokoffn  gehört,  bestimmte  Fric  als  Wehlo- 
witzer Pläner,  das  heisst  als  unsere  Zone  VI. 


Profil  des  rechten  Egeriifers  unterhalb  der  Zuckerfabrik 

in  Laun. 

Fric:  Weissenberger  Schichten,  S.  60 — 62,  Fig.  16. 


Zahälka:    Zone  V  des  Egergebietes,  S.  23- 
des  Egergebietes,  S.  36,  37,  Fig.  40. 


-38,  Fig.  51  ;   Zone  IV 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Fric 


Zahälka 


V 


IV 


t.  Graue  Mergel  mit  häufigen 
Ostrea  seniiplana  und  Rhyn- 
chonella  Cuvieri. 


P.  Schichte  von  ockergelber 
Farbe  mit  grossem  Reich- 
thum  an  Pectunculus  lens. 


S.  Schichte   mit  Spondylits  spi- 
nosus. 


b.  Festere  graue  Schichten  mit 
zahlreichen  Turritellen. 


a.  Festere  Kalkschichte. 


m'.  Graue  kalkige  Knollen. 


m.  Typischer  Grünsand. 


Teplitzer 

Schichten 

(tiefste  Lagen) 


Avellanen- 
schichte 


Launer 
Knollen 


Malnitzer 
Grünsand 


X 


V« 
lV,Va 
IV  r 


Vrt 
IV 


2Ü* 


156  ^-  Zahälka.  [90] 

Be  m  erk  ungeu. 

1.  Wie  bekannt,  luit  Fric  die  La  im  er  Knollen  als  einen 
selbständigen  Horizont  zwischen  dem  Malnit.zer  Grünsande  und 
zwischen  der  Malnitzer  Avellanensehichte  aufgestellt.  Nach  unseren 
Arbeiten  (Zone  IV  und  V  des  Egergebietes)  ist  aber  dieser  Hori- 
zont nicht  selbständig,  da  die  durch  Fric  an  verschiedenen 
Stellen  beschriebenen  Launer  Knollen  bei  Lauii  zu  verschie- 
deneu Horizonten  gehören.  Manche  Launer  Knollen  gehören  zu  den 
höchsten  Schichten  der  Zone  iV  (IV/),  d.  h.  zu  dem  Malnitzer  Grün- 
sande, manche  liegen  unter  dem  Horizonte  IV  >'  und  andere  wieder 
über  dem  Horizonte  IV  r,  d.  h.  in  den  tiefsten  Schichten  der  Zone  V 
(Va).  Die  Zone  IV  wurde  aber  schon  von  Fric  als  selbständiger 
Horizont  ausgeschieden,  als  Drinower  Knollen,  und  die  Schichte 
V  u  auch,  und  zwar  als  Avellanensehichte. 

Auch  aus  der  Fric'schen  Arbeit  kann  man  beweisen,  dass 
die  Launer  Knollen  kein  selbständiger  Horizont  sind,  denn  Fric  sagt 
(Weissenberger  Schichten,  S.  60,  20):  „Die  grauen  kalkigen  Knollen, 
welche  den  höchsten  Lagen  des  G  r  ü  n  s  a n  d  e  s  eingelagert 
sind  .  .  ."  Wenn  sie  also  nach  Fric  den  höchsten  Lagen  des  Mal- 
nitzer Grünsandes  eingelagert  wären ,  so  müssten  sie  dann  dem 
Malnitzer  Grünsande  angehören! 

Dasselbe  gilt  von  dem  Fundort  Fric's:  „Steinbruch  des 
Herrn  Kostka  aus  Laun"  (Weissenberger  Schichten,  S.  69.  —  Siehe 
auch  meine  Zone  V  des  Egergebietes,  S.  38 — 40,  Profil  52,  Fig.  42 
rechts  und  Fig.  52). 

2.  Fric  schreibt  (ebenda  S.  60),  dass  diese  grauen  kalkigen 
Knollen  (Launer  Knollen)  dem  Exogyrensandstein  von  Malnitz  ent- 
sprechen. Dies  ist  unrichtig.  Denn  die  kalkigen  Knollen  gehören  zu 
der  untersten  Schichte  der  Zone  V  (Va  1,  2),  sie  sind  also  dem  Mal- 
nitzer Grünsand  aufgelagert,  aber  der  Exogyrensandstein  in  Malnitz 
ist  dem  dortigen  Malnitzer  Grünsande  untergelagert.  (Siehe  unsere 
Zone  IV  des  Egergebietes,  S.  45—72.) 

3.  Fric  sagt,  dass  die  Schichten  des  Profils  Fig.  16  „seit 
dieser  Zeit  (1870)  durch  Eisenbahnbau  unzugänglich  gemacht  wurden". 
Ich  habe  sie  von  der  Veröffentlichung  der  Weissenberger  Schichten 
Fric's  (1877)  bis  zum  Jahre  189()  (wo  ich  mein  Profil,  Fig.  51,  ge- 
fertigt habe)  gut  aufgeschlossen  gefunden. 

Steinbruch  bei  14  Nothelferii  in  Laun. 

Fric:  Weissenberger  Schichten,  S.  60. 

Zahälka:  Zone  IV  des  Egergebietes,  S.  37—40,  Fig.  41,  links. 

In  diesem  Steinbruche  befindet  sich  Zone  IV.  Die  höchste  Schichte 
des  Steinbruches  und  der  nebenliegenden  Anhöhe  gehört  zum  Grün- 
sandsteine (IV/-),  alle  übrigen  Schichten  unter  dem  Grünsandsteine 
sind  aus  kalkigen  Sandsteinen  und  Kalksteinen  zusammengesetzt 
(Zone  IV,  Schichte  1  bis  9  im  Profil  54).  Den  Grünsandstein  erwähnt 
Fric  nicht  (vielleicht  war  der  Steinbruch  früher  nicht  so  hoch),  die 
ü  b  r  i  g  e  n  S  c  h  i  c  h  t  e  n  unter  dem  G  r  ü  n  s  a  n  d  s  t  e  i  n  e  h  ä  1 1  F  r  i  c 


[91] 


lieber  die  Schichtenfolge  der  westhöhinischen  Kreideformation. 


157 


„für  die  L  a  u  n  e  r  Knollen  o  cl  e  r  f  ü  r  etwas  j  (i  n  g  e  r  e 
Schichten".  Nach  der  Definition  Fric's  sollen  die  Launer  Knollen 
„in  die  höchsten  Schichten  des  Malnitzer  Grünsandes  eingelagert  sein", 
wenn  sie  etwas  jünger  wären,  möchten  sie  zu  der  Avellanenschichte 
gehören;  sie  liegen  aber  unter  dem  Grünsandsteine.  So 
sehen  wir  wieder,  d  a s  s  die  L  a  u  n  e  r  Knollen  keinen  selbstän- 
digen Horizont  der  K  r  e  i  d  e  f  o  r  m  a  t  i  o  n  vorstellen. 

Profil  der  Anhöhe  „Lehmbrüche"  zwischen  Laim  und  Malnitz. 

Fric:  Teplitzer  Schichten,  S.  27—29,  Fig.  10. 

Zahälka:  Zone  V  des  Egergebietes,  S.  42— 47,  Profil  82,  56,  Fig.  33, 
43,  53. 


Zahälka 


Fric 


Zahälka 


10 


7.  und  8.  Petrefactenarme  Schichten, 
welche  an  die  Baculitenthone  (d.  h. 
auf  die  Zone  IX)  erinnern. 


6.  Weisse  mergelige  Schicht  mit  Fron- 
dicularia  angusta  u.  kleinen  Austern. 


5  c.  Mergel  mit  Fischschuppen  etc. 


bh.  Die  eigentliche  Lage   der  grossen 
Achilleum.  Festere  Bank. 


5  a.  Mergelige  Schichten. 


4.  Sehr  feiner,  bräunlicher  Mergel  mit 
rostiger  Oberfläche.  Petrefactenleer. 


3.  Graue    Mergelschichte,    fein   glau- 
conitisch. 


2.  Grlauconitischer  Pläner   mit  Copro- 
lithen  und  Austern. 


IV 


1.  Typischer  Grünsand. 


5j  S 


Malnitzer 
Grünsand 


Xa^ 


IV  r 


Bemerkungen. 

1.  Wir  sehen  wieder,  dass  Fric  die  Zone  V,  die  zwischen 
seinen  Dfinower  Knollen  und  Wehlowitzer  Pläner  liegt,  als  Teplitzer 
Schichten  erklärte. 

2.  Fric  hat  seine  Avellanenschichte  (unsere  Zone  Va)  hier 
nicht  erkannt,  obwohl  sie  in  der  Nachbarschaft  seines  typischen  Fund- 
ones  der  Avellanenschichte  von  Malnitz  sich  befindet. 


158 


ö.  Zahälka. 


[92] 


Prolil  der  Anhöhe  „Jini  Saude''  bei  lUalnitz. 

Fric:   Weisseiiberger  Schichten,  S.  58,  Fig.  15. 

Zahälka:    Zone  IV  des  Egergebietes,    S.  53 — 64,    Fig.  23,    24,  35, 
36,  37,  Profil  64,  65,  66,  67;  Zone  V  des  Egergebietes,  S    41) -52. 


Z  a  h  äl  k  a 


Fric 


Z  a  h  il  1  k  a 


Na 


f.  Graue   Mergel    mit  Ostrea 
semiplana. 


a.  Gelblichweisse,    kalkige, 
festere  Schichte,  nur  wenige 
Zoll    mächtige    Avellanen- 
schichte. 


IV 


m.  Verwitterter,  rostgelber 
Grünsand,  welcher  an  der 
Basis  die  an  Petrefacten 
reichen  Knollen  (Launer) 
enthält  und  nach  oben 
plattenförmig  wird. 


el 


e.  Exogyrenbank. 


m 


mg.  Schichte  mit  zahlreichen 
Mayas  Geinitzii. 


r.  Sandige  Facies  der  Weissen- 
berger  Schichten  (=  Winter- 
stein). 


Teplitzer 
Schichten 


X 


A  vellanen- 
schichte 


Malnitzer 
Grünsand 

Launer 
Knollen 


Na\ 
IVr 
Va 


IV.V« 


Wehlowitzer 
Pläner 


VI 


Bern  e  rkungen. 

1.  Die  Avellanen  schichte  Fric's  ist  die  unterste  Schichte 
unserer  Zone  V  und  des  Horizontes  Va. 

2.  Fric  zeichnet  und  beschreibt  hier  die  Launer  Knollen 
(diese  Launer  Knollen  nannte  Ileus  s  Exogyren  Sandstein  von 
Malnitz  sammt  der  Exogyrenbank)  in  dem  Malnitzer  Grünsande,  und 
zwar  an  seiner  Basis. 

Wir  sehen  also  wieder,  dass  die  L  a  u  n  e  r  Knollen  F  r  i  c's 
keinen  selbständigen  Horizont  d  e r  b  ö h m i s c h  e n  Kreide- 
formation vorstellen,  und  wieder  nach  den  Fric'schen  Schriften 
selbst:  denn  Fric  zeichnet  und  beschreibt  hier  seine  Launer  Knollen 
im  Malnitzer  Grünsande,  und  zwar  an  dessen  Basis.  In  seiner  Schichten- 
folge der  böhmischen  Kreideformation  (z  B.  Iserschichten  S.5)  stellt 
er  aber  die  Launer  Knollen  zwischen  Malnitzer  Grünsand  und  Avellanen- 
schichte ! 


[93] 


lieber  die  Schicbtenfoljro  der  westböhmisclieii  Kreideformation. 


r)9 


Wir  werden  noch  später  sehen,  dass  V  r  i  6  die  L  a  u  n  e  r  Knollen 
i  n  d  e  n  h  ochsten  S  c  h  i  c  h  t  e  n  d  e  r  W  e  i  s  s  e  n  b  e  r  g  e  r  S  c  h  i  c  h  t  o  n 
0  i  n  g  e  z  e  i  c  h  n  e  t  und  b  e  s  c  hr  i  e  b  e  n  h  a  t. 

3.  Fric  erklärt  die  Schichten  r  als  sandige  Facies  der Weissen- 
berger-Schichten,  er  glaubt,  dass  sie  aequivalent  sind  dem  Winter- 
stein bei  Hradek  und  dieser  wieder  dem  Welilowitzer  Tläner.  Das 
ist  nicht  richtig.  Die  Schichten  r  gehören  der  unteren  Abtlieilung 
unserer  Zone  IV  an.  Sie  sind  also  äquivalent  den  Drlnower  Knollen, 
daher  sind  sie  jünger  als  die  W^eissenberger  Scliichten  (Zone  III)  bei 
Prag  und  älter  als  der  Wehlowitzer  Pläner  (Zone  VI)  von  Wehlowitz. 

4.  Der  ]\I  a  1  n  i  t  z  e  r  G  r  ü  n  s  a  n  d  gehört  sammt  dem  pAogyrensand- 
steine  zu  den  höchsten  Schichten  der  Zone  IV,  also  zu  den  höchsten 
Schichten,  die  Friö  bei  Kaudnitz  und  an  anderen  Orten  Dftnower 
Knollen  nennt.  Es  ist  also  der  Malnitzer  G  rün  Sandstein 
kein  selbständiger  Horizont  der  böhmischenKreideformation. 

Profil  zwischen  3Ialiiitz  und  Lippenz  längs  dem  Maruscher  Bache. 

Fric:  Weissenberger  Schichten,  S.  55 — 57,  Fig.  14. 

Zahalka:    Zone  I   des  Egergebietes,   S.  34-37.    Fig.  11;    Zone   II, 

S.  7-8,  Fig.  12,  13,  14;  Zone  III,  S.  45-52,  Fig.  IG— 25;  Zone 

IV,  S.  44— 72,  Fig.  34-49;  Zone  V,  S.  47-55. 

Wir  wollen  dieses  Profil  auf  drei  Theile  theilen  und  jeden  Theil 
für  sich  betrachten. 

A)  Profil  zwischen  Lippenz  (L)  und  der  Verwerfung  A. 

B)  Profil  zwischen  der  Verwerfung  A  und  der  Anhöhe  „am  Sande". 

C)  Profil  von  der  Anhöhe  „am  Sande"  bis  zu  „(5"  hinter  dem 
Wege  nacli  Malnitz. 

A)  Profil  zwischen    Lippenz  (L)    und   der  Verwerfung  A. 
Siehe    besonders   Zahälka's    erwähnte   Fig.   11,    12,  13,  14,  49.  34 
und  dazugehörige  Abhandlungen. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Fric 


Zahalka 


IV 


in 
iT 


I 


In  diesem  Profile  Fric, 
Fig.  14,  werden  die  Tep- 
litzer  Schichten  nicht  an- 
gedeutet, aber  eine  Erwäh- 
nung macht  F  r i  c  in  seinen 
Teplitzer  Schichten,  S.27, 
Z.  15,  Iß. 


Grünsand    mit    Protocar- 
dium  HillaiHim  etc. 


Exogyrenbank  e ^   (S.  55), 
Exogyrenschicht.  ?j  (S.  50). 


Teplitzer  Schichten 
(unteres  Niveau) 


Malnitzer  Giünsand 


Launer 
Knollen 


Sehr  sandige,  weissliche  Planer 


Korytzaner  Schichten,  nic-ht  deutlich  entwickelt. 


Mit  grauen,  pflanzenreichen  Schieferthonen  wech- 
selnde Quadersande  der  Perutzer  Schichten. 


X 


IVr 


lV,Va 


VI 


III 


II 


160  Ö.  ZahÄlka.  [94] 

B  e  m  e  r  k  u  n  g  e  n. 

1.  Fric  schreibt  (Weisseiiberger  Schichten.  S.  55) :  „In  seinen 
liöchsten  Schichten  (vveisslicher  Piiiner  der  Weissenberger  [Wehlowitzer] 
Schichten)  ist  eine  F.xogyrenbank  eingelagert."  Wenn  also  nach  Fric 
die  Exogyrenbank  in  die  höchsten  Schichten  der  Weissenberger 
[Wehlowitzer]  Schichten  eingelagert  wäre,  so  geht  daraus  hervor, 
nach  Fric  selbst,  dass  die  Launer  Knollen  (Fric  nennt  diese 
Exogyrenbank  auch  Exogyrenschichten  oder  Launer  Knollen)  wieder 
kein  selbständiger  Horizont  sind. 

2.  Der  sandige  weissliche  Pläner  „yr"  gehört  aber  nicht  zu  dem 
Wehlowitzer  Pläner  (Zone  VI),  sondern  zu  der  Zone  III  (Weissen- 
berger Schichten  am  Weissenberge)  und  zu  der  Zone  IV. 

B)  Profil   z  w  i  s  c  h  e  n    der  Verwerfung  Ä  u  n  d  der  A  n  höhe 

„am  Sande"  (bis  zum  Skupitzer  Wege). 

Siehe  besonders  Zahalka's  erwähnte  Fig.  34,  zwischen  der  Maruse 
und  Skupickä  cesta,  35,  36,  48  links  und  dazugehörige  Abhand- 
lungen. 

Die  Verwerfung  B,  welche  Fric  in  der  Fig.  14  zeichnet,  ist 
nicht  in  der  Natur.  Die  Schichten  zwischen  Ä  und  B  gehen  ungestört 
in  die  Schichten  links  von  B. 

Fric  erwähnt  hier  dieselben  Schichten,  wie  im  vorhergehenden 
Profile  zwischen  Lippenz  und  der  Verwerfung  A  der  Fig.  14  rechts, 
mit  Ausnahme  der  Perutzer  Schichten  P. 

Die  Verwerfung  A  wird  schon  von  Rominger  angegeben. 
(Siehe  Zahalka's  Geotektonik  der  Kreideformation  im  Egergebiete.) 

C)  Profil   von    der   Anhöhe    „am  Sande"  bis  zu  „^"  hinter 

dem  Wege  na c h  M a,  1  n i t z. 

Siehe  besonders  Zahalka's  Fig.  34,  links  vom  Skupitzer  Wege, 
Fig.  37,  38,  39,  44,  45  und  die  dazugehörigen  Abhandlungen. 

lieber  diese  Schichten  haben  wir  schon  in  dem  Fric'schen 
Profile  der  Anhöhe  „am  Sande"   bei  Malnitz  gesprochen. 

Profil  zwischen  Leiieschitz  uii<l  Hradek  bei  Laiiii. 

Eric:  Weissenberger  Schichten,  S.  50,  51,  Fig.  13;  Teplitzer  Schichten, 

S.  29 ;  Priesener  Schichten,  S.  26. 
Zahälka:  Zone  II  des  Egergebietes,  S.  8,  Fig.  15;   Zone  III,  S.  52 

bis  G8,  Fig.  26;  Zone  IV,  S.  73—77,  Fig.  50;  Zone  V,  S.  56—57, 

Fig.    54;    Zone   VIII,  S.  7-19,   Fig.    55;    Zone    IX,   S.   49-63, 

Fig.  64-66;  Zone  X,  S.  22. 

Wir  wollen  dieses  Profil,  Fig.  13  in  zwei  Theile  theilen,  und  zwar: 

A)  Die  rechte  Hälfte  des  Profils,  Fig.  13,  oder  das  Profil  durch 
das  Hradeker  Thal. 

B)  Die  linke  Hälfte  des  Profils,  Fig.  13,  oder  das  Profil  bei  der 
Lenesicer  Ziegelei. 

Jedes  Profil  werden  wir  für  sich  betrachten. 


[95]  lieber  die  Schichtenfolge  der  westhöhmisclieii   Kreidefonnatioii.  l(;i 

.1.  Profil  durch  das  llradeker  Thal. 


Z  a  h  äl  k  a 


F  r  i  c 


Z  a  h  ä  1  k  a 


w.  Oberste  Lage  des  Pläners,  sogenannter 
-Wintei'stein". 


c.  Wehlowitzer  Pläner  als  Baustein. 


III 


b.  Dfinower  Knollen. 


Semitzer  Mergel,  welche  hier  schwärz- 
lich und  gliniinerreich  sind  und  auf- 
fallend den  Perutzer  Pflanzenschichten 
ähneln. 


VI 


III 


III 


Bemerkung. 

Alle  diese  Schicliten  a,  h,  c  und  ir  gehören  zu  unserer  Zone  III, 
das  heisst  zu  den  Semitzer  Mergeln  Fric's,  also  auch  zu  den 
Weissenberger  Schichten  des  Weissen  Berges  bei  Prag.  Die  Schichten 
a  sind  nur  der  unterste  Theil  der  Semitzer  Mergel.  Das  ahnte 
Fric.  Denn  er  sciireibt  (Weissenberger  Schichten,  S.  51):  „Eine 
ganz  ähnliche  s  c  h  w  a  i"  z  e  Schichte  werden  wir  später 
auch  bei  Mühlhausen  als  das  tiefste  Glied  der  Semitzer 
Mergel  kennen  lernen." 

B.  Profil  bei  der  Leneschitzer  Ziegelei. 
Siehe  besonders  Zahälka's  Fig.  54  des  Egerthales. 


Z  a  h  ä  1  k  a 

Fric 

Zahälka 

1X3 

Priesener  Schichten. 

IX 

VIII,  1X1,2 

Teplitzer  Schichten. 

X 

III') 

Malnitzer  Schichten:  Launer  Knollen. 

IV,  \a 

Wehlowitzer  Schichten. 

VI 

1 

Bemerkungen. 

1.  Dieses  Profil,  Fig.  13,  wurde  von  Fric  nicht  richtig  erklärt 
und  gezeichnet.  Zwischen  den  Priesener  Schichten  (IX)  bei  der 
Ziegelei   und   der  Zone  III    (gegen  Hradek)   befindet   sich  eine  Ver- 


^)  Diese    Zone  III   befindet   sich   in    der   Natur   nicht    unter   der  Zone  VIII 
(Fig.  54  u.  55  des  Egergebietes). 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Rcichsanstalt  1900,  50.  Band,  1.  Ilelt.  (C.  ZaluUka.)  21 


162 


C.  Zahälka. 


[96] 


werfung,  wodurch  die  Zone  III  in  Contact  gekommen  ist  mit  der 
Zone  IX.  Es  liegen  hier  also  der  angebliche  Wehlowitzer  Planer 
und  die  Malnitzer  Schichten  nicht  unter  den  Priesener  Schichten. 

2.  Die  Zone  VIII  und  Schichten  1  und  2  der  Zone  IX  gehören 
nicht  zu  den  Teplitzer  Schichten,  darum  liegen  die  Teplitzer  Schichten 
nicht  unter  den  Priesener  Schichten.  In  unserem  Profil,  Fig.  55  (des 
Egerthales),  sehen  wir  zwar  die  Zone  X  (das  heisst  die  Teplitzer 
Schichten  mit  l'ereb nitida  semiglohosa)  in  einem  niedrigeren  Niveau 
als  die  Zone  IX  (Priesener  Schichten),  aber  wir  haben  bewiesen,  dass 
sich  zwischen  beiden  Zonen  eine  Verwerfung  befindet  (siehe  Fig.  55  r; 
Zone  VIII  des  Egergebietes,  S.  10,  Z.  3—9  von  unten;  Zone  IX, 
S.  52 — 53;  Zone  X,  S.  22).  In  der  Umgebung  des  Ranaiberges  über- 
haupt gibt  es  eine.  Menge  von  Verwerfungen,  deren  Verwerfungs- 
spalten manchmal  auch  zugänglich  sind.  (Siehe  Zahälka's  Geotek- 
tonika  kridoveho  ütvaru  v  Poohri  [Geotektonik  der  Kreideformation 
im  Egergebiete]).  Man  muss  also  bei  den  stratigraphischen  Studien 
im  Egergebiete  sehr  vorsichtig  sein. 

Profil  am  rechten  Egerufer  bei  Priesen  zwisclien  Postelberg 

und  Laun. 

Fric:  Priesener  Schichten,  S.  12—25,  Fig.  2. 
Zahälka:  Zone  IX,  S.  65— 82,  Profil  107,  Fig.  63. 


Zahälka 


Velky  Vrch 
bei  Vrsovic 


in  Priesen 


Fric 


IX 


12 


11 


10 


7  +  8 


4  +  5 
3 
2 
1 


5.  Krabbenschichte. 


4.  Sphaerosiderite    mit   Amnion    dcn- 
tatocarinatus. 


3.  Gastropodenschichten. 


2.  Radiolarienschicliten. 


1.  Geodiaschichten,  glauconitisch. 


0.  Nuculaschichten. 


Eger-Fluss 


Esrer-Fluss. 


B  e  m  e  r  k  u  n  g. 

Wie  bekannt,  waren  die  Geologen  der  Ansicht,  dass  unter  den 
Priesener  Schichten  in  Priesen  (IX)  sich  die  Tei)litzer  Schichten  (X) 
befinden.     Aus  unseren  Studien   über   die  Zone  IX  ist  aber  bekannt. 


[97] 


Ueber  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation. 


163 


dass  sich  am  Velky  Vrcli  bei  Vrsovic  alle  diese  Schichten  von  Priesen 
befinden.  (Siehe  Zone  IX  des  Egergebietes,  S.  45—49,  Profil  101, 
Fig.  ()2  und  S.  09),  und  dass  unter  ihnen  diese  Schichten  fortsetzen. 
Es  befinden  sich  auf  dem  Velky  Vrch  unter  den  Nuculaschichten 
Fric's  von  Priesen  andere  Gastropoden-Schichten  (IX  4  +  5),  die  den 
Leneschitzer  ähnlich  sind. 


Schema  der  Lagerung  der  Teplitzer  Schichten  im  Egergebiete. 

Fric:  Teplitzer  Schichten,  S.  13, 
Zahälka:  Zone  IV  bis  X  des  Egergebietes. 


Z  a  h  ä  I  k  a 


Fric 


Xr/ 
(siehe  Bemerk.) 


Weiche  Baculitenthone  (IX)  oder  klin- 
gende Inoceramenpläner  (Xr/)  der  Prie- 
sener  Schichten. 


Hansrendos 


\b 


Die  höchsten  Lagen  bei  Kystra  (X  b),  Kosch- 
titz  (Xb)  und  Popelz  (Xb). 


Horizont  der 
Rhynchonellen 


Xh 


Die    Ammonitenschichte   von    Kystra  {Xb), 
Koschtitz  (Xb)  und  Popelz  (Xb). 


Horizont  von 
Hundorf 


Xa,  V 


Die    Koschtitzer    Platten    (X  a)    und    Tei-f- 
bratulina  ^racj7/.s-Sehicbten  bei  Laun  (V). 


Horizont  von 
Koschtitz 


ix,  VIII,  V^8 


Die  Plänermergel  von  Kystra  (IX  höchste) 
und  darunter  die  „scharfe'  Schichte  in 
Leneschitz  (VIII)  und  bei  der  Podhraz- 
mühle  (V8,  Profil  46,  Zahälka). 


Horizont  von 
Kystra 


IV>-,  Va 


Malnitzer  Schichten. 


Liegfendes 


Bem  erkungen. 

1.  Aus  diesem  Schema  und  aus  unseren  Studien  über  die  Zone  X 
des  Egergebietes,  besonders  auf  der  Anhöhe  von  Brozan  und  Rohatec 
ist  zu  sehen,  dass  Fric  unseren  Horizont  Xc  übersehen  hat.  Wir 
theilen  unsere  Zone  X  in  vier  Theile  von  oben  nach  unten :  r/,  c,  h,  a. 

2.  Die  Zone  Xb  kann  nirgends  mit  „weichen  Baculitenthonen"  (IX) 
bedeckt  sein,  weil  die  Zone  IX  unter  der  Zone  X,  und  zwar  unter 
dem  Horizont  Xa  liegt. 

3.  Horizont  Xd,  d.  h.  der  klingende  Inoceramenpläner,  ist  nicht 
äquivalent  den  Priesener  Schichten  in  Priesen  (IX  obere). 

4.  Dass  Fric  unsere  höchsten  Schichten  der  Zone  IX  in  Kystra 
mit  den  Schichten  der  Zone  X,  VIII  und  V  parallelisirt  hat,  wurde 
schon  in  den  früheren  Profilen  erwähnt. 

5.  Liegendes  der  wahren  Teplitzer  Schichten  von  Teplitz  und 
Hundorf  sind  nicht  die  Malnitzer  Schichten  (IV>-,  V«),  sondern  die 
Zone  IX. 

21* 


1G4 


Ö.  Zahälka. 


[98] 


Schema  der  Teplitzer  Scliicliteii  im  östlichen  Böhmen. 

Fric:  Teplitzer  Schichten,  S.  13;  Priesener  Schichten,  S.  32—35. 

Dieses  Schema  gilt  nach  Fric  auch  für  die  Umgebung  von 
Melnik,  wo  Fric  in  den  hangenden  Schichten  keinen  Ämmonites 
jyOrhigni/anus  citirt. 


Z  a  h  ä  1  k  a 


Fric 


Xd 


Weisse  klingende  Inoceramenpläner. 


Hangendes 


Horizont  der 
Rhynclionellen 


x« 


Graue   und    bräunliche    Mergel    mit    Tere- 

hratula    semiglohosa    und    Haplophragmiuni 

irreguläre. 


Horizont  von 
Hundorf 


Horizont  von 
Koschtitz 


Horizont  von 
Kystra 


Wcd 


Bryozoen-  und  Trigonia-Schichten. 


Liesrendes 


Bemerk  u  n  g  e  n. 

1.  Aus  dieser  und  der  vorigen  Tabelle  des  Schemas  der  Teplitzer 
Schichten  ist  zu  sehen,  dass  die  Horizonte  der  Teplitzer  Schichten 
Fric's  aus  dem  Egergebiete  mit  denen  aus  der  Umgebung  von 
Melnik  (östlich  Böhmen)  nicht  ganz  corresi)ondiren.  Der  Horizont  der 
Rhynclionellen  im  E^gergebiete  gehört  unserem  Horizonte  X/>,  aber  der 
unsichere  bei  Melnik  den  Horizonten  X/>  +  r  an.  Der  Horizont  von  Hun- 
dorf und  Koschtitz  im  Kgergebiete  gehört  hauptsächlich  zu  X  a  +  />  (auch 
zu  V),  bei  Melnik  aber  zu  X«.  Der  Horizont  von  Kystra  im  Eger- 
gebiete gehört  zu  den  Schichten  IX,  VHI  und  V,  aber  der  unsichere 
bei  Melnik  kann  nicht  existiren,  da  unter  X«  gleich  die  Bryozoen- 
schichten  kommen  (IX</). 

2.  Auch  das  Liegende  der  Teplitzer  Schichten  Fri  c's  im  p]ger- 
gebiete  und  bei  Melnik  stimmt  nicht;  denn  im  Egergebiete  führt 
Fric  als  Liegendes  die  Malnitzer  Schicliton  (IV/-,  \ a)  aber 
bei  Melnik  ganz  andere  Schichten:  Bry  ozo  e  n-Schi  eh  ton  (L\  rf) 
u  n  d  T  r  i  g  0  n  i  a  -  S  c  h  i  c  h  t  e  n  (IX  <■)  an.  Nach  unseren  Studien  ist 
Liegendes  der  wahren  Teplitzer  Schichten  von  Teplitz  (X)  im  Eger- 
gebiete als  auch  bei  Melnik  die  Zone  IX.  (Priesener  Schichten  = 
oberen  Iserschichten.) 


[99] 


Ueber  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideformation. 


IG5 


Inhalts-Verzeiehnis. 


Seite  Seite 

Einleitende  Bemerkungen [1]— [8]  67—74 

I.  Schiclitenfolg-e  nach  Reuss [9]— [12]  75—78 

1.  Schichtenfolge     der    Kreideformation    in    West- 

böhmen [9J  75 

2.  Schichtenfolge  bei  Wolenic  und  Kostic [9]  75 

3.  Schichtenfolge  in  Cencic [10]  76 

4.  Schichtenfolge  bei  Kystra |10]  76 

5.  Unterer  PUinerkalk  von  Laun  und  Malnitz  ...  (11]      ,  77 

6.  Schichtenreihe  von  Weberschan [11]  77 

7.  Schichtenreihe  von  Perutz     .    . ]12]  78 

li.  Schichtenfolge  nach  Rominger [12]  — [14]  78—80 

1.  Umgebung  von  Postelbeig [12]  78 

2.  Profil  bei  Leneschitzer  Ziegelhütte [13]  79 

3.  Pläner  bei  Koschtitz    . [13]  79 

III.  Schichtenfolge  nach  Jokely [14]     [15]  80—81 

1.  Gliederung  im   östlichen  Theile  des  Leitmeritzer 

Kreises [14]  80 

2.  Gliederung  der  westböhmischen  Kreideformation  [14]  80 

3.  Profil  von  Melnik  nach  Klein-Ziwonin    etc.  .    .    .  [15]  81 

IV.  Schichtenfolge  nach  Lipoid [16]  82 

im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  ...  [16]  82 

V..  Schichtenfolge  nach  Giimbel [16]     [36]  82—102 

1.  Gliederung  der  westböhmischen  Kreidoformation  [IG]  82 

2.  Weisser  Berg  bei  Prag [18]  84 

3.  Profil  hinter  dem   Strahower  Thor  in  Prag    .    .  [19]  85 

4.  Profil  in  Peruc [20]       '          86 

5.  Profil  bei  Weberschan [21]  87 

6.  Profil  ah  der  Ziegölhutte  bei  L&neschitz     .    .    .  [23]  89 

7.  Profil  in  Cencic       . [25]  91 

8.  Profil  unterhalb  Laim  am  Egerufer [26]  92 

9.  Profil  im  alten  Steinbruche  bei  Laun [27]  93 

10.  Profil   von  Lipenc  über  Malnic  nach  Priesen  .    .  [28]  94 

11.  Profil  am  Elbeufer  bei  Melnik  bis  in  die  Schlucht 

bei  Liboch [^2]  98 

12.  Grosser  Steinbruch   von  Wehlowitz [33]  99 

13.  Aufschluss   im  Wrutitzer  Thale   bei    Stambach- 

mühle [34]  100 

14.  Profil  im  Seitenthale  von  der  Krouzeker  Mühle 

bis  nach  Dorf  Nebuzel [35]  101 


1G6                                                   ö.  Zahalka.  [100] 

Seite  Seite 

VI.  Schicliteiifolge  nach  Schlönbacli [:^6]  -  [41]  102—107 

1.  Gliederung  der  westböhuiisclien  Kreideformation  [36]  102 

2.  Das  westböhmische  Cenoman [37]  103 

3.  Schichtenfolge    von     Melnik    und    Liboch    über 

Wehlowitz  und  Krouzeker  Mühle  nach  Nebuzel  [38]  104 

4.  Schichtenfolge  bei  Laun [40]  106 

VII.  Schichtenfoli^e  nach  Krejci [42] -[57]  108-123 

1.  Schichtenfolge  der  böhm.  Kreideformation  A    .  [42]  108 

2.  Schichtenfolge  der  böhm.  Kreideformation  B    .  [42]  108 

3.  Schichtenfolge  der  böhm.  Kreideformation  C    .  [43]  109 

4.  Schichtenfolge  der  böhm.  Kreideforuiation  D    .  [44]  110 

5.  Schichtenfolge    zwischen   Lipenec    und   Hasina- 

mühle       [44]  110 

6.  Schichtenfolge   von   Lipenec    über   Malnic    und 

Laun  nach  Cencic [45]  111 

7.  Profil  bei  Weberschan  und  Hradek [47]  113 

8.  Iserschichten  bei  Malnic  (und  Drahomysl)  .    .    .  [48]  114 

9.  Schichtenfolge  in  der  Umgebung  von  Libochovic, 

Kystra  und  Kostic ]49|  115 

10.  Schichtenfolge    bei    der    Leneschitzer     Ziegelei 

(Chlum  und  Ranay  Berg) [ÖO]  116 

11.  Profil  in  Priesen  (Kreuzberg) [51]  117 

12.  Schichtenfolge    aus    der   Umgebung   von  Peruc 

bis  nach  Prag |51]  117 

13.  Profil  bei  Pfestavlk [52]  118 

14.  Profil  bei  Zidovic [52]  118 

15.  Teplitzer  Schichten  am  Kipplateau |53J  119 

16.  Schichtenfolge  vom  Cecemin  zur  Elbe  bei  Lob- 

kovic [58]  119 

17.  Profil  von  Cecelic  nach  Slivno  ........  |53]  119 

18.  Profil    von    der    Elbe    bei    Melnik   (und  Liboch) 

über  Vehlovic  nach  Vysokä [54]  120 

19.  Profil  des  Berges  Sovice  bei  Raudnitz     ....  [54]  120 

20.  Profil    von  der  Elbe  über  Zabof   nach  Hostinnä  [55]  121 

21.  Schichtenfolge  im  Kokofiner  Thale  von  Wrutic 

nach  Kokofin,  Hradsko,  Sedlec,  Kanina,  Stfem, 

Nebuzel [56]  122 

22.  Profil  von  Liboch  nach  Vidim [56]  122 

23.  Schichten  im  Ripplateau      [57]  123 

VIII.  Schichtenfolge  nach  Fric |57|     |9«)  145-164 

1.  Schichtenf'olge    der    westböhmischen    Kreidefor- 

mation      |58|  124 

2.  Jdealjtrofil    der    Weissenborgor    und    Malnitzer 

Schichten [591  125 

3.  Profil  der  Weiasenberger  Schichten   bei    VVehlo- 

witz  1878 [61]  127 

4.  Profil  der  Weissenberger  Schichten  bei  Wehlo- 

witz 1883 [62]  128 


lull         lieber  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreide  forma  tion.  167 

Seite  Seite 

5.  Profil  hei  Lihofh |63|  129 

6.  Scbematischcs  Profil  des  Sovicebergc«  bei  liro- 

zilnek [61]  130 

7.  Profil  der  Bergleluie  und  Hochebene  bei  Kocho- 

witz  und  Gastorf [67]  143 

8.  Hohlweg  an  der  westlichen  Seite  des  Soviccbcrgcs  [68]  1 34 

9.  Eisenbahnprofil  bei  Schwafenitz [69]  135 

10.  Profil  von  Gastorf  zur  Anhöhe  ,Auf  der  Höre"  [71]  137 

11.  Profil  der  Weissenberger  Schichten  von  Raudnitz 

gegen  den  Georgsberg [72]  138 

12.  Profil  der  Weissenberger  Schichten  westlich  von 

Unter-Befkowitz      [73]  139 

13.  Dfinower  Berg    .    .  * [74]  140 

14.  Profil  zwischen  Bysic  und  Cecelic [75]  141 

15.  Hügel  zwischen  Vsetat  und  Uns  (Ceceniin)   .    .  [76]  142 

16.  Profil  in  der  Linie  von  Bysic,  Repin,  Chorusic, 

Chorousek  nach  Kanina [76]  142 

17.  Profil  bei  Kokofin [81]  147 

18.  Profil  von  Hledseb [81]  147 

19.  Profil  vom  Elbeflusse  über  Liboch  etc.  bis  nach 

Chorousek [82]  148 

20.  Ideales  Profil  der  Iserschichten    nach  den  Auf- 

schlüssen bei  Bysic  und  Chorousek [83]  149 

21.  Teplitzer  Schichten  bei  Raudnitz  und  Brozan   .  [84]  150 

22.  Profil  der  steilen  Berglehne  am  linken  Egerufer 

bei  Koschtitz [84]  150 

23.  Profil  an  der  Berglehne  von  Kystra [85]  151 

24.  Profil  bei   der  Podhräzmühle   nördl.  v.  Slavetin  [86]  152 

25.  Profil  von  der  Anhöhe  bei  Peruc  über  Slavetin, 

Kystra  und   Koschtitz   nach    dem    Weinberge 

bei  Wunitz [86]  152 

26.  Weissenberger  Schichten   bei  Perutz    und  Prag  [87]  153 

27.  Weissenberger  Schichten  bei  Msenö [88]  154 

28.  Wehlowitzer  Pläner  bei  Libochowitz [89]  155 

29.  Profil  des  rechten  Egerufers  unterhalb  der  Zucker- 

fabrik in  Laun [89]  155 

30.  Steinbruch  bei  14  Nothhelfern  in  Laun  ....  [90]  156 

31.  Profil  der  Anhöhe  „Lehmbrüche"  zwischen  ^un 

und  Malnitz [91]  157 

32.  Profil  der  Anhöhe  „Am  Sande"  bei  Malnitz  .    .  [92]  158 

33.  Profil  zwischen  Malnitz  und  Lipi^enz  längs  dem 

Maruscher  Bache [93]  159 

34.  Profil  zwischen  Leneschitz  und  Hrädek  bei  Laun  [94]  160 

35.  Profil  am  rechten  Egerufer  bei  Priesen  zwischen 

Postelberg  und  Laun [96]  162 

36.  Schema   der  Lagerung   der  Teplitzer  Schichten 

im  Egergebiete [97]  163 

37.  Schema    der   Teplitzer  Schichten   im    östlichen 

Böhmen [98]  164 


168  C.  Zahälka.  [102] 

Tabelle  I. 
Kurze  Uebersicht    der   Schiclitenfolgo    Zahälka's    in  der  westbölimischen 
Kreideformation,  zu  Seite  [7],  73. 

Tabelle  II. 

Zahälka's  Zonen   der  westböhmischen  Kreidetbrmation   im  Vergleiche  zu 
den   von  anderen  Geologen  entworfenen  Gliederungsversuchen. 

Tabelle  III. 

1.  Fric's  Schichten  der  westböhmischen  Kreideformation  gehören  zu  nach- 
folgenden Zonen  Zahälka's. 

2.  K  r  ej  c  i's  Schichten  der  westböhmischen  Kreideformation  gehören  zu  nach- 
folgenden Zonen  Zahälka's. 

3.  Gümbel's  Schichten    der   westböhmischen  Kreideformation  gehören    zu 
nachfolgenden  Zonen  Zahälka's. 

.Tabelle  IV. 

1.  R  e  u  s  s'    Schichten    der    westböhmischen    Kreideformation    gehören    zu 
nachfolgenden  Zonen  Zahälka's. 

2.  tSchl  önbach's  Schichten  der  westböhmtschen  Kreideformation  gehören 
zu  nachfolgenden  Zonen  Zahälka's. 


Ueber  Säugethierreste  der  Pikermifauna  vom 
Eichkogel  bei  Mödling. 

Von  M.  Vacek. 

Mit  zwei  lithogr.  Tafeln  (Nr.  VII  u.  VIII). 

Nach  dem  derzeitigen  Stande  unserer  Kenntnisse  unterscheidet 
man  in  den  Tertiärabhigerungen  des  Wiener  Beckens  zwei  Säuge- 
thierfaunen  von  verschiedenem  Charakter,  welche  seit  Eintritt  der 
Miocänzeit  und  vor  Beginn  des  Diluviums  in  unseren  Gegenden  gelebt 
haben.  Die  Reste  der  älteren  oder  „Ersten  Säugethierfauna  des 
Wiener  Beckens",  von  malaischem  Charakter,  stammen  aus  den 
sogenannten  Mediterranbildungen  und  z.  Th  aus  den  darauffolgenden 
Ablagerungen  der  sarmatischen  Stufe,  Die  Reste  der  „Zweiten  Säuge- 
thierfauna des  Wiener  Beckens " ,  mit  afrikanische  m  Charakter, 
finden  sich  in  den  Bildungen  der  Congerien-Stufe  (brackisch)  und  der 
folgenden  Levantiuischen  (limnisch)  und  Thracischen  oder  Belvedere- 
Stufe  (fluviatil).  Den  Uebergang  zu  den  heutigen  Verhältnissen  stellt 
eine  weitere  „Dritte  Säugethierfauna"  dar,  mit  e  uro  päi  seh  -  asia- 
tischem Charakter,  welche  schon  die  diluvialen  Bildungen  kenn- 
zeichnet. Hingegen  kennt  man  die  jungpliocäne  Fauna  mit  Masfodon 
arvernensis  bisher  aus  dem  Wiener  Becken  nicht,  wenn  auch  An- 
deutungen derselben  aus  den  Alpen  vorliegen  i). 

Die  meisten  Reste  der  zweiten  Säugethierfauna  des  Wiener 
Beckens,  welche  uns  an  dieser  Stelle  näher  interessirt,  stammen  aus 
den  fluviatilen  Bildungen  der  Belvedere-Stufe.  Viel  seltener  sind  die 
Funde  von  Säugethierresten  aus  den  tieferen  Paludinenschichten  und 
den  brackischen  Bildungen  der  Congerien-Stufe.  Die  Reste,  welche 
im  Folgenden  näher  boschrieben  werden  sollen,  gehören  nun  dieser 
letzteren  an  und  stammen  von  einer  in  der  Literatur  wohlbekannten 
Localität,  vom  Eichkogel  bei  xMödling.  Dieselben  wurden  in  dem 
kleineren,  tiefer  liegenden  Theile  des  Steinbruches  des  Herrn  Weiss 
gefunden,  dessen  Anlagen  westlich  von  den  Serpentinen  der  neuen 
Fahrstrasse  von  Mödling  nach  Gu  mpoldskir  eben,  nahe  unter 
dem  Sattel  liegen  und  derzeit  einen  frischen  Aufschliiss  bieten.  Das 
fossile  Materiale,  zumeist  aus  losen  Zähnen  bestehend,  wurde  zunächst 
von  Herrn  Director  Dr.  J.  Gaunersdor f er   in  Mödling  erworben, 


•)  Vergl.  F.  Teller,  Mast,  arvernensis  C.  J.  aus  den  Hangendtegel n  der 
Lignite  des  Schallthales  in  Südsteierinark.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1891, 
pag.  295. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1900,  50.  Band,  1.  Heft.  (M.  Vacek)  22 


170  M.  Vacek.  [2] 

welcher  die  sehr  dankenswerte  Liebenswürdigkeit  hatte,  dasselbe  der 
Sammlung  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  abzutreten. 

Der  Eichkogel  (365  m)  liegt  etwa  2  km  südlich  von  Mödling 
und  bildet  einen  sporna.rtig  nach  Osten  vorspringenden  Ausläufer  des 
als  Aussichtspunkt  bekannten  Anninger,  mit  dessen  Masse  er  im 
Westen  durch  einen  flachen  Hals  zusammenhängt.  Die  Trage  der 
Südbahn  zwischen  den  Stationen  Mödling  und  G  u  m  p  o  1  d  s  k  i  r  c  h  e  n 
schneidet  in  den  flachen  Ostabfall  des  Kegels  ein.  Etwas  höher,  sich 
mehr  den  Contouren  des  Hügels  anschmiegend,  bewegt  sich  der 
Aquäduct  der  Wiener  Wasserleitung.  Geologisch  interessant  ist  der 
Eichkogel  hauptsächlich  dadurch,  dass  er  einer  der  wenigen  Punkte 
ist,  an  welchen  man  im  Wiener  Becken  die  ganze  Serie  der  Tertiär- 
bildungen im  selben  Profil  beobachten  kann. 

Die  ersten  Angaben  über  die  geologischen  Verhältnisse  des  E  i  c  h- 
kogels  und  insbesondere  über  die  im  Tertiärbecken  von  Wien  so 
selten  erhaltenen  Süsswasserkalke,  welche  dessen  Spitze  bilden 
und  das  Schichtprofil  beschliessen,  findet  man  in  einem  Excursions- 
berichte  von  J.  Czizek^).  Zehn  Jahre  später  hat  F.  Karrer^)  in 
einer  eingehenden  Localstudie  den  Aufbau  und  die  stratigraphischen 
Verhältnisse  des  Eichkogels  dargestellt.  Nach  ihm  liegt,  unter 
massigen  Winkeln  nach  Ost  bis  Nordost  gegen  die  Tiefe  des  Beckens 
geneigt,  über  einem  alten  Untergrunde  von  Triasdolomit  zunächst 
Leithaconglomerat,  über  welchem  ein  Wechsel  von  festen  Sandkalken 
und  Tegellagern  folgt,  die  nach  ihrer  Fauna  unstreitig  der  sarma- 
tischen  Stufe  angehören.  Höher  folgen  tegelige  und  sandige, 
z.  Th.  auch  conglomeratische  Bildungen  der  Congerien-Stuf e,  die 
als  theilweise  gieichalterig  dargestellt  werden  mit  dem  Süsswasser- 
kalk  des  Gipfels.  Ein  etwas  corrigirtes  übersichtliches  Profil  durch 
den  Eichkogel  veröffentlichte  später  Th.  Fuchs  3).  Auch  nach 
seiner  Darstellung  besteht  der  Eichkogel  aus  einer  massig  in  Ost 
neigenden,  concordanten  Tertiärfolge,  die  mit  dem  Leithakalke  beginnt 
und  mit  dem  Süsswasserkalke  als  oberstem  Gliede  schliesst.  Zwischen 
diesen  beiden  erscheint  der  Altersfolge  nach  regelmässig  sarmatischer 
Muschelsandstein  und  Tegel,  höher  Congerientegel  und  Congeriensand 
concordant  eingeschlossen.  Die  ganze  Schichtfolge  erscheint  an  einen 
alten  Steilrand  von  Triasdolomit  angelagert.  Den  gleichen  Eindruck 
des  vollkommen  regelmässigen  Aufbaues  macht  auch  die  Darstellung 
des  Eichkogel  auf  der  Stur'schen  Specialkarte  der  Umgebung  von 
Wien  (Blatt  Baden-Neulengbach). 

Indessen  finden  sich  im  Bereiche  des  Wiener  Tertiärs  eine  ganze 
Reihe  von  allerdings  bisher  nicht  im  Zusammenhange  studirten  Erschei- 
nungen, die  klar  darauf  hindeuten,  dass  zwischen  der  stratigraphisch 
einheitlichen  Serie  der  mediterranen  und  sarmatischen  Bildungen 
einerseits  und  der  jüngeren  Serie  der  pontischen  und  thracischen 
Ablagerungen  (Congerien-,  Paludinen-,  Belvedere-Stufe)  andererseits, 


^)  Haidinger's  Berichte,  etc.  1849,  pag.  183. 

^)  F.  Karrer,  Der  Eichkogel  bei  Mödling.   Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.   1859, 
pag.  25. 

";  Th.  Fuchs,  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1870,  pag.   128,  Kig.  3. 


[3]       lieber  SäugethieiTeste  der  Pikonnifaima  vom  Eichkogel   bei  Mödling.     171 

oder  mit  anderen  Worten  zwischen  Miocän  und  riiocän,  eine 
Discordanz  der  Lagerung  bestellt,  welche  auch  am  P^ichkogel  vor- 
handen zu  sein  sclieint. 

Dass  in  gewissen  Gegenden,  wie  z.  B.  westlich  vom  Neusiedler 
See,  die  p o n t i s c h e n  Schichten  in  wahren  Erosionsthälern  liegen, 
welche  in  die  Bildungen  der  sarmatischen  Stufe  und  zum  Tlieile  der 
II.  Mediterranstufe  eingegraben  sind,  wird  von  E.  Suess  (Antlitz, 
etc.  I,  pag.  422)  nach  Beobachtungen  von  Th.  Fuchs  (Jahrb.  1868, 
pag.  276)  auf  das  Klarste  angegeben  und  daran  die  wichtige  Be- 
merkung geknüpft,  es  müsse  der  Ablagerung  dieser  Schichtreihe  eine 
vollständige  Trockenlegung  des  Landes  vorangegangen  sein, 
während  welcher  die  Erosion  dieser  Thäler  stattgefunden  hat.  Damit 
übereinstimmend  finden  sich  an  der  Basis  der  Congerienstufe  häufig 
gröbere,  aus  Strandgerölle  bestehende  Conglomerate,  wie  sie  z.  B. 
F.  Karr  er  (Jahrb.  1868,  pag.  274)  aus  der  Gegend  von  Li  e  sing 
anführt  und  Th.  Fuchs  (Jahrb.  1870,  pag.  128)  hinter  dem  Richards- 
hof, südlich  vom  Eichkogel  beschreibt.  Nach  Stur's  Karte  der 
Umgebung  von  Wien  hat  diese  hochliegende  conglomeratische  Ufer- 
bildung der  Congerienstufe  auf  dem  Ostabhange  des  An n in g er  sogar 
weite  Verbreitung.  In  dieselbe  Kategorie  könnten  auch  jene  Er- 
scheinungen gehören,  wie  sie  Th.  Fuchs  (Jahrb.  1872,  pag.  319, 
Taf.  XIV,  Fig.  8)  aus  den  Steinbrüchen  der  Wiener  Baugesellschaft 
bei  Atzgersdorf  beschreibt.  F.  Toula  (Jahrb.  1875,  pag.  3)  be- 
schreibt ein  Profil  unter  dem  Gipfel  des  Eichkogel,  in  welchem 
er  die  Grenze  zwischen  der  sarmatischen  und  der  Congerienstufe 
scharf  zu  fixiren  in  der  Lage  war.  Dieselbe  wird  durch  eine  Bank 
bezeichnet,  welche  aus  Ve  rwitter  ungsproduc  ten  der  nächst 
tieferen,  durch  ihre  Foraminiferenfauna  sicher  sarmatischen  Schichte 
besteht.  In  den  Steinbrüchen  des  Herrn  Weiss  am  Eichkogel 
zeigt  der  als  Werkstein  abgebaute  sarmatische  Sandstein  eine  z.  Th. 
unregelmässig  zerfallene  Oberfläche,  deren  Unebenheiten  aufgefüllt 
erscheinen  durch  einen  lockeren  Grus,  der  sich  als  ein  Zerfalls-  und 
Verwascliungsproduct  der  sarmatischen  Sandsteinunterlage  darstellt 
und  nach  oben  rasch  ausklingt  in  den  unreinen,  grünlichen  Letten 
der  Congerienstufe.  Am  Contacte  treten,  besonders  im  oberen  Theile 
der  Brüche,  auch  Schmitzen  eines  ockergefärbten,  groben  Schotters 
auf.  In  dem  lockeren  Grus  und  Schotter,  die  zusammen  mit  Resten 
von  Tegel  und  Humus  den  Abraum  der  Brüche  bilden,  fanden  sich 
in  dem  tiefer  liegenden  Theile  der  Brüche  des  Herrn  Weiss  die 
weiter  unten  zu  besprechenden  Säugethierreste.  Sie  stammen  sonach 
von  der  Basis  der  übergreifenden  C  o  n  g  e  r  i  e  n  b  i  1  d  u  n  g. 
Für  den  Umstand,  dass  es  vorwiegend  nur  Zähne  und  die  resisten- 
testen  Theile  des  Skeletes  sind,  die  am  Eichkogel  gefunden  wurden, 
gibt  eine  gute  Erklärung  die  Thatsache,  dass  einzelne  Bruchstücke 
eine  weitgehende  Abrollung  zeigen,  die  beweist,  dass  die  Reste  vor 
Einbettung  in  den  lockeren  Grus  einen  Wassertransport  erlitten  haben, 
bei  welchem  die  weniger  resistenten  Skelettheile  wohl  zumeist  zu- 
grunde gingen.  Offenbar  haben  wir  es  hier  mit  einer  seitlichen  Ein- 
schwemmung von  Skelettheilen  zu  thun,  die  zur  Congerienzeit  in  einer 
kleinen  Untiefe  des  Ufergrundes  zur  Einbettung  gelangten. 

22* 


172  M.  Vacek.  [4] 

Es  ist  klar,  dass  bei  solchen  corrosiven  Vorgängen,  wie  wir  sie 
am  E  i  c  h  k  0  g  e  1  sehen  und  wie  sie  so  häufig  die  Grenze  von  der 
sarmatischen  zur  Congerienstufe  kennzeichnen ,  vielfach  auch  eine 
Unilagerung  von  fossil  reichen  sarmatischen  Schichten  stattgefun- 
den hat.  Die  dabei  leicht  zustande  kommende  mechanische  Mengung 
von  Fossilien  der  sarmatischen  und  Congerienstufe  darf  daher  nicht 
als  eine  U  ebergangsbildung  aufgefasst  werden  in  dem  Sinne, 
als  hätten  die  beiden  Faunen  zeitweise  gleichzeitig  gelebt.  Vielmehr 
sind  die  Mollusken faunen  der  beiden  angrenzenden  Schichtreihen,  wie 
Th.  Fuchs  (Führer  III,  1877,  pag.  35)  wohl  mit  Recht  anführt,  in 
schroffster  Art  verschieden.  Uebereinstimmend  damit  schliesst  sich 
auch  die  Säugethierfauna  der  sarmatischen  Stufe  innig  an  die  der 
tieferen  Mediterranstufen  an,  während  andererseits  die  ihrem  Charakter 
nach  ganz  anders  geartete  Säugethierfauna  der  Cougerienschichten  in 
die  höheren  Belvedere-Bildungen  fortsetzt. 


Im  Folgenden  sollen  die  am  Eichkogel  gefundenen  Reste 
näher  beschrieben  und  soweit  als  möglich  der  Art  nach  bestimmt 
werden. 

Mastodofi  Pentelici  Gaudry  et  Lartet. 

(Taf.  VII,  Fig.  1  u.  2.) 

Es  liegen  vom  Eichkogel  zwei  bunolophodonte  Mastodon- 
Backenzähne  vor. 

1.  Der  kleinere  ist  nach  Form  und  Grösse  der  dritte  aus  dem 
rechten  Unterkiefer  (Taf,  VII,  Fig.  2).  Wenn  auch  an  der 
Aussen-  und  Hinterseite  stark  beschädigt,  zeigt  der  Rest  doch  noch 
die  meisten,  zur  näheren  Bestimmung  der  Art  noth wendigen  Charaktere 
erhalten.  Bei  einer  Gesammtlänge  von  74  mm  zeigt  sich  das  erste 
Joch  35  mm  breit.  Die  Breite  der  beiden  folgenden  Joche  ist  wegen 
der  Beschädigung  nicht  genau  festzustellen,  nimmt  aber,  wie  dies  für 
die  unteren  Molaren  von  Mastodon  allgemein  charakteristisch  ist,  nach 
rückwärts  zu;  denn  der  vorhandene  Rest  des  beschädigten  dritten 
Joches  misst  noch  immer  36  mm  in  der  Breite.  Der  Zahn  ist  aus- 
gesi)rochen  tril  oj)  li  od  on  t,  besteht  also  aus  drei  vollentwickelten 
Jochen  und  einem  kräftigen  Talon,  der  aber  leider  abgebrochen  ist. 
Die  drei  Joche  sind  durcli  je  eine  tiefe  mediane  Einkerbung  scharf 
in  zwei  Hälften  getheilt,  und  die  der  Aussenseite  entsprechenden 
oder  prätriten  Jochhälften  an  der  Innenhinterecke  durch  je  einen 
kräftig  entwickelten  Sperrliöcker  verstärkt.  Aehnliche,  jedoch  nur 
schwach  entwickelte  Sperrhöcker  bemerkt  man  auch  an  der  Vorder- 
innenecke der  äusseren  Halbjoche,  die  aber  durch  die  Abkauung 
schon  stark  gelitten  haben.  Trotz  der  Sperrhöcker  erscheinen  die 
Tiefenlinien  der  Jochthäler  scharf  ausgesprochen.  Dieselben  kreuzen 
die  Zahnaxe  nicht  senkrecht,  wie  bei  M.  an(/iistldens  und  M.  longi- 
roHtris,  sondern  unter  einem  schiefen  Winkel,  entsprechend  einer 
deutlichen  Verschiebung  der  äusseren  Halbjoche  nach  rückwärts.  Diese 


[5]       Ueber  Säiigethierreste  der  Pikermifauna  vom  Eichkogel  bei  Mödling.     1  73 

Verschiebung  der  Halbjoclie  prägt  sich  bei  dem  vorliegenden  Zahn- 
reste auch  weiter  darin  aus,  dass  die  scharfen  medianen  Kerben, 
welche  die  Halbjoche  scheiden,  ebenfalls  eine  etwas  schiefe  Stellung 
zeigen,  so  dass  die  Medianlinie  nicht  einheitlich  gerade  ist,  wie  bei 
M.  atKjtisfidens,  sondern  doppelt  z-förmig  gebrochen  erscheint.  Der 
vorliegende  Zahnrest  zeigt  demnach  das  erste  Stadium  einer  alter- 
niren  den  Stellung  der  Hai  bj  och  e,  wie  sie  am  ausgesprochen- 
sten bei  den  Zähnen  von  J\J.  arvernensis  auftritt. 

Der  Zahn  besitzt  zwei  Wurzeln,  von  denen  besonders  die  vordere, 
dem  ersten  Joche  entsprechende,  gut  erhalten  ist  und  einen  etwa 
1/2  wiw  dicken,  glatten  Cementbeleg  zeigt.  Die  viel  stärkere  hintere 
Wurzel,  den  beiden  übrigen  Jochen  sammt  Talon  entsprechend,  ist 
stark  beschädigt,  zeigt  aber  immerhin  noch  deutlich  genug  die  schiefe, 
nach  rückwärts  geschleppte  Form,  wie  sie  besonders  für  die  hinteren 
Wurzeln  der  unteren  Molaren  von  Mastodon  charakteristisch  ist.  Eine 
halbmondförmige  Falte,  median  im  Thalgrunde  situirt,  verbindet 
brückenartig  die  beiden  Wurzeln. 

Der  Zahn  befindet  sich  im  ersten  Stadium  der  Abkauung,  und 
die  Kaufläche  schreitet,  entsprechend  der  Art,  wie  die  Mastodon- 
molaren  sozusagen  windschief  aus  der  Alveole  rücken  und  nach  und 
nach  in  Gebrauch  kommen,  vom  ersten  äusseren  Halbjoche  gegen  das 
letzte  innere  vor,  so  dass  das  erstere  am  stärksten,  das  letztere  am 
wenigsten  abgenützt  erscheint. 

2.  Von  den  übrigen  hier  beschriebenen  Resten  gesondert,  jedoch 
übereinstimmend  in  der  gleichen  Situation,  nämlich  an  der  Basis  eines 
rostig  gefärbten,  groben  Schotterschmitzes  unmittelbar  über  der  Ober- 
fläche des  sarmatischen  Sandsteins  liegend,  fand  sich  im  oberen  Theile 
des  Weiss'schen  Steinbruches  ein  vollständiger,  gut  erhaltener 
Mastodot}-7i?i\\\\  welcher  der  gleichen  Trilophodon-AYt  wie  der  vor- 
beschriebene angehört  und  nach  Form  wie  Dimensionen  ohne  Zweifel 
ein  vorletzter  Molar  aus  dem  linken  Unterkiefer  ist 
(Taf.  Vn,  Fig.  1). 

Der  Zahn  hat  die  bedeutende  sagittale  Länge  von  128  mm  und 
misst  am  ersten  Joche  55  mm,  am  dritten  70  ntm,  nimmt  also  nach 
rückwärts  an  Breite  bedeutend  zu.  Den  drei  wohlentwickelten  Jochen 
reiht  sich  rückwärts  noch  ein  auffallend  kräftiger  Talon  an,  so  dass 
der  vorliegende  Zahn  einer  jener  Formen  angehört,  die  den  Ueber- 
gang  zu  TetraJophodon  bilden.  Ebenso  auffallend  kräftig  ist  die  Ent 
Wicklung  der  Sperrhöcker  an  den  Innenkanten  der  äusseren  Halb- 
joche, so  dass  hier  die  Thalfurcheu  vollkommen  unterbrochen  er- 
scheinen. Ausserdem  finden  sich  auch  kräftige  Schmelzhöcker  an 
den  Ausgängen  der  Jochthäler  an  der  Aussenseite  des  Zahnes  ent- 
wickelt. Die  Medianlinie  zeigt  auch  bei  diesem  Zahne  dadurch,  dass 
sich  die  Sperrhöcker  in  die  inneren  Thalhälften  drängen,  einen  etwas 
gebrochenen  Verlauf  und  im  Zusammenhange  damit  eine  merkliche 
Verschiebung  der  äusseren  Jochhälften  nach  rückwärts.  Der  Zahn  hpt 
zwei  stark  nach  hinten  geschleppte  Wurzeln,  die  durch  eine  halb- 
mondförmige Falte   verbunden   sind    und   theilweise   einen  ca.  1  mm, 


174  M.  Vacek.  [6j 

dicken  Cementbeleg  zeigen.  Die  Abkauung  ist  ziemlich  weit  vorge- 
schritten, so  dass  die  Kaufiächon  der  äusseren  Ilalbjoche  mit  denen 
der  Sperrliöcker  zu  den  bekannten  kleeblattartigen  Figuren  zu  ver- 
fliessen  anfangen,  wie  sie  für  die  Bunolophodonten  charakteristisch  sind. 
Auf  den  ersten  Blick  könnte  man  geneigt  sein,  die  vorliegenden 
Mastodon-Reste  vom  Eichkogel  der  Art  M.  angustidens  zuzurechnen. 
Doch  wurde  schon  oben  auf  jene  allerdings  nur  einen  gradualen 
Unterschied  bedingenden  Charaktere  aufmerksam  gemacht,  welche, 
abweichend  von  M.  angustidens,  in  dem  etwas  gebrochenen  Verlaufe 
der  Medianlinie,  ferner  in  der  deutlichen  Verschiebung  der  äusseren 
Halbjoche  nach  rückwärts,  insbesondere  aber  in  der  auffallend  starken 
Entwicklung  des  Talons  liegen.  Diese  Charaktere  haben  die  vor- 
liegenden Zahnreste  mit  einer  viel  jüngeren  Trllophodon- Ai%  dem 
Mastodon  Pentelici  gemeinsam,  welche,  wie  Gaudry  (Attique,  p.  339) 
klar  hervorhebt,  eine  Intermediärform  ist  zwischen  M.  angustidens  und 
M.  arvernemis. 

Mast.  Pentelici  Gaudry  et  Lartef^)  ist  allerdings  bisher  nur  nach 
einer  jugendlichen  Form  von  Pikermi  genauer  besciirieben. 

Die  Art  gehört  nach  dem  Charakter  der  langen  Symphyse  so- 
wohl als  dem  dreijochigen  Baue  der  Molaren  zu  der  Falcone  r'schen 
Untergruppe  Trilophodon.  Der  dem  erstbeschriebenen  Reste  vom 
E  i  c  h  k  0  g  e  1  homologe  dritte  Unterkiefennolar  (Gaudry  1.  c,  Taf. 
XXII,  Fig.  3,  3/3)  zeigt  den  oben  erwähnten  Charakter  der  Sperr- 
höcker auch  an  der  inneren  Vorderecke  der  posttriten  Jochhälften 
und  damit  zusammenhängend  der  schiefen,  nach  aussen  und  hinten 
zurückweichenden  Stellung  der  Joche  sehr  klar,  ebenso  wie  den  im 
Vergleiche  zur  Zahnaxe  etwas  gebrochen  unregelmässigen  Verlauf  der 
Medianlinie,  welche  die  Halbjoche  scheidet.  Zu  diesen  Charakteren 
tritt  noch  die  übereinstimmende  kräftige  luitwicklung  sowohl  der 
Schmelzschwiele  am  Vorderende  als  insbesondere  die  auffallende 
Grösse  des  Talons  am  Hinterende  der  Zähne,  so  dass  man,  da  auch 
die  Grössenverhältnisse  gut  stimmen,  die  vorliegenden  Reste  vom 
Eichkogel  ohne  Zweifel  als  der  Art  M.  Pentelici  zugehörig  be- 
stimmen muss.  Bei  dieser  Artbestimmung  wird  man  auch  wesentlich 
bestärkt  durch  den  Vergleich  mit  den  schönen  Resten  von  M.  Pentelici 
aus  Maragha  (am  Urmiasee  in  Persien),  die  sich  in  der  Sammlung 
des  k.  k.  nat.  Hofnmseums  befinden  und  schon  von  Rodler  (Ver- 
handl.  1885,  pag.  355)  und  Kittel  (ebenda,  pag.  31^7)  erwähnt  wurden. 
Der  interessante  Trilophodon  M.  Pentelici  Gandrij  et  Lart.  scheint 
demnach  in  den  unterpliocänen  Ablagerungen  Euroi)as  und  Asiens  ein 
durchaus  nicht  seltenes  Vorkommen  zu  sein.  Derselbe  steht  zu  dem 
Tetralophodon  M.  arvsrnensis  Cr.  et  Job.  in  demselben  Verhältnisse, 
wie  der  ihm  nächststehende  miocäne  Trilopliodon  M.  angustidens  Cuv. 
zu  M.  longirostris  Kaup.'^) 


')  Vergl.  A.  (raiidry,  Aniin.  foss.  ot  Göol.  do  rAtticjue.  Paris  18H2,  pag. 
112,  Taf.  XXII  und  XX 111 

*)  Vergl.  M.  Vacek,  lieber  österr.  Mastodonten.  Abhandl.  d.  k.  k.  geol. 
R.-A.  Bd.   VII,  1877,  pag.  45^  Tabelle. 


[7]       üeber  Säugethierreste  der  Pikermifauna  vom  Eichkogel  bei  Mödling.      175 
Dinotheritim  laevius  Jourdan. 

(Taf.  VII,  Fig.  4  u    5.) 

Der  vorliegende,  gut  erhaltene  Backenzahn  von  Dinotherium  ist 
nacli  seinen  Charakteren  ein  vorletzter  aus  dem  linken  Unter- 
kiefer (Taf.  VII,  Fig.  4).  Derselbe  ist  73  mm  lang,  zeigt  zwei  nur 
wenig  angekaute  Joche,  von  denen  das  vordere  64  mm,  das  hintere 
66  mm  in  der  Breite  misst,  und  denen  rückwärts  noch  ein  kräftig 
entwickelter  Talon  von  40  mm  Breite  folgt.  Dieser  Talon  war  schon 
zu  Lebzeiten  des  Thieres  etwas  beschädigt,  denn  die  Unebenheiten 
der  Bruchfläche  erscheinen  durch  den  Kauprocess  theilweise  wieder 
geglättet  und  polirt.  An  der  Rückseite  des  Talons  bemerkt  man  eine 
seichte  Contactfläche  von  Seite  des  folgenden  letzten  Molars,  während 
durch  eine  ähnliche,  nur  etwas  tiefer  greifende  Contactniarke  an  der 
Vorderseite  des  Zahnes  ein  hier  vorhandener  kräftiger  Schmelzvvulst 
grossentheils  resorbirt  erscheint.  Die  Aussen-  und  Innenfläche  der 
Kronenbasis  ist  glatt,  ohne  Schmelzwucherungen.  Der  Zahn  hat  zwei 
Wurzeln,  die  jedoch  nur  theilweise  erhalten  sind  und  durch  je  eine 
kräftige,  breite  Furche  an  der  Innenseite  theilweise  paarig  gebaut 
erscheinen. 

Eine  sichere  Artbestimmung  gehört  bekanntlich  bei  einzelnen, 
losen  Zähnen  von  Dinotherium  zu  den  grossen  Schwierigdeiten.  Man 
ist  bei  der  Gleichartigkeit  im  Baue  fast  nur  auf  die  Grössen  Verhält- 
nisse der  Zähne  angewiesen,  wenn  man  zwischen  den  drei  heute  in 
Europa  unterschiedenen  Arten  Diu.  (jiijanteum  Kanp,  Din.  hievius 
Jourdan  und  Diu.  havaricum  H.  v.  Meiner  =  Diu.  Cuvieri  Kaup  eine 
Entscheidung  treffen  will.  Nach  Deperet's^)  an  einem  grösseren 
Materiale  augestellten  Messungen  verhalten  sich  die  Längenmasse  der 
dem  vorliegenden  homologen  vorletzten  Molare  der  drei  genannten 
Arten  {D.  giganteum  =  0'Sb  bis  0*81  m:  D.  laevius  =  0-13  bis  0'72  m  : 
D.  Cuvieri  =  0-59  m)  beiläufig  me  8:7:6.  Mit  Rücksicht  auf  die 
oben  angegebene  Länge  von  0'73  m  müsste  man  bei  dem  vorliegen- 
den Zahne  vom  Eichkogel  zunächst  auf  Din.  laevius  Jourd.  schliessen. 
Dazu  kommt  indirect  noch  ein  zweites  Merkmal,  welches  nach  D  e- 
peret  (1.  c.  pag,  198)  darin  besteht,  dass  bei  Din.  laevius  die  ab- 
wärts gebogene  Symphysenpartie,  welche  die  charakteristischen  unteren 
Incisiven  trägt,  viel  schlanker  ist  als  bei  Din.  gigantenm,  bei  dem  sie 
eine  Art  Auftreibung  oder  Bauchung  zeigt. 

Nun  stimmt  der  vorliegende  Zahn  vom  Eichkogel  in  Grösse 
und  allen  übrigen  Charakteren  auf  das  beste  überein  mit  dem  homo- 
logen Zahne  eines  in  der  Sammlung  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt befindlichen  /)mo;^/«ermm- Unterkiefers,  der  nebst  anderen 
Skelettheilen  desselben  Thieres  in  den  Ziegeleien  von  Vösendorf 
bei  Brunn  a.  G.  im  Niveau  der  Congerienschichten  gefunden  wurde  2). 
Der  Unterkiefer  von  Vösendorf   zeigt  in  der  That  jene  bauchige 


^)  Deperet,  Verteb.  mioe.  de  la  vallee  du  Rhone  Archives  du  Mus.  d'hist. 
nat.  du  Lyon.  Tom.  IV,  pag.  200. 

^)  Vergl.  M.  Vacelc,  Ueber  neue  Funde  von  Dinotherium  im  Wiener  Becken. 
Verband!,  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1882,  pag.  341 


176  -  M.  Vacek.  [8] 

Wucherung  des  Symphysenschnabels  nicht,  wie  man  sie  z.  B.  an  dem 
von  P  e  t  e  r  s  1)  beschriebenen  und  in  Abgüssen  verbreiteten  Unter- 
kiefer von  Din.  (jlganteum  aus  Hausmannstetten  bei  Graz  be- 
obachten kann.  Die  Art  von  V  ö  s  e  n  d  o  r  f  nähert  sich,  wie  schon 
seinerzeit  bemerkt  wurde,  in  diesem  Charakter  mehr  dem  Din.  Cuvieri 
=  havaricum.  Andererseits  zeigt  sich  an  dem  Unterkiefer  von  Vösen- 
dorf  keine  so  auffallende  Breiteuzunahme  vom  dritten  zum  vierten 
Molar,  wie  sie  H.  v.  Meyer  2)  für  das  ältere,  kleine  Diu.  havaricum 
als  charakteristisch  angibt,  vielmehr  nähert  sich  dieses  Verhältnis 
demjenigen,  das  man  bei  Diu.  laevius  und  Din.  giganteum  beobachtet. 

Nach  den  im  Vorstehenden  angeführten  Anhaltspunkten  wäre 
sonach  der  vorliegende  vorletzte,  untere  linke  Molar  vom  Eichkogel, 
welcher  ohne  Zweifel  derselben  Species  angehört,  wie  die  Dinotherium- 
Reste  aus  der  Congerienstufe  von  V  ö  s  e  n  d  o  r  f,  der  Art  nach  als 
Din.  laevius  Jourdan  zu  bestimmen,  welches  zeitlich  sowohl  als  mor- 
phologisch die  Mitte  hält  zwischen  dem  grossen  Din.  giganteum  Kaup, 
welches  unsere  Bolvedere-Schichten  kennzeichet,  und  dem  Din.  hava- 
ricum IL  V.  M.  =  Din.  Cuvieri  Kaup,  welches  z.  B.  in  den  Cypris- 
schiefern  des  Egerer  Braunkohlenbeckens  bei  Franzens  bad  in 
Gesellschaft  von  M.  angustidens  Cuv.  auftritt^). 

Allerdings  sind  die  Speciesunterschiede  zwischen  Din.  laevius 
und  Din.  giganteum,  wie  sie  oben  angedeutet  wurden,  nur  gering- 
fügiger Natur,  so  dass  man  glauben  köunte,  es  würden  bei  grösserem 
Materiale  sich  Uebergänge  zwischen  beiden  finden  lassen.  Auch  könnte 
man  an  irgendwelche  sexuelle  Unterschiede  denken,  die  noch  nicht 
genügend  geklärt  sind.  Doch  muss  vorderhand  an  der  Thatsache 
festgehalten  werden,  dass  die  Reste  des  grossen  Din.  giganteum  im 
Bereiche  des  Wiener  Beckens  stets  in  der  Belvederestufe  gefunden 
wurden,  während  die  bisher  bekannten  Funde  aus  der  tieferen  Con- 
gerienstufe die  Charaktere  des  Din.  laevius  zeigen. 


Nach  Abschluss  des  vorstehenden  Textes  gelangten  noch  drei 
weitere  Zahnreste  von  DinofJi-erium  in  unseren  Besitz,  welche  von  der 
gleichen  Fundstelle  wie  das  übrige  Materiale,  nämlich  aus  dem  tieferen 
Theile  des  Weiss'schen  Steinbruches  am  Eichkogel  stammen  und 
durch  den  Kaufmann  G  r  ö  s  s  e  n  b  r  u  n  n  e  r  in  M  ö  d  1  i  n  g  von  den  Ar- 
beitern erworben  wurden.  Derselbe  hatte  die  Freundlichkeit,  sie 
unserer  Sammlung  abzutreten.     Es  sind: 

1.  Der   vorderste  Prämolar   des   definitiven  Gebisses    aus 

der  rechten  Unter kieferhälfte. 

2.  Ein  vorderster  Prämolar   des  definitiven  Gebisses   aus 

dem  rechten  Oberkiefer. 

3.  Ein  vorletzter  echter  Molar  aus  dem  linken  Ober- 

kiefer. 


')  K.  Pctors,  Mitfli.  d.  nat.  Ver.  für  Steiermark  Bd.  3,  Heft  3. 

■•')  H.  V.  Meyer,  Das  JHn.  hararicinn.  Nova  acta  Acad.  Leop.  Carol.  Nat. 
cur.   Vol.  XVI,  pt.  2,  1833.  pag.  487. 

*j  Vergl.  V.  Biber,  Ein  /Jinotherium-iSke]et  aus  dem  Eger-Franzeusbader 
Tertiärbecken.  Verhandi.  d.  k.  k.  geol.  R.-A  1884.  pag.  299. 


[9]        Ueber  Säiigethierreste  der  Pikennifauna  vom  Eiclikogel  bei  Mödling.     177 

1.  Wiewohl  an  den  Seiten  und  besonders  an  der  Basis  ziemlich 
stark  beschädigt,  zeigt  die  im  allerersten  Abkauungsstadiiim  befind- 
liche Krone  des  ersten  Unterkiefer-Prämolars,  also  des 
vordersten  Zahnes  im  definitiven  Gebisse,  den  für  Dinotherium  so 
charakteristischen  Kegelbau  mit  dreieckigem  Grundrisse  der  Basis 
noch  sehr  klar.  Der  Anlage  nach  besteht  die  Krone  aus  vier  Höckern, 
von  denen  aber  die  beiden  vorderen  nahezu  ganz  verschmolzen  er- 
scheinen zu  einem  Complexe,  der  die  beiden  besser  isolirten  rück- 
wärtigen Höcker  an  Höhe  bedeutend  überragt.  Auch  von  diesen 
übertrifft  der  äussere  Höcker,  der  in  sagittaler  Richtung  zu  einer  Art 
crenelirter  Schneide  entwickelt  ist,   bedeutend  den  inneren  an  Höhe. 

Die  sagittale  Länge  des  Zahnes  beträgt  55  mm,  die  Breite  in 
der  hinteren  Hafte  etwa  45  mm.  Diese  Dimensionen  stimmen  sehr 
gut  mit  den  Maassen  für  Din.  Jaeviiis,  stehen  dagegen  etwas  zurück 
im  Vergleiche  zu  Din.  giganteiim,  bei  welchem  sie  nach  De  per  et 
(Vall.  du  Riiöne  Taf.  XXV,  Fig.  2)  etwa  G6  :  55  mm  betragen.  In 
Form  und  Ausbildung  der  Krone  stimmen  jedoch,  wie  De  per  et 
(1.  c.  p.  199)  angibt,  die  ersten  Prämolaren  der  beiden  Arten  voll- 
kommen tiberein.  Für  JMn.  bavaricmn  gibt  Roger  (Palaeontographica 
Bd.  32,  p.  221)  dieselben  Maasse  mit  51-5:42  mm  an. 

Der  Zahn  zeigt  zwei  stark  beschädigte  Wurzeln,  von  denen  die 
vordere  einfach,  die  hintere  paarig  gebaut  erscheint.  Der  Cement- 
beleg  der  Wurzeln  ist  etwa  1/2  mm  stark,  während  die  Schmelzlage 
der  Krone  bis  zu  5  7nm  dick  wird. 

2.  Der  weiter  vorliegende  obere  erste  Prämolar  (Taf.  VH, 
Fig.  5),  oder  der  vorderste  Zahn  im  definitiven  Gebisse,  zeigt  die 
Krone  sehr  gut  erhalten.  Auch  das  Abkauungsstadium  ist  nur  so  weit 
vorgeschritten,  dass  die  Anordnung  der  Kronenelemente  noch  sehr 
klar  erscheint.  Bekanntlich  weicht  der  Kronenbau  der  oberen  Prä- 
molaren von  Dinotlierinm  wesentlich  ab  von  dem  ausgesprochenen 
Jochtypus  der  Molaren  dadurch,  dass  die  äusseren  Kronenhöcker  nicht 
mit  den  inneren,  sondern  untereinander  zu  einer  sagittal  gerichteten 
Aussenwand  zusammenfliessen,  an  welche  sich  die  inneren  Höcker 
mehr  minder  lose,  querjochartig  anschliessen.  Diese  Gruppirung  der 
Kronenelemente  erinnert  sehr  an  den  Bau  der  oberen  Molaren  von 
Tapirits. 

Der  Grundriss  der  Kronenbasis  bildet  bei  dem  vorliegenden 
Reste  ein  eckenrundes  Trapez,  dessen  längere  Parallelseite  der 
Aussenwand,  die  kürzere  der  Innenseite  entspricht.  Die  beiden  Aussen- 
höcker  verfliessen  nahezu  zu  einer  an  der  Contactstelle  etwas  ein- 
geschnürten sagittalen  Aussenwand,  an  deren  vordere  Kante  sich  ein 
Parastyl-artiger  Höcker  anschliesst.  Dagegen  sind  die  beiden  Innen- 
höcker der  Krone  gut  voneinander  isolirt  durch  eine  scharf  ausge- 
sprochene Senke,  in  deren  Grunde  zwei  secundäre  Schmelzhöcker 
sitzen.  Der  hintere  Innenhöcker  ist  durch  eine  Querleiste  mit  dem 
hinteren  Aussenhöcker  verbunden.  Dagegen  ist  der  vordere  Innen- 
höcker gut  isolirt  und  durch  einen  secundären  Schmelzhöcker  an  der 
Vorderseite  verstärkt.  Ein  kräftiger  Schmelzwulst,  der  nur  an  der 
Aussenwand  etwas  unterbrochen  ist,  umzieht  nahezu  die  ganze  Kronen- 

Jalabucli  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1900,  50.  Band,  1.  Ueft.  (M.  Vacek.)  23 


178 


M.  Vacek. 


[10] 


basis,  hat  aber  durch  Abkaiuiiig  schon  stark  gelitten.    Der  Zahn  zeigt 
drei  leider  stark  beschädigte  Wurzeln. 

Die  Grössenmaasse  des  vorliegenden  Restes  vom  Eichkogel 
sind  in  der  folgenden  Tabelle  mit  den  normalen  Dimensionen  des 
homologen  Zahnes  bei  den  drei  europäischen  Dinofherium- Arten  in 
Vergleich  gebracht.  Dieselben  entsprechen,  wie  man  sieht,  abermals 
am  besten  der  mittleren  Art  Din.  laevius. 


M*  vom 
Eichkogel 


Din.giganteum 
n.  Kaup 


Din.  laevius 
n.  Deperet 


D.  havariciim 
n.  Roger 


74 
72 
71 


Sagittale  Länge 
Breite  am  Nachjoche 
Breite  am  Vorjoche 


84 
82 
81 


76 
73 
72 


52 

47-5 

43 


3.  Der  vorliegende  vorletzte  Oberkiefer -Molar  der 
linken  Seite  ist  leider  an  der  Vorder-  und  Hinterseite  etwas  be- 
schädigt, so  dass  sich  die  Beschaffenheit  der  hier  auftretenden  Schmelz- 
wülste und  damit  auch  die  sagittale  Länge  des  Zahnes  nicht  mehr 
beurtheilen  lässt.  Dagegen  sind  die  beiden  kaum  angekauten  Joche 
sehr  gut  erhalten.  Dieselben  zeigen  den  normalen  Bau  und  sind  von 
nahezu  gleicher  Breite  (76  mm),  wie  dies  für  die  vorletzten  Molaren 
von  Dinofherium  charakteristisch  ist  im  Gegensatze  zu  den  letzten, 
bei  denen  das  rückwärtige  Joch  immer  etwas  reducirt  ist.  Verglichen  mit 
der  Breite  des  homologen  Zalines  bei  D.  giganteum  (94  mm  nach  Kaup) 
und  D.  havaricum  (62  mm  nach  Roger)  stimmt  auch  dieser  Zahn  in 
den  Dimensionen  am  besten  mit  Din.  laevius  (75  mm  nach  Deperet). 

Nach  dem  Grade  der  Abnützung  der  vier  vorliegenden  Dino- 
tlieriiim-Zäihne  vom  Eichkogel  lässt  sich  nicht  annehmen,  dass  die- 
selben einem  und  demselben  Individuum  angehört  haben,  wenn  auch 
keine  Wiederholung  desselben  Zahnes  vorliegt.  Dagegen  gehören 
wohl  die  neuerworbenen  drei  zu  derselben  Species  Din.  laevius^  wie 
der  erstbeschriebene  vorletzte  untere  Molar,  indem  sie  übereinstim- 
mend alle  in  ihren  Dimensionen  so  ziemlich  die  Mitte  halten  zwischen 
Din.  giganteum  und  Din.  havaricum^  ein  Umstand,  den  man  kaum  gut 
nur  einem  Zufalle  zuschreiben  kann. 


Äceratherium  Goldfussi  Kaup. 

(Rhinoceros  brachgpus  Lartet.) 

(Taf.  VIII,  Fig.  1-4.) 

Unter  dem  Materiale  vom  Eichkogel  fanden  sich,  neben  einer 
Reihe  von  Bruchstücken,  vier  wohlerhaltene  Backenzähne,  sowie  ein 
Eckzahn  eines  Rhinoceroten  von  mittlerer  Grösse,  und  zwar: 

1.  Ein  erster  oberer  wahrer  Molar  der  linken  Seite. 

2.  Ein  dritter  oberer  Prämolar  der  linken  Seite. 

3.  Ein  zweiter  unterer  echter  Molar  der  rechten  Seite. 

4.  Ein  zweiter  unterer  echter  Molar  der  linken  Seite. 

5.  Ein  unterer  Eckzahn  der  rechten  Seite. 


[11]     Ueber  Säugethierreste  der  Pikermifauna  vom  Eiclikogel  l)ei  Mödling.     179 

1.  Für  die  nähere  Bestimmung  der  Art  am  wichtigsten  ist  wohl 
der  linice  erste  wahre  Molar  (Taf.  VIII,  Fig.  3).  Dessen  sagittale 
Länge,  an  der  Aussenwand  gemessen,  beträgt  44  mm,  die  Breite  am 
Vorjoclie  52  m)n.  am  Naclijoohe  45  mm.  Der  Zahn  fällt  zunächst 
durch  zwei  Charaktere  auf,  nämlich  durch  die  bedeutende  Länge  der 
Aussenwand  und  einen  sehr  entwickelten,  den  grössten  Theil  der 
Krone  umsäumenden  Schmelzwulst.  Der  erstere  Charakter  kommt 
dadurch  zustande,  dass  die  vordere  accessorische  Falte  stark  ent- 
wickelt und  gerade  nach  vorne  gerichtet  ist,  wodurch  die  Aussenwand 
über  die  vordere  Contour  des  Zahnes  charakteristisch  vorspringt. 
Auch  der  vordere  Aussenhügel  der  Wand  ist  kräftig  entwickelt  und 
weit  nach  vorne  gestellt,  so  dass  er  in  die  Linie  des  vorderen  Quer- 
joches zu  liegen  kommt.  Dagegen  ist  der  hintere  Aussenhügel  nur 
schwach  entwickelt. 

Die  zwei  von  der  Aussenwand  abzweigenden,  nach  innen  und 
hinten  etwas  schief  gestellten  und  nur  wenig  gekrümmten  Querjoche 
schliessen  ein  breites,  auffallend  tiefes  Thal  ein,  gegen  welches  von 
der  Aussenwand  her  eine  dreifach  gelappte,  kräftige  Crista,  sowie 
von  der  Vorderseite  des  Nachjoches  ein  ebenfalls  dreilappiger, 
kräftiger  Gegensporn  hineinragt.  Dagegen  fehlt  jede  Andeutung 
eines  Sporns  an  der  Innenseite  des  Vorjoches.  Gegen  die  Tiefe 
des  Thals,  dessen  Boden  mit  dem  Schmelzrande  der  Kronenbasis 
etwa  in  gleicher  Linie  liegt,  verlieren  sich  allmälig  die  kleinen 
Schmelzfalten  der  Crista  sowohl  wie  des  Gegensporns.  Diese  beiden 
Schmelzfalten  vereinigen  sich  hier  also  nicht,  wie  dies  sonst  bei 
Rhinoceroten  häufiger  vorkommt.  Eine  nur  wenig  geringere  Tiefe, 
wie  das  Hauptthal,  zeigt  auch  das  rückwärtige  Seitenthal. 

Das  kräftige,  stellenweise  etwas  gekerbte  Schmelzband,  welches 
nahezu  die  ganze  Krone  einfasst,  beginnt  hoch  oben  an  der  Rückseite 
der  vorderen  accessorischen  Falte,  zieht  von  hier  mälig  abwärts  gegen 
die  Basis  der  beiden  Jochhöcker,  diesen  entsprechend  etwas  an- 
steigend, dagegen  an  den  Stellen,  wo  es  die  Thäler  passirt,  etwas 
absteigend,  und  endigt  an  der  vorderen  Aussenkante  des  Zahnes,  in- 
dem es  hier  an  der  Basis  der  Aussenwand  sich  allmälig  verliert. 
Der  Gesammtverlauf  des  Schmelzbandes  bildet  also  eine  Art  unregel- 
mässige Spirale  um  die  Seitenw^ände  der  Krone. 

An  der  Vorderfläche  sowohl  als  an  der  Hinterfläche  der  Zahn- 
krone sieht  man  eine  kräftige  Resorptionsmarke,  entstanden  durch 
den  Druck  der  Nachbarmolaren.  Die  vordere  dieser  Marken  liegt 
knapp  unter  dem  Schmelzwulst,  die  hintere  etwas  tiefer,  genau  am 
unteren  Rande  der  Schmelzkappe.  Der  Zahn  hat  drei  Wurzeln,  die 
jedoch  grossentheils  abgebrochen  sind. 

2.  Ein  d  r  i  1 1  e  r  0  b  e  r  e  r,  1  i  n  k  e  r  P  r  ä  m  0 1  a  r  (Taf.  VIII,  Fig.  2) 
zeigt  viel  geringere  Dimensionen  und  ist  bedeutend  stärker  abgekaut, 
hat  aber  sonst  dieselben  Kronencharaktere  wie  der  vorbeschriebene 
M  \  Die  sagittale  Länge ,  an  der  Aussenwand  gemessen ,  beträgt 
33  mm,  die  Breite  am  Vorjoche  34  mm,  am  Nachjoche  36  mm.  Das 
Breitenverhältnis  zwischen  Vor-  und  Nachjoch  ist  sonach  umgekehrt 
wie  bei  M^,  entsprehend  der  Verschmälerung  der  Prämolarenreihe 
nach  vorne  und  der  Molarenreihe  nach  hinten.  Der  Zahn  zeigt  eben- 

2ä* 


180  M.  Vacek.  [12] 

falls  einen  continuirlichen  Schmelzwulst,  der  in  gleicher  Art  verlauft, 
wie  oben  für  M^  angegeben  wurde.  Trotz  der  starken  Abkauung  ist 
die  Crista  sowohl  als  der  Gegensporn  noch  deutlich  zu  sehen, 
dagegen  fehlt  auch  hier  jede  Andeutung  eines  Sporns  am  Vorjoche. 
Die  drei  Wurzeln  sind  auch  hier  abgebrochen. 

3.  Aus  dem  Unterkiefer  fand  sich  je  ein  zweiter  echter 
Molar  der  linken  und  rechten  Seite,  welche  nach  dem  verschiedenen 
Grade  der  Abkauung  zwei  verschiedenen  Individuen  angehören.  Der 
weniger  abgekaute  M^  der  linken  Seite  (Taf.  VIII,  Fig.  4)  zeigt  zwei 
halbmondförmige  Joche,  von  denen  das  vordere  unter  rechtem  Winkel 
eine  Falte  nach  innen  entsendet.  Ein  deutlich  entwickelter,  gekerbter 
Schmelzwulst  deckt  die  Vorderseite  der  Krone  und  zieht  von  hier 
an  der  Basis  der  Aussenwand,  in  der  Nähe  der  Vereinigungsstelle 
beider  Joche  stark  abklingend,  gegen  die  Hinterseite  des  Zahnes,  wo 
er  wieder  stärker  anschwillt.  Dagegen  ist  die  Kronenbasis  an  der 
Innenseite  glatt.  Der  Zahn  hat  zwei  beschädigte  Wurzeln,  die  durch 
tiefe  mediane  Eindrücke  paarig  gebaut  erscheinen. 

4.  Die  gleichen  morphologischen  Charaktere  zeigt  der  etwas 
stärker  abgekaute  untere  vorletzte  Molar  der  rechten  Seite, 
bei  dem  die  hintere  der  beiden  W^urzeln  vollständig  erhalten  ist. 

5.  Der  vorliegende  Eckzahn  (Taf.  VIII,  Fig.  1)  aus  der 
rechten  Unterkiefer hälfte  ist  an  der  Spitze  sowie  am  unteren 
Wurzelende  wohl  etwas  beschädigt,  zeigt  aber  sonst  die  charakte- 
ristische Form  der  Eckzähne  von  Aceratherium  sehr  gut.  Im  unteren 
Wurzeltheile  nahezu  kreisrund  (mit  30  mm  Durchmesser),  bildet  der 
Querschnitt  höher,  da  wo  der  Kronentheil  beginnt,  ein  mit  der  Schmal- 
seite nach  Innen  sehendes  Oval  (von  36  mm  grösstem  Durchmesser), 
aus  welchem  sich  durch  rasche  Zuschärfung  der  Schmalkante  und 
merkliche  Abflachung  der  Aussenseite  die  etwa  90  mm  lange,  cha- 
rakteristisch dreikantige  Spitzenkrone  von  lancette-artigem  Umrisse 
entwickelt.  Krone  und  Wurzel  gehen  ohne  jede  Spur  einer  Hals- 
bildung ineinander  über.  An  der  Unterseite  des  etwa  dem  obersten 
Drittel  der  Zahnlänge  entsprechenden  Kronendreikants  sieht  man  eine 
dünne,  etwa  1/2  mm  starke  Schmelzlage  mit  stellenweise  noch  wenig 
abgenützter,  fein  chagrinartig  gezeichneter  Oberfläche.  An  der  Ober- 
und  Aussenseite  der  Krone  findet  sich  kein  Schmelzbeleg  mehr  und 
die  Dentinsubstanz  zeigt  zum  Theile  schon  starke  Spuren  von  Ab- 
nützung. Am  tiefsten  abwärts  reicht  der  Schmelzbeleg  an  der  scharf 
vorspringenden  Innenkante  der  Krone.  Der  Wurzeltheil  ist  mit  einem 
dünnen  Cementbeleg  bekleidet.  Wo  dieser  fehlt,  zeigt  die  Oberfläche 
der  Wurzel  eine  kräftige  Längs-  und  Querriefung,  welche  unter  dem 
Schmelzbeleg  der  Krone  fehlt. 

Der  homologe  Eckzahn  von  Hhinoceros  hrachi/pus,  welchen  I)  e- 
peret  (Vall.  du  Khöne,  Taf.  XXIV,  Fig.  2)  abbildet,  stimmt  wohl 
sehr  gut  in  Bezug  auf  die  Form  und  besonders  die  Entwicklung  der 
scharfen  Innenkante  des  Kronenkegels  mit  dem  vorliegenden.  Doch 
ist  der  Rest  von  Grive-St.  AI  bau,  nach  der  Pulpenhöhlung  zu 
urtheilen,  ein  im  Wurzeltheile  noch  ganz  unentwickelter  Keim.  Besser 
lässt  sich  ein  Vergleich  führen  mit  dem  F.ckzahne  des  von  Gaudry 
(Attique,  p.  212,  Taf.  XXXIII,  Fig.  6)  aus  Pikermi   beschriebenen 


[13]     Ucber  Säiigethierreste  der  Pikermifaiina  vom  Eichkogel  bei  Mödling.     181 

Acerafherlum-Vnterkieievs.  Wie  G.audry  angibt,  ist  auch  dieser  im 
unteren  Tlieile  der  Wurzel  rund,  im  oberen,  der  Krone  entsprechen- 
den Drittel  triangulär.  Die  Länge  des  Kronentlieiles  wird  mit  90  mm, 
der  Durchmesser  knapp  unterhalb  der  Kronenbasis  mit  39  mm  ange- 
geben. Die  Form-  und  Grössenverhältnisse  der  Pikermi-Form 
stimmen  sonach  sehr  gut  mit  dem  vorliegenden  Reste  vom  Eich- 
kogel. Dagegen  sind  mehrere  dem  Aceratherium  incisivmn  zuge- 
schriebene Eckzähne,  welche  unsere  Sammlung  aus  den  Belvedere- 
Sanden  vom  Laaer berge  besitzt,  durchwegs  von  viel  bedeutenderen 
Dimensionen  als  der  vorliegende  und  zeigen  einen  gleichmässig 
elliptischen  Querschnitt  des  Wurzeltheiles. 

Zum  Unterschiede  von  Acer,  incisivnm  Kaiip  ist  ferner  die  reiclie 
Falte  lung,  welche  bei  dem  ersten  Molar,  der  oben  sub  1  be- 
schrieben wurde,  die  Schmelzleisten  der  Crista  sowohl  als  des  Gegen- 
sporns zeigen,  ebenso  wie  das  Fehlschlagen  des  Sporns  am  Vorder- 
joche charakteristisch  für  Rhinoceros  hrackypm  Lartet,  welches  mit 
Aceratherium  Goldfussi  Raup  identisch  ist.  Deperet  und  die  fran- 
zösischen Autoren  stellen  die  Art  zu  Rhinoceros  hauptsächlich  auf 
Grund  der  Angabe  Gervais'  (Pal.  frauQ.  I,  pag.  99),  dass  sowohl 
Vorder-  als  Hinterfuss  derselben  dreizehig  seien,  während  nach  Kaup 
für  die  Gattung  Aceratherium  die  Vierzehigkeit  des  Vorderfusses 
charakteristisch  sein  soll.  Die  Ausbildung  der  Oberkiefermolaren  aber, 
insbesondere  die  auffallende  Tiefe  der  Thäler  und  die  reiche  Ent- 
wicklung des  Schmelzwulstes,  der  nahezu  die  ganze  Krone  umsäumt, 
stimmen  dagegen  sehr  gut  mit  der  Charakteristik  von  Aceratherium, 
wie  nicht  minder  auch  die  Beschaffenheit  des  zuletzt  beschriebenen 
Eckzahnes. 

Hipparion  gracile  Kaup. 

(Taf.  VII,  Fig.  7.) 

Der  vorliegende,  prismatisch  gebaute,  rechtsseitige  Ober- 
kieferzahn eines  Equiden  ist  leider  nur  in  seiner  äusseren 
Hälfte  erhalten,  während  die  für  eine  genauere  Bestimmung  der  Art 
viel  wichtigere  Innenhälfte  fehlt.  Nach  seiner  Form  und  den  Dimen- 
sionen (75  mm  lang  bei  17  mm.  Breite,  diese  an  der  Aussenwand  ge- 
messen) dürfte  derselbe  ein  vorletzter  Prämolar  sein.  Eine  sichere 
Bestimmung  indessen  ist  bei  losen  mittleren  Molaren  und  Prämolaren 
des  Oberkiefers  bei  den  Equiden  ganz  unmöglich. 

Die  Aussenwand  zeigt  drei  kräftige  parallele  Leisten  oder  Längs- 
falten der  Schmelzlage,  von  denen  die  mittlere  stark  nach  vorne 
überneigt  und  etwas  enger  ist  als  die  beiden  seitlichen,  welche  die 
vordere  und  hintere  Aussenkante  des  Zahnprismas  bilden.  Unten  ist 
der  Zahn  noch  offen  und  zeigt  zwei  den  Marken  entsprechende 
Höhlungen,  aber  noch  keine  entwickelten  Wurzeln.  Der  Jugend  des 
Zahnes  entsprechend,  ist  denn  auch  die  Krone  nur  sehr  wenig  ab- 
gekaut, und  zeigt  auch  die  Fältelung  der  halbmondförmigen  Marken 
nur  geringe  Complication.  Viel  kräftiger  entwickelt  zeigt  sich  da- 
gegen diese  Fältelung  an  einem  Querschnitte,  der  etwa  25  mm  unter- 
halb der  Kronenfläche  geführt  wurde,  so  dass  damit  der  Zweifel,  ob 
man  es  mit   einem  Hipparion   zu    thun   habe,    beseitigt   sein   dürfte. 


182  M.  Vacek.  [14] 

Mit  der  Jugend  des  Zahnes  hangt  es  auch  zusammen,  dass  in  jener 
Tiefe  des  Zahnprisnias,  in  welcher  der  Schnitt  gelegt  wurde,  weder 
die  Zahnsubstanz  noch  die  Cementmasse  innerhalb  der  Halbmonde 
die  Zwischenräume  voll  auffüllt,  so  dass  kleine  Hohlmarken  übrig- 
bleiben, die  von  der  Wurzelseite  her  mit  der  Masse  des  Hüllgesteins 
ausgefüllt  sind. 

Die  Beschaffenheit  der  engen  und  einfachen  Medianleiste,  sowie 
die  reiche  Fältelung  der  Halbmonde,  die  sich  im  oberen  Drittel  des 
Zahnprismas  einstellt,  sind  Charaktere,  welche  klar  für  die  Bestim- 
mung des  vorliegenden  Restes  als  von  Hipparion  gracile  stammend, 
sprechen.  Dagegen  gemahnt  allerdings  die  bedeutende  Länge  des 
Zahnes  woiil  an  Equus.  Dieselbe  erklärt  sich  aber  leicht  aus  dem 
Umstände,  dass  der  Zahn  nahezu  vollständig  unverbraucht  ist. 

Hystrix  primige?iia  Gaudry. 

(Taf.  VII,  Fig.  8.) 

Das  vorliegende  Fragment  eines  ziemlich  kräftigen  Nagezahnes 
stammt,  seiner  starken  Krümmung  nach,  aus  dem  Oberkiefer  und 
lässt  sich,  nach  einer  deutlichen  Contactfläche,  als  linksseitig  gut 
Orientiren.  Der  Querschnitt  ist  ein  mit  der  Schmalseite  nach  oben 
sehendes  Oval  von  12  mm  grösstem  Durchmesser.  Die  Oberfläche 
des  Zahnfragmentes  zeigt  starke  Spuren  von  Abnützung,  so  dass  an 
keiner  Stelle  Reste  einer  Schmelzlage  zu  bemerken  sind.  Nur  eine 
seichte  Rinne,  welche  entlang  der  oberen  Hälfte  der  Aussenseite 
verläuft,  scheint  der  Lage  des  verbrauchten  charakteristischen  Schmelz- 
bandes zu  entsprechen.  Auf  der  Unterseite  des  Vorderendes,  welches 
durch  die  Contactfläche  als  solches  gekennzeichnet  ist,  sieht  man  eine 
kräftige  Abnützungsfläche  theilweise  erhalten,  welche  durch  den  ent- 
gegenstehenden unteren  Nagezahn  erzeugt  ist. 

Nach  den  vorstehenden  Charakteren  lässt  sich  das  vorliegende 
Fragment  als  der  Spitzentlieil  eines  linken  oberen  Nagezahnes 
bestimmen,  der  nach  Grösse,  Krümmung  und  Querschnitt  gut  über- 
einstimmt mit  der  Abbildung,  welche  Gaudry  (Geol.  de  l'Attique, 
Taf.  XVHI,  Fig.  4)  von  dem  homologen  Zahne  von  Hijstrix  prhnUjenia 
bringt,  einer  in  Pikermi  nicht  seltenen  Art. 


'D^! 


?  Relladotherium. 

(Taf.  VII,  Fig.  3.) 

Unter  dem  Materiale  vom  Eichkogel  befindet  sich  auch  ein 
sehr  gut  erhaltener  Zahn  mit  einer  auttallend  breiten  Krone  und  einer 
einfachen,  plumpen  Wurzel,  der  auf  den  ersten  Blick  an  die  gelappten 
unteren  Eckzähne  im  Vordergebisse  der  Giraffe  erinnert.  Der  Zahn 
zeigt  kaum  die  ersten  Spuren  einer  Abkauung,  so  dass  man  die 
feineren  Elemente  des  Kronenbaues  noch  klar  sehen  kann.  Diese  ist 
im  allgemeinen  firstartig  gebaut,  von  schlankelliptischem  Grundrisse 
(29:13  mm)  und  massiger  Höhe  (15mm  im  hinteren  Drittel).  Die 
Aussenwand  der  Krone  ist  glatt  und  in  beiden  Richtungen  flach  convex; 
die  Lmenwand  stark  concav,  mit  einem  kräftig  entwickelten  Schmelz- 


[15]    Ueber  Säugethierreste  der  Pikcrmifauna  vom  Eichkogel   bei  Mödling.     183 

Willst  an  der  Basis.  Eine  ähnliche  Schmelzschwiele  bemerkt  man  an 
der  Innenseite  der  Kante,  welche  den  Kronenfirst  nach  rückwärts 
abschrägt.  An  der  vorderen  Schmalseite  der  Krone  bemerkt  man  eine 
plane  Contactfläche.  Im  Abstände  von  etwa  '/a  (^er  Gesammtkronen- 
länge  vom  Vorderende  ist  der  Kronenfirst  durch  eine  tiefe,  scharfe 
Einkerbung  in  einen  kleineren  vorderen  und  einen  grösseren  hinteren 
Abschnitt  getheilt.  Diese  beiden  Abschnitte  selbst  erscheinen  weiter 
durch  je  eine  seichtere  Kerbe  in  zwei  Kronenelemente  aufgelöst,  so 
dass  die  beginnende  Kaufläche  vier  kleine  runde  Marken  zieigt,  die 
entlang  dem  Kronentirst  aneinandergereiht  erscheinen.  Die  Oberfiäche 
der  Schmelzlage  zeigt  eine  feine  Riefung,  die  besonders  an  der  vor 
Abkauung  mehr  geschützten  concaven  Innenwand  deutlich  erhalten  ist. 
Die  plumpe  Wurzel  ist  einfach,  von  dreieckigem  Umrisse,  etwas  schief 
nach  hinten  gezogen  und  zeigt  einen  seichten,  rinnenartigen  Eindruck 
an  der  Vorderseite,  sowie  zwei  ähnliche  seichte  Rinnen  an  der  Innen- 
fläche. Die  Aussenfläche  ist,  wie  bei  der  Krone,  glatt  und  sanft  gewölbt. 
Ein  dünner  Cementbeleg  ist  besonders  an  der  Innenseite  der  Wurzel 
gut  erhalten. 

Trotz  der  guten  Erhaltung  ist  mir  eine  nähere  Artbestimmung 
des  vorliegenden  Zahnrestes  vorderhand  nicht  gelungen.  Dass  derselbe 
mit  den  Caninen  im  Unterkiefer  der  Gir  äff  inen  zu  vergleichen 
ist,  dürfte  sehr  wahrscheinlich  sein.  Für  diese  Stellung  desselben 
spricht,  abgesehen  von  der  Gesammtform,  zunächst  die  plane  Contact- 
fläche an  der  vorderen  Schmalseite  der  Krone,  die  den  innigen 
Anschluss  an  den  nächsten  Incisiv  beweist.  Ferner  scheint  die  auf- 
fallende Breite  der  gelappten  Krone,  die  sich  frei  entwickeln  konnte, 
sowie  die  schief  nach  rückwärts  verzogene  Gestalt  der  Wurzel  mit 
der  Tendenz  zusammenzuhängen,  die  Zahnlücke  zu  überbrücken.  Der 
vorliegende  Zahn  ist  jedoch  viel  plumper,  robuster  gebaut  als  die 
bekannten  Caninen  von  Camelopardalis,  Älcicephnlus  oder  Falaeofragni^. 
Selbst  bei  Samofherium  (vergl.  Zittel,  Pal.  IV,  pag.  409,  Fig.  342) 
scheint  der  Canin  sich  mehr  der  Giraffenform  zu  nähern,  indem  der 
hintere  Kronenlappen  kleiner  erscheint  als  der  vordere,  während  bei 
dem  vorliegenden  Reste  das  Verhältnis  umgekehrt  ist.  Es  bleibt  uns 
sonach  nur  noch  übrig  an  HeUadotherium  zu  denken,  die  am  plumpsten 
gebaute  Gattung  der  Giraffinengruppe. 

Leider  ist  aber,  meines  Wissens,  ein  Vordergebiss  von  HeUado- 
therium nirgends  beschrieben,  so  dass  man  die  Bestimmung  des  vor- 
liegenden Restes  vom  E i c h k o gle  1  als  eines  linken  Eckzahnes  aus 
dem  Vordergebisse  von  HeUadotherium  vorderhand  nur  als  eine  freie 
Vermuthung  hinnehmen  muss,  für  welche  neben  den  bereits  angeführten 
morphologischen  Anhaltspunkten,  wohl  auch  das  häufige  Vorkommen 
dieser  Art  in  der  Fauna  mit  Hipparion  spricht,  welcher  die  vor- 
liegenden Reste  vom  Eichkogel  ohne  Zweifel  angehören. 

?  Tragocerus. 

(Taf.  VII,  Fig.  6.) 

Unter  dem  Materiale  vom  Eichkogel  fanden  sich  endlich  auch 
zwei  gut   erhaltene  Astragali,  die  untereinander  in  allen  Merkmalen 


184  M.  Vacek.  [16] 

gut  übereinstimmen,  sonach  wohl  derselben  Art  angehören  dürften. 
Da  beide  aber  von  derselben,  nämlich  der  rechten  Seite  stammen  und 
auch  in  der  Grösse  merklich  ditferiren,  gehören  sie  zwei  verschiedenen 
Individuen  an.  Nach  den  morphologischen  Charakteren  der  Trochlea 
und  der  Facetten  stammen  die  beiden  Sprungbeine  ohne  Zweifel 
von  einem  Wiederkäuer,  am  wahrsclieinlichsten  einer  Antilopenart 
von  massiger  Grösse.  Sie  stimmen  in  den  Details  gut  überein  mit 
der  Abbildung  des  gleichen  Knochens  von  Tragoccrns  amalfheuK,  wie 
sie  Gaudry  (Geol.  et  Pal.  de  l'Attique,  Taf.  L,  Fig.  10)  gegeben  hat. 


Aus  den  Congerienschichten  des  Wiener  Beckens  kannte  man 
bisher  '): 

Mastodon  hngirostris  Kaup.  Hippan'on  gracile  Kanp. 

Dinoflierium  giganteum  Kaup.         Cervus  sp. 
Äceratlierinm  incisirnm  Kaup.        »SV.s  sp. 

Nach  den  im  vorstehenden  gegebenen  Bestimmungen  sind  es 
die  folgenden  sieben  Arten,  welche  am  Eichkogel  gefunden  wurden: 

Mastodon  Fentelici  Gaudry  etLartet.  Hystrix  primigenia  Gandrg. 

Dinotherliim  laevius  Jourdan.  ?   tielladother'mm. 

Aceratherium  Goldfussi  Kaup.  ?   Tragocerus. 
Hipparion  graciJe  Kaup. 

Wenn  wir  von  den  zweifelhaften  Bestimmungen  von  HeJIado- 
therium  und  Tragocents  absehen,  bieten  vor  allem  die  charakteristischen 
Arten  Mai^t.  Fentelici  und  Hgsrrix  primigenia,  welche  am  Eichkogel 
in  Gesellschaft  des  Hipparion  gracile  auftreten,  einen  neuen,  nicht 
uninteressanten  Beitrag  zur  Kenntnis  der  zweiten  Säiigethierfauna 
des  Wiener  Beckens,  indem  sie  geeignet  sind,  die  bekannte  Ansicht 
wesentlich  zu  bekräftigen,  dass  diese  Fauna  mit  jener  von  Pikermi 
übereinstimme,  der  Eichkogel  sonach  unzweifelhaft  ein  Glied  in 
der  langen  Kette  von  gleichgearteten  Vorkommen  jener  interessanten 
Heerdenfauna  bilde,  welche  hauptsäclilich  durch  das  massenhafte 
Auftreten  von  H  ip  pari  on  en,  Gazellen  und  Antilopen  charak- 
terisirt  quer  durch  Europa  bis  tief  nach  Asien  hinein  bekannt  ge- 
worden ist  (Concud,  Mt,  Leberon  und  Croix  Uousse,  Eppels- 
h  e  i  m,  B  a  1 1  a  v  ä  r,  Pikermi,  S  a  m  o  s,  T  r  o  j  a,  M  a  r  a  g  h  a). 

Neben  MaU.  Fentelici  scheint  auch  Dinotherium  laevius  eine 
Pikermi -Art  zu  sein.  Leider  sind  Zahnreste  dieser  Species  in 
Griechenland  nur  sehr  selten  gefunden  worden,  und  die  meisten 
Autoren  vermeiden  daher  eine  nähere  Artbestimmung,  Nur  bei  A, 
Wagner  (Abb.  d.  königl.  Akad.  München,  Bd.  V,  1850,  ]>.  3G0)  findet 
man  die  Besclireibung  einiger  Zahnreste  der  Dinotlierium- Art  von 
Pikermi,  welche,  wie  der  Autor  ausdrücklich  hervorhebt,  „mehr 
an  Din.  Cuvieri  (s.  J).  havaricum)  als  an  Din.  giganteum  hinsichtlich 
ihrer  Grösse    sich   anreihen."    Die  Aufstellung   der  Art  I).  laevius 


')  Vergleiche   Th.  Fuchs,    Erläiiteriiiigen  zur  geologischen  Karte  der  Um- 
gebung Wiens  1873,  pag.  40. 


[17]     Ueber  Siiugethierreste  der  Pikerraifaun.a  vom  Eichkogel  Itei  Mödling.     185 

durch  J  0  u  r  d  a  11  (Comptes  reiidus  Ac.  sc.  1861)  ist  späteren  Datums 
als  die  Arbeiten  W  a  g  n  e  r's. 

Die  Art  Äcerafherinm  Gohlfiissi  Knup  (s.  Rhinoc.  bmrhi/pii^  Lart.) 
wird  von  Tikermi  nicht  angeführt,  ist  viehnehr  aus  inittehniocänen 
Ablagerungen  Frankreichs  besclirieben.  Indessen  biklet  doch  Gaudry 
(Attique,  Tat'.  XXXIII,  Fig.  6)  auch  aus  Pikernii  einen  Unterkiefer 
von  Aceratherium  ab,  welches  er  der  Art  nach  unbestimmt  lässt.  Die 
Grösse  des  vorletzten  Molars  in  diesem  Unterkiefer,  sowie  die  Be- 
schaffenheit des  basalen  Schmelzwulstes,  ferner  auch  Form  und  Dimen- 
sionen des  Eckzahnes  stimmen  gut  mit  den  vorliegenden  homologen 
Zähnen  vom  Eichkogel. 

Nach  den  vorliegenden  Daten  kann  sonach  an  einer  weitgehenden 
Uebereinstimmung  der  Suite  vom  Eichkogel  mit  der  Fauna  von 
Pikerrai  kaum  ein  Zweifel  sein.  Anders  steht  es  allerdings  mit  der 
viel  discutirten  Frage,  ob  die  Fauna,  welche,  an  dem  reichen  Materiale 
von  Pikermi  am  klarsten  charakterisirt,  in  Gaudry's  bekannter 
grosser  Arbeit  sehr  eingehend  dargestellt  wurde  und  die  man  daher 
schlechtweg  als  Pikermi-Fauna  bezeichnet,  noch  obermiocän 
ist,  oder  aber  schon  dem  P  Hoc  an  zuzurechnen  sei. 

A.  G  au  dry  (Attique,  p.  431)  verlegt  die  Ablagerung  der  knochen- 
führenden Lehme  von  Pikermi  an  den  Schluss  der  Miocänperiode. 
Nach  dem  Rückzuge  des  Miocänraeeres  boten  ausgedehnte,  grasreiche 
Ebenen,  die  zum  Theil  auch  die  Fläche  des  heutigen  Aegeischen 
Meeres  einnahmen,  einer  Heerdenfauna  mit  vorherrschend  zalilreichen 
Hipparionen,  Antilopen,  Gazellen  den  weitesten  Spielraum  zur  Ent- 
faltung und  Entwicklung.  Durch  spätere  Einbrüche  und  Ueber- 
flutungen  von  den  ihr  zusagenden  Futterplätzen  verdrängt,  flüchtete 
die  Thiergesellschaft  in  höher  gelegene  Theile  und  erlag  der  Ungunst 
der  neuen  Verhältnisse.  Ihre  Skeletreste  wurden  durch  fliessende 
Wässer  von  den  Hängen  des  Pentelicon  herabgewaschen  und  im 
Schlamme  von  Pikermi  begraben.  Wie  man  sieht,  engt  Gaudry 
seine  Darstellung  in  sehr  vorsichtiger  Art  auf  die  ihm  nächstliegenden 
Verhältnisse  in  Griechenland  ein. 

Stratigraphisch  viel  ausgreifender  sind  schon  die  Darstellungen 
M.  Neumayr's^)  über  diesen  Gegenstand.  Derselbe  betont  ausdrück- 
lich die  Unterbrechung,  welche  zwischen  miocänen  und  pliocänen 
Meeresablagerungen  stattgefunden  hat.  Dieser  Sedimentationslücke  ent- 
spricht in  ganz  Europa  eine  Continentalperiode,  während  welcher 
vielfach  brackische  und  limnische  Bildungen  entstanden.  Diese  Ab- 
lagerungen der  pon  tischen  Stuf  e  (Congerienschichten,  Belvedere- 
schichten)  sind  es,  welche  die  Reste  der  Pikermi-Fauna  führen.  Die- 
selben sind  nach  Neumayr  älter  als  alle  bekannten  marinen  Absätze 
des  Pliocän,  und  er  stellt  dieselben  (Tabelle  p.  271  1.  c),  ohne  sie  einer 
der  beiden  Formationen  einzugliedern,  zwischen  Miocän  und  Pliocän. 

Hingegen  ist  Th.  Fuchs'-^)  mit  Entschiedenheit  für  das  pliocäne 
Alter   der  Pikermi-Fauna   eingetreten,   hat  sich  aber  später   dem 


')  M.  Neumayr,  Insel  Kos  etc.    Denksch.  d.  k.  Akad    d.  Wiss.  XL,  1879. 
2)    Th.    Fuchs.     Studien    über    das    Alter    der    jüngeren    Tertiärbildungeu 
Griechenlands.  Sitzungsber.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  1876,  pag.  1  —  11. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichaanstalt,  1000,  50.  Hand,  1.  Ilelt.  (M.  Vacek.)  24 


186  M.  Vacek.  [18] 

Standpunkte  Neumayr's  und  Gaudry's  insoferne  geucähert,  als  er 
diese  Fauna  an  den  Anfang  der  Plioccänphase  stellt  (Verhandl.  1879, 
pag.  58)  und  dieselbe  als  ältere  Thiergesellschaft  klar  trennt  von  der 
jüngeren  Fauna  mit  Masfodon  arvernensis,  welche  im  Alter  dem  marinen 
Pliocän  entspricht. 

Die  letztere  Auffassung  von  Th.  Fuchs,  nach  welcher  die 
Pikermi-Fauna  ins  untere  Pliocän  zu  stellen  ist,  scheint  wohl  am 
besten  mit  dem  zu  stimmen,  was  oben  einleitend  über  die  strati- 
graphische  Position  des  Lagers  der  Säugethierreste  vom  Eichkogel 
gesagt  wurde.  Die  Reste  stammen  von  der  Basis  der  Congerienbildung 
und  fanden  sich  in  einem  grusigen,  von  Schotterschmitzen  durchsetzten 
Umlagerungsproducte  der  sarmatischen  Sandstein-Unterlage.  Zwischen 
der  sarmatischen  und  pontischen  Stufe  stellen  sich  also  corrosive 
Vorgänge  ein,  die  sicheren  Kennzeichen  einer  Trockenperiode,  in 
welche  wohl  die  Hauptverbreitung  der  Pikermi-Fauna  fällt.  Deren  zahl- 
lose Skeletreste  dürften  freilich  zum  allergrössten  Theile  an  der 
Luft  spurlos  zugrunde  gegangen  sein,  während  uns  nur  selten  deren 
Repräsentanten  unter  günstigen  Einbettungsverhältnissen  erhalten 
blieben.  Die  Trockenperiode,  welche  in  der  Unterbrechung  der  marinen 
Sedimente  ihren  scharfen  Ausdruck  findet  und  sich  daher  strati- 
graphisch  gut  fixiren  lässt,  entspricht  ohne  Zweifel  dem  tiefsten 
Niveau  st  an  de  des  Meeres  und  erscheint  sonach  als  naturgemässe 
Grenzmarke  zwischen  den  Uebertiutungsphasen  der  miocänen  und 
pliocänen  Zeit.  Die  ihr  folgende  neue  Sedimentserie  beginnt,  wie 
natürlich,  meist  mit  gröberen  Umlagerungsproducten  und  Binnen- 
ablagerungen, in  unserem  Falle  mit  den  Congerienschichten  und  den 
an  ihrer  Basis  vielfach  auftretenden  Schotterbildungen,  welche  sonach 
schon  der  jüngeren  Periode,  dem  Pliocän,  zugezählt  werden  müssen. 

Es  ist  selbstverständlich,  dass  das  Ansteigen  und  Vordringen 
des  pliocänen  Meeres  als  eine  Erscheinung  von  sehr  langer  Dauer 
und  äusserst  langsamem  Fortschritte  zu  denken  ist.  Die  Heerdenfauna, 
welche  zur  Zeit  der  Continentalperiode  zwischen  Miocän  und  Pliocän 
die  grasreichen  Ebenen  Europas  und  Vorderasiens  bevölkerte,  erfuhr 
sonach  eine  nur  sehr  allmälige  Verdrängung  und  unterlag  erst  in  einer 
verhältnismässig  vorgeschrittenen  Phase  der  Pliocänzeit  der  Ungunst 
der  neuen  Verhältnisse,  insoweit  sie  sich  nicht  denselben  zu  accommo- 
diren  im  Stande  war,  wie  dies  von  der  iiächstjüngeren  Thiergesell- 
schaft mit  Mast,  arvernensis  wahrscheinlich  ist. 

Leider  sind  jene  stratigraphischen  Verhältnisse  im  Wiener  Becken, 
auf  Grund  deren  man  eine  scharfe  Trennung  der  miocänen  und  plio- 
cänen Ablagerungen  als  zweier  disparater  Schichtcomplexe  sicher 
vornehmen  könnte,  heute  nur  in  sehr  unzureichender  Weise  bekannt 
und  vor  allem  nicht  systematisch  mit  Rücksicht  auf  die  vorliegende 
Frage  studirt. 


Verlag  der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt,  Wien,  III.,  Rasunioffskygasse  2». 
Ge.sellsehafts-Hiicliflriickcrci  Uiiulor  Hollinck,    Wien,    I.M.,  Eidltcrgstra.s.se  3. 


Tafel  VII. 

lieber  Säuge thierreste   der  Pikermifauna  vom  Eichkogel  bei 

Mödliiig. 


24* 


Erklärung  zu  Tafel  VII. 

Fig.  1.  Mastodon  Pentelici  Gatidry  et  Lartet. 
Vorletzter  Molar  aus  dem  linken  Unterkiefer,  vou  der  Kaufläche,  pag.  173. 

Fig.  2.  Mastodon  Pentelici  Gaiidry  et  Lartet. 
Dritter   Präraolar   aus    dem    rechten   Unterkiefer,   von    der   Kaufläche    und 
Innenseite,  pag.  172. 

Fig.  3.  ?  Helladotherium. 
Eckzahn  aus  dem  linken  Unterkiefer  in  fünf  Ansichten,  pag.  182. 

Fig.  4.  Dinotherium  laeviv.s  Jourdan. 
Vorletzter  Molar    aus    dem    rechten    Unterkiefer,   von    der    Kaufläche    und 
Innenseite,  pag.  175. 

Flg.  5.  Dinotherium  laevius  Jourdan, 
Vorderster  Prämolar  aus  dem   rechten  Oberkiefer,   von   der  Kaufläche   und 
Aussenseite,  pag.  177. 

Fig.  6.  ?  Tragocerus. 
Astragalus  der  rechten  Seite  in  2  Ansichten,  pag.  183. 

Fig.  7.  Hipparion  gracile  Kaup. 
Vorletzter  Prämolar  aus  dem    rechten  Oberkiefer,  Schemat.  Querschnitt  im 
oberen  Drittel  des  Zahnprismas,  pag.  181. 

Fig.  8.  Hystrix  primigenia  Gatidry. 
Nagezahn  aus   dem  linken  Oberkiefer,  von   der  Innenseite   mit  Querschnitt, 
pag.  182. 


M.Vacek:  PikermiPauna  vom  Eichkogpl 


TafW. 


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Jahrbuch  der  k.k. Geologischen  Reichsanstad.  Band  L.1900. 

Verlag  der  kk  Geologischen  ReichsanslaltWien.lllRasumoffskygasse  23 


Liüi  .\n^l  vTli  BnTinwEirfh.Wen 


Tafel  VIII. 

Ueber  Säuge tliierreste  der  Pikermifaiina  vom  Eichkogel  bei 

Mödling. 


Erklärnug  zn  Tafel  VIII. 

Fig.  1.  Äceratherium  Goldfussi  Kaup. 
Eckzahn  aus  dem    recbten  Unterkiefer,  von  der  Innenseite   mit  Querschnitt 
der  Spitze,  pag.   180. 

Fig.  2.  Äceratherium  Goldfussi  Kaup. 
Dritter  Prämolar  aus  dem  linken  Oberkiefer,  von  der  Kaufläche  und  Aussen- 
seite,  pag.  179. 

Fig.  3.  Acefutherimn  Goldfussi  Kaup, 
Erster  Molar  ans   dem  linken  Oberkiefer,   von   der  Kaufläche   und   Aussen- 
Seite,  pag.  179. 

Fig.  4.  Aceratheriiim  Goldfussi  Kaup. 
Vorletzter  Molar  aus  dem  linken  Unterkiefer,  von  der  Kaufläche  und  Aussen- 
seite,  pag.  180. 


M.Vacek:Pikermifauna  vom  Eichkogel. 


TafYni. 


A.Swoboda  n  dXat  geziLlüh. 


Jahrbuch  der  k.k. Geologischen  Rerchsanstall.  Band  L  .1900 

Verlag  der  kk.GeologischenReichsanstalt.W.en.lll.Rasumoffskygasse  23. 


Coelacanthus  Lunzensis  Teller. 

Von  Dr.  Otto  M.  Reis. 

Mit  2  Lichtdrucktafeln  (Nr.  IX  und  X). 

In  der  Beschreibung  des  berühmten  Schädels  von  Ceratodus 
SfnriP)  erwähnt  F.  Teller  auch  des  Körperfragmentes  eines  grossen 
Coelacanthinen  aus  den  Lunzer  Schichten;  er  erkennt  in  ihm  eine 
neue  Art,  welche  in  Vergleich  zu  dem  aus  den  Fischschiefern  von 
Raibl  bekannten,  zierlichen  Graphiurus  cnllopterus  Kner  ein  wahrer 
Riese  sei ;  er  nennt  ihn  Coelacanthus  Lunzensis;  der  Gattungsbezeichnung 
schliessen  wir  uns  provisorisch  (vergl.  unten)  an. 

Das  Exemplar  besteht  aus  einer  Hauptplatte  mit  einzelnen 
fragmentarischen  Gegenplatten ,  von  welchen  eine  wichtigere  die 
Knochen  der  ventralen  Hälfte  des  Schwanzes  (Taf.  X,  Fig.  1)  enthält, 
dessen  Bau  daher  auf  der  Hauptplatte  im  Abdruck  vorhanden  ist; 
von  diesem  Theil  sind  beide  Platten  abgebildet.  Die  Hauptplatte  zeigt 
den  ganzen,  auf  der  linken  Flanke  aufliegenden  Fischkörper  von  der 
Schnauzenspitze  mit  einer  Unterbrechung  im  Klemenschultergürtel- 
abschnitt  bis  zum  Ende  der  Caudalis,  bezw.  dem  Stiel  der  Pinselfiosse ; 
alle  P'lossen  sind  mehr  oder  weniger  fragmentarisch  erhalten  bis  auf 
die  Caudalis  und  Analis,  deren  Träger  zwar  vorhanden  sind,  deren 
Strahlen  aber  völlig  fehlen. 

Vom  S  p  i n  a  1  s  k  e  1  e  t  ist  die  Reihe  der  oberen  Bogen  (vergl. 
Taf.  IX)  am  ungestörtesten  geblieben;  an  ihrem  Vorderrande  ist  noch 
der  Eindruck  der  oberen  Endigung  der  Clavicula  bemerkbar;  von  da 
an  zähle  ich  circa  acht  bis  zum  hinteren  Ende  des  Plattenträgers  der 
ersten  Dorsalis,  sodann  circa  14  bis  zum  Beginn  der  zweiten  Dorsalis; 
während  die  ersteren  ganz  kurz  sind,  spitzig  endigen  und  sich  etwas 
nach  hinten  krümmen,  zeigen  sich  die  letzteren  stark  verlängert,  nach 
vorne  concav  und  zeigen  distal  breite  Endigungen  persistirender 
Knorpelapophysen.  Sodann  folgen  nach  der  Caudalis  zu  wieder  sechs 
freie  Dornfortsätze  mit  gleicher  Endigiing  und  endlich  drei,  an  welche 
sich  Interspinalia  anheften,  die  ihrerseits  aber  noch  nicht  mit  Flossen- 
Strahlen  der  äusseren  Caudalis  dorsalis  in  Verbindung  treten ;  die  Inter- 
spinalia sind  kurz  und  besonders  gut  ist  der  erste  erhalten.  Die  dem 
Bereich  der  Dermalstrahlen  der  Caudalis  angehörigen  und  mit  Inter- 
spinalien  verbundenen  Neurapophysen  betragen  an  Zahl  circa  19,  sie 
legen  sich  nach  hinten  zu  allmälig  flacher  zur  Körperaxe ;  der  letzte. 


»)  Abhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  Bd.  XV,  Heft  3,  S.  2—3. 
Jahibuch  d.  k.  k.  geol.  Keicbsanstalt,  1900,  50.  Band,  2.  Heft.  (0.  M.  Keis.)  25 


188  Dr-  Otto  M.  Reis.  [2] 

schwächste  liegt  ihr  fast  ganz  an,  wodurch  der  Beginn  der  nicht 
mehr  erhaltenen  Pinselflosse  gekennzeichnet  ist. 

Von  den  ventralen  Anhängen  der  Körperaxe  erkennt 
man  nur  über  der  hinteren  Hälfte  der  Leibeshöhle  kleine  Rippen, 
die  im  ersten  Drittel,  wie  häufig,  sicher  ganz  fehlen.  Nach  der 
Combination  mit  der  Gegenplatte  zu  schliessen,  beginnen  sie  sechs 
Segmente  vor  dem  Vorderende  der  zweiten  Dorsalis  und  reichen 
ungefähr  neun  Segmente  hinter  dieselbe  bis  zum  Beginn  der  Haemapo- 
physen  im  Bereich  der  Caudalis  ventralis,  welche  ihrerseits  auf  der 
Ventralseite,  wie  es  scheint,  ziemlich  genau  mit  dem  Beginn  der 
Caudalis  dorsalis  anhebt.  Von  ihr  sind  18  mit  Interspinalien  ver- 
bundene und  zu  Trägern  derselben  stark  entwickelte  Haemapo- 
physen,  vergl.  Taf.  X,  Fig.  1,  deutlich  abzuzählen,  die  drei  vordersten 
sind   ohne   Interspinalträger. 

Den  ganzen  Raum  zwischen  dem  erwähnten  Eindruck  des  oberen 
Clavicularendes  und  dem  Beginne  der  Haemapopbysen  nimmt  die  stark 
verknöcherte  Schwimmblase  ein.  Von  einer  Phosphoritisirung 
der  Muskulatur  ist  hier  nichts  zu  bemerken. 

Die  erste  und  zweite  Dorsalis,  die  Analis  und  Ven- 
tralis haben  Flossenträger,  welche  von  der  gewöhnlichen  Form  bei 
den  Coelacanthinen  fast  in  nichts  Besonderem  abweichen.  Jener  der 
ersten  Dorsalis  zeigt  an  dem  äusseren  Rand,  der  als  Verbindungs- 
stelle mit  den  Flossenstrahlen  zu  betrachten  ist,  sechs  stärkere, 
strahlige  Verdickungen,  welche  sowohl  stärker  verknöchert  sind,  als 
auch  die  Anwesenheit  eines  stärkeren  Knorpelkerns  bekunden.  Ab- 
züglich der  etwas  nach  hinten  verschobenen  linksseitigen  Hälften  der 
beiden  vordersten  Flossenstrahlen  zähle  ich  etwa  acht  Flossenstrahlen, 
welche  dieser  Ansatzstelle  des  Flossenträgers  entsprechen ;  diese 
Strahlen  haben  stumpfe,  knotige  Proximalenden  und  sind  stark  nach 
hinten  gekrümmt  und,  soweit  gezeichnet,  völlig  ungegliedert ;  es 
gelang  mir,  durch  nachträgliche  Präparation  noch  Reste  der  ab- 
gelösten, gegliederten  äussersten  Theile  bloszulegen ,  welche  also 
auch  hier  nicht  fehlen ;  nur  der  vorderste  kurze  Strahl,  der  sich  an 
den  ersten  starken  und  langen  anlegt,  ist  völlig  ungegliedert  und 
vielleicht  auch  unpaarig. 

Der  Träger  der  zweiten  Dorsalis  zeigt  keine  Besonderheiten 
und  liegt,  wie  stets  bei  Coelacanthinen,  ziemlich  weit  von  der  hier 
nur  fragmentarisch  erhaltenen  äusseren  Flosse  entfernt;  der  Zwischen- 
raum ist  durch  ein  knorpeliges  Flossenskelet  zu  ergänzen. 

Von  der  Analis  ist  nur  der  Träger  (Taf.  X,  Fig.  1),  von  den 
beiden  Ventral  flössen  sind  Reste  des  Beckens  und  der  Flossen- 
lappen erhalten,  welche  in  ihrer  Unvollständigkeit  nichts  Bemerkens- 
wertes bieten  (Taf.  IX);  von  den  Strahlen  der  Pectoralis  sieht 
man  einige  Abdrücke  auf  der  Schwimmblase. 

Von  der  grossen  Caudalis  haben  wir  dorsal  und  ventral  die 
interspinalen  Flossenträger  schon  erwähnt,  deren  Angliederungsstelle 
an  die  Neurapophysen  aber  sowohl  durch  die  Schuppenbedeckung 
hindurch  deutlich  ist,  wie  sie  auch  —  da  hier  die  Knochenhülle  am 
schwächsten  ist  —  häufig  durch  ein  Trümmerwerk  von  Knochen- 
splittern gekennzeichnet  ist  (besonders  an  dem  Dorsallappen  auf  der 


[3]  Coelacanthus  Lunzensis  Teller.  "[gg 

Hauptplatte).    Die    äusseren  Flosseiistrahleii   der  Caudalis   sind   oben 
und  unten  nur  in  ihren  basalen  Enden  erhalten. 

Der  Körper  ist  bedeckt  mit  dünnen  Schuppen,  deren  Ueber- 
deckungslinien  man  nicht  beobachten  kann;  die  Höhe  zur  Länge  des 
sculpturirten  Feldes  beträgt  am  hinteren  Ende  der  Leibeshöhle  etwa 
12:10  mm]  daselbst  ist  auch  die  Sculptur  am  besten  zu  erkennen, 
wobei  zu  bemerken  ist,  dass  allen  Anzeichen  nach  eine  wesentliche 
Aenderung  hierin  an  der  übrigen  Körperoberfläche  nicht  eintritt; 
die  Sculptur  besteht  aus  36—42  dichtgedrängten,  gleichmässig  breiten, 
langwurmförmigen  Dentin-Emailwülstchen,  welche  zwar  nicht  durch- 
gängig die  ganze  Länge  des  Sculpturfeldes  einnehmen,  aber  doch 
beinahe;  hie  und  da  sind  Einschaltungen  und  seltener  Verzweigungen 
zu  sehen.  Die  Beschuppung  erstreckt  sich  natürlich  auch  auf  den 
erhaltenen  Flossenlappen  der  zweiten  Dorsalis. 

Zwischen  dem  in  zwei  getrennten  Stücken  erhaltenen  Kopf  und  dem 
Körper  ist  eine  Lücke  in  der  Platte,  welche  auf  der  rechten  Körperseite 
durch  die  Gebilde  des  Kiemenapparates  ausgefüllt  ist;  ßeste  der 
Clavicula  finden  sich,  wie  erwähnt,  auf  der  Hauptplatte  und  einem 
vereinzelten,  schwierig  zu  orientirenden  Theil  der  Gegenplatten. 

Das  dorsale  Fragment  des  Schädels  enthält  Parietal-  und 
Frontalregion,  welche  sehr  zerdrückt  ist.  Fragmente  der  beiderseitigen 
Parietosquamosa  zeigt  die  Skizze  Taf.  X,  Fig.  2  im  Ausguss 
nach  dem  Gesteinsabdruck  der  Aussenseite  und  der  Knocheninnen- 
fläche selbst;  erstere  zeigt  die  spitzig-körnige  Sculptur,  welche  in 
Natur  etwas  dichter  gedrängt  ist,  letztere  die  Ossificationsstrahlen 
der  Knochenbasis;  auch  das  lange  Frontale  (Taf.  IX)  ist  in  gleicher 
Weise  mit  ziemlich  dicht  gedrängten  kleinen  Schmelztuberkeln  besetzt; 
an  der  Unterseite  dieses  Dorsalstückes  des  Schädels  zeigt  sich  noch 
im  Längsbruch  das  Parasphenoid. 

Das  zweite  ventrale  Bruchstück  des  Schädels  konnte  von  beiden 
Seiten  präparirt  werden;  es  zeigt  Theile  des  Kiefer-,  Gaumen-  und 
Kehlapparates;  da  die  rechte  Seite  gegen  die  linke  etwas  nach  hinten 
verschoben  ist,  so  zeigt  diese  etwas  mehr  vorne  liegende  Theile, 
die  linke  dagegen  noch  Theile  des  Kiemendeckels  und  der  ventralen 
Schultergürtelendigung  (Infraclavicula).  Wir  beschreiben  zuerst  die 
rechte  Seite  unter  Einbeziehung  der  gleichartigen  Gebilde  der  linken 
Flanke  (Taf.  X,  Fig.  3). 

Oben  erkennt  man  sofort  das  vom  Unterkiefer  etwas  über- 
schobene  Pterygo Suspensorium  mit  seinem  vorderen  Quadrat- 
kiel; der  hintere  Muskelkiel  fehlt;  auf  der  Gegenseite,  Taf.  X, 
Fig.  3,  ist  diese  Region  erhalten,  dagegen  unter  der  Ueberdeckung 
mit  Resten  postorbitaler  Dermalgebilde  undeutlich. 

Die  Mandibel  liegt  auf  der  rechten  Seite  hinten  nicht  bis 
zum  Gelenk  vor,  dagegen  vorne  bis  zum  Beginn  des  Dentale-Lifra- 
dentale  mit  der  eigenthümlichen  Erhebung  des  ersteren  zur  Auf- 
lagerung der  hier  nicht  erhaltenen  bezahnten  vorderen  Splenial- 
plättchen,  welche  man  zur  Unterscheidung  von  dem  hinteren  grossen 
„Spleniale"  mit  Traquair  am  besten  Dentalia  interna  nennt 
(yergl.  auch  meine  Figurenbezeichnungen  in:  „Zur  Osteologie  der 
Coelacanthinen.  L  Theil.  Dissertation  1888  [bezw.  1892]). 

25* 


190  Dr.  Otto  M.  Reis.  [4] 

Was  vom  Unterkiefer  daher  hauptsächlich  vorliegt,  ist  das 
grosse  Angulo-Articulare;  es  zeigt  in  der  hinteren  Hälfte  vor 
dem  Gelenk  eine  feine,  runzelig-strahlige,  nach  oben  vorne  und  unten 
divergirende  Oberflächensculptur,  welche,  wie  es  scheint,  nur  der 
Knochenbasis  angehört,  nach  vorne  sitzen  auf  dieser  deutliche 
Schmelzdentintuberkel  auf.  Die  gleiche  Sculptur  besitzt  das  dem 
Unterkieferrand  hart  an-  und  aufgelagerte  grosse  Jugulare,  das 
nur  in  seiner  oberen  Hälfte  in  Substanz  erhalten  ist;  die  untere 
Hälfte  ist  theils  abgebrochen,  theils  im  Abdruck  der  Innenfläche  zu 
erkennen. 

Auf  der  linken  Seite,  Tai.  X,  Fig.  3,  ist  das  Jugulare  noch  viel 
fragmentarischer;  dagegen  reicht  hier  das  Angulo-Articulare  über  das 
Quadratgelenk  hinaus  bis  zum  hinteren  Abschluss;  so  kommt  es,  dass 
hier  ein  Theil  des  0  p  e  r  c  u  1  u  m  und  das  I  n  f  r  a  c  1  a  v  i  c  u  1  a  r  e  nach 
vorne   verschoben  sichtbar  werden, 

Ueber  der  Mitte  des  Angulo-Articulare  und  unter  seinem  Oberrand 
hervortretend,  gelang  es  mir,  noch  ein  weiteres  Gebilde  (Taf.  IX)  mit 
glatter  Oberfläche  bioszulegen,  das  seiner  Lage  und  Gestaltung  nach 
ganz  unzweideutig  ein  für  die  Coelacanthinen  charakteristisches 
Gebilde  und  ein,  wie  mir  scheint,  für  ihre  Systematik  bezeichnendes 
Knöchelchen  ist;  ich  habe  es  zuerst  nach  Huxley  mit  dem  neu- 
tralen Namen  Postmaxillare  bezeichnet,  welcher  blos  seine  Lagerung 
andeuten  soll.  Ich  fand  diesen  Knochen  stets  im  Zusammenhang  mit 
einem  völlig  auf  der  Unterkiefer-Innenfläche  liegenden  Gebilde,  das 
ich  ebenso  nach  seiner  Lagerung  hinter  dem  oben  berührten  be- 
zahnten Postspleniale  bezeichnet  habe.  Nachdem  ich  aber  dem  Vorgang 
Traquair's  gefolgt  bin  und  diese  schon  oben  erwähnten  Plättchen 
als  Dentalia  interna  (vergl.  Dissertation)  anführte,  blieb  der  Name 
Spleniale  auf  das  von  mir  Postspleniale  bezeichnete  und  von  Huxley 
mit  den  vorderen  Splenialplättchen  als  einheitlich  betrachtete  Gebilde 
beschränkt,  und  habe  ich  so  auch  den  Namen  des  sich  an  das  Sple- 
niale anschliessenden  Gebildes  geändert;  ich  habe  das  Gebilde  zugleich 
vergleichend  anatomisch  bezeichnet,  indem  ich  es  mit  dem  Coronoid 
der  älteren  Fisclitypen  etc.  verglich  (vergl.  1.  c.  Dissertation  S.  36, 
Erkl.  zu  Taf.  I,  Fig.  2  u.  3,  und  S.  37,  Erkl.  zu  Taf.  II,  Fig.  13, 
endlich  S.  39  unter  cor,  PM  und  Spl.).  Zu  diesem  Vergleich  sind 
die  Diagramme  1.  c.  Taf.  II,  Fig.  VSa,b  und  c  herzugezogen,  welche 
darthun,  dass  der  eigenartige  Lippenknorpel  von  Polypterus  zu  dem 
Spleniale  dieselbe  Lage  einnimmt,  wie  der  knorpelige  Coronoid- 
fortsatz  des  Meckelschen  Knorpels  zum  dermalen  Coronoid-Spleniale 
bei  Lepi(/osf,eus,  dass  derselbe  also  nur  als  ein  mit  dem  Meckelschen 
Knorpel  verschmolzener  und  von  einem  Supraangulare  von  aussen 
bedeckter  „praeoraler"  Knorpel  erscheint.  Die  Beziehung  des  „prae- 
oralen"  Muskels  (der  an  dem  Lippenknorpel  seine  Stütze  hat)  zum 
grossen  Adductor  bei  den  Haien  und  die  dieses  Muskels  zu  dem 
Kronenfortsatz  der  dermalen  Kieferknochen  bei  Ganoiden  lassen  es 
durchaus  als  wahrscheinlich  erscheinen,  dass  hier  im  Mundwinkel 
eine  Verschmelzung  von  oralen  und  praeoralen  Knorpelelementen  nebst 
ihren  inneren  (bezahnten)  und  äusseren  (tuberkulirten)  Belegknochen 


[5]  Coelacanthus  Lunzensis  Teller.  191 

eingetreten  ist;  nacli  meiner  Ansicht  hat  die  Maxillarreilie  mit  den 
praeoralen  (Lippen-)  Knorpeln  gar  nichts  zu  thun  ^). 

Das  praeorale  Coronoid,  das  auf  der  Aussenseite,  wie  erwähnt, 
stets  glatt  ist,  erweist  sich  also  als  ein  Belegknochen  der  Mundhöhle; 
denselben  Charakter  zeigt  es  auch  im  vorliegenden  Falle.  In  seiner 
Form  erinnert  es  am  meisten  an  das  Coronoid  von  Coccoderma  gigns 
Reis,  (wobei  ich  gleich  betonen  muss,  dass  ich  diese  Art  nicht  mehr 
zu  Coccoderma  rechnen  kann).  Der  mehr  plattige  Untertheil  ist  aller- 
dings nicht  sichtbar,  jedoch  zeigt  sich  die  obere  starke  Randrippe 
sehr  deutlich;  die  mediane  kantige  Erhebung  ist  bedeutend  stärker 
und  etwas  nach  vorne  über  derselben  eine  schwach  plattige  Ver- 
breiterung sichtbar,  wie  bei  der  jurassischen  Gattung  Lihijs  (vgl. 
meine  Monographie :  Palaeontographica  XXXV,  Taf.  III,  Fig.  18  und 
Fig.  1  PM). 

Was  die  Gattungszugehörigkeit  betritft,  so  kann  die 
Bezeichnung  als  Coelacanthus  nur  als  eine  provisorische  gelten;  wie 
ich  von  Coelacanthus  s.  sfr.  die  Gruppe  um  Coelac.  elegans  Neicb.  als 
Rhahdoderma  abgetrennt  habe  2),  so  würde  ich  auch  vorliegende  Art 
von  Coelacanthus  trennen ;  es  ist  kein  Zweifel,  dass  sie  zu  den  ju- 
rassischen Gattungen  in  näherer  Beziehung  steht,  als  zu  den  Gattungen 
nächst  älterer  Formationen,  jedoch  ist  einerseits  das  vorliegende 
Exemplar  zu  fragmentarisch,  und  sind  andererseits  auch  die  ju- 
rassischen Gattungen  noch  in  vieler  Hinsicht  zu  wenig  bekannt,  um 
die  systematischen  Abstände  klarer  definiren  zu  können. 


*)  Während  sonst  durch  die  grosse  Ausdehnung  der  zahntragenden  maxillaren 
und  dentalen  Randknochen  bis  fast  zum  Quadratgelenk  diese  (praeoralen)  Gebilde 
sehr  nach  hinten  zusammengedrängt  sind,  erreichen  sie  bei  den  Coelacanthinen  bei 
sehr  reducirter  Entwicklung  der  obigen  Randknochen  und  ausserordentlich  langen 
Kiefern  die  Möglichkeit  einer  freien  Ausdehnung  und  selbständigen  anormalen 
Entwicklung   gemäss   ihrer    ursprünglich   von   den  Kiefern   unabhängigen    Anlage. 

^)  Es  ist  kein  Zweifel,  dass,  wenn  man  die  Gattung  Makropoma  aufrecht 
erhält,  man  auch  das  Gleiche  bei  Rhahdoderma  etc.  thun  muss;  der  Systematiker 
der  Zukunft  wird  wahrscheinlich,  um  die  Verhältnisse  richtig  auszudrücken,  nur 
eine  Gattung  gelten  lassen  und  die  übrigen  Gruppen  als  Untergattungen  anreihen. 


192  Dr.  Otto  M.  Reis.  [6] 


EikLäriiiig  zu  Tafel  IX  und  X. 

Tafel  IX. 

Coelacanthus-  Ltinzensis  Teller.   Gesanimtbild  des  Fundstü'ckeS';   zwei  Drittel 
der  nalürlichen  Grösse. 


Tafel  X. 


Fig.  1.  Ventrale  Hälfte  des  Schwanzes  von  Coelacanthus  Lioizensis ,  welche 
in  Taf.  IX  nur  im  Gesteinsabdruck  vorhanden  ist  (natürliche  Grösse). 

Fig.  2.  Skizze  nach  einem  Abdruck  der  Aussenseite,  bozw.  der  Innenfläche 
der  Parietosqiianiosa  von  Coelacaiithuf;  Lunzensis. 

Fig.  3.  Linke  Flanke  des  Schädels,  bezw.  seines  ventralen  Gaumen-Kiefer- 
anhangs (in  natürlicher  Grösse)  von  Coelacanthus  Lunzensis. 


Sammlung  der  k.  k    geologischen  Reichsanstalt  in  Wien. 


Die  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter 

Gläser. 

Von  Dr.  Franz  E.  Suess. 

Mit  acht  Lichtdrucktafelu  (Nr.  XI  [IJ— XVIII  [VIIIJ)  und  60  Zinkotyiden  im  Text. 


Einleitung. 

Im  Sommer  des  Jahres  1898  führte  mich  die  seit  Jahren  im 
krystallinisclien  Gebiete  von  Westmähren  fortgesetzte  Aufnahmsthiltig- 
keit  in  das  Fundgebiet  der  Moldavite  der  Umgebung  von  Trebitsch. 
Hier  wurde  ich  beim  Besuche  der  reichen  Privatsammlung  des  Herrn 
herrschaftlichen  Wirtschaftsinspectors  Ernst  Hanisch  zuerst  auf- 
merksam auf  die  merkwürdigen  Gestalten  der  racährischen  Moldavite, 
welche,  dank  des  regen  Sammeleifers  des  genannten  Herrn,  in 
grosser  Zahl  vorlagen.  Die  eigenthümliche  Oberflächensculptur,  welche, 
verbunden  mit  der  tiefschwarzen  Farbe  der  Stücke,  eine  freilich  in 
.gewissem  Sinne  blos  äusserliche  Aehnlichkeit  mit  Meteorsteinen  her- 
vorruft, war  in  den  vielen  Aufsätzen,  welche  die  Frage  der  Herkunft 
dieser  sonderbaren  Gläser  zum  Gegenstande  hatten,  nur  wenig  be- 
achtet worden.  Durch  sie  wurde  ich  auf  dem  Wege  einer  einfachen 
Ideenverbindung  auf  die  im  folgenden  dargethane  Deutung  des  Räthsels 
gebracht. 

Weitere  Literaturstudien  belehrten  mich  über  das  Vorkommen 
ähnlicher  Gläser  auf  weiten  Strecken  des  australischen  Continents 
und  auf  mehreren  Inseln  des  Sunda-Archipels.  In  seinem  hochwichtigen 
Aufsatze  über  die  „Glaskogels  van  Billiton"  hatte  D.  M.  Verbeek 
zum  erstenmale  die  kühne  Theorie  vom  ausserirdlschen  Ursprünge 
der  moldavitartigen  Gläser  in  bestimmter  P'orm  ausgesprochen ;  das 
bestärkte  meinen  Muth  zu  den  Mittheilungen  „über  die  Herkunft  der 
Moldavite  aus  dem  Welträume",  welche  ich  am  6.  November  1898 
in  der  Sitzung  der  naturwissenschaftlichen  Classe  der  kaiserlichen 
Akademie  der  Wissenschaften  und  am  6.  December  desselben  Jahres 
in  der  Sitzung  der  geologischen  Reichsanstalt  vorgebracht  habe  und 
welche  dahin  endigten,  dass  man  sich  werde  entschliessen  müssen, 
den  bisher  bekannten  Gruppen  der  Meteoriten  noch  eine  neue  Gruppe, 
die   der  „Moldavite",  anzureihen. 

Da  die  Stücke  von  den  drei  bisher  bekannten  Fundgebieten 
moldavitischer  Gläser  im  allgemeinen  durch  Merkmale  der  äusseren 
Gestalt   und  zum  Theil  auch  durch  die  chemische  Zusammensetzung 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1900,  50.  Band,  2.  Heft.  (Fr.  E.  Suess.) 


194  Dr.  Franz  E.  Siiess.  [2] 

unterscheidbar  sind,  hat  es  sich  bei  den  im  folgenden  Aufsatze  wiec  er- 
holt nöthigen  Hinweisungen  und  Vergleichen  als  zweckmässig  herrus- 
gestellt,  die  einzelnen  Vorkommnisse  mit  besonderen  Namen  zu  be- 
legen, welchen  aber  nicht  die  Bedeutung  von  Mineralspecies  zu- 
kommen soll.  Sowie  die  Moldavite  schon  seit  langem  von  ihrem 
Auftreten  im  Gebiete  des  Moldauflusses  der  Umgebung  von  Budweis 
ihren  Namen  tragen,  habe  ich  die  Vorkommnisse  des  Sunda-Archipels 
von  ihrem  Hauptfundpunkte,  der  Zinninsel  Billiton,  als  „Billitonit e" 
und  die  Vorkommnisse  des  australischen  Continents  und  der  südlich 
vorgelagerten  Inseln  als  „  A  u  s  t  r  a  1  i  t  e "  bezeichnet. 

Als  gemeinschaftlichen  Namen  für  die  ganze  Gruppe  habe  ich 
naßh  der  Eigenschaft  der  Körper,  welche  im  Gegensatze  zu  den 
übrigen  Meteoriten  gänzlich  durchgeschmolzene  Massen  sind,  die  Be- 
zeichnung „Tektite"  gewählt.  (T/,/-£tv,  schmelzen  von  Metallen  und 
anderen  harten  Massen;  t'/ix-to?,  geschmolzen). 

Es  wäre  mir  nicht  möglich  gewesen,  die  vorliegend  zusammen- 
fassenden Studien  durchzuführen,  ohne  die  reichliche  Unterstützung, 
welche  mir  von  den  verschiedensten  Seiten  zutheil  geworden  ist. 
In  erster  Linie  bin  ich  jenen  Herren  zu  grösstem  Danke  verpflichtet, 
welche  mir  das  Material  aus  ihren  Sammlungen  in  gütigster  Weise 
geliehen  haben. 

Se  Durchlaucht  Fürst  Adolf  Josef  zu  Schwarzenberg  stellte 
mir  seine  zu  tausenden  von  Stücken  zählende  Sammlung  von  Molda- 
viten  der  Budweiser  Gegend  zur  Verfügung  ;  weitaus  der  grösste  Theil 
des  mir  zu  Gebote  stehenden  Materiales  geiiörte  dieser  Sammlung  an. 

Mit  reichem  Materiale  der  Umgebung  von  Trebitsch  wurde  ich 
durch  Herrn  herrschaftlichen  Inspector  E.  Hanisch  versehen,  welcher 
mir  seine  ganze  Sammlung  in  freundlichster  Weise  überlassen  hat. 
Eine  weitere  Suite  von  sehr  bemerkenswerten,  von  ihm  selbst  ge- 
sammelten Formen  aus  Mähren,  hat  mir  Herr  Prof.  Dr.  F.  Dvorsky 
in  Brunn  zum  Zwecke  meiner  Studien  zugeschickt. 

Weitere  Moldavite,  meist  von  böhmischen  Fundorten,  konnte 
ich  durch  die  Güte  der  Herren  Professoren  J.  N.  Woldrich  und 
C.  Vrba  von  der  böhmischen  Universität  und  Herrn  Professor 
V.  Uhlig  von  der  deutschen  technischen  Hochschule  in  Prag  aus 
den  Sammlungen  der  betreffenden  Institute  entlehnen ;  durch  die 
Freundlichkeit  des  Herrn  Directors  Prof.  F.  Berwerth  standen  mir 
die  zahlreichen  Exemplare  der  mineralogischen  Sammlung  des  natur- 
wissenschaftlichen Hofmuseums  in  Wien  zu  Gebote. 

Einzelne  Stücke  erhielt  ich  noch  durch  Herrn  Professor  Dr.  G. 
A.  Koch  von  der  Hochschule  für  Bodencultur  in  Wien  und  aus  den 
privaten  Mineraliensammlungen  der  Herren  Dr.  P\  Perle p,  em.  Hof- 
und  Gerichtsadvocat,  und  Professor  K.  Kürschner  in  Wien. 

Von  besonderem  Werte  war  es  mir,  einige  Stücke  von 
den  aussereuropäischen  Vorkommnissen  zum  Vergleiche  für  meine 
Studien  heranziehen  zu  können.  Eine  Anzahl  von  Billitonkugeln  er- 
hielt ich  durch  Herrn  Professor  K.  Martin  vom  Reichsmuseum  in 
Leiden,  von  Herrn  Professor  li.  v.  Beck  aus  der  Sammlung  der 
Bergakademie  in  Freiberg  und  aus  der  Sammlung  des  Herrn  Dr. 
F.  Perle p  in  Wien. 


[3]  Die  Herktint't  clor  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  195 

Die  von  S  t  e  1  z  n  e  r  beschriebenen  australischen  Bomben  hatte 
ic-li  durch  die  Freundlichkeit  des  Herrn  Professor  II.  Beck  Gelegen- 
heit, in  Freiberg  selbst  in  Augenschein  zu  nehmen;  auf  meine  Bitte 
Hess  Herr  Professor  Beck  einige  neue  Photographien  von  der  merk- 
würdigen Hohlbombe  vom  Kangaroo  Island  herstellen. 

Einige  Stücke  vom  Kalgoorlie  Goldfelder-District,  West-Australien, 
erhielt  ich  durch  Herrn  li.  H.  Walcott  vom  Technological  Museum 
in  Melbourne  und  Herr  J.  Co  11  et  Moulden  in  Broken  Hill  über- 
sandte mir  die  Photographien  von  mehreren  Stücken  seiner  grösseren 
Sammlung  von  australischen  Bomben,  nebst  wertvollen  brieflichen 
Mittheilungen  über  das  Vorkommen  derselben. 

Ueber  das  angebliche  Vorkommen  von  Moldaviten  in  der  Auvergne 
hatte  ich  mich  bei  Herrn  Paul  Gautier  in  Clermont-Ferrand  erkundigt 
und  durch  seine  Güte  die  gewünschte  Auskunft  nebst  den  Proben  der 
kleinen  Obsidiankörner  und  der  zugehörigen  Tuffe  erhalten. 

Durch  die  Freundlichkeit  der  Herren  Custos  Szombathy  und 
Dr.  Moriz  Hoernes  war  es  mir  gestattet,  aus  der  prähistorischen 
Sammlung  des  naturhistorischen  Hofniuseums  alte  Glasperlen  und 
Obsidiausplitter  als  Vergleichsmateriale  zu  entlehnen. 

Herr  Eegierungsrath  C.  v.  J  o  h  n  hatte  auf  meine  Bitte  die 
Güte,  einige  Analysen  von  Moldaviten,  sowie  von  je  einem  Billitonit 
und  einem  iVustralit  vorzunehmen.  Herr  A.  Rosiwal  prüfte  zwei 
Moldavitstücke  auf  ihre  Härte  und  bei  mancherlei  Versuchen  im 
chemischen  Laboratorium  ist  mir  Herr  C.  F.  Eichleiter  in  freund- 
schaftlichster Weise  zur  Seite  gestanden. 

Herrn  Professor  F.  E  x  n  e  r  verdanke  ich  die  Resultate  einer 
spectralanalytischen   Untersuchung    von   Moldavit-    und    Glassplittern. 

Auch  meine  Bestrebungen,  die  Moldavitsculptur  auf  experi- 
mentellem Wege  nachzuahmen,  wurde  von  verschiedenen  Seiten  ge- 
fördert. Herr  Generalingenieur  Philipp  Hess  Hess  auf  mein  Ansuchen 
in  der  technologischen  Section  des  technischen  Militär- Comites  einige 
Versuche  über  die  Wirkung  von  Explosionen  auf  Metallkörper  vor- 
nehmen. Vieles  verdanke  ich  in  dieser  Hinsicht  dem  mir  in  gütigster 
Weise  ertheilten  Belehrungen  von  Autoritäten,  wie  Professor  E.  Mach 
und  Oberst  Albert  von  Obermayer.  Spätere  Experimente  an  Colo- 
phoniumkörpern  wurden  in  der  Cementfabrik  meines  Bruders  Ado  If 
zu  Witkowitz  in  Mähren  vorgenommen. 

Herr  Professor  E.  Abbe  in  Jena  veranlasste  einige  Versuche 
über  die  Möglichkeit,  die  Moldavite  künstlich  herzustellen,  welche 
durch  Herrn  Director  0.  Schott  im  glastechnischen  Laboratorium 
daselbst  durchgeführt  worden  sind.  Herr  Professor  J.  Walther 
hatte  die  Güte,  mir  die  Resultate  der  Experimente  mitzutheilen. 

Durch  das  liebenswürdige  P]ntgegenkommen  des  Herrn  Julius 
A.  Reich  war  mir  die  Gelegenheit  geboten,  einige  Experimente  über 
die  Schmelzbarkeit  von  Moldaviten  in  der  Glasfabrik  von  S.  R  e  i  c  h  &  Co. 
zu  Krasna  bei  Wallachisch-Meseritsch  in  Mähren  durchführen  zu  lassen. 

Auf  meinen  Excursionen  im  mährischen  Aufnahmsgebiete  war 
mir  Gelegenheit  geboten,  unter  der  Führung  der  ortskundigen  Herren 
Inspector  E.  Hanisch  und  Lehrer  F.  Zavrel  die  Fundstellen  der 
Moldavite   genau  kennen  zu  lernen.    Was  das  Budweiser  Fundgebiet 

Jahrbucli  d.  k.  k.  geol.  Ueichsanstalt,  1900,  50.  Baud,  2.  lieft   (Fr.  E.  Suess.)         26 


196  Dl'-  Franz  E.  Suess.  [4] 

betrifft,  erhielt  ich  genaue  Aufschlüsse  durch  den  Herrn  fürstl. 
Schwarzenberg'schen  überingenieur  Jul.  Brabetz  in  Kruniau  und 
auf  einer  Excursion  zu  den  Fundstellen  von  Prabsch  und  Korosek 
hatte  Herr  Hauptmann  a.  1).,  Adolf  Lindner,  Conservator  des 
städtischen  Museums  in  Budweis,  in  liebenswürdigster  Weise  die 
Führung  übernommen. 

Es  ist  mir  eine  angenehme  Pflicht,  allen  genannten  Herren  für 
die  meinen  Untersuchungen  geleistete  Unterstützung  an  dieser  Stelle 
meinen  wärmsten  und  verbindlichsten  Dank  auszusprechen. 


Literatur  ^). 

I.  Europäische  Fuiidpunkte. 

L  1787.  Josef  Mayer.  Ueber  die  böhmischen  Gallmeyarten,  die 
grüne  Erde  der  Mineralogen,  die  Chrysolithen  von  Thein  und 
die  Steinart  von  Küchel.  Abhandlungen  der  böhmischen  Gesell- 
schaft der  Wissenschaften  auf  das  Jahr  1787.  Prag  und  Dresden. 
1788.  S.  265—268  (§  III.  Chrysolithen  von  Thein). 

2.  1792.  Johann  Thaddäus  Lindaker.  Einige  Nachträge  und  Zu- 
sätze zu  den  böhmischen  Topasen  und  Chrysolithen,  in:  Sammlung 
physikalischer  Aufsätze,  besonders  die  böhmische  Naturgeschichte 
betreffend,  von  einer  Gesellschaft  böhmischer  Naturforscher; 
herausgegeben  von  Dr.  Johann  Mayer.  Dresden.  Zweiter  Band.- 
1792.  S.  272  (2.  Beitrag  zur  Geschichte  der  böhmischen  Chryso- 
lithe und  ähnlicher  so  benannter  Steinarten). 

3.  1816.  Klaproth.  Chemische  Untersuchung  des  Pseudo-Chryso- 
liths  von  Thein  an  der  Moldau.  Der  Gesellschaft  naturforschender 
Freunde  zu  Berlin  Magazin.  VII.  Jahrgang.  Berlin.  1816. 
S.  86—88. 

4.  1823.  August  Breithaupt.  Vollständige  Charakteristik  des 
Mineral-Systems.  Dresden,  in  der  Arnold'schen  Buchhandlung. 
1823.  S.  223-224. 

5.  1826.  Caspar  Graf  Sternberg.  Rede  des  Präsidenten  in  der 
öffentlichen  Sitzung  des  böhmischen  Museums  am  15.  März  1826. 
Verhandlungen  der  Gesellschaft  des  vaterländischen  Museums 
Prag.  S.  42. 

6.  1831.  F.  M  Zi])pe.  Uebersicht  der  Gebirgsformationen  in 
Böhmen.  Abhandlungen  der  l)öhniischen  Gesellschaft  der  Wissen- 
schaften. Prag.  S.  72.  (Auch  1836.  Böhmens  Edelsteine.  Aus 
den  Vorträgen  bei  der  1.  Jubelfeier  am  14,  September  1836, 
ebenda.  Neue    (4.)  Folge.  4.  Band.  S.  26  und  49.) 


^)  Bios  referirende  Aufsätze  jüngeren  Datums  in  Tagesblättein  oder  natur- 
wissenschaftlichen Zeitschiiften  wurden  in  dieses  Literaturverzeichnis  nicht  auf- 
genommen. 


["5]  nie  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Glaser.  197 

7.  1832.  O.L.  Erdmann.  Cliemische  Untersuchung  einiger  Obsidiane 
des  Sphäroliths  und  eines  ähnlichen  Minerals,  des  Pechsteines 
oder  Perlsteines.  Journal  für  technische  und  ökonomische  Chemie. 
Leipzig.  XV.  Bd.  1832.  S.  35. 

8.  1840.  F.  M.  Zippe.  Die  Mineralien  Böhmens  nach  ihren 
geognostischen  Verhältnissen  und  ihrer  Aufstellung  des  vater- 
ländischen Museums  geordnet  und  beschrieben.  Verhandlung  der 
Gesellschaft  des  vaterländischen  Museums,  Prag.  Beilage  B. 

9.  1848.  E.  F.  Glocker.  Ueber  die  ursprüngliche  Lagerstätte  des 
chrysolithartigen  Obsidians.  Poggendorfs  Annalen,  1848. 
Bd.  75.  S.  458. 

10,  1854.  K.  V.  Hauer.  Bouteillenstein  (Obsidian)  von  Moldawa  in 
Böhmen.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1854.  S.  868. 

11,  1873.  R.  Helmhacker.  Mineralogische  Beobachtungen  aus  dem 
Böhmerwalde.  T  s  c  h  e  r  m  a  k's  Mineralogische  Mittheilungen. 
Beilage  z.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1873.  S.  281. 

12«  1880.  Fr.  v.  Hauer.  Bouteillenstein  von  Trebitsch.  Verhandl. 
d.  k.  k.  geol.  R.-A.   1880.  S.  282. 

13.  1880.  A.  Wenzliczke.  Chemische  Analyse  des  Bouteillensteins 
von  Trebitsch  in  Mähren.  Verhandlungen  des  naturwissenschaft- 
lichen Vereines  Brunn.  Bd.  XIX.  Abhandlungen  S.  9. 

14.  1881.  A.  Makowsky.  Ueber  den  „Bouteillenstein"  von  Trebitsch. 
Verhandlungen  des  naturwissenschaftlichen  Vereines  Brunn. 
Bd.  XX.  Sitzungsberichte  S.  21  und  Weitere  Bemerkungen  über 
den  „Bouteillenstein"  ebenda  S.  26. 

15.  1881.  J.  Hab  ermann.  Chemische  Analyse  des  „Bouteillen- 
steines"  ebenda  S.  21  und  Weitere  Bemerkungen  über  den 
„Bouteillenstein"  ebenda  S.  26. 

16.  1882.  A.  Makowsky.  Ueber  die  Bouteillensteine  von  Mähren 
und  Böhmen.  Tschermak's  Mineralogische  Mittheilungen.  (Neue 
Folge).  Bd.  IV.  1881.  S.  43. 

17.  1882.  A.  Sehr  au  f.  Beiträge  zur  Kenntnis  des  Associationskreises 
der  Magnesiasilicate.  Zeitschrift  für  Krystallographie.  Bd.  IV. 
S.  345.  Anmerkung. 

18.  1883.  F.  Dvorsky.  Die  am  Iglavaflusse  abgesetzten  Moldavit- 
Quarzgerölle.  Ein  Beitrag  zur  Bouteillensteinfrage.  Programm 
des  Gymnasiums  in  Trebitsch.  1883.  (Referiert  Verhandl.  d. 
k.  k.  geol.  R.-A.  1883.  S.  219.) 

19.  1885.  Rutley  Frank.  On  Fulgurite  from  Mont  Blanc,  with  a  Note 
on  the  Bouteillenstein  or  Pseudochrysolite  of  Moldauthein  in 
Bohemia.  Quaterly  Journal  of  the  Geolog.  Society.  London. 
1885.  p.  152. 

20.  1886.  J.  N.  Woldf  ich.  Ueber  das  Vorkommen  einiger  Mineralien 
in  Südböhmen.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1886.  S.  455. 

21.  1888.  J.  N.  Woldrich.  Ueber  Moldavite  von  Radomilic.  Verhandl. 
d.  k.  k.  geol.  R.-A.   1888.   S.   164. 

26* 


19S  r)r.  Franz  E.  Sr.ess.  |"6] 

22.  1889.  C.  Y.  J  0  li  11.  Ueber  den  Moldavit  oder  Bouteillensteiii  von 
Radoniilic  in  Böhmen.  Jahrb.  d.  k  k.  geol.  R.-A.  1889.  Bd.  39. 
S.  473. 

23.  1892.  Bob.  Erben.  Moldavit.  Naturwissenschaftliche  Zeitschrift 
„Vesmlr".  Prag  1892.  Jahrg.  XXI.  S.  123.  (Böhmisch,  referirt 
von  J.  J.  Jahn.  Verhandl  d.  k.  k.  geol.  R.-A.   1893.  S.  85). 

24.  1893.  J.  H anamann.  0  povaze  oeskeho  vltavlnu.  (Ueber  den 
Charakter  des  böhmischen  Moldavits).  Böhmische  Zeitschrift  für 
chemische  Industrie.  Prag.  Jahrg.  III,  S.  365.  (Referirt  von 
J.  J.  Jahn.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1894.  S.  194.) 

25.  1893.  J.  N.  Woldi-ich.  PKspövek  k  seznänf  budöjovicke  pänve 
permske  a  tfetfhornl  (Beitrag  zur  Kenntnis  des  perniischen  und 
terticären  Beckens  von  Budweis).  Sitzungsbericht  der  böhmischen 
Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Prag.  IV.  (Mit  einem  deutschen 
Resume.  S.  11.) 

26.  1897.  A.  Rzehak.  Zur  Geschichte  des  Glases  in  Mähren.  Mit- 
theilungen des  mährischen  Gewerbe-Museums.  Briinn.  1897. 
Nr.  9.  S.  69. 

27.  1899.  Fr.  Dvorsky.  0  vltavüiech  moravskych.  (Ueber  die 
mährischen    Moldavite.)    Museum    Francisceum,    Annales.    Brunn. 

1898.  pag.  55. 

28.  1898.  Fr.  E.  Sues's.  Ueber  die  Herkunft  der  Moldavite  aus  dem 
Welträume.  Anzeiger  der  kaiserlichen  Akademie  der  Wissen- 
schaften. Wien.  Nr.  XXIV.  S.  2. 

29.  1898.  Fr.  E.  Suess.  Ueber  den  kosmischen  Ursprung  der  Mol- 
davite. Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1898.  S.  387. 

30.  1898.  J.  N.  Woldfich.  Pffspevek  k  otäzce  o  vltavinech.  (Ein 
Beitrag  zur  Moldavitfrage.)  Vestnlk  Ceske  Akademie  cisafe 
Frantiska  Josefa,  1898.  Jahrg.  VII.  pag.  643.  (Deutsches  llesume 
ebenda.) 

31.  1898.  A.  Rzehak.  Ueber  die  Herkunft  der  Moldavite.  Verhandl. 
d.  k.  k.  geol.  R-A.   1898.  S.  415. 

32.  1899.  J.  J.  Jahn.  0  vltavinu.  (Ueber  Moldavit.)  Casopis  pro 
prümysl  chemicky,  Prag.  IX.   1899. 

.33.  1899.  J.  J.  Jahn.  lieber  das  Vorkommen  der  Moldavite  in  den 
nordböhmischen    Pyropensanden.    Verhandl.    d.   k.  k.   geol.  R.-A. 

1899.  S.  81. 

34.  1899.  C.  V.  John.  Ueber  die  chemische  Zusammensetzung  der 
Moldavite.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.   1899.  S.   179. 

35.  1899.  A.  Rzehak.  Eine  neue  Art  Meteoriten?  „Prometheus", 
illustrirte  Wochenschrift  über  die  Fortschritte  in  Gewerbe, 
Industrie  und  Wissenschaft.  Berlin.  Jahrg.  X.  S.  369. 

30.  1899.  Jos.  Bares.  Ilornini  archaickeho  ütvaon  a  vltavin  (Gesteine 
der  archäischen  Formation  und  Moldavit).  Casopis  pro  prumysl 
chemicky.  Jahrg.  IX.  1899.  pag.  118—123.  Ferner  PoUMuik 
zwischen  Slavik  und  Bares  über  den  (Gegenstand,  ebend. 
pag.  223-225  und  2r)4— 266. 


[7]  Hio  TTerkiinft  dor  Moldavito  und  verwandter  Gläser.  199 

11.  Vorkoiinuiiisse  im  SuiHla-Ai'cliipel. 

87.  1844.  A.  Damoiir.  Sur  uiie  obsidienue  de  Tlnde  qui  a  eclate 
avec  detoiiation.  au  moment  oü  on  la  sciait.  comm.  par  Dufrenoy. 
Paris.  Conipt.  rendus  1844.  I.  Vol.  XIII.  p.  4. 

8S.  1S7U.  r.  van  Dijk.  Obsidiaau  van  Billiton.  Jaarboek  van  het 
Mijnwesen  in  Nedeiiandisli  Oostindie.  Amsterdam.  1879.  II. 
S.  225. 

89.  1880.  C.  deGroot.  Referat  über  obigen  Aufsatz.  Indische  Gids. 
1880.  S.  495—496. 

40.  1881.  K.  Martin.  Referat  über  van  Dijk.  Neues  Jalirbuch  für 
Mineralogie.   1881,  II.  S.  380. 

41.  1882.  Wichmaun.  Beiträge  zur  Geologie  Ostasiens  und  Austra- 
liens. Gesteine  von  Timor.  Sammlungen  des  geologischen  Reichs- 
museums Leiden.  Bd.  II.   1882.  S.  22  u.  23.  Anmerkung. 

42.  1893.  A.  Wichmann.  Protokoll  der  Sitzung  der  deutsehen 
geologischen  Gesellschaft,  14.  August  1893.  Zeitschrift  der 
deutschen  geologischen  Gesellschaft.  S.  518. 

48.  1897.  R.  D.  M.  Verbeek.  Over  Glaskogels  van  Billiton.  Verslagen 
van  de  vergadering  der  Wis-enNatuurkundige  Afdeeling;  Koniglijke 
Akademie  van  Wetenschapen.  Amsterdam.  V.  Deel.    1897.  S.  421. 

44.  1897.  R.  Ü.  M.  Verbeek.  Glaskogels  van  Billiton.  Jaarboek 
van  het  Mijnwesen  in  Nederlandish  Oostindie.  Amsterdam. 
XX.  Jahrg.   1897.  S.  235 

45.  1898.  P.  G.  Krause.  Obsidianbomben  aus  Niederländisch-Indien. 
Sammlungen  des  geologischen  Reichsmuseums.  Leiden.  Serie  L 
Bd.  V.  S.  237. 

111.  Australische  Vorkommnisse. 

4().  1844.  Ch.  Darwin.  Geological  observations  on  Volcanic  Islands 
etc.  London,  pag.  38.  (2d  Edition  1876)  pag.  44. 

47.  1855.  R.  W.  B.  Clark  e.  On  the  occurence  of  Obsidian 
Bombs  in  the  auriferous  alluvia  of  New-South-Wales.  Quart. 
Journ.  of  the  Geol.  Soc.  London.   Vol.  XI.  p.  403. 

48.  1857.  R.  W.  B.  Clarke.    Additional  Note   on    the   occurence  of 

Volcanic    Bombs   in  Australasia   [Abstract].    Quart.  Journ.  of  the 
Geol.  Soc.  1857.  p.   188. 

49.  1893.  V.  Streich.  Geology  (in  Scientihc  Results  of  the  Eider 
exploring  expeditiou.)  Transact.  of  the  Royal  Society  of  South 
Australia.  Adelaide.  Vol.  XVL  Part.  II.  pag.  84  u.   10(5. 

50.  1893  A.  W.  Stelzner.  Ueber  eigenthümliche  Obsidianbomben 
aus  Australien.  Zeitschrift  der  deutschen  geologischen  Gesellschaft. 
1893.  S.  299. 

51.  1895.  J.  C.  Moulden.  Petrographical  observations  upon  some 
South  Australian  rocks.  Transact.  Royal  Soc.  of  South  Australia. 
Adelaide.  Vol.  XIX.  Part.  I.  pag.  77.' 


200  I>i'-  f^ranz  E.  Siiess.  [8] 

52.  1898.  W.  H.  Twelvetrees  and  W.  F.  Petterd.  Tlie  igneous 
rocks  of  Tasiuania,  Transact.  of  the  Australasian  Institute  of 
Mining  Engineers.  Vol.  V.  1898.  pag.  10. 

53.  1898.  W.  H.  Twelvetrees  and  W.  F.  Petterd.  On  tlie 
occurence  of  Obsidian  „Buttons"  in  Tasmania.  Papers  and  Procee- 
diugs  of  the  Royal  Soc.  of  Tasmania  for  1897  (issued  April 
1898)  p.  40. 

54.  1898.  T.  Stephen  s.  Notes  on  a  Specimen  of  Basalt  Glass  (Tachylyte) 
from  near  Macquarie  Plains  Tasmania,  with  remarks  on  Obsidian 
„B^ittons".  Papers  and  Proceedings  of  the  Royal  Soc.  of  Tas- 
mania for  1897  (issued  April  1898)  p.  55. 

55.  1898.  R.  H.  Wale  Ott.  The  occurence  of  so  called  Obsidian 
Bombs  in  Australia.  Royal  Soc.  of  Victoria.  Vol.  XI,  (New 
Series).  Pt.  I.  (issued  September  1898).  pag.  23. 

Die  weiteren  Angaben  über  kleinere  gelegentliche  Mittheilungen, 
betreifend  die  Australite ,  sind  in  dem  Aufsatze  von  W^alcott 
entlialten. 


I.  Geschichtliches. 

1.  Europäisclie  Vorkomniiiisse. 

Schon  vor  mehr  als  hundert  Jahren  haben  die  sonderbaren 
Glasfindlinge  Südböhmens  die  Aufmerksamkeit  einzelner  Forscher  auf 
sich  gelenkt  und  die  Frage  nach  ihrer  Herkunft  ist  bereits  ein  recht 
altes  Räthsel,  das  aber  trotz  wiederholter  Versuche  und  trotz  vielen 
Aufwandes  von  Scharfsinn  und  Mühe  durch  lange  Zeit  eine  be- 
friedigende Lösung  nicht  erfahren  konnte. 

Die  erste  Nachricht  betrifft  die  Vorkommnisse  der  Umgebung 
von  Budweis  und  ist  in  den  Scliriften  der  böhmischen  Gesellschaft 
der  Wissenschaften  für  das  Jahr  1787  enthalten  (1).  Sie  stammt  vom 
Professor  Josef  Mayer,  der  eben  damals  sein  Lehramt  in  Prag  mit 
dem  an  der  Universität  zu  Wien  vertauscht  hatte. ^)  Er  zählte  die 
Findlinge  zu  den  Chrysolithen  und  unterschied  bei  der  Aufzählung 
der  böhmischen  Chrysolithen  zweierlei  Arten;  solche,  welche  in 
starker    Hitze    die    Farbe    verändern    und    nicht    in    Fluss    gebracht 


^)  Josef  Mayer,  geb.  zu  Prag  5.  Juni  1752,  gründete  zusammen  mit  seinem 
Bruder,  dem  berühmten  Arzte  Johann  May]er,  das  erste  Naturaliencabinet  in 
Prag,  1782  über  Kaunitz'  Befürwortung  von  Kaiser  Josef  auf  Reisen  geschickt, 
besuchte  er  die  Schweiz,  Deutschland,  Italien  und  Frankreich.  Nach  seiner  Rück- 
kehr erfolgte  die  Gründung  eines  officiellen  Naturaliencabinets  in  Prag  und 
1784  wurde  er  Adjunct  an  demselben  und  1785  erhielt  er  die  erste  Professur  für 
Naturgeschichte,  physikalische  Erdbeschreibung  und  Technologie.  1787  nach  Wien 
berufen,  konnte  er  1800  auf  seine  Bitte  nach  Prag  zurückkehren.  1812  ging  er 
abermals  auf  eigenen  Wunsch  nach  Wien  zu  den  Verwandten  seiner  Frau.  Hier 
zum  Kector  gewählt,  starb  er  als  solcher  am  14.  October  1814.  —  Von  seiner  im 
Jahre  1786  veröffentlichten  Abhandlung  über  das  Leuchten  des  adriatischen  Meeres 
(Abhandlungen  der  böhmischen  Gesellschaft  der  Wissenschaften,  1786)  hat 
P'ranklin  in  Nordamerika  eine  Uebersetzung  veranstaltet.  Um  die  Porzellan- 
fabrikation in  Böhmen  hatte  er  sich  grosse  Verdienste  erworben. 


lyi  Die  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  201 

werden  können,  und  solche,  die  vor  dem  Geblase,  ohne  die  Farbe  zu 
ändern,  ruhig  flicssen ;  diese  letzteren  werden  als  eine  ..  Schörlart" 
betrachtet  und  denselben  auch  die  „Chrysolithe  von  Thein" 
zugereclinet.  Ihr  Vorkommen  wird  in  folgender  Weise  geschildert : 

„In  der  Gegend  von  Thein,  an  der  Moldau,  oder  Moldauthein, 
findet  man  besonders  schöne  Stücke  einer  grünen  glasichten  Masse, 
die  in  der  Härte  anderen  Granaten  gleich  kömmt,  sehr  rein  und  durch- 
sichtig ist  und  besonders  eine  sehr  schöne  dunkelgrüne  Farbe  hat 
und  als  Chrysolithen  verkauft  werden.  Ich  habe  sie  von  keiner  anderen 
Gestalt,  als  ungebildet,  als  runde  Kiesel  und  Geschiebe  zu  Gesicht 
bekommen;  auch  findet  man  sie  bis  jetzt,  blos  in  dieser  Gestalt,  in 
zerstreuten  Stücken  auf  den  Feldern,  und  in  den  vom  Regen  ausge 
halten  Thälern.  Die  Grösse  der  Stücke  übertrifft  sehr  oft  ein  Taubenei, 
und  man  hat  Stücke  gefunden,  aus  welchen  man  Stockknöpfe  ge- 
schliffen hat,  die  an  Dicke  1  Zoll,  die  Länge  oder  Höhe  aber  bis  2 
Zoll  hatten."  Im  weiteren  wird  hervorgehoben,  dass  das  Muttergestein 
der  Stücke  noch  nicht  bekannt  ist,  und  es  wird  der  Vermuthuug 
Ausdruck  gegeben,  dass  diese  „vorgeblichen  Chrysolithen" 
zu  einer  glasigen  Lavaart  gestellt  werden  könnten. 

Eine  noch  genauere  Beschreibung  lieferte  im  Jahre  1792 
Johann  Thaddäus  Lindaker  in  Dr.  Johann  Mayer's  Sammlung 
physikalischer  Aufsätze  (2).  Er  lenkte  bereits  die  Aufmerksamkeit 
auf  die  Oberfläche  der  „Geschiebe",  welche  nach  seiner  Ausdrucks- 
weise rauh  und  abgerieben  ist,  und  „vom  Hin-  und  Herstossen  mit 
kleinen  halbmondförmigen  Vertiefungen  versehen,  die  von  dem 
muschlichten  Bruche  entstehen  und  kleine  ausgesprengte  Stücke  sind." 
Ferner  wurde  von  ihm  bereits  das  „geschmolzene  Aussehen",  das 
Vorhandensein  von  Blasen  im  Innern,  sowie  die  streifige  Fluidal- 
structur  der  böhmischen  Moldavite  beobachtet.  Ueber  den  zweifel- 
haften Ursprung  äussert  sich  Lindaker,  wie  folgt:  „Es  ist  wahr- 
scheinlich, wenn  es  ein  Product  der  Natur  ist,  dass  ein  ächter  Vulkan 
oder  Pseudovulkan,  den  man  auch  Erdbrand  nennet,  dessen  Geburts- 
ort sey;  doch  scheint  der  Erdbrand  keineswegs  tauglich  zu  seyn, 
eine  so  vollkommene  Schmelzung  bewirken  zu  können.  Sollte  keines 
von  beyden  seyn,  so  muss  man  sicher  unsere  Moldautheiner  Chryso- 
lithe unter  die  Kunstprodukte  legen,  und  es  wäre  vielleicht  möglich, 
dass  ein  hoher  Ofen,  der  eine  sehr  flüssige  Schlacke  gegeben 
hätte,  oder  wohl  gar  eine  Glashütte,  z.  B.  wo  man  geringes 
Bouteillenglas  verfertigte,  die  Geschiebe  liefern  möchte ;  allein  diess 
sind  nur  Muthmassungen,  und  nur  aufmerksame  Beobachtungen  und 
Untersuchungen  in  jenen  Gegenden  können  uns  ein  gehöriges  Licht 
verschaffen.  Und  es  wäre  zu  wünschen,  dass  jeder  Mineraloge,  der 
diese  Gegend  besucht ,  dieser  vielleicht  überaus  merkwürdigen  Stein- 
art einige  Zeit  zur  Nachforschung  widmen  möchte." 

Wohl  haben  seit  jener  Zeit  viele  Mineralogen  die  Gegend  be- 
sucht und  auch  diese  Frage  im  Auge  gehabt;  an  Ort  und  Stelle 
fanden  sich  aber  keinerlei  Anhaltspunkte  zur  Entscheidung  der 
Frage,  weder  zu  Gunsten  des  künstlichen,  noch  des  natürlichen 
Ursprunges. 


202  1>>-  Kianz  E.  öuess.  nyi 

Vom  Obermedicinalrathe  Klaprotli  wurde  zum  erstenmale 
(1816)  die  chemische  Analyse  als  Hilfsmittel  zur  Lösung  des  Problems 
herangezogen  (3).  Die  unvollkommenen  Methoden  jener  Zeit  lieferten 
ihm  folgende  Verhältniszahlen: 

Kieselerde 88-50 

Alaunerde 5' 75 

Kalkerde 2-00 

Eisenoxyd ■.     .     .  1-75 

So  ungenau  auch  nach  heutigen  Begriffen  diese  Resultate  sind, 
so  waren  sie  doch  für  Klaproth  hinreichend,  im  Verein  mit  den 
Schmelzversuchen,  um  zu  entscheiden,  dass  das  Mineral  „weder  zum 
Chrysolith  gehöre,  noch  dass  es  ein  künstliches  Glas 
sei."  Als  einstweilige  Bezeichnung,  „bis  nähere,  in  der  Gegend  seines 
Vorkommens  anzustellende  Forschungen  ein  Anderes  bestimmen," 
schlug  Klaproth  den  Namen   „Pseud  o-Chry  so  lith"  vor. 

In  A.  Breithaupt's  Charakteristik  des  Mineralsystems  (1828) 
findet  sich  neben  dieser  Bezeichnung  noch  der  Name  „Bouteillen- 
stein".  Nach  Breithaupt  ist  das  Mineral,  welches  „früher  als 
eine  Artefact,  für  ein  Glas  angesprochen  worden,  ausgemacht  dem 
edlen  glasigen  Obsidian  mitzuzählen."  Seitdem  findet  man 
auch  stets  den  Pseudo-Chrysolith  oder  Bouteillenstejn  in  Handbüchern 
und  Lehrbüchern  unter  den  Obsidianen  angeführt^).  Die  Furchen  auf 
den  rundlichen,  platten  oder  länglichen  Stücken  werden  von 
Breithaupt  mit  Furchen  auf  der  Holzrinde  alter  Obstbäume  ver- 
glichen und  daneben  das  Vorhandensein  zahlreicher,  flach  rundlicher 
Eindrücke  auf  der  ganzen  Oberfläche  der  Stücke  erwähnt.  —  Die 
geschliffenen  Exemplare  wurden  als  Schmuckstücke  unter  dem  Namen 
„Wasser- Chrysolith"  in  den  Handel  gebracht;  obwohl  sie  nach 
Breithaupt  durch  „das  zart  wellige  Lichtspiel  im  Lniern  der  Stücke" 
(Fluidalstructur)  und  durch  das  Vorhandensein  von  zahlreichen  kleinen 
Bläschen  vom  echten  Chrysolith  leicht  zu  unterscheiden  seien. 

In  der  öffentlichen  Sitzung  der  Gesellschaft  des  vaterländischen 
Museums  zu  Prag  am  15.  März  1826  erwähnt  der  Präsident  der 
Gesellschaft  Graf  Caspar  Sternberg  (5)  die  Moldavite  in  seiner 
Rede  bei  der  Aufzählung  der  verschiedenen,  in  Böhmen  gefundenen 
Mineralspecies.  Er  sagte:  „Smaragd  ist  zwar  in  Böhmen  vorhanden, 
aber  nicht  als  Edelstein  brauchbar;  das,  was  zuweilen  so  genannt 
wird,  ist  die  grüne  Varietät  des  Obsidians,  der  als  Geschiebe  bei 
Moldauthein  gefunden  wird,  auch  unter  dem  Namen  Wasserchrysolith 
und  Bouteillenstein  bekannt." 

Im  Jahre  1832  veröffentlichte  Linne  0.  Erdmann  eine  zweite 
Analyse  dieses  Minerals  und  bezeichnete  es  als  edlen  Obsidian 
von  Moldauthein.  Er  betont  neuerlich,  dass  die  Splitter  in  der 
Zange  nur  schwer  zu  einem  farblosen  Glase  schmelzbar  sind. 


')  z.  B.  C.  C.  V.  lyoonliard.  Handbuch  der  Oryktognosie.   Heidelberg  1826, 
Seite  416. 


[111  Die  Ilerkuiitt  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  203 

Gelegentlich  der  Jubelfeier  der  böhmischen  Gesellschaft  der 
Wissenschaften  am  14.  September  1836  hielt  Fr.  X.  Zippe  einen 
Vortrag  über  „Böhmens  Edelsteine".  Hier  findet  sich  zum  ersten- 
male  der  Name  „Moldavit";  wahrscheinlich  wurde  dieser  Name 
damals  neben  den  Namen  Wassere  hry  sollt h  und  Bouteillen- 
stein  von  den  Händlern  mit  böhmischen  Gesteinen  zuerst  in  Um- 
lauf gebracht.  Zippe  verwendet  als  wissenschaftliche  Bezeichnung 
die  Namen  Obsidian  oder  empyrodoxer  Quarz,  üie  Lager- 
stätte ist  nach  Zippe  der  Sand  und  das  aufgeschwemmte  Land, 
welches  als  Decke  auf  dem  Urgebirge  ausgebreitet  ist.  Er  macht 
neuerlich  auf  das  R  ä  t  h  s  e  1  h  a  f  t  e  des  Vorkommens  aufmerksam, 
„da  eine  vulkanische  Felsart  in  der  Nähe  nicht  vorhanden  ist".  Schon 
im  Jahre  1830  hatte  er  sehr  richtig  hervorgehoben,  dass  die  Stücke 
nicht  abgerollt  sind  (7). 

Im  Jahre  1840  gab  Zippe  in  den  Verhandlungen  der  Gesell- 
schaft des  vaterländischen  Museums  zu  Prag  eine  genauere  Beschrei- 
bung der  Stücke  (8)  wie  folgt: 

„Dieses  Mineral  findet  sich  in  platten,  oft  in  die  Länge  ge- 
zogenen, grossen  Körnern  und  knolligen  Gestalten,  denen  des  Bern- 
steines ähnlich,  mit  eigenthümlich  runzeliger  und  gefurchter  Oberfläche. 
Die  Farbe  ist  dunkel  oliven-grün,  zuweilen  ins  schwärzlich-grüne  ge- 
neigt, äusserlich  fast  matt,  innerlich  auf  dem  vollkommen  muscheligen 
Bruche  stark  glasglänzend  von  Glasgianz,  halbdurchsichtig  mit  Wellen- 
streifen durchzogen,  gleich  einem  unreinen  Glase.  Diese  interessante 
Varietät  des  empyrodoxen  Quarzes  unterscheidet  sich  durch  seine 
Farbe  und  hohen  Grade  der  Durchsichtigkeit  von  den  in  vulkanischen 
Gegenden  vorkommenden  Obsidianen,  auch  die  Gestalten  und  die  Ober- 
fläche haben  etwas  Eigenthümliches,  wiewohl  sich  ähnliche,  nur  minder 
plattgedrückte  Gestalten  in  Ungarn  und  Stücke  mit  ähnlicher  Oberfläche 
in  Mexico  finden.  Vor  dem  Löthrohre  schmilzt  diese  Varietät  schwierig 
und  ohne  Aufschäumen.  Man  kennt  das  Gestein  nicht,  aus  welchem 
die  Stücke  abstammen.  Doch  sind  es  keine  Geschiebe,  sie  finden  sich 
im  Sande  und  in  der  Dammerde  von  Moldauthein  und  Budweis." 

Das  Räthsel  der  ursprünglichen  Lagerstätte  glaubte  E.  F. 
Glocker  im  Jahre  1848  gelöst  zu  haben  (9).  Ergibt  an,  „dass  ein 
sehr  schöner  chrysolithartiger  Obsidian  von  vollkommener  Kugelform, 
nahe  6  parallele  Linien  im  Durchmesser,  mitten  in  einem  gneissartigen 
Gestein,  welches  als  loses  Stück  in  der  Dammerde  lag  (vielleicht 
von  einem  der  skandinavischen  Geschiebe  herrührend,  die  in  jener 
Gegend  zerstreut  vorkommen  i,  bei  dem  Dorfe  Jakschenau,  eine  Stunde 
vom  Dorfe  Steinau,  ungefähr  zwei  Stunden  von  Jordansmühle  in 
Niederschlesien,  von  einem  Landmann  gefunden  worden  ist.  Dieser 
Obsidian  ist  vollkommen  durchsichtig  und  glasartig,  von  einer  Mittel- 
färbe  zwischen  lauchgrün  und  pistaziengrün,  wie  der  böhmische,  an 
der  Oberfläche  rauh,  d.  h.  mit  einer  Menge  sehr  kleiner  Vertiefungen 
und  Erhöhungen  versehen,  auch  an  der  Aussenseite  nicht  trübe,  son- 
dern fast  ebenso  klar  und  glasglänzend  wie  im  Innern." 

Hieran  knüpft  Glo  cker  die  Vermuthung,  dass  der  „böhmische 
chrysolithartige  Obsidian"  auch  aus  dem  Gneissgebirge,  und  zwar  aus 
dem  Böhmerwalde,  stammen  dürfe. 

.Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1900,  50.  Band,  2.  Heft.  (Fr.  E.  Suess.)      27 


204  Dr.  Franz  E.  Suess.  ri2] 

Aus  späterer  Zeit  finden  sich  keine  Angaben  über  ein  Vor- 
kommen von  Moklaviten  in  Schlesien,  und  schon  aus  allgemeinen 
Gründen  ist  das  Auftreten  solcher  reiner  Glilser.  wie  die  Moldavite, 
als  Einschlüsse  im  Gneisse  eine  Unmöglichkeit.  Vielleicht  war 
Glocker  ein  Geschiebe  einer  dichten  und  hellgrünen  Nephritvarietät 
zu  Händen  gekommen,  welches  von  den  Nephritvorkonimnissen  des 
Zobtenberges  bei  Jordansmühle  stammt.  Diese  Nephritvorkommnisse 
mussten  G 1  o  ck  e  r  völlig  unbekannt  gewesen  sein,  da  sie  nach  Traube  ') 
erst  in  den  achtziger  Jahren  durch  tiefgehende  Steinbrüche  bloßgelegt 
worden  sind  und  in  älteren  Schriften  auch  nirgends  Geschiebe  von 
Nephrit  erwähnt  werden,  während  Glocker  den  Moldavit  wohl  von 
seinen  Reisen  in  Böhmen  und  Mähren  gekannt  haben  dürfte.  Die 
Nephrite  finden  sich  meist  an  den  Grenzen  von  Serpentin  und  Granulit 
und  in  Verbindung  mit  beiden  als  Einschlüsse;  so  dürfte  das  „gneiss- 
artige Gestein,"  welches  den  chrysolitartigen  Obsidian  umschloss, 
vielleicht  Granulit  gewesen  sein. 

Ferner  erwähnt  Glocker.  dass  er  von  einem  grünen,  glas- 
artigen Minerale  gehört  habe,  welches  in  der  Gegend  von  Iglau  in 
Mähren,  ganz  in  der  Nähe  der  böhmischen  Grenze,  gleichfalls  im 
Gneiss  eingeschlossen,  gefunden  worden  sei.  Dasselbe  war  ihm  jedoch 
nicht  zu  Gesicht  gekommen  und  nur  aus  der  Analogie  mit  dem 
schlesischen  Vorkommen  schloss  er,  dass  es  ebenfalls  für  Obsidian 
zu  halten  sei.  Die  unsicheren  Angaben  über  die  Fundstelle  und  über 
die  Art  und  Weise  des  Vorkommens  lassen  es  sehr  zweifelhaft  er- 
scheinen, ob  man  diese  Bemerkung  auf  die  Moldavite  aus  der  Gegend 
von  Trebitsch  beziehen  und  als  älteste  Andeutung  über  das  Vor- 
kommen der  Moldavite  in  Mähren  betrachten  kann  2). 

Im  Jahre  1853  war  Czjzek  mit  der  geologischen  Aufnahme  des 
südlichen  Böhmen  betraut;  durch  ihn  gelangten  einige  „Bouteillen- 
steine"  von  Fundpunkten  aus  den  Gegenden  südlich  von  Bud- 
w eis  in  die  Sammlungen  der  geologischen  Reichsanstalt.  K.v.  Hauer 
veröffentlichte  im  Jahre  1854  eine  Analyse  dieser  Stücke,  und  erwähnt 
bei  einer  kurzen  Besprechung  der  physikalischen  Eigenschaften,  dass 
an  den  Stücken  keine  Spur  von  Verwitterung  zu  bemerken  war  (10). 

Während  so  seit  dem  Anfange  des  neunzehnten  Jahrhunderts 
von  Zeit  zu  Zeit,  meistens  veranlasst  durch  gelegentliche  äussere 
Umstände,  kürzere  Notizen  und  Bemerkungen  über  den  sogenannten 
Bouteillenstein  in  die  Oeff'entlichkeit  gelangten,  trat  nun  ein  Stillstand 
ein  und  durch  einen  Zeitraum  von  neunzehn  Jahren  findet  sich,  ab- 
gesehen von  einer  kurzen  Bemerkung  in  Zirkel's  Petrographie  1866, 
welche  im  wesentlichen  nur  die  Angaben  Glocker's  wiederholt, 
keine  Angabe  in  der  Literatur  vor.  —  Die  Herkunft  des  obsidian- 
artigen  Glases  blieb  völlig  räthselhaft.  Der  Mangel  irgend 
welcher  junger  P>ruptivgebilde  in  der  engeren  und  weiteren  Um- 
gebung   der    Moldavitfundstätten     befestigte     manchen    Forscher    in 


')  H.  Traube.  Ueber  Nephritvorkommnisse  von  .lordansniiihl  in  Schlesien. 
Neues  Jahrbucb  für  Mineralogie  etc.  Beilage-Band  III,  Heft  2,  1884,  ö.  425. 

'■*)  Fr.  V.  Haner  vermuthet,  dass  sich  die  Angaben  auf  einen  grünen  Chalcedon 
aus  der  Gegend  von  Bory  bei  Gr.-Meseritsch  bezieht.  Verhandl.  der  k.  k.  geol.  R.  A. 
1880,  S.  283. 


[13]  Die  Herkunft,  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  205 

der  Vermuthuiig,  dass  man  es  mit  Kiinstproducten  zu  thun  habe. 
Zippe  soll,  wie  man  mir  berichtet,  gesprächsweise  die  Möglichkeit 
eingeräumt  haben,  dass  die  Moldavite  irgendwelche  Schlacken  alter 
Oefen  sind.  Eine  Bemerkung  Helmhacker's  aus  seinem  Aufsatze 
vom  Jahre  1873  (11)  lässt  schliessen,  dass  damals  die  Meinung  vom 
künstlichen  Ursprünge  der  Moldavite  unter  den  Forschern  ziemlich 
verbreitet  war.  obwohl  es  bis  dahin  niemand  gewagt  hatte,  denselben 
mit  Bestimmtheit  zu  behaupten.  Helm  hack  er  glaubte,  auf  seinen 
Excursionen  im  Böhmerwald  im  Jahre  1873  die  ursprüngliche  Lager- 
stätte der  Moldavite  gefunden  und  die  Ansicht  vom  künstlichen  Ur- 
sprünge der  Moldavite  endgiltig  aus  der  Welt  geschafft  zu  haben.  Nach 
seiner  Angabe  sollten  sich  Moldavite  als  Einschlüsse  im  Serpentin 
in  den  Schluchten  beim  Markte  Krems  (Kfem^)  südwestlich  von  Bud- 
weis  vorfinden,  in  Gesellschaft  der  gewöhnlichen  Umwandlungs- 
producte  des  Serpentins,  wie  Biotit,  Talk,  Steatit,  Chalcedon,  Magnesit, 
Opal  etc.  Indess  schon  die  Vorstellung  von  Obsidian  als  Einschluss 
im  Serpentin  muss  ein  Kopfschütteln  aller  Petrographen  hervor- 
rufen ;  und  sie  muss  allen  Wert  verlieren,  sobald  man  beobachtet, 
dass  die  Beschreibung,  welche  Helm  hack  er  von  den  nussgrossen, 
im  zersetzten  Serpentin  eingewachsenen  Körnern  gibt,  durchaus 
nicht  auf  die  Moldavite  passt.  Der  „schwarze  Obsidian"  ist 
nach  der  Beschreibung  Helm  h  a  c  k  e  r's  gänzlich  zerklüftet  und  die 
feinen  Spalten  und  Klüfte  mit  eingedrungenem  weissen  Magnesit  er- 
füllt. Ferner  ist  das  Mineral  in  geringerem  Grade  graugrün  durch- 
scheinend als  der  Moldavit.  Vor  dem  Löthrohre  schmilzt  es  unter 
starkem  Aufschäumen  und  bedeutender  Volumvergrösserung  zu  einer 
grauen,  bimsteinähnlichen,  blasigen  Masse,  während  es  zu  den  charak- 
teristischen Eigenschaften  des  Moldavites  gehört,  dass  er  schwer  und 
ruhig  zu  einem  klaren,  grünen  Glase  schmilzt.  Es  ist  somit  sehr 
wahrscheinlich,  dass  H  e  1  m  h  a  c  k  e  r  ein  dunkelgrün  gefärbtes  Hydro- 
silicat  aus  der  Gruppe  der  Opale  vor  sich  gehabt  hat,  wie  sie  so 
häufig  in  der  mannigfachsten  Ausbildung  als  Begleiter  der  Serpentine 
des  böhmischen  Massivs  auftreten.  In  den  Jahren  1878 — 1!^80  hat 
A.  Sehr  auf  (17)  die  Zersetzungsproducte  des  Serpentins  in  denselben 
Schluchten  einer  sehr  genauen  Untersuchung  unterzogen,  hat  aber 
daselbst  ebensowenig  wie  C  ame  rlan  der^)  im  Jahre  1887  die  an- 
geblich im  Serpentin  eingeschlossenen  Moldavite  aufzufinden  vermocht. 
So  hatte  auch  der  angebliche  Moldavitfund  Helmhacker's 
keine  weitereu  Folgen  für  die  Deutung  der  Herkunft  der  Moldavite. 
Erst  nach  weiteren  fünf  Jahren  beginnt  eine  neue  Epoche  in  der 
Literatur  über  die  Moldavite,  mit  der  Auffindung  derselben  in  der 
Umgebung  von  Trebitsch  in  Mähren.  Wir  verdanken  sie  dem 
Herrn  Dr.  Franz  Dvorsky,  damals  Gymnasialprofessor  in  Trebitsch. 
Ein  Spaziergang  am  Dienstage  der  Pfingstwoche  1878  führte  ihn  auf 
die  kleine  Plateauhöhe  beim  Dorfe  Kozichovitz.  Die  Höhe  ist 
bedeckt  mit  Quarzschotter;  und  im  Suchen  nach  den  verschiedenen 
Mineralien   des  Gerölles,    fand  Herr  Professor  Dvorsky  ein  grünes, 


^)  C.  V.  C  am  er  lau  der.     Zur  Geologie  des  Granulitgebirges  von  Prachatitz 
am  Ostrande  des  Böhmerwaldes.    Jahrb.  der  k.  k.  geol.  R.-A.  Bd.  37,  1887,  S.  117. 

27* 


206  I^r.  Franz,  E.  Siiess.  [14] 

glasartiges  Mineral,  welches  ihm,  da  er  die  böhmischen  Moldavite 
nicht  kannte,  auffallend  erschien,  und  das  er  nebst  weiteren  Stücken 
zur  Untersuchung  au  die  geologische  Reichsanstalt  in  Wien  übersandte. 
In  der  Sitzung  dieser  Anstalt  vom  16.  November  1880  hielt  Herr  Hofrath 
F.  V,  Hauer  einen  Vortrag  „über  den  Bouteillenstein  von  Trebitsch," 
in  dem  er  die  Identität  der  mährischen  und  böhmischen  Vorkommnisse 
nachwies  (12).  Eine  Analyse  von  C.  v.  John  liess  die  nahe  chemische 
Verwandtschaft  der  böhmischen  und  mährischen  Stücke  erkennen. 

Zur  gleichen  Zeit  veranlassten  einige  Stücke,  welche  von  Herrn 
Lehrer  F.  Zavrel  in  Trebitsch  an  den  naturwissenschaftlichen 
Verein  in  Brunn  geschickt  wurden,  Herrn  Professor  A.  Makowsky 
zu  eingehenderen  Studien  über  den  Gegenstand,  deren  Resultate  in 
den  Sitzungen  des  naturwissenschaftlichen  Vereines  zu  Brunn  (1880) 
vorgebracht  und  später  in  einem  grösseren  Aufsatze  „über  die 
Bouteillensteine  von  Mähren  und  Böhmen"  veröffentlicht  worden  sind 
(14  und  16).  Es  ist  die  erste  Publication,  in  welcher  in  eingehenderer 
Weise  die  Gründe  angeführt  werden,  welche  für  einen  künstlichen 
Ursprung  der  Moldavite  sprechen.  Es  wird  das  grösste  Gewicht  ge- 
legt auf  die  zahlreichen  Punkte,  in  denen  sich  die  Moldavite  von 
den  gewöhnlichen  Obsidianen  unterscheiden,  wie:  „die  bouteillen- 
grüne  Farbe,  die  Abwesenheit  aller  mikroskopischen  Krystalleinschlüsse, 
das  Vorhandensein  vieler  einzelner  grösserer  und  kleinerer  Luftblasen, 
das  ruhige,  wenn  auch  schwierige  Schmelzen  in  der  Löthrohrflamme 
zu  einem  klaren  Glase,  das  Irisiren  der  Oberfläche  nach  anhaltendem 
Glühen,  und  ferner,  was  wohl  als  entscheidend  angesehen  werden 
musste,  das  Vorkommen  in  Gegenden,  die  völlig  frei  sind  von  vul- 
canischen  Erscheinungen  und  Formationen."  So  wurden  denn  sowoiil 
die  mährischen,  als  auch  die  böhmischen  Moldavite  als  Ueberreste 
einer  ehemaligen  Glasindustrie  betrachtet,  u.  zw.  wurden  sie  speciell 
mit  jenen  „Glasthränen"  verglichen,  welche  sich  als  Zufallsproducte  in 
Form  grüner,  thonerdereicher  und  schwer  schmelzbarer  Tropfen  so- 
wohl au  den  Glashöfen,  als  auch  besonders  an  den  Decken  und 
Innenwänden  der  Glasöfen  selbst  bilden  und  in  eigens  zu  diesem 
Zwecke  angebrachten  Rinnen  abfliessen.  Dieser  Anschauung  neigte 
sich  in  einer  anhangsweisen  Bemerkung  zu  dem  Aufsatze  von 
Makowsky  auch  Herr  Hofrath  G.  Tschermak  zu;  es  ist  nach 
seinen  Auseinandersetzungen  unzweifelhaft,  dass  man  es  mit  keine  m 
Obsidian  zu  thun  hat,  und  da  die  bisherigen  Angaben  von  dem 
Auftreten  der  Moldavite  in  einem  Muttergesteine  kaum  einer  Dis- 
cussion  wert  erscheinen  konnten,  blieb  nach  dem  damaligen  Stande 
der  Kenntnisse  kein  anderer  Ausweg  übrig,  als  der  von  Makowsky 
vorgeschlagene.  Diesem  räumt  demnach  auch  Tschermak  die 
grösste  Wahrscheinlichkeit  ein,  obwohl,  wie  betont  wird,  die  Trebitscher 
Funde  k  e i n  e r  d  e  r  g e  w ö  h n  1  i  c h  in  d e  r  T  e  c h n i  k  verwendeten 
G  lassorten  entsprechen. 

Aber  dieser  Erklärungsversuch  sollte  abermals  die  Frage  nicht 
zum  Abschluss  führen;  von  zwei  verschiedenen  Standpunkten  wurden 
Einwendungen  dagegen  erhoben.  Zunächst  waren  es  ebenso,  wie  90  Jahre 
vorher,  die  Chemiker,  die  eine  Auffassung  der  Moldavite  als  künst- 
liche Gläser   nicht  dulden    wollten.    Professor  J.  Habermaun  (15) 


ri5]  r)ie  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  207 

und  A.  Weiizliczke  (13)  in  Brunn  (1880)  erklärten  wiederliolt  „mit 
Bestimmtheit",  dass  die  von  Herrn  Zavfel  aus  Trebitsch  ein- 
gesendeten Stücke  ein  künstliches  Glas  nicht  sein  können. 
Ein  Blick  auf  die  Analyse  lehre,  dass  der  hohe  Percentsatz  von 
Kieselsaure,  Thonerde,  Eisenoxyd  einerseits,  gegen  den  der  Alkalien 
anderseits  nie  bei  künstlichen  Gläsern  vorkomme.  Die  Versuche  von 
Professor  Habermann  ergaben  eine  ausserordentlich  schwere 
Schmelzbarkeit  der  Splitter  im  Platintiegel,  der  in  einem  Lampenofen, 
mittels  der  Wasserstraiilgebliiseflamme  erhitzt  wurde.  Die  Versuche 
bestätigten  die  aus  der  Analyse  gezogenen  Schlüsse  und  es  kann  nach 
der  Aeusserung  der  beiden  genannten  Autoren  über  den  natürlichen 
Ursprung  dieses  Glases  kein  Zweifel  bestehen. 

Den  zweiten  Standpunkt  vertrat  Professor  Fr.  Dvorsky  in 
seinem  Aufsatze  über  „die  am  Iglawa-Flusse  abgesetzten  Moldavit- 
Quarzgerölle*  (18).  Zugunsten  des  natürlichen  Ursprunges  machte 
er  hauptsächlich  die  Verhältnisse  der  Fundpunkte  geltend.  Niemals 
findet  man  in  der  Nähe  der  Moldavite  die  sonstigen  bekannten  bunten 
und  farbigen  Schlacken  der  alten  Glasöfen  und  anderseits  sind  in 
der  Umgebung  alter  Glashütten,  z.  B.  bei  Oppatau  und  Haida  die 
Moldavite  vollkommen  unbekannt.  Besonders  bemerkenswert  ist  jedoch, 
dass  sich  die  Moldavite  an  verschiedenen  Fundpunkten  stets  nur  in 
einem  2  —  5  m  mächtigem  Quarzgerölle,  auf  dem  hügeligen  Plateau  in 
Höhen  von  50—100  m  über  der  heutigen  Thalsohle  des  Flussbettes, 
niemals  aber  in  der  Tiialsohle  selbst  vorfinden.  Die  Zusammengehörigkeit 
der  Schotter  und  der  Moldavite  kann  keinem  Zweifel  unterliegen. 
Der  Schotter  gehört  einem  verloren  gegangenen  Flussysteme  an  und 
stammt  ohne  Zweifel  aus  Zeiten,  in  denen  von  einer  Glasindustrie 
nicht  die  Rede  sein  kann. 

Denselben  Grund  zugunsten  des  natürlichen  Ursprunges  der 
Moldavite  machte  Professor  J.  N.  W  ol  d  rieh  für  die  neu  entdeckten 
reichlichen  Vorkommnisse  von  Radomilitz  bei  Budweis  geltend  [1880 
und  1888].  (20  und  21).  Er  fand  daselbst  drei  Moldavite  unter  einer 
50  cm  mächtigen  Decke  von  lehmiger  und  humöser  Ackererde  in 
einer  50  cm  mächtigen  Bank  von  braungelbem,  stellenweise  con- 
glomeratartig  verfestigtem  Gerolle.  Das  Liegende  der  Bank  besteht  aus 
tertiärem  Sande  (der  oberen  Braunkohlenformation)  und  Woldrich 
schreibt  dieser  Bank  selbst  ein  diluviales  oder  tertiäres  Alter  zu. 

Einige  der  neuen  Stücke  von  Radomilitz  hat  C.  v.  John  (22) 
analysirt  und  hervorgehoben,  dass  sie  in  den  chemischen  und  physi- 
kalischen Eigenschaften  nicht  in  höherem  Grade  schwanken,  als  das 
gewöhnlich  bei  Mineralien  der  Fall  ist,  dass  sie  aber  den  Obsidianen 
gewiss  nicht  zugezählt  werden  können.  Gelegentlich  einer  längeren 
Besprechung  bemerkt  dann  C.  v.  John,  „dass  ein  bestimmtes  Urtheil 
über  die  Frage  der  Provenienz  dieses  speciellen  Vorkommens,  sowie 
auch  über  die  der  anderen  Moldavite  noch  nicht  gefällt  werden  kann." 

Der  Vollständigkeit  halber  sei  hier  eine  Arbeit  von  Frank 
Rutley  über  Fulgurite  vom  Mont  B'anc  erwähnt,  in  welcher  auch 
der  „Bouteillenstein  oder  Pseudochrysolith"  von  Moldauthein  zum 
Vergleiche  mit  den  dünnen,  durch  Blitzwirkung  entstandenen  Glas- 
häutchen   herbeigezogen    wird  (19).    Die  Fulgurite  stellen,    wie  nicht 


208  r)r.  Franz  E.  Suess.  [16] 

anders  zu  erwarten  ist,  ebenso  wie  der  Moldavit  ein  grünes,  wasser- 
freies Glas  dar,  welches  infolge  der  raschen  Erkaltung  frei  von 
Mikrolithen  ist.  Für  die  Frage  der  Herkunft  der  Moldavite  liefert 
der  Vergleich  natürlich  keinen  Anhaltspunkt;  es  zeigt  aber  der  Auf- 
satz, dass  die  Moldavite  nach  und  nach  auch  in  verschiedene  Samm- 
lungen gelangt  und  in  weiteren  Kreisen  bekannt  geworden  sind. 

Zur  Zeit  der  landwirtschaftlichen  Jubiläums-Ausstellung  im 
Jahre  1890  in  Prag  waren  die  Moldavite  als  Schmucksteine  sehr 
beliebt  und  sind  in  grösserer  Menge  verschilften  und  in  Handel 
gebracht  worden.  Dieser  Umstand  mociite  die  Veranlassung  zu  dem 
von  Boh.  Erben  (23)  in  der  naturwissenschaftlichen  Zeitschrift 
„Vesmir"  in  böhmischer  Sprache  1892  veröö'entlichten  Aufsatze  über 
„Moldavit"  gewesen  sein.  Es  werden  die  verschiedenen  Theorien 
über  den  Moldavit  im  allgemeinen  besprochen,  ohne  dass  sich  der 
Verfasser  entschieden  für  eine  der  Meinungen  ausspricht.  Ein  weiterer 
Aufsatz  in  böhmischer  Sprache  „Ueber  den  Charakter  des  böhmischen 
Moldavits"  von  J.  Ha  na  mann  erschien  1893  in  der  böhmischen 
Zeitschrift  für  chemische  Industrie  (24) ;  derselbe  enthält  eine  neue 
Analyse  und  die  genauere  Beschreibung  der  Fundorte  itn  südlichen 
llande  der  ßudweiser  Niederung;  sie  finden  sich  in  Schottern,  welche 
nach  des  Autors  Ansicht  diluvialen  Alters  sind.  Der  Verfasser  hält 
die  Moldavite  für  zum  Obsidian  gehörige  Pseudochrysolithe  und  ver- 
muthet,  dass  sie  den  Gneissen  des  oberen  Moldauthales  entstammen. 

Die  Ansicht  vom  künstlichen  Ursprünge  der  Moldavite  wurde 
neuerdings  im  Jahre  1897  von  Professor  A.  Rzehak  in  einem  Auf- 
satze „Zur  Geschichte  des  Glases  in  Mähren"  vertreten  (26).  Die 
Schwerschmelzbarkeit  der  Moldavite  könne  nicht  zugunsten  der 
Mineralnatur  des  „Bouteillensteines"^  angeführt  werden,  da  auch 
manche  unzweifelhafte,  alterthümliche  Glasartefacte  ebenso  schwer 
zum  Schmelzen  gebracht  werden  können.  Die  Schmelzpunkte  mancher 
Glassorten  sollen  nach  Rzehak  im  Laufe  der  Zeit  wesentliche  Ver- 
änderungen erfahren.  Was  die  Lagerungsverhältnisse  auf  den  Schottern 
des  Plateaus  betrifft,  wird  bemerkt,  dass  das  ganze  südböhmische 
und  westmährische  Massiv  der  Sitz  einer  uralten  Glasindustrie  ge- 
wesen sei  und  dass  man  auf  diesem  Plateaugebiete  allenthalben  neben 
Gesteinsgerölle  auch  abgerollte  Stücke  von  Glasflüssen  und  Schlacken 
finden  könne. 

Im  selben  Jahre  wiederholte  Professor  F.  D  v  o  r  s  k  y  seine  im 
Jahre  1883  bereits  geäusserten  Gründe  für  den  natürlichen  Ursprung 
der  Moldavite  in  einem  Aufsatze  der  Zeitschrift  des  Brünner  Museums 
in  böhmischer  Sprache  und  fügte  mehrere  bemerkenswerte  Ergänzungen 
und  eine  Tafel,  welche  die  ersten  veröftentlichten  Abbildungen  von 
Moldaviten  enthält,  hinzu  (27). 

Im  Sommer  des  Jahres  1898  führten  mich  die  geologischen 
Aufnahmsarheiten,  die  ich  in  den  vorhergehenden  Jahren  in  der 
Gegend  von  Gross-Meseritsch  und  Namiest  südwärts  fortschreitend 
vorgenommen  hatte,  in  die  Gegend  von  Trebitsch  und  somit  in 
das  Gebiet  der  Moldavitfundstätten.  Dort  gewann  ich,  wie  bereits  oben 
gesagt  wurde,  bei  dem  Besuch  der  reichen  Sammlung  des  herrschaft- 
lichen  Inspectors  Herrn  E.  Hanisch   die  Anregung,    mich   mit   den 


[17]  Die  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  209 

Moldaviten  zu  beschäftige»,  deren  sonderbare,  bisher  wenig  beachtete 
Oberfiäcliensciilptiir  meine  Aufmerksamkeit  besonders  auf  sich  zog.  Hei 
einigen  Stücken  wurde  icli  zunäclist  au  die  Gruben  und  (irübchenreihen 
erinnert,  welche  Daubree  erhielt  bei  den  Versuchen,  die  Ober- 
fiachenbeschaifenheit  der  Meteoriten  nachzuahmen.  Sie  führten  mich. 
da  ja  alle  sonstigen  Erklärungsversuche  versagen,  auf  den  Gedanken 
eines  kosmischen  Ursprunges  der  Moldavite,  der  dann,  als  ich  bei 
Verfolgung  der  Literatur  die  später  zu  besprechenden  Arbeiten  von 
Stelzner  und  Verbeek,  über  die  aussereuropäischen  ähnlichen 
Gläser  kennen  lernte,  zur  Ueberzeugung  erhärtete.  Am  17.  November 
1898  trug  ich  in  der  Sitzung  der  Akademie  der  Wissenschaften  einen 
Bericht  vor.  der  in  Kürze  die  Gründe  zusammenfasste,  aus  welchen 
auf  einen  ausserirdischen  Ursprung  dieser  Körper  gefolgert  werden 
muss,  wobei  das  Hauptgewicht  auf  deren  Oberflächensculptur  gelegt 
wurde  und  der  dahin  endigte,  dass  man  sich  werde  entschliessen  müssen, 
„den  bisher  bekannten  Gruppen  derAerolithen  eine 
neue  Gruppe  —  d  ie  der  „Mo  Idavite"  —  anzureihen"  (28). 
In  einem  zweiten  ^'ortrage  in  der  Sitzung  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  am  6.  December  1898  wiederholte  ich  dieselben  An- 
schauungen in  erweiterter  Begründung  (29);  inzwischen  war  mir  der 
Aufsatz  von  P.  G.  Krause  über  die  „Obsidianbomben  aus  Nieder- 
ländisch-Indien"  bekannt  geworden,  welche  die  Furchen  auf  der 
Oberfläche  der  Billitonkugeln  in  einem  ähnlichen  Sinne  zu  erklären 
bestrebt  ist.  Am  9.  December  1898  referirte  Professor  J.  N.  W  o  1  d  fi  c  h 
über  den  Inhalt  meiner  Vorträge  in  einem  im  allgemeinen  zustimmen- 
den Sinne  in  der  Sitzung  der  böhmischen  Gesellschaft  der  Wissen- 
schaften und  brachte  einige  weitere  Abbildungen  zur  Veröffent- 
lichung (30\  Ebenso  schloss  sich  Herr  Dr.  J.  J.  Jahn  in  einem  in 
böhmischer  Sprache  abgefassten  x\ufsatze  meiner  Meinung  an  (32). 

Dagegen  brachte  Herr  Professor  A.  Rzehak  in  der  Schluss- 
nummer der  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  1898 
einige  Punkte  vor,  welche  gegen  den  kosmischen  Ursprung  der  Mol- 
davite sprechen  sollen,  jedoch  ohne  von  vorneherein  die  Richtigkeit 
dieser  Ansicht  bestreiten  zu  wollen  (31).  Er  betont  zunächst  die  Ver- 
schiedenheit der  Moldavite  von  den  gewöhnlichen  Gläsern  und  meint, 
dass,  wenn  wirklich  glasige  Erstarrungsrinden  zerstörter,  im  Innern 
metallischer  Weltkörper  vorkämen,  die  Moldavit-Aerolithen  schon 
viel  häufiger  niedergefallen  sein  müssten.  Die  Identität  der  europäischen 
Vorkommnisse  und  der  Obsidianbomben  Australiens  wird  mit  Be- 
rufung auf  Stelzner  bestritten.  Nach  einer  kurzen  Kritik  des  Ver- 
suches von  F.  Rutley,  die  Moldavite  mit  den  Fulguriten  zu  ver- 
gleichen, bespricht  Rzehak  die  Fundgebiete,  und  hier  scheint  ihm 
die  sonderbare  Theilung  in  zwei  wohlgetrennte  Gebiete,  das  böhmische 
und  das  mährische,  nicht  im  Einklänge  zu  stehen,  mit  Ausnahme  eines 
Meteoritenfalles ;  man  müsste  denn  zwei  getrennte  Schwärme  an- 
nehmen, welche  zu  verschiedenen  Zeiten  gefallen  wären.  Noch 
schwieriger  w^äre  die  Frage,  wenn  sich  das  Vorkommen  der  Moldavite 
in  den  nordböhmischen  Pyropensanden  bestätigt  und  man  gezwungen 
wäre,  noch  ein  drittes  Fallgebiet  anzunehmen.  Kunstproducte  sollen 
sich   in   der  Umgebung   von  Brüuu    auch   manchmal   im  Schotter   bis 


210  I>J'-  Franz  E.  Suess.  [lg] 

ZU  2  iK  Tiefe  finden;  in  der  Gegend  von  Skrej,  d.  i.  im  Gebiete 
der  nKihrischen  Moldavite.  fand  man  ohne  Zweifel  aucli  ki'instliclie 
Glaskugeln  und  auf  manchen  alten  Glasobjecten  lasse  sich  eine  Über- 
Hächensculptur  beobachten,  „welche  sich  von  der  der  Moldavite 
blos  graduell  unterscheidet".  Hiefür  werden  Beispiele  angeführt, 
und  so  sei  es  denn,  nach  Professor  Rzehak,  „immerhin  denkbar, 
dass  die  Moldavite  Abfälle  oder  Nebenproducte  einer  uralten  Glas- 
industrie sind,  die  in  dem  durch  das  massenhafte  Vorkommen  von 
weissem  Quarz  ausgezeichneten  Gebiete  von  Trebitsch  einmal  be- 
standen hat".  Mit  Anführung  derselben  Gründe  bezweifelte  Professor 
A.  Rzehak  in  einem  Aufsatze  der  Zeitschrift  „Prometheus"  (oö) 
den  kosmischen  Ursprung  der  Moldavite. 

Anfang  1899  führte  Herr  Dr.  J.  Jahn  in  den  Verhandlungen 
der  geologischen  Reichsanstalt  einige  Daten  an,  betreffend  das  Vor- 
kommen der  Moldavite  in  den  altdiluvialen  nordböhmischen  Pyropen- 
sanden  (33)  und  schloss  an  seine  Ausführung  ein  Referat  über  die  von 
Herrn  Bares  im  Chamottefeurer  angestellten  Versuche,  betreffend 
die  Schmelzbarkeit  der  Moldavite.  Es  gelang  Herrn  Bares,  die 
Moldavite  erst  bei  1400°  C.  zu  einem  grünen  Glase  zu  schmelzen  (36). 

Von  grossem  Interesse  war  die  Vornahme  einiger  neuer  Analysen 
zu  Anfang  desselben  Jahres  durch  Herrn  C.  v.  John  (34).  Es  zeigte 
sich,  dass  nur  die  Angaben  der  älteren  Analysen  schwanken,  während 
nach  den  vorgeschrittenen  Untersuchungsmethoden  der  neueren  Zeit 
sich  eine  vollkommen  befriedigende  Uebereinstimmung  der  chemischen 
Beschaffenheit,  besonders  was  die  wichtigen  Alkalienverhältnisse  be- 
triff't,   zwischen   den   böhmischen   und   mährischen  Moldaviten   ergibt. 

2.  Vorkommnisse  im   Siiiida-Archipel. 

Im  Jahre  1844  legte  Dufrenoy  in  einer  Sitzung  der  Pariser 
Akademie  eine  kleine  Abhandlung  von  A.  Damour  vor,  weiche  einen 
Obsidian  aus  Indien  beschrieb,  der  im  Momente  des  Zerschneidens  unter 
Detonation  zersprang  (37).  Das  Stück  war  von  einem  Mineralienhändler 
erstanden  worden  und  der  nähere  Fundort  unbekannt.  Nach  der 
Beschreibung  und  nach  der  Analyse  hat  man  es  aber  wahrscheinlich 
mit  einer  der  sonderbaren  „Glaskugeln"  oder  der  Bi  lli  to  nite,  wie 
sie-  hier  genannt  werden  sollen,  zu  thun,  welche  sich  an  mehreren 
Punkten  in  Niederländisch-Indien  vorfinden. 

Die  erste  Beschreibung  und  Abbildung  solcher  Körper  gab 
P.  van  Dijk  erst  im  Jahre  1879  in  einem  Aufsatze  „Obsidiaan  van 
Billiton"  (38).  Sie  sind  in  den  alten  Schottern  zahlreicher  Zinngruben 
mehrerer  Districte  über  ein  grosses  Gebiet  verbreitet,  wenn  auch  örtlich 
nicht  häufig.  Von  den  chinesischen  Arbeitern  für  schwarze  Diamanten 
gehalten,  waren  sie  eifrig  gesammelt  und  von  dem  Mineningenieur 
C.  de  Groot  zuerst  als  Obsidian  erkannt  worden.  Eine  Beschreibung 
der  Stücke  durch  Dr.  Cretier,  welche  van  Dijk  citirt,  lautet 
folgendermassen  : 

,,p]s  sind  kugelrunde  oder  ellipsoidische  Stücke  von  der  Grösse 
einer  Haselnuss  oder  einer  Wallnuss,  an  der  Oberfläche  unregel- 
mässig  gegrubt;    die  Felder  zwischen  den  Gruben  sind  glasglänzend. 


[19]  r)ifi  ITerkunft  der  Mcildavite  und  verwandter  Gläser.  211 

Die  Farbe  ist  schwarz,  in  dünnen  Stücken  im  ganzen  die  von  ge- 
wöhnlicliem  Flaschenglas,  während  das  Pulver,  gleich  dem  von  Obsidian, 
melir  oder  weniger  grauweiss  ist.  Der  Brucli  ist  muschelig  und  die 
Stücke  zeigen  auf  der  Bruchfiache  unter  der  Loupe  feine  concentrische 
Streifen." 

Van  Dijk  findet  es  befremdend,  Obsidian  anzutreffen  in  den 
Gerollen  der  Insel,  auf  welcher  vulkanische  Gebilde  unbekannt  sind. 
Er  bezeichnet  die  Stücke  wohl  als  Rollsteine,  hebt  jedoch  die  eigen- 
thümliche  Sculptur  hervor:  „die  halbkreisförmigen  Gruben,  welche 
die  Obertiäche  aller  dieser  Rollsteine  wie  eine  Geheimschrift  be- 
decken, die  nabeiförmigen  Eindrücke,  welche  an  die  Anheftungsstelle 
einer  Frucht  erinnern  und  vor  allem  die  scharfen  Kanten  der  Gruben 
scheinen  darauf  hinzudeuten,  dass  die  Steine  zuerst  gerollt  und  dann 
gegrubt  worden  sind"  und  lassen  die  Frage  erstehen,  ob  man  es  mit 
einem  Kunstproduct  oder  mit  von  der  Natur  geformten  Körpern  zu 
thun  habe.  Es  lag  der  Gedanke  an  Zinnschlacken  nahe,  es  sollten 
dann  die  Steine  die  Zeugen  sein  einer  längs  vergangenen  und  ver- 
gessenen Culturepoche  auf  der  Insel  Billiton.  Doch  glaubt  der 
Verfasser  nach  der  Analyse  und  den  sonstigen  Eigenschaften,  dass 
die  Steine  zu  dem  Geschlechte  der  Obsidiane  gehören,  und  weist 
darauf  hin,  dass  nach  Naumann  aus  Böhmen  eine  ähnliche  Obsidian- 
varietät  unter  dem  Namen  Bouteillenstein  oder  Pseudochrysolith  be- 
kannt ist,  welche  an  der  Oberfläche  ebensolche  Gruben  zeigt.  Zum 
Schlüsse  bedauert  van  Dijk,  dass  er  keine  Gelegenheit  gehabt  habe, 
sich  durch  den  Augenschein  von  der  Uebereinstimmung  der  beiden 
Vorkommnisse  zu  überzeugen. 

In  einem  Referate  über  diese  Schrift  in  den  „Indische  Gids" 
1880  äusserte  der  Bergingenieur  C.  de  Groot  die  Ansicht,  dass  die 
Billitonkugeln  alte  Zinnschlacken  wären  (39). 

Ein  weiteres  Referat  von  Professor  K.  Martin  erschien  im 
Neuen  Jahrb.  für  Mineralogie  1881  (40);  hfer  wird  bemerkt,  dass  die 
Stücke  gewiss  nicht  abgerollt  sind,  auch  scheint  Martin,  obwohl  er 
sich  nicht  bestimmt  äussert,  der  Annahme,  dass  die  Körper  Obsidiane 
seien,  nicht  zugeneigt.  Dagegen  hält  Prof.  Wich  mann  1882  die 
Billitonite  entschieden  für  Obsidiane  und  nicht  für  Kunstproducte  (41). 

In  der  Sitzung  vom  14.  August  1893  der  Deutschen  geologischen 
Gesellschaft  sprach  Herr  Prof.  Wieb  mann  über  die  Glaskugeln  von 
Billiton,  im  Anschlüsse  an  Stelzuer's  Vortrag  über  die  merk- 
würdigen australischen  Obsidianbomben.  Er  hob  die  Aehnlichkeit 
beider  Substanzen  hervor,  welche  in  beiden  Fällen  aus  dunklem, 
grünem  Glase  ohne  krystallinische  Ausscheidungsproducte  besteht.  Der 
nächste  Vulkan  des  Indischen  Archipels  liegt  440  km  entfernt  von 
Billiton.  Auch  wird  hier  zum  erstenmale  auf  das  Vorkommen  der- 
artiger Bomben  in  den  Goldseifen  von  Borneo  aufmerksam  gemacht  (42), 

Die  bedeutsamsten  Schriften  über  den  Gegenstand  sind  die- 
jenigen von  R.  D.  M.  V  e  r  b  e  e  k,  welcher  zuerst  unter  eingehender 
Begründung  für  einen  ausserirdi  s  chen  Ursprung  der  Billito- 
nite und  der  verwandten  Gläser  von  Europa  und  Australien  eintrat ;  eine 
Anschauung,  die  schon  früher  von  einzelnen  Forschern  bezüglich  der 
australischen  Bomben  unsicher  und  vermuthungsweise  geäussert  worden 

.lalu-biich  il    k.  k.  gcol.  lJei('lisniistalt,  1900,  50.  Paiui,  2.  Heft.  (Fr.  E.  Suess.)       28 


212  r)r.  Franz  E.  Suess.  [20] 

war.  Einem  Vortrage  in  der  Sitzung  der  Akademie  der  Wissenschaften  zu 
Amsterdam  am  27.  März  1897  (43)  folgte  bald  der  längere  Aufsatz 
im  „Jaarboek  van  het  Mijnwezen"  (44),  auf  welchen  ich  noch  öfter 
zurückzukommen  Gelengenheit  haben  werde.  Es  werden  die  Lagerstätten 
eingehend  beschrieben  und  die  bisher  bekannten  Fundpunkte  aufgezälilt, 
ferner  die  mikroskopische  Beschaffenheit  und  an  der  Hand  einer  Analyse 
von  B  r  u  n  c  k  die  chemische  Zusammensetzung  besprochen.  V  e  r  b  e  e  k 
bemerkt  zwar,  dass  die  Billitonite  sicher  keine  gewöhnlichen  Roll- 
steine sind  ;  hält  jedoch  die  Gruben  und  halbmondförmigen  Furchen 
der  Oberfläche  für  die  Folge  von  Abstossung  und  Abreibungen  durch 
die  benachbarten  Quarzgerölie  während  des  Transportes  im  fliessenden 
Wasser.  Die  Zinnschlacken-Theorie  wird  als  vollkommen  unhaltbar 
bezeichnet,  da  diese  mit  den  Glaskugeln  weder  chemisch  noch 
mikroskopisch  übereinstimmen  und  die  Annahme  eines  künstlichen 
Ursprunges  auch  nicht  mit  dem  Vorkommen  der  Körper  in  den 
quartären  Lagen  vereinbar  ist.  Die  Gründe  gegen  die  Obsidiannatur 
der  Gläser  werden  z.  Th.  mit  Berufung  auf  S  t  e  1  z  n  e  r's  Auto- 
rität angeführt;  es  sind  im  wesentlichen  dieselben  Gründe,  welche 
A.  Makowsky  (16)  gegen  die  Obsidiannatur  der  Moldavite  vor- 
gebracht hatte.  Da  alle  sonstigen  Erklärungsversuche  versagen,  können 
wir  nach  Verbeek  nur  einen  ausserirdisc  h  en  Ursprung  der 
Körper  annehmen,  und  zwar  sollen  sie  speciell  den  Vulkanen  des  Mondes 
entstammen  und  zur  Pliocän-  oder  Quartärzeit  auf  die  Erde  gefallen 
sein.  Die  ganze  Beschaffenheit  der  Körper,  welche  so  sehr  verschieden 
ist  von  der  gewöhnlicher  Meteoriten,  soll  auf  eine  andere  Quelle 
hindeuten  als  bei  diesen ;  zudem  kommt,  dass  nach  den  Unter- 
suchungen von  Lander  er,  der  Polarisationswinkel  der  Mondober- 
fläche auf  den  Bestand  aus  saureu  Gläsern  hinweist.  Die  Anfangs- 
geschwindigkeit, welche  eine  aus  einem  Mondvulkane  geschleuderte 
Bombe  verlangt,  um  nicht  mehr  zum  Monde  zurückzukehren,  ist  be- 
deutend geringer  als  die  Wurfgeschwindigkeit,  die  bei  der  Eruption 
des  Krakatau  und  bei  anderen  Ausbrüchen  beobachtet  worden  sind. 
Sie  ist  geringer  als  die  Wurfgeschwindigkeit,  welche  verlangt  wird,  um 
eine  Bombe  vom  Krakatau  nach  Billiton  zu  schleudern.  So  will  Ver- 
beek, wie  er  in  seinem  Schlussworte  bemerkt,  wenigstens  auf  dieMög- 
l  i  c  h  k  e  i  t  hingewiesen  haben,  dass  diese  Gläser  vom  Monde  herstammen. 
In  einer  Schrift  über  „Obsidianbomben  aus  Niederländisch- 
indien" beschreibt  Herr  Dr.  F.  G.  Krause  (1899)  weitere,  ganz  gleich- 
artige Glaskörper  von  Bunguran  im  Natuna-Archipel  und  sucht  eine 
Erklärung  für  die  Oberflächensculptur  zu  geben,  indem  er  die  Deutung 
Verbeek's  verwirft.  PJr  bringt  sie,  wie  weiter  unten  noch  ausgeführt 
wird,  mit  Rotationserscheinungen  der  theilweise  geschmolzenen  und 
durch  die  Luft  geschleuderten  Bomben  in  Zusammenhang.  Die  An- 
nahme einer  ausserirdischen  Herkunft  der  Bomben  scheint  dem  Ver- 
fasser nicht  unwahrscheinlich ;  der  ganze  äussere  Habitus  der  Stücke 
stehe  damit  im  Einklänge.  Doch  glaubt  er  nicht,  dass  eine  Herkunft 
vom  Monde  sich  nachweisen  lassen  werde ;  an  irgend  einen  jener 
Himmelskörper  zu  denken,  die  vielleicht  nur  sehr  selten  in  den 
Bereich  der  Erdbahn  gelangen  und  vielleicht  si)äter  in  dem  Sonnen- 
systeme  verloren  gehen,  hält  der  Verfasser  für  näherliegend. 


|211  Die  Herkunft  der  Moldavito  und  verwandter  Glaser.  213 


3.  Anstralische  Vorkoiinnnisse. 

Die  älteste  Nachricht  iiber  ein  den  Moldaviten  ähnliclies  Glas 
räthselhafter  Herkunft  aus  Australien  stammt  aus  dem  Jahre  1844 
und  findet  sich  in  Ch.  Darwin's  bekanntem  Werke  über  die  Reise 
des  ,,Beagle"  (46).  Daselbst  wird  bei  Besprechung  der  vulkanischen 
Auswürflinge  der  Insel  Ascension  auch  eine  „Obsidianbombe"  erwähnt, 
welche  Ch.  Darwin  von  Sir  Thomas  Mitchell  erhalten  hatte. 
Sie  war  gefunden  worden  auf  einer  grossen  sandigen  Ebene 
zwischen  den  Flüssen  Darling  und  Murray  in  Australien  und 
in  einer  Entfernung  von  mehreren  hundert  Meilen  von  irgend  einer 
bekannten   vulkanischen   Region. 

Die  Abbildung  an  der  angegebenen  Stelle  zeigt  bereits,  dass 
man  es  mit  einer  von  den  europäischen  Moldaviten  abweichenden 
Form  zu  thun  hat.  Die  Gestalt  ist  die  einer  gerundeten  etwas  ellipso- 
idischen  Schüssel  aus  compactem  Glase  von  flaschengrüner  Farbe, 
deren  Hohlraum  nicht  vollständig  ausgefüllt  ist  „mit  feinzelliger 
schwarzer  Lava",  weit  weniger  durchsichtig  und  glasig  als  der  äussere 
und  umrandende  Obsidian.  Fast  alle  australischen  Funde  sind  durch 
ähnliche,    mehr  gerundete    und   regelmässige    Formen    ausgezeichnet. 

Es  war  natürlich,  dass  man  vermuthete,  das  Exemplar  wäre 
durch  Eingeborene  oder  durch  einen  natürlichen  Transport  an  den 
Fundort  gebracht  worden.  Schwieriger  wurde  bereits  die  Erklärung 
des  Vorkommens,  als  W.  B.  Clarke  1855  (47)  das  Vorkommen  gleicher 
flaschengrüner  „Obsidianbomben"  in  den  Goldfeldern  vom  Turonflusse 
und  am  Urallaflusse  in  Neu-Süd-Wales  beschrieb.  In  der  Nähe  des 
letzteren  Fundortes  befinden  sich  basaltische  Ergüsse,  und  Clarke 
vermuthete,  dass  das  Vorkommen  der  Bomben  mit  diesen  in  Zusammen- 
hang zu  bringen  wäre,  denn  der  Schotter  des  Flusses  wäre  durchwegs 
örtlichen  Ursprungs  und  ein  Transport  aus  grosser  Entfernung 
unwahrscheinlich.  Doch  findet  es  Clarke  bereits  auffallend, 
dass  die  Bomben  an  drei  Punkten  gefunden  wurden,  welche  455  und 
205  Meilen  von  einander  entfernt  seien.  „Sie  könnten  deshalb  unmöglich 
einem  gemeinschaftlichen  vulkanischen  Herde  entstammen".  1857  be- 
richtete Clarke  über  weitere  Fundpunkte  der  „vulkanischen  Bomben" 
in  Victoria  und  in  Tasmanien  (48). 

Durch  diese  und  durch  die  späteren,  mit  der  Zeit  sich  stets 
mehrenden,  neueren  Funde  wurde  das  Problem  der  Herkunft  der 
Stücke  immer  räthselvoller.  Schon  waren  die  Bomben  bekannt  von 
verschiedenen  Punkten  des  südwestlichen  Victoria,  z.  B.  in  der  Um- 
gebung von  Warrnambool  und  in  der  Wimmera-Ebene  i)  und  aus  dem 
fernen  Westen  des  Continents,  aus  dem  Gebiete  zwischen  den  Everard 
und  Fraser-Ketten.  Victor  Streich,  der  als  Geologe  der  Elder- 
Expedition  in  den  Wüsten  des  inneren  Australien  (Birksgate  Range) 
selbst  die  „Obsidianknöpfe"  gefunden  hatte,  war,  wie  es  scheint  der 
erste,  der  auf  den  Gedanken  kam.  dass  diese  räthselh  aften 
Körper  möglicherweise  kosmischen  Ursprungs  seien, 
fast    stets    befanden    sich    die    Bomben    weit   entfernt    von    irgend- 


^)  S.  Walcott,  1.  c.  pag.  25,  daselbst  auch  die  genaueren  Li(eraturangaben. 

28* 


214  !>'■•  ^lan''''  K-  Öuess.  [22] 

welchen  Vulkanen  und  die  Verschleppung  durch  Eingeborene,  welche 
manche  Forscher  annahmen,  konnte  bei  dem  Mangel  irgendwelcher 
ähnlicher  vulkanischer  Gesteine  auf  dem  australischen  Continente 
keine  befriedigende  Erklärung  abgeben.  Streich  wandte  sich  mit 
seiner  Vermuthung  brieflich  an  Professor  A.  W.  Stelzner  in  Frei- 
berg (1893),  dieser  sprach  jedoch  in  seiner  Antwort  die  Meinung 
aus,  dass  die  Obsidianbomben  sicherlich  nicht  kosmischen  Ursprungs 
sind,  da  keine  glasigen  Massen  meteorischen  Ursprungs  bekannt 
sind ;  der  anstehende  Obsidian  ,  von  dem  sie  stammen,  würde  wohl 
noch  gefunden  werden. 

Später  erhielt  Stelz n er  (50)  durch  Streich  einige  Exem- 
plare von  verschiedenen  Fundpunkten,  welche  er  1893  in  ein- 
gehender Weise  beschrieb.  Er  erkannte,  dass  die  Stücke  keinerlei 
äussere  Abrollung  erfahren  haben  und  bemerkt,  dass  ihm  Objecte 
ähnlicher  Art  niemals  zu  Gesicht  gekommen  sind.  Der  Aufzählung 
der  Vermuthungen,  welche  über  deren  Herkunft  ausgesprochen  wurden, 
als  da  sind :  Verschleppung  durch  Eingeborene  oder  durch  Emus, 
ferner  Transport  durch  Eis,  fügt  er  folgenden,  offenbar  auf  Streich 
bezüglichen  Satz  bei:  „Wieder  andere  sind  der  Meinung,  dass  das 
Eäthsel  nur  dadurch  gelöst  werden  könne,  dass  man  den  , Bomben', 
obwohl  sie  eine  von  jenen  aller  anderen  bekannten  Aerolithen  sehr 
abweichende  Beschaffenheit  zeigen,  trotzdem  einen  kosmischen  Ursprung 
zuschreibe". 

Die  merkwürdigste  der  sieben  von  S  t  e  1  z  n  e  r  beschriebenen 
„Bomben"  war  eine  aus  compactem  Glase  bestehende,  dünnwandige 
Hohlkugel  von  fast  kugeliger  Form,  bestehend  aus  einer  breiteren, 
flacheren  und  einer  mit  einem  kleineren  Radius  gewölbten  Hälfte ; 
ähnliche  kugelförmige,  einseitig  eingedrückte  oder  mit  einem  über- 
stülpten Aequatorialkranze  versehene  Formen  zeigten  auch  die  übrigen 
Stücke,  auf  deren  nähere  Beschreibung  ich  noch  später  zurückkommen 
werde.  Die  allgemeine  Kugelforni  führt  Stelzn  er  auf  die  mehr  oder 
weniger  kugelige  Tropfenform  zurück,  zu  welcher  sich  flüssige  Körper 
nach  dem  Attractionsgesetze  zusammenballen.  Die  Plohlkugel  soll  durch 
Expansion  der  Gase  in  der  ausgeschleuderten  Lava  erzeugt  worden 
sein.  Die  eingedrückte  Form,  sowie  die  überstülpten  Ränder  werden 
auf  den  Widerstand  der  Luft  zurückgeführt  und  mit  den  Formen 
verglichen ,  welche  in  den  Sand  geschossene  Mausergewehrkugeln 
annehmen. 

Bei  Besprechung  der  „feineren  Ob  erf  läc  h  e  n  sc  ulptur", 
bestehend  aus  rundlichen  Grübchen  und  Narben,  welche  theils  gruppen- 
weise, theils  vereinzelt  auftreten,  kommt  Stelzner  zu  dem  Vergleiche 
mit  den  Moldaviten,  welche  er  selbst  in  der  Gegend  von  Budweis  zu 
hunderten  zu  sehen  Gelegenheit  hatte.  Ueber  die  Verwandtschaft 
beider  Körper  äusserte  er  sich  wie  folgt:  „Ich  wurde  nun  im  hohem 
Grade  überrascht,  als  ich  auch  auf  der  Oberfläche  mehrerer  Moldavite 
eine  Anzahl  kleiner,  kreisrunder  Grübchen  und  grösserer  ellipsoidischer 
Narben  sah,  und  als  ich  auf  vier  anderen  Stücken  auch  noch  eine 
schlierenförmige  Oberflächensculptur  wahrnahm,  die  ebenfalls  recht 
gut  mit  jener  d(!r  australischen  Bombe  Nr.  6  übereinstimmte".  Auch 
die  Aehnlichkeit  der  Masse    der  Moldavite    selbst   und  ihres  Gefüges 


[231  Die  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  215 

mit  dem  der  australischen  Bomben  wurde  festgestellt;  doch  glaubt 
Stelzner.  „dass  die  Oberfiüchenersclieinungen  beider  Arten  von 
Findlingen  nur  in  formeller  Hinsicht  übereinstimmen".  Zur  Begründung 
dieser  Anschauung  wird  hervorgehoben,  „dass  die  Moldavitfindlinge 
nach  Ausweis  ihrer  Formen  tropfen-,  Scheiben-  oder  brockenartige 
Fragmente  irgendwelcher  grösserer  Glasmassen  sind"  (ein  Umstand, 
den  ja  Stelzner  sicher  nicht  zu  einem  Vergleiche  mit  den  austra- 
lischen Bomben  hcätte  verwerten  können)  ;  und  ferner  schliesst 
Stelzner,  offenbar  aus  dem  Vorkommen  der  Moldavite  in  diluvialer, 
Ablagerung  und  daraus,  dass  sie  anstehend  in  der  Nähe  nicht  vor- 
kommen, dass  sie  von  ihrer  ursprünglichen  Heimat  einen  meilen- 
weiten Transport  durch  fliessende  Gewässer  erlitten  haben  müssen, 
dass  sie  demnach  ihr  zerhacktes  Aussehen,  die  feinen  Rippen,  Kanten 
und  so  weiter  nicht  schon  vor  dem  Transport  besessen  haben  konnten. 
Deshalb  sollte  in  dem  Falle  der  böhmischen  Moldavite  die  Ober- 
flächensculptur  „corrosiven  Vorgängen  chemischer  oder  mechanischer 
Natur"  zuzuschreiben  sein. 

Die  Grübchen  auf  der  Oberfläche  der  australischen  Stücke  sollen 
jedoch  eine  andere  Entstehung  haben  und  werden  mit  den  Näpfchen 
und  Fingereindrücken  auf  den  Meteoriten,  speciell  mit  den  von  Daubree 
in  seinen  Experimenten  erhaltenen  Nachahmungen  der  Meteoriten- 
oberfläche verglichen. 

Die  Beantwortung  der  Frage  nach  dem  Ursprungsorte  der  Bomben 
und  nach  der  Ursache  ihrer  weiten  räumlichen  Verbreitung  überlässt 
Stelzner  den  australischen  Fachgenossen. 

In  den  folgenden  Jahren  hat  die  Anzahl  der  australischen  Fund- 
punkte noch  einen  reichlichen  Zuwachs  erfahren,  und  immer  wird 
bei  den  einzelnen  Berichten  das  räthselhafte  und  unerklärte  des  Auf- 
tretens der  Obsidianbomben  ausdrücklich  bemerkt.  In  jüngster  Zeit 
beschrieben  W.  H.  Twelvetrees  und  W.  F.  Petterd  eine  Anzahl 
von  rundlichen  und  unregelmässig  geformten,  verwandten  Bomben  von 
verschiedenen  Punkten,  die  über  ganz  Tasmanien  vertheilt  sind  (52  und 
53).  Sie  wurden  meistens  in  den  Goldwäschen,  öfters  auch  aus  beträcht- 
lichen Tiefen  zutage  gefördert.  Kein  vulkanisches  Glas  von  ähnlicher 
Beschaffenheit  ist  auf  der  ganzen  Insel  bekannt. 

Mit  Beziehung  auf  Verbeek's  Abhandlung  halten  die  Autoren 
die  Annahme,  dass  diese  unzweifelhaft  vulkanischen  Producte  von 
Vulkanen  des  Mondes  herrühren,  für  überflüssig  und  mehr  als  einem 
Einwurfe  zugänglich.  Selbst  zugegeben,  dass  die  Energie  eines  Mond- 
vulkanes  hinreichen  sollte,  einzelne  Stücke  von  Lava  von  der  Ober- 
fläche unseres  Satelliten  loszuschleudern,  so  müsste  doch  dieses  Stück 
zunächst  einen  selbständigen  Kreis  um  die  Erde  beschreiben.  Es  wäre 
schon  als  ein  Zufall  zu  betrachten,  wenn  ein  Stück  die  Erde  er- 
reichen würde ;  hier  würde  aber  das  Zusammentreffen  zahlreicher, 
besonderer  Bedingungen  für  tausende  von  Stücken  verlangt.  Dann 
soll  auch  das  Niedergelangen  so  zahlreicher  kleiner  Stücke  bis  auf  die 
Erde  als  eine  Unmöglichkeit  erscheinen,  da  ja  eine  sehr  grosse  Zahl 
von  Meteoriten  im  Widerstände  der  Luft  völlig  verstäubt  und  zerstört 
wird.  Die  nächsten  Obsidianvorkommnisse  befinden  sich  auf  Neu-Seeland, 
und  es  vermutheu  denn   die    Verfasser,  dass    die    Bomben  aus  diesem 


210  Dr.   Kranz  E.  Suess.  |24] 

Gebiete  oder  von  einem  noch  nnbekannten  vulkanischen  Gebiete  der  ant- 
arktisclien  Regionen  herstammen  und  durch  starke  Luftströmungen 
vertragen  worden  seien. 

Eine  neuerliche  ausführliche  Abhandlung  über  die  australischen 
Bomben  und  alle  auf  dieselben  bezüglichen  Fragen  wurde  im  Jahre 
1898  von  R.  H.  Walcott  verötfentlicht  (55);  auf  die  Einzelheiten 
dieser  Arbeit  werde  ich  nocli  unten  melirmals  Gelegenheit  haben, 
Bezug  zunehmen.  Es  wird  für  die  Bombender  Name  „0  bsi  diani  te" 
vorgeschlagen.  Nach  einer  eingehenden  historisch  gefassten  Besprechung 
der  bisher  bekannten  Daten  und  der  verschiedenen  Theorien  über 
den  Gegenstand  werden  einige  Analysen  angeführt  (siehe  S.  235)  und 
dabei  eingehend  dargethan,  dass  in  Victoria  ausser  den  Obsidianiten 
kein  saures  vulkanisches  Glas  vorkommt.  Unter  den  beschriebenen 
und  abgebildeten  Stücken  finden  sich  knopfförmige  und  kugelige  Formen 
mit  überstülpten  Rändern  und,  was  besonders  bemerkenswert  ist,  auch 
eine  Hohlkugel  von  compactem  Glase ;  es  sind  im  ganzen  dieselben 
Formen,  die  bereits  S  t  e  1  z  n  e  r  beschrieben  hat.  Die  Gesammtform, 
sowie  die  Grübchen  und  Furchen  an  der  Oberfläche,  welche  nach 
den  Auseinandersetzungen  von  Walcott  nicht  durch  nachträgliche 
Zersetzung  entstanden  sein  können,  werden  als  die  Folgen  einer 
raschen  Bewegung  der  noch  flüssigen  oder  doch  weichen  Masse  durch 
die  Luft  betrachtet;  die  letzteren  werden  mit  den  Eindrücken  auf 
Meteoriten  verglichen. 

Ein  Bild  der  ausserordentlichen  Verbreitung  der  „Obsidianite"  gibt 
die  lange  Reihe  von  australischen  Fundorten,  welche  Walcott  auf- 
zählt und  welche  fast  über  die  ganze  Breite  der  südlichen  Hälfte  des 
australischen  Continents  zertreut  sind  :  Zweierlei  Möglichkeiten  bezüglich 
der  Herkunft  der  Obsidianite  werden  zunächst  ins  Auge  gefasst,  nämlich, 
dass  sie  von  irdischen  Vulkanen  stammen,  oder  dass  sie  ausserirdischen 
Ursprunges  sind.  In  ersterem  Falle  müssen  sie  auf  irgend  eine  Weise 
auf  ihre  jetzigen  Fundstellen  gebracht  worden  sein,  und  zwar  sind 
bisher  folgende  Erklärungen  für  die  Verbreitung  vorgebracht  worden: 
durch  Flüsse,  durch  Eis,  durch  Eingeborene  oder  durch  die  Thätigkeit 
des  Windes.  Gegen  den  Transport  durch  Wasser  spricht  das  oft  sehr 
frische  Aussehen  der  Stücke,  vor  allem  aber  ihr  nicht  seltenes  Vor- 
kommen in  beträchtlichen  Höhen  oder  auf  Wasserscheiden.  Ein  Trans- 
l)ort  durch  Eis  ist  aus  allgemeinen  Gründen  ausgeschlossen ;  dagegen 
ist  auf  die  dritte  Erklärungsweise,  dass  die  Steine  durch  Eingeborene 
verschleppt  worden  seien,  von  verschiedenen  Seiten  grösserer  Wert 
gelegt  worden,  und  auch  Walcott  hat  dieselben  ausführlicher 
besprochen.  Es  werden  die  Gewährsmänner  angeführt,  nach  deren 
Angaben  die  seltenen  scliwarzen  Steine  in  verschiedenen  Gegenden 
des  Continents  von  den  Eingeborenen  hochgeschätzt  und  als  Talismane 
und  Zaubermittel  betrachtet  werden.  Nach  Walcott  ist  es  auffallend, 
dass  trotz  vieler  unbestimmter  Angaben  nach  Berichten,  keine  authen- 
tische Nachricht  vorliegt.  Ferner  wird,  auch  wenn  diese  Thatsache 
selbst  sich  als  richtig  herausstellt,  das  Räthsel  nicht  gelöst;  da  kein 
Punkt  bekannt  ist,  von  welchem  die  Eingeborenen  die  Steine  hätten 
sammeln  können,  sie  konnten  sie  auch  in  diesem  Falle  sicher  nur  auf  der 
Oberfläche  verstreut  aufgefunden  haben.    Endlich  bestreitet  W  alcott 


[251  ^i^  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  217 

noch  die  Möglichkeit,  dass  Körper  von  der  Grösse  und  dem  Gewichte  der 
„Obsidianite"  von  irgend  einem  Punkte  ausserhalb  Australien  durch 
den  Wind  fast  über  den  ganzen  Continent  liätten  vertragen  werden 
können.  Auf  Neu-Seeland,  wo  sich  die  nächsten,  jungen  sauren  Erup- 
tionen befinden,  sind  noch  niemals  ähnliche  Obsidianbomben  gefunden 
worden.  Ueberhaupt  scheinen  die  vulkanischen  Bomben  immer  melir 
blasig  zu  sein  und  niemals  so  compacte  Gläser  zu  liefern,  wie  die 
Australite. 

Dagegen  gibt  die  Theorie  einer  ausserirdischen  Herkunft  sofort 
eine  befriedigende  Erklärung  für  die  weite  und  anscheinend  zufällige 
Verbreitung,  und  deshalb  allein  verdient  sie  nach  Walcott  eine 
ernste  Betrachtung.  Die  Verbeek'sche  Annahme  einer  Herkunft  vom 
Monde  hält  Wale  Ott  für  unwahrscheinlich.  Er  neigt  vielmehr  zur  An- 
sicht, dass  die  Bomben  entstanden  sind  durch  Bersten  eines  einzigen 
grösseren  Körpers,  dessen  einzelne  Bruchstücke  im  Sturze  völlig  um- 
geschmolzen und  zu  einzelnen  Tropfen  geformt  worden  sind.  Von 
äusserst  zahlreichen  Trümmern  dürften  nur  sehr  wenige,  welche  unter 
besonders  günstigen  Umständen  gefallen  sind,  die  ErdoberÜäche  unzer- 
stört  erreicht  haben. 

Zum  Schlüsse  bemerkt  W  a  1  c  o  1 1,  dass  wir  nur  negative  Gründe 
haben,  welche  zur  Annahme  eines  ausserirdischen  Ursprunges  geführt 
haben.  Es  ist  deshalb  von  Wichtigkeit,  dass  alle  übrigen  möglichen 
Erklärungen  von  Grunde  aus  untersucht  und  erschöpft  werden.  Nach- 
dem diese  alle  endgiltig  verworfen  sein  werden,  dann  erst  werden 
wir,  nach  Walcott,  berechtigt  sein,  den  „Obsidianiten"  oder 
„Australiten"  einen  kosmischen  Ursprung  zuzuschreiben. 


II.  Verbreitung  und  Lagerung. 

1.  Europäische  Vorkommnisse. 

In  Europa  sind  unzweifelhafte  und  reichlichere  Moldavitfunde 
auf  zwei  benachbarte  Gebiete  beschränkt,  welche  beide  dem  süd- 
lichen, archäischen  Theile  des  böhmischen  Massivs  angehören.  Das 
erste,  seit  mehr  als  hundert  Jahren  bekannte  Fundgebiet  befindet 
sich  am  W^estrande  der  tertiären  Ebene  von  ßudweis  im  südlichen 
Böhmen ;  das  zweite,  erst  später  entdeckte,  erstreckt  sich  über  die 
Höhen  der  südlichen  und  südöstlichen  Umgebung  der  Stadt 
Trebitsch  im  südwestlichen  Mähren.  (Fig.  1.) 

Das  südliche  Böhmen  bildet  ein  hügeliges  Plateauland,  in  dem 
die  Flussthäler  mit  felsigen  Gehängen  verhältnismässig  tief  ein- 
geschnitten sind  und  welches  von  dem  gebirgigen  Böhmerwalde  zu 
einer  durchschnittlichen  Höhe  von  circa  500  m-allmälig  herabsinkt. 
Es  besteht  aus  Graniten  und  mannigfaltigen  altkrystallinischen  Schiefer- 
gesteinen, denen  sehr  vereinzelte  Schollen  von  rothen  Sauden  des 
Permocarbon  aufgesetzt  sind.  Die  Wellen  des  Plateaulandes  werden 
unterbrochen  durch  die  moor-  und  torfreichen  P^benen  von  Wittingau 
und    Budweis,    gegen    die    das    Terrain    in    etwas    steilerer    Böschung 


218 


Dr.  Franz,  E.  Suess. 


[26] 


^ 
^ 


e 


[27]  Die  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  219 

abfällt.  Beide  Ebenen  sind  durcii  jüngere,  tertiäre  Ablagerungen  aus- 
gefüllt; doch  bestimmt  die  junge  Ueberdeckung  nicht  genau  den  Rand 
der  Ebenen,  sondern  greift  in  mannigfachen  Ausläufern  und  losgelösten 
Lappen  über  dieselben  hinaus. 

Der  südöstliche  Theil  der  Budweiser  Ebene  wird  von  der 
Moldau  durchströmt,  aber  die  jungen  Bildungen  begleiten  noch  das 
Moldauthal,  nachdem  der  Fluss  bereits  die  Ebene  bei  Pohrad  ver- 
lassen hat,  bis  in  die  Gegend  des  Städtchens  Moldauthein,  woselbst 
die  tertiären  Ablagerungen  mit  denen  der  östlichen  Wittingauer 
Ebene  in  Verbindung  stehen. 

Die  Ausfüllungen  beider  Ebenen  werden  als  Ablagerungen  eines 
zusammenhängenden  Binnensees  der  Miocnäzeit  betrachtet  (Sequoia 
Sternhergi  Heer  bei  Wittingau).  Schwache,  eingeschaltete  Lignitflötze 
werden  am  Rande  der  Budweiser  Ebene  an  mehreren  Orten  aus- 
gebeutet und  die  kleinen  Bergbaue  haben  Aufschlüsse  in  diesen 
Bildungen  eröffnet;  Dieselben  bestehen  aus  liegenden  Sand- 
steinen und  Sauden  mit  einer  überlagernden  Folge  von  lichtgrauen  und 
bunten  Thonen,  welche  mit  Sandbänken  wechsellagern.  Das  oberste 
Glied  bildet  der  stellenweise  conglomeratartig  verfestigte  Hange  n d- 
Schotter. 

Dieser  letzteren  Bildung  \Yerden  auch  die  Quarz-  und  Urgebirgs- 
schotter  zugerechnet,  welche  über  die  Ebene  im  Westen  hinaus- 
greifen und  deren  Rollsteine  an  vielen  Stellen  dem  Ackerboden  der 
die  Ebene  westlich  umrandenden  Hügel  beigemengt  sind.  Derselbe 
Ackerboden  ist  es,  in  dem  schon  seit  mehr  als  hundert  Jahren  die 
Moldavite  gefunden  werden. 

Da  die  Funde  natürlich  rein  zufällige  sind  und  zumeist  ein  ab- 
sichtliches Suchen  vergebens  sein  wird,  lassen  sich  die  diesbezüglichen 
Angaben  durch  den  Augenschein  nur  schwer  controliren.  Nur  die 
Landleute,  welche  ganze  Tage  hindurch  auf  den  Feldern  arbeiten, 
können  die  Moldavite,  wenn  ihnen  der  Zufall  günstig  ist,  in  grösserer 
Anzahl  sammeln.  Von  diesen  sind  sie  namentlich  in  früherer  Zeit 
häufig  an  die  Händler  gelangt,  und  namentlich  zur  Zeit  der  land- 
wirtschaftlichen Jubiläums-Ausstellung  in  Prag  im  Jahre  1890,  als  der 
Moldavitschmuck  eine  Zeitlang  besonders  begehrt  war,  wurde  das 
Kilo  dieser  Steine  um  40 — 45  fl  an  die  Edelsteinschleifer  verkauft. 
Man  ersieht  daraus,  dass  im  Laufe  der  Zeiten  gewiss  schon  viele 
hunderttausende    von  Moldavitfindlingen  in  die  Welt  gewandert  sind. 

Nach  den  bestimmten  Angaben  mehrerer  verlässlicher  Local- 
forscher,  die  sich  eingehend  mit  dem  Gegenstande  beschäftigt  haben, 
wie  der  Conservator  des  städtischen  Museums  in  Budweis,  Herr 
Hauptmann  a.  D.  Lindner,  und  Herr  Oberingenieur  Jul.  Brabetz 
in  Krumau,  ist  die  nähere  Umgebung  von  Moldauthein  a.  d.  Moldau 
nicht  als  Fundort  zu  betrachten  und  die  diesbezüglichen  Angaben 
in  der  älteren  Literatur,  die  sich  stets  wiederholen,  können  sich  nur 
auf  die  circa  16  Am  gegen  SW  gelegene  Gegend  von  Wodnian  be- 
ziehen, welche  sich  unmittelbar  an  die  Tertiärbildungen  der  Budweiser 
P^bene  anschliesst  und  von  denen  des  Moldauthaies  beiMoldauthein 
durch  einen  flachen  Gneissrücken  getrennt  ist.  Auch  das  Moldauthal 
selbst  kann  nicht  als  Moldavitfundgebiet  gelten ;    die  allerdings  nicht 

Jahi-bueh  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1900,  50.  Band,  2.  Heft.  (Fr.  E.  Siiess.)       29 


220  !>'••  I^'i'aDz  K.  Suess.  [28] 

seltenen  Angaben  von  Funden  daselbst  können  sich  nur  auf  verschleppte 
Stücke  beziehen. 

Die  einzelnen  engeren  Fundstellen,  die  sich  kaum  mit  voller 
Sicherheit  umgrenzen  lassen  werden,  bilden,  als  Ganzes  betrachtet, 
wie  bereits  bemerkt,  eine;;  zusammenhängenden  Streifen,  der  in  der 
Gegend  von  Wodnian  beginnt,  die  Abdachung  gegen  die  Budweiser 
Ebene  südwärts  begleitet,  dann  der  südlichen  Umrandung  der 
Ebene  folgend,  gegen  Osten  umbiegt  und  in  den  reichen  Fundstellen 
bei  Klein-Korosek  und  Prabsch  nahe  der  Moldau  endigt.  Einer  der 
am  häufigsten  genannten  Fundorte  ist  Radomilitz  bei  Wodnian; 
die  ausgedehnten,  flach  gelegenen  Felder,  welche  sich  von  hier 
Nordwest  gegen  Strp  ziehen,  scheinen  besonders  ausgezeichnet  zu 
sein.  Nach  J.  N.  Woldfich  (21)  werden  die  Stücke  daselbst  vereinzelt, 
aber  nur  bei  einer  Tiefackerung  gefunden,  zusammen  mit  verschiedenen 
Mineralien,  welche  dem  benachbarten  Urgebirge  entstammen,  wie : 
Bergkrystall,  Citrin,  Rnuchtopas,  Quarzit  und  Hornstein.  Einzelne 
Quarzkrystalle  besitzen  nach  Woldfich  genau  dieselbe  abgerollte 
Oberfläche,  wie  Moldavitexemplare,  „welche  nicht  runzelig  sind". 
Woldfich  hat  demnach  ohne  Zweifel  bereits  den  Unterschied 
zwischen  abgerollten  Moldaviten  und  solchen  mit  ursprünglicher 
Oberfläche  beobachtet  Ueber  die  ursprüngliche  Lagerstätte  berichtet 
Woldfich  Folgendes:  „In  einem  südwestlich  vom  Orte  gelegenen 
Feldwege  Hess  Fürst  Schwär zenberg  den  Feldrain  abgraben;  im 
Liegenden  lag  stark  gelber,  tertiärer  Sand  (der  oberen  Braunkohlen- 
formation) .  .  derselbe  geht  im  Hangenden  in  ein  kleinkörniges,  eben- 
falls braungelbes  Gerolle  über,  das  stellenweise  conglomeratartig 
fest  verbunden  ist;  aus  dieser  Schichte  nun  gelang  es  uns,  drei 
Stücke  Moldavite  eigenhändig  herauszuziehen.  Die  Schichte  war 
etwa  50  cm  mächtig  und  wurde  überlagert  von  einer  bei  50  cm 
mächtigen  Schichte  von  unten  lehmiger,  oben  humöser  Ackererde". 
Dem  verfestigten  Schotter  ist,  nach  Woldfich,  wenn  nicht  ein 
tertiäres,  so  doch  mindestens  ein  diluviales  Alter  zuzuschreiben. 

Als  weitere  Fundgebiete  mit  etwas  geringerem  Reichthum  als 
Radomilitz  werden  angeführt  die  südlicher  gelegenen  Dörfer  Malowitz, 
Krtel  und  der  öfter  genannte ,  etwas  grössere  Ort  Netolitz ;  den 
Schwarzenberghof  in  der  Nähe  von  Netolitz  führt  Helmhacker  an 
(11).  Von  hier  an  verbreitert  sich  das  Fundgebiet;  denn  einerseits 
wurden  die  Moldavite  bei  Blovitz  und  auch  an  den  bereits  der  Ebene 
angehörigen  Teichen  von  Klein-Groschum  und  Dechtern,  anderseits  gegen 
Westen  aber  noch  bei  Gross-Groschum  und  Tfebanitz  gefunden.  Drei 
Stücke,  welche  mir  Herr  Professor  G.  A.  Koch  übergeben  hat,  stammen 
von  den  Feldern,  welche  sich  von  Ober-Groschum  gegen  den  Lieselberg 
ziehen.  Am  Gehänge  südlich  von  Dechtern  ziehen  sich  die  Funde 
noch  bis  Holleschowitz;  dann  scheint  in  der  Gegend  von  Chmelna 
und  Berlau  eine  Lücke  zu  sein,  wenn  nicht  vielleicht  nur  das  Vor- 
herrschen von  Wald-  und  Weidegebiet  auf  dieser  Strecke  das  Auf- 
finden der  Moldavite  erschwert.  Ueber  das  weiter  sich  anschliessende 
Fundgebiet,  dem  Winkel  zwischen  Zahofitz,  Slawtsch,  Klein-Korosek 
und  Prabsch  an  der  Moldau  hatCzjzek  in  seinem  handschriftlichen 
Tagebuche  der  geologischen  Aufnahme  in  Böhmen  1854  verzeichnet, 


[29]  r>'e  Herkunft  der  Moldavit.e  und  verwandter  Gläser.  221 

dass  die  „Bouteillensteine"  daselbst  ausgeackert  werden,  u.  zw.  be- 
hauptet bereits  Czj^ek,  „dass  sie  damals  schon  seltener  waren,  als 
früher"  i). 

Ein  Besuch  der  Moldavitfundstätten  von  Prabsch,  bei  dem 
Herr  Hauptmann  a.  D.  Ad.  Lindner,  Conservator  des  Brünner 
Museums,  in  liebenswürdiger  Weise  meinen  P'ührer  machte,  belehrte 
mich  über  das  reichliche  Vorhandensein  von  deutlich  gerolltem 
Quarzschotter  auf  den  Fundstatten,  welche  in  ihrem  Gesammtcharakter 
lebhaft  an  die  mährischen  Fundstätten  erinnern.  Unser  Suchen  nach 
Moldavitfindlingen  blieb  zwar,  wie  nicht  anders  zu  erwarten,  ver- 
geblich ;  doch  erstand  ich  von  einem  Landmanne  ein  an  Ort  und 
Stelle  gefundenes  kleines  Exemplar. 

Die  Moldavite  der  Umgebung  von  Budweis  kommen  nach  dem 
Gesagten  in  einem  Streifen  der  H  a  n  g  e  n  d  s  c  h  o  1 1  e  r  über  dem 
Miocän  an  dem  westlichen  Rande  der  Ebene  vor.  Das  Alter  dieser 
Schotter  ist,  wenn  nicht  tertiär,  so  doch  zum  mindesten  diluvial. 

Aber  durchaus  nicht  überall,  wo  solche  Schotter  vorhanden 
sind,  enthalten  dieselben  Moldavite ;  so  scheinen  z.  ß.  in  dem  aus- 
gedehnten Schottergebiete  der  näheren  Umgebung  von  Wittingau  niemals 
Moldavite  gefunden  worden  zu  sein.  Allerdings  muss  zugegeben 
werden,  dass  wir  keinen  Anhaltspunkt  besitzen,  um  das  Alter  der 
zahlreichen  Schotterpartien  zu  vergleichen,  welche  in  verschiedenen 
Gebieten  auf  grössere  oder  kleinere  Strecken  die  krystallinischen 
Gesteine  des  böhmisch- mährischen  Hochlandes  überdecken. 

Woldfich^)  berichtet  von  einem  vereinzelten  Funde  bei 
Neu  haus,  nordnordöstlich  von  Wittingau.  Beim  Baue  einer  Bahn- 
linie soll  in  der  Neuhaus  er  Bahnstation  im  „känozoischen 
Schotter"  ein  kleiner,  lichter  Moldavit  vom  Durchmesser  1  cm  ge- 
funden worden  sein,  der  nach  Woldfich  vollständig  mit  dem  Aus- 
sehen der  Moldavite  von  Radomilitz  übereinstimmt.  In  allerneuester 
Zeit  berichtet  Herr  Conservator  Richly  in  Neuhaus,  dass  er  in 
derselben  Lage  in  tertiärem  GeröUe  an  den  Ufern  des  Naserflusses 
bei  Neuhaus  ein  zweites  und  im  Flusse  selbst,  etwas  unterhalb  der 
Stadt,  ein  drittes  Exemplar  gefunden  habe  ^).  Man  wird  demnach  an- 
nehmen können,  dass  die  Neuhauser  Gegend  eine  verbindende 
Zwischenstation  darstellt,  welche  von  den  Fundgebieten  der  Budweiser 
Gegend  hinüberleitet  zu  den  mährischen  Vorkommnissen. 

Ueber  das  Fundgebiet  der  Umgebung  von  Trebitsch  bin 
ich  in  der  Lage,  genauere  Angaben  zu  liefern,  denn  es  liegen  bereits 
zwei  Aufsätze  über  den  Gegenstand  vor  von  dem  Entdecker  dieser 
Fundstellen  Herrn  Professor  Dr.  F.  Dvorsky  (18  und  26). 
Eine    reiche    Sammlung    von    Moldaviten    dieser    Gegend    besitzt    in 


*)  Zepharovich.  Mineralog.  Lexikon  für  das  Kaiserthum  Oesterreich. 
1859.  Wien.  Bd.  I,  S.  290. 

^)  J.  N.  Woldf  ich.  Geologisches  aus  Südhöhmen.  I.  Das  Gebiet  der  oberen 
Nezärka.  Archiv  der  naturwissenschaftlichen  Landesdurchforschung  von  Bölimen. 
Bd.  XI,  Nr.  4,  1898. 

^)  H.  Richly.  Bericht  über  seine  Thätigkeit  während  des  Sommers  1899. 
Mittheilungen  der  anthropologischen  Gospllsrhaft.  Wien  1900.  XXX.  Bd..  IL 
Heft  S.  146. 

29* 


222  Dr-  Franz  E.  Siiess.  [30] 

seinem  Privatmuseum  der  Herr  lierrsthaftliche  Gutsinspector  Ernst 
Hanisch  in  Trebitsch.  Die  meisten  Stücke  wurden  theils  vom  Be- 
sitzer selbst,  theils  von  den  Herren  Professor  F.  Dvorsky  und 
Lehrer  F.  Zavrel  unter  grossem  Aufwand  von  Zeit  und  Mühe  eigen- 
händig gesammelt,  so  dass  ich  die  verlässlichste  Auskunft  über  die 
Ausdehnung  und  Reichhaltigkeit  der  einzelnen  Fundstellen  erhalten 
konnte.  Ausserdem  habe  ich  selbst  während  meiner  Aufnahmsthätigkeit 
in  den  Sommern  1898  und  1899  Gelegenheit  gehabt,  die  Moldavit- 
fundstätten zum  Theile  unter  Führung  der  genannten  Herren  kennen 
zu  lernen.  Allerdings  ist  es  mir  trotz  mehrstündigen  Suchens  nicht 
gelungen,  selbst  einen  Moldavit  zu  finden. 

Sowie  in  Böhmen,  ist  auch  hier  das  Auftreten  der  Moldavite 
an  vereinzelte,  weniger  ausgedehnte  Partien  des  auf  den  Höhen  des 
Plateaus  stellenweise  auftretenden  Quarzschotters  gebunden,  dessen 
geologisches  Alter  sich  nicht  mit  Sicherheit  feststellen  lässt. 

Nach  den  bisherigen  Erfahrungen  liegen  die  westlichsten  Fund- 
punkte unmittelbar  südlich  von  Trebitsch,  in  der  Nähe  der  Ortschaft 
Slawitz ;  sie  begleiten  auf  den  Höhen  verstreut  das  Thal  der  Iglawa 
gegen  SSO,  und  es  endigt  das  Fundgebiet  zugleich  mit  einer  Schotter- 
partie unmittelbar  bei  der  Ortschaft  Dukowan.  Das  Grundgebirge 
besteht  bei  Trebitsch  aus  einem  sehr  grobkörnigen  Amphibolgranitit 
mit  grossen  jjorphyrischen  P'eldspäthen,  weiter  gegen  Osten  bei 
Daleschitz  aus  weissem  Gneisse  (gleich  B  e  c  k  e's  Centralgneiss  im 
niederösterreichischen  Waldviertel)  mit  schwächeren  Amphibolitbändern 
und  dann  bei  Mohelno  und  Dukowan  aus  Serpentin  und  Granulit. 
In  dieser  Region  senkt  sich  das  böhmisch-mährische  Hochland  all- 
mälig  gegen  das  Rothliegende  am  Bruchrande  bei  Kromau.  Das 
Tertiär,  welches  die  Ebene  jenseits  des  Bruches  ausfüllt,  greift  hier 
bereits  an  verschiedenen  Stellen,  meist  in  Form  kleiner  isolirter 
Lappen,  auf  das  Plateauland  über.  Ein  fossilreicher  miocäner  Tegel 
wurde  von  der  weiter  nördlich  gelegenen  Ortschaft  Kralitz  be- 
schrieben ^).  Derselbe  wird  ebenfalls  von  einem  sandigen  Quarzschotter, 
der  jedoch  keine  Versteinerungen  enthält,  überlagert.  Bei  Mährisch- 
Kromau  und  Rakschitz  finden  sich  Sande  und  Tegel,  welche  nach  den 
Fossilien  {Oncopliora  socialis  und  Cardiuni  sociale)  dem  mittleren  Miocän 
zugerechnet  werden  müssen.  Aehnliche,  jedoch  versteinerungsleere 
Sande  finden  sich  noch  weiter  westlich,  bei  den  Ortschaften  Ribnik, 
Petrowitz,  Dubnian  und  auch  bei  Dukowan,  in  der  unmittelbaren  Nähe 
der  Schotter,  von  denen  sie  allem  Anscheine  nach  überlagert  werden. 

Uebergänge  und  Wechsellagerungen  von  Sand  und  Schotter 
sind  deutlich  aufgeschlossen  auf  den  Höhen  von  Mährisch-Kromau 
gegen  Ribnik.  Hier  enthält  der  Schotter  die  verschiedensten  Gerolle 
des  Urgebirges;  sie  stammen  vielleicht  aus  den  benachbarten  Roth- 
liegend-Conglomeraten,  ebenso  wie  die  Blockanhäufungen.  Die 
Schotter,  welche  südlich  von  Dukowan  unmittelbar  die  grauen,  feinen 


*)  F.  Toula.  Die  Miocäii-Ablageruugen  von  Kralitz  in  Mähren.  Annalen 
des  k.  k.  natiirwissenschaftliclien  Ilofmiiseums.  Bd.  VIII,  Heft  2.   1893. 

V.  J.  Trochäska.  Das  Miocän  von  Kralitz  nächst  Namiest  in  Mähren. 
Böhmische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Prag  1893.  Böhmisch,  (deutsches 
Kesume.  S.  58'. 


[31] 


Die  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser. 


223 


Tertiärsaude  überlagern,  bestehen  fast  ausschliesslich  aus  Granulit 
und  Granulitgneiss,  neben  reichlichem  Quarz.  Auch  die  weiter  nördlich 
gelegenen  Schotter  bei  Mohelno  und  jenseits  der  Oslawa  über  dem 
tertiären  Tegel  bei  Koroslep  und  bei  Oslawan  (Heinrichshof)  enthalten 
neben  Quarzgeröllen  auch  häufig  Granulit.  Die  Äehnlichkeit  dieser 
Bildungen  mit  dem  Belvedereschotter  der  Umgebung  von  Wien, 
welche  ebenfalls  nicht  selten  Granulite  enthalten,  haben  schon  ältere 
Autoren  veranlasst,  beide  Ablagerungen  gleichzustellen,  und  die 
innige  Verbindung  der  Schotterbildungen  mit  den  Sauden  und  Tegeln 
kann  diese  Auffassung  nur  unterstützen. 


Fig.  2.     Kärtchen  der  mährischen  Moidayitfundstellen  mit  Renütxung  von 

Dvorsky's  Darstellung. 


Maßstab:  1,300.000. 

m  Schotterparfieen   in   denen  Moldavite   bisher  noch   nioht 

^**         gefunden  wmden. 

■  Moldavitführende  Quarzschotter. 


Während,  wie  bereits  bemerkt  wurde,  ähnliche  Schotterbildungen 
auch  weiterhin  im  ganzen  böhmisch-mährischen  Hochlande  sehr  ver- 
breitet sind  und  wahrscheinlich  zu  verschiedenen  Zeiten  in  ähnlicher 
Weise  gebildet  wurden,  ist  das  Fundgebiet  der  Moldavite  ein  be- 
schränktes und  erstreckt  sich  durchaus  nicht  über  alle  oben  ange- 
führten Oertlichkeiten. 


Man  kann  unter  den  mährischen  Vorkommnissen  noch  vier  engere 
Fundgebiete    unterscheiden,     1.    Die   Vorkommnisse    von    Trebitsch, 


224  Dl--  l*"ranz  E.  Siiess.  |'32] 

Kozichovitz  und  Slawitz.  —  2.  Von  Dalescliitz.  —  3.  Von  Skrey  und 
Dukowan.  —  4.  Von  Mohelno  und  Seiiohrad.   (Fig.  2.) 

1.  Die  kleine  Bergkuppe  „Mala  krohota",  nördlich  von  Kozichovitz 
und  östlich  von  Trebitsch,  fällt  nordwärts  ziemlich  steil  gegen  das 
enge  Thal  der  Iglawa  ab,  welche  hier  in  389  m  Seehöhe  fliesst,  während 
die  Kuppe  sich  bis  zu  451  m  Seehöhe  erhebt.  Die  kleine  plateauartige 
Erhöhung  ist  gegen  Westen  und  Osten  durch  felsige  Schluchten  be- 
grenzt, welche  zur  Iglawa  hinabführen;  im  Süden  ist  sie  durch  eine 
flache,  muldenförmige  Einsenkung  von  den  höher  gelegenen,  ebenen 
Feldern  beim  Dorfe  Kozichowitz  getrennt.  Diese  „Mala  krohota"  ist 
nun  auf  eine  Fläche  von  ca.  15  ha  mit  einer  wohl  umgrenzten  Schotter- 
lage überzogen.  Die  GeröUe  sind  so  zahlreich,  dass  die  Feld- 
friichte  nur  schlecht  gedeihen ;  es  sind  hauptsächlich  Quarzgerölle, 
oft  von  Faustgrösse,  meistens  aber  kleiner,  dazwischen  die  härteren 
Mineralien,  welche  den  Gängen  des  umliegenden  Urgebirges  ent- 
stammen, wie:  Rauchquarz,  Bergkrystall  und  Schörl  in  stark  abge- 
rolltem Zustande.  Hier  wurden  die  ersten  mährischen  Funde  gemacht. 
Dvorsky  zählte  bis  zum  Jahre  1883  15  Stück;  doch  sind  sie  später 
viel  zahlreicher  geworden,  gegenwärtig  sollen  sie  aber  bereits  nur 
spärlich  zu  finden  und  die  Felder  anscheinend  bereits  stark  abgesucht 
zu  sein. 

Eine  weitere  Fundstelle  sind  die  „Teruvka"  benannten  Felder 
am  Beginne  eines  Grabens,  der  gegen  Norden  zur  Vorstadt  Stafecka 
von  Trebitsch  führt.  (Seehöhe  464  m)  Daselbst  sind  nach  den 
Angaben  des  Inspectors  E.  Hanisch  in  den  letzten  Jahren  gewiss 
weit  mehr  als  100  Exemplare  gefunden  worden.  Die  Stelle  ist  nicht 
so  scharf  umgrenzt  wie  auf  der  „Mala  krohota",  aber  das  Vor- 
handensein der  Schotterlage  gibt  sich  sehr  deutlich  durch  zahl- 
reiche gerollte  Quarze  im  Ackerboden  kund.  Auf  den  umliegenden 
Feldern,  auf  denen  noch  keine  Moldavite  gefunden  wurden, 
fehlen  auch  die  gerollten  Quarze ;  es  finden  sich  nur  die  allent- 
halben verbreiteten  polygonalen  Quarzstücke,  welchen  den  zahlreichen 
Gängen  im  Amphibolgranitit  entstammen. 

Die  meisten  Stücke  sollen  auf  den  Aeckern  in  der  unmittel- 
baren Nähe  des  Ortes  Slawitz  (Seehöhe  490  m)  gefunden  worden  sein. 
Die  Fundstellen,  welche  an  die  Gärten  des  Dorfes  westlich  an- 
schliessen,  sind  hier  ebenfalls  mit  reichlicher  Schotteranhäufung  be- 
deckt. Quarz  ist  auch  hier,  wie  sonst,  vorherrschend  und  es  ist  diese 
Stelle  noch  durch  häufiges  Auftreten  von  rothem  Eisenkiesel  unter 
den  Gerollen  ausgezeichnet. 

Ziemlich  mächtige  Lagen  von  Quarzschotter  bedecken  auch 
weiter  im  Westen  die  Höhen  südlich  und  westlich  von  Wladislnu  (bei 
Strzischau  und  gegen  den  Heinrichshof) ;  in  diesem  Gebiete  sind  aber 
bis  jetzt  trotz  wiederholten  Suchens  noch  keine  Moldavite  gefunden 
worden. 

2.  Von  den  flachen  Höhen  zwischen  dem  Dorfe  Daleschitz  und 
dem  Thale  der  Iglava,  in  ca.  420  m  S.  H.,  zieht  sich  ein  breiter 
Streifen  von  Quarzschotter  südwärts  bis  in  die  Nähe  des  (Jrtes 
Slawietitz.  Eine  ziemliche  Anzahl  von  mährischen  Moldaviten  stammt 
aus  diesem  Gebiete.  Sie  sollen  nicht  gerade  selten,  besonders  in  einer 


[331  Die  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser,  225 

Sc  hotter  grübe  nahe  dem  Waldrande,  nordöstlich  von  Daleschitz  ge- 
funden worden  sein.  Doch  scheinen  sie  nicht  so  häufig  aufzutreten, 
wie  in  der  Umgebung  von  Trebitsch,  denn  Dvorsky  gab  im  Jahre 
1883  an  (18),  dass  ihm  nur  gelungen  war,  ein  Exemplar  in  dem  aus- 
gedehnten Gerolle,  das  auf  6  m  Mächtigkeit  geschätzt  wurde,  zu  finden. 

3.  Weitere  Geröllmassen  befinden  sich  unter  dem  Ackerboden 
an  der  Strasse,  unmittelbar  östlich  von  Skrey  i  Seehöhe  381  m),  und 
setzen  sich  gegen  Osten,  mehrfach  vom  hervorragenden  Grund- 
gebirge unterbrochen,  bis  in  die  unmittelbare  Nähe  von  Dukowan  fort. 
wo  sie,  wie  bereits  erwähnt,  an  der  Strasse  von  feinem ,  grauem, 
versteinerungsleerem  Sande  begleitet  werden.  In  diesen  Schottern 
scheinen  die  Moldavite  wieder  reichlicher  vorzukommen  als  bei 
Daleschitz. 

In  einer  Schottergrube  bei  Skrey,  in  der  das  GeröUe  4  m  mächtig 
aufgeschlossen  war,  hat  Herr  Professor  Dvorsky  in  einer  Tiefe  von 
2  m  unter  der  Oberfläche  einen  kleinen  lichtgrünen  Moldavit  aufge- 
funden. 

An  dem  Feldwege,  der  vom  Schuttboden  des  Dukowaner  Schlosses 
nordwestwärts  gegen  die  Iglawa  führt,  findet  man  unter  den  Geröll- 
stücken häufig  ungerollte  und  recht  grosse  Bruchstücke  eines  Süss- 
wasser-Hornsteines,  der  ganz  erfüllt  ist  mit  Conchylienabdrücken. 
Mir  war  es  nicht  gelungen,  die  Bildung  anstehend  zu  finden.  Nach 
Dvorsky  überlagert  sie  aber  an  dem  genannten  Fahrwege  in  Form 
einer  4 — 8  cm  mächtigen  Bank  diese  Quarzgerölle.  Ich  besitze  jedoch 
Bruchstücke  des  zelligen,  fossilführenden  Hornsteines  von  dieser 
Stelle,  welche  die  erwähnte  Mächtigkeit  um  das  Dreifache  über- 
treffen. 

Auf  Ersuchen  des  Herrn  Professors  F.  Dvorsky  (1.  c.  S.  19) 
bestimmte  Herr  Professor  F.  S an  db  erger  in  Würzburg  die  Reste  als 
PUmorbis  cornu  var.  Mantelli  und  als  Lhnnaeus  dilatxitu^.  Erstere  Form 
ist  in  jedem  Handstücke  reichlich  zu  sehen,  letztere  tritt  mehr  ver- 
einzelt auf.  Daneben  findet  sich  noch  selten  Planorlns  Gousmrdiamis, 
eine  Form,  die  bisher  nur  aus  Sansons  bekannt  geworden  ist.  Nach 
diesen  Fossilien  ist  das  Alter  des  Hornsteines  als  mittelmiocän  be- 
stimmt, und  F.  Sand  berger  hob  noch  ausdrücklich  die  grosse  Aehn- 
lichkeit  der  Bildung  mit  dem  Hornsteine  von  Egelsee  bei  Burglenden- 
feld hervor.  Leider  muss  aber  zugegeben  werden,  dass  Fhmorhis  cornu 
und  seine  Verwandten  einen  recht  indifferenten  Typus  darstellen,  von 
dem  sehr  ähnliche  Formen  noch  heute  leben,  so  dass  ich  mich  nocli 
nicht  entschliessen  kann,  das  mittelmiocäne  Alter  der  Schotter  als  un- 
zweifelhaft erwiesen  zu  betrachten. 

4.  Eine  weitere  Schotterpartie,  welche  namentlich  in  früheren 
Jahren  häufig  Moldavite  geliefert  hat,  befindet  sich  auf  den  Aeckern 
von  Mohelno  gegen  Senohrad  (Seehöhe  ca.  340  m).  Es  ist  das  die  ein- 
zige Fundstätte  nördlich  der  Iglawa.  Sie  ist  von  den  Fundstellen  von 
Daleschitz  und  Dukowan  durch  ein  breites,  tiefes  Thal  getrennt. 
(Seehöhe  der  Thalsohle  250  m.) 

Die  Lagerstätten  der  mährischen  Moldavite  sind  demnach  als 
die  Reste  eines  alten,  anscheinend  ziemlich  breiten,  Thalbodens  zu 
betrachten,    der  um  60 — 90  m  höher  lag   als  die  gegenwärtige  Sohle 


226  I>r-  l'rauz  K.  Suess.  |34] 

des  Iglawathales    und    der    sich   in   gleichen  Sinne  und  nicht  in  viel 
höherem  Grade  gegen  Osten  herabsenkte,  als  das  Iglawathal. 

Nach  dem  Gesagten  finden  sich  die  Moldavite  im  südlichen 
Theile  des  böhmischen  Massivs  in  zwei  gesonderten  Gebieten,  welche 
ca.  110  km  von  einander  entfernt  sind,  u.  zw.  stets  im  innigen  Zu- 
sammenhange mit  gewissen  Schotterlagen  von  zweifelhaftem  Alter. 
Der  innige  Zusammenhang  der  Schotter  aber  mit  tertiären  Ab- 
lagerungen sowohl  in  Böhmen  als  auch  in  Mähren,  macht  ein  mittel- 
miocänes  Alter  derselben  wahrscheinlich.  Das  böhmische  Fundgebiet 
ist  entschieden  reicher  und  umfasst  einen  Landstreifen,  welcher,  in 
der  Hauptrichtung  NNW — SSO  verlaufend,  den  Westrand  der  Bud- 
weiser  Ebene  in  leichtem  Bogen  auf  ca.  30  km  begleitet.  Die  mäh- 
rischen Vorkommnisse  begleiten  das  Thal  des  Iglawaflusses  in  der 
Ilichtung  von  NW  gegen  SO  auf  eine  geradlinige  Erstreckung  von 
ca.  25  km.  Die  Moldavite  sind  hier  noch  niemals  in  den  Flussthälern 
selbst,  sondern  immer  nur  auf  den  über  der  Thalsohle  gelegenen 
Höhen  gefunden  worden. 

In  dem  ganzen  südlichen  Theile  des  böhmischen  Massivs  findet 
sich  keine  Spur  irgend  einer  jüngeren  vulkanischen  Bildung,  Die 
nächsten  miocänen  Vulkane  des  Mittelgebirges  von  Nordböhmeu  sind 
von  den  böhmischen  Fundstellen  ca.  200  km  von  den  mährischen 
entfernt.  Die  Entfernung  der  karpathischen  Trachyteruptionen  von 
Luhatschowitz  in  Ostmähren  von  den  Trebitscher  Fundpunkten  beträgt 
immer  noch  reichlich  über  100  km. 

Es  sei  gleich  hier  erwähnt,  dass  die  Exemplare  von  ver- 
schiedenen Fundstellen  einen  etwas  verschiedenen  Charakter  auf- 
weisen (s.  Fig.  1,  S.  218).  Die  böhmischen  Stücke  sind,  wie  bereits 
Stelzner  bemerkt  hat,  leicht  als  Bruchstücke  und  scherbenartige  Ab- 
sprenglinge  erkennbar,  ihre  Oberflächensculptur  ist  feiner  ausgearbeitet 
und  im  höheren  Grade  entwickelt  als  bei  den  mährischen  Stücken, 
so  dass  die  Scherben  oft  ein  ganz  zerrissenes  oder  zerhacktes  Aus- 
sehen besitzen  Die  mährischen  Exemplare  sind  mannigfaltiger  in  der 
Form,  und  wenn  auch  Scherben  und  Bruchstücke  nicht  selten  sind, 
so  herrschen  doch  Stücke  mit  deutlich  individueller  kugel-,  zapfen- 
oder  scheibenförmiger  Ausbildung  vor.  Sie  sind  in  der  Sculptur  gröber 
und  in  ihrem  Gesammthabitus  überhaupt  mehr  den  aussereuropäischen 
Vorkommnissen  verwandt.  Besonders  ausgezeichnet  aber  sind  die 
Fundorte  Slawitz,  Teruvka  und  Kozichowitz  bei  Trebitsch,  denn  der 
bemerkenswerte  Typus  jener  massigeren  Bruchstücke  mit  mehr 
meteoritenähnlicher  Oberfläche,  welche  ich  weiter  unten  als  „Kern- 
stücke" bezeichne,  ist  fast  ganz  auf  diese  am  Westende  des  mäh- 
rischen Moldavitgebietes  gelegenen  Orte  beschränkt. 

Als  dritte  Fundstelle  für  Moldavite  werden  noch  die  weit  ent- 
fernten „Py  ro  pen  san  de"  am  Südfusse  des  böhmischen  Mittel- 
gebirges bei  Trebnitz  in  Nordböhmen  angegeben.  Nach  J.Jahn 
(33)  wurden  daselbst  bisher  8  Stücke  gefunden,  u.  zw.  bei  dem  Dorfe 
Starrey  2  grössere  Stücke  (zu  42 — 28  mm  und  33 — 25  /«?/<),  ohne  Spur 
irgendwelcher  Abrollung,  mit  stark  gerunzelter  Oberfläche  und  von 
ausgesprochen  böhmischem  Typus,    und   6  kleinere  Stücke    vom 


135]  I^ie  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  üläser.  227 

Dorfe  Chrästan,  welche  unverkennbar  durch  den  Transport  im  fliessenden 
Wasser  abgeschliffen  sind^).  Die  Pyrojjensaiide  sind  dis  Hauptt'und- 
stelle  der  böhmischen  Edelsteine  und  als  Zerstörungsproduct  hervor- 
gegangen aus  einer  tertiären  tiiffartigen  Breccie,  welche  neben  Basalt 
Gerolle  der  verschiedenen  Gesteine  des  Urgebirges,  vor  allem  der  in 
der  Nähe  anstehenden  pyropenführenden  Serpentine  enthält.  Die  Zeit 
ihres  Absatzes  fällt  in  das  Diluvium,  wie  die  Reste  von  Elep]ta>^ 
pyim'njenins.  Rliinoceros  ttcJiorJiitms  u.  a.  beweisen,  und  es  würde  durch 
eine  Bestätigung  obiger  Funde  das  diluviale  Alter  der  Moldavite  un- 
zweifelhaft dargethan  sein.  Ich  glaube  jedoch,  dass  man  sich  mit  den 
bisherigen  Angaben  wird  noch  nicht  zufriedengeben  können,  denn 
es  ist  befremdend,  dass  bisher  nur  8  Stücke  gefunden  worden 
sein  sollen,  da  ja  doch  diese  Seifen  schon  seit  Jahrhunderten  aus- 
gebeutet werden  und  sowohl  zahlreiche  Tagbaue,  als  auch  bis  60  m 
tiefe  Schächte  in  dem  ausgedehnten  Schottergebiete  eröffnet  worden 
sind.  Während  der  Prager  Landesausstellung  im  Jahre  1890,  als  die 
Moldavite  als  Schmucksteine  besonders  begehrt  waren,  sind  in  den 
Pyropensanden  über  362  Arbeiter  beschäftigt  gewesen,  und  es  ist 
kaum  denkbar,  dass  damals  ebensowie  in  den  früheren  Jahr- 
hunderten, in  denen  bereits  die  Granatgewinnung  lebhaft  betrieben 
worden  war,  die  ohne  Zweifel  auffallenden  Moldavite  keine  Beachtung 
gefunden  hätten.  Es  muss  demnach,  wie  ich  glaube,  auch  der  Ge- 
danke erwogen  werden,  ob  nicht  die  8  Moldavite  von  Trebnitz,  welche 
vollkommen  denen  von  Budweis  gleichen,  durch  Händler  oder  Edel- 
steinschleifer, die  ja  die  Moldavite  und  die  Granaten  in  denselben 
Werkstätten  verarbeitet  haben,  auf  irgend  einer  Weise  verschleppt 
worden  sind^). 


^)  J.  J.  Jahn,  lieber  das  Vorkommen  der  Moldavite  in  den  nördbölimischen 
Pyropensanden.  Verhandl.d.k.  k.  geol.  R.-A;  1^99,  S.  81.  —  Siehe  auch  Ö.  Zah  älka. 
0  horninäch  pyrop  sproväzejicich  v  Ceskeni  Stfedohofi.  (Ueber  die  den  Pyrop  im 
böhm.  Mittelgebirge  begleitenden  Gesteine.)  Sitzgber.  der  kgl.  böhm.  Gesellschaft 
d.  Wissensch.  Prag  1883,  und  H.  Oehmichen.  Die  böhmischen  Granatlagerstätten 
und  die  Edelsteinseifen  des  Seufzergründeis  bei  Hinterhermsdorf  in  Sachsen.  Zeit- 
schrift für  prakt.  Geologie,  Berlin  1900,  S.  5. 

^)  Frank  Rutley  gibt  als  Moldavitfundpunkt  noch  Mont  Döre  in  der 
Auvergne  an.  Um  über  die  Angabe  Aufklärung  zu  erhalten,  wandte  ich  mich  an 
Herrn  Paul  Gautier,  Conservateur  du  Musee  Lequoc  in  Clermont  Ferrand,  und 
erhielt  nicht  nur  die  liebenswürdigste  Auskunft,  sondern  auch  einige  Proben  von 
den  von  Rutley  wahrscheinlich  mit  den  Moldaviten  verwechselten  Körpern.  Bei 
la  Bourboule,  oberhalb  des  Dorfes  Pessy,  findet  sich  ein  trachytischer  Bimstein- 
tuff,  der  von  Michel-Levy  als  „Cinerite  inferieure  rhyolitique"  bezeichnet  wird 
(Le  Mont-Döre.  Bulletin  de  la  Soc.  geologique,  Bd.  XVIII,  1890,  pag.  789);  er  ent- 
iiält  trümmerförmige  Einschlüsse  von  Rbyolit  und  Perlit.  An  einem  Punkte  in 
der  Nähe  von  Pessy  findet  man  in  dem  Tuffe  noch  isolirte,  durchscheinende 
Körneben  eines  Obsidians,  gewöhnlich  von  der  Grösse  einer  Erbse,  selten  bis  zu 
der  einer  Haselnuss.  Das  dürften  die  von  Frank  Rutley  gemeinten  Stücke  sein. 
In  den  Proben  konnte  ich  sofort  sehen,  dass  die  Stücke  von  den  Moldaviten  sehr 
verschieden  sind.  Die  Farbe  ist  blass  rauchgrau,  mit  einem  schwachen  Stich  ins 
bräunlichgrüue.  Die  Formen  sind  unregelmässig  abgekantet,  und  sie  erinnern  ent- 
schieden an  die  meist  grösseren  Marekanite,  mit  denen  sie  in  der  Entstehung  in- 
sofern eine  gewisse  Ciemeinschaft  haben  dürften,  als,  nach  einem  noch  im  Tuffe 
eingeschlossenen  Exemplare  zu  schliessen,  ihre  gegenwärtige  Gestalt  durch  Ab- 
springen einer  äusseren,  etwas  heller  glasigen  Schiebte  entstanden  ist,  während 
die    Marekanite    bekanntlich   die   innersten    Kerne    zweibelschaliger   Partien    einer 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Ueichsanstalt,  1900,  50.  Band,  2.  Heft.  (Fr.  E.  Suess.)       30 


228  I^r.  Franz  E.  Suess.  [36] 

2.  Vorkoiiiiniiisse  im  Suiida-Archipel. 

Die  grösste  Anzahl  von  Billitoniten  haben  bis  jetzt  die  Zinn- 
seifen der  Insel  Billiton  bei  Java  geliefert.  Sie  wurden  von  Verbeek 
eingehend  beschrieben  und  seiner  Schilderung  sind  zum  Tlieil  in 
wörtlicher  Uebersetzung  die  nachfolgenden  Angaben  entnommen. 

Die  „Glaskugeln  von  Billiton"  finden  sich  in  den  sogenannten 
„Kulitseif en".  Man  gewinnt  nämlich,  sowohl  auf  Billiton  als  auch 
auf  der  benachbarten  Insel  Bangka,  das  Zinn  zunächst  aus  den  Gängen 
der  ursprünglichen  Lagerstätten  und  dann  auch  aus  den  Seifen,  unter 
denen  zweierlei  Arten  unterschieden  werden,  u.  zw.  einerseits  die 
genannten  eluvialen  Bergzinnseifen  oder  Kulitseifen  und  die  ange- 
schwemmten Thalzinnseifen  oder  KoUongseifen.  In  den  ersteren  wird 
die  oberste  verwitterte  Kruste  der  Gesteine  (Kulit)  mit  den  darin  ent- 
haltenen Zinnerzquarzgängeu  gebrochen  und  verwaschen;  es  sind  das 
die  eigentlichen  Kulitseifen.  An  anderen  Stellen  liegen  über  der  ver- 
witterten oder  unverwitterten  Gesteinsdecke  eine  oder  zwei  Lagen 
von  aufgeschwemmtem  Sand,  welche,  da  sie  zinuhaltend  sind,  in 
gleicher  Weise  verwaschen  werden.  Man  rechnet  sie  auch  zu  den 
Kulitseifen,  da  die  Gewinnungsweise  des  Zinns  mit  der  in  den  echten 
Kulitseifen  übereinstimmt.  Aus  der  horizontalen  Lagerung  der  Sande 
und  der  gleichmässigen  Vertheilung  der  Zinnerzstückchen  geht  hervor, 
dass  sie  wahrscheinlich  in  einem  seichten  See  abgesetzt  wurden  ;  nach 
Verbeek  sind  sie  richtiger  zu  den  Kulitkollongseifen  zu  rechnen. 
Die  Glaskugeln  finden  sich  sowohl  auf  der  alten  Gesteinsoberfläche 
als  auch  unter  den  quartären  Sandlagen  und  nicht  in  der  Ver- 
witterungskruste des  Gesteins.  Auf  der  gegenwärtigen  Oberfläche  sind 
sie  noch  nicht  gefunden  worden  und  sie  gehören  augenscheinlich  nicht 
der  Gegenwart,  sondern  einer  früheren  Epoche  —  wenn  nicht  der 
Pliocänzeit  —  doch  mindestens  dem  Diluvium  an. 

Die  „Glaskugeln"  wurden  ferner  auch  gefunden  beim  Verwaschen 
der  Erzlagen  aus  einigen  Thälern.  Herr  Verbeek  empfing  einige 
Exemplare  aus  diesen  sogenannten  Kaksa,  das  sind  die  0-10—1  m 
mächtigen  J^rzlagen,  welche  unmittelbar  auf  dem  Grundgebirge  liegen. 
Sie  bestehen  aus  Quarz,  Schieferbrocken  und  Grus  von  zersetztem 
Granit.  Diese  Stücke  unterscheiden  sich  in  keiner  Hinsicht  von  den 
Glaskugeln  der  Kulitkollongseifen.  Doch  kommen  sie  in  den  Kaksa- 
lagen  der  Thäler  nur  sehr  selten  vor,  so  dass  vermuthet  wurde,  dass 
sie  durch  chinesische  Arbeiter  dahingebracht  worden  sind.  Verb  e  ek 
kann  sich  aber  dieser  Meinung  nicht  anschliessen,  da  diese  Steine 
für  die  Minenarbeiter  keinen  besonderen  Wert  haben  und  von  diesen 
in  der  Regel  weggeworfen  werden.   Wahrscheinlich  ist  auch  das  Alter 


grösseren  Obsidianmasse  darstelleu.  Vor  dem  Löthrohre  verhalten  sich  die  Körn- 
chen wie  gewöhnliche  Obsidiane,  schwellen,  rasch  weiss  werdend,  bltimenkohlartig 
auf.  Unter  dem  Mikroskope  sieht  man  die  für  Obsidiane  charakteristischen  Mikro- 
lithen.  Das  Vorkommen  hat  demnach  mit  den  Moldaviten  gar  nichts  zu  thun. 

Von  den  vielleicht  auch  zu  l)erück8iclitigenden  Obsidianbomben  vom  iierge 
Patka  bei  Tokay,  welche  Beudant  beschrieben  hat  (Voyage  en  Hoiigrie  1822,  II. 
pag.  213)  konnte  ich  kein  Exemplar  erhalten,  da  sie  in  den  Museen  in  Budapest 
nicht  vorhanden  sind.  Nach  ihrem  Vorkommen  kann  aber  kaum  gezweifelt  werden, 
dass  auch  sie  echte  Obsidiane  sind. 


[37]  Die  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  229 

der  Erzlager,  in  den  Thillern  und  der  Kulitkollongseifen  genau  das- 
selbe, und  es  ist  kein  Grund  vorhanden,  warum  sie  in  jenen  nicht 
ebensowohl  auftreten  sollten,  wie  in  diesen. 

Eine  Aufzählung  der  Fiindpunkte  zeigt,  dass  die  „Glaskugeln", 
über  der  ganzen  Insel  verbreitet,  meistens  in  den  Kulitkollongseifen 
vorkommen,  u.  zw.  sowohl  in  den  Seifen  über  dem  Granit,  als  auch 
in  denen  über  sedimentären  Gesteinen,  so  dass  bei  ihrem  Auftreten 
der  Untergrund  keine  Rolle  spielt. 

Von  anderen  Fundpunkten  aus  dem  malaiischen  Gebiete  liegen, 
wie  es  scheint,  bisher  nur  einzelne  Stücke  vor.  Im  Museum  von 
Amsterdam  befinden  sich  nach  V  e  r  b  e  e  k  zwei  Glaskugeln,  eine 
schwarze  und  eine  lichtgelbe,  von  dem  Berge  Muhria  in  Djapara 
auf  Java.  Die  Stücke  waren,  nach  Angabe  des  Regenten  von  Djapara, 
zugleich  mit  einigen  hellergrünen,  beim  Graben  einer  Wasserleitung 
in  der  Nähe  von  Djapara  am  westlichen  Fusse  des  genannten  Berges 
gefunden  worden.  Sie  lagen  wahrscheinlich  daselbst  in  quartären 
(oder  pliocänen)  Tufflagen,  von  demselben  Alter,  wie  diejenigen, 
welche  sich  am  Südfusse  des  Berges  Muhria  bei  Patajam  befinden. 
Von  dem  Leucitvulkane  Muhria  sollen  sie  in  keinem  Falle  herstammen 
können,  denn  dieser  hat  bisher  keine  Gläser  geliefert. 

Der  Regent  von  Djapara  hatte  die  gefundenen  Kugeln  zu  Knöpfen 
schleifen  lassen;  und  auch  an  den  beiden  Amsterdamer  Stücken  waren 
Facetten  angeschliffen,  so  dass  an  der  hellgelben  Kugel  gar  nichts, 
au  der  schwarzen  Kugel  nur  wenig  von  der  ursprünglichen  Oberfläche 
zu  sehen  war.  Doch  zeigt  die  letztere  dieselben  Furchen  und  Gruben 
wie  die  Billitonkugeln ;  in  den  Vertiefungen  haften  kleine,  gelbe 
Glimmerschüppchen,  die  wahrscheinlich  aus  den  Tufflagen  stammen 
sollen,  in  denen  die  Kugeln  eingebettet  waren.  Die  hellgelbe  Kugel 
zeigt,  im  Gegensatze  zu  den  Exemplaren  von  Billiton,  verschieden 
grössere  und  kleinere  Glasblasen.  Die  Zugehörigkeit  dieser  letzteren 
zu  den  Billitonkugeln  wird  übrigens  von  P.  Krause  (45,  S.  238) 
bezweifelt. 

Auf  das  Vorkommen  in  B  o  r  n  e  o  hat,  wie  erwähnt,  zuerst 
Wichmann  aufmerksam  gemacht.  Von  zwei  Exemplaren  im  Reichs- 
museum zu  Leiden  wurde  die  eine  von  Salomon  Müller  aus  den 
Goldminen  von  Palaiary  (Pleiari)  in  Tanah  Laut  im  Süden  von  Marta- 
pura  gebracht.  Die  zweite,  von  Herrn  P.  van  Dijk  nach  Leiden 
gesandte,  trug  die  Etiquette :  „Aus  den  Diamantgruben  bei  Sungei 
Riam  in  Tanah  Laut."  Verbeek  vermuthet,  dass  damit  die  Diamant- 
gruben im  Süden  von  Karang  intan,  in  der  Nähe  des  Flusses  (Sungei) 
Riam  gemeint  sind.  Beide  Stücke  sind  schwarz,  mit  gegrubter  Ober- 
fläche. Die  Fundstellen  in  Gold-  und  Diamantwäschen  deuten  auf 
mindestens  diluviales  Alter :  sie  liegen  ca  500  km  von  den  nächsten 
Java-Vulkanen  entfernt. 

Zwei  ganz  ähnliche  Bomben  hat  van  Hasselt  von  der  weit  nörd- 
lichen Insel  B  unguran  im  Natuna- Archipel  mitgebracht.  P.  Krause 
bemerkt  gelegentlich  der  Beschreibung  der  Stücke  (45),  dass  es  nach 
unserer  bisherigen,  allerdings  noch  lückenhaften  Kenntnis  der  Geologie 
Bungurans  und  der  benachbarten  Landmassen  nicht  wahrscheinlich  ist, 
dass  in  dem  Gebiete  alter  Gesteine  ein  junger  Vulkan  vorhanden  sei. 

30* 


230  r>''-  Vvmz  R.  Suess.  [Sg] 

Die  nächste  bekannte,  jüngere  Eruptivniasse  ist  der  erloschene  Vulkan 
Melabu  in  der  Westabtheilung  von  Bonieo.  von  der  Insel  Bunguran 
reichlich  über  300  Aw  entfernt  M. 

Die  malaiischen  Fundstätten  sind  nach  dem  Gesagten  in  vieler 
Hinsicht  den  böhmisch-mährischen  verwandt.  Die  Stücke  finden  sich 
auch  hier  in  quartären  oder  jungtertiäreu  Anschwemmung  und  sind. 
mit  Ausnahme  des  einen  Vorkommens  von  Djapara,  weit  entfernt  von 
irgendwelchen  jüngeren  vulkanischen  Bildungen.  Doch  erstrecken  sich 
die  Funde  im  Sunda-Archipel  auf  ein  viel  grösseres  Gebiet  und  um- 
fassen Entfernungen  von  300 — bOOkm.  Als  eine  auffallende  Thatsache 
muss  hervorgehoben  werden,  dass,  obwohl  die  Glaskugeln  auf  der 
ganzen  Insel  Billiton  ziemlich  verbreitet  sind,  dieselben  auf  der  benach- 
barten Insel  Bangka,  wo  das  Zinn  in  den  gleichen  Seifen  gewonnen 
wird,  nach  der  ausdrücklichen  Bemerkung  von  Verb  eck  nicht  ge- 
funden werden. 


3.  Australische  Vorkoiniuiiisse. 

Unvergleichlich  ausgedehnter  als  die  beiden  vorgehenden  ist 
das  Fundgebiet  der  Australite.  Hiervon  gibt  die  Zusammenstellung  in 
II.  H.  Walcott's  Aufsatz  Zeugnis  (58).  Die  bisher  bekannt  gewordenen 
Fundstellen  sind  fast  über  den  ganzen  südlichen  Theil  des  Continentes 
verbreitet;  von  Albany  (South  West-Division)  im  Westen  bis  Uralla 
(New-England)  im  Osten  sind  sie  fast  über  die  ganze  Breite  Australiens 
vertheilt.  Beiläufig  in  der  Mitte  des  Continentes  im  Gebiete  der  Mac 
Donnel  Range  und  im  Central-  (Rockhampton)  Districte  (Queensland)  nahe 
der  Ostküste,  erreichen  sie  die  nördlichsten  Punkte,  und  im  Süden 
sind  sie  an  zahlreichen  Stellen  in  den  Ebenen  und  Anschwemmungen 
Tasmaniens  entdeckt  worden.  (Twelvetrees  und  P e 1 1 e r d  53.) 

Sie  finden  sich  an  den  einzelnen  Stellen  innerhalb  dieser  äussersten 
Grenzen  theils  frei  an  der  Oberfläche  liegend,  theils  in  jüngeren 
Bildungen  eingebettet.  Ersteres  ist  z.  B.  der  Fall  an  verschiedenen 
Punkten  der  grossen  Victoriawüste  und  der  Umgebung  von  Uralla. 
Doch  häufiger  sind  die  ausdrücklichen  Angaben  von  ihrem  Auftreten- 
in  verschiedenen  Tiefen  unter  der  Oberfläche.  So  soll  das  von 
Clark  e  erwähnte  Stück  (47)  vom  Turon  River  (Neu-Südwales)  aus  einer 
Goldseife  aus  einer  Tiefe  von  30  Fuss  unter  der  Oberfläche  stammen  ; 
in  Nerring  bei  Beaufort  (Victoria)  sollen  Exemplare  in  einem  Thon 
12  Fuss  unter  der  Oberfläche,  in  den  Goldseifen  bei  Ararat  (Victoria) 
16  Fuss  und  Rokewood  30  Fuss  unter  der  Oberfläche  gefunden  worden 
sein.     An  anderen  Stellen  werden    die  Tiefen   geringer   angegeben  -). 


^)  Die  schwanken  und  gefiircliten  Bomben  von  Hyomelan,  von  Atapiipu  in 
der  Regentschaft  Fiarlang  auf  Timor,  welche  nacli  A.  Wich  mann  au  die 
bölimischen  ßouteillensteine  erinnern,  gehören  nicht  hieher.  Ihre  ursprüngliche 
Lagerstatte  ist  eine  AugitAndesithreccie  und  sie  sind  den  marekauitartigen  Oh- 
sidianen,  denen  aucli  die  oben  erwähnten  Gläser  aus  der  Auvergne  angehören, 
zuzurechnen.  A.  Wichmann,  Gesteine  von  Timor.  Sammlungen  des  gool.  Reichs- 
museums in  Leiden.  I.  Beiträge  zur  Geologie  Ostasiens  und  Australiens.  Leiden, 
II.  Bd.,  Heft  1,  S.  21  ff. 

■■')  Die  genauen  Daten  Walcott's  (1.  c.  S.  38)  sollen  hier  im  einzelnen  wieder- 
gegeben werden:  „In  West-Australien  scheinen  die  „Obsidianite''  seit  pjiitdeckung 


[39]  r)iG  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  231 

Ganz  ähnlich  verhält  es  sich  auch  mit  den  Fundplätzen  in  Tasmanien ; 
sie  werden  daselbst  an  zahlreichen  Punkten,  welche  auf  entfernte 
Oertlichkeiten  im  Westen  und  Osten  der  Insel  vertlieilt  sind,  in  Gold- 
und  Zinnseifen,  meist  in  geringen  Tiefen,  selten  aber  auch  in  Tiefen 
bis  zu  10  Fuss  gefunden  Doch  betonen  die  beiden  Autoren  Twel- 
vetrees  und  Fetter d  (53),  dass  die  Stücke  trotz  ihrer  Verbreitung 
keineswegs  zahlreich  sind,  und  dass  sie  bei  der  Beschreibung  nur 
acht  Stücke  zur  Hand  hatten.  In  dem  centralen  Theile  der  Insel 
sind  sie  bisher  noch  nicht  nachgewiesen  worden. 

Seien  die  Stücke  nun  an  der  Oberfläche  gefunden  worden  oder 
in  der  Tiefe,  in  der  grossen  Mehrzahl  der  Fälle  zeigen  sie  keinerlei 


der  Goldfelder  sowohl  verstreut  auf  der  Oberfläche  als  auch  in  den  Aliuvien  von 
Coolgardie  und  den  umliegenden  Districten  reichlich  gefunden  worden  zu  sein. 
Victor  Streich  sagt,  dass  sie  am  Mount  Squires  im  Fräser  Gebirge,  in  den  Sand- 
hügeln  der  grossen  Victoriawüste  und  in  der  Birksgate  Range  gesammelt  worden  sind. 
Nach  Mr.  H.  L.  Br  0  wn,  Gouvernement-Geologen  von  Süd- Australien,  sind  sie  in 
gleicher  Weise  über  diese  Provinz,  besonders  im  fernen  Norden  verbreitet  und  die 
Herren  Täte  und  Watt  fanden  zahlreiche  Stücke  zwischen  Stevenson  River  und 
Charlotte  Waters.  Prof.  Täte  erwähnt,  ein  Stück  aus  Gawler  (Adelaide)  erhalten 
zu  haben,  welches  in  einer  Travertinkugel  enthalten  war  und  eine  weitere  Anzahl, 
welche  bei  Stuarts-Creek  und  am  König  Georgs-Suud  gesammelt  worden  waren  Nach 
.1.  Chandler  sollen  Pechstein-  und  Obsidianbomben  in  den  Ebenen  von  Peak  reichlich 
vorkommen  und  Mr.  Ca  nh  am  berichtet  über  ähnliche  Stücke,  von  Stuarts-Creek 
Das  hohle  Exemplar,  welches  Stelzner  beschrieben  hat,  soll  vom  Kangaroo-Island 
stammen.  Clark's  Angabe  über  das  Vorkommen  am  Wannon.  scheint  die  erste 
zu  sein,  welche  sich  auf  Victoria  bezieht.  Im  Südwestdistricte  dieser  Colonie  sind 
ihre  viele  gefunden  worden,  z.  B.  auf  den  Elephants-  und  Eccles  Bergen.  Sie  werden 
ebenfalls  angegeben  von  einer  postpliocänen  Anschwemmung  bei  Spring  Creek  unweit 
Daylesford  (Victoria,  Melbourne  NW)  Obsidian  soll  sich  finden  (nach  der  Angabe  in 
einem  Ausstellungs-Katalog)  bei  Ararat  und  Retreat  Creek,  Inglebey,  doch  werden 
keine  näheren  Daten  gegeben.  Stücke  im  Warrnambool- Museum  sind  bezeichnet 
vom  Mount  Rouse,  Grassmere,  und  von  Mepunga  2  Fuss  unter  der  Ober- 
fläche. Mr.  R.  G.  Johns  in  Ballarat  stellt  fest,  dass  Obsidianite  an  der  Ober- 
fläche gefunden  worden  sind  bei  Warrnambool,  Balmoral,  Harrow  und  Edenhope 
(im  Westdistrict),  in  den  Goldseifen  bei  Ararat  16  Fuss  und  bei  Rokewood  30  Fuss 
unter  der  Oberfläche ;  ferner  noch  in  seichten  Gruben  der  Hard  Hills,  bei  Buninyong. 
Er  berichtet  neuerlich  über  einen  Obsidianring,  welcher  gefunden  wurde  auf  Ledrock 
16  Fuss  von  der  Oberfläche  bei  Rocky  Point,  circa  acht  Meilen  von  Ararat.  Mr. 
T  S.  Hart,  von  der  Ballarat-Bergschule,  gab  folgende  Liste  von  Localitäten, 
von  denen  die  Exemplare  (sämnit liehe  von  der  charakteristischen  Knopfform) 
des  Museums  stammen:  Telangatuk,  Nord  von  Balmoral;  Glenelg  River,  Nerring 
bei  Beaufort,  gefunden  im  Thon  12  Fuss  von  der  Oberfläche,  Byaduk-Creek 
(Hamilton);  ferner  Bolwarrah  (Moorabool  River)  Mr.  G.W.  Card  theilt  mit,  dass 
sie  bei  Uralla  Neu-Südwales  sowohl  in  seichten  Wäschen,  als  auch  verstreut  an 
der  Oberfläche  vorkommen,  dass  sie  aber  auch  in  tieferen  Erzlagern  gefunden 
worden  sein  sollen;  doch  von  letzterem  \'orkommeu  konnte  kein  Nachweis  erlangt 
werden  Sie  werden  auch  angegeben  von  Thakaringa.  Tumbarumba  (Cobar 
District),  Majors  Creek  und  Brcken  Hill.  In  derselben  Colonie  war  das  von 
Darwin  beschriebene  Stück  zwischen  den  F^lüssen  Murray  und  Darling  gefunden 
worden ;  ferner  die  Stücke  aus  dem  Waschmaterial  von  Uralla  und  das  eine  vom 
Turonflusse,  welche  W.  Clarke  erwähnt  hat.  Ein  im  technologischen  Museum 
(in  Melbourne?)  befindliches  Stück  soll  vom  Mount  Oxley  stammen.  Mr.  R.  L.  Jack, 
Gouvernement-Geologe  von  Queensland,  stellte  fest,  dass  Obsidianknopfbomlien 
vom   Central-  (Rockhampton)  District  gebracht  worden  sind." 

Nach  einer  brieflichen  Mittheilung  von  J.  C.  MouJden  an  mich,  wurden 
ferner  einige  Stücke  gefunden  auf  den  diluvialen  Ebenen  bei  Wasleys,  einer 
kleinen    Stadt  40  Meilen  nördlich  von  Adelaide. 


232  r)r-  Fianz  E.  Suess.  [40] 

Spur  irgend  einer  Abreibung  oder  sonstige  Anzeichen  von  Trausport 
durch  Wasser.  Nur  von  frei  gefundenen  Stücicen  zeigen  einige  leicht 
angewitterte  Oberflächen.  Allerdings  glaubt  Wale  Ott,  dass  die  Stücke 
einerseits  wegen  ihrer  Sprödigkeit  und  Gebrechlichkeit  keine  längere 
Beförderung  im  fliessenden  Wasser  überstellen  konnten,  und  dass 
ferner  abgerollte  Stücke  leichter  der  Aufmerksamkeit  der  Sammler 
entgangen  sein  werden,  und  er  schliesst.  dass  bei  der  jetzigen  Ver- 
theilung  der  Stücke  der  Transport  durch  fliessendes  Wasser  keinesfalls 
eine  bedeutende  Rolle  spielen  kann. 

Einige  interessante  Angaben  über  das  Vorkommen  der  Obsidianite 
verdanke  ich  zwei  an  mich  gerichteten  Briefen  des  Herrn  Ingenieurs 
J.  Coli  et  Mouldeu  in  Broken  Hill,  der  schon  seit  Jahren  ein  ent- 
schiedener Anhänger  der  Theorie  vom  kosmischen  Ursprung  der  austra- 
lischen Bomben  war  (Lit.  51)  und  selbst  eine  Sammlung  von  60  Stück 
besitzt.  Seinen  Briefen  entnehme  ich  die  folgenden  Bemerkungen : 
„Die  Obsidianite  scheinen  in  Australien,  obwohl  sehr  weit  verstreut, 
niemals  reichlich  aufzutreten.  Ein  absichtliches  Suchen  hat  gewöhn- 
lich keinen  Erfolg.  Ich  selbst  habe  Tag  für  Tag  gesucht  und  niemals 
einen  gefunden.  Ein  einziges  Iilxemplar  fand  ich  hier  in  der  Nähe, 
und  das  gerade,  als  ich  nicht  darauf  ausging.  Goldsucher  und  Leute, 
die  am  Lande  beschäftigt  sind,  finden  sie  gewöhnlich.  Sehr  schöne 
Exemplare  kommen  in  West-Australien  vor.  an  ihnen  erhielt  sich  noch 
eine  Art  glänzender,  glasiger  „Haut"  oder  Politur,  ähnlich  der  „Haut" 

metallischer  Meteoriten Es  verdient  hervorgehoben  zu  werden, 

dass  sie  in  dieser  Gegend  zusammen  vorkommen  mit  vollkommen  ab- 
rundeten Massen  von  Bergkrystall,  Turmalin  etc.,  während  die  Stücke 
selbst  vollkommen  un gerollt  und  gar  nicht  abgerieben  sind, 
wie    wenn    sie    an    dem   Punkte    niedergefallen    wären,    an    dem   sie 

aufgefunden    werden •'     Im    ferneren    Berichte    erwähnt   Herr 

J,  C.  Moulden  noch  ein  merkwürdiges  Unicum  seiner  Sammlung, 
nämlich  ein  kleines  rundes  Exemplar,  welches  einen  grossen  Theil 
Olivin  enthält.  Ich  werde  hierauf  noch  weiter  unten  zu  sprechen 
kommen. 

Die  ganze  Region,  über  welche  die  Australite  in  Australien 
vertheilt  sind,  umfasst  Entfernungen,  wie  von  Lissabon  bis  Tiflis  in 
der  Länge,  und  von  Rom  bis  Stockholm  in  der  Breite.  Nirgends  auf 
dem  ganzen  Continente  ist  ein  Eruptionspunkt  bekannt,  welcher  ähn- 
liche Objecte  geliefert  hat,  und  von  dem  aus  sie  auf  irgend  einer 
Weise,  durch  Wind  oder  Wasser,  oder  vielleicht  durch  die  Ein- 
geborenen zu  den  jetzigen,  so  weit  von  einander  entfernten  Fund- 
punkten hätten  gebracht  werden  können.  Ein  erloschenes  Eruptiv- 
gebiet bildet  den  Mount  Elephant  und  Mount  Eccles  (Victoria),  und 
man  könnte  vielleicht  denken,  dass  die  „Obsidianite"  von  dorther 
stammen  (Walcott  I.  c.  S.  44).  Doch  sind  die  Laven  dieses  Gebietes 
basaltisch  und  die  blasigen  Bomben,  welche  in  einzelnen  Theilen  des 
(iebietes  ziemlich  häufig,  sind  in  jeder  Hinsicht  völlig  verschieden 
von  den  sauren  „Obsidianiten".  In  einzelnen  Stellen  hat  man  sie  in 
vollkommen  frischem  Zustande  auf  dem  Basalte  gefunden,  der,  ob- 
wohl er  die  allerjüngsten  Ergüsse  bildet,  bereits  sehr  stark  zersetzt 
war.  Auch  T  w  e  1  v  e  t  r  e  e  s  und  P  e  1 1  e  r  d  betonen,  dass  auf  Tasmanien 


1411  Die  Flerkmift  dar  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  233 

kein  Glas  irgend  eines   ähnlichen  Eruptivgesteines,    noch    sonst   eine 
Spur  von  tertiärem  Rliyolit  oder  Trcacliyt  bekannt  ist. 

Die  nächsten  Vulkane  mit  sauren  Ergüssen  befinden  sich  auf 
der  Nordinsel  von  Neu-Seeland ;  gerade  dort  sind  aber  bis  jetzt  die 
Obsidianite  oder  ähnliche  massige  Bomben  noch  nicht  gefunden  worden. 


Fast  man  die  wesentlichen  Tunkte  aus  dem  über  das  Vorkommen 
der  Tektite  Gesagten  zusammen,  so  ergibt  sich,  dass  dieselben  in 
den  drei  gesonderten  Gebieten  in  ganz  ähnlicher  Weise  auftreten. 
Wenn  sie  nicht  unmittelbar  an  der  Oberfläche  liegen,  so  sind  sie  in 
geologisch  jungen  Ablagerungen  von  nicht  genau  bestimmbarem, 
aber  wahrscheinlich  diluvialem  oder  jungtertiärem  Alter  eingebettet. 
Obwohl  sie  sehr  häufig  im  Schotter  zusammen  mit  wohlabgerundeten 
Gerollen  auftreten,  so  sind  die  Stücke  doch  meistens  sehr  frisch 
und  zeigen  keine  Spur  von  mechanischen  oder  chemischen  An- 
griffen an  der  Oberfläche.  Das  Vorkommen  der  Tektite  steht  ferner 
in  keinem  der  Fundgebiete  in  irgend  einem  Zusammenhange  mit  der 
Geologie  des  Landes  und  scheint  in  dieser  Hinsicht  in  jedem  Falle 
vollkommen  zufällig  zu  sein.  Die  meisten  Fundpunkte  sind  ungemein 
weit  entfernt  von  irgend  welchen  jüngeren  eruptiven  Bildungen ;  und 
wo  die  Stücke  in  der  Nähe  von  Vulkanen  gefunden  werden,  sind 
dies  immer  nur  Eruptionspunkte,  welche  ganz  anders  geartete  Ge- 
steine geliefert  haben.  Auch  in  diesen  Fällen  muss  ihr  Auftreten  in 
der  Nähe  der  betreffenden  Berge  als  rein  zufällig  betrachtet  werden  ^), 


III.  Chemische  Zusammensetzung. 

Seit  der  ältesten  theilweisen  Analyse  von  Klaproth  im  Jahre 
1816  sind  die  Moldavite  von  Trebitsch  und  Budweis  in  chemischer 
Hinsicht  wiederholt  untersucht  worden.  Schon  die  ältesten  Prüfungen 
haben  trotz  mancher  offenkundiger  Ungenauigkeiten  ergeben,  dass  die 
chemischen  Bestandtheile  in  dem  Glase  in  Verhältnissen  enthalten 
sind,  welche  bei  Eruptivgesteinen  häufig  vorkommen  und  keineswegs 
einen  zufälligen  oder  stark  schwankenden  Charakter  aufweisen,  wie  man 
das  bei  einem  Nebenproducte  künstlicher  Schmelzungen  erwarten 
sollte.  Ich  folge  dem  Beispiele  vieler  Petrographen,  wenn  ich  bei 
den  späteren  Betrachtungen  die  älteren,  weniger  verlässlichen  Analysen 
ausser  acht  lasse ;  hier  seien  sie  nur  der  Vollständigkeit  halber  an- 
geführt. 


^)  In  G.  Fr.  Kunz:  Gems  and  precious  stoaes  of  North-America  (New- 
York  1890)  pag.  168  tiadet  sich  folgende  Bemerkung:  „Near  Santa  Fe  (New 
Mexico)  it  (obsidian)  is  found  in  rounded  pebbles  over  an  inch  across,  resenibling 
moldavite,  as  the  variety  from  Moravia  is  called,  only  not  quite  so  green".  Ich 
hatte  Gelegenheit  Herrn  Kunz  während  seines  kurzen  Aufenthaltes  in  Wien  im 
Jahre  1899  über  den  Punkt  persönlich  zu  befragen,  und  erfuhr,  dass  sich  das 
Vorkommen  als  sehr  zweifelhaft  herausgestellt  hatte. 


234  J>i-  ^'i'aiiz  K.  8uess.  [42J 


.S7  0^ 88-50 

Ah  (>3 5-75 

Fei  ^3 1"'^ 

FeO — 

MnO — 

Ca  0 200 

Mg  0 — 

K^O — 

Xa,  () — 

Glühverlust     ...  — 


II. 

III. 

IV. 

V. 

«1 

lec'.Gew.y 

3.Ö.    I8i)ec.(il('w. 

82  70 

79-12 

81-21 

76-10 

9-40 

11-36 

10-23 

5'10 

2-61 

2-38 

2-45 

1         717 

0-18 

— 

— 

1  25 

1'21 

4-45 

2-10 

4-67 

1-21 

1-48 

1-08 

2-95 

2  45 

1-21  Diff. 

243 

3-lG 

— 

— 

0-14 

— 

98-00  99-71  100-00  99-64  100-43 

I.  Budweis  (?).  Klapproth.    Magaz.    d.  Ges.    d.    iiaturw.   Freunde. 

Berlin   1816. 

II.  Budweis.    A.  L.  Er  dm  an  ii.    Journal   für   techn.  u.  ökonomische 

Chemie.  Leipzig  1832. 

III.  Moldauthein  (?).  C.  v.  Hauer.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1854.  S.  869. 

IV.  Trebitsch.  C.  v.  John.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1880.  pag.  282. 

V.  Trebitsch.    Wenzliczke.   Verhandl.   d.  naturw.  Vereines.  13rünn, 

1880,  Bd.  XIX.  Abhandl.  S.  9. 

Die  vollkommenste  Uebereinstimmung  zeigen  dagegen  sieben 
neuere  Analysen,  von  denen  sechs  zu  verschiedenen  Zeiten  von  Herrn 
C.  V.  John  und  eine  von  Herrn  Jos.  H  au  a  mann  in  Frauenberg  bei 
Budweis  vorgenommen  wurden. 

VI.  VII.  VlIJ.  IX.             X.  Xl"  XIL 

Si  0.,    .     .     .     .82-28  77-75  77-69  81-20  82-68  ".8-61  77-96 

AI,  0,        ...  10-08  12-90  12-78  9-65             'J-56  12-01  12-20 

Fe,  0,....-              -  205  \      .,...             -                0-16             0-14 

Fe  ()....     2-03  2  60           1-45  /      "^  "^                113             3-09             3-36 

MnO    ....     —               —               —  0-11              0-18             0-11              010 

Ca  ()....     2-24  3-05            1  26  2-65             206              r62              194 

M(f  ()....     0-98           0-22            1-15  1-80              1-52              1-39              1-48 

K,  O     .     .     .     .     2-20           2-58           2-78  2-34              2-28             3-06             2-70 

Na,  ()....     0-28  0-26           0-7»  —                0-63             0-44             0-61 

Gl  üb  Verlust  .     .     006  O'IO  — — —  — —_ 

100-15         99-46         99-94  100*00  100-04  100-49  100-49 

VI.  Müldavit  von  Badomilitz  bei  Budweis,  lichtgriin.       1    r^; '';  "^ /'('",' 

VII.  Moldavit  von  liHdomilitz  bei  Budweis,  dunkelgrün.    ■    ^^.Q]    i^  .^ 
YIII.  Moldavit  von  lladomilitz  bei  Budweis,  lichtbraun.     I    isho,  S.  473. 

IX.    Moldavit  v.  Wittingau  (V).  Spec.  Gew.  3-35  Budweis.  -J.  llanamann. 

X.  Moldavit  von  Budweis    lichtgriin.    |  (j_  v.  J  o  h  n  Verhandl.  d.  k.  k. 

XI.  Mohlavit  von    Irebitscli.  >  ,    ,.    .     ,orw»    o    imx 
XH.  Moldavit  von  Trebitsch.                    J      ^^^^-  ^^  "A.  1899,  b.  179. 

Der  auffallende  Gegensatz  der  neueren  y\nalysen  gegen  die  alten 
liegt  darin,  dass  jene  stets  ein  bedeutendes  IJeberwiegen  des  Kali 
gegenüber  dem  Natron  aufweisen,  während  die  letzteren  nur  Natron 
angegeben  haben.  Nach  der  Aeusserung  des  Herrn  C.  v.  J  o  h  n  scheint 
es  demnach  nicht  ausgeschlossen,  „dass  bei  den  alten  Analysen  dem 
Vorgang  der  ersten  Analytiker  entsjjrechend  nur  Natron  angenommen 
und  eine  Kalibestimmung  überhaupt  nicht  durchgeführt  wurde." 


r4ol  Uif  llerkuutt  der  Moldavite  und  verwandter  üliiser.  2.35 

Die  vollste  Uebereinstimnmng  der  mälirischen  Moldavite  (XI 
und  XII)  mit  denen  der  Budweiser  Gegend  lilsst  mit  Sicherheit  auf 
deren  gemeinsame  Herkunft  trotz  der  räumlichen  Trennung  schliessen. 
Ausserdem  erhellt  noch  aus  dem  Vergleiche  der  Analysen,  dass  die 
Schwankungen  der  Bestandtheile  durchaus  keinen  zufälligen  Eindruck 
maclien,  sondern  sich  in  derselben  Weise  vollziehen,  wie  man  es  von 
den  einzelnen  Theilen  erwarten  kann,  die  einem  gemeinsamen  Eruptiv- 
körper angehören.  Das  wird  aus  dem,  nach  der  Methode  von  Iddings  V) 
entworfenen  Diagramme  auf  Seite  2'dß  ersichtlich.  Die  Molekularpro- 
portiouen  der  Kieselsäure  sind  in  den  Abscissen,  die  der  Basen  in 
den  Ordinaten  in    gleichen  Längenverhältnissen  dargestellt. 

Die  Schwankungen  der  Basen  innerhalb  der  europäischen  Moldavite 
vollziehen  sich  bei  abnehmender  Kieselsäure  in  ganz  ähnlicher  Weise 
und  anscheinend  mit  noch  grösserer  Regelmässigkeit,  wie  in  den 
sauersten  Partien  der  Analysengruppen  zusammengehöriger  Eruptiv- 
Massen,  wie  sie  von  Iddings,  Darky  ns  u.  a.  dargestellt  worden  sind. 
In  ziemlich  gleichmässiger  Weise  nimmt  die  Thonerde  zu  mit  der  Ab- 
nahme der  Kieselsäure.  Das  Verhältnis  von  Kalk  und  Alkalien  bleibt 
constant  (Cd  0  :  iVag  0  :  iv^  0  schwankt  um  4:1:6);  Kali  nimmt  zum 
säurearmen  Ende  allmälig  und  mit  grösserer  Regelmässigkeit  zu  als 
andere  Basen,  während  der  geringe  Gehalt  von  Natron  um  absolut 
kleine  Grenzen  schwankt.  Die  Monoxyde  schwanken,  wie  das  gewöhnlich 
der  Fall  ist,  in  unregelmässigerer  Weise,  nehmen  jedoch,  als  Ganzes 
betrachtet,  gegen  das  kieselsäurearme  Erde  zu.  Bei  Nr.  VII  vicariren 
Kalk  und  Magnesia,  und  bei  Nr.  VIII  ist  das  Eisen  theilweise  als 
Oxyd  vertreten;  wenn  FeoO^  zu  FeO  umgerechnet  und  der  Molekular- 
zahl dieser  Verbindung  zugezählt  wird,  erhält  man  beiläufig  dieselbe 
Eisenmenge,  wie  in  den  benachbarten  Analysen.  Aus  dem  Ganzen 
erhellt  aufs  deutlichste  die  „Gauverwandtschaft"  (Lang)  oder  „Con- 
saguinity"  (Iddings)  der  analysirten  Stücke,  welche  ohne  Zweifel 
derselben  Gesteinsindividualität  augehören-). 


^)  J.  P.  Iddings.  The  ürigiu  of  Igneous  Rocks.  Bull.  Philos,  Society 
Washington.  Vol.  XII,  1892,  pag.  90. 

'^)  Ganz  anders  verhalten  sich  dagegen  die  Zufal]si)roducte  von  Glashütten, 
wie  man  sie  zuweilen  auf  den  Aeckern  findet,  wohin  sie  zeitweise  zusammen  mit 
Schutt  und  Abfällen  gebracht;  einzelne  Stücke,  z.  B.  grüne  Glaskugeln,  sind  schon 
bei  mangelhafter  Kenntnis  des  Gegenstandes  mit  Moldaviten  verwechselt  worden. 
Eine  solche  Glaskugel  von  Netin,  nördlich  von  Gross-Meseritsch,  hat  mir  Herr  Prof. 
¥.  Dvorsky  übergeben  und  auch  als  künstliches  Glas  bezeichnet.  Die  von  Herrn 
C.  V.  John  verfertigte  Analyse  (Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1899,  S.  179) 
zeigt  chemische  Verhältnisse,  die  bei  Gesteinen  unmöglich  vorkommen  können: 

Si  (X, 52-32 

Al,0^ 0-3Ü 

F<^.0, - 

FeO 1-20 

MeO 102 

CaO 17-52 

%0 3-60 

K,0 22-84 

Na^O 0-24 

Glüliverlust     ....  0-80 

99-84 

.lahrbiicli  d.  k.  k.  geol.  Keiclisanstalt,  1900,  ."jO.  Band,  -i.  Heft.  (Fr.  E.  Suess.)  31 


236 


Dr.  Franz  E.  Suess. 


[44] 


2 


;^ 


td 


r45]  ßie  Herkunft  der  Moklavite  und  verwandter  Gläser.  237 

Es  darf  jedocli  nicht  uiierwaliiit  bleiben,  dass  die  Analyse  Nr.  V 
eines  Trebitsclier  Stückes  vielleicht  doch  auf  das  Vorkommen  vereinzelter, 
stark  abweichender  cliemischer  Mischungen  schliessen  lässt.  Für  die  Auf- 
nahme in  beistehendes  Diagramm  ist  die  Analyse  wegen  der  Un- 
siclierheit  der  Alkalienbestimmung  nicht  geeignet.  Das  auffallendste 
ist  jedoch  der  sehr  geringe  Thonerdegehalt  (5- 13),  dem  ein  sehr 
hoher  Kisen-  und  Mangangehalt,  mit  reichlichem  Kalk  und  Magnesia 
gegenüberstehen.  Diese  Zusammensetzung  ist  eigentlich  nicht  in 
üebereinstimmung  mit  dem  ausnahmsweise  geringen  specifischen  Ge- 
wichte (2-180),  welches  für  das  Stück  angegeben  wird. 

Die  bisherigen  Analysen  von  aussereuropäischen  Moldaviten  bin 
ich  in  der  glücklichen  Lage,  durch  zwei  Analysen  zu  ergänzen,  welche 
Herr  C.  v.  John  auf  meine  Hitte  durchzuführen  die  Freundlichkeit 
hatte.  Das  eine  der  beiden  Stücke,  von  Dedang  in  Billiton,  verdanke 
ich  Herr-«  Professor  K.  Martin  in  Leiden,  das  zweite  war  ein  Bruch- 
stück einer  der  von  Stelzner  untersuchten  Stücke  das  von  Streich 
(1891)  zwischen  der  Everard  Hange  und  Fräser  Range  gesammelt 
worden  war;  ich  verdanke  es  der  Güte  des  Herrn  Professors  R. 
Beck  in  Freiberg,  der  mir  es  zum  Zwecke  der  chemischen  Unter- 
suchung überlassen  hat. 

Es    liegen    demnach   folgende  Analysen    von  Billitonkugeln  vor: 

Xill.            .\.1V.  XV. 

Spec.  Gewicht    ....     2-503 2;43 2-447 

Si  0., 74-30  71-14  '<0-y2 

Al^O^ 13-83  11-99  12  20 

Fe^O, —  —  1-07 

FeO 3"f)0  5-29  f)-42 

Mn  0 —  0-32  014 

CaO 5-2'2  2-84  3-78 

MgO 1-50  2  3S  ü-ßl 

K^O -  2-7G  2-49 

uya^O —  2-45  2-46 

TiO., —  Spur  — 

Was'ser 013  — — 

98-58  99-17  101-U9 

XHI.  Billiton  Dr.  Cretier  in  Batavia.  De  Groot,  Jaarboek  van  het 

Mijnwezen    1870,  ü.,  S.  229. 
XIV.  Lura  Mijn.    Nr.    13.  Dendang.  Dr.  Brunck   in  Freiberg.  Ver- 

beek  Jaarb.  v.  h.  Mijnwezen  1897,  S.  240. 
XV.  Tebrung,  Dendang.  C.  v.  John.  Wien,  geol.  Pt.-A.  1900. 

Die  Analyse  von  Cretier  betrifft  ein  Stück  von  besonders 
hohem  specifischen  Gewicht ;  sie  ist  jedoch  wegen  ihrer  augenscliein- 
lichen  Unvollständigkeit  für  den  Vergleich  nicht  verwertbar.  Nach 
Cretier  war  beim  Versetzen  des  Pulvers  der  Billitonkugel  mit  Salz- 
säure ein  bituminöser  Geruch  wahrnehmbar,  was  auf  das  Vorhanden- 
sein von  Kohlenwasserstoffen  schliessen  lässt  An  dem  Pulver  von 
Moldaviten  konnte  ich  das  Gleiche  nicht  wahrnehmen. 

Im  übrigen  ist  die  grosse  üebereinstimmung  in  die  Augen  fallend 
zwischen  den  beiden  Analysen  XIV  und  XV,  von  denen  die  eine  vom 
Herrn  Assistenten  Brunck  in  Freiberg,  die  zweite  von  Herrn  C.  v. 

31* 


^38  r)!"-  Franz  E.  Stiess.  [46] 

John  in  Wien  durchgeführt  worden  ist;  dem  entspricht  auch  die 
geringe  Verschiedenheit  beider  Exemplare  in  Bezug  auf  das  specifische 
Gewicht.  ^  Die  cliemisclie  Zusammensetzung  der  Billitonkugeln  ent- 
spriciit  demnach,  ebenso  wie  die  der  Moldavite,  etwa  der  eines  sauren 
granitischen  Magmas.  Von  den  Mohiaviten  unterscheiden  sie  sich,  trotz 
einer  allgemeinen  Verwandtschaft  in  der  chemisclien  Zusammen- 
setzung, durch  geringere  Aciditcät  und  durcli  einen  grösseren  Gehalt 
an  Alkalien,  wobei  Natron  beiläufig  in  den  gleichen  Gewichtspercenten 
vorhanden  ist  wie  Kali^). 

Weniger  constant  in  der  chemischen  Zusammensetzung  scheinen 
die  weit  verbreiteten  australisclien  Bomben  zu  sein ;  man  kann  dies 
bereits  nach  dem  bisherigen  spärlichen  Analysenmateriale  annehmen. 
Die  folgenden  Analysen  sind,  mit  Ausnahme  von  Nr.  XX,  dem  Auf- 
satze von  R.  H.  Wale  Ott  entnommen. 


XV[. 

XVII. 

XVITI. 

XTX. 

XX. 

Spec.  Gewicht  .     . 

.       2-47 

— 

2-44 

2-47 

2-443 

.SVO^ 

.     73-70 

64-68 

71-38 

73-40 

71-2:^ 

AI,  O3 

.       4-99 

16-80 

l 
1 

12-65 

13-52 

Fe,0,.     .     .     .     . 
FeO 

'.       0  08 

101 
6'57 

10-3(i 

} 

4-74 

0'77 
ry30 

MnO 

— 

0-20 

— 

vorhanden 

0-28 

CaO 

4-20 

3-88 

2-80 

4-30 

3-52 

Mf/0 

0-10 

2-50 

1-89 

0-74 

2-38 

K,0 

.       4-83 

401 

— 

, — 

2-28 

iVrt,  0 

.       5-20 

Spur 

— 

— 

1-48 

Glüliverliist  .     .     . 

.       0-Ö5 

— 

— 

— 

— 

99-65    99-65     95-49     9583    lOÜ-75 

XVI.   Wimmera  (Victoria),  Australien.  Analyse  von  dem  verstorbenen 
J.  Cosmo  Newbery,  Melbourne,  Exhibition  Catalogue  1866. 

XVII.  Uralla,  New  South  Wales.  Analyse  1897,  verfertigt^  von  Mr. 
J.  C.  H.  Mingaye  und  durch  Mr.  E.  F.  Pittman,  Gouver- 
nement-Geologist, an  Herrn  Walcott  gesendet. 

XVIII.  Mount  Elephant  (Victoria)  1898  M.  Stonc,  Assayer  to  the 
Mine-Departement. 

XIX.  Central-Australien,    gesammelt   von  Professor  Si)enccr,  ana- 

lysirt  1898  von  R.  H.  Walcott. 
XX.  (iesammelt   von   V.    Streich    zwischen    Everard   Range   und 
Eraser  Range,  analysirt  1900  von  C.  v.  John,  Wien. 


^)  Der  Vollständigkeit  halber  sei  hier  noch  die  Analyse  J^amnur's  aus 
(h'ni  Jalire  1844  angeführt,  welche  eine  wahrscheinlich  ebenfalls  /.n  den  Hiliitnn- 
kugeln  gehörige  Ohsidianbombe  „aus  Indien'  betrifft,  (siehe  oben,  S.  210).  Wenn 
man  die  unvoUkoninienen  Methoden  berücksichtigt,  so  wird  man  linden,  dass  die 
Analyse  mit  den  obigen  über  Erwarten  gut  ühereiiistinimt.  Ans  hegreiflichen 
Gründen  ist  der  Eisengehalt  zu  hoch  angegeben,  während  eine  Trennung  der 
Alkalien  offenbar  nicht  durchgeführt  wurde. 

SiO.,       70-34 

AI..,  Ö 863 

FeO' 10  52 

Mti  0 0-32 

Ca  0 4-56 

MgO 1-67 

Na,0 3-34 

99-38 


[47]  r)ie  Ilerkiiiift  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  239 

Aus  dem  Vergleiche  der  specifisclien  Gewichte  im  folgenden 
Capitel  kann  man  bereits  ersehen ,  dass  unter  den  australischen 
Bomben  neben  sauren  auch  mehr  basische  Varietäten  vorkommen 
müssen.  Nr.  XVI,  einem  Ausstellun<;skataloge  aus  dem  J.  1 800  entnommen, 
kann  als  ältere  Analyse  uid)erü('ksichtigt  bleiben  und  trägt  überhaupt 
bei  dem  ausserordentlich  grossen  Alkaliengehalt  und  der  geringen 
Menge  von  Thonerde  den  Stempel  der  Unwahrscheinlichkeit  an.  sicii. 
Das  Exemplar  Nr.  XVII,  dessen  specifisches  Gewicht  leider  nicht 
angegeben  ist,  stellt  ein  Beispiel  der  mehr  basischen  Varietäten  dar. 
Es  müssen  aber  vereinzelt  noch  weit  extremere  Glieder  vorkommen  ; 
denn  Herr  J.  C.  Moulden  besitzt  in  seiner  Sammlung  eine  kleine 
runde  Bombe,  welche  in  einem  Netzwerk  von  Glas  Körnchen  von 
Olivin  enthielt,  ^sehr  ähnlich  dem  Limburgit  von  Rosenbusch". 
Das  Stück  war  in  Brocken  Hill  an  einem  hoch  über  der  Umgebung 
liegenden  Tagbaue  gefunden  worden. 

Die  Stücke  XVIII,  XIX  und  XX  haben  beiläufig  dasselbe  speci- 
fische  Gewicht  und  demnach  auch  sehr  ähnliche  chemische  Zusammen- 
setzung, sie  stimmen  auch  gut  überein  mit  den  Billitonkugeln  von  bei- 
läufig gleicher  Dichte.  Die  neuesten  Analysen  XV,  XVI  und  XX  sind 
nahezu  identisch. 

Auf  dem  Diagramme  S.  23G  kann  man  im  nahen  Zusammenfallen 
der  Molekularproportionen  der  genannten  drei  Analysen  die  Lage  des 
anscheinend  häufigsten  Typus  unter  den  aussereuropäischen  Moldaviten 
wahrnehmen.  Trotz  der  starken  Verschiebung  des  Alkalienverhältnisses 
gegenüber  den  europäischen  Stücken,  welche  eine  „Gauverwandtschaft" 
im  Sinne  von  Lang  ausschliessen  würde,  ist  nach  meiner  Meinung 
doch  eine  Verwandtschaft  beider  Typen  nicht  zu  verkennen.  Mit  dem 
.Sinken  der  Kieselsäure  haben  sowohl  die  Monoxide,  als  auch  die 
Alkalien  beiläufig  in  demselben  Masse  zugenommen ;  in  Bezug  auf 
die  Thonerde  ist  die  Zunahme  nur  gering.  Dagegen  tritt  die  Zunahme 
in  dem  Ansteigen  der  Linie  zum  basischesten  Gliede  (XVII)  wieder 
deutlich  hervor.  Auch  dieses  Glas  ist  mit  64"/q  *S7  O2  noch  immer  den 
sauren  Magmen  zu  vergleichen;  die  Schwankungen  der  Linien  voll- 
ziehen sich  hier  noch  in  derselben  Weise,  wie  in  innerhalb  der 
sauren  Glieder  zusammengehörige  Gesteinsgruppen  und  sind  durchaus 
nicht  grösser  als  die  Schwankungen  bei  den  nach  I  d  d  i  n  g  s  durch 
Gauverwandtschaft  (Consanguinity)  verbundenen  Magmen.  Vorläufig 
fehlen  jedoch  die  Bindeglieder  zwischen  den  aussereuropäischen  und 
europäischen  Vorkommnissen,  und  erst  eine  Anzahl  weiterer  Analysen 
wird  darüber  Aufschluss  geben  können,  ob  die  sämmtlichen  bekannten 
moldavitischen  Gläser  als  Glieder  einer  Reihe  zu  betrachten  sind. 
Dagegen  geht  aus  den  Analysen  mit  Bestimmtheit  hervor,  dass  die 
b  ö  h  m  i  s  c  h  e  n  und  mährischen  IM  0  1  d  a  v  i  t  e  u  r  s  }>  r  ü  n  g  1  i  c  h 
einer  einzigen  Masse  angehört  haben. 

Herr  Professor  F.  Exner  hatte  die  grosse  Güte,  eine  spectro- 
skopische  Untersuchung  von  Splittern  böhmischer  Moldavite  vor- 
zunehmen, und  ich  bin  ihm  zu  grossem  Danke  verpfiichtet,  sein 
Resultat  hier  mittheilen  zu  können. 

„Es  sind  nachweisbar:  Natrium,  Calcium,  Barium,  Strontium, 
Silicium,  Kohlenstoff,  Eisen,  Nickel,  Chrom,  Mangan.  Blei,  Aluminium, 


240  Dl"-  Franz  E.  Siiess.  [48] 

Magnesium.  Ausserdem  zeigt  sich  aber  noch  eine  Reihe  von  Linien 
die  sich  bisher  niclit  indcntificiren  Hess;  da  nur  noch  die  Messungen 
der  seltenen  Erden  ausstündig  sind,  wird  vermutliet,  dass  sie  diesen 
angeliören  (Thorium  ist  iiiclit  vorlianden). 

Es  wurde  aucli  das  Si)ectrum  vom  bölimischem  grünen  Flasclien- 
gh'is  aufgenommen  und  es  Hess  sicli  in  demselben  mit  Sicherheit 
nachweisen:  Nntrium,  Calcium,  Strontium,  Silicium,  Kohlenstoff,  Eisen, 
Mangan,  Aluminium,  Magnesium;  doch  bleiben  auch  hier  mehrere 
Linien  übrig,  die  sich  vorläufig  nicht  identificiren  lassen.  Nickel  fehlt 
in  dem  untersuchten  Glnse  vollständig  und  nuch  die  Kohlenstotflinien 
treten  viel  schwächer  auf  als  in  den  Moldaviten,  sind  jedoch  deutlich 
nachweisbar." 


IV.   Physikalische  Eigenschaften. 

1.  Farbe.  Sowohl  die  europäischen  als  auch  die  ausser- 
europäischen  Tektite  sind  bei  einiger  Dicke  und  bei  frischem  Erhaltungs- 
zustände im  autfallenden  Lichte  tiefschwarz  und  lebhaft  lackartig 
glänzend.  Bei  etwas  abgerollten  Stücken  ist  der  GInnz  matter  und  in 
vielen  Fällen,  namentlich  unter  den  böhmischen  Stücken,  wird  die 
Farbe  der  rauhen  Oberfläche  heller  bis  zu  einem  schmutzigen  Weisslich- 
grün  (s.  unten  Seite   251). 

Hält  man  ein  nicht  allzu  dickes  böhmisches  oder  mährisches 
Stück  gegen  eine  Lichtquelle,  so  tritt  in  überraschender  Weise  die 
hellgrüne  Farbe  des  stark  durchscheinenden  Glases  hervor.  Die 
Lichtdurchlässigkeit  nimmt  jedoch  mit  der  Dicke  sehr  rasch  ab,  so 
dass  massige  und  namentlich  kugelige  Stücke  fast  undurchsichtig 
erscheinen.  Sehr  dünne  oder  stark  abgerollte  böhmische  Stücke  sind 
jedoch  auch  im  aufl'allenden  Lichte  hell  grnsgrün.  Daneben  finden 
sich  weniger  häufig  gelblichgrüne  bis  ins  bräunliche  gehende 
Varietäten. 

Li  der  Literatur  findet  man  den  Farbenton  verschiedenartig 
bezeichnet,  am  häufigsten  wohl  als  flaschengrün,  seltener  als  lauch- 
grün,  pistnziengrün.  olivengrün  oder  smarng;igiün.  Der  Grundton  ist 
eigentlicli  ein  milderes  Flaschengi'ün,  ohne  den  Stich  ins  Giftgrüne, 
wie  er  bei  vielen  Flaschengläseni  angetroffen  wird.  p]r  variirt  zu 
schönem  und  brilliantem  Hellgrün,  wie  es  bei  den  zu  Schmucksteinen 
verwendeten  Stücken  beliebt  sind ;  ein  Stich  ins  bläuliche,  wie  er 
dem  echten  Smaragdgrün  entsjjricht,  ist  jedoch  niemals  zu  beobachten  ^i. 
Ein  Stich  ins  gelbliche  bis  zum  Uebergang  in  ein  schmutziges  (»elblich- 
grün,  ist  besonders  bei  vielen  mährischen  Stücken  (Slawitz)  und  bei 
den  meisten,  besonders  bei  abgerollten  und  etwas  angewitterten 
böhmischen  Exemplaren  zu  beobachten.  Selten  sind  hellgelblichbraune 
Varietäten,  denen  jedoch  ebenfalls  nie  ein  Stich  ins  grünliche  abgeht. 


^)  Die  häufigston  Farben  pnt,si)rorhon  don  Tcirien  10  /■  -d  11  >ii — p  iinil 
12  n—r  GelbgrUn,  Uebergang  nach  (irasgriin,  von  Raddo's  Internationaler  Far- 
benscnla. 


[49]  Öie  Ilerkmifr  der  Molilavito  iiiul  verwandter  (ililser.  241 

Solche  Stücke  sind  meist  etwas  intensiver  gefarl)t  und  um  einen  ge- 
ringen Grad  weniger  durchsichtig.  Trotzdem  sowohl  in  Böhmen,  als 
auch  in  Mähren  die  extremsten  Farbentöne,  wie  äusserst  bhisses  Gras- 
grün und  dunkleres  Oelblichbraun  in  ganz  vereinzelten  Fällen  vor- 
kommen, so  ist  doch  an  grösseren  ^Sammlungen  von  Stücken  der  beiden 
Fundgebiete  ein  Gegensatz  leicht  walirzunehmen.  In  der  Budweiser 
Gegend  h ersehen  unbedingt  die  hellen  und  reiner  grünen  Stücke  vor, 
während  man  im  Trebitscher  Fundgel)iete  häutiger  etwas  mehr  bräuii- 
lidie  und  dunklere  Varietäten  antritt't. 

Aus  den  Analysen  von  C.  v.  John  geht  sehr  deutlich  hervor, 
dass  die  verschieden  gefärbten  Stücke  chemisch  sehr  gut  miteinander 
übereinstimmen,  dass  der  grüne  Farbenton  von  dem  Gehalte  an 
Eisenoxydul  herrührt,  und  dass  die  mehr  gelblichen  und  bräunlichen 
Töne  allein  durch  den  Gehalt  an  Eisenoxyd  bedingt  werden.  Die 
dunkleren  Stücke  dürften  jedoch  auch  im  allgemeinen  etwas  eisen- 
reicher und  um   ein  Geringes  ärmer  an  Kieselsäure  sein  ^). 

Die  basischeren  aussereuropäischen  Stücke  sind  im  allgemeinen 
merklich  dunkler  und  etwas  weniger  durchscheinend ;  sie  enthalten 
stets  neben  dem  Eisenoxydul  etwas  Eisenoxyd  und  man  trifft  bei 
ihnen,  soweit  meine  Erfalirung  reicht,  nicht  den  reinen  grünen  Ton 
der  Budweiser  Stücke.  Gewöhnlich  werden  sie  auch  von  den  Beobachtern 
als  flaschengrün  bezeichnet  (Darwin,  Gl  ark,  Cretier).  Verbeek 
bezeichnet  die  Billitonkugeln  als  in  Splittern  grünlichbraun  durch- 
scheinend und  in  äusserst  dünnen  Blättclien  fast  farblos;  er  erwähnt 
auch  ein  lichtgrünes  Exemplar  und  nach  ihm  soll  nebst  einer  schwarzen 
auch  noch  eine  lichtgelbe  Glaskugel  vom  Berge  Muhriah  auf  Java 
stammen,  welche  beide  sich  im  Museum  zu  Amsterdam  befinden. 
Krause  bezweifelt  jedoch  die  Zugehörigkeit  der  letzteren  zu  den 
hier  besprochenen  Körpern.  Stelzner  schildert  die  hohle  Bombe 
vom  Kangaroo  Island  als  vor  einer  Lichtquelle  gelblichbraun  durch- 
scheinend, und  ebenso  ist  die  Hohlkugel  von  Horsham  nach  Wal  cot  t 
bräunlich  durchscheinend.  Twelvetrees  und  Petterd  bezeichnen 
die  Farbe  der  Kanten  und  Splitter  der  tasmanischen  Stücke  als  tief- 
grau bis  gelblichbraun.  Die  Farbe  der  Splitter  der  beiden  von  John 
analysirten  Exemplare  von  Billiton  und  von  Australien  waren  voll- 
kommen gleichartig  bräunlichgelb  mit  einem  schwachen  Stich  ins 
grünlich  und  fast  ganz  gleich  der  P'arbe  mancher  dunkelster  Varietäten 
unter  den  Moldaviten'tz    B.  dem  Stücke  von  Analyse  Nr.  VIII). 

Da  die  Farbe  nur  von  einer  verschiedenen  Oxydationsstufe  des 
Eisens  abhängt,  kann  sie  keinen  Gegensatz  der  chemischen  Mischungen 
der  verschieden  gefärbten  Stücke  bedeuten.  Doch  kann  es  zu  gleicher 
Zeit  nicht  Wunder  nehmen,  dass  die  basisclieren  und  specifisch 
schwereren  Exemplare  infolge  grösseren  Eisengehaltes  zugleich  die 
dunkleren  Farbentöne  aufweisen. 


^)  Das  eelblichbraune,  von  John  (Seite  42)  analysirte  Stück  von  Rado- 
militz  bei  ßudweis  hat  ganz  den  äusseren  Habitus  der  mährischen  Stücke.  Seiner 
Farbe  nach  ist  es  ganz  vereinzelt  unter  vielen  huuderten  von  böhmischen  Stücken, 
welche  ich  gesehen  habe,  doch  ist  gar  kein  Grund  vorhanden,  an  der  Richtigkeit 
der  von  Woldrich  gegebenen  Fundortsaugabe  im  mindesten  zu  zweifeln. 


242  ßi'-  Fi'anz  E.  Suess.  [50] 

2.  Gewicht.  Um  einen  Anhaltspunkt  zu  gewinnen  betreffs  der 
Gleichniässigkeit  der  chemischen  Zusammensetzung  und  eine  beiUuifige 
Vorstellung  von  den  Grenzen,  in  welchen  die  Mischung  variirt,  habe 
ich  eine  Reihe  Gewichtsbestimniungen  an  einer  Anzahl  der  abgebildeten 
und  auch  an  den  wenigen  mir  vorliegenden  aussereuropäischen  Stücken 
vorgenommen.  Nicht  alle  Moldavitexemplare  sind  dazu  geeignet,  weil 
an  manchen  Stücken  in  den  tiefen  Rillen  noch  die  schwer  zu  ent- 
fernenden Reste  des  verhärteten  Sandes  haften,  in  dem  die  Stücke 
auf  ihrer  ursprünglichen  Lagerstätte  eingebettet  waren.  Die  unter 
Wasser  auf  der  stark  zerrissenen  Oberfläche  reichlich  anhaftenden 
Luftblasen  wurden  durch  Auskochen  unter  der  Luftpumpe  entfernt. 
Die  Stücke  sind  unten  nach  dem  steigenden  Gewichte  der  Reiiie  nach 
aufgezählt;  B  bedeutet  „Budweiser",  T  „Trebitscher",  M  „malaiisches" 
und  A  „australisches"  Fundgebiet. 

Die  Bestimmungen  anderer  Autoren  habe  ich,  mit  einen  *  ver- 
merkt, zwischen  die  meinigen  eingereiht. 

S|)ec.  Gew. 

B.  2"318.  Sehr  blassgrün.  Krems  bei  Budweis.  Fig.  33.  (Mineralog. 
Institut  der  böhm.  Universität  Prag.)  (Das  Gewicht  ist 
vielleicht  im  geringen  Masse  beeintlusst  von  im  Stücke 
enthaltenen  Blasen.) 

B.  2-318.  Lichtgrün,  mit  sehr  schwachem  Stich  ins  gelbliche.  Fig.  31. 
Collection  S  c  h  w  a  r  z  e  n  b  e  r  g. 

T.  2-318.  Gelblichgrün.  Slawitz.  Collection  Dvor.sky.  Unregel- 
mässiges Kernstück,  mit  dem  Charakter  der  Furchen  böh- 
mischer Kernstücke  (etwa  wie  Fig.  11). 

T.  2-318.  Kleines,  ganz  ausnahmsweise  lichtgrünes  Stück,  wie  es 
unter  den  mährischen  Moldaviten  selten  vorkommt.  Von 
Professor  D  vor  sky  in  einer  Schottergrube  bei  Skrey  ge- 
funden. 

T.  2-321.  Sehr  lichtgrüu.  Skrey.  Collection  D  vor  sky. 

B.  2*324.  Sehr  lichtgrün,  mit  schwachem  Stich  ins  gelbliche.  Collection 
S  c  h  w  a  r  z  e  n  b  e  r  g.  Fig   34. 

B.  2-324.  Sehr  lichtgrün,  mit  scliwachem  Stich  ins  gelbliche.  Collection 
S  ch  Warzen b erg.  Fig.  11. 

B,  2*321).  Sehr  lichtgrün,  mit  schwachem  Stich  ins  gelbliche.  Collection 
S  c  h  w  a  r  z  e  n  b  e  rg.  Fig.  18. 

T.  2-332.  Ziemlich  hellgrün.  Sternform   Skrey.  Collection  Dvorsky. 

B.  2*334.  Lichtgrün,  schwach  gelblich.  Collection  S  ch  warz  enberg. 
Fig.  10. 

T.  2-337.  Oelgrün,  ins  bräungelbliche  durchscheinend.  Kernstück. 
Slawitz.  Beispiel  Nr.  2. 

T.  2-340.  Abgerolltes  Stück.  Slawitz.  Collection  Dvorsky. 

T.  2*342.  Gelblichgrün,  Kernstück.  Slawitz.  Collection  Dvorsky. 
Beispiel  Nr.  3. 

T.  2-342.  Gelblichgrün,    abgerollt.  Teruvky.   Collection  Dvorsky. 

T.  2*343.  Gelblichgrün,  Kernstück.  Sl/iwitz.    Collection  Dvorsky. 

B.  2-343.  Lichtgrün,  ins  gelbliche.  Pfeilform.  (Angeb.  Moldauthein.) 
Naturhistorisches  liofmuseum.  Beispiel  Nr.  30, 


[51]  Die  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  243 

Spec.  Gew. 

B.  2-344.  Liclit  grasgrün,    mit  kaum  merklichem  Stich  ins  gelbliche. 

Umgebung  von  Budweis    Collection  S  cli  warz  enber  g. 

Fig.  32. 

T.  2344.  Kernstück.  Slawitz.  Collection  Dvorsky. 
T.  2-344.  Abgerollte    Sternzapfenfonn.     Kozichowitz.     Collection 
I)  V  0  r  s  ky. 

*T.  2344.   Dunkelgrün.      Skrey,     Hiirtebestimmung     durch    Herrn 
Rosiwal.  Seite  24(j. 

T.  2345.  Rund,  abgerollt    Dalescliitz.  Collection   Dvorsky. 

B.  2347.  Hell    grasgrün,    mit  kaum  merklichem  Stich  ins  gelbliche. 

Collection  S  c  h  w a r z  c  n  b  e  rg     Stark  zerrissenes  Stück. 
T.  2-348.  Licht  ölgrün,  mit  einem  schwachen  Stich  ins  gelbliche,  an- 
geschliffenes Stück.  Skrej.  Collection  Dvorsky. 
T.  2-348.  Teruvky.  Collection   Dvorsky. 
T.  2349.  Kernstück.  Slawitz    Collection'  Dvorsky. 
T.  2-3Ö0.   Hell  gelblicligriin.  Kernstück.   Beispiel  Nr.   7. 
T.  2-351.  Dunkle     Kugel,    etwas     angewittert.     Skrey.     Collection 

D  V  0  r  s  k  f.  Siehe  Seite  278. 
T.  2-352.  Grün,  mit  schwachem  Stich  ins  gelbliche.  Zwischen  Skre  y 

und  Dukowan.  Geologische  Ueichsanstalt.  Beispiel  Nr.  10. 
T.  2  352.  Grünlichgelb  Koi^ic  h  o  wi  tz  Collection  D  vor  sky,  Beispiel 

Nr.  U). 
T.  2353.  Hell,  aber  trüb  grünlichgelb.  Slawitz.  Collection  Hanisch. 

Fig.  12. 
T.  2355.  Gelblichgrün,    dunkel.    Dukowan.    Collection    Dvorsky. 

Beispiel  Nr.  14. 
T.  2356.  Gelblichgrün,    dunkel.    Zwischen    Skrey    und  Dukowan. 

(Naturhistonsches  Hofmuseum.)  Beispiel  Nr.  8. 

T.  2-356.  Licht  bräunlichgelb,  mit  einem  starken  Stich  ins  grünliche, 
Skrey  und  Dukowan.  (Naturhistorisches  Hofmuseum.) 
Beispiel  Nr.  23. 
Grösstes  Stück,    dunkel  grünlichgelb.  Slawitz.  Collection 

Dvorsky.  Fig.  9 
Rein     hellgrün.    (Angeb.    Moldauthein.)     Naturhistorisches 

Hofmuseum.)  Beispiel  Nr.  30. 
Gelblichgrün,   Kanten    durchscheinend.     Dukowan.     Col- 
lection Dvorsky.  Beispiel  Nr.  12. 
Dunkel,    Kugelform.     Zwischen   Skrey    und    D  u  k  o  w  a  n. 

(Geologische  Reichsanstalt.)  Taf.  VH,  Fig.  2. 
Grünlichgelb,  Sternscheibe,    etwas  abgerollt.  Skrey.    Col- 
lection Dvorsky.  Fig.  14. 
T.  2362.  Gelblichgrün,  Kanten   durchscheinend.  Skrey— Dukow^an. 
(Geologische  Reichsanstalt.)  Beispiel  Nr.  16. 
*T.  2363.  Lichtgrün.  Umgebung  von  Trebitsch.  Kxemplar  der  Härte- 
bestimmung durch  Herrn  A.  Rosival.  Seite  240. 
B.  2-363.  Grasgrün,   Uebergang  ins  gelbgrüne.   Umgebung  von  Bud- 
weis.  Collection  Seh  warzen  b  erg    Fig.  42. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Keiclisan.stalt,  19ü0,  50.  Hami,   2.  lieft.  (Fr.  E.  Siiess.)       32 


T. 

2357, 

B. 

2-357 

T. 

2-357 

T. 

2-357, 

T. 

2-361 

244  r)i"-  Franz  E.  Suess.  [52] 

Öpec.  Gew. 

B.  2*oG5    Hell  gelbliclibraun,    mit   einem  schwachen  Stich  ins   grün- 
liche. Radomilitz.  (Geologisches  Institut  der  böhmischen 
Universität  Prag.)  Analyse  von  C.  von  John.   Nr.  VIII. 
Seite  234. 
B.  2-3GG.  Hell  grasgrün.  Collection  S  chwarz  e  nberg.  Fig.  24. 
B,  2'375.  Hell  grasgrün.  Collection  Seh  war z  e nberg.  Fig.  22. 
B.  2-385.  Hell  grasgrün.  Collection  Seh  war  zenb  erg.  Beispiel  Nr.  29. 

Taf.  V,  Fig.  5. 
A.  2  419,  Australien. (v. Streich.)  Geologisches  Institut  der  Universität 
Wien.  Fig.  44. 
*M.  2-443.  Fluss  Lura,  Mine  13.  Dendang,  Brunk,  Freiberg.  Analyse 

Nr.  XIV,  Seite  237. 
M.  2-443.  Zapfenform.  Dendang,  Billiton.  Collection  Perlep.  Taf.  VH, 

Fig.  7. 
A.  2'443.  Zwischen  Everard  Bange    und   Fräser   Range.    (Streich.) 

Analyse  Nr.  XX  von  C.  v.  John,  Seite  237, 
M.  2-443.  Tebrung.    Dendang,    Billiton.    Geologisches   Reichsmuseuni 

Leiden.  Taf.  VH,  Fig.  2. 
*M.  2-445.  Billiton.  Krause. 

M.  2-447.  Tebrung.  Dendang,  Billiton.  Analyse  Nr.  XV,  Seite  237. 
M.  2-447.  Ebenda.  Geologisches  Reichsmuseuni  Leiden. 
*A.  2-450.  Smith  Creek,   Long  Piain,  Tasmanien.    Twelvetres   und 
Petterd. 
A.  2-450,  Längliches  Stück,  erhalten  von  Wale ott.  Kalgoorlie-District, 
Fig.  46. 
*M.  2-452.  Dick-linsenförmig.  Bunguran.  Krause. 
*M.  2-454.  Billiton.  Krause. 
A.  2-45G.  Grössere  Knopfform.  Kalgoorlie  District.  Fig.  45. 
M.  3-45G.  Tebrung.    Dendang,    Billiton.    Geologisches    Reiehsmuseum 

Leiden.  Fig.  38. 
A.  2-457.  Kleines   knopfförmiges  Exemplar,    erhalten  vonWalcott. 

Kalgoorlie-District,  Westaustralien. 
*M.  2-4G2.  Rhizopodenartig    Bunguran.  Krause. 
M.  2-4G3.  Tebrung.    Dendang,    Billiton.    Geologisches   Reiehsmuseum 

Leiden.  Fig.  39. 
M.  2-4GG.  Ebenda.  Taf.  VII,  Fig.  (>. 

*A  2-470.  Central- Australien.  Wale  ott.  Analyse  Nr.  XIX,  Seite  238. 
^'^A.  2-470.  Wimmera.    Cosmo   Newberry.    Analyse  Nr,  XVI,  Seite  238. 
i\I.  2  479.  Dendang.  Collection  Perlep.  Taf.'VH,  Fig.  4. 
*M.  2-485.  Billiton    Krause. 
M.  2-490.   Dengang.  Geologisches  Institut  der  Universität  Wien.  Fig.  3(). 
*M.  2-503.  Billiton!  Dr.  Cretier, 

*A.  3-78.     Olivinführende  Bombe  von  Broken  Hill,    Moulden  (nach 
brieflicher  Mittheilung). 

Man  ersieht  leicht  aus  diesej- Aufzählung  den  Gegensatz  zwischen 
den  euroi)äisehen  melir  sauren  und  den  aussereuroi)äiseiien  mehr 
basischen  Vorkommnissen.  01)woiil  es  aus  den  mir  vorliegenden  Proben 
nicht  ersichtlich  wird,  scheinen  doch  die  Australite  in  Bezug  auf  das 


[531  I^iß  Ilorkunt't  der  Moldavito  iiiid  verwandter  Gläser.  245 

specitisclie  Gowiclit  grösseren  Schwankungen  unterworfen  zu  sein,  als 
die  Stücke  der  anderen  Fundgebiete ;  das  geht  aus  den  Angaben 
verscliiedener  Autoren  hervor.  Clarke  fand  Unterschiede  von 
2-42 -27,  Stelzner  gibt  als  bei  der  Wägung  von  6  Stücken  ent- 
halte Grenzwerte  2-41  — 2'52,  Tvvelvetrees  und  Petterd  von 
tasmanisclien  Stücken  245  — 2-47,  Walcott  fand  dagegen  an  Stücken 
von  verschiedenen  Gegenden  nur  Schwankungen  von  2-42— 2'48.  Nach 
der  Mittheilung  des  Herrn  J.  C.  Moulden  in  Brocken  Hill,  welcher 
eine  Sammlung  von  mehr  als  60  Exemplaren  aus  verschiedenen  Theilen 
Australiens  besitzt,  zerfallen  sie  dem  specifischen  Gewichte  nach 
in  zwei  Grupen,  und  zwar  in  solche  vom  durchschnittlichen  Gewichte 
2'o8  und  solche  vom  durchschnittlichen  Gewichte  2-44— 2'45. 

Geringere  Schwankungen  weisen  die  Biliitonkugeln  auf:  sie  be- 
tragen nur  etwa  sieben  Hundertstel  und  ihr  durchschnittliches  Gewicht 
fällt  nahe  zusammen  mit  dem  der  australischen  Bomben.  Nach  meinen 
Beobachtungen  liegen  auch  die  extremsten  Zahlen  für  die  böhmischen 
und  mährischen  Moldavite  nicht  weit  auseinander;  die  weit  über- 
wiegende Mehrzahl  der  Stücke  liegt  zwischen  2-34  — 2-30.  Sehr  blass- 
grüne Stücke  haben  ein  auffallend  geringes  Gewicht,  während  dunklere, 
mehr  braune  Stücke  in  der  Regel  etwas  schwerer  sind ;  doch  gibt  es 
Ausnahmen  von  dieser  Regel ;  man  kann  immerhin  schliessen,  dass 
die  von  C.  v.  John  analysirten  lichtgrünen  und  hellbraunen  Stücke  zu- 
gleich den  Extremen  in  der  chemischen  Zusammensetzung  ziemlich 
nahe  kommen,  und  dass  unter  den  Moldaviten  kaum  viel  grössere 
Schw^ankungeu  in  der  chemischen  Zusammensetzung  vorkommen  dürften, 
als  die  aus  dem  Diagramme  auf  Seite  236   ersichtlichen. 

In  den  Einzelheiten  lässt  sich  eine  Beziehung  zwischen  der  Farbe 
und  dem  Gewichte  nicht  leicht  feststellen,  da  es  sehr  schwer  ist, 
an  den  verschieden  dicken  Exemplaren  mit  sehr  verschiedenartiger 
Oberfläche  die  Intensivität  der  im  allgemeinen  doch  sehr  ähnlichen 
Färbung  zu  vergleichen.  Im  grossen  und  ganzen  sind  aber  ohne 
Zweifel  die  Trebitscher  Stücke  etwas  mehr  gelbbraun  gefärbt  als  die 
böhmischen,  ein  Unterschied,  der,  wie  bereits  bemerkt,  nur  in  der 
Form  der  Bindung  des  Eisens  liegt  und  vielleicht  durch  verschieden 
langes  Glühen  des  Glases  hervorgerufen  werden  könnte.  Man  wird 
vielleicht  nicht  fehlgehen,  anzunehmen,  dass  die  Stücke  von  Trebitsch 
im  allgemeinen  etwas  basischer  sind  als  die  von  Budweis.  Das  weniger 
saure  Exemplar  von  Analyse  Nr.  VIII,  obwohl  von  Radomilitz  bei  Bud- 
weis, kann  hiefür  nur  als  Bestätigung  dienen,  denn  es  trägt  im  ganzen 
Habitus  und  in  der  Farbe  in  ausgesprochener  Weise  den  Charakter 
der  Exemplare  aus  der  näheren  Umgebung  von  Trebitsch. 

Von  der  relativen  Vertheilung  nach  dem  specifischen  Gewichte 
im  mährischen  und  böhmischen  Gebiete  kann  übrigens  die  Aufzählung 
keine  richtige  Vorstellung  geben,  da  von  beiden  Fundgebieten  ab- 
sichtlich auch  die  am  extremsten  gefärbten  lichtesten  und  dunkelsten 
Stücke  mit  in  die  Bestimmung  einbezogen  wurden. 

3.  Härte.  Die  Härte  der  Moldavite  wird  von  verschiedenen 
Autoren  mit  6  oder  6 — 7  angegeben  und  ähnlich  scheinen  sich  die 
aussereuropäischen  Tektite  zu  verhalten;   Verbeek    bezeichnet  die 

32* 


246  Dr    Franz  E.  Suess.  [54] 

Härte  der  Billitoiiite  niit  6  und  Moiildeii  die  der  Australite  mit 
6—7.  IJezüglicli  der  jMoldavite  liat  sich  ein  erfahrener  Praktiker  in 
Härte-Untersuchungen,  Herr  A.  Rosiwal,  der  dankenswerten  Mühe 
unterzogen,  nach  seiner  eigenen  Methode  eine  genauere  Prüfung  vor- 
zunehmen, und  ich  hin  in  der  glückliclien  Lage,  seine  p]rgehnisse 
hiehersetzen  zu  können: 

„Die  üntersucliung  zweier  Moldavitproben  auf  ihre  Härte  er^ab 
die  folgenden  Resultate,  wobei  die  Härtezahlen  in  pro  niille  der 
der  Korundhärte  ausgedrückt  sind  '). 

I.  Moldavit  von  Skrey  (dunklere  Varietät;  sp.  G.  -  2-344). 
Directe  Bestimniung   durch  Abschlitf   mit  Normalkorund- 

l.ulver '^<J'^'7oo  K- 

Indirecte  Bestimmung  durch  Abschliii'  mit  Smir^eipulver     .'»Mi^/f,,^    „ 

Mittelwert  .     .     31-0"/oo  K. 

n.  M  0  1  d  a  V  i  t  V  0  n  ß  u  d  w  e  i  s  (hellere  Varietät ;  sp.  G.  =  2'363). 

Zwei  Bestimmungen  durch  Abschlitf  mit  Smirgelpulver        90  90/ "^ 

I        •^•'  ^    /(jO ^ 

Mittelwert   .     .    29-5o/oo  K. 

Des  Vergleiches  halber  wurden  auch  zwei  Glassorten  auf 
ihre  Härte  in  gleicher  Weise  untersucht  und  gefunden  : 

ni.  Grünes  Flaschenglas  (Bruchtläciie ;  sp.  G.  =  2  268). 
Directe  Bestimmung  durch  Abschlitf   mit  Normalkorund- 

pulver ^0  1%,,  K. 

Indirect  mit  Smirgelpulver .     .     li)-r)<'^,)    „ 

Mittelwert   .     .     lO'So/oo  K. 

IV.  Weisses  Solin-Tafelglas  (Oberfläche;  sp.  G.  ^  2-546). 
Zwei    Bestimmungen    durch  Abschliff   f   1.  Anschlitf    .     .     lOO%o  K. 
mit  Smirgelpulver  |  2.  „  .     .     17-4'V,)o    „ 

Mittelwert  .     .     18-2%ü  K. 

Die  Härte  des  Tafelglases  nimmt  von  der  Oberfläche  gegen  das 
Innere  zu   ab. 

Es  ist  somit  die  Härte  des  Moldavits  wesentlich  h  ö  h  e  r 
(ca.  30%y  K.)  als  jene  der  gebräuchlichen  künstlichen  Glassorten 
(ca.  20%o  K.).  Von  den  natürlichen  Gläsern  kommen  tracliy tische 
Obsidiane  dem  Moldavite  an  Härte  ungefähr  gleich,  indem  für 
Liparit-Obsidian  von  Maravatio,  Mexiko  34'2*^/oo  K.,  für  solchen  von 
Obsidian-Clitf,  Jellowstone,  Nat.  Park  35'6"/q„  K.  gefunden  wurde 
(a.  a.  O.  S.  489).  Die  wasserhaltigen  Pechsteine  (z.  B.  Felsit- 
Pechstein  von  Corbitz  bei  Meissen  mit  21'4"/üo  J^-  ^i"*^^  ^^"  ^^^^'  Distal 
Arran  mit  25-5'Yoo  K.)  sind  weicher. 

')  Man  vergl.  hierüber:  Itosiwal,  Neue  Untersuchungsergebnisse  über  die 
Härte  von  Mineralien  und  Gesteinen.  Verhandl.  d.  k    k.  geol.  R.-A.  1896.   S.  475. 


[55]  I^'6  Herkunft  der   Moldavite  und  verwandter  Gläser.  247 

Die  Harte  der  Moldavitc  erreicht  also  iiiclit  ^aiiz  die  Durch- 
schnittslärte  der  Feldspathe  (Olij^oklas  35  5,  Ortlioldas  o^-fJ'Voo  K.) 
und  bleibt  ganz  bedeutend  unterhalb  jener  des  Quarzes  (ll7"/„ü  K.)." 

4.  S  c  h  ni  e  1  z  b  a  r  k  e  i  t.  \' or  dein  Löthrohre  schmelzen  die  Mol- 
davitsplitter  nur  sehr  schwer  zu  einem  klaren  Glase,  ohne  zu  schäumen, 
im  (Jegensatz  zu  dem  Verhalten  der  meisten  Ubsidiane,  welche  infolge 
ihres  Wassergehaltes  eine  schaumige  Schlacke  bilden  In  dieser  Hin- 
sicht stimmen  die  Beobachtungen  aller  Autoren  in  Bezug  auf  die 
verschiedene  Vorkommnisse  vollkommen  überein;  und  die  Billitonite 
sowohl,  als  auch  die  Australite  verhalten  sich  ebenso  wie  die  euro- 
päischen Moldavite, 

Die  Schwersclinielzbarkeit  der  Moldavite  wurde  bereits  wieder- 
holt geprüft,  da  sie  einen  Rückschluss  gestattet  auf  den  natürlichen 
Ursprung  des  Glases  und  einen  künstlichen  Ursprung  ausschliesst. 
Diesen  Schluss  hat  bereits  Klapproth  im  Jahre  181(5  gezogen.  Später 
haben  1881  Prof.  Habermann  u.  A,  VV  enz  licz  ke  i)  die  Schmelz- 
versuchen in  einem  Lampenofen,  an  einer  Wasserstrahl-GebhiseHamme 
wiederholt.  Bei  einer  Erhitzung  durch  fünfzehn  Minuten  zeigten  die 
Splitter  eines  Trebitscher  Moldavites  nur  schwach  abgeflossene 
Ränder  und  hafteten  nur  wenig  am  Platintiegel,  während  viel  grössere 
Splitter  von  schwer  schmelzbaren  Verbrennungsröhren  nach  fünf  Mi- 
nuten, und  Splitter  von  Champagnerflascheii  nach  ein  bis  zwei  Minuten 
vollständig  niedergeschmolzen  waren. 

Eine  Reihe  von  sehr  bemerkenswerten  Schmelzversuchen  an 
Bud weiser  Moldaviten  hat  Herr  Jos.  Bare§,  Chemiker  der  fürstl. 
Schwarzenberg'schen  Thonwarenfabrik  in  Zliv  bei  Hudweis,  zu- 
gleich mit  Schmelzversuchen  an  einigen  archäischen  Gesteinen  vor- 
genommen-). Tafelglas  und  hartes  Kaliglas  (von  Kawalier  in  Sazau) 
wurden  zugleich  mit  Moldaviten  einer  Temperatur  von  ca.  960— 1000 '^C. 
ausgesetzt.  Der  Moldavit  zeigte  keine  Anzeichen  von  Schmelzbarkeit 
und  keine  Sprünge  beim  Abkühlen,  während  die  beiden  Gläser  beim 
Abkühlen  zersprungen  waren.  Bei  1250°  C.  überzogen  sich  die  Mol- 
davite mit  einem  schön  grünen,  ganz  undurchsichtigen  Schichtchen, 
ohne  jedoch  zu  schmelzen;  bei  derselben  Temperatur  war  das  Tafel- 
glas in  eine  weisse  Glasur  zerflossen,  das  harte  Kaliglas  hatte  sich 
blos  gänzlich  verbogen  und  war  in  seiner  ganzen  Dicke  milchig  ge- 
färbt. Erst  bei  1400"  war  es  Herrn  Bares  gelungen,  die  Moldavite 
zu  einem  schön  grünen  Glase  zu  schmelzen,  dessen  Farbe  an  Inten- 
sität die  des  ungeschmolzenen  Moldavites  übertretfen  soll.  Tafelglas 
war  bei  dieser  Temperatur  zu  einer  vollkommenen  Glasur  geschmolzen; 
das  Kaliglas  war  über  das  Chamotteplättchen  heruntergeflossen  und 
war  nur  dort,  wo  es  sich  in  einer  ganz  dünnen  Schiebe  befand,  in  eine 
Glasur  verwandelt. 

Ein  von  mir  im  Jahre  1898  vorgenommener  Versuch  im  Sef- 
ström'schen    Ofen   ergab    keine    vollkommene  Verflüssigung  der  Mol- 


1)  Verhdlg.  nat.  Ver.  Brunn,  XIX.  Bd.,  «.  5  u.   10. 

^)  Öasopis  pro  prümysl  chemicky.  Piag  1898,  Nr.  4.  Ich  entnehme  die   An- 
gaben dem  Citate  von  Jahn.  Verhdg.  d.  geol.  Reichsanst.  1899,  S.  SS. 


248  D>'-  Franz  E.  Suess.  [56] 

(lavite;  sie  waren  nur  ziih  erweicht  worden,  so  dass  man  noch  an 
dem  Aneinanderschluss  der  zusammengeflossen  Tropfen  din  Um- 
grenzung der  eiiizehien  Stücke  des  (ihises  erkennen  konnte,  die  in 
einem  Tiegel  zusammengelegt  worden  waren.  Dabei  zeigte  sich  keine 
bemerkenswerte  Farbenveränderung,  sondern  der  gelblichgriine  Ton 
war  auch  dem  Schmelzproduct  geblieben.  Die  Oberfläche  war  glatt, 
klar  und  glasglänzend,  so  wie  die  die  des  zu  gleicher  Zeit  ganz  nieder- 
gescholzenen  Flaschenglases  und  nicht  dunkel  und  lackglänzend,  wie  die 
der  meisten  frischen  Moldavite.  Herr  Julius  A.  Reic'h,  Chemiker  der 
Glasfabrik  von  S.  Reich  u.  Co.  zu  Krasna  bei  Wallachisch-Meseritsch  in 
Mähren,  hatte  auf  meine  Bitte  die  Freundlichkeit,  Ende  1890  einige 
Moldavitstücke  in  einem  Thontiegel  im  Glasofen  niederschmelzen  zu 
lassen ;  das  gelang  nur,  wenn  die  Stücke  durch  mehrere  Stunden  den 
höchsten  im  Glasofen  zu  erzeugenden  Hitzegraden  ausgesetzt  wurden. 
Auch  in  diesem  Falle  hatten  die  Moldavite  nicht  denselben  Grad  von 
Dünnflüssigkeit  erreicht,  wie  die  in  Ofen  erzeugten  Gläser,  sondern  aus 
den  nicht  vollkommen  auseinandergeflosseiien,  breiten  Tropfenformen 
des  Erstarrungsproductes  konnte  man  ersehen,  dass  sie  sich  in.  einem 
merklich  zäheren  Zustande  befunden  hatten  als  diese.  Auch  die  Be- 
obachtung von  Bares,  betreffend  das  verschiedene  Verhalten  der 
Moldavite  und  der  künstlichen  Gläser  beim  Erkalten,  konnte  in  der  Glas- 
fabrik von  Krasna  beobachtet  werden.  Einzelne  Moldavite  wurden  erhitzt, 
bis  sie  so  weich  wurden,  dass  man  mit  einer  Zange  Eindrücke  auf  ihrer 
Oberfläche  erzeugen  konnte,  und  dann  in  Schnee  geworfen  ;  nur  einzelne 
Exemplare  sind  beim  raschen  Erkalten  in  einige  wenige  Bruchstücke 
zersprungen,  während  andere  trotz  der  grossen  TemperaturdiÖ'erenz 
ganz  geblieben  sind  ^). 


V.  Mikroskopische  Beschaffenheit. 

An  mehreren  Schliffen  von  böhmischen  und  mährischen  Moldaviten, 
sowie  an  je  einem  Schliffe  von  einem  Billitonite  von  Dendang  in 
Billiton  und  von  dem  Australite  von  der  Fräser  Range,  dessen  Analyse 
oben  gegeben  wurde,  konnte  ich  zunächst  im  wesentlichen  die  Beob- 
achtungen jener  Autoren  bestätigen,  welche  die  Masse  als  reines  Glas 
mit  zahlreichen  Gasporen,  aber  ohne  jegliche  krystallinische  Ein- 
schlüsse schildern.  In  dieser  Hinsicht  stimmen  die  Angaben  von 
Mako  WS  ky  über  die  Moldavite  mit  denen  von  Wich  mann-)  und 
Behrens-^)  über  die  Billitonkugeln  und  denen  von  Walcott*) 
über  die  Australite  überein.  Tasmanische  Stücke  enthalten  nach 
Twelvetrees  und  Petterd'')  ausser  den  kleinsten  Gasporen,  noch 
sehr  kleine  Globulite,  welche  die  als  Margarite  bezeichneten;  in  Reihen 


*)  Neuere  Versuclie  von  A  b  b  e,    welche    die  Möglichkeit,  Moldavit  künstlich 
herzustellen  betreffen,  sind  im  letzten  Capitel  besprochen. 
'')  Ztschft.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.   1893,  S.  518. 
•')  Krause  1.  c.  S.  239. 
*)  1.  c.  p.  31. 
=)  1.  c.  p.  40. 


[57]  ßie  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  249 

geordneten  Gruppen  bilden.  Diese,  sowie  andere  in  kurzen  Schnüren 
geordnete  Krystallite  sind  am  häufigsten  am  Rande  der  Stücke  und 
werden  von  den  Autoren  als  Producte  der  beginnenden  Entglasung 
betrachtet. 

Die  Beschreibung  von  Verbeek  und  meine  eigene  Beobachtung 
an  dem  Billitonitschliife  zeigt  jedoch,  dass  sich,  wenigstens  was  die 
Billitonite  betritt,  nicht  alle  Exemplare  vollkommen  gleich  verhalten.  Er 
sah  in  dem  vollkommen  isotropen  und  fast  farblosen  Glase  allerfeinste 
Interpositionen,  in  Form  von  ca.  00 14  nun  langen  Stäbchen  oder  un- 
regelmässig gestreckte,  ca.  0-001— O'OOG  mm,  höchstens  0-02  7nin  grosse, 
äusserst  blassgrüne  oder  farblose  und  wasserhelle  Blättchen,  welche 
er  vermuthungsweise  für  Pyroxen  hält.  Aeusserst  kleine  opake  Körn- 
chen dürften  zum  Magnetit  und  ebenso  kleine,  bräunliche,  durch- 
scheinende Blättchen  zu  einer  anderen  Eisenverbindung  (Eisenoxydul  ?) 
zu  rechnen  sein.  Yerbeek  vermuthet,  dass  die  braune  Farbe  des 
Glases  von  diesen  kleinsten  Tlieilchen  herrührt.  Mit  Recht  bemerkt 
Verbeek,  dass  man  bei  der  Beurtheilung  dieser  Schliffe  selir  vor- 
sichtig sein  und  die  genaueste  Einstellung  zu  Rathe  ziehen  muss, 
um  nicht  die  feinsten,  staubartigen  Bestandtheile,  welche  hartnäckig 
an'  der  Oberfläche  des  Glases  haften,  fiir  Einschlüsse  anzusehen. 

Ich  gewahrte  in  dem  einzigen  mir  vorliegenden  Billitonitschliffe 
nur  zwei  kleinste,  farblose,  schmale,  rechteckige  Säulchen  mit  ziemlich 
starker  Lichtbrechung,  gerader  Auslöschung  und  a  in  der  Längsrich- 
tung {a  =  c);  nach  der  Lage  der  optischen  Elasticitätsaxen  können 
diese  Säulchen  keinem  Pyroxen  angehören. 

Die  schlierige  Fluidalstreifung  ist  an  sämmtlichen  Dünnschliffen 
mit  freiem  Auge  fast  noch  deutlicher  wahrzunehmen  als  unter  dem 
Mikroskope  ;  hier  tritt  sie  aber  auch  bei  seitlicher  Beleuchtung  infolge 
der  ungleichen  Lichtbrechung  der  einzelnen  Lamellen  sehr  schön 
hervor.  Sie  verläuft,  namentlich  bei  den  schaligen  oder  gezerrten 
böhmischen  Stücken,  in  ihrer  Haupterstreckung  den  Hauptflächen 
parallel,  was  aber  nicht  ausschliesst,  dass  sie  oft  in  ziemlich  scharfen, 
faltenartigen,  auch  mehrfach  wiederholten  Biegungen  rückläufig  wird. 
Ein  solches  Verhalten  ist  wohl  auch  von  den  neuerdings  aufgeschmol- 
zenen und  dann  verzerrten  Schlieren  zu  erwarten. 

Li  Dünnscliliffen  von  allen  Vorkommnissen  finden  sich  in 
wechselnder  Menge  und  Grösse,  längliche  oder  rundliche  Linsen  von 
schwächer  lichtbrechendem  Glase  eingeschlossen;  ihre  Streckung  fällt 
stets  mit  der  Richtung  der  Fluidalstructur  zusammen  und  tritt  am 
stärksten  hervor  bei  den  böhmischen  Stücken.  Doch  besitzen  sie  auch 
in  dem  australischen  Schliffe,  wo  sie  sich  etwas  spärlicher  vorfinden, 
oft  eine  ausgesprochene,  beiderseitig  zugeschärfte  Lancetform  ;  daneben 
finden  sich  aber  auch  rundliche  oder  unregelmässig  umgrenzte 
Blättchen ;  hie  und  da  liegen  sie  schief  im  Schliffe,  ohne  denselben 
der  ganzen  Dicke  nach  zu  durchsetzen. 

Eine  unbestimmt  streifige,  meist  nur  schwache,  aber  stets  deut- 
liche Aufhellung  unter  gekreuzten  Nikols  wurde  ebenfalls  an  ver- 
schiedenen Stellen  fast  aller  Schliffe  wahrgenommen ;  u.  zw.  am 
reichlichsten  in  den  böhmischen  Schliffen  und  am  spärlichsten  in  dem 
Schliffe  der  Billitonkugel.     Dieselbe  Erscheinung  haben  Ho  witt  und 


250  Dr.  Franz  E.  Siiess.  [58] 

H  0  g  g  an  australischen  und  T  w  e  1  v  e  t  r  e  e  s  u.  I*  e  1 1  e  r  d  an  tasma- 
nisclien  Stücken  beobachtet.  Walcott  glaubt,  dass  die  Spannungs- 
doppelbrechung wenigstens  zum  Theil  durch  die  Herstellung  des  Schliffes 
verursacht  ist,  da  sonst  die  Körper  eine  grössere  Sprödigkeit  auf- 
weisen müssten.  Fiir  die  böhmischen  Moldavite  kann  diese  Erklärung 
aber  keinesfalls  angenommen  werden.  Fast  stets  ist  diese  Spaniiungs- 
doppelbrechungan  die  unmittelbare  Umgebung  der  erwcähnten,  schwäclier 
liclibrechenden  Glaspartien  gebunden.  In  dem  australischen  Schliffe 
konnte  ich  ein  solches  Glasblättchen  beobachten,  welches  unter  ge- 
kreuzten Nikols  von  einem  deutlichen  Spannungskreuze  umgeben 
war;  a  lag  in  der  Längsrichtung  der  aufgehellten  Kreuzbalken. 

Bei  den  gezerrten  Stücken,  wo  die  Glaseinschlüsse  sehr  lang- 
gestreckte Formen  angenommen  haben,  sind  die  aufgehellten  Partien 
oft  gleich  büschelartigen  Schweifen  an  den  Enden  und  an  den  Seiten 
der  langgestreckten  oder  auch  augenartig  verdickten  Linsen  angehängt 
In  manchen  Exemplaren  sind  die  Glaseinschlüsse  zu  äusserst  dünnen, 
liaarförmigen  Streifen  auf  lange  Erstreckung  hin  ausgezogen :  ein 
dünner  Streifen  zeigt  dann  ebenfalls  Aufliellung  und  tritt  unter  ge- 
kreuzten Nikols  wie  ein  helleres,  sehr  dünnes  Haar  aus  der  dunklen 
Fläche  hervor.  Aber  auch  unabhängig  von  den  schwächer  lichtbre- 
chenden Glaspartien  finden  sich  stellenweise  kleine,  aufgehellte, 
längliche  Wolken,  die  oft  in  Reihen  geordnet  sind.  In  allen  aufgehellten 
Partien  fällt  a  mit  der  Längsrichtung  der  Streifen  zusammen  ;  wie 
das  auch  der  elastischen  Spannung  des  Glases  infolge  einer  Zerrung 
entspricht. 

Kleinere  oder  auch  grosse  Gasporen  und  Bläschen  finden  sich 
ebenfalls  in  wechselnder  Häufigkeit  in  allen  Schliffen.  Spärlicher  und 
meist  vollkommen  rund  sind  sie  in  den  aussereuropäisclien  Stücken  ; 
doch  finden  sich  auch  hier  stellenweise  linsenförmige  Blasend iirch- 
schnitte.  In  tasmanischen  Schliffen  sind  nach  Twelvetrees  und 
Petterd  die  runden  Gasporen  umgeben  von  Globuliten  und  Glas- 
einschlüssen. In  den  böhmischen  Moldaviten  sind  die  Gasblasen  meist 
häufiger  und  grösser  und  werden  oft  von  den  beiderseitigen  Schliff- 
fiächen  geschnitten.  Sie  scheinen  in  ihrer  langgestreckten  Form  zahl- 
reicher zu  sein  innerhalb  der  sclnvächer  lichtbrechenden  (Jhispartien  ; 
doch  finden  sie  sich  auch  ausserhalb  derselben  nicht  selten.  Manchmal 
kann  man  auch  in  der  Umgebung  oder  an  den  Enden  der  linsen- 
förmigen Blasenräum'^  durch  Spannung  doi)pelbrechende  Partien  be- 
obachten. 

Während  diese  kleineren  Bläschen  schon  urspriiiiglich  in  der 
Masse  enthalten  gewesen  sein  dürften,  scheinen  die  grossen  Blasen- 
räume in  den  hohlen  australischen  Stücken  und  in  vielen  böhmischen 
Moldaviten  erst  später  entstanden  zu  sein  Sie  werden  unten  be- 
sprochen. 


[59]  r)ie  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  251 

VI.  Gestalt  und  Oberfläche. 
1.  Moldavite. 

I.  Frische  und  angewitterte  Oberfläche. 

Die  den  Moldaviten  eigene  gegrubte,  und  gefurchte  Oberfläche 
ist  nicht,  wie  häufig  angenommen  worden  ist,  die  Folge  irgend- 
weh'her  corrosiver  Vorgänge  mechanischer  oder  chemischer  Natur 
während  des  Transportes  durch  Wasser,  sondern  ist  als  eine  ursprüng- 
liche für  diese  Körper  in  höchstem  Grade  bezeichnend  und  muss 
mit  ihrer  Entstehung  in  innigem  Zusammenhange  stehen.  Das  geht, 
abgesehen  von  den  aus  der  näheren  Beschreibung  weiter  unten  sich 
ergebenden  Gründen,  schon  daraus  deutlich  hervor,  dass  man  die 
angegriffenen  Stücke  von  den  frischen  sehr  wohl  unterscheiden  kann 
und  dass  Abrollung  und  Verwitterung  unzweifelhaft  die  ursprüngliche 
Sculptur  verwischen  oder  verschwinden  machen.  Die  unveränderten 
Stücke  sind  im  auffallenden  Lichte  tief  schwarz,  gleich  einer  frischen 
Steinkohle  und  glänzen  lebhaft,  wie  wenn  ihre  Oberfläche  mit  einem  Lack 
überzogen  wäre.  In  dieser  Hinsicht  gleichen  die  unverwitterten 
mährischen  Moldavite  vollkommen  den  frischen  Stücken  von  Billiton 
oder  von  Australien.  Unter  der  Lupe  erscheint  die  gegrubte  Ober- 
fläche auf  das  feinste  gekörnelt  oder  in  einem  der  Fluidalstructur 
entsprechenden  Sinne  gestreift. 

Die  Oberfläche  der  corrodirten  Stücke  ist  infolge  feinster  Rauhig- 
keiten nur  schw\ach  fettglänzend  oder  hat  den  Glanz  völlig  verloren. 
Die  Stücke  haben  zwar  im  allgemeinen  noch  das  dunkle  Aussehen 
bewahrt,  doch  ist  das  lichte  Grün  des  Glases,  meist  getrübt  durch  die 
in  die  feinsten  Sprünge  eingeriebene,  lehmige  Substanz,  auch  im  auf- 
fallenden Lichte  deutlich  sichtbar;  viele  corrodirte  Stücke  haben  aber 
eine  hellere,  ins  schmutzig  Gelbbraun  gehende  Farbe.  Die  untrüg- 
lichsten Anzeichen  der  Corrosion  sind  die  zahlreichen  ringförmigen 
und  halbmondförmigen  Sprünge,  die,  ausgefüllt  mit  einer  gelblichen 
Lehmsubstanz,  schon  mit  freiem  Auge  an  solchen  Exemplaren  stets 
sichtbar  sind  und  deren  Zahl  unter  der  Lupe  noch  bedeutend  zu- 
nimmt (Fig.  4).  Aehnliches  sieht  man  im  selben  oder  auch  in  viel 
grösserem  Masstabe  häufig  an  zersetzten  Obsidianen,  deren  Ober- 
fläche unter  Umständen  auf  mehrere  Millimeter  Tiefe  durch  solche 
haardünne  Einrisse,  oder  breitere,  mit  Lehm  oder  Zersetzungsmateriale 
ausgefüllte  sichelförmige  oder  kreisförmige  Gruben  zerrissen  ist;  oft 
stehen  sie  unregelmässig  vertheilt ,  oft  in  eng  gedrängten  Reihen 
hintereinander;  oft  ist  die  Oberfläche  durch  den  Reichthum  solcher 
Aufrisse  vollkommen  zerstört.  An  den  Moldaviten  ist  aber  diese  Zer- 
setzung nie  so  weit  gegangen. 

Es  offenbart  sich  in  diesen  bogenförmigen  oder  kreisförmigen 
Anlagen  die  innere  molekulare  Structur  des  Glases.  Wenn  es  auch 
nicht  angeht,  der  Kugelform  dieselbe  Bedeutung  für  die  amorph  er- 
starrte Lösung  zuzuschreiben,  welche  die  Krystallform  für  das  aus- 
geschiedene Salz  besitzt,  so  spielt  doch  für  die  chemischen  Angriffe 
der   muschelige    Bruch  in  diesem  Falle  eine  ähnliche  Rolle,  wie  die 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Ifeichsanstait,  1900,  50.  Band,  2.  Heft.  (Fr.  E.  Suess.)       33 


252  Dr.  Franz  E.  Suess.  [ßO] 

ebenflächige  Spaltbarkeit  beim  Krystalle.  Während  sich  hier  die  Störung 
des  molekularen  Zusammenhanges  durch  einen  kleinsten  Stoss  an  der 
Oberfläche  in  gerader  Linie  fortpflanzt,  wird  sie  im  Glase  einen 
Bogen  beschreiben.  Solche  feinste  Risse  geben  dann  den  chemischen 
Angrifl"en  vorgezeichnete  Wege.  Es  scheint  mir  nicht  unbedingt  nöthig, 
zur  Erklärung  der  kreisförmigen  Anwitterung  in  jedem  Falle  eine 
auch  im  Mikroskope  nicht  unterscheidbare  kryptoperlitische  Structur 
anzunehmen ;  bei  den  Moldaviten  spricht  aber  manches  dafür,  dass 
eine  solche  thatsächlich  vorhanden  ist.  An  manchen  solchen  Ringen, 
die  einen  Durchmesser  bis  zu  2  nini  besitzen,  sieht  man  nämlich 
an  der  durch  Lichtbrechung  helleren  Färbung  des  Randes,  dass  sich 
nach  allen  Seiten  in  das  innere  Stück  eine  Ablösungsfläche  fortsetzt, 
welche  anscheinend  den  Tiieil  einer  kleinen  Kugelfläche  bildet.  An 
anderen  Stücken  sieht  man  die  volle,  kugelige  oder  ovale  Form  einer 

Fig.  4. 


Verwittoriiiigsringe  an  einem  abgerollten  Moldavit  der  Umgebung  von  Biulweis 
(^/._,  der  natürliclien  Grösse). 

im  Innern  abgesonderten  Glaspartie  hindurchschimmern  und  wo  die 
Glaspartie  von  der  corrodirten  Oberfläche  des  Stückes  geschnitten 
wird,  hat  sich  die  Absonderungsfläche  in  Form  eines  kleinen  Ringes 
abgezeichnet. 

Mit  der  an  alten,  künstlichen  Gläsern  oft  beobachteten,  kreis- 
förmigen Auswitterung,  die  meist  mit  einer  schichtweisen  Ablösung 
der  obersten  Partien  und  P^ntstehung  einer  irisirenden  Schichte  ver- 
bunden ist,  wie  sie  z.  B.  Brewster  beschrieben  liat^),  lässt  sich 
die  Erscheinung  an  den  Moldaviten  niclit  unmittelbar  vergleichen ; 
bei  diesen  ist  die  Zersetzung  von  einem  Punkte,  vielleicht  von  einem 
kleinen  Bläschen  ausgehend,  nach  allen  Seiten  gleichmässig  vor- 
gescliritten,  so  wie  sie  in  ungleichem  Grade  nach  verschiedenen  Rich- 

')  David  Brewster,  On  tlic  Stiucture  and  Optica)  Piienomena  of  ancient 
de{'oni])OS('d  (rlass.  Traiisact.  of  tlie  Roj'al  Soc.  of  Kdinl)iirgli.  Vol.  XXlII,  18()4, 
pag.   l'J-J. 


[61]  Die  Herkunft  der  Moklavite  und  verwandter  Gläser.  253 

tungeii  beim  Anätzen  einer  Krystallfiäche  vorschi-eitet,  oder  es  sind 
leichter  zerstörbare,  sclialige  Partien  ausgewittert.  Aber  auch  an 
alten  Gläsern  sieht  man  häufig,  dass  die  beginnende  Entglasung  sich 
kleine  Kreisbögen  und  Hinge  als  erste  Angriffslinien  erwählt;  häufig 
mag  dann  die  von  einem  Ringe  umschlossene  Substanz  gänzlich  heraus- 
wittern, so  dass  eine  scharf  umgrenzte,  kreisförmige  Grube  zurück- 
bleibt. Alle  diese  Erscheinungen  konnte  ich  deutlich  an  einer  Reihe 
von  prähistorischen  Glasobjecten  der  Sammlung  des  k.  k.  natur- 
historischen Ilüfmuseums  beobachten,  auf  welche  mich  Herr  Dr.  Moriz 
H  0  e  r  n  e  s  aufmerksam  gemacht  hat.  Die  in  Fig.  5  abgebildete, 
prähistorische  Glasperle  zeigt  ganz  dieselben  Zersetzungsringe,  welche 
man  auf  manchen  Moldaviten  beobachten  kann,  und  daneben  ist  noch 
die  Fluidalstructur  des  Glases  infolge  der  chemischen  Angriff"e  in  Form 
feiner  Streifen  im  Sinne  der  Meridiane  hervorgetreten.  Ein  hellgrünes 
Glasstück,  das  bei  Gross-Meseritsch  gefunden  worden  ist,  wurde  mir 
von  Herrn  Prof.  F.  Dvorsky  mit  der  Bezeichnung  als  künstliches 
Glas  eingeschickt,  um  zu  zeigen,  dass  es  auch  Gläser  mit  rauher  Ober- 

Fi?.  5. 


Verwitterungsringe   an   einer   prähistorischen    Glasperle    von   der   Höhle  Byciskala 
bei  Adamsthal  in  Mähren  {^l^  der  natürlichen  Grösse). 

fläche  gibt,  welche  man  bei  ungenügender  Kenntnis  des  Gegenstandes 
für  Moklavite  halten  könnte.  Die  Farbe  ist  ein  helleres  Grün  und  durch 
einen  schwachen  Stich  zum  Giftgrünen  für  den  Kenner  von  jenem  der 
Moldavite  wohl  unterschieden;  im  Innern  sieht  man  einige  Streifen 
irgendwelcher  Unreinigkeit  eingeschlossen,  was  ich  bei  Moldaviten  noch 
nie  wahrgenommen  habe,  trotzdem  ich  bereits  tausende  von  Stücken 
gesehen  habe.  Das  hohe  specifische  Gewicht  (2*61)  beweist  ebenfalls 
die  Verschiedenheit  der  Substanz  von  der  der  Moldavite.  Es  ist 
anscheinend  ein  nicht  mehr  deutlich  erkennbares  Stück  eines  Henkels 
oder  Flaschenbodens.  Zwei  etwas  ebene  Flächen  mit  geringerer 
Rauhigkeit  sind  offenbar  jüngere  Bruchflächen ;  die  dritte,  das  Stück 
umschliessende,  gewölbte  Oberfläche  ist  ganz  überdeckt  mit  sehr 
kleinen  Grübchen,  zwischen  denen  sich  deutliche,  grössere  Halbmonde 
befinden ;  an  dem  Boden  dieser  Vertiefungen  haftet  noch  stellenweise 
die  perlmutterglänzende  Entglasungssubstanz.  Ein  ähnliches  Stück 
Glas  mit  rauher  Oberfläche,  welches  an  der  Moldau  bei  Prag  ge- 
funden worden  war,  zeigte  mir  Herr  Professor  C.  Vrba  bei  meinem 
Besuche  im  mineralogischen  Institute  der  böhmischen  Universität  in 
Prag.  Es  ist  klar,  dass  diese  Rauhigkeiten  von  oberflächlich  zer- 
setzten Gläsern   nichts   zu   thun   haben   mit  der   tiefgefurchten,    nach 

33* 


254  Dr.  Franz  E.  Suess.  [62] 

gewissen  Gesetzen  verlaufenden  Sculptiir  der  Moldavite,  sondern  dass 
sie  den  kleinen  Hingen  auf  der  Oberfläche  der  corrodirten  und  ab- 
gerollten Stücke  entsprechen.  Die  kalk-  und  alkalireichen  künstlichen 
Gläser  sind  jedoch  vielmehr  den  chemischen  Angriffen  ausgesetzt 
und  zeigen  die  Zersetzungserscheinungen  in  viel  höherem  Masse,  als 
die  viel  älteren,  aber  thonerdereichen  Moldavite. 

Ebensowenig  als  eine  chemische,  kann,  wie  öfter  versucht  wurde, 
eine  mechanische  Corrosion,  durch  Reiben  an  Sand  in  Gerollen  bei 
Wassertransport  oder  durch  Rutschen  und  Bewegungen  auf  der  Lager- 
stätte selbst,  als  Erklärung  für  die  Moldavitsculptur  herangezogen 
werden.  Abgesehen  davon,  dass  kein  Grund  vorhanden  ist.  zufolge 
dessen  die  mechanische  Abreibung,  welche  ja  im  allgemeinen  die  Er- 
habenheiten und  Kanten  an  Gesteinsstücken  entfernt  und  dieselben  in 
glatte  Gerolle  verwandelt,  auf  die  Moldavite  in  anderer  Weise  wirken 
sollte  als  auf  die  übrigen  Körper,  lehrt  schon  ein  Blick  auf  die  Ab- 


Fig.  ß. 


Abgerollter   Moldavit   (Budweis)  mit  „Fingernageleindrücken'.    Natürliche  Grösse. 

bildungen  auf  den  Tafeln,  dass  derartige  tiefe  Rinnen,  sternförmig 
angeordnete  Gruben  u.  s.  w.  niemals  durch  gewöhnliche  Abreibung  zu- 
stande kommen  können.  Es  finden  sich  dagegen  hin  und  wieder  Stücke, 
welche,  ausser  der  oben  beschriebenen  Corrosion,  deutlich  die  Form 
der  wahrhaften  Gerolle  zeigen.  Ja  das  Verschwinden  der  frischen, 
lackglänzenden  Oberfläche  geht  unzweifelhaft  Hand  in  Hand  mit  dem 
Verschwinden  der  tiefen  Canäle  und  Gruben.  An  weniger  abgerollten 
Stücken  sieht  man  oft,  dass,  während  die  äussere  Oberfläche  bereits 
matt  und  mit  zahlreichen  Sichelbögen  übersäet  ist,  die  tieferen  Partien 
der  Gruben,  welche  der  Abreibung  nicht  zugänglich  waren,  noch  tief- 
schwarz glänzen.  An  anderen,  stark  abgerollten  Stücken  sind  die 
Spuren  der  Sculptur  noch  als  unregelmässige  Vertiefungen  vorhanden. 
Hat  das  Stück  ursprünglich  sehr  tiefe,  scharfe  Canäle  besessen,  so 
sind  die  tiefsten  Stellen  derselben  oft  noch  an  den  abgerollten  Stücken 
als  scharf  gezeichnete  Einrisse  erhalten  geblieben,  welche  dadurch, 
dass  sich  in  denselben  die  Lehmsubstanz  reichlich  angesammelt   hat, 


[63]  r)ie  Herkunft  der  Moldavite  iiud  verwandter  Gläser.  255 

besonders  deiitlicli  und  scliarf  umgrenzt  hervortreten.  Herr  Professor 
Doli  hat  sie  einmal  gesprächsweise  treti'end  mit  „Fingernagel- 
eindriicken"  vergliclien.  Es  scheint  übrigens,  dass  diese  engsten  und 
tiefsten  Theile  schmaler  Canäle  in  ähnlicher  Weise  der  Zersetzung 
Vorschub  leisten,  wie  die  capillaren,  bogenförmigen  Sprünge,  und  es 
erklärt  sich  daraus  die  allgemeine  Aehnlichkeit  dieser  „Fingernagel- 
eindrücke" mit  den  Zersetzungsringen,  nur  dass  erstere  stets  grösser 
sind  und  einen  anderen  Verlauf  besitzen.  In  ihrer  sternförmig  aus- 
einander strahlenden  Anordnung  kann  man  häufig  noch  die  Gesetze  er- 
kennen, nach  denen  die  Vertiefungen  auf  den  frischen  Stücken  ver- 
laufen (Fig.  6).  Wie  nicht  anders  zu  erwarten,  ist  es  selbstverständlich, 
dass  man  alle  Uebergänge  von  ganz  frischen  bis  zu  völlig  abgerollten 
und  corrodirten  Moldaviten  nachweisen  kann. 

Zum  Schlüsse  sei  noch  bemerkt,  dass  nach  meiner  Erfahrung 
abgerollte  Stücke  durchaus  nicht  selten  sind  (wie  z.  B.  Fig.  4).  Unter 
den  böhmischen  Stücken  sind  sie  häufiger  als  unter  den  mährischen ; 
jene  scheinen  im  allgemeinen  die  Oberfläche  nicht  in  derselben  Frische 
erhalten  zu  haben  wie  diese;  daher  mag  auch  die  meistens  etwas 
heller  grüne  Farbe  der  Oberfläche  herrühren.  Man  muss  bedenken, 
dass  die  frischen  Stücke  aus  begreiflichen  Gründen  mehr  Aufmerk- 
samkeit erregen  und  in  den  Sammlungen  verhältnismässig  häufiger 
gefunden  werden  müssen ;  nach  meiner  Erfahrung  glaube  ich,  dass 
man  die  Anzahl  der  abgerollten  Exemplare  unter  den  böhmischen 
Moldaviten  auf  ein  Drittel  der  gesammten  Menge  wird  schätzen  können. 
Unter  den  mährischen  Vorkommnissen  scheint,  nach  den  Stücken  in 
der  Sammlung  des  Herrn  Inspectors  E.  Hanisch  zu  schliessen,  die 
Localität  Trebitsch  besonders  reich  an  abgerollten  Moldaviten  zu 
sein ;  es  sind  sämmtlich  Stücke  von  dem  Habitus  der  weiter  südlich 
gelegenen  Localität  T  e  r  u  v  k  y  —  S  1  a  w  i  t  z  ,  an  der  jedoch  die 
allerschönsten,  frischen  Exemplare  im  Schotter  gefunden  worden  sind. 


2.  Formentypen. 

Die  Oberfläche  der  Moldavite  ist,  wie  bereits  mehrfach  zu  er- 
wähnen Gelegenheit  war,  ausgezeichnet  durch  tiefe  Gruben,  kleinere 
rundliche  oder  langgestreckte  Näpfchen  oder  auch  tief  eingerissene 
Furchen  und  Canäle ;  alle  diese  verschiedenartigen  Sculpturen  schwanken 
bedeutend  in  den  Dimensionen  und  von  den  breiten  und  tiefen,  rund- 
lichen Eindrücken  mit  Dimensionen  bis  zu  08  cm  Länge  und  0'3  cm 
Breite  finden  sich  in  ununterbrochener  Reihe  alle  Uebergänge  bis 
zur  Anreihung  kleinster,  scharfer  Einrisse,  welche  das  Aussehen  vieler 
Stücke  aus  der  Budweiser  Gegend  charakterisiren  und  denselben 
gleichsam  ein  zerhacktes  Aussehen  geben.  Die  Sculptur  steht  in 
innigem  Zusammenhange  mit  der  gesammten  Gestalt  der  Stücke  und 
an  der  Hand  der  weiter  unten  besprochenen  Formentypen  werden  die 
Uebergänge  erläutert. 

Ausserdem  zeigt  die  Oberfläche  der  meisten  Moldavite  eine 
feine  Streifung,  welche  unabhängig  von  den  grösseren  Gruben,  diese 
oft    quer    durchschneidend    verläuft.    Es    ist  ohne    Zweifel    dieselbe 


256  Dl'-  yrsiuz  E.  Suess.  [64] 

Streifung-,  welche  Stelzner  an  einzelnen  Australiten  als  „Bürsten- 
striche der  Luft"  bezeichnet  hat.  Die  Wirkung  der  Luft  hat  jedoch 
in  dem  von  S  t  e  1  z  n  e  r  gemeinten  Sinne  mit  dieser  Streifung  nichts 
zu  thun,  denn  dieselbe  ist  der  Ausdruck  der  schlierigen  Fluidal- 
structur  des  Glases  und  sie  kommt  auch  beim  Anätzen  von  frischen 
BrudiHächen  mittels  Flusssäure  zum  Vorschein.  Die  Fluidalstreifung 
kann  unter  Umständen  so  sehr  hervortreten,  dass  die  gröbere  Sculptur 
von  ihr  beinflusst  wird  und  dass  sie  das  Aussehen  des  ganzen  Stückes 
in  erster  Linie  beherrscht,  wie  das  bei  den  Stücken  der  letzten  der 
unten  besprochenen  Formengruppen  der  Fall  ist. 

Wenn  im  folgenden  von  einer  Corrosion  die  Rede  ist,  welche 
die  tiefgrubige  Sculptur  auf  der  Oberfläche  der  Moldavite  hervor- 
gerufen hat,  so  ist  damit  natürlich  nicht  eine  gewöhnliche,  mechanische 
oder  chemische  Corrosion  gemeint,  sondern  ich  will  gleich  vorgreifend 
bemerken,  dass  ich  dabei  an  die  atmosphärische  Corrosion  denke, 
welche  ein  Aerolith  im  raschen  Abstürze  erleidet. 

Schon  Stelzner  bemerkte,  dass  die  böhmischen  Moldavite 
durchweg  Bruchstücke  irgend  einer  grösseren  Glasmasse  sind.  Dasselbe 
trifft  zum  grossen  Theile  auch  für  die  mährischen  Vorkommnisse  zu;  auch 
sie  sind  zum  grossen  Theil  an  den  scharfkantig  umgrenzten  Flächen 
als  polygonale  oder  schalige  Bruchstücke  zu  erkennen.  Doch  bemerkt 
man  sowohl  an  den  Budweiser,  als  auch  an  Uebergangsreihen  der 
Trebitscher  Stücke  nicht  selten,  dass  die  zunehmende  Corrosion  die 
beim  Bruche  entstandenen  Kanten  zerstört  hat  und  dass  neue  indi- 
vidualisirte  Formen  gebildet  wurden.  Ausserdem  gibt  es  aus  der 
Trebitscher  Gegend  eine  Reihe  von  Stücken,  welche  durch  kugelige, 
eiförmige,  scheibenförmige  oder  zapfenförmige  Gesammtform  aus- 
gezeichnet sind  und  durchaus  nicht  den  Eindruck  von  Bruch- 
stücken machen,  diese  bilden  eine  besondere  Gruppe.  Sie  wurden 
als  zweite  Gruppe  beschrieben  und  an  sie  habe  ich  die  am  stärksten 
corrodirten  schal  igen  Bruchstücke  angeschlossen;  als  letzte 
Gruppe  habe  ich  die  in  extremster  Weise  corrodirten,  z,  Th.  unregel- 
mässig gezerrten  Formen  unterschieden,  welche  sich  von  den  schaligen 
Bruchstücken  der  Budweiser  Gegend  ableiten  lassen. 

Ich  habe  es  am  zweckmässigsten  gefunden,  meine  Ausführungen 
mit  den  Bruchstücken  von  Slawitz  bei  Trebitsch  zu  beginnen;  es  ist 
das  ein  an  dieser  Localität  vorherrschender  Typus,  welcher  die 
Sculpturerscheinungen  in  der  einfachsten  Weise  zeigt,  und  es  sind 
zugleich  dieselben  Stücke,  bei  deren  Betrachtung  in  der  Sammlung 
des  Herrn Lispectors  p].  Hanisch  ich  zu  dem  Studium  der  Moldavite 
angeregt  worden  bin.  Die  Beschreibung  der  mährischen  Stücke,  welche 
selbständige  individualisirte  Körper  bilden,  sah  ich  mich  genöthigt, 
zwischen  die  Bruchstücke  einzuschalten,  da  sie  weniger  stark  gegrubt 
und  gefurcht  sind  und  die  Behandlung  der  extremsten  Formen  am 
Schlüsse  des  Ganzen,  wie  ich  glaube,  das  Bild  der  gesammten  Er- 
scheinung am  übersichtlichsten  gestaltet.  Selbstverständlich  können 
die  angeführten  Gruppen  nicht  als  streng  gesondert  betrachtet 
werden,  sondern  es  sind  dieselben  durch  mannigfache  Uebergänge 
miteinander   verbunden;   die   Cömbinationen    der   Eigenschaften  ver- 


[65]  r'iß  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  257 

schiedener  Gruppen  in  einem  anderen  Sinne,  als  in  dem  hier  be- 
sprochenen, sind  jedoch,  wenn  sie  überhaupt  auftreten,  gewiss  sehr 
selten. 

A.  Kernstücke. 

Bruchstücke  von  unregelmässig  polygonalem  Umriss,  mit  ebenen 
oder  auch  sowohl  concav  als  auch  convex  gekrümmten  Bruchtiächen. 
Die  Sculptur  besteht  fast  ausschliesslich  aus  mehr  oder  weniger  ge- 
rundeten Gruben,  welche  auf  verschiedenen  Flächen  in  verschiedenem 
Grade  und  in  verschiedener  Grösse  entwickelt  sind. 

Beispiel  Nr.  1 .  Tafel  I,  Fig.  1  a—h.  (Sammlung  H  a  n  i  s  c  h.) 
Slawitz  bei  Trebitsch.  Im  autfallenden  Lichte  pechschwarz,  lebhaft  fett- 
glänzend, dem  Glasglanze  genähert,  wie  stark  lackiert;  im  durch- 
fallenden Lichte  dunkel  ölgrün  ins  braungelbe. 

Die  Gesammtform  ist  die  eines  verzogenen  kurzen  Prismas  mit 
vier  sehr  ungleichen  Seitenflächen,  die  in  sehr  verschiedenen,  theils 
spitzen,  theils  stumpfen  Winkeln  aneinanderstossen.  Die  breiteste 
Seitenfläche  (Fig.  1  a)  hat  offenbar  mit  der  Deckfläche  zusammen- 
gehangen und  mit  dieser  eijie  einzige  gewölbte  Fläche  gebildet; 
doch  ist  das  Stück  hier  durch  einen  frischen  Bruch,  an  welchem  die 
innere  compacte  Glasmasse  zu  Tage  tritt,  beschädigt.  Die  kleine 
Basisfläche  stösst  mit  unscharfer,  ein  wenig  gewölbter  Kante  von  der 
breiten  Fläche  ab,  während  von  den  Seitenflächen  die  eine  hochgewölbt 
ist  und  in  die  breite  Fläche  im  Bogen  übergeht  (Fig.  1  a  links)  und  die 
andere,  im  ganzen  ebenflächig,  nur  unregelmässig  flach  aus-  und  ein- 
gebogene, gegen  die  breite,  tief  sculpturirte  Fläche  einen  scharfen  und 
spitzen  Winkel  bildet.  An  die  kleinsten  Flächen  (Fig.  1  b)  sind  die 
beiden  Seitenflächen  in  stumpfen  Winkeln  aber  mit  deutlichen  Kanten 
angeschlossen;  die  Basis  setzt  in  rechtem  Winkel  ab  und  es  ist  hier 
noch  eine  kleine,  schmal  dreiseitige,  eckenabstumpfende  Fläche  ein- 
geschaltet. Alle  Flächen  und  Kanten  machen  sofort  den  Eindruck, 
dass  sie  durch  zufälliges  Zerspringen  eines  Körpers  theils  ebenflächig, 
theils  in  mehr  oder  weniger  muscheligem  Bruche  zerfallen  sind  und 
dass  eine  spätere,  irgendwie  geartete  Corrosion  die  Schärfe  der 
Kanten  etwas  abgestumpft  und  theilweise  gerundet  hat.  Die  breiteste 
Fläche  (Fig.  1«)  zusammen  mit  der  Deckfläche,  mit  der  sie  offenbar 
in  continuirlicher  Wölbung  ursprünglich  zusammenhing,  bilden  augen- 
scheinlich einen  Theil  der  ursprünglichen  gewölbten  Oberfläche  eines 
grösseren  Körpers ;  hier  ist  die  Corrosion  in  Form  tiefer  Gruben  am 
stärksten  entwickelt.  Die  rundlichen  Gruben  scheinen  eingesenkt  in 
einer  Oberfläche,  die  mit  zahlreichen  viel  kleineren,  rundlichen  Näpf- 
chen bedeckt  ist,  von  der  aber  nur  mehr  ein  kleiner  Theil  erhalten 
ist.  Die  tiefen  Gruben  schneiden  sich  vielfach  und  sind  in  gemein- 
samen, bogenförmigen  Höhlungen  enger  aneinander  gereiht:  es  finden 
sich  aber  auch,  namentlich  auf  der  die  Deckfläche  bildenden  Partie, 
isolirte,  tiefe,  ovale  und  rundliche  Einsenkungen.  Die  kleinen  rund- 
lichen Vertiefungen,  welche  die  Rauhigkeit  der  ältesten  Oberfläche 
bilden,  setzen  sich  noch  stellenweise  in  die  grossen  Gruben  fort, 
doch  sind  sie  hier  durchaus  nicht  immer  vorhanden ;  dagegen  ist,  wie 


258  Ri".  Franz  E.  Siiess.  rßß] 

man  unter  der  Lupe  gut  wahrnehmen  kann,  die  Fläche  der  grossen 
Gruben  häufig  mit  einer  welligen  oder  unregelmässig  concentrischen, 
allerfeinsten  Streifung  überzogen,  die  theils  quer  auf  die  Längs- 
richtung der  Gruben,  theils  parallel  derselben  verläuft.  Es  scheinen 
hier  zweierlei  PJigenheiten  der  Masse  zum  Ausdrucke  zu  kommen: 
die  concentrische  Streifung  dürfte  ihre  Ursache  in  der  Tendenz  der 
Masse  zu  muscheligem  Bruche  haben,  sie  ist  es,  welche  in  erster 
Linie  den  Eindruck  hervorruft,  wie  wenn  die  grösseren  Gruben  mit 
einem  harten  Instrumente  gewaltsam  herausgestemmt 
worden  wären.  Die  Längs-  und  Querstreifen  dürften  einer  Fluidal- 
structur  der  Masse  entsprechen,  die  aber  an  solchen  Kernstücken 
gewöhnlich  nur  im  geringsten  Masse  hervortritt. 

Die  jüngeren  Bruchflächen  sind  in  weit  geringerem  Grade  corro- 
dirt;  sie  sind  ganz  überdeckt  von  kleinen  rundlichen  Grübchen  und 
flachen  Näpfchen,  die  häufig  durch  etwas  bedeutendere  Grösse  aus 
der  allgemeinen  Rauhigkeit  hervortreten.  Stellenweise  sind  sie  in 
grösserer  Anzahl  geradlinig  aneinander  gereiht;  sie  folgen  in  einer 
kleinen  Partie  auf  der  kleinen  Basisfläche  (^in  der  Figur  nicht  wahr- 
nehmbar) einer  feinsten  erhabenen  Riefung,  welche  wahrscheinlich 
ebenfalls  der  Fluidalstructur  entspricht. 

Das  Stück  ist  allem  Anscheine  nach  entstanden  durch  Zerspringen 
eines  grösseren  Körpers,  auf  dessen  gewölbter  Oberfläche  durch  äussere 
Einwirkung  bereits  tiefe  Gruben  enstanden  waren;  nach  dem  Zer- 
springen war  die  Dauer  der  Einwirkung  zu  gering,  als  dass  sich  die 
Oberflächensculptur  auf  der  neu  entstandenen  Fläche  hätte  in  dem- 
selben Grade  entwickeln  können. 

Beispiel  Nr.  2.  Taf.  I,  Fig.  2n — c.  (Museum  Ferdinandeum 
in  Brunn).  Slawitz  bei  Trebitsch ;  abs.  Gew.  20-380  gr,  spec.  Gew. 
2*350.  Farbe  wie  bei  Nr.  1,  die  Oberfläche  jedoch  etwas  weniger 
frisch  und  der  Glanz  um  ein  ganz  geringes  matter. 

Das  Stück  mag  spitz  keulenförmig  gewesen  und  später  an  einem 
ebenen  Bruche  die  muthmassliche  Spitze  abgebrochen  sein ;  dieser 
Querbruch  zeigt  die  schwächsten  Vertiefungen  und  ist  der  jüngste. 
Die  beiden  vorhandenen  Breitseiten  zeigen  die  Sculptur  in  sehr  ver- 
schiedener Ausbildung.  Die  stark  gewölbte  Seite  ist  ganz  übersäet  mit 
den  sich  schneidenden  und  in  einem  polygonalen  Netze  aneinander 
stossenden  tiefen  Gruben,  während  die  gegenüberliegende,  nur  wenig 
gewölbte  Fläche  (Fig.  2  c)  viel  flachere,  kleinere  und  mehr  vereinzelte 
Gruben  aufweist.  Auf  der  einen  Seite  (Fig.  2  c  links)  stösst  diese 
Fläche  ziemlich  scharf  an  die  grossgegrubte  Aussenfläche,  die  andere 
Kante  ist  aber  verschwunden  und  eine  bogenförmige,  gewölbte  Fläche 
bildet  hier  den  Uebergang  zur  Aussenfläche ;  es  war  hier  eine  weitere 
Bruchfläche  vorhanden,  deren  Umkantung  theilweise  durch  die  Cor- 
rosion  verloren  gegangen  ist.  Auf  derselben  Seite  ist  auch  ein  schaliges 
Stück  herausgesprengt  worden ;  die  concave  Jkuchfläche  schneidet  die 
rundlichen  Gruben  der  älteren  Fläche.  (Fig.  2  c  rechts  unten.)  Man 
nimmt  hier  deutlich  die  erhabene  Streifung  der  Fluidalstructur  wahr, 
welche  theils  geradlinig  gestreckt,  theils  in  rücklaufend  gekrümmtem 
Bogen  schlierenartig  verläuft.     Die    concave  Aussprengung  zeigt  drei 


[67] 


Die  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser. 


259 


tiefe,  runde  Gruben;  man  kann  jedoch  vielleicht  bei  so  vereinzelten 
Gruben  nicht  ganz  sicher  sein,  ob  man  es  nicht  mit  gesprengten 
Blasenräumen  zu  thuu  hat,  denn  es  sind  ja  vereinzelte,  oft  auch 
grössere  Blasen  im  Innern  der  Moldavite  nicht  selten  (s.  unten"). 

Die  allergrössten  Gruben  zeigt  das  Stück  in  der  Ansicht  auf  die 
obere,  schmale  Fläche  (Fig.  2  h);  diese  Partie  dürfte  die  älteste 
Aussenfiäche  darstellen ;  gegen  sie  setzt  allerdings  an  einer  stark  ver- 
wischten Kante  die  stark  gegrubte,  breite  Fläche  ab  (Fig.  2  a);  hier 
dürfte  die  starke  Corrosion  den  ursprünglichen  Gegensatz,  wenn  auch 
nicht  völlig  verwischt,  so  doch  undeutlicher  gemacht  haben.  Später 
sind  die  weniger  corrodirten  Prismenflächen  entstanden,  deren  Kanten 
eine  theilweise  Rundung  erfahren  haben  ;  dann  ist  das  ziemlich  scharf- 
kantig umgrenzte,  schalige  Stück  herausgesprengt  worden,  und  ganz 
zuletzt  muss  der  Querbruch  erfolgt  sein,  denn  diese  Fläche  ist,  wie 
bereits  erwähnt  wurde,  in  geringerem  Masse  gegrubt. 

Beispiel  Nr.  3.  Fig.  1  a — c.  (Museum  Ferdinandeum  in  Brunn). 
Slawitz  ;  abs.  Gew.  15-793  gr.  Die  Oberfläche  ist  tiefschwarz,  jedoch 
nicht  mehr  vollkommen  frisch  erhalten  und  deshalb  der  Glanz  ziemlich 
matt,  dem  Fettglanze  vergleichbar.  Im  durchfallenden  Lichte  schmutzig 
gelblichgrün. 


Moldavit,  Kernstück  von  Slawitz. 


Das  Stück  zeigt  bereits  die  Neigung  der  Substanz  zum  schaligen 
Zerspringen.  Es  besitzt  die  Form  einer  verbogenen  und  etwas  ver- 
drehten vierseitigen  Pyramide  mit  unregelmässiger,  gewölbter  Basis; 
an  einem  solchen  Bruchstücke  kann  nur  die  convexe  Seitenfläche 
oder  die  Basis  die  älteste  Oberfläche  darstellen.  In  der  That  besitzt 
die  erstere  weitaus  die  grössten  und  tiefsten  Gruben;  dann  folgt 
die  gewölbte  Basis,  auf  welcher  namentlich  eine  Kette  von  vier  an- 
einander gereihten,  flachen  Grübchen  deutlich  hervortritt.  Dann  folgen 
die  weiteren  drei  verbogenen  Pyramidenflächen,  welche  ungefähr  in 
gleichem  Masse  mit  flachen  Grübchen  bedeckt  sind.  Auf  der  inneren 
concaven,  dreiseitigen  Fläche  befindet  sich  noch  eine  längere  Furche, 

Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Keichsanstalt,  1900,  50.  Band,  2.  Heft.  (Fr.  E.  Suess.)      34 


260  I^''-  Franz  E.  Suess.  [68] 

welche  bei  genauerer  Betrachtung  als  AueinandeiTeiliuiig  zalih-eicher 
flacher  Grübchen  zu  erkennen  ist ;  das  ist  auch  bei  einzelnen  läng- 
lichen Gruben  der  Aussenfläche  der  Fall.  Ueberhaupt  scheinen  in 
vielen  Fällen  tiefere  Canäle  und  Rillen  auf  der  Oberfläche  der  Moldavite 
durch  das  Aneinanderreihen  der  einzelnen  Gruben  vielleicht  in  unmittel- 
barer Aufeinanderfolge  entstanden  zu  sein. 

Auf  einer  Seitenfläche  (Fig.  7  a)  tritt  die  geradlinig  gestreckte 
Fluidalstructur  in  Form  schwacher,  erhabener  Streifen  deutlich  hervor  ; 
auf  der  convexen  Fläche  verläuft  sie  in  einer  Richtung  senkrecht  zur 
vorigen  ;  das  ist  ein  Beweis,  dass  sie  unabhängig  von  der  Lage  der 
Bruchflächen  das  Stück  durchsetzt. 

Beispiel  Nr.  4.  Taf.  I,  Fig.  5a— c.  (Sammlung  H  a  n  i  s  c  h.)  Slawitz. 
Oberfläche  schwärzlichgrün,  an  den  erhabenen  Stellen  etwas  abgerollt 
und  ein  wenig  matt ;  in  der  Tiefe  der  Gruben  lebhaft  glänzend ;  im 
durchfallenden  Lichte,  wie  oben;  nur  wegen  geringerer  Dicke  an- 
scheinend etwas  heller. 

Das  Stück  hat  die  Form  eines  abgesplitterten  Segmentes  aus  einem 
gewölbten  Körper,  dessen  Aussenfläche  sehr  tief  gegrubt  war.  Die 
Gruben  besitzen  gegeneinander  eine  unregelmässige  Lage,  man  sieht 
aber  deutlich,  dass  sie  stellenweise  zu  länglichen  Rillen  mit  feiner 
Querstreifung  aneinanderschliessen  (Fig.  6b).  Partienweise  sind  diese 
wieder  durch  erhabene  zackige  Rücken  von  einander  getrennt  und 
es  macht  von  vorneherein  den  Eindruck,  wie  wenn  die  ganze  grob 
angelegte  Sculptur  auf  einem  so  kleinen  Stücke  nicht  hätte  zustande 
kommen  können.  Die  beiden  unregelmässig  verbogenen  und  einge- 
drückten radialen  Bruchflächen  zeigen  einzelne  flache  grössere  Ein- 
drücke und  ausserdem  die  gewöhnlichen,  zahlreichen,  rundlichen 
Pünktchengruben  und  partienweise  tritt  in  zarten  Streifen  die  Fluidal- 
structur hervor. 

Auf  Fig.  5/^  links  oben  sieht  man  eine  weitere  Fläche,  welche 
ein  Stück  der  Wölbung  im  Sinne  einer  Secante  abschneidet;  die 
grossen  und  tiefen  Gruben  werden  von  dem  jungen,  ebenflächigen 
Bruche  durchschnitten  und  man  gewahrt  deutlich  den  Gegensatz 
zwischen  dieser  jüngsten  und  der  ältesten  äusseren  Fläche  des  Stückes 
in  Bezug  auf  die  Sculptur. 

Beispiel  Nr.  5.  Taf.  I,  Fig.  4  a — />.  (Sammlung  Han  i  seh.)  Im 
auffallenden  Lichte  schwarzgrün,  mattglänzend,  an  den  erhabenen 
Stellen  etwas  abgestossen  ;  im  durchfallenden  Lichte  wie  Nr.  4. 

Das  Stück  bildet  einen  Uebergang  von  dem  Typus  der  Kern- 
stücke zu  dem  der  schal  igen  Ab  spr  englinge,  ist  aber  nach 
dem  ganzen  Charakter  der  Sculptur  noch  den  ersteren  zuzurechnen. 
Die  stark  gewölbte  Aussenfläche  ist  ganz  überdeckt  mit  tief  ein- 
gegrabenen Vertiefungen ;  ihre  mit  kleinen,  runden  Tupfen  über- 
säeten  Reste  sind  Jiur  noch  in  kleinen  Partien  erhalten  (Fig.  4  a).  Gegen 
die  jüngeren,  inneren  Flächen  ist  die  Aussenfläche  durch  unscharfe, 
bogenförmige  Kanten  begrenzt,  aber  von  diesen  jüngeren  Flächen 
ist  nur  mehr  ein  schmaler  Raum  erhalten,  denn  aus  der  Innenseite 
wurde    ein   grosses,    calottenförmiges  Stück  herausgesprengt,  welches 


r()9]  nie  Herkunft  der  Moldavite  luul  verwandter  Gläser.  261 

eine  iicahezu  kreisförmige,  ziemlich  scharfkantig  umgrenzte  Vertiefung 
zurückliess.  (Fig.  4/a)  Diese  concave  Fläclie  ist  überdeckt  mit  grösseren 
napfförmigen  und  kleineren  rundlichen,  tiachen  Eindrücken,  welche 
aber  nicht  im  entferntesten  an  Grösse  und  Tiefe  diejenigen  der 
AuRsentiäche  erreichen.  Es  tritt  schon  hier  die  Erscheinung  deutlich 
hervor,  welche  ich  ohne  Ausnahme  an  hunderten  von  schaligen  Stücken 
beobachten  konnte,  dass  nämlich  an  derartigen  Absprenglingen  in 
der  Regel  die  convexe  Seite  in  merklich  höherem  Grade  gegrubt  oder 
gefurclit  ist,  als  die  concave  Innenseite. 

Am  Rande  des  Stückes  auf  der  Seite  der  Aussenfläche  ist  ein 
weiteres  kleines,  rundliches  Stück  herausgesprengt.  In  der  Nähe  des 
Randes  dieser  Vertiefung  ist  die  Aussenfläche  durch  frische  Schläge 
etwas  beschädigt  (Fig.  4o  Mitte  rechts),  doch  kann  man  deutlich 
sehen,  dass  hier  die  Kanten  am  allerschärfsten  sind ;  es  zeichnet  sich 
namentlich  die  concave  Kante  zwischen  den  beiden ,  verschieden 
grossen  Aushöhlungen  durch  besondere  Schärfe  aus.  Auf  der  kleinen, 
jüngsten  Fläche  (Fig.  46  oben)  befinden  sich  nur  einige  kleine,  wenig 
vertiefte,  rundliche  Eindrücke. 

Beispiel  Nr.  6.  Fig.  S  a—b.  (Sammlung  Hanisch.)  Slawitz. 
Farbe  und  Glanz  wie  Nr.  3. 

Das  Exemplar  soll  ein  Beleg  sein  für  das  Vorkommen  von 
Bruchstücken,  welche  keine  extrem  corrodirte  Aussenfläche  aufweisen 
und  die  aus  dem  inneren  Theile  eines  zersprungenen  Körpers  stammen 


8. 


Moldavit,  Kernstück  von  Slawitz  (natürliche  Grösse). 

dürften.  Das  wenig  gewölbte,  schalige  Stück  von  der  Ilauptform  eines 
unregelmässigen  Dreieckes  mit  abgerundeten  Ecken  besitzt  zwei  grössere 
Hauptflächen,  eine  unregelmässig  convexe  und  eine  flach  concave.  Die 
nicht  scharf  abgekanteten  ümrandungsflächen  bestimmen  die  Dicke 
des  Stückes,  und  an  der  dicksten  Stelle,  wo  die  convexe  Fläche  eine 
hügelartige  Erhabenlieit  bildet,  sind  an  den  betreifenden  Seitenflächen 
zwei   flache,    kreisförmige   Mulden   herausgesprengt;  die  Schärfe  der 

34* 


262  I>i*.  Franz  E.  Siiess.  nQi 

Kanten    und    die   geringe   Corrosion   innerhalb    der  Flächen  beweist, 
dass  dies  die  jüngsten  Sculptiutlieile  sind. 

Das  ganze  Stück  ist  auf  allen  Flächen  bedeckt  mit  kleinen  und 
kleinsten  rundlichen  Gruben  und  Näpfchen.  Die  tiefen  Einbuchtungen 
auf  der  wahren  Aussenfläche  der  obigen  Kernstücke  sind  hier  nicht 
vorhanden.  Die  concave  Fläche  zeigt  nur  einige  ganz  flache  und  ver- 
schwommene, breitere  Einsenkungen,  die  zufälliger  Natur  sein  dürften. 
Die  stärker  gewölbte,  convexe  Fläche  dagegen  zerfällt  in  zwei  Partien, 
die,  obwohl  sie  nicht  durch  eine  bestimmte  Kante  getrennt  sind,  sich 
doch  unterscheiden  lassen  und  in  stumpfem  Winkel  aneinandergrenzen. 
Auf  der  grösseren  der  beiden  Partien  sieht  man  ausser  einigen 
ganz  flachen  und  verschwommenen  Unebenheiten  nur  die  Rauhigkeit 
der  kleinen  rundlichen,  punktartigen  Vertiefungen ;  die  kleinere  Partie 
dagegen  zeigt  eine  Anzahl  von  grösseren,  flachen,  rundlichen  Conca- 
vitäten,  und  man  wird  annehmen  müssen,  dass  diese  Flächepartie 
des  Stückes  im  frühesten  Stadium  der  Zertrümmerung  enstanden  ist; 
demselben  Stadium  dürfte  auch  die  eine  längste  und  gebogene  Seiten- 
fläche angehören,  denn  auch  hier  befinden  sich  ähnlich  flache,  breitere 
Gruben.  Diese  lassen  sich  aber  nicht  mit  den  tiefen  Einrissen  auf 
der  Aussenfläche  der  obigen  Kernstücke  vergleichen. 

Beispiel  Nr.  7.  Taf.  I,  Fig.  3a— d.  (Sammlung  Dvorsky, 
Brunn.)  Slawitz.  Abs.  Gew.  41-957  gr,  spec.  Gew.  2-337.  Im  auf- 
fallenden Liebte  tief  schwarz,  in  der  Tiefe  der  Gruben  dagegen  leb- 
haft lackglänzend;  im  durchfallenden  Lichte  hell  gelblichgrün. 

Ein  längliches,  schaliges  Bruchstück,  welches  sich  am  einen 
Ende  verschmälert  und  zuspitzt,  so  dass  das  Ganze  bis  zu  einem 
gewissen  Grade  ein  hornförmiges  Aussehen  annimmt.  Am  spitzen  Ende 
ist  das  Stück  durch  einen  frischen  Bruch  beschädigt.  Der  Gegensatz 
zwischen  der  äusseren  älteren  und  der  inneren  concaven  Fläche  ist 
zwar  nicht  so  scharf,  wie  bei  den  obigen  Stücken,  aber  dennoch 
deutlich  zu  erkennen.  Die  Innenfläche  ist  gegen  die  sehr  stark  ge- 
wölbte Aussenfläche  auf  der  einen  Seite  ziemlich  scharfkantig  begrenzt 
(Fig.  3«).  Auf  der  anderen  Seite  (Fig.  3(/)  verliert  sich  die  in  der 
Nähe  der  Spitze  vorhandene  Kante  ziemlich  bald  und  macht  einer 
gleichmässigen  Rundung  Platz,  so  dass  beide  Flächen  allmälig  in  ein- 
ander übergehen. 

Auf  der  breiteren,  convexen  Wölbung  (Fig.  Sb)  sieht  man  zwischen 
den  tiefen  Gruben  grössere  Partien,  welche  nur  kleinere  Gruben  zeigen; 
es  sind  anscheinend  die  letzten  Reste  der  Oberfläche  eines  grösseren 
gewölbten  Körpers.  Die  Gruben  sind  tief,  meist  länglich  oval  und  in 
der  Nähe  des  zugespitzten  Endes  zahlreicher.  Auf  der  breiteren 
Fläche,  sowie  auch  auf  der  Innenseite  (Fig.  3  c)  erscheinen  sie  stellen- 
weise in  grösserer  Zahl  gruppirt,  gemeinsame,  grössere  Vertiefungen 
von  länglichem  oder  rundem  Umrisse  bildend. 

Am  unteren  Ende  der  Innenfläche  befindet  sich  noch  eine 
weitere  ovale  Aussprengung,  welche  schärfer  umgrenzt  ist  und  keine 
grösseren  Gruben  aufweist.  Die  feine  Streifung  der  Fluidalstructur  ist 
in  den  Gruben  beider  naui)tflächen  sichtbar;  sie  folgt  beiläufig  der 
Längsriciitung  des  Stückes. 


[71]  Die  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  263 

Diese  Beispiele  mögen  genügen,  um  den  bei  der  Loccalität  Slawitz 
südlicli  von  Trebitsch  allein  herrschenden  Typus  der  Kernstücke  zu 
veranschaulichen.  Mir  liegen  von  diesem  Orte  im  ganzen  34  Stücke 
vor,  und  zwar  24  aus  der  Sammlung  des  Inspectors  E.  Hanisch 
und  10,  die  mir  Herr  Professor  F.  Dvorsky  zugeschickt  hat.  Eine 
weitere  geringe  Anzahl  habe  ich  in  einigen  Privatsammlungen  gesehen, 
und  ich  glaube  nicht,  dass  sie  sonst  noch  in  grösserer  Menge  aufzu- 
treiben sein  werden.  Ganz  ähnliche  Typen  finden  sich  auch  auf  den 
Feldern  Teruvky  südlich  von  Trebitsch,  doch  zeigen  die  Stücke 
dieser  Localität  meist  stärkere  Abrollung.  Sie  sollen  hier  ziemlich  reich- 
lich gefunden  worden  sein  und  ich  habe  13  Exemplare  aus  der  Samm- 
lung Hanisch  und  2  Stücke  aus  dem  P)rünner  Museum    zur    Hand. 

Fiff.  9. 


Grösstes  Moldavitbriichsiück.  Slawitz  (natürliche  Grösse). 

Unter  den  Slawitzer  Moldaviten  der  Sammlung  Dvorsky  befindet 
sich  das  grösste  Exemi)lar,  welches  mir  überhaupt  untergekommen  ist, 
mit  einem  Gewichte  von  121-82  Gramm  (spec.  Gew.  2357).  (Fig.  9.) 
Das  Exemplar  ist  auch  nur  ein  zufcälliges  Bruchstück  eines  frisch 
zerschlagenen  Körpers,  der  vielleicht  dreimal  so  gross  gewesen  sein 
mag.  Die  ganze,  in  der  Darstellung  Fig.  9  von  der  Bildfläche  ab- 
gewendete Seite  ist  frischer  Bruch ;  die  fast  schwarze  Glasmasse 
gleicht  ganz  einem  dunklen  Obsidiane.  An  den  durchscheinenden 
Kanten  sieht  man  aber  dieselbe  Farbe,  wie  an  den  übrigen  Kern- 
stücken. Die  Oberfläche  ist  matt  und  stark  abgerollt,  mit  zahlreichen 
runden  und  breiten  Gruben.  Die  Wölbung  der  Fläche  lässt  auf  eine 
gerundete  Gestalt  des  ursprünglichen  Gesammtkörpers  schliessen  und 
man  kann  sich  daraus  vielleicht  eine  ungefähre  Vorstellung  machen, 
wie    die  grösseren  Körper   ausgesehen   haben  mögen,    von   denen  die 


264  Dr.  Franz  E.  Siiess.  [72] 

kleineren    schaligen    und    unregelmässig    geformten    Scherben    abge- 
splittert sind. 

Unter  den  böhmischen  Stücken  finden  sich  auch  nicht  selten 
unregelmässig  polygonale  Formen,  welche  den  mährischen  Kernstücken 
entsprechen.  Sie  scheinen  jedoch  dort,  soviel  ich  erfahren  konnte, 
niclit  auf  besondere  Fundpunkte  beschränkt  zu  sein,  sondern  im 
ganzen  Fundgebiete  zusammen  mit  den  sonstigen  schaligen  Ab- 
sprenglingen  aufzutreten.  (Fig.  10.)  Zum  Studium  sind  sie  weniger 
geeignet,  als  die  mährischen  Kernstücke,  da  sie  fast  stets  stark  abge- 
rollt und  angewittert  sind;  die  Kanten  sind  meistens  ganz  abgerundet, 
so  dass  die  Stücke  ein  unregelmässig  knolliges  Aussehen  liaben.  Man 
kann  aber  immerhin  noch  oft  die  tiefen  Eindrücke  der  grösseren 
Gruben  nachweisen,  die  an  einzelnen  Flächen  in  höherem  Grade  aus- 
gebildet sind.  Nur  ein  einziges  Bruchstück  aus  Böhmen  ist  mir  be- 
kannt   geworden,    welches    in    seinen   sämmtlichen   Eigenschaften,    in 

Fi^.  10.  Fi??.  11. 


„Kernstücke"  aas  der  Umgebung  von  Budweis  (Coli.  Sc  li  würzen  her g). 
Natürliche  Grösse. 

Bezug  auf  Erhaltung,  Ausbildung  der  Gruben,  Glanz  und  Farbe  ganz 
den  mälirischen  Kernstücken  gleicht.  Nur  ein  Theil  einer  stark  ge- 
wölbten und  gegrubten  Fläche  ist  erlialten,  das  übrige  ist  frisclier 
Bruch.  Im  Innern  der  Glasmasse  sind  ausnahmweise  zahlreiche 
Bläschen  sichtbar.  Nach  der  Etiquette  in  der  Sammlung  des  minera- 
logischen Institutes  der  böhmischen  Universität  in  Prag  stammt  es 
aus  lladomilitz  und  ist  dasselbe  „liclitbrauhe"  Exomphir,  von  dem 
C.  v.  John  im  Jahre  1889  eine  Analyse  gegeben  hat.  Sonst  finden 
sich  unter  den  böhmischen  Exemplaren  häufig  jene  unregelmässigen 
Formen  mit  mehreren  concaven  Flächen,  welche  man  als  die  innersten 
Kerne  betrachten  nniss,  die  nach  erfolgter  Absprengung  der  schaligen 
Bruchstücke  erhalten  geblieben  sind  (Fig.   11). 


Mir  ist  keine  Erscheinung  bekannt,  welche  sich  mit  den 
Sculpturen  auf  den  Fhichen  der  Slawitzer  Kernstücke  vergleiclien 
Hesse,  als  die  Gruben  und  Näpfclien  auf  der  Oberfiäche  der  Meteoriten, 
welche    D  a  u  b  r  e  e   durch    die  Einwirkung    von  Exi)lüsionsgasen    auf 


[73]  Rit'  Herkunft,  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  265 

Stalilplatteii  und  audereu  Körpern  nachgeahmt  und  mit  dem  Namen 
„Pi  ezogiypten"  belegt  hat^).  Vergleicht  man  die  Abbildung  eines 
Kernstückes  wie  Fig.  12,  oder  die  Flächen  eines  der  Stücke  auf 
Tat".  1  mit  den  von  Daubree  gegebenen  Abbildungen  der  Stahlplatten 
auf  S.  515  und  510,  oder  die  weiter  vorstehenden  Abbildungen  der 
Meteoriten  ebendaselbst,  so  fällt  die  Aehnlichkeit  sofort  in  die 
Augen.  Die  durch  den  Druck  der  hochcomprimirten  Gase  auf 
Stahlschienen  erzeugten  Aussprengungen  und  Ausbrennungen  schildert 
Daubree  als  theils  isolirte  Näpfchen,  welche  „in  der  Form  ihrer 
>Vände  eine  Eeihe  von  sphäroidalen  Flächen  zeigten,  welche  ebenso 
vielen  Centren  einer  Wirbelbewegung  zu  entsprechen  scheinen".  „Sie 
sind  im  ganzen  wie  der  Abdruck  von  gewissen  Grui)pen  von  Gas- 
blasen, die   an  der  Oberfläche   von  Flüssigkeiten,  aus  denen  sie  sich 

Fig.  VI.  Fig.  13. 


„Kernstücke"  von  Slawitz  (Coli.  Ilanisch\  Natürliche  Grösse. 

entwickeln,  entstehen"...  „Oft  sind  diese  Näpfchen  selbst  zu  Gruppen 
vereinigt  und  auf  Centimeterlänge  aneinander  gereiht,  wie  die 
Ringe  einer  Kette"  (vgl.  Fig.  3/^ — c.  Tat'.  I  und  die  Partie  links  Fig.  12). 
„Abgesehen  von  den  Näpfchen  oder  Gruppen  derselben,  die  auf  den 
ersten  Blick  sehr  leicht  kenntlich  sind,  kann  man  sagen,  dass  die 
ganze  Oberfläche,  welche  der  Wirkung  der  explosiven  Gase  aus- 
gesetzt war,  von  Unebenheiten  kleinerer  Dimensionen  derartig  be- 
deckt ist,  dass  sie  an  eine  genarbte  Fläche  erinnert".  Diese  aus- 
gewählten Sätze  passen  vorzüglich  in  eine  Beschreibung  der  Näpfchen 
und  Gruben  auf  den  ursprünglichen  Flächen  der  Kernstücke.  Die 
polyedrische  Gestalt  von  Bruchstücken  haben  die "  Kernstücke  mit 
vielen  Meteoriten  gemein ;  und  ebenso  die  verschiedengradige  Ent- 
wicklung der  Näpfchen  und  Gruben  auf  veischiedenen  Flächen.  Es 
ist   begreiflich,    dass   ein   sprödes    Glas   bei    der  gleichen  Einwirkung 


^j  A.  Daubree.  Synthetische  Studien  zur  Experiniental -Geologie.  Deutsche 
Ausgabe  von  A.  Gurlt.  Braunschweig  1880.  S.  483  —  554. 


266  Dr.  Franz  E.  Siiess.  [74] 

in  viel  zahlreichere  und  kleinere  Stücke  zerspringen  wird,  als  ein 
viel  zäherer  Siderit  oder  Chondrit.  Auch  ist  es  klar,  dass  beim  Zer- 
springen des  Glases  die  Neigung  zum  muscheligen  Bruche  gelegentlich 
hervortreten  wird,  so  dass  auch  krummschalige  Bruchstücke  häufig 
auftreten  werden.  Selbst  in  der  Form  der  Näpfchen  wird  in  einem 
gewissen  Grade  das  molekulare  Gefüge  der  Masse  zum  Ausdrucke 
kommen  können;  es  geschieht  das,  indem  sich  die  Näpfchen  manches- 
mal zu  gebogenen  Gängen  und  halbmondförmigen  Ketten  ordnen, 
oder  selbst  halbmondförmige  Gestalt  besitzen  (Fig.  12  Mitte,  Taf.  I, 
Fig.  5a — b).  In  der  Regel  besitzen  sie  jedoch  dieselbe  rundliche 
Form,  wie  bei  den  Meteoriten.  Auf  das  Glas  der  Moldavite  kann  die 
hochcomprimirte  Luft  kaum  in  chemischer  Hinsicht  wirken ;  es  wird 
nur  deren  mechanische  Kraft,  einerseits  als  Sprengkraft,  welche  die 
Stücke  zertrümmert  (D  a  u  b  r  e  e  1.  c.  S.  485),  und  anderseits  als 
bohrende  Wirbel,  welche  die  Näpfchen  und  Gruben  erzeugen,  zur 
Geltung  kommen.  Demnach  darf  es  nicht  Wunder  nehmen,  wenn 
unter  Umständen  vielleicht  beide  Wirkungen  vereinigt  sind,  so  dass 
es  in  einzelnen  Fällen  nicht  ganz  sicher  ist,  zu  entscheiden,  ob  man 
es  mit  kleineren  Absprengungen  oder  mit  grösseren  Näpfchen  zu 
thun  hat  (z.  B.  Fig.  13).  Das  beeinflusst  aber  nicht  die  Deutung  der 
Erscheinung  als  Ganzes  und  deren  grosse  Verwandtschaft  mit  den 
Piezoglypten  der  Meteoriten  bei  den  typischen  Stücken. 

B.  Selbständige  Körper. 

Gerundete  Formen,  oft  mit  regelmässigen  Umrissen,  ohne  scharfe 
Kanten.  Die  meist  ziemlich  grobe  Sculptur  besteht  aus  länglichen 
Näpfchen  und  Kerben  und  ist  in  ihrer  Anordnung  stets  bis  zu  einem 
gewissen  Grade  abhängig  von  der  Form  des  Körpers. 

Beispiel  Nr.  8.  Taf.  II,  Fig.  1  a  — (7.  (Sammlung  des  naturhist. 
Hofmuseums.)  Zwischen  Skrey  und  Dukowan.  Abs.  Gew.  5(r3()9  gr, 
spec.  Gew.  2'356  Im  auffallenden  Lichte  tief  schwarz  mit  lebhaftem 
Fettglanze ;  im  durchfallenden  Lichte  gelblichgrün. 

Kreisrund,  scheibenförmig,  von  der  Form  eines  sehr  stark  ab- 
geplatteten Rotationsellipsoides.  Die  regelmässige  Gestalt  wird  von 
einer  relativ  glatten  Fläche  gebildet,  welche  allenthalben  recht 
deutlich  die  feinen  Streifen  der  Fluidalstructur  zeigt  und  ganz  über- 
deckt ist  mit  kleinen,  flachen  Näpfchen.  In  diese  Fläche,  mit  nur 
schwacher  aber  allgemeiner  Sculpturirung,  sind  grössere,  tiefe  Kerben 
von  ovalem  Umrisse  eingegraben;  sie  sind  auffallend  in  Bezug  auf  die 
Gleichmässigkeit  ihrer  Dimensionen  in  der  Länge,  Breite  und  Tiefe ; 
einzelne  längere  Furchen  sind  deutlich  aus  einigen  knapp  aneinander- 
gereihten Kerben  zusammengesetzt.  (Fig.  la  rechts.)  Die  Kerben 
sind  auf  beiden  Seiten  sehr  ungleich  vertheilt;  und  während  sie  auf 
einer  Seite  (Fig.  1  a)  so  sehr  gedrängt  sind,  dass  zwischen  ihnen  von 
der  ursprüglichen  Fläche  nur  schmälere  und  unregelmässig  ausgezackte 
Partien  übrig  geblieben  sind,  finden  sie  sich  auf  der  anderen  Seite 
nur  vereinzelt.  (Fig.  1  c.)  Was  aber  dem  Stücke  das  auffallendste 
und  bezeichnende  Gepräge  gibt,  ist  die  deutlich    radialstrahlige    An- 


[75]  r)'e  Herkunft  der  Molilavite  iiiul  verwaiultcr  Gläser.  2f)7 

Ordnung,  in  welcher  die  Kerben  auf  beiden  Seiten  gruppirt  sind : 
von  einem  Centrum  aus  scheinen  sie  nacli  allen  Seiten  gegen  den 
Rand  hinzustreben.  Dieses  Centrum  fällt  nicht  genau  mit  dem 
Mittelpunkte  der  Scheibe  zusammen,  sondern  ist  um  ein  weniges 
seitlich  verschoben.  Hier,  in  dem  von  der  Corrosion  am  stärksten 
betrolfenen  Theile,  ist  die  radialstrahlige  Anordnung  der  tiefen  Gruben 
noch  nicht  so  deutlich  ;  sie  scheinen  an  dieser  Stelle  mehr  in  un- 
geordneter Weise  gehäuft  und  zwischen  ihnen  stehen  nur  einzelne  kleine, 
scharfkantig  erhabene  Partien,  auf  deren  Höhen  nur  ganz  kleine 
Reste  der  alten  Oberfläche  erhalten  geblieben  sind.  Die  Furchen 
bilden  hier  gemeinsame  grössere  Vertiefungen,  an  deren  Rande  aber 
durch  kleine,  scharfkantige  Erhebungen  die  Individualität  jeder  ein- 
zelneu dieser  Kerben  zu  erkennen  ist.  Gegen  den  Rand  zu  wird  ihre 
radiale  Stellung  besonders  deutlich,  und  während  auf  der  einen  Hälfte 
der  stark  gegrubten  Seite  ein  grösserer  Theil  der  Oberfläche  erhalten 
geblieben  ist,  ist  der  gegenüberliegende  Theil,  derjenige  gegen  welchen 
der  Mittelpunkt  des  Furchensternes  verschoben  ist,  bis  an  den 
Rand  hin  mit  enggedrängten  Kerben  bedeckt.  Am  breitgewölbten 
Rande  selbst  sind  die  Kerben  wieder  reichlich  vorhanden,  und  zwar 
auf  der  einen  Hälfte  dicht  gedrängt,  auf  der  gegenüberliegenden 
etwas  spärlicher  (Fig.  Ib);  aber  dennoch  ist  am  ganzen  Umfange  des 
Randes  im  Vergleiche  zu  den  nächstliegenden  Partien  der  beiden 
Calotteu  eine  bedeutende  Vermehrung  der  Kerben  zu  bemerken.  Da 
sie  der  Neigung  der  Fläche  folgen,  greifen  sie  am  Aequator  des 
Stückes,  von  beiden  Seiten  fingerförmig  ineinander,  und  wo  sie  den 
Aequator  selbst  schneiden,  stehen  sie  senkrecht  zu  diesem  und  paral.el 
zur  Axe  des  Stückes  (Fig.  1  (/).  Aber  auch  die  flachen,  napfförmigen 
Vertiefungen  werden  gegen  den  Rand  zu  reicher  und  schärfer  aus- 
geprägt; es  linden  sich  einzelne  tiefere,  runde  Gruben,  welche  man 
aber  ihrer  Ausbildung  nach  nicht  zu  den  jüngsten  Kerben  rechnen 
kann.  Es  scheint,  dass  die  den  Aequator  bildende  Randzone  bereits 
in  einem  der  Kerbung  vorangegangenen  Stadium  in  höherem  Grade 
den  "Wirkungen  der  Corrosion  ausgesetzt  war,  als  die  polaren  Theile. 

Die  zweite  Calotte  (Fig.  1  (•)  bildet  in  gewissem  Sinne  das  Ne- 
gativ zur  ersten;  hier  greifen  die  Kerben  von  einer  Seite  her  in 
grösserer  Zahl  über  und  verlieren  sich  allmälig  (Fig.  1  c  links)  gegen 
die  Mitte.  Eine  isolirte,  starke  Kerbe  in  der  Mitte  der  Scheibe  weist 
auf  eine  seitliche  Verschiebung  des  hier  nur  angedeuteten  radialen 
Furchensternes  hin,  und  zwar  ist  der  Mittelpunkt  des  Systems  in 
der  entgegengesetzten  Richtung  verschoben  wie  auf  der  gegenüber- 
liegenden Fläche. 

Die  schwach  erhabenen,  aber  scharf  gezeichneten  Streifen  der 
Fluidalstructur  sind  fast  auf  dem  ganzen  Stücke  zu  sehen.  Meistens 
durchsetzen  sie  ununterbrochen  und  nur  wenig  oder  gar  nicht  ab- 
geschwächt, die  tiefen  Kerben  und  zeigen  in  ihrem  Verlaufe 
keine  Beziehung  zur  Symmetrie  der  ganzen  Form.  Die  einander  ent- 
sprechenden, stärker  corrodirten  Hälften  der  beiden  Calotten  sind 
ganz  überdeckt  von  annähernd  parallelen  und  schwach  welligen 
Streifen,  die  auch  ununterbrochen  über  den  Aequator  hinwegstreichen; 
auf   den   anderen   Hälften   ist   die    Streifung    weniger    deutlich    aus- 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsaustalt,  1900,  50.  Band,  2.  lieft,  (Fr.  E.  Suess.)       35 


268  ^^^-  l'^anz  E.  Suess.  [7(5] 

geprägt,  setzt  in  undeutlicher  Weise  von  der  gestreckten  Streifung  ab 
und  tritt  stärker  liervor  in  einzelnen  Bogenstücken,  die  zu  einer  dem 
aequcatorialen  Umfange  parallelen  Richtung  hinüberführen.  (Fig.  1  c 
rechts.)  Aus  der  Unabhängigkeit  der  Fluidalstructur  von  der  Gesammt- 
form  könnte  man  vielleicht  schliessen  wollen,  dass  man  es  nur  mit 
einem  deformirten  Bruchstücke  eines  grösseren  Körpers  zu  thun  habe. 
Ich  glaube  jedoch  nicht,  dass  dieser  Schluss  unbedingt  gezogen  werden 
muss,  denn  auch  an  völlig  umgeschmolzenen  Moldavittropfen  tritt  bei 
stärkerem  Anätzen  die  unregelmässig  wellige  Fluidalstructur  hervor 
und  zeigt  auch  dann  keine  Beziehung  zur  Gestalt  des  Tropfens. 

Es  ist  klar,  dass  es  nicht  möglich  ist,  die  symmetrische  Ver- 
theilung  der  Kerben  auf  diesem  Stücke  als  die  Wirkung  irgendwelcher 
Zersetzungs-    oder   Abreibungsvorgänge    im  Sande  oder  Schotter  hin- 

Fig.  14. 


Etwas  abgerollte  Scheibeuforiii    mit  Gternzeichnung  von  Skrey,  uatürliche  Grösse. 

zustellen.  Das  Exemplar  ist  auch  durchaus  kein  zufälliges  Unicum,  das 
beweist  schon  das  in  Fig.  14  abgebildete  Stück  von  Skrey  aus  der 
Sammlung  des  Brünner  Museums  (abs.  Gew.  60077  gr,  spec.  Gew.  2'361). 
Dieses  Stück  ist  matter  im  Glänze,  ziemlich  stark  abgerollt  und 
besonders  an  den  hervorragenden  Kanten  reichlich  überdeckt  mit 
Verwitterungssicheln  und  Höfchen.  Die  Sculptur  ist  infoige  der  Ab- 
rollung viel  weniger  scharf  als  auf  dem  Exemi)lare  Nr.  8  und  sieht 
gewissermassen  stark  verwaschen  aus ;  dieser  Umstand  beweist  neuer- 
dings, dass  die  Sculptur  nicht  durch  Abreibungsvorgänge  erzeugt 
wird,  sondern  dass  im  Gegentheile,  wie  auch  von  vorneherein  nicht 
anders  zu  erwarten  ist,  die  Reibung  an  benachbarten  (iesteins- 
trümmern  die  Kanten  abrundet  und  die  F^rhabenheiten  entfernt  Man 
erkennt  aber  deutlich,  dass  beide  Seiten  des  nahezu  kreisrunden  und 
dick  scheibenförmigen  Stückes  mit  radialstrahligen  Systemen  von 
tiefen  und  oval  gestreckten  Einkerbungen  überdeckt  waren.  Doch  ist 
hier  die  Furchung  auf  beiden  Seiten  des  Stückes  in  ziemlich  gleichem 


[771  I^i<^  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  269 

Grade  entwickelt.  Die  Mittelpunkte  der  Systeme  sind  auch  hier  nicht 
genau  im  Mittelpunkte  der  Scheibe  gelegen,  sondern  auf  beiden  Seiten 
um  ein  geringes  im  entgegengesetzten  Sinne  excentrisch  verschoben,  so 
dass  auf  beiden  Seiten  in  der  Nähe  des  Aequators  ein  entsprechender 
sichelförmiger,  ungefurchter  Raum  bleibt.  Die  tiefen  Gruben,  welche 
die  Aequatorialregion  in  senkrechter  Stellung  durchschneiden,  lassen 
darauf  schliessen,  dass  auch  hier  der  Rand  einer  besonders  starken 
Corrosion  ausgesetzt  gewesen  ist;  das  ist  noch  immer  sehr  gut  zu 
erkennen,  obwohl  an  der  Umrandung  die  spätere  Abreibung  am 
stärksten  angegritt'en  und  die  ursprünglich  kreisrunde  Form  ein  wenig 
abgekantet  haben  dürfte. 

Beispiel  Nr.  9.  Tafel  II,  Fig.  2a — c.  (Sammlung  Hanisch.) 
Skrey.  Die  Oberfläche  ist  ziemlich  dunkel,  ein  wenig  abgerieben,  aber 
besonders  in  den  Vertiefungen  noch  lebhaft  fettglänzend  ;  im  durch- 
fallenden Lichte  hellgrün,  mit  einem   schwachen  Stich   ins  Gelbliche. 

Ein  regelmässiges,  dick  scheibenförmiges  Oval,  von  tief  ein- 
gerissener Furchung  durchzogen.  Beide  Seiten  sind  im  gleichen 
Grade  corrodirt.  Theile  einer  älteren  Oberfläche,  welche  nur  mit 
flachen,  rundlichen  Niipfen  bedeckt  war,  sind  an  einzelnen  Stellen 
unzweifelhaft  erhalten  und  bilden  namentlich  in  der  Nähe  der  beiden 
schmäleren  Enden  etwas  ausgedehntere,  ganz  unregelmässig  aus- 
gezackte Partien.  Die  Furchen  bilden  in  dem  centralen,  wenig  ge- 
wölbten Theile  der  beiden  Seiten  je  ein  unregelmässiges  Netzwerk 
ohne  erkennbare  symmetrische  Anordnung;  sie  sind  hier  weniger  tief, 
aber  reichlicher  vorhanden  als  in  der  Randzone,  so  dass  im  centralen 
Theile  so  gut  wie  nichts  von  einer  älteren  Oberfläche  erhalten 
geblieben  zu  sein  scheint.  Gegen  den  Rand  zu  drängen  die  Furcben 
strahlenförmig  auseinander  in  dem  anscheinenden  Bestreben ,  die 
Aequatorialzone  in  senkrechter  Richtung  zu  durchschneiden.  Es  macht 
den  Eindruck,  wie  wenn  hier  gegen  den  Rand  hin  die  Corrosion  mit 
grösserer  Entschiedenheit  bestimmtere  Bahnen  gewandelt  wäre  ;  da- 
durch sind  hier  ganz  besonders  tiefe  und  schmale  Kerben  ausgefurcht 
worden  und  der  Rand  sieht  ganz  zerrissen  und  zerhackt  aus.  Trotz- 
dem sind  gerade  in  der  Nälie  des  Randes,  wie  erwähnt,  einzelne 
Partien  der  ursprünglichen  Oberfläche  stehen  geblieben  (Fig.  2  a  und 
2  c  oben). 

Der  Charakter  der  Furchen  ist  etwas  verschieden  von  dem  der 
Kerben  auf  Beispiel  Nr.  8 ;  zwar  machen  sie  auch,  namentlich  in  der 
Nähe  des  Randes,  öfters  den  p]indruck  von  einzelnen  Schlägen.  Im 
ganzen  sind  sie  aber  vielmehr  wurmförmig  in  die  Länge  gezogen, 
oft  mit  etwas  welligem  Verlaufe.  Unter  der  Lupe  nimmt  man  aber 
wahr,  dass  am  Grunde  jeder  dieser  oft  tiefer  eingekerbten  Furchen 
zwei,  seltener  drei  glänzende,  schmale  Furchen  zweiter  Ordnung  sich 
befinden,  die  durch  einen  ganz  zarten,  erhabenen  Streifen  von  einander 
getrennt  sind ;  diese  secundäre  Verdopplung  ist  ganz  allgemein  und 
in  sehr  gleichmässiger  Ausbildung  zu  beobachten.  Stellenweise  kann 
man  allerdings  bemerken,  dass  auch  letztere  Furchen  aus  einer  Reihe 
schmaler,  länglicher  Gruben  zusammengesetzt  sind.  Diese  Erscheinung 
der  „  s  e  c  u  D  d  ä  r  e  n  Für  c  h  u  n  g " ,  die  anscheinend  bestrebt  ist,  nach 

35* 


270  I^r.  Franz  E.  Suess  TYg] 

den  vorgeschriebenen  Hauptzügen  der  grol)en  Sculptur  ein  feineres 
Detail  auszuarbeiten,  tritt  an  anderen  Stücken  in  viel  grösserem 
Massstabe  auf  und  wird  unten  eingebender  besprochen. 

Kine  Fhiidalstreifung  ist  an  dem  Stücke  nur  in  ganz  beschränkter 
Weise  in  der  Nälie  der  Reste  der  ursprüngliclien  Oberfläche  an 
einem  schmalen  Ende  zu  sehen. 

In  Fig.  15  ist  eine  verwandte  Form  von  Mohelno  abgebildet. 
Das  Oval  ist  bei  weitem  nicht  so  regelmässig,  bedeutend  dicker,  auf 
einer  mehr  gebogenen  Flanke  verschmälert  imd  etwas  einseitig  ein- 
gedrückt. Die  Oberfläche  ist  ziemlich  stark  abgestossen  und  auch 
durch  einen  frischen  Bruch  beschädigt;  die  Furchen  sind  noch  ein 
wenig  frisch  und  tief  schwarz;  im  durchfallenden  Lichte  genau  wie 
Nro.  V).  Die  Kerben,  welche  etwas  gröber  angelegt  sind,  als  bei  obigem 

Fis.  15. 


Ovale  Sclieii)onform  mit  Steriizeichniiiig  von  Mohelno  (Sammlung  Ha, nisch). 

Natürliche  Grösse. 

Stücke,  verfolgen  dieselbe  Anordnung:  im  centralen  Theile  der  Scheibe 
labyrinthartig  durcheinanderlaufend,  oft  auch  streckenweise  gebogen, 
graben  sie  sich,  gegen  den  Rand  zu  strahlenförmig  auseinanderstrebend, 
besonders  tief  ein.  Am  Rande  stehen  sie  senkrecht;  nur  an  einer 
Stelle,  wo  der  Rand  stark  verdickt  ist  und  keine  Kante  mehr  darstellt, 
erleiden  auch  sie  eine  Ablenkung  von  ihrer  senkrechten  Stellung. 
Man  sieht  schon  hier,  dass  die  Asymmetrie  der  Gestalt  eine  Störung 
der  Regelmässigkeit  der  Sculptur  zur  Folge  hat.  F.ine  secundäre 
Furchung  ist  trotz  ihrer  zarten  Anlage  deutlich  am  Grunde  fast  jeder 
Vertiefung  zu  sehen. 

Beispiel  Nr.  10.  Taf.  I,  Fig.  6a— c.  (Sammlung  der  geologischen 
Reichsanstalt)  Zwischen  Skrey  und  Dukowan.  Abs.  Gew.  ir)'()32  gr, 
s|)ec.  Gew.  2"352.  Im  auffallenden  Lichte  tief  schwarz,  lebhaft  fett- 
glänzend, in  den  Gruben  wie  lackiert;  im  durchfallenden  Lichte  grün, 
mit  einem  schwachen  Stich  ins  Gelbliche. 


[791  r)'6  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  271 

Die  unregelmässige  Gestalt  kann  als  eine  Mittelform  zwischen 
scheibenförmigen  und  kugeligen  Körpern  betrachtet  werden.  Die 
grobgekerbte  Sculptur  lilsst  aber  immer  noch  deutlich  zwei  etwas 
breitere  Flächen  mit  radialer  Anordnung  der  Kerben  und  eine  sehr 
verdickte  Aequatorialzone  mit  senkrechter  Einkerbung  erkennen.  Die 
grobe  Sculptur,  bestehend  aus  scharf  begrenzten  ovalen  und  stark 
vertieften  einzelnen  Schlägen,  überzieht  fast  die  ganze  Oberfläche  des 
Stückes  und  nur  ganz  kleine,  unscheinbare  Stellen  mit  ganz  kleinen 
rundlichen  Näpfchen  sind  hie  und  da  erhalten  geblieben  (Fig.  C)b 
oben).  Auf  den  beiden  Breitseiten  ist  die  Sculi)tur  nicht  in  völlig 
gleichem  Grade  ausgeprägt;  auf  der  nur  um  weniges  mehr  gewölbten 
Seite  (Fig.  6  a)  sind  die  Kerben  etwas  stärker  und  etwas  tiefer  und 
breiter  angelegt  als  auf  der  flacheren ;  auf  letzterer  kommt  die  radial- 
strahlige  Anordnung  der  Kerben  etwas  deutlicher  zum  Ausdrucke.  Im 
centralen  Theile  sind  abermals  die  Kerben  in  grösserer  Zahl  vor- 
handen, jedoch  nicht  so  tief  eingegraben.  Man  sieht,  dass  jüngere 
Kerben  von  den  älteren  hie  und  da  Theile  weggeschnitten  und  deren 
Umfang  eingeengt  haben;  es  entstehen  dann,  wo  sich  Kerben  anein- 
ander drängen,  unregelmäsig  polygonale  Umrisse.  Die  Ansicht  Fig.  6/> 
zeigt  die  senkrechte  Stellung  der  Kerben  in  der  aequatorialen  Zone. 
Diese  ist  hier  so  sehr  verdickt,  dass  sie  nicht  mehr  von  einer  ein- 
zigen Reihe  von  Kerben  ausgefüllt  wird,  wie  bei  Beispiel  Nr.  8 ;  sie 
erscheinen  deshalb  in  paralleler  Stellung  in  mehreren  Reihen  gehäuft. 
Eine  secundäre  Furchung  ist  in  den  gröbsten  Kerben  nur  ungemein 
schw^ach  angedeutet.  Fluidalstreifung  ist  auf  dem  Stücke  nicht  wahr- 
zunehmen. 

Aehnliche  Formen  mit  mehr  oder  weniger  rundlicher  Gestalt 
und  Vertheilung  der  tiefer  eingekerbten  Sculptur  auf  der  ganzen 
Oberfläche  sind  in  der  Gegend  zwischen  Skrey  und  Dukowan  ziemlich 
häufig.  Mir  liegen  noch  mehrere  Stücke  aus  verschiedenen  Sammlungen 
vor;  die  Erscheinungen  wiederholen  sich  in  gleicher  Weise,  und  es 
mag  das  eine  Beispiel  genügen,  um  den  Typus  der  Gruppe  zu  ver- 
anschaulichen. 

Beispiel  Nr.  11.  Taf.  II,  Fig.  4« — h.  (Sammlung  des  naturhist. 
Hofmuseums.)  Zwischen  Skrey  und  Dukowan.  Glanz  und  Farbe  wie 
oben. 

Die  unregelmässig  kugelige  Form  schliesst  sich  in  ihrer  Gesammt- 
erscheinung  an  die  obige  an ;  doch  ist  die  Kerbung  merklich  gröber. 
Von  einer  älteren,  weniger  rauhen  Oberfläche  sind  hie  und  da  zwischen 
den  Kerben  einzelne  Partien  erhalten  geblieben;  es  entstehen  förm- 
liche Ritfe  und  Zacken  zwischen  den  tiefen  Gruben.  Die  einzelnen 
Kerben  sind  in  der  Regel  quer  gestreift  von  feinen ,  gebogenen 
Linien,  welche  den  muscheligen  Bruch  der  Substanz  andeuten  und 
den  Eindruck  hervorrufen,  wie  wenn  die  Kerben  gewaltsam  mit  einem 
Instrumente  herausgestemmt  worden  wären,  so  wie  das  bei  den 
länglichen  Gruben  auf  der  Oberfläche  der  Kernstücke  der  Fall  ist. 
Auch  hier  ist  die  Lage  der  einzelnen  Gruben  deutlich  abhängig  von 
der  Form,  wenn  es  auch  den  Eindruck  macht,  wie  wenn  die  Sculptur 
zu    grob   gerathen  wäre   im  Verhältnis   zur  Grösse    des  Stückes,    um 


274  I>r-  l*>anz  E.  Suess.  [821 

hier  die  Sculptur  anscheinend  auf  der  ganzen  Fläche  unregelmässig 
vertheilt  ist. 

Die  Furchen  der  zweiten  Ordnung  sind  hie  und  da  zu  Gruppen 
zusammengedrängt,  manchmal  das  Bild  einer  unbestimmten,  rosetten- 
förmigen  Anordnung  darbietend.  In  dem  breit  ausgesprengten  Canale 
im  oberen  Theile  des  Bildes  ist  abermals  nur  die  Furchung  zweiter 
Ordnung  vorhanden.  Nach  dem  allgemeinen  Eindruck  scheint  sie  der 
Längserstreckung  der  rundlichen  Vertiefung  parallel  zu  laufen.  Man 
sieht  aber  leicht,  dass  sie  sich  in  ihrem  Verlaufe  an  die  concaven 
Flächen  ebenso  anschmiegt,  wie  die  äussere  Furchung  an  die  convexen. 
In  jeder  einzelnen  der  Vertiefungen,  die  in  dem  breiten  Canale 
scharfkantig  begrenzt  aneinandergereiht  sind ,  sind  die  Furchen  in 
unvollkommen  strahliger  Anordnung  gestellt,  welche  dem  mittleren 
Theile  eines  Furchensternes  gleicht,  dessen  raudliche  Partien  durch 
die  umgehenden  Sculpturgebilde  abgeschnitten  wurden.  Am  besten  ist 
das  in  der  untersten ,  mehr  kreisförmigen  Vertiefung  dieser  Reihe 
zu  sehen  (Fig.  1  c  rechts  oben). 

Die  wenig  gewölbte  Fläche  auf  Fig.  1  c  wiederholt  beiläufig  das 
Bild  der  ebenen  Fläche  (Fig.  1  a).  Rechts  oben  greift  das  Ende  der 
Spiralen  Furche  von  Fig.  1  (/  herüber.  Fast  scheint  es,  als  wollten  die 
beiden  Aussprengungen  in  der  unteren  Hälfte  der  Fläche  die  Spirale 
fortsetzen.  Die  Stellung  der  schwächeren  Furchen  in  der  Vertiefung 
verräth  eine  strahlige  Anordnung;  entsprechend  der  starken  Verlänge- 
rung der  grösseren  Aussprengung  ist  auch  der  Stern  auf  der  concaven 
Fläche  sehr  stark  in  die  Länge  gezogen.  An  dem  unteren  Ende  ist 
das  längliche  Oval  durch  eine  scharfe  Kante  schief  abgeschnitten. 
Hier  schneiden  auch  sowohl  die  zartere  Sculptur  der  Vertiefung  als 
auch  die  tiefen  in  Gruppen  geordneten  Kerben  der  convexen  Fläche, 
scharf  und  unvermittelt  ab.  Auf  der  einen  Seite  (rechts)  verschwimmt 
die  radialstrahlige  Furchung  allmälig  in  der  richtungslosen  der  gewölbten 
Fläche  (Fig.  1  r/),  auf  der  gegenüberliegenden  Seite  geht  sie  in  die  Zone 
paralleler  Furchung  über;  es  ist  dieselbe  Zone,  welche  die  strahlige 
Furchung  der  ebenen  Fläche  (Fig.  1  a)  auf  der  einen  Seite  umgrenzt. 

Unter  der  Lupe  sieht  man  am  Grunde  der  Furchen  noch  eine 
allerfeinste  Sculptur  von  gebogenen  zarten  Streifen  und  Rippen,  ausser- 
dem bemerkt  man  auch  an  einzelnen  Flächenpartien  die  erhabenen 
Streifen  der  Fluidalstructur,  die  theils  nach  der  Längserstreckung 
des  Stückes,    theils  senkrecht  darauf,    wellig  und   gebogen  verlaufen. 


Die  Betrachtung  dieses  einen  unregelmässig  gestalteten  Stückes 
enthüllt  die  Regel,  nach  welcher  sich  die  Sculptur  an  den  bisher 
beschriebenen  Stücken  an  die  Form  anschliesst.  Sie  lautet:  „Die 
Furchen  folgen  in  i h i- e r  L ä n g s s t r e  c k u n g  auf  den  con- 
vexen Flächen  der  stärksten  Krümmung  und  auf  den 
concaven  Flächen  in  entgegengesetzter  Weise  der 
schwächsten  K  r  ü  m  m  u  n  g. "  Es  ergibt  sich  demnach,  dass  auf  den 
gewölbten  Rändern,  oder  wo  zwischen  den  beiden  grössten  Axen  eines 
Stückes  eine  Art  Kante  entsteht,  die  Furchen  senkrecht  darauf  ge- 
stellt   sind ;    wo    eine    wenig    gewölbte    Fläche    von    einer    steileren 


[83]  r^it-  Herkunft  der  Moldavite  und  vorwandter  Gläser.  275 

BööC'huDg  umrandet  wird ,  ergibt  sich  durch  die  Streckung  der 
Furchen  in  der  Richtung  der  Wölbung  von  selbst  die  radialstrahlige 
Sternform.  Je  stärker  die  Krümmung,  desto  entschiedener  tritt  im 
allgemeinen  die  Furchung  an  einem  Stücke  auf,  desto  tiefer  greift 
die  Sculptur  ein :  das  ebene  Flächenstück  in  der  Mitte  eines  Stei'ues 
zeigt  demnach  in  der  Regel  die  Sculptur  in  etwas  abgeschwächtem 
Grade  und  noch  ohne  deutlich  erkennbare  Anordnung.  Eine  stärkere 
Wölbung,  deren  Krümmungsradius  nach  verschiedenen  Richtungen  der 
gleiche  ist.  erzeugt  zwar  der  Regel  gemäss  eine  stärkere  Sculptur, 
aber  ohne  vorherrschende  Richtung,  mit  einer  gewissen  Neigung  der 
Furchen,  sich  zu  rosettenförmigen  Gruppen  zusammenzuschliessen.  In 
den  langgestreckten  Aushöhlungen  folgen  die  Furchen  der  Längen- 
streckung; in  rundlichen  Vertiefungen  entsteht  ein  selbständiger, 
localer  Stern. 

Nur  wo  convexe  und  jüngere  concave  Flächen  scharfkantig 
aneinandergrenzen,  stossen  die  Furchen  im  Winkel  aneinander.  Wo 
sie  sonst  enger  aneinander  gereiht  sind,  wird  das  nur  ausnahmsweise 
eintreten;  in  der  Regel  werden  sie  reihenweise  umschwenken  oder 
in  allmäliger  Biegung  in  die  neuen  Richtungen,  die  anders  ge- 
wölbten Flächentheilen  entsprechen,  übergehen.  Es  ist  klar,  dass  eine 
zartere  Sculptur  sich  in  vollkommenerer  Weise  an  die  Formen  an- 
schmiegen wird,  als  eine  grobe ;  und  schon  das  Bestreben  der 
Furchen,  nicht  plötzlich,  sondern  nur  allmälig  die  Richtungen  zu 
wechseln,  bedingt,  dass  man  bei  groben  Furchen  nur  eine  weniger 
vollkommene  Anpassung  erwarten  darf. 

Beispiel  Nr.  13.  Taf.  III,  Fig.  2n — c.  (Sammlung  des  naturhist. 
Hofmuseums.)  Skrey  —  Dukowan.  Tief  schwarz,  jedoch  etwas  abge- 
stossen  und  matt  im  Glänze  ;  im  durchfallenden  Lichte  wie  oben. 

Das  Stück  ist  dem  oben  beschriebenen  Stücke  verwandt,  nähert 
sich  aber  etwas  mehr  der  kugeligen  Scheibenform.  Es  ist  jedoch  im 
höheren  Grade  corrodirt,  und  zwar  auf  beiden  Seiten  in  gleichem 
Masse.  Auf  einer  Seite  befinden  sich  tiefe  Aussprengungen,  ähnlich 
denjenigen  auf  den  Flächen  des  Stückes  Nr.  12.  Am  Ende  der  tiefen, 
länglichen  Aussprengung  (Fig.  2  a)  befindet  sich  ein  ganz  frischer, 
glasglänzender  Bruch,  und  unmittelbar  daneben  eine  zweite  glatte 
Bruchfläche,  welche  offenbar  gelegentlich  w^ährend  des  Liegens  auf- 
den  Aeckern  erzeugt  worden  ist;  sie  ist  infolge  von  chemischen  Ein- 
wirkungen matt  geworden.  Auch  an  einigen  anderen  Stellen  ist  das 
Stück  theils  durch  ganz  frische,  theils  durch  leicht  angewitterte  kleinere 
Brüche  beschädigt. 

Am  stärksten  zerrissen,  ja  fast  zerhackt  ist  die  breite  Aequatorial- 
zone,  und  doch  scheinen  wieder  gerade  in  dieser  Zone  Theile  der 
Oberfläche,  wenn  auch  im  nachträglich  abgeriebenem  Zustande,  er- 
halten geblieben  zu  sein  (Fig.  2  a  oben) ;  zwischen  den  groben 
Furchen  ragen  die  stehengebliebenen  Theile  zackig  hervor.  Die 
scharfen  Kanten  der  ursprünglich  älteren,  groben  Furchung  scheinen 
durch  Abreibung  zum  grössten  Theile  verloren  gegangen  zu  sein ;  die 
sternförmige  Anordnung  derselben  beherrscht  jedoch  das  Gesammt- 
bild.    In    der    Tiefe    der    Furchen    aber    sieht    man    die    zahlreichen 

.Jalubiuli  il.  k.  k.  geol.  Reiehsaimtalt,  ittüO,  50.  Bami,  2.  Heft.  (Fr.  E.  Siiess.)       36 


276  r^'"-  Franz  E-  yuess.  [84] 

scharfen  und  schmalen,  wie  eingekratzten  Eindrücke  der  secundären 
Furchung;  chemische  Verwitterungsproducte  haben  sich  hier  noch 
festgesetzt,  lassen  die  schwachen  Striche  noch  schärfer  hervortreten 
und  bringen  jene  Sculpturform  hervor,  welche  oben  als  „Fingernagel- 
eindrücke" bezeichnet  wurde.  Oft  sind  sie  nur  kurz  und  in  grösserer 
Zahl  am  Grunde  etwas  breiterer  Vertiefungen  zusammengedrängt,  und 
winden  sich  stellenweise  in  welliger  Biegung  zwischen  den  erhabenen 
Klippen  hindurch  (besonders  Fig.  2  b). 

Am  Grunde  der  jungen  Aussprengung  ist  nur  diese  Art  der 
Sculptur  vorhanden.  An  dem  zweitheiligen  unteren  Ende  derselben 
drängen  sie  strahlig  auseinander  und  gehen  über  in  die  gleichen  Ein- 
drücke der  Hauptfläche,  die  hier,  der  Böschung  folgend,  in  die  Ver- 
tiefung hineindrängen.  Zwischen  der  länglichen  und  der  zweilappigen 
Aussprengung  befindet  sich  ein  kleiner  kantiger  Querrücken ;  hier 
sind  die  kleinen  Furchen  in  besonders  grosser  Zahl  zusammengedrängt; 
es  entspricht  auch  der  Regel  für  die  Moldavitsculptur,  dass  sie  in 
senkrechter  Richtung  in  stärkstem  Masse  gefurcht  sind.  Eine  sonstige 
feinere  Sculptur  ist  an  dem  Stücke  nicht  wahrzunehmen ;  das  mag 
aber  eine  Folge  des  mangelhaften  Erhaltungszustandes  sein. 

Nach  dem  Gesagten  wird  die  Regel  umso  deutlicher  an  einem 
Stücke  zu  beobachten  sein,  je  grösser  der  Gegensatz  zwischen  stark 
gewölbten  und  ebenen  Flächen  hervortritt;  an  den  flachen  Scheiben- 
formen werden  die  Sterne  sich  in  der  schönsten  Weise  entwickeln 
können.  Auf  einer  Kugelform  müssen  demnach  die  Furchen  unbe- 
stimmte Richtungen  einschlagen.  Auf  der  Oberfläche  der  rein  kugeligen 
Körper,  die  allerdings  seltener  auftreten,  tritt  aber  eine  ganz  specielle 
Form  der  Sculptur  auf,  welche  für  diese  bezeichnend  ist;  sie  soll  im 
folgenden  an  einigen  Beispielen  erläutert  werden. 

Beispiel  Nr,  14.  Taf.  II,  Fig.  Sa—b.  (Sammlung  Dvorsky.) 
Dukowan.  Abs.  Gew.  23*561  gr,  spec.  Gew.  2"361.  Pechschwarz  und 
lebhaft  glänzend,  namentlich  in  der  Tiefe  der  Gruben;  die  Oberfläche 
ist  etwas  matter  und  anscheinend  ein  wenig  abgerollt,  im  durch- 
fallenden Lichte  gelblichgrün. 

Auf  der  unregelmässig  kugeligen  Gestalt  ist  noch  ein  grosser 
Theil  der  anscheinend  ursprünglichen  Oberfläche  erhalten,  sie  ist 
ziemlich  glatt  und  nur  mit  sehr  schwachen  Unebenheiten  und  ganz 
kleinen,  punktförmigen  Einsenkungen  bedeckt.  Die  Sculptur  in  Form 
grosser  und  tief  eingesenkter,  meist  länglicher  Kerben  ist  im  ganzen 
anscheinend  regellos  über  die  Oberfläche  vertheilt;  einzelne  Theile 
der  Oberfläche  sind  ganz  zerstört,  während  wieder  andere  Theile 
ganz  verschont  geblieben  sind.  Was  die  Stellung  der  Kerben  betrifft, 
ist  die  Kugelform  des  Stückes  nicht  so  vollständig,  um  nicht  noch 
die  Andeutung  einer  sternförmigen  Anordnung  zuzulassen.  Hiezu  ge- 
nügt bereits  die  etwas  abgeflächte  Partie  auf  der  Darstellung  in  Figur 
3/>  rechts;  daselbst  entsteht  eine  einfache  Krümmung  der  umran- 
deten Fläche,  eine  gewölbte  Böschung,  was  eine  auseinanderstrahlende 
Stellung  der  Kerben  zur  Folge  hat.  Ja,  eine  aequatoriale  Zone  mit 
paralleler  Stellung  der  Kerben,  welche  die  beiden  grösseren  Axen 
des  Stückes  verbindet,    scheint   noch  vorhanden  zu  sein;   jedoch  nur 


["851  I^'c  Herkunft  clor  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  277 

in  sehr  unbestimmter  Weise  und  gestört  durch  mehrere  Unregel- 
mässigkeiten in  der  Kerbenstell ung.  Sonst  wird  man  sich,  wie  ich 
glaube,  vergeblich  bemühen,  eine  llegelmässigkeit  in  der  Vertheihing 
der  Furchen  ausfindig  zu  machen,  wenn  es  auch  bei  manchen  zu- 
fälligen Drehungen  den  Anschein  haben  mag,  als  ob  aus  einzelnen 
Furchengruppen  das  unbestimmte  Bild  eines  radialstrahligen  Sternes 
hervorblitze.  Dagegen  sieht  man  auch  hier,  dass  an  den  gewölbten 
Flächentheilen  die  tiefen  Kerben  zu  mehrfach  gelappten  Gruppen 
zusammentreten.  (Fig.  3  a.) 

Wo  die  Kerben  am  engsten  gedrängt  sind,  hat  die  Corrosion 
eine  sehr  deutliche  und  scharfe  Fluidalstreifung  zutage  gelegt.  Sie 
zeigt  einen  theils  gestreckten,  theils  wellig  gebogenen  Verlauf,  unab- 
hängig von  der  Gesammtform  des  Stückes. 

Beispiel  Nr.  15.  Taf.  VIII,  Fig.  2a— h.  (Sammlung  der  geolo- 
gischen Reichsanstalt.)  Skrey — Dukowan.  Tiefschwarz,  lebhaft  glänzend, 
besonders  in  den  Gruben,  im  durchfallenden  Lichte  an  den  dünnen 
Kanten  gelblichgrün  durchscheinend. 

Die  vollkommenste  Kugelform  mit  der  bezeichnenden  Sculptur, 
welche  mir  gegenwärtig  vorliegt.  Grosse  Theile  einer  ursprünglichen 
Oberfläche  mit  ganz  flachen,  rundlichen  Näpfen  sind  erhalten  geblieben. 
Darin  ist  eine  grosse  Anzahl  meist  rundlicher,  seltener  länglicher 
Gruben  eingesenkt;  sie  sind  ganz  unregelmässig  vertheilt,  an  manchen 
Stellen  eng  gehäuft  und  einander  schneidend,  an  anderen  Stellen 
isolirt  nebeneinander  stehend.  In  jeder  dieser  Gruben  ist  nun  eine 
Anzahl  länglicher  Furchen  zusammengedrängt,  die  stets  eine  mehr 
oder  weniger  ausgesprochen  radial  auseinanderstrahlende  Anordnung 
zeigen.  Jede  Furche  verursacht  eine  rundliche  Ausbiegung  am  Rande 
der  Hauptgrube,  die  dadurch  einen  gelappten  Umriss  erhält;  dadurch, 
sowie  durch  den  Furchenstern  im  Inneren  entsteht -das  Bild  der  für 
die  Kugelformen  im  höchsten  Grade  charakteristischen 
„Furchen-Rosetten".  Ihre  Entstehung  wird  man  sich  folgender- 
massen  vorzustellen  haben :  In  den  ersten  Stadien  der  Corrosions- 
wirkungen  kommen,  wie  oben  bemerkt  wurde,  die  gröbsten  und  tiefsten 
Kerben  zustande ;  auf  der  gleichmässigen  W^ölbung  der  Kugelfläche 
haben  dieselben  keine  Veranlassung,  einzelne  Richtungen  vorzuziehen 
und  sind  als  rundliche  oder  wenig  verlängerte  tiefe  Kerben  unregel- 
mässig auf  der  Oberfläche  vertheilt,  etwa  wie  auf  der  Taf.  II,  Fig.  3a 
abgebildeten  Fläche.  Später  kommt  eine  „secundäre  Furchung"  zum 
Vorschein ;  sie  findet  die  tiefen  Gruben  vor  und  passt  sich  diesen 
Vertiefungen  an,  entsprechend  der  Regel,  dass  die  Furchung  auf  den 
concaven  Flächen  der  schwächsten  Krümmung  folgt.  Da  eine  Furche 
im  tangentialen  Sinne  einen  Kreis  beschreiben  müsste  und  die 
stärkste  Krümmung  erfahren  würde,  stellen  sich  die  Furchen  zu  dieser 
senkrecht,  dass  heisst  in  radialer  Richtung  in  die  rundliche  Vertiefung. 
Wo  die  Hauptgruben  stark  zusammengedrängt  sind  und  sich  gegen- 
seitig schneiden,  kommen  unvollständige  oder  unregelmässige  Rosetten 
zustande. 


36* 


278  I>i"-  Kianz  E.  Siiess.  rgg-] 

Eine  der  schöiisten  mir  bekannten  Kugelfoi-men  mit  kleinen 
Grübchenrosetten  befindet  sicli  in  der  geologischen  Sammlung  der 
Deutschen  technischen  Hochschule  in  Brunn.  In  der  Sammlung 
Dvorsky  befindet  sich  eine  sehr  vollkommene  Kugelform  (abs.  Gew. 
64875  gr,  spec.  Gew.  2o51  gr).  Das  Stück  ist  sehr  stark  abgerollt, 
ganz  überdeckt  mit  kleinen  Verwitterungsringen  und  Mondchen ;  die 
Schärfe  der  Sculptur  ist  völlig  verschwunden;  man  kann  dennoch 
deutlich  sehen,  dass  die  ganze  Kugelfläche  ziemlich  gleichmässig  mit 
rundlichen  Vertiefungen  überdeckt  war. 

Wenn  die  Sternform  der  Furchen  den  scheibenförmigen  und 
die  Rosettenform  den  kugeligen  Stücken  entspricht,  so  ist  es  dennoch 
möglich,  dass  beide  Formen  auf  einem  Exemplare  angetroffen  werden, 
und  zwar  wenn  das  Stück  sowohl  kugelig  gewölbte  als  auch  ebene 
Flächen  aufweist.  So  waren  schon  an  dem  als  Nr.  12  beschriebenen 
Stücke  auf  der  gewölbten  Fläche  Andeutungen  von  Rosetten  zu  sehen. 

Beispiel  Nr.  16.  Taf.  III,  Fig.  oa—h.  (Sammlung  der  geolo- 
gischen Reichsanstalt.)  Skrey— Dukowan.  Abs.  Gew.  37-787  gr.  Farbe 
und  Glanz  wie  Nr.  15. 

An  dem  einen  der  beiden  gerundeten  Enden  der  dickbauchigen 
Eiform  befindet  sich  noch  ein  Theil  einer  älteren  Oberfläche,  welche 
von  der  weitgehendsten  Corrosion  verschont  geblieben  ist.  Hier  sind 
zwischen  den  flachen,  rundlichen  Näpfchen  einige  längliche  Kerben 
in  paralleler  Stellung  eingetieft.  (Fig  3  a).  Nur  gegen  die  eine 
etwas  zugeschärfte  Seite  (auf  der  Abbildungs  links)  kann  man  von 
hier  aus  eine  sehr  verschwommene  Andeutung  einer  Zone  mit 
paralleler  Furchenstellung  nachweisen ;  auf  der  gegenüberliegenden, 
stark  gerundeten  Fläche  ist  keine  Spur  davon  zu  sehen.  Die  an- 
gedeutete Zone  stellt  sich  noch  am  deutlichsten  dar  in  der  Ansicht  auf 
die  eine  der  beiden  leichten  Abflachungen  der  Wölbung  (Fig.  3  a), 
und  zwar  in  Form  eines  stärker  ausgezackten  Kranzes,  indem  auch 
die  unmerkliche  Zuschärfung  der  Wölbung  in  der  Zone  den  Furchen 
bestimmte  Bahnen  zu  weisen  scheint.  In  der  Mitte  der  Fläche  ist 
die  Wölbung  noch  zu  stark,  als  dass  eine  Sternform  sich  entwickeln 
könnte ;  nur  secundär  ist  hier  an  einer  leicht  eingesenkten  Stelle 
ein  kleiner  Furchenschwarm  in  paralleler,  nur  wenig  auseinander- 
strebender Stellung  entwickelt.  Die  gleichmässig  stark  gewölbten 
Flächentheile  sind  in  Bezug  auf  die  Gesammtform  des  Stückes  ganz 
richtungslos  sculpturirt.  In  den  älteren  Vertiefungen  hat  sich  in 
Gruppen  vereinigt  eine  ziemlich  grobe  secundäre  Furchung  festgesetzt. 
Wo  die  Vertiefungen  mehr  vereinzelt  stehen,  wie  gegen  das  obere 
Ende  des  Stückes,  sind  wohlentwickelte  Rosetten  zustande  gekommen 
(Fig.  Sa  und  3h  oben);  sonst  werden  die  Rosetten  im  Gedränge  der 
sich  schneidenden  P'urche  unvollkommen  oder  verzerrt,  oder  die 
Furchen  durchschwärmen  nach  allen  Richtungen  in  Gruppen  oder 
vereinzelt  die  Vertiefungen  zwischen  den  älteren  hervorragenden 
Zacken.  Man  sieht  an  diesem  Stücke,  dass  trotz  liochgradiger  secun- 
därer  Furchung  dennoch  alte  Flächentheile  erhalten  geblieben  sein 
können,  und  dass  die  längliche  Kerbung  nächst  den  flachen  Näpfchen 
zu   den   alten   Sculpturformen   gehört;    ferner  dass    eine  hochgradige 


[871  I'i»'  Ilerkiint't,  der  Moldavite  und   verwandter  Gliiser.  270 

secuiulilre  Fuiclmnii,  iiiif  einer  stiirk  geniiuleten  Obertiilclie  jede  Regel- 
mässiKkeit  einer  Zeichnun''  verschwinden  machen  kann. 


Ausser  den  Scheiben  und  Kugelformen  finden  sich  in  der  Gegend 
von  Skrey  und  Dukowan  noch  eine  grosse  Anzalil  von  unregelniässigen, 
birni'örniigen,  zapfentörniigen,  auch  von  verbogenen  und  eingedrückten 
Gestalten,  deren  allgemeine  Rundung  und  der  Mangel  an  scharfen 
Kanten  ihre  Anreilning  zu  den  ganzen  Formen  verlangt.  Sie  sind 
der  eigentliche  Typus  des  Vorkommens  im  östlichsten  Theile  der 
Moldavitfundpunkte.  Die  Sculptnr  tritt  an  diesen  Stücken  in  allen 
Graden  und  Formen  auf,  wie  an  den  beschriebenen,  und  es  lassen 
sich  ganz  dieselben  Beobachtungen  anstellen,  wenn  auch  manchmal 
die  complicirteren  Formen  weniger  leicht  zu  deuten  sind.  Ich  kann 
hier  nur  ganz  wenige  Beispiele  aus  einer  Unzahl  von  Gestalten  vor- 
führen. Zum  Schlüsse  werden  noch  einige  absonderliche,  zapfenförmige 
Formen  behandelt. 

Beispiel  Nr.  17.  Taf.  III,  Fig.  4  a — r.  (Sammlung  H  a  n  i  s  c  h.) 
Skrey.  Tiefschwarz  mit  nur  matt  glänzender,  etwas  angegriifener 
Obertiäche ;  im  durchfallenden  Lichte  grün  mit  einem  schwachen  Stich 
in's  Gelbliche. 

Eiförmig,  etwas  flach  gedrückt.  Auf  der  Überfläche  stellen  ganz 
flache,  runde  Näpfchen  von  verschiedener  Grösse  die  älteste  Sculptnr 
dar;  die  jüngere  Sculptnr  besteht  aus  tiefen,  länglichen  Kerben.  Es 
sind  jedoch  Uebergänge  vorhanden  zwischen  den  grössten  Näpfchen, 
welche  sich  der  elliptischen  Form  nähern,  und  den  flacheren  Kerben, 
so  dass  für  die  beiden  Formen  von  Eindrücken  die  Trennung  nicht 
strenge  durchgeführt  werden  kann.  Die  Kerben  sind  auf  der  Fläche 
sehr  ungleichmässig  vertheilt,  und  auf  den  beiden  Breitseiten  in  der 
Richtung  gegen  die  stärkere  Kante  auf  je  einen  Knäuel  zusammen- 
gedrängt, während  sie  auf  dem  breitrunden  Theile  nur  wenig  aus- 
gesprägt  sind.  (Fig.  4a  oben  und  4/>  unten.)  Die  Zone,  welche  die 
beiden  grössten  Axen  verbindet,  ist  zugleich  eine  Zone  paralleler 
Kerbenstellung,  wenn  auch  die  Kerben  in  der  Zone  nur  in  einer  sehr 
lückenhaften  Reihe  auftreten  (Fig.  4  c).  Trotz  der  höchst  unvoll- 
kommenen Symmetrie  der  Kerbenstellungen  erkennt  man  leicht  die 
Verwandtschaft  mit  der  Scheibenform  Nr.   10  (Taf.  II,  Fig.  1). 

Solche  und  ähnliche  kleinere  „Nüsse"  trifft  man  wohl  ziemlich 
häuflg  in  den  Aufsammlungen  dieser  Gegenden  ;  sie  mögen  aber  noch 
zahlreicher  vorkommen,  da  sie  wegen  ihres  unscheinbaren  Aeusseren 
wenig  Aufmerksammkeit  erregen.  Häufig  sind  sie  stark  abgerollt  und 
es  sind  die  spärlichen  Kerben  nur  als  breitere  Vertiefungen  zu  er- 
kennen. Einzelne  Stücke  zeigen  nur  die  rundlichen  Näpfchen,  oft  ist 
an  solchen  Stücken  die  Fluidalstructur  wahrzunehmen ;  die  Näpfchen 
bedecken  die  ganze  Oberfläche  und  schneiden  einander  in  winkeligen, 
erhabenen  Kanten.  Fast  stets  sind  solche  scheibenförmige  Stücke  auf 
der  einen  Seite  etwas  verdickt  und  auf  der  anderen  verschmälert. 
Es  ist  dann  schwierig  eine  Abgrenzung  durchzuführen  gegen  die  weiter 


280  Dr.  Franz  E.  Siiess.  [88] 

unten  behandelten,  mit  Näpfchen  bedeckten  Absprenglinge.  Auf  den 
Stücken  zeigen  sich  nur  ganz  vereinzelte  tiefere  SchLäge.  Je  geringer 
die  Anzahl  der  Kerben  ist,  desto  mehr  macht  ihre  Stellung  den  Ein- 
druck des  Zufälligen.  Manchmal  aber  tritt  schon  bei  4 — 5  länglichen 
Gruben  eine  deutliche  radiale  Anordnung  hervor.  Im  allgemeinen 
setzt  sich  die  Furchung  leichter  in  den  Vertiefungen  fest,  es  scheint 
aber,  dass  eine  grössere  ebene  Fläche  neben  den  stärker  gewölbten 
in  Bezug  auf  dem  Luftwiderstande  wirkt,  wie  eine  Vertiefung,  und 
dass  sie  so  die  Veranlassung  zur  ersten  Furchenbildung  gibt.  So 
kommt  es,  dass  man  in  der  Mitte  mancher  Breitflächen  häufig  ver- 
einzelte Furchen  zusammengedrängt  findet,  die  sich  oft  zu  einer 
gelappten  grösseren  Vertiefung  vereinigen  können.  Anderseits  siedeln 
sich  auch  die  ersten  Kerben  gerne  an  den  Kanten  der  mehr  scheiben- 
förmigen Stücke  an  und  es  bleibt  dann  zwisclien  den  beiden  sculpturirten 
Theilen  eine  Zone,  in  welcher  die  alte  Oberfläche  erhalten  ist. 

Je  reicher  die  Corrosion  wird,  desto  mehr  treten  sternförmige 
Anordnungen  hervor  und  desto  mehr  wird  die  ursprüngliche  Gestalt 
der  Stücke  verwischt.  Es  entstehen  zunächst  Formen,  wie  sie  unter 
Nr.  14  und  17  bereits  beschrieben  Avorden  sind.  Das  Endziel  ist 
dann  eine  flache  Sternform  mit  zerhackten  Rändern,  wie  das  im 
folgenden  beschriebene  Stück. 

Beispiel  Nr.  18.  Taf.  IV,  Fig.  5« — c.  (Sammmlung  des  natur- 
hist.  Hofmuseums).  Mohelno?  Im  auffallenden  Lichte  dunkelgrün,  im 
durchfallenden  Lichte  hellgrün. 

Dick,  scheibenförmig,  mit  verschoben  rhombischem  Umriss  und 
stark  gerundeten  Kanten.  Von  einer  ursprünglichen  Oberfläche  ist 
keine  Spur  mehr  zu  entdecken.  Die  länglichen  Kerben,  welche  auf 
beiden  Seiten  die  Oberfläche  in  schön  radialstrahliger  Anordnung 
überziehen,  scheinen  als  secundäre  Furchung  aufgesetzt  worden  zu 
sein,  nachdem  bereits  früher  eine  Anzahl  grösserer  länglicher  Gruben 
vorhanden  war.  die  aber  durch  das  Ueberhandnehmen  der  späteren 
Sculptur  stark  verwischt  wurden.  Auf  der  flacheren  Seite  war  so  in 
der  Mitte  der  Fläche  eine  längliche  Grube  entstanden.  (Fig.  5  a.)  Nun 
ist  dort  eine  Anzalil  kleinerer  Furchen  in  der  Längsrichtung  der 
Vertiefung  zusammengedrängt.  In  der  Randzone  sind  abermals  die 
einzelnen  Furchen  am  grössten,  und  am  tiefsten  eingegraben.  Die 
andere  etwas  mehr  gewölbte  Seite  zeigt  das  Vorhandensein  älterer 
Gruben  noch  deutlicher;  in  zwei  breiteren  Vertiefungen,  die  im  oberen 
Theile  der  Fig.  5  h  sichtbar  sind,  ergiessen  sich  die  secundären 
Furchen  stromgleich  gegen  den  Rand.  Die  stark  wellige  Beschaffenheit 
der  ganzen  Fläche  lässt  vermuthen,  dass  hier  eine  grössere  Anzahl 
von  älteren  tiefen  Eindrücken  durch  spätere  Corrosion  aufgezehrt 
worden  ist.    Eine  Fluidalstreifung  ist  an  dem  Stücke  nicht  zu  sehen. 

Da  auch  Absprenglinge  bei  weitgehender  äolischer  Corrosion 
ohne  Zweifel  die  Kanten  völlig  verlieren  können  und  auf  ihren 
Flächen  eine  ganz  gleiche  Sculi)tur  entstehen  kann,  wird  es  meistens 
nicht  möglich  sein,  bei  derartigen  vollkommenen  „Sternen"  zu  ent- 
scheiden,  ob    sie   von   einem   selbständigen   Körper   oder   von    einem 


[891  r^ie  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  281 

Bruchstücke  herrühren.  In  obigem  Falle  spricht  für  das  erstere  nur 
die  Dicke  der  Gestalt  und  der  Umstand,  dass  die  Absprenglinge  in 
der  Mehrzahl  der  Fälle  schalig  gebogen  sind.  Doch  ist  hier,  sowie 
bei  manchem  anderen  Stücke,  das  in  dieser  Abtheilung  angeführt 
wurde,  vielleicht  ein  Zweifel  berechtigt. 

Der  Massstab  der  Furchen  scheint  nur  in  geringem  Grade  ab- 
hängig zu  sein  von  der  Grösse  der  Stücke ;  es  sind  offenbar  andere 
Fa(  toren,  welche  denselben  bestimmen ;  das  lehrt  schon  ein  Blick  auf 
die  Darstellung  der  Stücke  auf  Taf.  III.  Wenn  ein  kleines  Exemplar 
eine  sehr  grobe  Kerbung  erlitten  hat,  so  ist  jede  regelmässige  An- 
ordnung verschwunden,  und  wenn  die  Corrosion  sehr  weit  gegangen 
ist,  entstehen  völlig  uni-egelmässige  Formen,  wie  Fig.  16,  S.  283.  l3er 
Körper  ist  hier  zu  klein,  als  dass  die  groben  Näpfe  in  irgend  einer 
Weise  an  die  Flächen  sich  hätten  anschmiegen  können ;  doch  sind 
solche  Formen  viel  seltener,  als  die  mit  erkennbarer  Anpassung  der 
Furchen  au  die  Gestalt. 

Die  zapf enförm igen  Körper  machen  scheinbar  eine  Aus- 
nahme von  der  oben  (S.  274)  gegebenen  Regel.  Man  könnte  vielleicht 
erwarten,  dass  dem  kleineren  Krümmungsradius  der  Cylinderliäche 
entsprechend,  eine  Reihe  von  gürtelförmig  gestellten  Querfurchen  ent- 
stehen müsste.  Das  ist  aber,  wenn  nicht  schärfere  Kanten  vorhanden 
sind,  niemals  der  Fall.  Es  kommt  vielmehr  auch  hier  die  Flächen- 
wirkung zum  Ausdrucke;  nach  dem  oben  Gesagten  bilden  Aushöhlungen 
leicht  die  Veranlassung  zur  Entstehung  der  ersten  gröbsten  Kerbung 
und  etwas  grössere  ebene  Flächen  verhalten  sich  ähnlich  im  Ver- 
gleiche zu  den  umgebenden,  gleichmässig  gewölbten  Flächen.  Zu 
gleicher  Zeit  und  aus  demselben  Grunde  ist  die  erste  Corrosion 
bestrebt,  Vertiefungen  zu  erzeugen,  welche  in  der  Längsrichtung  der 
Flächen  gestreckt  sind.  So  entstehen  auf  einzelnen  etwas  abgeflachten 
Partien  die  ersten  Kerben  mit  gestreckter  oder  undeutlich  radialer 
Anordnung;  die  spätere  Furchung  setzt  sich  daselbst  fort  und  erzeugt 
einen  oder  mehrere  in  die  Länge  gezogene  Sterne  auf  der  stets 
etwas  verdrückten  Cylinder-  oder  Kegelfiäche.  Es  lassen  sich  die 
Sculpturen  auf  den  Zajjfenformen  ebenfalls  am  besten  ableiten,  wenn 
man  diese  als  in  die  Länge  gezogene  und  mit  einem  Furchensterne 
gezierte  Scheiben,  wie  Beispiel  Nr.  8,  betrachtet. 

Beispiel  Nr.  19,  Taf.  IV,  Fig.  la — d.  (Sammlung  Dvorsky.) 
Kozichowitz,  Abs.  Gew.  20-695  gr,  spec.  Gew.  2'352.  Tiefschwarz, 
etwas  angewittert,  mit  zahlreichen  kleinen  Verwitterungsringen;  matt, 
in  den  Furchen  lebhafter  glänzend;  im  durchfallenden  Lichte  grün- 
lichgelb. 

Die  langgestreckte,  seitlich  ein  wenig  zugeschärfte  Zapfen-  oder 
Tropfenform  ist  mit  etwas  verwischten,  flachen  und  ungleich  grossen 
Näpfchen  bedeckt.  Sie  sind  anscheinend  infolge  nachträglicher  Ab- 
reibung ein  wenig  unscharf  geworden ,  denn  am  Grunde  einiger 
älterer  runder  Aussprengungen  in  der  Mitte  der  breiteren  Seite  des 
Stückes  (Fig.  1  a)   sind    die    kleinen    runden    Näpfchen    viel    schöner 


282  ßr-  Fniiiz  K.  Siiess.  [90] 

geblieben;    am  Grunde    der   groben  Kerben,    welche    einzelweise   auf 
dem  Stücke  verstreut  sind,  kommen  sie  dagegen  nicht  vor. 

Möglicherweise  liegt  auch  hier  kein  selbständiger  Körper,  sondern 
ein  Bruchstück  mit  sehr  stark  gerundeten  Kanten  vor,  aber  in  Bezug 
auf  die  grobe  Sculptur  verhält  sich  das  Stück  jedenfalls  wie  ein  ganzer 
Körper.  Um  die  erwähnte  Vertiefung  haben  sich  gröbste  Furchen  in 
radialstrahliger  Stellung  angesetzt.  Die  beiden  schmäleren  Seiten 
bilden,  wenigstens  soweit  sie  in  der  Nähe  der  Spitze  ein  wenig  zu- 
geschärft sind,  stark  lückenhafte  Zonen  quergestellter  Furchung.  (Fig. 
1  h  und  (J.)  Am  verdickten  Ende  scheint  es,  wie  wenn  die  Flächen 
die  Rollen  tauschen  wollten ;  an  der  verbreiteten  Stelle  der  einen 
Schmalseite  (Fig.  1  (/)  haben  sich  die  groben  Kerben  zusammen- 
gedrängt, während  die  nächstliegende,  stark  gewölbte  Partie  der 
NachbarHäche  (Fig.  1  c)  eine  Anzahl  beiläufig  quergestellter  Kerben 
zeigt,  die  allerdings  gegen  die  Mitte  der  Fläche  bereits  ihre  Stellung 
gewechselt  haben  und  nur  in  ganz  unbestimmter  Weise  gegen  die 
Kante  zu  drängen  scheinen.  Immerhin  wird  man  schon  die  Andeutung 
der  Richtung  wahrnehmen  können,  welche  weiter  unten  an  „pfeil- 
förmigen"  Stücken  beschrieben  wird.  Eine  Fluidalstreifung  ist  an 
dem  Stücke  nicht  zu  sehen. 

Beispiel  Nr.  20,  Taf.  IV,  Fig.  2  a — d.  (Sammlung  H  a  n  i  s  c  h.) 
Skrey.  Schwarz  bis  grünlichschwarz,  fettglänzend,  im  durchfallenden 
Lichte  gelblichgrün. 

Die  Sculptur  des  langgestreckten  eiförmigen  Stückes  lässt  sich 
leicht  ableiten  von  der  Scheibenform  Nr.  10  (Taf.  II,  Fig.  1) ;  sie 
hat  mit  dieser  den  deutlich  einseitigen  Angriff  gemein,  doch  sind  ihre 
Kerben  noch  bedeutend  gröber.  An  den  beiden  Enden  und  noch 
spärlich  gefurchten  Seiten  sind  grössere  Theile  der  ursprünglichen 
Oberfläche  vorhanden ;  sie  zeigen  nebst  der  deutlichen  Fluidalstreifung 
sehr  zahlreiche,  flach  ausgesprengte  Näpfchen.  In  der  oberen  Hälfte 
der  Seite  des  Hauptangritt'es  ist  eine  lange  und  tiefe  Furche  einge- 
graben und  der  Längserstreckung  des  Stückes  parallel  gerichtet. 
(Fig.  2  a.)  Sie  endigt  gegen  oben  rosettenartig  und  scheint  über- 
haupt den  Ausgangspunkt  des  Furchensternes  zu  bilden,  der  sich 
namentlicii  gegen  die  untere  Hälfte  und  gegen  die  beiden  Flanken 
in  Form  tiefster  Einrisse  verzweigt.  Die  Ränder  der  Kerben  sind 
vollkommen  scharfkantig  und  fallen  senkrecht  ab  von  klippenartigen 
Kämmen  der  ursprünglichen  Oberfläche. 

Die  Flankenansicht  ist  der  äquatorialen  Zone  der  scheiben- 
förmigen Stücke  vergleichbar  (Taf.  II,  Fig.  1  b — d).  Auf  der  Kante 
selbst  stehen  die  Kerben  senkrecht,  sie  sind  jedoch  im  Verhältnisse 
zur  geringen  Breite  der  Kante  ziemlich  lang  und  müssen  deshalb 
einen  bogenförmigen  Verlauf  besitzen.  Ihre  Richtung  dürfte  aber  von 
der  Richtung  des  einseitigen  Angriftes  stark  beeinflusst  worden  sein. 
F^nge  aneinander  gereihte  Kerben  bilden  längere,  tiefe  Canäle,  deren 
Verlauf  vielleicht  durch  die  ersten,  fast  zufälligen  Furchungen  vor- 
gezeichnet war.  Sie  umfassen  schief  umbiegend  und  übergreifend  die 
untere  Hälfte  der  Rückseite.  Andere  schief  gegen  unten  verlaufende 
Kerben    setzen    in    unterbroclienen    Kerbenreihen   sich    in    der  Weise 


r9l]  r^ie  Ilerkiiiift  dor  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  283 

fort,  (lass  sie  auf  der  Rückseite  abermals  emporsteigen  und  es  sclieint 
fast,  wie  wenn  die  der  Länge  nach  geordneten  Kerben  in  der  Mitte 
der  Rückseite  eine  Fortsetzung  dieser  Reihen  bilden,  die  aber  von 
den  seitlich  überströmenden  Kerben  im  Winkel  geschnitten  werden. 
Ein  eigentlicher  selbständiger  Stern  ist  hier  nicht  zur  Entstehung 
gelangt.  (Fig.  2  c;.)  P^s  hängt  das  mit  der  bereits  mehrfach  betonten 
Ersdieinung  zusammen,  dass,  so  lange  die  Sculptur  noch  sehr  grob 
ist,  noch  häufig  der  Angriff  ein  einseitiger  geblieben  und  eine  all- 
gemeine Ani)assung  der  Sculptur  noch  nicht  eingetreten  ist.  Auf  der 
zweiten,  nur  um  ein  wenig  mehr  gerundeten  Flanke  ist  eine  j)arallele 
Furchenstellung  nicht  zu  beobachten ;  dagegen  sieht  man  hier  die 
sehr  seltene  Erscheinung,  dass  sich  zwei  lange  Kerben  im  Winkel 
durchschneiden.   (Fig.  2(/.) 

Allenthalben  sieht  man  auf  dem  Stücke,  namentlich  auf  den 
ausgehöhlten  Flächentheilen,  eine  deutliclie,  z;n*te  Fluidalstreifung;  sie 
ist  im  unteren  Theil  der  Stirnseite  von  links  oben  gegen  rechts  unten 
diagonal  gestreckt  und  behält  diese  Richtung  auch  auf  der  gegen- 
überliegenden Seite  bei.  Im  anderen  Theile  des  Stückes  finden  sich 
dazu  fast  senkrechte  Richtungen  (Fig.  2c  oben);  die  Uebergänge 
zwischen  beiden  sind  aber  nicht  gut  wahrnehmbar. 


Fig.  17  (Skrey — Dukowan)  stellt  ein  ziemlich  stark  angewittertes, 
gerundet  keilförmiges  Stück  dar,  bei  welchem  die  Furchen  kleiner 
geworden  und  auf  der  ganzen  (Jbertiäche  ziemlich  gleichinässig  zur 
Entwicklung  gelangt  sind.   Auf  beiden  Breitseiten  ist  je  ein   undeut- 

Fig.  17. 
V'ig.  16. 


Staik  corrodiito  Form.  Ko^ichowitz. 

Samnihing  Iluniscb.  (Siehe  Seite  281  ) 

Natiirliclie  Grösse. 

Zapfeiiform  mit  undeutlicher  Sterii- 

zeichniing.   Skrcy — Dukowan. 

Natürliche  Grösse 

lieber  Stern  entstanden,  der  gögen  das  verdickte  Ende  sich  verliert. 
Auf  diesem  Theile  verlaufen  die  Furchen  völlig  richtungslos,  während 
sie  die  beiden  Kanten  der  Norm  entsprechend  in  senkrechter  Richtung 
queren.  Die  Form  bildet  einen  Ueloergang  zu  dem  nächsten  ganz 
extremen  Beispiele  und  es  soll  der  Vergleich  die  Deutung  dieses  ganz 

Jahrbuch  tt,  k.  k.  geol.  Keichsaiistalt,  1900,  50.  Band,  2.  llelt  (Fr.  E.  Suesa.)        37 


284  I>i'-  Franz  E.  öiiess.  rg^] 

eigenartigen  Gebildes,  das  eigentlich  unter  vielen  hunderten  mir  vor- 
liegenden Moldaviten  einzig  dasteht,  erleichtern. 

Beispiel  Nr.  21,  Taf.  IV,  Fig.  3  a  — e.  (Sammlung  des  natur- 
hist.  Hofniuseums.)  Angeblich  aus  dem  Teiche  von  Skrey.  Tiefschwarz, 
fettglänzend,  die  schmalen  Furchen  glänzen  etwas  lebhafter,  als  die 
ein  wenig  matteren  dazwischen  liegenden  Partien;  im  durchfallenden 
Lichte  grünlichgelb. 

Tropfenförmig,  am  verdickten  Ende  drehrund,  am  schmalen  Ende 
ein  wenig  keilförmig  zugeschärft.  Die  ganze  Oberfläche  ist  völlig 
gleichmässig  von  einem  engmaschigen,  fast  labyrinthisch  verzweigten 
Furchennetze  überrieselt.  Unter  der  Lupe  sieht  man  leicht,  dass  die 
Furchen,  so  wie  immer,  aus  lauter  einzelnen,  scharfkantigen,  elip- 
tischen  Schlägen  oder  Kerben  bestehen,  welche  auf  der  ganzen  Ober- 
fläche in  beiläufig  derselben  Grösse  entwickelt  sind  und  sich,  oft  enge 
aneinander  gedrängt,  zu  längeren,  im  Bogen  verlaufenden  Furchen 
aneinanderreihen.  An  einer  etwas  eingedrückten  Stelle  der  Kegel- 
fläche (Fig.  ?}  a)  hat  sich  ein  Stern  entwickelt;  gegen  rechts 
schwenken  die  ausstrahlenden  Furchen  im  Bogen  quer  auf  die  durch 
etwas  stärkere  Wölbung  angedeutete  Kante.  Die  Depression  der  Fläche 
zieht  sich  ein  wenig  gegen  links  aufwärts,  es  scheint,  wie  wenn  in 
dieser  Richtung  sich  ein  zweiter  Stern  bilden  wollte ;  die  vom  ersten 
scharf  ausstrahlenden  Furchen  werden  hier  anscheinend  von  solchen, 
welche  der  Längserstreckung  des  Stückes  folgen,  durchkreuzt.  Auch 
an  anderen  Stellen  kann  man  das  Zusammenlaufen  der  oft  Wurm- 
gängen gleich  gewundenen  Furchen  als  unvollkommene  Sterne  deuten ; 
besonders  an  den  beiden  etwas  abgeflachten  Partien  in  der  Nähe  der 
Spitze.  Auf  der  etwas  breiteren  Abflachung  in  der  Abbildung  Fig.  3/>, 
wo  die  Furchen  der  abgekanteten  Spitze  zuströmen,  ist  der  Einfluss 
des  ebenen  Flächenstückes  auf  die  Sculptur  unzweifelhaft  zu  erkennen. 
An  dem  gerundeten  Ende  lässt  sich  in  dem  Labyrinth  von  meist  halb- 
mondförmig gebogenen  Furchen  keine  Regelmässigkeit  feststellen. 
(Fig.  3e).  Die  Furchen  sind  hier  um  ein  geringes  gröber  als  an  dem 
zugeschärften  Ende  ;  vielleicht  hat  auch  hier  noch  die  Richtung  des 
Angritfes  auf  das  ganze  Stück  eine  gewisse  Rolle  gespielt. 

Ln  ganzen  verleugnet  auch  dieses  Exemplar  nicht  die  Abhängig- 
keit der  Sculptur  von  der  Form  des  Stückes ;  wenn  sich  dieselbe  auch 
in  etwas  anderer  Weise  äussert,  als  an  den  übrigen  typischen  Exem- 
plaren. Wohl  zeigen  die  eingedrückten  Flächentlieile  die  Neigung  zur 
Sternbildung  wie  sonst;  an  dem  kugeligen  Tlieile  aber  befindet  sich 
an  Stelle  der  „Rosetten"  ein  völlig  unregelmässiges  Furchennetz 
(Fig.  3f?),  welches  übrigens  ebenfalls  der  gleichmässigen  Krümmung 
der  Fläche  nach  allen  Seiten,  die  keine  bevorzugte  Furchenrichtung 
aufkommen  lässt,  entspricht. 

Zum  Schlüsse  sei  noch  ein  Beispiel  angeführt,  als  Vertreter 
einer  Gruppe,  bei  welcher  die  etwas  feinere  Sculptur  infolge  der 
älteren  Unebenheiten  nicht  imstande  war,  sich  nach  der  (Jcsammt- 
form  zu  richten,  sondern  sich  an  die  frühesten  Kerben,  dieselben  ver- 
tiefend und  ausweitend,  anschmiegen  musste. 


[\)'M  I>ic  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  285 

Beispiel  Nr.  22,  Tat'.  IV,  Fig.  4a— c.  (Sammlung  des  iiatur- 
hist.  Ilofmuseiiins.)  Skrey  —  Dukowan.  Wie  alle  stärker  zerhackten 
Formen  im  auffallenden  Lichte  nicht  tiefschwarz,  sondern  schwärzlich 
grün,  au  den  Kanten  und  im  durchfallenden  Lichte  hell  grasgrün. 

Das  längliche  Stück  ist  auf  der  Oberfläche  von  schmalen,  in 
der  Tiefe  langgestreiften  Furchen  wie  zerhackt.  Eine  Anzahl  breiter 
und  tiefer  Finsenkungen  ist  ohne  erkennbare  Regelmässigkeit  über 
die  Oberliäche  verstreut.  An  der  Mehrzahl  nimmt  man  noch  deutlich 
wahr,  dass  sie  parallel  der  Längsrichtung  des  Stückes  gestreckt  sind ; 
andere  besitzen  eine  diagonale  zur  spiralen  neigende  Stellung;  an 
einer  Stelle  in  der  Nähe  des  einen  Endes  vereinigen  sich  drei  dieser 
breiten  Gruben  zu  einer  einzigen,  in  drei  Arme  auseinanderfliessenden 
Vertiefung.  (Fig.  4a  oben.)  Diese  grössten  Aushöhlungen  dürften  zuerst 
entstanden  sein,  den  ersten  tiefen  Schlägen  vergleichbar,  welche  z.  B. 
auf  Taf.  IV.  Fig.  1  noch  in  unveränderter  Form  zu  erkennen  sind. 
Die  spätere  Furchung  hat  jede  dieser  Gruben  zu  einem  langgestreckten, 
eingesenkten  Furchenstern  umgewandelt:  die  jüngeren  Furchen  sind 
aber  an  dem  Stücke  selbst  so  tief  eingesenkt  und  so  ungemein  scharf 
markirt,  dass  sie  im  äusseren*  Bilde  fast  mehr  hervortreten,  als  die 
älteren  Gruben,  welche  den  ersten  Anlass  für  deren  gegenwärtige 
Vertheilung  gegeben  haben.  In  der  Tiefe  der  Gruben  sind  auch  die 
Furchen  am  längsten  und  deutlichsten  ausgeprägt,  während  an  den 
erhabenen  Stellen  die  Schläge  kleiner  und  in  grösserer  Anzahl  über 
die  vielfach  ausgezackte  und  gleichsam  zerrissene  Oberfläche  gehäuft 
sind  W'ie  man  aber  unter  der  Lupe  leicht  wahrnehmen  kann,  besitzen 
auch  die  schmalen  Furchen  im  wesentlichen  denselben  Charakter  wie 
die  grossen  Rillen  und  die  gewöhnlichen  Kerben,  jedoch  in  kleinerem 
Massstabe. 

An  diesem  Stücke  muss  noch  eine  weitere  Erscheinung  hervor- 
gehoben werden,  die  hier  noch  wenig  entwickelt  ist,  aber  bei  den 
unten  besprochenen  extremsten  Formen  aus  der  Umgebung  von  Budweis 
(Beisp.  30  ff.)  zum  vollen  Ausdrucke  gelangt.  Auf  Fig.  4^.  nimmt  man 
im  unteren  Theile  des  Stückes  eine  sehr  deutliche  Fluidalstreifung 
wahr.  Sie  durchzieht  von  rechts  unten  nach  links  oben  steil  auf- 
steigend den  oberen  in  eine  Grube  eingesenkten  Furchenstern.  Die 
einzelnen  Streifen  bilden  dünne,  scharfkantige  Rippen  und  beeinflussen 
sehr  stark  die  Richtung  der  Furchen.  Bei  der  Betrachtung  mit  der 
Lupe  erhält  man  sehr  deutlich  den  Eindruck,  dass  die  Furchung  im 
Sinne  der  Streifung  verzerrt  worden  ist,  so  dass  der  ganze  Stern  ein 
etwas  verzogenes  Aussehen  erhält.  In  der  Mitte  des  Stückes  ist  die 
Streifung  in  sanftem  Bogen  zur  senkrechten  Stellung  übergegangen ; 
sie  tritt  hier  in  Form  schwacher  Einsenkungen  hervor,  die  von  den 
quer  eingehackten  Furchen  durchbrochen  werden ;  von  diesen  ist  sie 
aber  sehr  deutlich  durch  die  feine  Längsstreifung  der  einzelnen  Band- 
stücke unterschieden. 

Von  hier  aus  wendet  sich  die  Streifung  in  leicht  spiraler  Drehung 
gegen  rechts  oben,  fällt  dort  genau  mit  dem  einen  Arme  der  drei- 
getheilten  Grube  zusammen  und  quert  als  allerfeinste  Sculptur  die 
Furchen  der  beiden  anderen  Abzweigungen  derselben  (Fig.  4«).  In  der 
ersteren  Grube    besitzen    die    Furchen   nicht   dieselbe  Kantenschärfe, 

37* 


286  I>r.  Franz  E.  Sncss.  [94] 

wie  in  der  gegen  unten  und  in  der  gegen  links  genehteten,  und  es 
macht  auch  hier  den  Eindruck,  wie  wenn  der  Verlauf  der  Furchen 
niclit  nur  von  der  Form  des  Stückes,  sondern  auch  von  einer  im 
inneren  Gel'üge  der  jNIasse  begründeten  Fluidalstructur  beeinflusst 
worden  wäre.  Dasselbe  tritt  auch  in  der  Ansicht  Fig.  4  h  deutlich 
hervor.  Die  leicht  spirale  Fluidalstructur  erscheint  im  unteren  Theile 
des  Stückes  als  senkrechte  Streifung  und  biegt  oben  gegen  links 
gegen  dieselbe  Spitze  wie  auf  Fig.  4  a.  Man  sieht  auf  dieser  Ansicht 
zwei  eingesenkte,  in  die  Lange  gezogene  Furchensterne,  die  seitwärts 
ausstrahlenden  Rillen  sind  breit  und  geben  der  Übertiäche  ein  ge- 
lapptes Aussehen.  In  der  unteren  Hälfte  der  Ansicht,  wo  zwei  grössere 
Gruben  durch  eine  Art  quergestellte  Passenge  verbunden  werden,  stellt 
sich,  der  Regel  entsprechend,  ein  Bündel  tief  eingehackter,  quer  ver- 
laufender Furchen  ein.  Die  beiläufig  der  Längserstreckung  des  Stückes 
folgenden  Furchen  schmiegen  sich  stets  mehr  oder  weniger  der  Fluidal- 
streifung  an  und  sind  dieser  entsprechend  gebogen  und  gestreckt.  Oft 
sind  sie  an  ihrem  Grunde  bäuderartig  der  Länge  nach  gestreift  und 
stellenweise  wird  sogar  der  Unterschied  zwischen  solchen  Furchen 
und  den  zu  Bändern  aneinander  gereihten  Fluidalstreifen  verwischt. 
So  kann  es  auch  kommen,  dass  die  gestreckten,  bänderartig  ge- 
streiften Fluidalfurchen  senkrecht  an  den  quer  eingerissenen  Furchen 
abstossen  und  von  diesen  durchschnitten  werden,  und  dass  die  Sculptur 
ein  undeutlich  gegittertes  Aussehen  erhält.  In  einer  anderen  Ansicht 
des  Stückes  (Fig.  4  c)  rechts  oben  erscheint  die  Fluidalstreifung 
bereits  in  Form  tief  eingerissener,  fein  gestreifter  Bänder,  welche 
die  quergestellten  Furchen  durchschneiden. 

So  führt  eine  sehr  mannigfaltige,  aber  ununterbrochene  Reihe 
von  den  gröbsten  Sculpturformen  mit  den  Gruben  der  Kernstücke 
oder  nur  mit  flachen  Näpfen  zu  denen  mit  sternförmigen  (Janälen 
oder  zerhackter  und  zerrissener  Oberfläche,  welche  beweist,  dass 
alle  die  verschiedenen  Sculpturtypen  verschiedene  Grade  und  Ent- 
wicklungsphasen derselben  Erscheinung  sind.  Eine  gleiche  Reihe  lässt 
sich  leicht  auch  unter  den  Bruchstücken  zusammenstellen;  das  End- 
ziel ist  in  beiden  Fällen  völliges  Verschwinden  der  äusseren  Umrisse 
und  ursprünglichen  Kanten,  so  dass  aus  den  ganzen  Formen,  sowie 
aus  den  Bruchstücken  zuletzt  ganz  gleiche  Typen  entstehen. 

C.  Sclialigc  Bruchstücke. 

Plattige  oder  gewölbte,  oft  scheibenartige  Stücke,  meistens  mit 
einer  oder  mehreren  concaven  Flächen.  Die  Sculptur  zeigt  alle  Ueber- 
gänge  von  flachen  runden  Näpfchen  bis  zur  völlig  zerrissenen  und 
zerhackten  Oberfläche.  Die  convexen  Flächen  zeigen  fast  stets  die 
Sculptur  in  höherem  Grade  als  die  concaven. 

Beispiel  Nr.  23,  Taf.  V,  Fig.  2  a  —  h.  (Sammlung  des  natur- 
hist.  Ilofmuseums.)  Skrej  — Dukowan.  Im  auffallenden  Lichte  schwarz, 
an  den  Kanten  grünlichschwarz,  matt  glänzend ;  Verwitterungsmönd- 
chen  sind  hie  und  da  zu  sehen.  Im  durchfallenden  Lichte  gelblichgrün. 

Dick,  scheibenförmig  mit  rundlich  eiförmigem  Umriss;  auf  der 
einen  Seite  verdickt,  auf  der  anderen  etwas  zugeschärft.  Eine  geringe 


[95]  l^'^'  lli  rkiiiift  lU-r  Moldavite  iincl  vciwiiiultor  Gläser.  287 

Wölbung  der  FUlclieu  deutet  dnrauf  hin,  dass  man  es  mit  einem 
sehaligen  Bruchstücke  zu  thun  hat,  dessen  Kanten  stark  gerundet 
sind.  Die  ganze  Oberfiäclie  ist  ziemlich  gleichmassig  bedeckt  von 
flachen,  rundlichen  oder  ovalen  Näpfchen  von  verschiedener  Grösse, 
die  stellenweise  in  undeutlichen  Reihen  geordnet  und  dann  mit 
geradlinigen  Kanten  aneinandergrenzen.  So  gleicht  die  Sculptur  der- 
jenigen auf  der  ursprünglichen  Oberfläche  mancher  selbständiger 
Körper  (vergl.  Taf.  I,  Fig.  2  und  Taf.  III,  Fig.  4).  Am  Rande  und 
in  dessen  Umgebung  treten  die  grossen  Näpfchen  auf,  sonst  fehlt 
aber  jede  Beziehung  der  Sculptur  zur  Form  des  Stückes,  so  wie  bei 
den  ältesten  rundlichen  Näpfchen  auf  der  Oberfläche  der  selbständigen 
Körper.  Auf  der  concaven  Fläche  ist  eine  Partie  gegen  den  Rand  liin 
rillenartig  ausgesprengt  und  schneidet  eines  der  am  Rande  sitzenden 
Näpfchen;  dies  ist  offenbar  die  jüngste  Sculptur.  Vielleicht  nimmt  an 
diesem  Stücke  die  der  Näpfchenbildung  nachfolgende  gröbste  Rilleii- 
bildung  eben  ihren  Anfang. 

Eine  wellig  streifige  Fluidalstructur  ist  nur  stellenweise  schwach 
angedeutet,  sie  quert  die  Scheibe  und  zeigt  keinerlei  Beziehung  zur 
Gestalt  (Fig.  2  a  links). 

Beispiel  Nr.  24,  Taf.  V.  Fig.  1  a~c.  (Geol.  Institut  der  Uni- 
versität Wien.)  Umgebung  von  Dukowan.  Im  auffallenden  Lichte 
schwarz,  ziemlich  lebhaft  glänzend  und  frisch  erhalten,  hell  grünlich- 
gelb ins  bräunlichgelbe  durchscheinend. 

Ein  fiaches,  dreieckiges  Stück  mit  stark  gerundeten  Ecken ;  eine 
Ecke  ist  durch  eine  spätere  Kante  scharf  abgestumpft.  Diese  Stelle 
ist  übrigens  theilweise  durch  einen  frischen  Bruch  beschädigt.  Eine 
convexe  Fläche  ist  sehr  flach  gleichmässig  gewölbt;  in  der  concaven 
Fläche  befindet  sich  eine  unscharf  abgegrenzte  ovale  Aushöhlung  mit 
sehr  ungleich  steilen  Rändern.  (Fig.  Ib.)  Sie  verursacht  eine  sehr  stark 
zugeschärfte  Kante  am  abgestumpften  Theile  der  schmalen  Dreieck- 
seite. Die  Sculptur  in  Form  länglicher  Kerben  zeigt  ganz  dieselben 
Merkmale  wie  an  den  selbständigen  Körpern  und  eine  Anpassung  an  die 
Gestalt  nach  genau  denselben  Grundsätzen.  Die  flach  concave  Seite 
gibt  Veranlassung  zur  Entstehung  eines  Furchensternes  mit  etwas  un- 
deutlichem Mitteltheile,  woselbst  die  Kerben  kleiner  und  enger  zu- 
sammengedrängt sind.  Gegen  die  Kante  hin  stellen  sie  sich  senkrecht 
und  bilden  längere  und  tiefere  Furchen.  Auf  der  concaven  Fläche 
ist  die  Sternform  durch  die  ovale  Grube  zerstört.  In  der  Nähe  der 
verdickten  Kante  (Fig.  1  b  rechts)  kommt  in  dem  schmalen  Räume 
zwischen  dem  Rande  und  der  Grube  die  Wirkung  einer  ebenen  Fläche 
zum  Ausdruck.  An  Stelle  eines  langgezogenen  Furchensternes  kann 
sich  aber  in  dieser  allzu  schmalen  Zone  nur  eine  Reihe  der  Längs- 
erstreckung der  Fläche  folgenden  Furchen  entwickeln,  wie  das  auch 
an  manchen  cylinderförmigen  Stücken  der  Fall  ist.  Ganz  knapp  an 
dieser  Zone  stossen  die  breiteren  Furchen  ab,  welche  den  Rand  des 
Stückes  queren.  (Fig.  Ic).  Aus  der  Grube  strahlen  die  Furchen  genau 
der  Wölbung  derselben  entsprechend  gegen  den  Rand  hin  auseinander, 
sie  gehen  an  den  flachen  Rändern  ganz  allmälig  in  Furchen  der 
Hauptfläche  über,    die  scharfe  Böschung,    die  die  Grube  gegen  obige 


288  !>>•.  Franz  E.  Siiess.  [«Jß] 

Zone  begrenzt,  überschreiten  die  Furchen,  wie  nicht  anders  zu  er- 
warten ist,  im  steilen  Winkel  umbiegend.  Eine  Spur  einer  alteren, 
blos  mit  runden  Näpfchen  bedeckten  Obertiäche  ist  am  gerundeten 
Scheitel  des  Dreieckes  vorhanden  geblieben;  man  sieht  das  besonders 
gut  in  der  convexen  Ansicht  (Fig.  1  «),  wo  eine  Reihe  länglicher 
Kerben  an  dem  alten  Flächenstücke  plötzlich  abbricht. 

Beispiel  Nr.  25,  Taf.  VI.  Fig.  l  a—c  (Collection  Fürst 
S  c  h  w  a  r  z  6  n  b  e  r  g.)  Umgebung  von  Budweis.  Im  auffallenden  und 
im  durchfallenden  Lichte  hellgrün,  matter  Fettglanz. 

Flachschaliges  Stück  mit  ausgezackter  Umrandung.  Die  scharf- 
kantigen und  stets  polygonal  umgrenzten  Kerben  zeigen  in  deutlichster 
Weise  auf  beiden  Seiten  die  gegen  die  Kanten  zu  auseinanderstrahlende 
Anordnung.  Sie  sind  jedoch  in  ihrem  Verlaufe  stellenweise  ohne  Zweifel 
auch  von  der  Fluidalstreifung  des  Stückes  beeinflusst.  Letztere  ist 
auf  allen  Flächen  in  Form  feiner,  eingesenkter  Streifen  zu  sehen  und 
folgt  in  ihrer  Streckung  der  längsten  Axe  des  Stückes.  Auf  der  con- 
vexen Ansicht  (Fig.  l  a)  sieht  man  rechts  gegen  unten  verlaufend 
eine  lange,  schmale,  geradlinige  Furche,  welche  ihre  Entstehung  der 
Fluidalstructur  verdankt.  An  dieser  Furche  scheinen  sich  die  Kerben 
zu  stauen,  aber  im  ganzen  leiden  sie  durch  dieselbe  keine  Unter- 
brechung. 

Das  Stück  zeigt  im  Vergleich  zu  Nr.  24  eine  noch  weitgehendere 
Corrosion.  Von  Näj)fchen  ist  keine  Spur  zu  sehen  und  es  muss  zweifel- 
haft bleiben,  ob  sie  an  dem  Bruchstücke  jemals  vorhanden  waren. 
Der  Rand  ist  nicht  mehr  gerundet,  sondern  hat  ein  kantig  zerhacktes 
und  förmlich  gelapptes  Aussehen  erhalten. 

Beispiel  Nr.  26,  Taf.  V,  Fig.  4  <i-—h.  (Sammlung  Fürst 
S  c  h  w  a  r  z  e  n  b  e  r  g.)  Umgebung  von  Budweis.  Lichtgrün,  lebhafter 
Fettglanz. 

Ein  dünnes,  schalig  gebogenes  Bruchstück  mit  dem  Umrisse 
eines  rechtwinkeligen  Dreieckes  und  stark  abgerundeten  Ecken.  Die 
Mitte  der  convexen  Aussenfläche  ist  überzogen  mit  einer  Rauhigkeit, 
welche  aus  dicht  gehäuften,  ungleich  grossen  Näpfchen  besteht.  Die 
Umrandung  bildet  ein  Saum  von  länglichen  Kerben,  die  gegen  die 
Seiten  und  Ecken  entsprechend  der  Wölbung  des  Stückes  auseinander- 
streben;  sie  bewirken  es,  dass  der  Rand  stellenweise  fein  sägeförmig 
ausgezackt  ist  und  dadurch  eine  scharfe,  zickzackförmig  verlaufende 
Kante  entsteht.  Die  Kerbenzone  ist  nicht  an  allen  Seiten  gleich  breit 
und  an  der  einen  Ecke  (Fig.  4b  links  oben)  erleidet  sie  fast  eine 
Unterbrechung;  das  Näpfchengebiet  sendet  hier  einen  schmalen  Aus- 
läufer in  den  spitzen  Winkel  hinein,  am  Rande  selbst  sitzen  jedoch, 
wenn  auch  verkürzt,  die  gewöhnlichen  grösseren  Kerben.  Näpfchen  und 
Kerben  gehen  nicht  ineinander  über;  erstere  wechseln  in  der  Grösse  und 
letztere  zeichnen  sich,  wie  es  Regel  ist,  durch  grosse  Gleichmässigkeit 
aus  P]s  verhält  sich  die  Kerbenzone  zum  Näpfchengebiet  genau  ebenso 
wie  die  Furchen  zur  älteren  Oberfläche  auf  den  ganzen  Körpern. 

Auf  der  Innenseite  sind  die  Näpfchen  grösser  und  unregel- 
mässiger  gestaltet;    die    einzelnen    fiacheu  Vertiefungen   sind   durch 


[971  r^ie  Herkunft  der  Moldavite  iiml  verwandter  Gläser.  289 

kleinste  zackig  und  gebogen  verlaufende,  glänzende  Wülstchen  ge- 
trennt, welche,  wie  auch  bei  vielen  anderen  Stücken,  unter  der  Lupe 
lebhaft  erinnern  an  das  Netzwerk  kleiner  Schmelz  wüls  tch  en 
auf  der  glasigen  Rinde  der  Meteor  st  ei  n  e  von  Stannerii. 
Inwieweit  beide  Erscheinungen  verwandt  sind,  wird  weiter  unten  er- 
wogen. Auf  einer  Seite  des  Stückes  sind  die  Wülstchen  und  die  läng- 
lichen näpfchenartigen  Aussprengungen  i)arallel  der  einen  Katheteii- 
kaiite  gestreckt;  hier  äussert  sich  der  Einfluss  einer  schlierigen 
Fluidalstructur  auf  die  Schmelzbarkeit  der  Glasmasse.  Die  Kerben- 
zone ist  auf  der  Concavseite  ganz  an  den  Rand  gedrängt,  ja  strecken- 
weise sitzen  die  Kerben  nur  an  der  Kante  selbst.  (Fig.  4a.) 

Beisi)iel  Nr.  27.  Taf.  V,  Fig.  da  —  c.  (Geol.  Institut  der  Univer- 
sität Wien.)  Umgebung  von  Dukowan.  Fettglänzend,  hellgrün,  etwas 
ins  gelbliche  durchscheinend. 

Das  unregelmässige  Stück  ist  der  Rest  eines  zerborstenen  Körpers, 
der  eine  etwas  verzogene  Scheibenform  besessen  haben  dürfte.  Von  der 
Oberfläche  ist  noch  das  eine  gerundete  Ende  vorhanden,  welches  in 
ein  kaum  merklich  concaves  Flächenstück  übergeht  (Fig.  3^«  links); 
das  ist  die  eine  Scheibenfläche;  von  der  gegenüberliegenden  Scheiben- 
fläche ist  nur  mehr  ein  ganz  kleines  Stück  vorhanden  (Fig.  3r  unten) 
und  ebenso  ein  ganz  schmaler  Ausschnitt  aus  der  Randzone,  der  beide 
Flächen  verbindet.  Der  übrige  Theil  der  Flächen  ist  durch  zwei  un- 
gleich grosse,  concave  Aussprengungen  entfernt;  dieselben  stossen  in 
einer  sehr  scharfen,  leider  etwas  beschädigten  Kante  zusammen  (Fig  3r). 
Das  untere  Ende  des  Stückes  ist  durch  einen  frischen  Bruch  verletzt. 
Sämmtliche  Flächen  sind  mit  der  Regel  entsprechend  angeordneten 
Systemen  von  länglichen  Kerben  überzogen,  und  zwar  sind  die  ein- 
zelnen Flächen  nach  der  Reihenfolge  ihrer  Entstehung  in  Bezug  auf 
die  Grösse  der  Kerben  merklich  unterschieden.  Die  grössten  Kerben 
befinden  sich  am  gerundeten  Ende ;  sie  sind  daselbst  richtungslos  an- 
geordnet, gehen  aber  bald  in  eine  deutliche  Randzone  über.  (Fig.  3  a.) 
Wo  die  Seitenfläche  etwas  concav  eingedrückt  ist,  entsteht  die  schwache 
Andeutung  eines  in  die  Länge  gezogenen  Sternes.  (Fig.  3/^  rechts).  Die 
grössere  Aussprengung  zeigt  im  unteren  breiteren  Theile  einen  Stern, 
dessen  kräftige  Kerben  gegen  die  Kanten  auseinanderstrahlen ;  in  der 
schmalen  Fortsetzung  gegen  unten  ist  der  Stern  in  der  Weise  ver- 
längert, dass  die  mittleren  Kerben  der  Längserstreckung  der  Fläche 
parallel  gestreckt  sind,  die  rundlichen  Kerben  aber  senkrecht  davon 
abstossen.  Man  bemerkt  den  Uebergang  in  jene  Anordnung,  welche 
weiter  unten  als  „Fiederstellung"  der  Furchen  beschrieben  wird. 

Die  Corrosion  hat  nach  dem  Aussprengen  dieser  grösseren  Partie 
noch  Zeit  genug  gehabt,  die  umgrenzende  scharfe  Kante  durch  quer- 
gestellte Kerben  tief  einzusägen  und  zu  zerhacken ;  im  deutlichen 
Gegensatze  dazu  ist  die  Umkantung  der  kleineren  Aussprengung  nur 
sehr  wenig  durchfurcht.  Die  Kerben  sind  hier  am  kleinsten,  bilden 
jedoch  einen  schönen  der  Fläche  angepassten  Stern.  Nur  wo  sich  die 
concave  Fläche  im  stumpfen  Winkel  von  der  äusseren  Fläche  abgrenzt, 
gehen  die  Kerben  beider  F'lächen,  welche  die  Böschung  hinabströmen, 
in  einander  über.  (Fig.  3r  links  unten.) 


290  r)i'-  Franz  K.  Suess.  [98] 

Die  jüngste  Fläche  auf  dem  Stücke  wird  aber  diircli  eine  tiefe 
rundliche  Aushöhlung  am  unteren  Ende  (Fig.  3/>)  gebildet;  hier  sind 
nur  undeutliche  Kerben  zu  sehen.  Sie  verdankt  möglicher  Weise 
einem  zerbrochenen  Blasenraume  ihre  Entstehung. 

Beispiel  Nr.  28.  Taf.  VI,  Fig  2a— h.  (Sammlung  lianisch.) 
Daleschitz.  Grünlichschwar/.  etwas  matt  ghänzend,  im  durchfallenden 
Lichte  gelblichgrün.  Die  Oberfläche  ist  durch  frische  Schläge  stark 
beschädigt. 

Ein  länglich  rinnenförmiges  Bruchstück,  unter  scharfem  Winkel 
seitlich  zusammengedrückt.  In  die  mit  rundlichen  Näpfchen  bedeckte 
Aussentiäche  sind  schmale  und  tiefe  Kerben  eingehackt.  (Fig.  2  a.) 
Am  Grunde  jeder  einzelnen  Kerbe  liegt  ein  glatter,  dünner,  wurm- 
förmiger  Canal,  der  wohl  gesondert  ist  von  den  ebenflächigen  Ge- 
hängen; diese  sind  sehr  scharfkantig  und  eckig  umgrenzt.  Wie  immer 
wird  durch  die  Kerben  eine  Umbiegungszone  quer  zerhackt.  Die 
Innenfläche  stellt  beiläufig  das  Negativ  der  Aussenfläche  dar  (Fig.  2?;), 
demnach  nehmen  auch  die  Kerben  eine  entgegengesetzte  Lage  ein. 
Gegen  den  Rand  zu  befinden  sich  nur  Näpfchen  und  nur  in  der 
innersten  Tiefe  sind  die  Kerben  entstanden,  welche  der  Richtung  des 
Canales  folgen.  Die  Aussenfläche  war  ohne  Zweifel  einer  heftigeren 
und  andauernderen  äolischen  Corrosion  ausgesetzt,  so  dass  die  auf 
die  Umbiegungszone  quergestellten  Kerben  sich  sehr  stark  entwickeln 
konnten;  auf  der  eingebogenen  Fläche  hatte  die  Einwirkung  nicht  den- 
selben Grad  erreicht,  und  es  haben  sich  in  der  Regel  in  der  Tiefe 
die  ersten  Furchen  gebildet.  Die  Kanten  des  Stückes  sind  leider  stark 
beschädigt  und  abgeschlagen;  es  scheint  jedoch,  dass  auch  an  diesen 
Kanten  nach  der  Absprengung  des  Stückes  von  dem  grösseren  Körper, 
dem  es  angehört  hatte,  keine  quergestellten  Furchen  mehr  zustande 
kommen  konnten. 

Die  wenigen  Beispiele,  Nr.  23 — 28,  geben  freilich  nur  ein 
unvollständiges  Bild  von  der  grossen  Mannigfaltigkeit  der  Gruppe  der 
„schaligen  Abspr  engl  inge".  Ihnen  gehört  ein  grosser  Theil 
der  mährischen  Stücke  und  der  grösste  Theil  der  mir  aus  der  Um- 
gebung von  Budweis  bekannten  Exemplare  an.  Manche  Stücke  sind 
nur  mit  Näpfchen  bedeckt  (Nr.  23),  andere  wieder  nur  mit  Kerben 
und  Furchen.  Beide  Sculpturen  scheinen  verschiedenen  Umständen 
ihre  Entstehung  zu  verdanken  und  nicht  in  allmäliger  Reihe  ausein- 
ander hervorzugehen.  Wo  sie  auf  demselben  Stücke  gleichzeitig  auf- 
treten, stehen  sie  oft  in  deutlichem  Gegensatze  zueinander  (Nr.  24 
und  26).  Die  Kerben  sind  auf  gleichzeitig  entstandenen  Flächen  immer 
beiläufig  gleich  gross,  während  die  Näi)fclien  von  den  verschiedensten 
Dimensionen  durcheinander  stehen.  Diese  zeigen  niemals  eine  Be- 
ziehung zur  Form,  während  die  Kerben  stets  in  ihrer  Streckung  an 
die  Krümmungen  der  Flächen  angepasst  sind,  in  genau  derselben 
Weise  wie  bei  der  vorhergehenden  7\btheilung.  Da  aber  noch  b(Mloutond 
stärkere  Flächengegensätze  auf  den  ]>ruchstücken  vorhanden  sind. 
kommt  die  Erscheinung  meist  noch  viel  schärfer  zum  Ausdrucke 
(Nr.  28).  An  die  scharfen  Kanten  reihen  sich  häufig  die  Kerben,  sie 


1<)*)1  Die  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  201 

verursaclieii  die  ausgezackten  Ränder:  die  stark  gestreckten  Flächen 
vieler  Scherben  bedingen  eine  starke  Zerrung  der  Sterne,  es  sondern 
sich  dann  die  verscliiedenen  Riclitungseleniente  und  es  kommt  die 
Fiederstellung  der  Kerben  (Taf,  VI ,  Fig.  3  a.  h)  zum  Vorschein. 
Das  Alter  der  einzelnen  Flächen  kommt  ebenso  wie  bei  den  Kern- 
stücken als  verschiedengradige  Corrosion  zum  Ausdrucke.  p]ntweder 
sind  die  Näpfchen  auf  beiden  Seiten  verschieden  stark  entwickelt, 
oder  die  Kerben  (Nr.  27),  oder  die  Corrosion  hat  auf  concaven  und 
convexen  Flächen  verschiedene  Formen  angenommen. 

Das  etwas  abgestossene  und  angewitterte  Stück  Fig  18  ai  zeigt 
den  Gegensatz  sehr  deutlich.  Die  Aussenfläche  ist  sehr  uneben  und 
mit  tiefen  Furchen  und  Gruben  bedeckt.  Die  jüngeren  Flächen  (Fig.  18  a) 


Fig.  18. 


Schaliges  Bruchstück  aus  der  Umgebung  von  Budweis,   mit  ungleich  corrodirter 
Innen-  und  Aussenfläche.  Sammlung  Seh  warzen  b  erg,  natürliche  Grösse. 


zeigen  Schrotschüssen  vergleichbare,  länglich  runde  Kerben,  die  sich  in 
der  Grösse  ziemlich  gleich  bleiben  und  die  auf  der  concaven  Bruchfläche 
schon  deutlich  das  radialstrahlige  Auseinanderströmen  erkennen  lassen. 
Räthselhaft  sind  an  dem  Stücke  die  beiden  rundlichen  Canäle  an  der 
einen  ebenen  Randfläche,  welche  runden  Bohrungen  gleich  die  Schale 
durchstossen  zu  haben  scheinen  Auch  sie  weisen  kleine,  länglich- 
runde Grübchen  auf.  Entweder  sind  es  spätere  Aussprengungen  von 
absonderlicher  Form  oder  sie  sind  in  der  That  vielleicht  hervorgerufen 
durch  aufgesprungene  Blasenräume  und  durcli  tief  einbohrende  Wirbel 
erzeugt  worden,  welche  dann  Veranlassung  zur  Zersprengung  der 
Schale  an  dieser  Stelle  gegeben  haben. 

Die  grosse  Mehrzahl  der  böhmischen  Stücke  besitzt  eine  stark 
zerha(tkte  Oberfläche  und  ist  den  am  stärksten  corrodirten  Formen 
der  vorigen  Abtheilung  anzureihen ;  ja  sie  entwickelt  in  Bezug  auf 
die  Sculptur  noch  eine  Reihe  von  weiteren  Einzelheiten,  die  dann  bei 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reiehsaiistalt,  1900,  50.  Bund,  2.  lieft.  (Kr.  E.  Siiess.)       38 


2'i}'2  l^r-  Franz  E.  Suess.  IIÜOI 

der  letzten  zu  beti-achteiiden  Gruppe  typisch  werden.  Icli  führe  aus 
einer  grossen  Anzahl  nur  einige  wenige  hochcorrodirte  Sternformen 
vor,  welche  zu  gleicher  Zeit  zeigen  können,  wie  man  manchmal  die 
stark  zerhackten  Bruchstücke  von  im  gleichen  Grade  zerhackten 
ganzen  Körpern  unterscheiden  kann.  Die  beschriebenen  Stücke  bilden 
zugleich  den  Uebergang  zur  nächsten  Gruppe  von  Bruchstücken, 
welche  allem  Anscheine  nach  bereits  ein  theilweises  zähes  Erweichen 
der  Glasmasse  durch  die  Hitze  erlitten  haben. 

Beispiel  Nr.  29.  Taf.  V,  Fig.  5  a—c.  (Coli.  S  c  h  w  a  r  z  e  n  b  e  r  g.) 
Umgebung  von  Budweis.  Abs.  Gew.  51-031  gr.  spec.  Gew.  2*385.  Im 
auffallenden  Lichte  schwarzgrün,  lebhaft  glänzend,  im  durchfallenden 
Lichte  schön  grasgrün  mit  schwachem  Stich  ins  gelbliche. 

Dieses  prachtvoll  erhaltene  Exemplar  ist  fast  kreisrund,  auf  einer 
Seite  nur  wenig  abgekantet.  Eine  Breitseite  ist  ganz  eben,  die  andere 
in  der  Mitte  etwas  concav  eingedrückt.  Der  Rand  ist  im  Vergleiche 
zum  mittleren  Theile  ein  wenig  verdickt  und  bildet  in  der  gerundeten 
Partie  des  Umfanges  eine  Art  Wulst.  Die  Sculptur  überdeckt  die 
ganze  Oberfläche  in  Form  ungezählter  länglicher  Furchen  und  Canäle, 
die  sich  zwar,  was  ihre  Breite  betrifft,  im  allgemeinen  ziemlich  gleich 
bleiben,  in  der  Länge  aber  sehr  verscliieden  sind.  Von  ganz  kleinen 
eckigen  Grübchen  variiren  sie  bis  zu  langen  glatten  Furchen,  die  sich 
über  mehr  als  die  halbe  Breite  des  Stückes  erstrecken. 

Am  tiefsten  greift  die  Furchung  ein  an  der  Randpartie,  und  zwar 
an  der  gerundeten  Seite.  An  der  geradlinig  abgekanteten  Ilandpartie 
ist  sie  nicht  so  weit  gediehen  und  man  darf  hier  die  Spur  einer 
jüngeren  Bruchfiäche  vermuthen.  Die  am  tiefsten  eingegrabenen 
Furchen  des  Randes  sind  in  der  Regel  die  längsten  und  oft  sind  sie 
in  gemeinsamen  breiteren  Canälen  enger  zusammengedrängt.  Auf  der 
Krone  der  dazwischen  stehen  gebliebenen  Klippen  und  zackigen  Kämme 
befinden  sich  meist  kürzere,  oft  näpfchenartig  polygonal  umgrenzte 
Furchen.  Eine  genaue  Betrachtung  lehrt,  dass  die  kürzeren  Furchen 
durch  die  tieferen  und  längeren  abgeschnitten  werden,  und  dass  über- 
haupt in  mehreren  übereinander  folgenden  Generationen  von  Furchen 
die  älteren  durcii  die  jüngeren  im  Räume  beschränkt  wurden. 

Auf  beiden  Seiten  strömen  die  Furchen  gegen  den  Rand  zu 
radialstrahlig  auseinander.  Die  Sternform  setzt  sich  aber  nicht  mehr 
bis  in  die  Mitte  der  Scheibe  fort,  sondern  es  treten  hier  beiderseits 
etwas  andere  Sculpturformen  auf,  welciie  sich  derselben  Regel  nicht 
fügen.  Auf  der  etwas  convexen  Seite  (Fig.  5a)  sieht  man  zunächst, 
dass  in  einer  mittleren  rundlichen  Partie  die  Furchen  weniger  tief 
eingebohrt,  dagegen  aber  kleiner  und  näpfchenartig  polygonal  geworden 
sind ;  der  Charakter  dieser  tiachen  Vertiefungen  ist  aber  durchaus  nicht 
derjenige  der  rundlichen  Näpfchen,  sondern  man  hat  es  ohne  Zweifel 
mit  derselben  p]rscheinung  zu  thun,  wie  bei  den  länglichen  Furchen, 
das  beweist  der  gleiche  Grad  des  Glanzes,  die  feine  Querstreifung 
und  die  oftmals  büschelförmige  Anordnung  derselben,  durch  die  sie 
allmälig  in  die  Furchenbündel  des  Randsaumes  übergehen.  Die  Be- 
deutung dieser  mittleren  Fläche  wird  sofort  klar  beim  Vergleiche  mit 
der  Abbildung    von    Beispiel    Nr.  8    (Taf.  II,    Fig.   1 «),    wo    ebenfalls 


|101]  ^^c  Herkunft  der  MoldavitP  und  verwandter  Gläser.  2i)3 

die  FurclHMi  des  Ceiitrums  oii^e  geliäiift  sind  und  die  radialstralilige 
Anordnung  noch  niclit  zum  Ausdnirke  bringen. 

In  wenig  gebogenen  Strichen,  die  gerade  durch  die  Mitte  der 
Scheibe  ;^iehen,  ist  die  Richtung  der  Fhiidalstructur  angegeben.  Sie 
liat  ott'enkundig  auch  die  Furchung  beeinflusst,  so  dass  diejenigen 
Furchen,  welche  auf  zwei  gegeniil)erliegenden  Randi)artien  mit  der 
Richtung  der  Fluidalstreifung  zusammenfallen,  weiter  gegen  die  Mitte 
des  Stückes  hineinreichen  als  die  Furclien  der  übrigen  Ilandpartien. 
Eine  längere  Furche  setzt  sich  in  Form  von  länglichen,  gestreiften 
Vertiefungen,  die  theilweise  mit  kleineren  pjnsenkungen  besetzt  sind, 
mit  geringen  Unterbrechungen  fort  durch  die  ganze  Breite  der  Sclieibe 
und  endigt  am  gegenüberliegenden  Rande  in  einem  längeren  und 
schmäleren,  tief  eingesenkten  Furchenbündel.  Die  Richtung  dieser 
Linie  wird  unter  schiefem  Winkel  geschnitten  von  drei  parallelen 
breiteren  Furchen,  die  vielleicht  einer  älteren,  gröberen  Corroslon 
ihre  Entstehung  verdanken.  Die  letzteren  sind  mit  kurzen  Furchen 
der  normalen  Breite  besetzt;  diese  sind  jedoch  nicht,  wie  es  der 
Kegel  entsprechen  würde,  nach  der  Einsenkung  in  der  sie  liegen, 
gestreckt,  sondern  sie  folgen  in  ihrer  Orientirung  der  Fhiidal- 
structur. Die  der  Fluidalstreifung  parallel  laufenden  Furchen  sind  in 
der  Regel  der  Länge  nach  gestreift:  es  ist  dies  diese  Streifung  selbst, 
die  am  Grunde  der  Furche  zum  Vorschein  kommt.  Ein  specieller 
Typus  von  Furchen,  welcher  auf  dem  vorliegenden  Stücke  und  auch 
an  anderen  Exemplaren  auftritt,  scheint  ebenfalls  durch  den  Einfluss 
der  Fluidalstructur  zustande  zu  kommen;  es  sind  das  Furchen  die  in 
hufeisenförmigem  Verlaufe  zweiarmig  dem  Rande  zuströmen  (Fig.  5  a 
links).  Die  Furchen  werden  durch  die  schlierige  Fluidalstreifung  gleich- 
sam local  abgelenkt  und  dadurch  ein  Zusammenfliessen  zweier  Furchen 
ermöglicht.  Ausserdem  scheinen  auch  hervorragende  Klippen  die  Ver- 
anlassung zur  Entstehung  von  Querfurchen  in  dem  radialstrahligen 
Systeme  bilden  zu  können.  Nicht  ganz  in  der  Mitte  der  Scheibe 
befinden  sich  noch  zwei  längliche  Vertiefungen,  sie  sind  scharfkantig 
umgrenzt  und  am  Grunde  mit  zahlreichen,  sehr  kleinen  näpfchenartigen 
Furchen  bedeckt.  Ueber  ihre  muthmassliche  Entstehung  geben  die 
Erscheinungen  auf  der  concaven  Scheibentläche  Aufschluss  (^Fig.  ö  h). 

Die  wulstartige  Umrandung  der  etwas  eingedrückten  Scheiben- 
fläche ist  in  der  oben  beschriebenen  Weise  hochgradig  gefurcht.  Eine 
mittlere  Region  ohne  radialstralilige  Furchung  ist  auf  dieser  Seite 
besonders  deutlich  abgegrenzt.  Von  einer  dem  oberen  Rande  der 
Figur  etwas  genäherten,  glatten,  länglichen  Vertiefung  scheinen,  den 
scharfen  Rand  der  Grube  verlängernd  beiderseits  Furchen  abzuströmen, 
welche  die  mittlere  Region  bogenförmig  umfassen.  Besonders  fällt 
eine  lange  Furche  auf.  welche  oben  eine  scharfe  Grenze  bildet  gegen 
die  radial  gefurchte  Randzone.  Ihr  Verlauf,  ebenso  wie  der,  der  im 
Inneren  sich  parallel  anreihenden  Furchenbänder,  ist  durch  die  Fluidal- 
structur bestimmt;  gegen  rechts  Üiessen  diese  Furchen  mit  denen  der 
Randzone  zusammen.  Gegen  unten  ist  die  mittlere  Region  nicht  so 
deutlich  begrenzt,  aber  auch  hier  bildet  ein  etwas  vertieftes  Band 
von  Fluidalstreifen  an  einer  Stelle  eine  scharfe  Grenze.  Stücke  solcher 
Streifenbänder    schneiden    die    Raiidhirchen    an    mehreren    Stellen    in 

38* 


294  ßr.  Franz  K.  Suoss.  [102J 

schiefem  Winkel.  Sie  verlieren  sich  gegen  die  JMitte  und  an  ihre 
Stelle  tritt  eine  Anhäufuiig  feinster  Grübchen,  welche  noch  kleiner 
sind  als  in  der  JMitte  der  convexen  Seite.  Ausserdem  befinden  sich 
hier  noch  mehrere  rundliche  und  ovale,  1 — 4  nnn  grosse  flache  Gruben 
(Fig.  bh  stark  vergrössert),  die  ich  aber  wegen  ihres  glatten  Grundes 
und  ihrer  in  einem  Falle  gebogenen  Form  nicht  mit  den  gewöhnlichen 
Näpfchen  vergleichen  möchte :  sie  scheinen  mir  vielmehr  zu  derselben 
Art  von  Obertiächenorscheinungen  zu  geliören.  wie  die  oben  erwähnte 
längliche  Grube. 

Die  11  mm  lange  Vertiefung  gleicht  dem  Ilohldrucke  einer  schief 
eingepressten  kleinen  Bohne;  die  Fläche  ist  glatt,  mit  Ausnahme 
einiger  kleiner  und  kleinster  kreisrunder  Vertiefungen  und  einiger 
äusserst  feiner  erhabener  Streifchen.  Zur  Erklärung  dieses  Eindruckes 
kann  eine  Erscheinung  dienen,  die  in  derselben  Ansicht  zu  beobachten 
ist,  die  aber  auf  anderen  Stücken  noch  viel  überzeugender  zur  Geltung 
kommt.  Die  geradlinige  Verlängerung  obiger  (irube  gegen  unten  trifft 
bald  auf  einen  kleinen,  längliclien  HIasenraum  (in  der  Figur  sichtbar 
als  dunkler  Fleck  mit  schwachem  Glanz  im  Grunde),  der  zum  Theil 
aufgebrochen  ist;  von  links  her  greilt  das  noch  erhaltene  Stück  der 
Blasenwand  dachartig  über  den  ovalen  Hohlraum  (als  lichter  Fleck  in 
der  Abbildung  sichtbar).  Die  Form  des  Hohlraumes  lässt  schliessen, 
dass  die  Glasmasse  einmal  eine  Erweiterung  und  Zerrung  erlitten 
hat  oder  dass  die  Blase  in  einer  erweichten  und  bewegten  Masse  ge- 
bildet worden  ist.  Ihre  lange  Axe  fällt  mit  der  Richtung  der  Fluidal- 
streifung  zusammen  und  das  Bläschen  selbst  ist  an  das  oben  erwähnte 
Band  von  Fluidalstreifen  unmittelbar  angeschlossen.  Auch  das  unter- 
stützt die  Annahme,  dass  ein  stärkeres  Hervortreten  der  Fluidal- 
streifung  mit  einer  stattgehabten  Erweiterung  und  Zerrung  der 
Glasmasse  zusammenhängt.  Der  Grund  des  Bläschens  ist  voll- 
kommen glatt. 

Die  Zacken  an  dem  rechten  steilen  Rande  der  bohnenförmigen 
Grube  ragen  über  die  Vertiefung  hinaus  und  eine  schmale  frische 
Bruchfläche  an  der  rechten  Seite  des  Randes  lässt  vermuthen,  dass  sich 
daselbst  noch  weitere  überhängende  Partien  befunden  haben.  Man  hat 
es  wahrscheinlich  mit  dem  Piest  eines  über  die  Höhlung  überhängenden 
Daches  zu  thun  und  es  hat  sich  eine  zweite  grössere  Blase  neben 
der  kleinen  befunden.  Noch  vor  der  Erkaltung  der  Masse  muss  die 
Blase  aufgerissen  worden  sein,  denn  der  flache  Rand  wird  noch  von 
einzelnen  flachen  Grübchen  überschritten. 

Die  Deutung,  welche  ich  mir  für  die  Erscheinungen  an  diesem 
Stücke  zurechtgelegt  habe,  bedarf  freilich  der  Beobachtung  vieler  ver- 
w\andter  Stücke,  um  den  auch  nur  für  eine  Hypothese  wünschens 
werten  Grad  von  Wahrscheinlichkeit  hervorzurufen.  Manches  dies- 
bezügliche wird  noch  bei  den  folgenden  Beispielen  nachgeholt  werden. 
Ich  glaube,  dass  die  verdichtete  Atmosphäre,  welche,  um  die  Kanten 
des  fliegenden  Scherbens  pfeifend,  dessen  lländer  so  stark  ausgesägt 
hat,  in  der  Mitte  der  Flächen  auch  bei  fortwährenden  Drehungen 
nicht  ebenso  rasch  auszuweichen  vermochte  und  daselbst  durch  die 
Erhitzung  eine  etwas  tiefer  gehende  Erweichung  und  Zerrung  ver- 
anlasste.   (Siehe    unten  den  Schluss  des  Kapitels.)  Infolgedessen  sind 


[1031  Die  Herkunft  der  Mohlavite  und  verwandter  Gläser.  2\K} 

liier  die  Furchen  von  der  Fluidalstriutur  etwas  stärker  beeintiusst 
als  sonst.  "Wo  die  Erweiterung  noch  weiter  gediehen  ist,  sind  die 
Furchen  ganz  verschwunden.  Unter  dem  enormen  Drucke  muss  die 
Glasmasse  im  hohen  (irade  die  Fähigkeit  besessen  haben.  Gase  zu 
absorbiren,  die  dann  beim  Frkalten  im  zweiten  Stadium  des  Falles 
vielleicht  in  Form  eines  kochenden  Hlasenwerfens  wieder  ausgeschieden 
wurden.  Wie  weitei'  unten  ausgeführt  wird,  ist  ähnliches  auch  bei 
vulkanischen  Bomben  zu  vermuthen.  Die  grossen  und  kleinen  rund- 
lichen Gruben  in  der  Mitte  der  concaven  Seite  des  Stückes  denke 
ich  mir  auf  diese  Weise  entstanden. 

Beisi)iel  Nr.  30.  Taf.  VI.  Fig.  Sa—c.  (Sammlung  des  natur- 
hist.  Hofmuseums.)  Angeblich  Moldanthein  (1822).  Die  Oberfläche  ist 
durch  Abwitterung  etwas  matt,  dunkel  graugrün,  fast  schwarz  :  im  durch- 
fallenden Lichte  hellgrün. 

Der  pfeilf()rmige  oder  plattgedrückt  tropfenförmige  Körper  ist 
nach  der  Analogie  mit  anderen  Stücken  auch  nur  als  ein  randlich 
stark  corrodirtes.  schaliges  Bruchstück  aufzufassen.  Die  Seiten- 
ansicht (Fig.  3()  zeigt  deutlich  die  schalige  Wölbung.  Das  untere 
Ende  und  der  ununterbrochen  verlaufende  Hand  sind  etwas  verdickt, 
die  geradlinige  und  eckig  abgestufte  Kante  (Fig.  oa  links)  dürfte 
durch  späteren  Bruch  entstanden  sein,  aber  doch  konnte  die  Wirkung 
der  Corrosion  noch  fast  denselben  (xrad  erreichen,  wie  auf  der  gegen- 
überliegenden Seite.  Das  verdickte  Ende  wird  auf  der  convexen  Seite 
von  zwei  breiteren  Aushöhlungen  gequert,  die  dem  eckigen  Abbruche 
zuströmen. 

Das  System,  welchem  die  scharfkantige  Sculptur  angepasst  ist, 
wird  am  leichtesten  begriffen  beim  Vergleiche  mit  der  Abbildung 
Taf.  V.  Fig.  b(i.  Man  denke  sich  den  Furchenstern  sehr  stark  in  die 
Länge  gezogen :  es  werden  die  der  Verlängerung  parallel  laufenden 
Furchen  des  Sternes  in  demselben  Sinne  gestreckt  und  bilden  ein 
mittleres,  streifenförmiges  Band,  von  dem  die  Bandfurchen  in  scharfem 
Winkel  abstossen.  Es  entsteht  die  „Fi  ed  e  rstellung  der  Fur- 
chen", welche  bei  zahlreichen  verlängerten  Flächen  mit  Sternfurchen 
der  obigen  Beispiele  bereits  unvollkommen  zu  beobachten  war. 

'  Auf  dem  als  Fig.  19  (Seite  290)  abgebildeten  länglichen  Scherben, 
ist  die  gröbere  Sculptur  der  mährischen  Moldavite  noch  in  unvoll- 
kommener Weise  im  Sinne  der  Fiederstellung  vertheilt.  Wenn  man 
z.  B.  die  Kerbenvertheilnng  auf  dem  flachen  Scherben  Taf.  V.  Fig.  1 
mit  in  den  Vergleich  zieht,  wird  man  sich  leiciit  eine  Uebergangsreihe 
von  grobgefurchten  Sternen  zu  solchen  Schweifen  mit  der  vollkom- 
mensten Ausbildung  der  Fiederstelhmg  zurecht  legen  können.  Auf 
der  concaven  Seite  des  Stückes  ist  das  Bild  eines  in  die  Länge  ge- 
zogenen Sternes  noch  etwas  deutlicher  bewahrt,  indem  die  Furchen 
des  mittleren  Bandes  in  einer  schärferen  Biegung  in  die  kürzeren 
Randfurchen  umschwenken.  Beiläufig  in  der  Mitte  der  unteren  Hälfte 
sind  die  Furchen  in  einer  unbestimmt  umgrenzten,  gemeinschaftlichen 
Vertiefung  ein  wenig  zusammengedrängt.  Gegen  den  eckigen  Einbug 
des  Randes  strömen  die  Furchen  in  grösserer  Zahl  und  eng  anein- 
ander geschlossen. 


29()  Dr.  Franz  E.  Suess.  11041 

Auf  (1er  cüiivoxen  Seite  (Fig.  3«)  liegen  die  mittleren  Längs- 
furclien  in  einem  gemeinscliaftliclien.  fast  geradlinig  begrenzten 
Canal ;  die  Randfurclien  setzen  daran  senkrecht  ab  und  nur  hie  und 
da  ist  eine  Andeutung  eines  bogenförmigen  Ueberganges  zwischen 
beiden  Furchengruppen  vorhanden.  Der  Gegensatz  ist  extremer  aus- 
gebildet und  es  liisst  sich  wohl  denken,  dass  bei  zunehmender  Fur- 
chung die  Lüngsfurchen  nach  und  nach  einen  gemeinschaftlichen 
Canal  austiefen  und  dass  dann  der  Zusammenhang  zwischen  beiden 
Furchengruppen  allmälig  erst  vollkommen  gelöst  wird.  Das  ist  auch 
bei  dem  vorliegenden  Stücke  auf  der  convexen,  als  der  älteren 
Fläche,  der  Fall  gewesen. 


Fii>-.  ly. 


Moldavitschcrbeu  mit  uiivolil<oiiimener  P'iederstelliitig  der  Ftirclien.  Skrey-Dukowan. 
(Geolog.  Institut  der  Univ<'isit;lt.)    Natiirliclu'  Grösse. 


Im  mittleren  Tlieile  des  verdickten  Endes  ist  die  strahlenför- 
mige Anordnung  der  Furchen  undeutlich  geworden;  stellenweise  ist 
ein  ganzes  Netzwerk  von  tief  eingehackten  Furchen  entstanden.  Durch 
die  breiteren  Quergruben  fliepsen  die  Furchen  hinab  und  streben  am 
unteren  Ende  etwas  auseinander,  wie  die  Sjjalten  eines  Gletschers, 
der  in  eine  Thalauswoitung  heraustritt.  (Fig.  3«  links  unten.) 

Die  einzelnen  Furchen  haben  an  diesem  Stücke  den  höchsten 
Grad  der  Schärfe  erreicht,  besonders  die  Längsturchen  scheinen  wie 
mit  einem  senkrecht  aufgesetzten  Messer  eingeschnitten  worden  zu 
sein.  Zwischen  den  Furchen  befinden  sich  allenthalben  steil  zuge- 
schärfte Kämme  oder  kleine  polygonal  umgrenzte  Plateaus.  P]in 
ganz  schmaler  Streifen  beiderseits  des  Längscanales  auf  der  convexen 
Fläche  ist  nur  mit  flacheren  Eindrücken  besetzt,  deren  Kantenschärfe 
ein  wenig  durch  spätere  Abreibung  gelitten  hat;  diese  beiden  Streifen 
sind  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  Reste  einer  älteren  Oberfläche, 
aus  einer  Zeit ,  in  der  die  Corrosion  noch  nicht  die  extremsten 
Formen  anuenommen  hatte. 


|105J  ^^^^  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  (ililser.  297 

Unter  der  Lupe  nimmt  miiii  wahr,  dass  Jede  der  scliarf  ge- 
schnittenen Furchen  mit  allerfeinsten  Querfurchen  besetzt  ist,  welche 
in  senkrechter  Stellung  gleich  den  Federn  an  einem  Kiele  aneinander- 
gereiht sind,  der  Stellung  und  Vertheilung  nach  etwa  vergleichbar  mit 
den  dünnen,  flaumigen  Barten  im  unteren  Theile  einer  Ffauenfeder. 
Diese  Erscheinung  tritt  nur  an  böhmischen  Stücken  mit  hochgradiger 
Corrosion  oder  mit  theilweiser  Zerrung  auf.  Sie  ist  verwandt  mit  der 
Fiederstellung  der  Furchen  und  ich  habe  sie  mit  dem  Namen  der 
„Fiederun g"  belegt.  Auch  an  den  engen  Furchen  der  Quergruben 
ist  sie  sehr  deutlich  zu  sehen  und  die  Betrachtung  daselbst  lässt 
vermuthen,  dass  sie  als  allerfeinste  Querstreifung  auf  dem  Rücken 
der  zwischen  den  Furchen  stehenden  Rippen  entstanden  sind,  dass  sie 
aber  auf  den  erhabenen  Stellen  durch  spätere  mechanische  Abreibung 
im  Sande  wieder  verloren  gegangen  sind.  In  den  tieferen  Partien, 
namentlich  auf  der  convexen  Seite  treten  diese  „Fiederchen" 
besonders  scharf  hervor  infolge  der  weissen  Farbe,  die  ihnen  aller- 
feinstes  eingeriebenes  Material  verleiht;  sie  sind  jedoch  immer  noch 
zu  fein,  um  in  der  Abbildung  gut  sichtbar  zu  werden.  Nur  in  der 
Mitte  von  Fig.  'dh  sind  Spuren  davon  unter  der  Lupe  zu  bemerken. 
In  den  scharfen  Furchen  derselben  Seite  sitzen  an  verschiedenen 
Stellen  fest  eingeklemmt  kleine  Quarzkörnchen  aus  dem  Sande,  in 
dem  das  Stück  auf  seiner  ursprünglichen  Lagerstätte  eingebettet  war: 
auf  Fig.  3«  sind  sie  als  helle  Pünktchen  wahrnehmbar. 

Eine  Fluidalstreifung  ist  auf  der  abgeriebenen  Oberflilche  un- 
mittelbar nicht  zu  beobachten.  In  der  Ansicht  des  etwas  verdickten 
Randes  i^Fig.  Sc)  sieht  man,  dass  die  Querfurchen  an  einer  etwas  un- 
regelmässig verlaufenden  Längsfurche  absetzen,  in  deren  Fortsetzung 
man  unter  der  Lupe  eine  feine  Streifung  wahrnehmen  kann.  An  den 
Querbrüchen  von  zahlreichen  schaligen  Stücken  kann  man  es  als 
Regel  nachweisen,  dass  die  Fluidalstreifung  parallel  den  breiten  Flächen 
und  den  Bruchkanten  gestreckt  ist  und  es  ist  auch  hier  sehr  wahr- 
scheinlich, dass  diese  Furche  dem  Einflüsse  der  Fluidalstructur  zu- 
geschrieben werden  muss  und  dass  ein  etwas  leichter  schmelzbarer, 
schlieriger  Streifen  in  der  Glasmasse  die  Veranlassung  zu  ihrer  Ent- 
stehung gebildet  hat.  Eine  ähnliche,  etwas  winkelig  verlaufende  Furche 
begleitet  zur  Rechten  den  mittleren  Furchencanal  auf  der  convexen 
Seite  (Fig  3  a)  und  ist  der  obigen  parallel :  ihr  dürfte  derselbe  Ur- 
sprung zuzuschreiben  sein. 

Beispiel  Nr.  31.  Taf.  II,  Fig.  5« — c  (Sammlung  des  natur- 
hist.  Hofmuseums.)  Angeblich  Moldauthein. 

Das  Stück  ist  in  der  Farbe  und  in  der  Entwicklung  des  Furchen- 
netzes sehr  ähnlich  dem  schönen  Sterne  Nr.  29  aus  der  Sammlung 
S  c  h  w  a  r  z  e  n  b  e  r  g.  Das  dickschalige  Stück  mit  rundlicher  Um- 
grenzung ist  auf  der  einen  Seite  durch  einen  fast  geradlinigen  Bruch 
begrenzt.  Aus  der  Mitte  der  convexen  Fläche  strömen  die  Furchen 
in  mannigfachen  Biegungen  und  sich  öfter  verzweigend  gegen  den 
Rand  auseinander  ;  stellenweise  bilden  sie  in  einzelnen  Vertiefungen 
noch  örtliche  secundäre,  mehr  oder  weniger  verzerrte  Sterne.  Auf 
der    concaven    Seite     reichen    die    vom    Rande   zusammenströmenden 


298  L>J'-  l*>aiiz  E.  Suess.  L^^^] 

Furchen  nicht  bis  in  die  Mitte  der  Sclieibe.  sondern  es  befindet  sich 
daselbst  eine  Anzahl  gerundeter  Vertiefungen,  welche  theilweise  in 
der  Richtung  der  Fluidalstreifung  ein  wenig  gestreckt  sind.  Die  Wände 
der  runden  Gruben  sind  stellenweise  etwas  überhängend,  der  Grund 
der  Höhlungen  ist  glatt  oder  kaum  merklich  erhaben  gestreift.  Sie 
machen  den  Eindruck,  wie  wenn  sie  in  einer  erweichten  Masse  ent- 
standen wären,  und  sind  auf  jeden  Fall  vergleichbar  den  Blasen- 
höhlungen in  der  Mitte  der  cont'aven  Scheibenfläche  von  Nr.  28 
(Taf.  V,  Fig.  bh). 

Das  Stück  soll  ein  Beispiel  sein  für  die  Anpassung  der  Sculptur 
an  ein  von  jüngeren  Bruchflächen  umgrenztes  Schalenstück.  Der 
geradlinige  Bruclirand  ist  in  derselben  Weise,  wenn  auch  in  gerin- 
gerem Grade,  quer  zerhackt,  wie  der  ältere  gebogene  Band,  und  man 
kann  sich  leicht  vorstellen,  dass  eine  weitergehende  Corrosion  die 
Gegensätze  beiden  Bänder  verwischt  und  dass  zuletzt  scheinbar 
ganze  Formen  zustande  kommen,  wie  Beispiel  Nr.  29  u.  Nr.  30.  Die 
schalige  Krümmung  kann  dann  immer  noch  einen  Anhaltspunkt  dafür 
bieten,  dass  man  es  eigentlich  nur  mit  einem  umgeformten  Abspreng- 
linge  zu  thun  hat. 

Eine  scharfkantige  Fluidalstreifung  ist  am  besten  auf  dem 
jüngsten  Querbruche,  aber  auch  sonst  an  einzelnen  Stellen  des  Bandes 
zu  sehen.  Sie  ist,  der  Regel  entsprechend,  parallel  der  schaligen 
Krümmung  gestreckt. 


'O    o^ 


Man  kann  sich  einen  Begriff  machen  von  der  reichen  Mannig- 
faltigkeit der  Formen,  wenn  man  sich  vor  Augen  hält,  dass  die  sehr 
verschiedenartigen  Typen,  aus  denen  die  wenigen  angeführten  Bei- 
spiele gewählt  wurden,  durch  zahlreiche  Uebergänge  mit  einander 
verbunden  sind.  Es  ist  jedoch  nicht  möglich,  dieselben  in  einer  ein- 
fachen   Reihe   zu    ordnen,    denn  die  Bezieliungen  der  Formen  unter- 


Kiindliclie,   flache  Scheibenform,   ausschliesslich  mit   riclitungslosen  Niipfclieii 
bedeckt.  Trebitscher  Gebiet.  Natürliche  Grösse. 

einander  sind  fast  chaotisch.  Die  Uebergänge  vollziehen  sich  in 
anderen  Richtungen  in  Bezug  auf  die  Gestalt,  als  in  Bezug  auf  den 
Grad  und  die  Form  der  Veränderung.  Die  ursprünglichsten  Typen 
sind  wohl  diejenigen,  welche  nur  mit  ungleich  grossen,  rundlichen 
Näpfchen  bedeckt  sind  (z.  B.  Fig.  20);  sie  mögen  vielleicht  ihre  Ent- 
stehung nur  der  Erwärmung   zu    verdanken    haben    und    vergleichbar 


[107]  I*'''  Ilt'ikmifr  der  Molilavite  iind  veivvaiultor  Gläser.  21)^) 

sein  den  eigentlichen  >.'ai)fchen  der  Meteoriten  oder  den  bei  Tempe- 
raturweclisel  aussprinoenden  Näpfchen  der  Wüstensteine  ^).  Eine  ganz 
andere  Art  der  Corrosion  bilden  die  länglichen  Kerben,  die,  wie  man 
an  vielen  Stücken  sehen  kann,  von  den  Näpfchen  wohl  unterschieden 
sind  (Vgl.  Taf.  V.  Fig.  1  und  4).  Diese  sind  in  ihrer  Anordnung  stets 
augepasst  der  Form  und  Krümmung  der  einzelnen  Flächen.  8ie  gehen 
über  in  lange,  schmale  Canäle  (Beispiel  Nr.  29)  oder  in  tief  einge- 
hackte, scharfkantig  faltenähnliche  Einrisse  (Beispiel  Nr.  30).  In  diesen 
Stadien  macht  sich  meistens  auch  ein  Einfiuss  der  Fluidalstructur  auf 
den  Verlauf  der  Furclien  geltend,  der  vielleicht  mit  einem  zähen 
Erweichen  der  Masse  zusammenhängt.  In  der  Mehrzahl  der  Fälle  ist 
die  Fluidalstructur  parallel  den  Hauptbruchflächen  und  in  der  Längs- 
richtung der  Scherben  gestreckt;  es  ist  demnach  anzunehmen,  dass 
nach  diesen  Richtungen  die  Stücke  am  leichtesten  zerbrechen. 

Abgesehen  von  der  bis  zur  Fi  ed  er  ste  1  hing  der  Furchen 
gesteigerten  Streckung,  welche  die  Furchensterne  allein  infolge  der 
Form  der  Flächen  erleiden,  werden  sie  auch  noch  häufig  beeinflusst 
durch  früher  vorhandene  grössere  Unebenheiten,  die  sich  vielleicht  auf 
einer  früheren  grösseren  Fläche  nach  einem  anderen  Systeme  gebildet 
oder  auch  infolge  der  theilweisen,  zäh-schlierigen  Aufschmelzung  der 
Masse  verzerrt  haben.  Frühere  Hervorragungen  haben  oft  Anlass  ge- 
geben zu  einem  beiderseitigen  Ausweichen  der  tief  eingesenkten 
Furchenreihen  und  zur  Entstehung  der  hufeisenförmigen  Fur- 
chen, welche  in  zwei  Armen  zum  Rande  verlaufen  (Taf.  II,  Fig.  5a 
und  Taf.  V,  Fig.  5«).  Nicht  selten  findet  man  bei  kleineren  Stücken 
dieselbe  Anordnung  der  Furchen.  Wegen  der  tiefrunzeligen,  falten- 
artigen Furchen  sind  solche  Stücke,  namentlich  bei  dunkler  Farbe, 
oft  mit  getrockneten  Pflaumen  verglichen  worden. 

Schon  die  weniger  entschiedene'  Krümmung  des  Mitteltheiles 
einer  Fläche  veranlasst  ein  Verschwinden  der  regelmässigen  An- 
ordnung der  Furchen  gegen  die  Mitte  des  Sternes :  dazu  kommt  nun 
bei  stark  angegriftenen  Stücken  noch  eine  Veränderung  des  Cohesions- 
zustandes  der  obersten  Schichte  der  Masse,  welche  allem  Anscheine 
nach  in  der  Mitte  der  Flächen,  wo  die  Luft  am  langsamsten  abströmen 
kann,  zuerst  auftritt.  Es  entstehen  in  der  Mitte  der  Flächen  die 
rundlichen,  blasenartigen  Aushöhlungen  (Beisp.  Nr.  29  und  31),  die 
fluidale  Zerrung  tritt  streifenförmig  hervor,  die  radialstrahlige  Fur- 
chung wird  immer  zarter  in  den  Dimensionen,  verschwindet  immer 
mehr  und  mehr  aus  der  Mitte  und  wird  oft  ganz  an  die  Kante  ge- 
drängt; es  entstehen  förmliche  „gefiederte"  Ränder  (Fig.  21). 
Die  Entstehung  der  „Fiederung"  (S.  297),  d.  i.  die  Bildung  zar- 
tester Querfurchen  auf  den  stark  corrodirten,  oft  nach  der  Fluidal- 
structur gestreckten  Canälen,  scheint  ebenfalls  zusammenzuhängen  mit 
dem  Cohesionszustande  des  Glases  und  es  ist  fast  sicher,  dass  sie  erst 
in  den  letzten  Stadien  der  Oberflächenveränderung  zustande  kommt. 

Es  ist  sehr  wahrscheich,  dass  eine  Erweichung  des  Glases  durch 
die  Hitze  während  des  Falles  nur  iir  der  obersten  dünnsten  Schichte 


')  Goldsclimi  dt.     Ueber  Wiistensteine   und    Meteoriten.     Tschcrniak's 
Mineralogische  Mittheilnngen.  Bd.  XIV.  1895.  S.  132. 

Jaliibucli  d.  k.  k.  geol.  Ueichsiiustalt  1900,  50.  »and,  2.  Helt.  (Fr.  K.  Siiuss.)        39 


'M)()  Dr.   Franz  K.  Sii.ss.  [^108] 

eintritt,  und  dass  die  stärker  verflüssigten  Tiieile  durch  die  Gewalt 
des  Luftstronies  entfernt  werden.  Das  äussert  sich  in  anderer  Form 
in  der  Mitte  der  Fläclien  als  an  den  Kanten ;  hier  mögen  die  Luft- 
ströme bereits  vorhandene  Balmen,  welche  bei  dem  Abströmen  von 
der  Fläche  entstanden  sind,  benützen  und  dieselben  zu  tief  ein- 
gehackten Rinnen  ausfurchen:  an  den  hervorragenden  Handklippen 
kann  der  Druck  geringer  sein  und  diese  können  stehen  bleiben.  In 
der  Flächenmitte  werden  die  richtungslos  wechselnden  TiUftströme 
mehr  flächenweise  die  Masse  entfernen ;  es  wird  hie  und  da  eine 
sehr  seichte  Vertiefung  in  der  Mitte,  oder,  was  auf  dasselbe  hinaus- 
läuft, eine  wulstartige  Verdickung  des  zerhackten  Randes  eintreten 
(Beisp.  Nr,  28).  Es  wurde  bereits  oben  erwähnt,  dass  viele  mit 
Näpfchen  bedeckte  Absprenglinge  einseitig  zugeschärfte  Kanten  be- 
sitzen (S.  286).  Wenn  auf  solchen  schief  abgesprengten  Bruchstücken 

Fla:.  21. 


Flacher  Absprengling,  rechts  verdickt,  gegen  links  vorhangaitig  ausgezogen. 
Umgebung  von  Biidweis.    (Sammlung  S  cli  warze  n  berg.)   Natürliche  Grösse. 

die  länglichen  Kerben  und  Canäle  zu  Bildung  kommen,  so  ist  es  die 
Regel,  dass  auf  der  verdickten  Seite  die  Kantenwirk img  mit  Quer- 
stellung der  Furchen,  gegen  den  zugeschärften  Rand  hin  aber  mehr 
die  Flächenwirkung  zum  Ausdrucke  kommt,  welche  sich  in  einer 
Zerrung  des  Furchensternes  im  Sinne  des  Flächenumrisses  ohne 
eigentliche  Querzerhackung  äussert.  Von  der  Mitte  gegen  den  zu- 
geschärften Rand  hin  wird  die  ganze  Fläche  gescheuert,  ähnlich 
wie  das  bei  den  rundlichen  Stücken  nur  im  (!ontruni  der  Fall  ist; 
auf  der  verdickten  Seite  werden  nur  die  Furchen  vertieft.  Die  Folge 
davon  ist,  das  die  Gegensätze  zwischen  der  Fläche  und  dem  ver- 
dickten Rande  immer  zunehmen  und  dass  zuletzt  Formen  übrig 
bleiben,  welche  aus  einem  querzerhackten,  balkenartig  verdicktem 
Rande  bestehen,  an  welchem,  einem  Vorhange  gleich,  eine  dünne,  sich 
scharf  verjüngende  Phitte  hängt  (Fig.  21,  22  und  28V  Der  an  der 
Grenze  von  Wulst  und  Platte  entstehende  einspringende  Winkel  wird 
häufig  zur  Furchenrinne,  in  der  sich  die  feinste  Fältelung  und  Fiede- 
rung  ansiedelt.  fFig.  22  rechts.) 


[109] 


Dil!  Herkunft  tler  MoUlavite  und  verwandter  Gläser. 


3U1 


Das  riunenförmige  Stück  (Taf.  \l.  Fig.  2)  von  Dalescliitz  hat 
die  Erscheinung  erläutert,  dass  in  der  jüngeren  concaven  Fläche  die 
Furchen  der  Rinne  entlang  laufen  und  die  ältere  kammförmige  Wöl- 


Fig.  22. 


Figr.  23. 


Fig.  22  (flach  concuv)  und  Fig.  23  (flach  convex)  Moidavitscherben.  Rechts 
balkenartig  verdickt  mit  Quei'furchen.  Zwischen  der  fiederartigen  Farchung  auf 
beiden  Seiten  Blaseugruben.    Umgebung   von    Budweis.    (Sanimliiag   Schwarzen- 

berg.)  Natürliche  Grösse. 

bung  quer  zerissen  ist.  Bei  einer  ganzen  Keihe  von  länglichen  Ab- 
sprenglingen  kann  man  denselben  entgegengesetzten  Verlauf  der 
Furchen  auf  beiden  Flächen  mehr  oder  weniger  deutlich  beobachten. 


Vis,  -'1. 


Fii?.  25. 


Fig.  24  (convex)  und  25  (coucav),  länglich  rinnenförraiges  Bruchstück,  die  Aussen- 
fläche  hochgradig  corrodirt,  die  Innenfläche  in    der  Längsrichtung  gefurcht.    Um- 
gebung von  Budweis.  (Sammlung  Seh  wa  r  ze  nber  g.)  Natürliche  Grösse. 


Die  ältere  Fläche  ist  naturgemäss  stets  stärker  corrodirt;  die  An- 
ordnung ist  weniger  deutlich,  denn  sie  ist  durch,  vor  der  Neuformung 
entstandene.  Gruben   zerstört.  (Fig.  24  und  25.)   Oft  mag  die  oberste 

39* 


302 


Dr.   Franz  E.  Siiess. 


[llü] 


Schichte  der  äussere  Fläche  bereits  eine  theilweise  Aufschmelzuiig 
und  blasige  Grubenbildung  entwickelt  haben,  bevor  das  Stück  abge- 
sprengt wurde.  Auf  frisch  entstandener  Bruchflache  genügt  schon  die 
Streckung  der  ebenen  Fläche,  auch  ohne  dass  eine  rinnenartige  Ver- 
tiefung vorhanden  ist,  um  eine  Streckung  der  Furchen  in  der  Längs- 
richtung hervorzurufen  nach  der  Regel  der  F  i  e  d  e  r  s  t  e  1 1  u  n  g 
(Fig.  26,  -2-7)  ;■  oft  mögen  sie  auch  durch  die  in  demsell^en  Sinne 
gestrecke  Fluidalstructur  beinflusst  worden  sein.-' 

Viele  von  den  plattenförmigen  oder  langgestreckten  Scherben 
sind  an  geradlinigen  oder  nur  wenig  gekrümmten  Brüchen  quer  ge- 
sprungen (Fig.  21  und  31).  Autfallenderweise  sind  die  frischen  Brüche 
niemals   so  geradlinig,  sondern  stets  mehr  muschelig  oder  splitterig; 


Fi^'.  26. 


Fis;.  27. 


Fig.  26  und  27  ebeiillachiges  Bruchstück,  dio    ältere  Bnichfläclie  (26)  hochgradig 

corrodirt,    die   Innenfläche   (27)   mit  Längsfurchen   und   z    Tli.   mit  Fiederfurchen. 

Auf  beiden  Seiten  Blasengruben;    unten   frischer  Bruch.    Umgebung  von  Budweis. 

(Sammlung  Seh  w  ar  zen  her  g.)  Natürliche  Grösse. 


ebenso  zerbrechen  meiner  geringen  Erfahrung  nach  die  Stücke, 
welche  man  zu  Boden  wirft,  nicht  geradlinig,  sondern  krummschalig. 
Die  betreffenden  Bruchflächen  sind  oft  in  verschiedenem  Grade,  aber 
stets  in  geringerem  Grade  als  die  Hauptfläche  corrodirt ;  entweder 
zeigen  sie  blos  Näpfchen,  oder  auch  quer  verlaufende  Furchen  und 
Risse  (Beisp.  Nr.  31).  Fast  stets  tritt  die  Fluidalstructur  am  Querbruche 
deutlich  hervor,  und  zwar  ist  sie  parallel  den  schaligen  Flächen  ge- 
streckt; es  lässt  sich  vorläufig  nicht  entscheiden,  ob  diese  Streckung 
eine  Folge  ist  einer  leichteren  Spaltbarkeit  des  Glases  im  Sinne  der 
Fluidalstructur  oder  einer  nachträglichen  Zerrung  des  erweichten 
Glases  während  des  Fluges. 

An  manchen  rauhen  und  etwas  angewitterten  Querbrüchen  sieht 
man  blos  die  erhabene  wellige  Streifung  der  Fluidalstructur  und  vielleicht 
noch  vereinzelte  kleinste,  kreisrunde,  vertiefte  Pünktchen  ;  in  solchen 
Fällen  dürfte  ihr  Erscheinen  nur  dem  Einflüsse  von  chemischen  An- 


[inj  Die  Herkunft  der  MoKlavite  und  verwandter  (iläser.  ;3(J3 

griffen  zuzuschreiben  und  der  Querbrui'h  erst  spät  oder  bereits  nach 
der  Ankunft  des  Stückes  auf  der  Erde  erfolgt  sein. 

Die  Erscheinungen  der  Zerrung  und  der  oberfläcliliclien  Blasen- 
bildung, sowie  der  Fiederiing  werden  am  besten  verstanden  bei  den 
in  der  letzten  Gruppe  betrachteten  Stücken,  wo  sie  am  vollkom- 
mensten zur  Entwicklung  gelangen. 


D.  (xczerrtt*  Formen. 

Bruchstücke,  welche  verschiedenartige  Anzeichen  einer  theil- 
weisen  Aufschmelzung  und  Verzerrung  der  Glasmasse  erkennen  lassen. 

Für  die  selbständigen  Körper  und  die  Bruchstücke  mittleren 
Corrosionsgrades  war  es  charakteristisch,  dass  sie  durch  die  Sculptur 
der  Oberfläche  fast  stets  zu  selbständigen  Individuen  mit  eigenartiger 
Anordnung  eines  Furchensystems  geworden  sind ;  im  allgemeinen  hat 
die  Corrosion  dahin  gearbeitet,  die  rundlichen  Körper  oder  Scherben 
zu  deutlichen  Sternformen  oder  Pfeilen  mit  Fiederstellung  der  Furchen 
umzuwandeln.  Bei  denjenigen  Stücken  aber,  welche  die  Anzeichen 
einer  erfolgten  Aufschmelzung  des  Glases  an  sich  tragen,  ist  die  In- 
dividualität wieder  verloren  gegangen;  die  grobe  Sculptur  ist  ver- 
schwunden oder  bis  zur  feinsten  Fiederung  herabgesunken,  welche 
zwar  noch  immer  in  ihrer  Anordnung  derselben  Regel  folgt,  wie  die 
gröberen  Kerben,  jedoch  neben  bandförmigen  Streifen  sehr  stark 
zurücktritt.  Gleich  .vielen,  auf  ähnliche  Weise-  verzerrten  vulka- 
nischen A^uswürf lingen,  sind  sie  fast  stets  quer  zerrissen  oder 
gebrochen,  so  dass  fast  nur  von  geradlinigen  Querbrüchen  begrenzte 
walzen-  oder  fladenförmige  Bruchstücke  vorliegen.  Mehr  als  bei  den 
vorhergehenden  Gruppen  ist  man  hier  genöthigt,  beim  Studium  die 
Erscheinungen,  wie  sie  sich  an  mehreren  Stücken  in  stufenweise  Ab- 
änderungen darbieten,  zusammenzufasseji,  und  was  an  einem  einzelnen 
Exemplare  unverständlich  bleibt,  darüber  mag  öfter  der  Vergleich 
mehrerer  Stücke  Aufschluss  geben. 

Eine  der  augenfälligsten  Erscheinungen  an  manchen  Stücken 
ist  die  der  gezerrten  Blasenräume. 

Beispiel  Nr.  32.  Tat".  VI,  Fig.  5.  (Coli.  Seh warzenberg.) 
Ein  ganz  hellgrünes  Bruchstück  aus  der  Unigebung  von  Budweis, 
ist  oberflächlich  ein  wenig  matt,  anscheinend  vom  Wasser  abge- 
waschen, und  von  Quer-  zur  Fluidalstreifung  an  nachträglich  ab- 
gestossenen  Brüchen  begrenzt.  Auf  der  rechten  Seite  der  Figur  sieht 
man  einen  birnförmigen  Blasenraum ;  die  obere  Hälfte  der  läng- 
lichen Blase  ist  aufgebrochen  und  die  innere  Blasenwand  liegt  zu 
Tage.  Die  untere  Hälfte  ist  noch  durch  eine  Glashaut  gedeckt  und 
mit  schwer  zu  entfernender  lehmiger  Unreinigkeit  ausgefüllt.  Die 
innere  Blasenwand  ist  mit  einer  äusserst  zarten  Längsstreifung  be- 
deckt, welche,  wie  man  bei  genauester  Betrachtung  unter  der  Lupe 
stehen  kann,  an  dem  zugespitzten  Ende  der  Blase  zu  eliptisch  con- 
centrischen  Streifen  umbiegt.  Unmittelbar  neben  der  Blase  befindet 
sich  eine  unverkennbare  zweite,  weit  grössere  Blasenwand ;  sie  muss 
sich   gegen    oben   noch    weit  über   die    gegenwärtige    Dimension    des 


304 


Dr.  Franz  E.  Siiess. 


112J 


Bruchstückes  hinaus  erstreckt  liabeii.  Der  untere  Theil  ist  durcli 
einen  frischen  Bruch  beschädigt.  Der  grösste  Theil  der  Blasenwände 
ist  durch  die  Corrosion  entfernt,  nur  eine  klippenartig  überhängende 
Partie  an  der  linken  Seite  deutet  noch  an,  dass  das  breite,  fast 
glatte  Band  ringsum  von  Glas  umschlossen  war.  Die  Längsstreifung 
ist  um  ein  geringes  deutlicher  und  schärfer  als  in  der  kleinen  Blase, 
doch  ist  sie  nicht  so  regelmässig  und  die  Umbieguug  am  Ende  lässt  sich 
vielleich  wegen  der  daselbst  vorhandenen  Störungen  nicht  beobachten. 
Die  Streckung  der  Blasen,  welche  parallel  der  Fluidalstreifung 
erfolgt  ist,  beweist,  dass  die  Glasmasse  im  erweichten  Zustande  eine 
Zerrung  erlitten  hat;  freilich  ist  vorläufig  noch  nicht  gesagt,  ob  das 
schon  in  einem  früheren  Zustande  oder  erst  während  der  Ankunft 
auf  die  Erde  der  Fall  war. 

Oft  liegen  die  bandai'tigen  Blasenwände  zu  Tage  und  wie  zahl- 
reiche Uebergänge  beweisen,  können  sie  sehr  lang  und  schmal  werden ; 
dann  sind  sie  als  geglättete,  glänzende,  dünne,  meist  längsgestreifte 
Bänder,  meist  in  paralleler  Richtung  mit  der  Fluidalstructur  in  die 
Oberfläche  der  Stücke  eingesenkt;  ich  bezeichne  sie  als  „Blaseu- 
bahnen".    Fig.    28   gibt   die    vergrösserte   Abbildung    einer    solchen 


Vis.  28. 


Fig.  29. 


Fig.  28  11.  29.  Bruchstück  mit  gezerrteii  Blasenräumen  (28)  und  „Blasenbahnen"  (29). 
Umgehung  von  Budweis.  Vergrösserung:  5:0. 


Blasenbahn,  an  deren  sackförmigen  Knde  noch  ein  Theil  der  äusseren 
Blasenwand  vorhanden  ist.  Auf  der  anderen  Seite  desselben  Stückes 
(Fig.  29)  sieht  man  mehrere  tiefe  Bahnen  sich  bogenförmig  über 
die  ganze  Länge  des  Stückes  hinziehen ;  sie  sind  oflenbar  auf  dieselbe 
Weise  entstanden.  Da  die  Blasen  meist  plattgedrückt  sind,  kommt 
es  häufig  vor,  dass  ihre  biosgelegten  Bahnen  seitlich  unter  spitzem 
Winkel  in  die  Glasmasse  einschneiden.  —  Ein  plattenförmiges  Stück 


|llä]  Hie  Herkunft  der  MoMavito  und  verwandter  (iliiser.  305 

mit  längsgestreifter,  getiederter  Oberfläche,  in  Form  eines  quer  ge- 
brochenen, dicken  Fladens,  ist  durdizogen  von  einer  an  beiden  Quer- 
brüchen offenen,  röhrenförmig  plattgedrückten  Höhlung,  die  durch 
lehmige  Substanz  erfüllt  ist ;  es  ist  offenbar  eine  langgezogene  Blase, 
die  durch  den  (^)uerbru(li  auf  beiden  Seiten  geöffnet  worden  ist. 
Äehnliche,  später  ausgefüllte  Hohlräume  machen  b(M  flüch'tiger  Be- 
trachtung manchmal  den  Kindruck,  wie  wenn  man  einen  fremden 
Einschluss  im  Moldavite  vor  sich  hätte.  Man  wird  aber  stets  leicht 
nachweisen  können,  dass  Lehm  oder  Ocker  in  einen  aufgebrochenen 
Blasenraum  eingedrungen  ist.  Das  erwähnte  Stück  ist  auch  an  den 
Querbrüchen  ziemlich  stark  zerrissen,  und  zwar  besieht  die  Bauhigkeit 
aus  lauter  grösseren  und  kleineren  rundlichen  Einbohrungen ;  man 
sieht  gleichsam  auf  den  Stirnbruch  der  extrem  entwickelten  Fluidal- 
streifung  und  man  kann  sich  überzeugen,  dass  der  ganze  Fladen  sich 
während  der  Zerrung  in  einem  i)lasenreichen  Zustande  befunden 
hat,  wenn  auch  der  Blasenreichthuni  bei  weitem  nicht  den  Grad  er- 
reicht hat,  der  bei  ähnlich  gestalteten  vulkanischen  Auswürflingen 
die  Regel  ist. 

Die  Blasenbildung  an  der  Oberfläche  äussert  sich  in  sehr  ver- 
schiedenen Formen  :  bald  haben  sich  die  obigen,  glatt  gestreiften 
Bahnen  zwischen  der  Fluidalstructur  entwickelt,  bei  denen  es  vielleicht 
nicht  nothwendig  wird,  anzunehmen,  dass  sie  jemals  als  ganze  Röhren 
existirt  haben  und  die  vielleicht  im  Entstehen  sofort  zerrissen  sind 
und  einen  geglättet  ausgezogenen  Streifen  hervorgebracht  haben. 
Manchmal  sind,  wie  erwähnt,  noch  die  sackförmigen  p]ndigungen  vor- 
handen (Fig.  28):  hie  und  da  sind  breitere  sackförmige  Eindrücke 
vorhanden,  mit  theilweise  noch  überhängenden  Rändern ;  sie  gehen  in 
flachere,  langgestreckte  Eindrücke  über,  welche  von  den  Kerben  wohl 
unterschieden  sind.  In  ihrer  Streckung  fallen  sie  stets  mit  der  Fluidal- 
structur zusammen  und  sind  unabhängig  von  den  äusseren  Umrissen. 
(Taf.  II.  Fig.  (i.) 

Beispiel  Nr.  33.  Taf.  VI.  Fig.  G.  Vergrössert:  5:3.  (Gull. 
Sc  h  warzenberg.)  Umgebung  von  i^udweis. 

Oberflächlich  nur  wenig  abgestossen,  hellgrün.  Das  fladenförmige 
Stück  ist  ort'enbar  durch  Aufschmelzung  hervorgegangen  aus  einem 
Absprengling  mit  einseitig  verdicktem  Rande,  vergleichbar  den  Stücken 
Fig.  21  und  22  (S.  300  und  301).  In  der  Figur  ist  die  verdickte  Seite 
rechts;  ich  bezeichne  Stücke  von  diesem  Typus  als  „Vorhänge". 
Beide  Breitseiten  sind  ebenflächig.  Die  zackige,  zugeschärfte  Kante 
ist  durch  frische  Ausbrüche  beschädigt,  so  dass  die  am  dünnsten  aus- 
gezogenen Randtheile  nicht  mehr  vorhanden  sind.  Auf  beiden  Breit- 
seiten befindet  sich  eine  Anzahl  von  gestreckten  Eintiefungen,  welche 
durch  ihre  weichen  Formen  wohl  unterschieden  sind  von  den  Kerben 
oder  Hohlkehlenschlägen.  Die  Streckung  folgt  genau  der  Fluidal- 
streifung.  w^elche  allerdings  auf  der  abgebibleten  Seite  nur  wenig 
hervortritt.  Auf  derselben  Seite  stellen  sich  am  breiteren  Ende  des 
Fladens  drei  breitere  Mulden  ein,  die  von  kleineren,  bläschenartigen 
Ovalen  umgeben  sind.  Ein  dem  linken  Rande  der  Figur  genäherter, 
vorspringender  und  etwas  überhängender  Zacken  weist  auf  die  Blasen- 


H06  t)r-  Franz  E.  Suess.  [114] 

iiatur  der  benachbarten  Mulde  bin.  Die  ganze  Fläche  ist  ausserdem 
mit  feiner  „Fiederung"  überzogen,  die  in  den  Furchen  deren  Längs- 
erstreckung folgt,  und  ausserhalb  derselben  allseitig  dem  Rande  zu- 
strömt. Zum  verdickten  Rande  sind  die  einzelnen  kleinsten  Eindrücke 
senkrecht  gestellt.  Am  Querbruche  des  zugespitzten  Endes  befinden 
sich  einige  rundliche  Einbohrungen  ;  es  sind  das  aufgebrochene  Blasen, 
welche  beweisen,  dass  auch  im  Innern  des  Glases  sich  Gase  aus- 
geschieden haben. 

Grosse  Aehnlichkeit  mit  solchen  Stücken  zeigen  die  Abbildungen 
mancher  fladenartiger  vulkanischer  Auswürflinge,  deren  Oberfläche 
ganz  bedeckt  ist  mit  langgezogenen  Blasen  ^).  Allerdings  ist  bei  diesen 
die  blasige  Beschaffeidieit  der  Masse  entstanden  durch  die  ursprüng- 
lich im  Magma  cntiialtenon  Gase,  die  sich  durch  die  yVbkühlung 
während  des  Fluges  ausgeschieden  haben. 

Aber  auch  an  compacten  ()bsidianbomi)en  sieht  man  manchmal 
eine  ähnliche  grubige  Beschaffenheit  der  Oberfläche,  welche  durch 
Blasenbildung  entstanden  sein  mag.  Manche  Obsidianbomben  von  Tokay 
z.  B.  sind  ganz  bedeckt  mit  ziemlich  scharfkantig  umgrenzten  rund- 
lichen und  ovalen,  flachen  Gruben,  die  meistens  im  Sinne  der  gut 
wahrnelnr.baren  Fluidalstructur  gestreckt  sind.  Mit  den  Näjjfchen  der 
Moldavite  sind  diese  Gruben  sicher  nicht  zu  vergleichen;  ich  ver- 
niuthe.  dass  sie  durch  pjnwirkung  der  Atmosphäre  auf  die  noch  weiche 
Masse  hervorgerufen  worden  sind.  Die  Bewegung  war  zu  langsam,  als 
dass  Kerbung  oder  Fiederung  hätte  (!i)tstehen  können,  dagegen  war 
die  Masse  mehr  zäh  flüssig  als  die  der  Moldavite,  so  dass  der  Luft- 
druck trotz  der  geringeren  Geschwindigkeit  noch  Eindrücke  erzeugen 
konnte.  Auf  diese  Weise  entstandene  Gruben  werden  eine  nahe  Ver- 
wandtschaft besitzen  zu  solchen,  die  durch  Verschlucken  und  rasches 
Neuausscheiden  der  Luft  in  Form  von  Blasen  zustande  kommen; 
ja  ich  glaube,  dass  es  schwer  sein  wird,  zwischen  beiden  eine  strenge 
Grenze  zu  ziehen  und  sie  überhaiipt  von  einander  zu  unterscheiden"^). 

Mit  diesen  Bildungen  an  vulkanischen  Auswürflingen  möchte  ich 
die  mehr  rundlichen,  blasenartigen  Eindrücke  vergleichen,  welche 
häufig  an  stark  gezerrten  Moldaviten  auftreten. 

Am  häufigsten  findet  man  sie  an  dünnen  „Vorhängen".  Sie  sind 
durch  [Jebergänge  mit  den  „Blnsenbahnen"  und  sackförmigen  Endi- 
gungen (wie  auf  Fig.  28)  verbunden.  Von  den  Kerben  unterscheiden 
sie  sich  ausser  der  häufigen  Streckung  nach  der  Fluidalstructur  und 
der  wechselnden  Grösse  an  einem  Stücke,  auch  noch  oft  durch  die 
bei  Blasenräumen  vorkommende ,  fein  concentrische  Streifung  der 
Innenfläche  (siehe  die  nachstehende  vergrösserte  Fig.  30). 

^)  Vgl.  z.  B.  0.  Fl  aas,  Beobachtungen  an  den  vulkanischen  Auswürflingen 
im  Ricss.  Stuttgart.  Jahreshefte  d.  Ver.  f.  Naturk.  188i,  Bd.  40,  S.  41,  u.  A.  Bergeat, 
Die  äolischen  Inseln.  Al)hdlg.  d.  bayer.  Akademie  d,  Wiss.  XX.  Bd.,  1899,  I.  Ab- 
thlg.,  Taf.  XXIII. 

-)  Eine  ähnliche  Entstehung  dürfte  auch  der  blasigen  Oberfläche  der  von 
W.  Bergt  abgebildeten  Bombe  aus  Colombia  zuzuschreiben  sein.  W.  Reis8  und 
A.  Stübel:  Reisen  in  Südamerika.  Berlin  1890.  (Jeol.  Studien  d.  Republik  Co- 
lombia. II.  Petrographie.  Taf.  VIII. 


[115]  Die  Herkunft  der  Moldavitc  und  verwandter  Gläser.  307 

Eine  weitere  häufige  Ersclieimiiig  der  anscheinend  durch  Blasen- 
bildung entstandenen  Gruben  und  Grübchen  auf  der  Oberfläche  der 
gezerrten  Stücke  ist  die  reihenförmige  Anordnung  entlang  der  Bän- 
der von  Fluidalstreifen  (Taf.  VI,  Fig.  Ab).  Es  macht  den  Eindruck, 
wie  wenn  während  der  Zerrung  eine  lleihe  von  Bläschen  in  einer 
Kette   von  kleinen  Explosionen  entstanden  und  geplatzt  wäre  i). 

Bei  Besprechung  des  Beispieles  Nr.  29  war  von  Blasen  die 
Rede,  welche  in  der  Mitte  der  concaven  Seite  durch  locales  Auf- 
schmelzen zustande  gekommen  sein  sollen.  Sie  werden  gewiss  das 
erste  Stadium  der  Blasenbildung  darstellen  und  gehören,  da  sie  sich 
noch  auf  einem  der  Hauptsache  nach  starrem  Körper  gebildet  haben, 
einem  anderen  Typus  an,  als  diejenigen,  die  durch  reichliche  Gas- 
ausscheidung auf  der  Oberfläche  verzerrter  Fladen  entstanden  sind. 
Fig.  22,  23  und  Fig.  26,  27  zeigen  solche  Blasengruben  in  grösserer 
Anzahl  und  in  grösserem  Masstabe ;  es  fällt  hier  wie  auch  bei 
anderen  Stücken  die  Halbmondform   einzelner  Blasengruben  auf,  die 


Fig.  30. 


Dünne   Moldavitplatte  (Vorhang)   überdeckt   mit   Blasengruben,   ähnlich   manchen 
vulkanischen  Bomben.  Umgebung  von  Budweis.    Vergrösserung:  ^/g. 

sonst  charakteristisch  ist  für  die  durch  Verwitterung  entstandenen 
Grübchen.  Man  könnte  vielleicht  geneigt  sein,  dieselben  hier  auch 
als  Verwitterungserscheinungen  zu  betrachten,  trotzdem  sie  die  ge- 
wöhnlichen Verwitterungsringe  der  Moldavite  an  Grösse  weit  über- 
treffen (s.  S.  252,  Fig.  5);  andere  Stücke  geben  aber  darüber  Auf- 
schluss,  dass  diese  gebogenen  Gruben  unbedingt  noch  während  des 
Fluges  gebildet  worden  sein  müssen,  denn  die  feine  Fiederung 
oder  Gouffrirung  überzieht  die  Wände  der  Gruben  ebensowohl 
wie  die  übrige  Oberfläche. 


^)  Ueber  Blasenbildung  siehe  noch  unten  S.  314. 
Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Ueichsanstalt,  1900,  ."iO.  Band,  2.  Heft.  (Fr.  E,  Suess.)  40 


308 


Dr.  Franz  E.  Suess. 


116] 


Beispiel  Nr.  34.  Taf.  VI,  Fig.  7  und  Textfigur  31.  (Sammlung 
K  ü  r  s  c h  n  e  r.)  Koroslep.  Lichtgrün,  glänzend. 

Bruchstück  einer  tiaclien,  ovalen  Scheibe  mit  ein  wenig  wulstig 
verdicktem  Bande;  es  zeigt  in  vollkommenster  Weise  den  gerad- 
linigen Querbruch,  der  bei  solchen  Stücken  liäufig  ist.  Beide  Flächen 
sind  etwas  ungleich  beschatten:  auf  der  einen  Seite  herrschen  die 
Streifen  der  Fluidalstructur  vor  (Fig.  31),  welche  hier  einen  beiläufig 
concentrischen  Verlauf  besitzen,  parallel  dem  bogenförmigen  Umrisse ; 
auf  der  anderen,  offenbar  älteren  Fläche  überwiegen  die  bogenförmig 
verzogenen    Blasengruben.    Zwischen  diesen  Gruben,   beiläufig  in  der 

Fig.  31. 


Convcxe  Seite  der  zerspriiDgenen  Scheibe  mit  Anzeichen  von  Aufschmcl/Jing. 
Beisp.  34,  Taf.  VI,  Fig.  7.  Vergrösserung:  %. 


Mitte  der  ergänzt  zu  denkenden  Scheibe,  befinden  sich  Flächenpar- 
tien, welche  mit  kleineren  polygonalen,  näpfchenartigen  Vertiefungen 
bedeckt  sind.  Man  hat  es  aber  hier  nicht  mit  den  eigentlichen  runden 
Näpfchen  zu  thun  (wie  z.  B.  auf  Taf.  V,  Fig.  2),  sondern  es  scheint 
nur  eine  Partie  mit  richtungslos  enggedrängten  Kerben  in  der  Mitte 
der  Sciieibe  erhalten  geblieben  zu  sein,  welche  dem  ganzen  Charakter 
nach  der  mittleren  Partie  der  Scheibe  Taf.  V,  Fig.  5  gleichkommt. 
Gegen  den  Band  zu  sind  die  Kerben  ganz  verloren  gegangen  und 
die  regellos  gekrümmten  Blasenfurchen  bekleiden  auch  in  ziemlieher 


[117]  r^ie  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  309 

Menge  die  liunclpartie.  Die  aus  zahllosen  kleinsten  Furchen  bestehende 
„Fiederung"  in  den  Gruben  ist  auf  der  Abbildung  Taf.  VI,  Fig.  7 
gut  wahrnehmbar ;  sie  folgt  genau  demselben  Gesetze,  wie  die  gröbere 
Kerbung  oder  Furchung  der  mährischen  Stücke,  ist  genau  ebenso 
in  der  Tiefe  der  Furchen  gestreckt  und  strömt  seitwärts  über  die 
Abhänge  nieder;  man  vergleiche  z.  B.  die  Furchen  in  den  grösseren 
Aussprengungen  auf  Taf.  111,  Fig.  1  c. 

Oben  wurde  bereits  auseinandergesetzt,  dass  wahrscheinlich 
nach  Bildung  der  Näpfchen  zuerst  die  allergröbste  Sculptur  in  Form 
der  Iloh  Ikehlen  s  cliläge  entsteht,  später  bilden  sich  die  kleineren 
Kerben  und  Furchen  und  die  noch  schmälere  secundäre  Fur- 
chung, welche  sich  häufig  innerhalb  der  primären  ansiedelt.  Es 
werden  also  die  Angriffspunkte  der  corrodirenden  Luft  immer  zahl- 
reicher und  enger  aneinander  gedrängt.  Es  ist  eine  naheliegende 
Annahme,  dass  dieses  Feinerwerden  der  Sculptur  mit  der  zunehmenden 
Erwärmung  und  Erweichung  der  Glasmasse  zusammenhängt;  und  es 
entspricht  ihr  auch  die  Erscheinung,  dass,  wenn  die  zähe  Aufschmel- 
zung bis  zum  starken  Hervortreten  der  Fluidalstructur  und  bis  zur 
Blasenbildung  gediehen  ist,  —  dass  dann  nur  mehr  die  allerfeinste 
Furchung  auf  der  weichen,  von  der  Luft  umströmten  Masse  in  Form 
der  „Fiederung"  zur  Entwicklung  kommt.  Nach  den  Erfahrungen 
bei  den  Experimenten  am  Colophonium  entstehen  die  feinsten  Zeich- 
nungen bei  schwächerer  und  kürzerer  Einwirkung;  man  wird  demnach 
vielleicht  annehmen  müssen,  dass  die  feinste  Sculptur  im  letzten 
Stadium  entsteht,  wenn  der  Luftstrom  nicht  mehr  kräftig  genug  ist, 
die  an  der  Oberfläche  geschmolzenen  Theile  wegzureissen. 

Zur  allerfeinsten  „G  ouffrirung"  wird  die  Fiederung  bei 
einzelnen  sehr  stark  gezerrten  Stücken,  bei  denen  die  Fluidalstructur 
in  Form  von  scharfen  Rii)pen  und  gestreiften  Blasenbahnen  die  ganze 
Oberfläche  beherrscht.  Das  Beispiel  Taf.  11,  Fig.  6  zeigt  die  Er- 
scheinung im  vergrösserten  Masstabe.  Die  feinste  Gouffrirung  liegt 
zwischen  den  Rippen  der  Fluidalstructur,  parallel  den  Eintiefungen 
gestreckt,  und  noch  auf  den  schmalen  Querrippen  steht  stets  die 
allerfeinste  Streifung  senkrecht  und  wiederholt  die  Erscheinung  der 
quer  zerhacken  Kanten. 

Schon  bei  der  Beschreibung  der  Oberflächeuerscheinung  hat  sich 
gelegentlich  gezeigt,  dass  mit  der  Aufschmelzung  der  Stücke  eine 
Veränderung  der  Form  verbunden  war;  die  scharfen  Kanten  der 
schaligen  Absprenglinge  sind  verschwunden,  aus  den  plattigen  Stücken 
mit  verdickten  Rändern  (S.  300)  sind  die  fladenf örmigen  (Taf.  VI, 
Fig.  6  und  7)  oder  die  durch  den  Luftzug  dünn  ausgezogenen  „Vor- 
hänge" mit  gefiederten  Rändern  hervorgegangen. 

Beispiel  Nr.  35.  Taf.  VI,  Fig.  4.a—h.  Vergr.  5:3.  (Samml. 
S  ch  Warzen  b  er  g.)  Umgebung  von  Budweis.  Lichtgrün,  sehr  gut  er- 
halten. 

Das  trapezförmige  Stück  besitzt  eine  leichte  Krümmung.  Zwei 
annähernd  parallele  Seiten  sind  durch  geradlinige  Querbrüche  gebildet, 
die  beiden  anderen  Seiten  sind  schön  ausgebildete  gefiederte  Ränder. 
Die    concave  Fläche  (Fig.  4A)  wird   in    erster  Linie  von  der  Fluidal- 

40* 


310  I^'-  Franz  E.  Siiess.  [118] 

streifuiig  beherrscht,  die  theils  zu  gestreiften  Furchen  vertieft  ist, 
theils  in  Form  dünner,  scharfer  Rippen  hervorragt.  Die  Fiederung 
fehlt  in  der  ]\Iitte  der  Fläche  und  beginnt,  n'enn  man  die  Flache 
von  hier  aus  gegen  den  Rand  verfolgt,  ganz  unmerklich,  onne  dass 
man  im  Staude  ist,  eine  Grenzlinie  nur  annähernd  anzugeben,  und 
wird  dann  immer  deutlicher  in  Form  kleinster,  dicht  gedrängter  und 
schwach  gebogener  Furchen,  welche  die  Fluidalstreifen  in  spitzem 
oder  rechtem  Winkel  schneiden.  Der  wohlerhaltene  Rand  (Fig.  4  b 
rechts)  ist  infolge  der  gedrängten  Fiederfurchen  äusserst  dünn  säge- 
förmig  ausgezackt,  der  gegenüberliegende  Rand  ist  theilweise  durch 
frischen  Bruch  verletzt  und  deshalb  die  feinsten  Fiederchen  nicht 
erhalten.  In  der  Nähe  der  rechten  oberen  Ecke  der  Figur  befinden 
sich  in  einer  längliche  Grube  einige  ovale,  flache  Eindrücke,  die  als 
Blasengruben  zu  betrachten  sein  dürften.  Gegen  das  schmale  Ende 
des  Stückes  zu  verschwinden  die  reihenförmigen  Grübchenketten  der 
concaven  Seite  rasch  und  machen  der  Fiederung  oder  „Gouffri- 
rung"  Platz,  die  fernerhin  die  Fluidalstreifung  fast  ganz  verdrängt. 
Stellenweise  macht  es  den  Eindruck,  wie  wenn  die  Fiederung  aus 
einzelnen  solchen  Grübchen  oder  vertieften  Fluidalbändern  sich  aus- 
breitend herausströmen  würde.  Im  übrigen  strömt  sie  nach  allen 
Seiten  radialstrahlig  auseinander  und  die  beiden  Querbrüche  sind 
jedenfalls  erst  nach  der  Ausbildung  der  Fiederung  erfolgt. 

Noch  vollkommener  ist  die  Fiederung  auf  der  convexen  Fläche 
entwickelt  (Fig.  4  a).  Es  macht  den  Eindruck,  wie  wenn  die  zäh- 
geschmolzene Masse  durch  einen  heftigen  Luftdruck  nach  allen  Seiten 
auseinandergeschoben  worden  wäre. 

Die  Mitte  der  oberen  Hälfte  der  Fläche  zeigt  einige  flache, 
gouffrirte  Mulden,  die  durch  wenig  erhabene  Leistchen  zertrennt 
sind ;  nach  beiden  Seiten  ist  diese  Partie  durch  einen  etwas  erha- 
benen und  quer  zerrissenen  bogenförmigen  Kranz  umschlossen,  der 
gegen  die  obere  Kante  zu  nur  durch  einen  frischen  Bruch  unter- 
brochen ist.  Gegen  unten  ist  der  Kranz  offen  und  wie  in  einem  breiten 
Bette  strömt  hier  Fiederung  gegen  den  unteren  Rand.  Ganz  deutlich 
erinnert  die  mittlere  Partie  der  Fläche  an  die  feinglasige  Schmelz- 
riiide  der  Meteoriten  von  Stannern,  welche  durch  den  Luftzug  an 
den  Kanten  der  Stücke  „gleich  einer  abgeblasenen  Milchhaut*  ^)  zu  fein 
gefalteten  Kämmen  zusammengeschoben  ist.  Im  einzelnen  betrachtet, 
scheint  es,  dass  die  Fiederung  dadurch  gezeichnet  wurde,  dass 
kleinste  Furchen  in  das  Glas  hineinmodellirt  wurden;  der  Luftstrom 
scheint  die  im  höherem  Grade  flüssig  gewordenen  Theilchen  heraus- 
gerissen zu  haben.  Nur  an  einzelnen  glatteren  Flächen,  wie  z.  B, 
an  dem  terrassenartigen  Abstürze,  in  der  Figur  links  oben,  sieht  man 
unter  der  Lupe  ein  Netz  von  feinen  erhabenen  Rippen,  was  aber 
der  Figur  allerdings  nicht  zum  Ausdrucke  kommen  kann.  Auf  den 
Steinen  von  Stannern  haftet  aber  tliatsächlich  eine  zähe  Haut,  die 
zu  Falten  gezerrt  worden  ist.  Die  Verschiedenheit  dürfte  auf  dem 
sehr  verschiedenen  Schmelzgrade  beruhen,  und  ohne  Zweifel  wurde  das 


^)  VergJ.   W.  Haidinger.    Eine  Leitform  der  Meteoriten.  Sitzungsberichte 
der  Alcadomic  d.  Wiss.  natiirw.  Cl.,  Bii.  XI,   Wien  18G0,  S.  525. 


[119]  I^io  Herkunft  der  Moldavite  und  verwandter  ülilser.  311 

amorphe  Glas  viel  leichter  verflüssigt,  als  die  Feldspathsubstanzen 
der  Choiidrite.  Jedenfalls  haben  aber  in  beiden  Fällen  die  gleichen 
Kräfte  gewirkt  (s.  unten  den  IV.  Abschnitt  des  Capitels). 

Der  linke  Kand  fällt  in  zweimaliger  terrassenartiger  Abstufung 
zur  sägeförniig  ausgezackten  Kante  ab.  Unmittelbar  unterhalb  der 
am  stärksten  hervorragenden  Oberflächenpartie  ist  sie  zu  einer  blasen- 
artigen Höhlung  seitlich  in  die  Glasmasse  hereingedrückt.  Die  beiden 
scharfkantigen  Ränder  der  Grube  sind  stark  quer  gefiedert.  Der 
oberste  Rand  ist  der  steilste ;  in  der  Seitenansicht  nimmt  man  an  dieser 
Kante  einige  kleinste,  frische  Bruchflächen  wahr,  welche  beweisen, 
dass  hier  einige  Zacken  dachartig  über  Grube  übergehangen  waren,  und 
dass  die  oberste  Terrasse  in  derselben  Weise  sägeförmig  ausgezackt 
war,  ebenso  wie  die  beiden  unteren  parallelen  Kanten.  Die  Zacken 
sind  hier,  sowie  noch  an  anderen  Stellen  des  Stückes,  wegen  ihrer 
allzu  grossen  Zartheit  leicht  abgebrochen. 

Die  beiden  geradlinigen,  älteren  Querbrüche  sind  ziemlich  stark 
corrodirt  im  Sinne  einer  Goutfrirung.  In  der  grösseren  Bruchfläche 
befinden  sich  einige  kleine,  aufgebrochene,  gestreckte  Bläschen  mit 
rundem  Querschnitte. 

Fig.  32. 


Wulstförmiges,  gezerrtes  Bruchstück.  Umgebung  von  Biidweis.  (Sammhing 
Schwarzenberg.)  Natürliche  Grösse. 

Begreiflicherweise  zeigen  die  kleineren  Stücke  die  Aufschmel- 
zungserscheinungen häufiger;  mir  sind  jedoch  auch  einzelne  massigere 
Exemplare  mit  deutlichen  Anzeichen  der  Zerrung  an  der  Oberfläche 
zuhanden  gekommen.  Insbesondere  einige  wulstförmige,  gestreckte 
und  quer  gebrochene  Exemplare  (Fig.  32) ;  auch  an  diesen  Stücken  war 
der  Gegensatz  einer  längsgestreiften  Innenseite  und  einer  mit  un- 
regelmässig gekrümmten  Blasengruben  belegten  Aussenseite  mit  starker 
Fiederung  zu  beobachten. 


31Ö  r^i'-  Franz  E.  Suess.  [1201 

Eine  weitere  Ersclieiming,  welche  die  Annahme  einer  vorüber- 
gehenden Aufschmelzung  mancher  Stücke  bestätigt  und  eine  weitere 
Analogie  darbietet  zu  vielen  vulkanischen  Auswürflingen,  konnte  ich 
an  einigen  wenigen  Exemplaren  beobachten.  Es  ist  das  die  Erschei- 
nung der  wirbelartigen  Drehung  der  Fluidals  treif  e  n. 

Beispiel  Nr.  36.  Taf.  YII,  Fig.  8  a—c.  (Sammlung  S  c  h  w  a  r  z  e  n- 
berg.)  Umgebung  von  Biidweis.  Im  auffallenden  Lichte  schwärzlich- 
grün, im  durchfallenden  hellgrün. 

Das  länglich  plattgedrückte  Stück  ist  noch  während  des  Falles 
an  einer  unregelmässigen  Fläche  quer  gebrochen,  so  dass  nur  mehr 
eine  freie  Endigung  erhalten  ist.  Die  Oberfläche  ist  bedeckt  von 
schmäleren  und  breiteren  Streifen  nach  Art  der  Blasenbahnen.  Die 
breiteren  unter  ihnen  sind  durch  feine  Bippen  der  Länge  nach  ge- 
streift und  besitzen  eigenthümliche,  erhaben  verdickte  und  unregel- 
mässig gequollene  Bänder,  die  den  Eindruck  machen,  dass  sie  aus 
einem  aufgeschmolzenen  Zustande  erstarrt  seien.  (Fig.  8  a  Mitte.)  Die 
feine  Streifung  in  den  Bändern  entspricht  offenbar  der  Fluidalstructur, 
welche  in  demselben  Sinne  gestreckt  ist.  Die  Längsstreifen  vollziehen 
gegen  das  gerundete  Ende  des  Stückes  eine  anfangs  sehr  gestreckte, 
dann  aber  rasch  sehr  enge  werdende  spirale  Drehung,  welche  nach 
dem  oberen  Ende  alle  Streifen  zu  einem  querliegenden  Zipfel  zu- 
sammenzieht. Da  dürfte  die  Spirale  ein  etwas  hervorragendes  Ende 
besessen  haben,  welches  aber  durch  einen  ganz  kleinen,  frischen 
Bruch  beschädigt  ist. 

An  der  Oberfläche  des  Stückes  sind  mehrere  grössere,  gruben- 
artige Vertiefungen  unregelmässig  verstreut ;  die  grosse  Mehrzahl 
derselben  ist  anscheinend  der  Gestalt  nach  von  der  Zerrung  der 
Masse  beinflusst,  indem  sie  entweder  in  ihrer  Längserstreckung  mit 
der  Streifung  zusammenfallen  oder  wenigstens  schief  verzogen  sind 
(Fig.  8  c).  Nur  auf  der  einen  Breitseite  (Fig.  8  a)  liegt  eine  blasen- 
artige Grube,  unbeeinflusst  quer  in  der  gestreiften  Oberfläche  tief  ein- 
gesenkt; dagegen  ist  an  ihr,  wie  es  scheint,  ein  bandförmiger  Streifen 
seitlich  verschoben.  An  ihrem  unteren  Rande  ist  ein  kleines  Stück 
frisch  herausgebrochen.  Alle  verzerrten  Gruben  zeigen  an  den  Rän- 
dern und  in  der  Tiefe  die  Fiederung,  und  zwar  in  einer  Weise, 
welche  ebenfalls  auf  einen  Einfluss  der  Zerrung  hindeutet,  indem  sie 
in  der  Längsrichtung  des  Stückes  einzelne  Ausläufer  aus  den  Ver- 
tiefungen heraus  entsendet.  Nur  in  der  Tiefe  der  einen  quergestellten 
Grube  fehlt  die  Fiederung  vollkommen  ;  es  ist  nur  eine  sehr  feine 
Querstreifung  vorhanden,  welche  in  ihrer  Richtung  mit  der  Fluidal- 
streifung  zusammenfällt.  Diese  eine  Grube  dürfte  demnach  erst  nach 
erfolgter  Zerrung,  vielleicht  durch  das  Aufbrechen  einer  Blase  während 
des  Erkaltens  im  zweiten  Stadium  des  Absturzes  entstanden  sein.  Ln 
übrigen  folgt  die  ziemlich  kräftige  Fiederung  den  gewöhnlichen  Regeln 
und  liegt  quer  auf  den  einzelnen  kammartigen  Erhöhungen  zwischen 
den  vertieften  Bändern. 

Die  Analogie  des  Stückes  mit  den  zusammengerollten  oder  tau- 
förmig  gewundenen  vulkanischen  Auswürflingen  ist  zwar  keine  voll- 
kommene,   denn    diese    sind   zumeist   durch    Zusammenrollen    fladen- 


[1211  r)ie  Ilerkunft  der  Moldavitc  und  verwandter  Gläser.  313 

förmiger  Fetzen  im  Fluge  eutstaiuleii  i),  was  bei  der  compacten  Be- 
schaffenheit des  Moldavites  niclit  angenommen  werden  kann,  aber 
dennoch  kann  kaum  ein  Zweifel  darüber  bestehen,  dass  der  Moldavit 
ebenso  wie  die  Auswürflinge  eine  Drehung  und  Zerrung  im  auf- 
geschmolzenen Zustnnde  erlitten  haben.  Wenn  der  zähe  Zapfen  sich 
ttintengeschossartig  drehend  durch  die  Luft  bohrt,  mögen  als  eine 
Art  negativer  spiraler  Geschossziehung  die  vertieften  Spiralen  Furchen 
zum  Vorschein  kommen. 

Die  grösseren  Gruben  dürften  durch  das  Aufreissen  weiter  in 
der  Tiefe  gebildeter  und  zum  Theil  vielleicht  schon  ursprünglich  vor- 
handen gewesener  Blasen  entstanden  sein. 

Beispiel  Nr.  37.  Taf.  VII,  Fig.  1  a — c.  (Sammlung  S  c  h  w  a  r  z  e  n- 
berg.)  Umgebung  von  Budweis.  Lichtgrün. 

Nach  dem  Grade  der  Corrosion  wäre  dieses  Beispiel  eigentlich 
nicht  hieher  zu  stellen,  denn  es  ist  noch  keine  Fiederung  an  seiner 
Oberfläche  entwickelt.  Vielmehr  wäre  es  dem  Charakter  und  der 
Grösse  der  Kerben  nach  den  Beispielen  Nr.  29  und  31  an  die 
Seite  zu  stellen.  Bei  der  Beschreibung  von  Nr.  29  wurde  gesagt, 
dass  anscheinend  bei  einem  gewissen  Grade  von  Erwärmung  neben 
den  kürzeren  Kerben  auch  noch  längere,  schmale,  längsgestreifte 
Furchen  zur  Entwicklung  kommen,  deren  Verlauf  zum  Theil  von  der 
Fluidalstructur  bestimmt  wird  und  welche  einen  Uebergang  bilden 
zu  den  eben  erwähnten  Blasenbahnen.  Auch  an  dem  vorliegenden, 
plattgedrückt  ovalem  Stücke  kann  man  kleine,  normale  Kerben  und 
bandstreifige  Furchen  unterscheiden.  Die  ersteren  folgen,  obwohl  sie 
auf  den  stark  zerrissenen  Breitflächen  unregelmässig  gestellt  sind,  allem 
Anscheine  nach  normalen  Regeln,  insbesondere  liegen  sie  in  deut- 
lichster Weise  quer  über  den  schmalen  Zonen.  (Fig.  1  e.)  Die  vertieften 
Bandstreifen  sind  am  gerundeten  Ende  zu  einer  ganz  engen  Spirale 
zusammengedreht,  die  sich  gegen  die  Mitte  des  Stückes  rasch  erweitert 
und  in  mehrere  grösseren,  stark  gekerbten  und  verzogenen  Gruben 
mündet,  in  welchen  sie  sich  verbreiternd  allmälig  verliert.  Im  ganzen 
ist  die  Erscheinung  nahe  verwandt  der  an  obigem  Stücke,  nur  ist 
das  ganze  Stück  kürzer  und  die  Spirale  breiter  und  enger  zusammen- 
gedrängt; an  Stelle  der  Fiederung  ist  hier  noch  Kerbung  vorhanden, 
beide  sind  aber  nur  dem  Grade  nach  verschiedene  Erscheinungen. 
Am  unteren  Ende  befinden  sich  mehrere  verzogene  und  im  Innern 
sculpturirte  Blasengruben.  Die  gestreckte  Fluidalstructur  ist  noch  an 
mehreren  Stellen,  als  feinste  Streifung,  die  Kerben  und  Grubensculptur 
durchscheinend,  zu  sehen  und  setzt  ausserdem,  zu  vertieften  oder 
kantig  abgestuften  Bändern  zusammengedrängt,  in  senkrecht  welligem 
Verlaufe  die  Spirale  bis  zum  unteren  Ende  des  Stückes  fort.  Hie 
und  da  schneiden  solche  Fluidalbänder  die  Kerben  in  senkrechter 
Richtung  (Fig.  1  c  unten) ;  an  anderen  Stellen  sind  die  Kerben  im 
Grunde  sehr  fein  gestreift  oder  beide  Sculpturformen  lassen  sich 
nicht  mehr   scharf   trennen   und    scheinen  in  einander  überzufliessen. 


*)  0.  Fraas   1.  c.  und  F.  l^erwerth.  Ueber  vulkanische  Bomben  von  den 
canarischen  Inseln.  Annalen  d.  natiirhist.  Hofmuseums.  Wien,  Bd.  II,  1894,  S.  399. 


314 


Dr.  Franz  E.  Siiess. 


[122] 


Blasenrännie. 

Anhangsweise  sei  hier  noch  das  Vorkommen  von  grösseren  Bhisen- 
räumen,  namentlich  bei  den  Stücken  der  Biidweiser  Gegend,  erwähnt. 
Man  kann  Blasen  von  der  Grösse  einer  Erbse,  rund,  linsenförmig 
oder  eiförmig  in  die  Länge  gezogen,  nicht  allzuselten  in  abgerollten 
massigeren  Stücken  wahrnehmen  ^j.  Grössere  Blasenräume  habe  ich 
nur  in  aufgebrochenem  Zustande  gesehen;  die  Wände  sind  meistens 
glatt  oder  zeigen  nur  geringe  Spuren  von  Corrosion  im  Gegensatz  zu 
den  hocligradig  corrodirten  Aussenflächen  der  Stücke.  Die  Blasen 
sind  meistens  verdrückt  und  verzerrt,  und  niemals  habe  ich  etwas 
gefunden,    was  sich  mit  der  Regelmässigkeit  der  australischen  Hohl- 

Fi?.  33. 


Fiff.  34. 


Fig.  33  und  34.  Aufgebrochene  Blasenräume  in  Moldavitcn  der  Budweiser  Gegend. 

(Fig.    33    Mineralogisches    Institut    der    böhmischen    Universität    Prag.     Fig.    34 

Sammlung  Schwarzenberg'.)  Isatürliche  Grösse. 


kugeln  vergleichen  Hesse  (s.  unten  Fig.  47).  In  der  Fig.  33  ist  der 
grösste,  mir  bekannt  gewordene  Blasenaufbruch  abgebildet;  das  Stück 
verdanke  ich  Herrn  Prof.  C.  Vrba.  Man  sielit,  dass  die  Aussenfiäche 
des  Stückes  in  hohem  Grade  zerhackt  und  corrodirt  ist.  Der  Rest 
des  plattgedrückten  grossen  Blasenraumes  bildet  eine  glatte,  rinnen- 
förmige  Aushöiilung;  daran  sind,  durch  dünne,  theilweise  aufgebrocliene 
Wände  getrennt,  mehrere  kleine  Blasen  angeschlossen,  welche  in  dem- 
selben Sinne   wie   die   grosse    Bhise    verzerrt   sind.     An  dem    Stücke 


^)  Herr  Prof.  F.  Exner  prüfte  einzelne  grössere  Blasenrädme  auf  die  Mög- 
lichkeit einer  spectro^kojjisclien  Untersuchung  ihres  Inhaltes;  sie  konnten  jedoch 
auch  in  den  htärksten  elektrischen  Wechselfeldern  (Teslaströmen)  nicht  zum 
leuchten  gebracht  werden,  woraus  hervorgeht,  dass  das  Gas  in  denselben  nicht 
sehr  verdünnt  sein  kann. 


[123]  Die  Herkunft  der  Moldavito  iiiul  verwandter  Gläser.  315 

Fig.  34  sind  zwei  grössere  Blasenräume,  ebenfalls  nur  durch  eine 
dünne  Wand  getrennt,  in  paralleler  Streckung  enge  aneinander  ge- 
schlossen ;  eine  Erscheinung,  die  ich  auch  bei  anderen  Stücken  hie 
und  da  beobachten  konnte.  Das  ziemlich  abgerollte  Stück  Fig.  35, 
aus  der  Sammlung  des  Herrn  Dr.  Perlep,  zeigt  ebenfalls  eine  eigen- 
thümliche  Erscheinung,  die  sich  bei  drei  mir  bekannten  Exemplaren 
allerdings  nicht  in  so  deutlicher  Weise  wiederholt.  Eine  runde  Blase 

Vig,  35. 


Moldavit  mit  Blasenraum  und  Furchenstern.  (Sammlung  Perlep.)  Natürliche  Grösse. 

liegt  beiläufig  in  der  Mitte  eines  ebenen  Flächenstückes ;  die  tiefein- 
gehackten  Kerben,  welche  sich  dem  Typus  der  „Fingernageleindrücke" 
nähern,  bilden,  wie  gewöhnlich,  auf  der  ebenen  Fläche  einen  radialen 
Stern,  der  von  der  Höjilung  mit  den  überhängenden  Wänden  auszu- 
strahlen scheint.  Ich  wage  es  nicht,  zu  entscheiden,  ob  die  centrale 
Lage  der  aufgebrochenen  Blase  nur  als  ein  zufälliges  Zusammenfallen 
zu  betrachten  ist,  oder  ob  irgend  ein  dynamisches  Moment  das  Auf- 
brechen der  Blase  und  die  Lage  des  Kerbensternes  verbindet. 


Die  starken  Schwankungen  in  den  Dimensionen  der  Moldavit- 
sculpturen  von  den  tiefen  Gruben  der  Kernstücke,  bis  zur  feinsten 
Fiederung  und  Goutfrirung,  welche  dennoch  eine  in  allen  Uebergängen 
zusammenhängende  Beihe  bilden,  verrathen,  dass  deren  Enstehungs- 
bedingungen  sehr  empfindlich  gewesen  sein  müssen  in  Bezug  auf  die 
Grade  und  Formen  der  Einwirkung.  An  den  Kernstücken  sind  die 
Gruben  noch  gleich  den  Piezoglypten  der  meisten  Meteoriten  rich- 
tungslos gestellt;  einerseits  ist  bei  diesen  die  Scnlptur  noch  zu  grob 
um  sich  an  die  kleineren  Flächen  anschmiegen  zu  können,  anderseits 
sind  die  Kernstücke  überhaupt  nur  Bruchstücke,  und  an  den  kleinen 
Resten,  der  früher  grösseren  Flächen  wäre  eine  Gesetzmässigkeit  der 
Sculptur  nicht  mehr  erkennbar.  Erst  wo  an  Stelle  der  rundlichen 
Gruben  die  länglichen  Kerben  treten,  folgen  sie  den  Krümmungen  der 
Flächen;  es  sind  die  Luftabströmungslinien,  welche  sie  in  Form 
von  Sternzeichnungen  auf  den  ebenen  Flächen  und  in  L'orm  der  quer- 
gestellten Kerben  in  den  Kantenzonen  zum  Ausdrucke  zu  bringen 
bestrebt  sind.  In  den  Sculpturen  mittleren  Grades  ist  die  höchst  be- 
zeichnende Erscheinung  am  allerdeutlichsten.     Sie   bleibt   auch  dann 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reiclisanstalt,  1900,  50.  Band,    2.  lieft.  (Fr.  E.  Siicss.)       41 


318 


Dr.  Franz  E.  Suess. 


[12G] 


bei  diesen,    sind    die   Rillen   an    demselben  Stücke    stets   beiläufig  in 
demselben  Maßstabe  ausgebildet. 

Trotz  der  grossen  Aebnlichkeit  der  mährischen  Moldavite  mit 
den  Billitoniten,  wird  man  nach  der  gegenwärtigen  Erfahrung  doch 
in  der  grössten  Mehrzahl  der  Fälle  die  Stücke  leicht  trennen  können, 
und  zwar  durch  zwei  Eigenthümlichkeiten  der  Sculptur.  Erstens  fehlt 
nämlich  den  F u  r  c li  e  n  der  B i  1 1  i  t  o n i  t e  der  an  den  M o  1- 
daviten  beobachtete  ges  etz  massige  Verlauf  gänzlich, 
oder  er  ist  nur  in  unbestimmten  Andeutungen  zu  be- 
obachten; sie  bilden  nicht  die  für  die  Moldavite  so  bezeichnenden 
auseinanderstrahlenden  Sternformen.  Und  zweitens  durch  eine  eigen- 
thümliche   Sculpturform,    den    sogenannten    „Höfchen"    (Verbeek 


Fiff.  37. 


Fiff.  38. 


Fig.  39. 


Fig.  40. 


Fig.  37—40.   Billitonite.  Fig.  37   von  Dendang.    (Geolog.  Institut  der  Univorsität.) 
Fig.  38—40  Mine  13.  Tobrnng.    (d'colog.  Keichsmuseum  Leiden.) 


und  Krause),  welche  ich  an  Moldaviten  in  der  charakteristischen 
Weise  niemals  beobachten  konnte.    (Siehe  Fig.  37 — 40.) 

Trotz  dieser  sehr  bezeichnenden  Unterschiede  ist  ein  grund- 
sätzlicher Gegensatz  zwischen  den  beiderlei  Scul[)turforinen  nicht 
vorhanden,  und  es  lässt  sich  der  Weg  nachweisen,  der  von  der 
einen  zur  anderen  führt. 

Ueberhaupt  scheinen  die  Verschiedenheiten  nicht  durchwegs 
vorhanden  zu  sein.  Fig.  41  ist  die  Copie  der  Darstellung  einer 
Billitonkugel  von  Krause  (1.  c.  Fig.  1),  auf  welcher  die  Kerben  in 
denselben  Dimensionen  entwickelt  sind,  wie  auf  vielen  Moldaviten 
(vergl.  z.  B.  Taf.  IV,  Fig.  3V,  auch  die  Ilöfchen  scheinen  an  dein 
Exemplare  zu  fehlen. 


[127]  l^'<^  Ileikiiiift  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  319 

Einige  Beispiele  mögen  ein  genaueres  Bild  der  Erscheinungen 
liefern : 

Beispiel  Nr.  1.  Taf.  VIT,  Fig.  2a  — h.  (Sammlung  des  natur- 
hist.  Ilofmuseums.)  Mine  13.  Tebrung,  District  Dendang,  Billiton.  Abs. 
Gew.  21-998  gr,  spec.  Gew.  2-443.  Pechschwarz,  niattglänzend. 

Das  Stück  bildet  ein  gerundetes  Oval  mit  breiter,  abgefiacliter 
Basis,  welches  auf  der  einen  Seite  ausserdem  ein  wenig  eingedrückt 
ist  (Fig.  2  a).  Die  glattere  und  stellenweise  etwas  stumpf  abgekantete 
Oberfläche  ist  mit  wechselnd  grossen,  oft  nur  bis  zur  Grösse  von 
Nadelstichen  herabsinkenden,  meist  kreisrunden  Näpfchen  bedeckt. 
Die  II  oh  Ik  ehi  enrillen  von  bedeutender,  jedoch  etwas  schwanken- 
der Breite  zeigen  auf  der  abgeflachten  Seite  eine  nndeutlich  radial- 
strahlige  Anordnung,  wie  das  in  ähnlicher  Weise  bei  manchen  sehr 
grobgefurchten  mährischen  Stücken  der  Fall  ist  (vergl.  z.  B.  Taf.  IV, 
Fig.  2).   Auf  der  gewölbten  Seite  sind  diese  Rillen  zwar  zahlreicher, 

Fig.  41. 


Birnförmiger  Billitonit,  auf  der    Unterseite  abgeplattet.  Nach  Krause  (1.    c. 

Taf.  XIV,  Fig.  1). 

jedoch  in  ganz  unregelmässiger  Weise  angeordnet;  sie  zeigen  im  all- 
gemeinen eine  Neigung  zu  bogenförmigem  Verlaufe,  mit  dem  Bestreben, 
sich  zu  Halbmonden  oder  kleinen  Kreisen  zusammenzuschliessen, 
welche  in  der  Mitte  einen  etwas  erhabenen  Punkt  umfassen  und 
sich  der  Gestalt  der  Höfchen  nähern  (Fig.  2i>  rechts  oben);  hie  und 
da  sind  sie  in  unbestimmter  Weise  zu  Gruppen  zusammengedrängt. 
Einzelne  kleinere,  rillenartige  Näpfchen  scheinen  sich  seitlich  schief 
oder  fast  senkrecht  in  die  Masse  einzubohren  und  bilden  die  von 
Krause  als  spitzkonische  Vertiefungen  bezeichnete  Sculptur- 
erscheinung;  sie  sind  mit  einer  feinen,  hellgelben  Substanz  ausgefüllt, 
von  der  es  mindestens  fraglich  ist,  ob  man  sie  als  perlitische  Substanz 
betrachten  kann.  Die  spitzkonischen  Vertiefungen  sind  besonders 
reichlich  vorhanden  an  der  etwas  abgeflachten  Seitenfläche;  sie 
stehen  daselbst  sowohl  innerhalb  als  auch  ausserhalb  der  Rillen  und 
scheinen  im  allgemeinen  in  einer  Richtung,  welche  mit  einer  scharf- 


320  Dr-  Franz  E.  Siiess.  [128] 

kantig  markirteu  Fluidalstreifuiig  zusaminenfällt,  schief  eingebolirt  zu 
sein.  In  der  Umgebung  dieser  Stelle  werden  die  spitzkonischen 
Gruben  seltener  und  sind  an  dem  gegenüberliegenden  gewölbten 
Flächentheile  gar  nicht  vorhanden.  Auf  dem  Stücke  befinden  sich 
drei  deutliche  „Höfchen",  und  zwar  das  grösste  an  dem  einen 
Endpunkte  der  längsten  Axe,  die  beiden  anderen  in  der  Nähe  des 
gegenüberliegenden  Poles.  Das  erstere  besteht  aus  einer  ringförmigen 
tiefen  Rille,  welche  beiläufig  dieselbe  Breite  und  auch  sonst  ganz 
denselben  Habitus  besitzt,  wie  die  übrigen  Rillen.  Sie  umschliesst 
eine  Art  erhabener  länglicher  Narbe ,  welche  zur  selben  Höhe 
emporragt,  wie  die  umgebenden  Flächentheile.  Die  Rille  ist  in  un- 
gleichem Grade  vertieft ;  von  einer  sehr  seichten  Stelle,  welche  fast 
einen  verlängert  querliegenden  Verbindungsrücken  von  dem  Gipfel 
der  Narbe  aus  bildet,  dringt  die  Furche  spiral  immer  tiefer  ein,  so 
dass  die  seichteste  und  die  tiefste  Stelle  nahe  nebeneinander  liegen. 
Am  Grunde  des  Höfchens  sind  zwei  Arten  von  Streifung  zu  beobachten, 
ebenso  wie  bei  den  gestreckten  Rillen :  nämlich,  einerseits  eine  An- 
zahl von  wenig  gebogenen  radialen,  schwach  erhabenen  Rippen,  die 
unmittelbar  an  der  Narbe  ziemlich  scharf  markirt  beginnen  und 
gegen  aussen  lasch  an  Deutlichkeit  abnehmen;  sie  entsprechen  der 
Querstreifung  der  gestreckten  Rillen  (s.  oben  S.  317).  Ausserdem 
wird  das  Höfchen  noch  ebenso  von  den  gestreckten  Rillen  der 
Fluidalstreifung  gequert,  welche,  wie  bereits  bemerkt,  bei  den  Billiton- 
kugeln  schärfer  ausgeprägt  ist  als  bei  den  europäischen  Stücken. 
Die  beiden  Höfchen  des  anderen  Poles  sind  kleiner,  flacher  und  ihr 
centraler  Kegel  weniger  erhaben.  Die  unregelmässig  gebogene  Radial- 
streifung ist  sehr  deutlich.  In  dem  einen  der  beiden  Höfchen  wird 
die  Mitte  von  einigen  ganz  kleinen,  näpfchenartigen  Vertiefungen 
eingenommen. 

Beispiel  Nr.  2.  Taf.  VII,  Fig.  ba — c.  (Geolog.  Institut  der  Berg- 
akademie, Freiberg  i.  S.)  Dendang,  Billiton.  Pechschwarz,  lebhafter 
Lackglanz. 

Das  fast  kreisrunde  Stück  ist  ein  gutes  Beispiel  für  die  unter 
den  Billitonkugeln  häufigen  abgeplatteten  Formen.  Auf  der  gewölbten 
Seite  befindet  sich  eine  Anzahl  fast  paralleler,  aber  wellig  gebogener 
Furchen,  welche  bedeutend  breiter  und  weniger  vertieft  sind,  als  an 
anderen  Exemplaren.  Ganz  schmale,  mit  „Nadelstichen"  bedeckte 
Flächenstücke  zwischen  den  breitesten  Rillen  scheinen  Reste  der 
älteren  Oberfläche  zu  sein.  (Fig.  5  a  rechts.)  Die  Rillen  gehen  in  ziem- 
lich weichen  Formen  auch  seitlich  ineinander  über,  und  zwischen 
denselben  sind  flache,  unregelmässig  umgrenzte  Vertiefungen  einge- 
schaltet, welche  verkürzten  und  verzogenen  Stücken  solcher  Rillen 
gleichen.  Die  Querstreifung,  welche  wie  eingekratzt  aussieht,  rührt 
von  einer  schlierigen  Fluidalstructur  her.  Gegen  den  äquatorialen 
Rand  sind  die  eigentlichen  Rillen  bis  auf  Spuren  verschwunden.  An 
einer  Stelle  in  der  Nähe  des  Randes  befindet  sich  ein  etwas  ver- 
zerrtes und  ganz  flaches  Höfchen  mit  excentrisch  gelegener,  länglich 
kanimartiger  Nnrbe.  Doch  ist  die  Sculptur  in  zwei  Hälften  der  ilqua- 
torialen  Randzone  verschiedenartig  entwickelt.  Eine  Hälfte  ist  ziemlich 


[129]  r>ie  Ileikiinft  der  Moldavite  und  verwandter  Gläser.  321 

glatt  und  fast  mir  mit  den  nmdlichen  Näpfchen  überzogen,  auf  der 
anderen  Hälfte  (Fig.  bh)  sind  die  spitzkonischen  Vertiefungen  in 
sehr  grosser  Zahl  angereichert  und,  wie  das  auch  bei  anderen  Stücken 
der  Fall  ist,  tritt  in  der  Gegend  dieser  Anreicherung  die  Fluidal- 
streifung  besonders  stark  hervor;  die  Vertiefungen  sind  mit  weiss- 
licher,  perlitartiger  Substanz  ausgefüllt.  Auf  der  flachen  Basis  fliessen 
die  Charaktere  der  beiden  Hälften  der  Randzone  ineinander  über. 
Die  Fluidalstreifung  scheint  sich  von  der  stark  corrodirten  Seite  her 
zu  einer  undeutlichen,  radialstreiligen  Spirale  zusammenzuschliessen. 
(Fig.  5c'  oben.)  Nicht  ganz  in  der  Mitte  der  Fläche  befinden  sich 
einige  grössere,  flachere  Mulden  mit  einseitiger  Kante.  Die  kleineren 
gestreckten  Näpfchen ,  welche  die  ausgeflachten  Aequivalente  der 
konischen  Einbohrungen  darstellen,  liegen  sowohl  innerhalb  als  auch 
ausserhalb  dieser  Mulden ;  in  der  Mitte  der  grösseren  Mulde  selbst 
befinden  sich  noch  einzelne  derartige,  in  spitzem  Winkel  zur  Ober- 
fläche gelegene  Einbohrungen. 

Das  ganze  Stück  macht  den  Eindruck  eines  teigartig  zähen 
Tropfens,  welcher  an  der  Oberfläche  einerseits  mit  Rillen  und  ander- 
seits mit  durch  eine  spirale  Drehung  der  schlierigen  Masse  ver- 
zerrten konischen  Vertiefungen  versehen  war  (ähnlich  wie  Beisp.  Nr.  6, 
Taf.  Vn,  Fig.  o)  und  durch  den  Aufschlag  auf  die  Athmosphäre  oder 
auf  den  Boden  einseitig  flach  gedrückt  und  breit  gequetscht  worden  ist. 
Die  Rillen  auf  der  oberen  Seite  wurden  dadurch  verzogen,  breiter  und 
flacher,  während  sie  in  einem  Theile  der  Randzone  undeutlicher 
wurden  oder  ganz  verschwunden  sind.  Auf  der  Fläche  des  Auff"alles 
scheinen  ursprünglich  ebenso  wie  in  einem  Theile  des  Randes  bei 
scharf  markirter  Fluidalstreifung  nur  die  konischen  Vertiefungen  vor- 
handen gewesen  zu  sein,  welche  zum  Theile  ebenfalls  flach  gedrückt 
worden  sind. 

Beispiel  Nr.  3.  Taf.  VH,  Fig.  la  —  b.  (Sammlung  Perle p.) 
Dendang,  Billiton.  Abs.  Gew.  40-295  gr,  spec.  Gew.  2443. 

An  dem  pechschwarzen,  tropfenförmigen  Stücke  kann  man  sehen, 
wie  sehr  verschieden  der  Verlauf  der  Rillen  auf  den  Billitoniten, 
von  dem  der  Rillen  der  Moldavite  sein  kann,  trotz  der  sonstigen 
gleichartigen  Beschaftenheit  beider  Körper.  Niemals  gewinnen  die 
breiteren  Rillen  auf  den  Moldaviten  die  Länge  der  „wurm gang- 
artigen" Rillen,  wie  auf  diesen  Körper,  dessen  kegelförmige  Run- 
dung sie  auf  fast  zwei  Drittel  des  Umfanges  umschliessen ;  niemals 
finden  Verzweigungen  der  Kerben  jener  statt,  wie  man  sie  an  den 
Wurmgängen  dieses  Stückes  stellenweise  beobachten  kann.  Vor  allem 
aber  vermisst  man  am  vorliegenden  Stücke,  wie  auch  sonst  an  den 
Billitonkugeln  die  regelmässige  Anordnung  der  Rillen,  welche,  wie 
oben  auseinandergesetzt  wurde,  bei  den  Moldaviten  stets  den  Luft- 
abströmungslinien  folgen.  Auf  der  einen  Längshälfte  (Fig.  7  a  links) 
des  Stückes  tritt  die  Fluidalstreifung  so  stark  hervor,  dass  die  Fläche 
ein  stark  zerfressenes  Aussehen  erhält.  Die  auf  der  übrigen  Ober- 
fläche nur  leicht  eingekratzten  Streifen  werden  hier  so  tief  und  breit, 
dass  dazwischen  nur  schmale,  zugeschärfte  Leistchen  hervorragen; 
darunter   befinden   sich   auch    noch   längliche    Vertiefungen    nach  Art 


322  D'"-  Franz  E.  Siiess.  [130] 

(1er  Eiubohrimgeii,  die  mit  einer  briUiiilicligelbeii  Substanz  ausgefüllt 
sind.  Ich  wage  nicht,  zu  entscheiden,  ob  das  zerfressene  Aussehen 
des  einen  Flächentheiles  bei  diesem,  sowie  auch  bei  manchem  anderen 
Stücke  ebenfalls  im  Fluge  erworben  wurde,  oder  ob  es  nicht  als  die 
Folge  einer  chemischen  Corrosion  zu  betrachten  sein  dürfte. 

Eine  Partie  der  zerfressenen  Hälfte  ist  ein  wenig  abgeflacht, 
und  hier  zeigt  allerdings  eine  Gruppe  von  Rillen  eine  Andeutung  des 
radialstrahligen  Auseinandertretens  (Fig.  7a  linke  Kante);  wenn  man 
aber  bedenkt,  dass  sich  einzelne  derselben  in  wechselnder  Breite 
bis  auf  die  gegenüberliegende  Seite  fortsetzen,  wird  man  diese  Stern- 
form nicht  mit  der  oben  erwähnten  radialstrahligen  Luftabströmung 
vergleichen  können.  Ein  wohl  entwickeltes,  kreisrundes  Höfchen  sitzt 
in  der  Nähe  des  keulenförmigen  Endes  ;  daneben  belinden  sich  noch 
unbestimmte,  nur  zu  Hälfte  entwickelte,  höfchenartige  Sculpturen, 
welche  aus  einer  engen  Gruppirung  von  gebogenen  Rillen  zusammen- 
gesetzt zu  sein  scheinen.  In  der  Nähe  des  spitzeren  Endes,  aber 
nicht  an  der  Spitze  selbst,  befinden  sich  zwei  weitere  höfchenartige 
Bildungen;  die  eine  besteht  aus  drei  kürzeren,  zum  Dreieck  zusammen- 
gestellten Rillen  (Fig.  7  b  nächst  der  Spitze)  und  die  zweite  kommt 
zustande  durch  die  Umbiegung  einer  längeren  und  starken  Rillen, 
deren  seichteres  Ende  nach  Art  eines  Bischofstabes  zusammengekrümmt 
ist  und  ein  spitzes  Stilchen  umschliesst,  dessen  oberes  Ende  an  einer 
sehr  kleinen  glänzenden  Fläche  abgebrochen  ist  (Fig.  7  h  oben  links). 
Das  Stilchen  ragt  nicht  höher  empor  als  die  übrige  Oberfläche  und 
es  ist  wohl  möglich,  dass  nur  eine  ganz  kleine,  scharfkantige  Spitze 
abgebrochen  ist,  wie  das  auch  bei  einigen  anderen  hervorragenden 
Zacken  des  Stückes,  die  nicht  mit  Höfchen  im  Zusammenhange  stehen, 
der  Fall  ist.  Es  ist  bemerkenswert,  dass  die  Rille,  welche  das  Höfchen 
bildet,  am  gekrümmten  Ende  sehr  seicht  beginnt  und  sich,  allmälig 
tiefer  werdend,  spiral  in  die  Masse  einbohrt,  so  dass  ihr  gestreckter 
Theil  der  breiteste  und  tiefste  ist. 

Beispiel  Nr.  4.  Taf.  VII,  Fig.  4a— />.  (Sammlung  Perlep.) 
Dendang,  Billiton.  Abs.  Gew.   lü-238  gr,  spec.  Gew.  2479. 

Die  ziemlich  regelmässige  Eiform  zeigt  an  einzelnen  Stellen, 
wie  auch  manche  andere  Billitonkugel,  eine  Art  schwacher  Facet- 
tirung  in  Form  von  zarten,  aber  bestimmten,  schwach  gekrümmt  ver- 
laufenden Kanten.  Die  Sculptur  ist  verhältnismässig  spärlich,  indem 
der  grösste  Theil  der  Oberfläche  auö'allend  glatt  ist  und  ausser  wenigen 
grösseren,  runden,  Näpfchen  nur  eine  sehr  zarte  Rauhigkeit  zeigt 
(Fig.  41)).  Ein  Theil  der  EifläcJie,  welcher  den  einen  Pol  zusammen 
mit  einem  etwas  weniger  gewölbten  seitlichen  Flächenstücke  umfasst, 
ist  bedeckt  mit  enggedrängten  kleineren  Kerben  nach  Art  derjenigen 
mancher  mährischer  Moldavite,  jedoch  sind  sie  mehr  ungleich  in  der 
Grösse  und  eine  sternförmige  Anordnung  kann  für  die  unregelmässige 
Gruppe  nicht  behauptet  werden  (Fig.  Ab  rechts  unten  und  4a,  links 
oben).  In  der  Nähe  des  Poles  sind  einzelne  Kerben  nach  Art  der 
konischen  Einbohrungen  verzogen  und  seitlich  eingedrückt.  Am  übrigen 
Theile  der  Oberfläche  befinden  sich  nur  ganz  wenige  grössere  Rillen 
in  Form  der  Wurmgänge.    Dagegen    ist   derselbe  besonders  reich    an 


[131]  Di«  Herkunft  der  Moldavite  iiud  verwandter  Gläser.  323 

höfchenartigen  Bildungen,  deren  man  13  auf  dem  Stücke  zählen  kann. 
Sie  sind  der  grösseren  Anzahl  nach  in  unbestimmter  Weise  auf 
einer  grösseren  Elipse  des  Umfanges  aneinandergereiht,  so  dass  sie 
einen  Theil  der  Kerbenpartie  fast  kranzförmig  umfassen.  Der  Zu- 
sammenhang der  Höfc'hen  mit  den  gekrümmten  Wurmgängen  ist  an 
dem  Stücke  besonders  deutlich.  Eine  Krum  ms  tabf  or  m  tritt  sehr 
auftauend  hervor,  bei  der,  wie  oben,  das  seichtere,  gebogene  p]nde 
scharfkantig  gegen  das  mehr  vertiefte  und  gestreckte  abstösst;  die 
Krümmung  ist  hier  ebenfalls  spiral  vertieft  und  umfasst  ein  kleines 
ebenes  P'lächenstück,  welches  sich  in  keiner  Weise  von  der  übrigen 
glatten  Oberfläche  unterscheidet  und  unmöglich  durch  das  Abbrcjchen 
eines  Stiles  entstanden  sein  kann.  (Fig.  4  a  rechts.)  Sonst  sind  die 
Höfchen  sehr  ungleich  entwickelt;  manchmal  ist  der  centrale  Zapfen 
kaum  angedeutet,  so  dass  die  Höfchen  fast  zu  Näpfchen  werden,  oder 
es  ist  nur  eine  ganz  schwache  kegelförmige,  in  einer  Spitze  endigende 
Erhebung  vorhanden;  in  anderen  Fällen  ist  das  Höfchen  nicht  ganz 
geschlossen,  und  ein  schmaler  Rücken  der  umgebenden  Oberfläche 
ragt  in  die  Mitte  und  ersetzt  so  den  mittleren  Zapfen.  Fast  stets 
sind  die  Käpfcheu  ungleich  vertieft  und  die  Zapfen  liegen  nicht 
genau  in  der  Mitte,  sondern  etwas  seitlich  verschoben.  Oft  sind  die 
Rillen  knapp  an  die  Höfchen  angeschlossen,  ohne  dass  sie  in  dieselben 
überfliessen,  indem  sich  zwischen  beiden  eine  scharfe  erhabene 
Kante  befindet.  (Fig.  Ah,  die  Enden  der  langen  Rille,  welche  sich 
fast  über  das  ganze  Stück  erstreckt.) 

Beispiel  Nr.  5.  Taf.  VII,  Fig.  6.  (Geolog.  Reichsmuseum 
Leiden.)  Dendang,  Billiton.  Abs.  Gew.  9390  gr,  spec.  Gew.  2-465. 

Das  knopftormige  Exemplar  ist  ein  gutes  Beispiel  für  die  kan- 
tige Facettirung  der  Oberfläche,  welche  bei  manchen  Billitonkugeln, 
und  zwar  besonders  bei  etwas  glatteren  Exemplaren  gut  ausgebildet 
ist.  Die  beiden  Breitseiten  sind  sehr  verschieden  sculpturirt  und 
die  Grenze  beider  Sculpturgrade  ist  durch  eine  scharfe,  wellig  und 
zackig  um  den  Aequator  laufende  Kante  gekennzeichnet  Die  Ober- 
seite (Fig.  6)  ist  glatter,  mit  wenigen  punktartigen  Näpfchen  und 
Nadelstichen,  und  durch  einige  scharfe  Kanten  in  einige  gekrümmte 
Felder  getheilt.  Nahe  der  Mitte  befindet  sich  eine  höfchenartige 
Vertiefung,  mit  stark  excentrisch  gelegenen  mittleren  Zapfen,  der 
durch  einen  kantigen  und  im  Winkel  gebogenem  Rücken  mit  der 
glatten  Oberfläche  in  Verbindung  steht  und  sich  in  Form  einer  Fa- 
cettenkante in  diese  fortsetzt.  Die  Näpfchenfurche  ist  ein  wenig 
Spiral  vertieft,  und  zwar  am  tiefsten  an  der  breitesten  Stelle ;  sie 
besteht  aber  nicht  wie  sonst  aus  einer  einzigen  Rille,  sondern  es  ist 
vom  breiten  Bogenstück  ein  ganz  schmaler  Streifen  durch  eine  sehr 
zarte  Kante  abgetrennt;  auch  sonst  befinden  sich  in  der  Tiefe  der 
breiten  Furche  zarte,  unregelmässig  verlaufende  Kanten  und  kleine 
Näpfchen.  Auf  dem  benachbarten  grösseren  Facettenfelde  (Fig.  6 
unten)  ist  eine  Anzahl  von  unregelmässigen  Näpfchen  zu  einer  fast 
kreisförmigen  Gruppe  zusammengedrängt;  zwischen  den  Näpfchen 
ragen  einzelne  Partien  der  Oberfläche  ein  wenig  hervor,  so  dass  auch 
diese  Bildung  entfernt  an  ein  Höfchen  erinnernt. 

JaLi'bucli  d.  k.  k.  geol.  ICeichsanstalt,  1900,  50.  Uand,  2.  Heft.  (Fr.  E.  Suess.)       42 


324  ßr.  Franz  E.  Siiess.  [132] 

Die  untere  Hälfte  des  Stückes  (nicht  abgebildet)  ist  gleichmässig 
überdeckt  mit  sehr  zahlreichen,  wechselnd  grossen  und  meist  rund- 
lichen Näpfchen;  stellenweise  schliessen  sie  sich  in  ihrer  Streckung 
ein  wenig  der  stark  hervortretenden  Fluidalstreifung  an  und  nähern 
sich  den  konischen  Einbohrungen. 

Der  Gesammthabitus  des  Stückes  nähert  sich  ein  wenig  dem 
mancher  australischer  Formen,  die  in  weit  regelmässigerer  Weise 
abgekantet  sind;  dazu  trägt  noch  ein  wenig  das  Vorhandensein  ein- 
zelner kürzerer  Kerben  bei,  welche  in  fast  senkrechter  Stellung  knapp 
auf  der  äquatorialen  Kante  stehen. 

Beispiel  Nr.  6.  Taf.  VII,  Fig.  3a— c.  (Geol.  Institut  der  Berg- 
akademie Freiberg  in  Sachsen.)  Dendang,  Billiton. 

Die  auffallendste  Erscheinung  an  dem  dick  sackförmigen  Stücke 
ist  die  stark  hervortretende,  spiral  gedrehte  Fluidalstructur.  Eigent- 
liche Rillen  sind  nur  auf  einer  Seite  des  Stückes  (Fig.  3  h)  und 
auch  da  nicht  In  voller  Schärfe  entwickelt;  zwei  von  den  beiden 
Polregionen  ausgehende  deutliche  Rillen  sind  sehr  flach  und  endigen 
ganz  unbestimmt  und  nicht  in  der  Schärfe  wie  auf  anderen  Stücken ; 
einige  kürzere  Querrillen,  welche  zwischen  den  beiden  Längsrillen 
liegen,  sind  noch  flacher  und  unbestimmter  ausgeprägt.  (Fig.  3/>  links.) 
Höfchen  fehlen  vollkommen;  dagegen  sind  die  konischen  Einbohrungen 
im  höchsten  Masse  entwickelt.  Wie  gewöhnlich  sind  sie  auch  hier  auf 
einem  Theile  der  Oberfläche  besonders  reichlich  vorhanden  (Fig.  3c), 
während  sie  auf  dem  anderen  Theile,  der  den  spiral  gedrehten  Pol 
bildet,  fehlen  (Fig.  3  a  Mitte  oben.)  Die  einzelnen  Einbohrungen  zeigen 
glatte  oder  wenig  gestreifte  Flä